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Neuevangelisierung und missionarische Seelsorge

Neuevangelisierung und missionarische Seelsorge

In unse­rer Kir­che ist seit gerau­mer Zeit die Rede von der Neue­van­ge­li­sie­rung. Die Neue­van­ge­li­sie­rung setzt die Evan­ge­li­sie­rung vor­aus. Evan­ge­li­sie­rung ist die Ver­kün­di­gung der Bot­schaft Christi an die Men­schen durch das Zeug­nis des Lebens und des Wor­tes. Neuevan­ge­li­sie­rung ist das Bemü­hen, die Men­schen, die ein­mal evan­ge­li­siert waren, aber sich vom Evan­ge­lium getrennt haben, wie­der zum Evan­ge­lium zu füh­ren. Man könnte auch von Rechris­tia­ni­sie­rung spre­chen, von Wie­der­ver­christ­li­chung. An der Not­wen­dig­keit der Neue­van­ge­li­sie­rung, also an dem drin­gen­den Bedürf­nis, Men­schen für Chris­tus zu gewin­nen und zur Kir­che zurück­zu­füh­ren, besteht kein Zwei­fel. Im Jahre 1948 fand in Mainz der erste Katho­li­ken­tag nach dem Kriege statt. Auf die­sem Main­zer Katho­li­ken­tag wurde die Bot­schaft laut: „Deutsch­land ist ein Mis­si­ons­land.“ Das heißt: Deutsch­land hat Mis­sion not­wen­dig. Das war 1948. Seit die­ser Zeit hat sich die reli­giöse Lage in unse­rem Lande enorm ver­schlech­tert. Ver­gli­chen mit heute waren damals idyl­li­sche Zei­ten.

Die Ent­kirch­li­chung, die Ent­christ­li­chung ist wei­ter fort­ge­schrit­ten. Mil­lio­nen katho­li­scher Chris­ten haben sich vom Glau­ben los­ge­sagt, haben sich von der Kir­che getrennt. Die Got­tes­dienste sind leer gewor­den, die Pries­ter­se­mi­nare ber­gen nur noch ganz wenige Alum­nen, die Orden sind vom Aus­ster­ben bedroht. Jahr für Jahr tren­nen sich Hun­dert­tau­sende von unse­rer Kir­che. Im Jahre 2009 123.​000 Kir­chen­aus­tritte, im Jahre 2010 181.​000 Kir­chen­aus­tritte in Deutsch­land. 181.​000 Kir­chen­aus­tritte in einem Jahr. Unsere Kir­che schrumpft. Zusam­men mit den Todes­fäl­len und den gerin­gen Gebur­ten­zah­len ist unsere Kir­che eine ster­bende Kir­che. Daran führt kein Weg vor­bei.

Mit die­sen Ver­hält­nis­sen kann sich ein Christ, der Chris­tus und seine Kir­che liebt, nicht abfin­den. Es muss etwas gesche­hen, um die Men­schen bei der Reli­gion, bei der Kir­che zu hal­ten und sie wie­der zur Reli­gion und zur Kir­che zurück­zu­füh­ren. Was zu gesche­hen hat, das sagt der Begriff „Neue­van­ge­li­sie­rung“. Frü­her spra­chen wir von „mis­sio­na­ri­scher Seel­sorge“, aber damit ist das­selbe gemeint. Neue­van­ge­li­sie­rung und mis­sio­na­ri­sche Seel­sorge sind ein und die­selbe Sache. Der Hei­lige Vater hat das Pro­blem erkannt. Er hat eine eigene neue Behörde ein­ge­rich­tet, die sich mit der Neue­van­ge­li­sie­rung befas­sen soll. Es erhebt sich die Frage: Haben wir die Men­schen und haben wir die Mit­tel, um die Neue­van­ge­li­sie­rung zu bestrei­ten? Denn das ist keine Frage: Neue­van­ge­li­sie­rung setzt Men­schen vor­aus, die bereit und gewillt, die fähig und aus­ge­rüs­tet sind, andere für den Glau­ben und für die Kir­che zu gewin­nen.

