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Was ist eigentlich ein Priester? Der Hl. Pfarrer von Ars sagte dazu einst:

nach den 40 Tagen der Fastenzeit dürfen wir nun das Triduum Pasquale begehen, bilden doch der Gründonnerstag, der Karfreitag und die Osternacht die Herzmitte aller gottesdienstlichen Feiern im Kirchenjahr. Uns klingen sicher noch die Worte aus dem Hochgebet des gestrigen Gründonnerstags in den Ohren: „ Am Abend vor seinem Leiden, -das ist heute-"! Doch dieser Einschub dient nicht nur dazu, uns an ein Ereignis vor über 2000 Jahren zu erinnern, damit es nicht in Vergessenheit gerät. Es handelt sich vielmehr um eine Vergangenheit, die aufs Neue aktuell wird. Beim Gründonnerstagsgeschehen wird deutlich, wie eng die Hl. Eucharistie mit dem Priester verbunden ist: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Und so ist es wichtig, immer wieder neu, ja täglich, dieses große Mysterium betrachtend zu feiern.

Doch was ist eigentlich ein Priester? Der Hl. Pfarrer von Ars sagte dazu einst:„Wenn wir das Weihesakrament nicht hätten, dann hätten wir auch unseren Herrn nicht. Wer hat ihn in den Tabernakel gelegt? Der Priester. Wer hat eure Seele beim Eintritt ins Leben in Empfang genommen? Der Priester. Wer ernährt sie, um ihr die Kraft auf der Pilgerreise zu geben? Der Priester. Wer wird sie bereiten, um vor Gott zu erscheinen, indem er diese Seele zum ersten Mal im Blut Christi wäscht? Der Priester, immer wieder der Priester. Und wenn diese Seele gestorben ist, wer soll sie auferwecken? Wer gibt ihr Ruhe und Frieden zurück? Wiederum der Priester. Ihr könnt euch keine einzige Wohltat Gottes ins Gedächtnis rufen, ohne bei dieser Erinnerung auch auf das Bild des Priesters zu stoßen.“

Ein Priester soll sich entscheidend um das Heil der Menschen sorgen, genauer um das ewige Seelenheil. Betrachtet man diese Dimension, so erkennt man den Ernst des Anspruchs. Doch wie oft wird die „Seel-Sorge“ nicht mehr in den Mittelpunkt gestellt, nicht mehr ernst genommen oder gar eigenem Gutdünken unterworfen. Gerade der Priester ist der Botschafter unseres Herrn. Er verkündet sein Wort und handelt in seinem Namen am Altar. So dürfen wir die Tatsache nicht ausblenden, dass selbst Christus -wahrer Gott und wahrer Mensch- seinen Willen gehorsam dem des Vaters untergeordnet hat.

Erst gestern, in der Chrisam-Messe, nahm der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI., Bezug auf die sogenannte „Pfarrerinitiative“, zu der das Priesternetzwerk ja auch öffentlich Stellung bezogen hat. Der Papst sagte in seiner Predigt: "Vor kurzem hat eine Gruppe von Priestern in einem europäischen Land einen Aufruf zum Ungehorsam veröffentlicht und dabei gleichzeitig auch konkrete Beispiele angeführt, wie dieser Ungehorsam aussehen kann, der sich auch über endgültige Entscheidungen des kirchlichen Lehramtes hinwegsetzen soll wie zum Beispiel in der Frage der Frauenordination, zu der der selige Papst Johannes Paul II. in unwiderruflicher Weise erklärt hat, dass die Kirche dazu keine Vollmacht vom Herrn erhalten hat.

Ist Ungehorsam ein Weg, um die Kirche zu erneuern? Wir wollen den Autoren dieses Aufrufs glauben, dass sie die Sorge um die Kirche umtreibt; dass sie überzeugt sind, der Trägheit der Institutionen mit drastischen Mitteln begegnen zu müssen, um neue Wege zu öffnen – die Kirche wieder auf die Höhe des Heute zu bringen.

Aber ist Ungehorsam wirklich ein Weg? Spüren wir darin etwas von der Gleichgestaltung mit Christus, die die Voraussetzung jeder wirklichen Erneuerung ist oder nicht doch nur den verzweifelten Drang, etwas zu machen, die Kirche nach unseren Wünschen und Vorstellungen umzuwandeln? (…) All unsere Verkündigung muss Maß nehmen an dem Wort Jesu Christi: `Meine Lehre ist nicht meine Lehre´ (Joh 7, 16). Wir verkündigen nicht private Theorien und Meinungen, sondern den Glauben der Kirche, deren Diener wir sind. Aber das darf natürlich nicht heißen, dass ich nicht mit meinem ganzen Ich hinter dieser Lehre und in ihr stehen würde.“ (vollständige Predigt: hier)

Der Priester verkündet also nicht sich selbst. Wir werben nicht für uns, sondern sind vielmehr die Botschafter unseres Herrn. Und so gilt eben auch uns der Eifer und die Sorge um das ewige Seelenheil der Menschen.

Dem Gründonnerstag folgt der Karfreitag, der Hingabe in der Hl. Eucharistie folgt die Hingabe am Kreuz. Und so entdeckt der Christ im Kreuz schließlich Hoffnungsvolles: Denn auch Jesus hatte in tiefster Verzweiflung immer noch höchstes Gottvertrauen. Und so gehen wir aus dem leidvollen und heilsbringenden Karfreitag langsam über in die Osternacht. In der Tiefe der Todesnacht besinnen wir uns wieder neu auf unseren Anfang mit Gott, auch indem wir uns das Taufversprechen bewusst machen. Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer: „Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“ (Röm 6,3ff.)

So wünschen wir inmitten dieser Heiligen Tage die Gnade des tiefen Mitvollzugs der einen großen Liturgie, welche am Gründonnerstag mit dem Kreuzzeichen begann und erst mit dem Kreuzzeichen des Segens in der Osternacht endet. Verkünden wir als Christi Botschafter sein Evangelium – die wahre „frohe Botschaft“ und lassen wir uns immer wieder neu demütig in seinen Dienst stellen.

Ein gnadenreiches und frohes Osterfest wünschen Ihnen in fester Verbundenheit

Pfr. Dr. Guido Rodheudt, Pfr. Hendrick Jolie und Pfr. Uwe Winkel

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