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Gruß zu den Kar- und Ostertagen

Hochwürden, liebe Mitbrüder,

nur noch einige Stunden trennen uns von jenem geheimnisvollen Moment, da der Herr durch die schlichten Worte „tut dies zu meinem Gedächtnis“ das Wesen unseres priesterlichen Dienstes für alle Zeiten bestimmt hat. Von Herzen wünschen wir Ihnen, dass Sie in der Feier dieser Heiligen Tage über das unermessliche Geschenk der priesterlichen Berufung aufs Neue staunen können: Eine Berufung, die uns insbesondere die Gnade schenkt, den stellvertretenden Sühnetod des Erlösers sakramental zu vergegenwärtigen:

„Oh, wie groß ist der Priester! Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben. Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein.“ (Hl. Pfarrer von Ars)

Diese Berufung, den Herrn in seinem Opfer gegenwärtig zu setzen und den Gläubigen die Gnaden auszuspenden, die für ihre Heiligung und Rettung notwendig sind, ist in den Wirren unserer Zeit keineswegs überflüssig geworden – auch wenn die aggressiven Töne der Öffentlichkeit zuweilen das Gegenteil suggerieren. Jedem von uns fallen einzelne Gläubige ein, die für das Wirken des Priesters dankbar sind: Menschen, die erkannt haben, dass der Priester notwendig ist für die Rettung der Seelen.

Dennoch darf nicht verschwiegen werden, dass sich über der Kirche und besonders über den Priestern in den vergangenen Monaten dunkle Wolken zusammengezogen haben: Trotz anderslautender Beteuerungen von offizieller Seite werden die verheerenden Folgen der Missbrauchsfälle sowie des unbeholfenen Agierens der Verantwortlichen vor den Medien erst jetzt langsam sichtbar. Das priesterliche Amt und die Person des Pfarrers erleiden hierbei mancherorts einen erdrutschartigen Vertrauensverlust (wie z.B. die aktuelle Allensbach-Umfrage beschreibt), dessen Folgen für die seelsorgliche Arbeit vor Ort überhaupt noch nicht absehbar sind.

Dass in einem Klima des Misstrauens, der offenen Feindseligkeit und des Generalverdachts priesterliche Berufungen nicht wachsen können, muss nicht eigens erwähnt werden. Wenn in dieser katastrophalen Situation der priesterliche Zölibat auch innerkirchlich unter Beschuss gerät, muss dies niemanden verwundern – zumal nicht wenige Oberhirten im Strudel der Skandale höchstpersönlich „Lockerungsübungen“ an der Zölibatsverpflichtung und an anderen unbequeme Weisungen der kirchlichen Disziplin vor aller Augen vollführt haben. Kaum eine Reformforderung, die in diesen Monaten der öffentlichen Erregung nicht aus einem bischöflichen Mund zu hören war, wenn auch meistens mit dem Verweis, dass die Verwässerung der katholischen Identität nur „weltkirchlich“ zu bewerkstelligen sei.

So hat z.B. der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz vor wenigen Tagen den Priestermangel als Möglichkeit gedeutet, „die Vielfalt an Gaben und Diensten in der Kirche zu entdecken und damit neue Wege zu erkunden, wie alle ihre Verantwortung in der Kirche wahrnehmen können.“ (11.04. 2011 in Würzburg)

Diese Sichtweise ist keineswegs überraschend und neu – im Gegenteil: Bereits 2008 hatte der gleiche Vorsitzende den Priestermangel (so wörtlich) als „Chance für die Seelsorge“ bezeichnet und dabei beklagt: „Das kirchliche Leben hat sich in der Vergangenheit sehr auf den Priester konzentriert.“ Deswegen sei es höchste Zeit, „dass in der pastoralen Arbeit nicht nur Priester und damit Männer tätig sind, sondern auch Frauen.“ (27.08.2008) Hier wird der Popanz einer patriarchalen Klerikerkirche beschworen, um anschließend zeitgeistkonform eine „neue Form des Kircheseins“ einzufordern – und dies in einer Zeit, in der die Konturen des priesterlichen Dienstes ohnehin zu verschwimmen drohen. Cui bono?

Bei allem Respekt schauen nicht wenige Priester deshalb mit Sorge auf den von den deutschen Bischöfen angestoßenen vierjährigen Dialogprozess:

• Sorge deshalb, weil die teilweise in offenem Widerspruch zur kirchlichen Lehre stehenden Forderungen des Theologen-Memorandums von offizieller Seite als „gutes Signal“ bezeichnet wurden, das „Defizite und Reformerfordernisse“ aufdecken würde. (Hw. Hans Langendörfer am 04.02.2011)

• Sorge deshalb, weil einige wenige Bischöfe sich zwar über die Forderung des Theologenmemorandums empörten, nachdenkliche Beobachter sich jedoch fragen: Wie ist es möglich, dass die Unterzeichner dieser Erklärung seit Jahrzehnten an Universitäten lehren, die von eben diesen nun empörten Bischöfen beaufsichtigt werden? Haben die Verantwortlichen wirklich nicht bemerkt, welcher Geist an den theologischen Fachbereichen herrscht und mit welchen Ideologien Priesteramts- und Lehramtskandidaten seit Jahrzehnten traktiert werden? Die Lage an den Fakultäten ist doch seit Jahren öffentlich dokumentiert worden.

• Sorge auch deshalb, weil die deutschen Bischöfe in ihrem „Wort an die Gemeinden“ vom 17.03. 2011 die glaubenstreuen Katholiken und „Memorandums-Gegner“ nur mit einem Nebensatz erwähnt werden. Sie werden als jene charakterisiert, „die alles beim Alten lassen wollen und sogar meinen, die Misere der Kirche liege darin, ihrem eigenen Erbe und Selbstverständnis gegenüber nicht treu genug zu sein.“ (ebd. S. 2) Der Tonfall dieser Äußerung legt nahe, dass der Dialog nicht vorbehaltlos geführt wird, weil von vorneherein eine ideologische Vorentscheidung getroffen wurde: Wer den „Reformen“ skeptisch gegenübersteht, ist ein „Ewig-Gestriger“.

• Sorge auch deshalb, weil der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz eine offizielle Bitte um ein Gespräch von Seiten des Priesternetzwerkes (die wir durch die Vermittlung des Nuntius an die DBK gerichtet haben) zunächst über Wochen ignorierte und später mit dürren Worten ablehnte. Ist das der Geist des vielbeschworenen Dialogs? Ist man darüber hinaus bereit, neben den Funktionären der kirchensteuerfinanzierten Verbände auch jene anzuhören, die um die Befolgung päpstlicher Weisungen bemüht sind.

Wer der Zerstörung des Glaubens in Liturgie und Pastoral weitgehend tatenlos zugeschaut hat - wer den Priestern, die aufgrund ihrer glaubenstreuen Haltung von ihren eigenen Gemeinden angefeindet wurden, nicht entschieden den Rücken gestärkt hat - wer nicht den Mut hatte, in der deutschen Bischofskonferenz laut und vernehmlich zu protestieren, wenn wieder einmal deutsche Sonderwege beschritten werden sollten (zuletzt z.B. in der Neuübersetzung des deutschen Missale) - wer all dies geduldet, gebilligt oder stillschweigend ignoriert hat, wird er sich widersetzen können, wenn er sich mit den „Reformforderungen“ einer medial ausgeputschten Menschenmenge konfrontiert sieht? Hier sind Zweifel angebracht.

Unsere Hoffnungen richten sich angesichts dieser Misere einmal mehr auf den Heiligen Vater, der unser Vaterland im September besuchen wird. Unsere Hoffnungen richten sich auf ihn, weil er schon mehrfach in außergewöhnlich schwierigen Situationen die richtigen Worte fand – eine Gabe, die unsere Kirche in Deutschland mehr denn je braucht.

Jedem denkenden Mensch ist klar, dass die Situation des Katholizismus in Deutschland nicht durch die vage „Förderung des innerkirchlichen Gesprächs über die Suche nach Gott“ (Wort der DBK an die Gemeinden, S. 2) zu heilen ist – und auch nicht, indem „Kirchenvisionen (!) … emotional abgerüstet“ (ebd. S. 2) werden. Es muss offen gesagt werden: Der Katholizismus in Deutschland ist in einer Weise gespalten, dass selbst besonnene Kommentatoren ganz offen von einer schismatischen Situation sprechen. Weder unter den Priestern noch unter den Gläubigen besteht ein Konsens darüber, was eigentlich katholisch ist. Ist das den Erstverantwortlichen noch nicht aufgefallen?

Trotz dieses Schreckensszenarios darf nicht übersehen werden, dass sich der katholische Widerstand auf breiter Front regt: Neben einigen profilierten Journalisten haben sich insbesondere über das Internet Gläubige aus allen Schichten und Ständen zu Wort gemeldet, die das tatenlose Zuschauen der Obrigkeit angesichts der Verwüstung des Glaubens nicht länger hinzunehmen bereit sind. Auch wenn im Internet manche schrille und sonderbare Töne diesbezüglich zu vernehmen sind, so ist doch offenkundig, dass den Mainstream-Medien die Deutungshoheit über kirchliche Entwicklungen entzogen wurde.

Liebe Mitbrüder, angesichts der beschriebenen Zustände lädt das Priesternetzwerk Sie ein, nicht zu verzagen, sondern in Treue zu Ihrem Weiheversprechen den gegenwärtigen Stürmen zu trotzen. Vergessen wir nicht die „Stillen“ im Lande, die in unseren Gemeinden durch ein verborgenes, opferbereites Leben den Priester in seiner Hirtensorge unterstützen und im Gebet mittragen. Denken wir nicht zuletzt daran, dass die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria schweigend unter dem Kreuz stand und durch ihre aktive Teilnahme am Erlöserleiden Christi mitwirkte an der Erlösung des Menschengeschlechtes.

Als alles verloren schien, hat sie ihrem göttlichen Sohn die Treue gehalten und wurde so zur „corredemptrix.“ Wie viele verborgene Seelen gibt es auch heute noch in unseren Gemeinden, die das Zeugnis, die Treue und den Mut zum Widerstand schätzen und die darauf warten, dass wir dem Herrn gerade in seiner Verspottung und Verachtung die Treue halten! Und diese Treue – so lehrt es uns die Immaculata – ist nicht vergebens – im Gegenteil.

Zu unseren Veranstaltungen (liturgische Tagung im August, Bundesversammlung im Oktober, Exerzitien im Frühjahr 2012) laden wir Sie schon jetzt ganz herzlich ein – näheres finden Sie zur gegebenen Zeit auf unserer Homepage!

In herzlicher Verbundenheit grüßen wir Sie mit allen guten Wünschen für gesegnete Kartage und ein frohes und gnadenvolles Osterfest und sind Ihnen und Ihren Gemeinden betend verbunden,

Pfr. Dr. Guido Rodheudt, Pfr. Hendrick Jolie, Pfr. Uwe Winkel

http://www.priesternetzwerk.net

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