Das erste Erfor­der­nis ist ein uner­schüt­ter­li­ches eige­nes Glau­bens­le­ben. Nur wer sicher im Glau­ben der Kir­che ruht, kann andere für den Glau­ben gewin­nen. Es gibt nur eine Kir­che, denn Chris­tus hat nur eine gestif­tet, und in diese Kir­che müs­sen wir alle Men­schen hin­ein­füh­ren. „Schleppt her­bei, wen immer ihr könnt“, ruft der hei­lige Augus­ti­nus uns zu, „ihr führt sie zu dem, der nur bese­li­gen kann.“ So ist es. Neue­van­ge­li­sie­rung oder mis­sio­na­ri­sche Seel­sorge kann nur betrei­ben, wer von Eifer für Got­tes Sache erfüllt ist. Also Men­schen brau­chen wir, die vom Hei­li­gen Geist getrie­ben sind, die alle eige­nen Inter­es­sen und Lieb­ha­be­reien hint­an­set­zen, die ein­zig und allein für Gott leben und arbei­ten. Es darf uns keine Ruhe las­sen, dass Men­schen Chris­tus nicht ken­nen und den Weg zu sei­nem Volk nicht gefun­den haben. Es darf uns keine Ruhe las­sen, dass sich Getaufte von Chris­tus abwen­den und seine Kir­che ver­las­sen. Es darf uns keine Ruhe las­sen, dass unsere Gemein­den unauf­hör­lich schrump­fen, dass wir zu einer ster­ben­den Kir­che gewor­den sind.

Zur mis­sio­na­ri­schen Seel­sorge braucht es Mut. Viele abstän­dige und abge­fal­lene Men­schen weh­ren sich dage­gen, wie­der zum Glau­ben zurück­ge­führt zu wer­den. Wer Men­schen fürch­tet, der ist für mis­sio­na­ri­sche Seel­sorge nicht geeig­net. Zur mis­sio­na­ri­schen Seel­sorge braucht es auch Aus­dauer. Schnelle Erfolge stel­len sich nicht ein. Mis­sio­na­ri­sche Seel­sorge betrieb ein Mann, den ich noch selbst ken­nen­ge­lernt habe, der Bischof von Erm­land, Maxi­mi­lian Kal­ler. Er war vor dem Ers­ten Welt­krieg Pfar­rer auf Rügen, auf der Insel Rügen. Als er dort ankam, lag das reli­giöse Leben völ­lig dar­nie­der. Was tat Maxi­mi­lian Kal­ler? Er besuchte uner­müd­lich die Men­schen in ihren Woh­nun­gen, trepp­auf, treppab. Er ließ nicht nach, sich um jeden ein­zel­nen anzu­neh­men. Er ging auch jeden Sams­tag in den Beicht­stuhl. Nie­mand kam. Zwei, drei, vier Monate: nie­mand kam. End­lich nahm sich ein­mal eine alte Frau das Herz und beich­tete, und sie sagte: aus Mit­leid für den Pfar­rer. Aber damit war der Bann gebro­chen. Maxi­mi­lian Kal­ler hat die Insel Rügen zu einer blü­hen­den katho­li­schen Pfar­rei geformt. Aus­dauer braucht es für mis­sio­na­ri­sche Seel­sorge.

Es braucht noch etwas ande­res. Um Men­schen für Gott zu gewin­nen, muss man ihnen bewei­sen, dass Gott sie liebt. Und um ihnen zu bewei­sen, dass Gott sie liebt, muss man sie sel­ber lie­ben. Es muss einem etwas an den Men­schen lie­gen, wenn man mis­sio­na­risch tätig sein will, sonst soll man es blei­ben las­sen.

Wer Chris­tus zu den Men­schen brin­gen will, muss auch das gehö­rige Wis­sen haben. Viele Gläu­bige beten viel, und das ist ja nicht schlecht, aber sie erwer­ben zu wenig Wis­sen. Es gibt so viele Bücher, gute Bücher, moderne Bücher, die auf die bren­nen­den heu­ti­gen Fra­gen ein­ge­hen. Aber sie müs­sen auch erwor­ben, und ihr Inhalt muss ange­eig­net wer­den, meine lie­ben Freunde.

Das kirch­li­che Gesetz­buch macht die Evan­ge­li­sie­rung, die Neue­van­ge­li­sie­rung, die mis­sio­na­ri­sche Seel­sorge den Amts­trä­gern der Kir­che zur Pflicht. Dem Bischof wird auf­ge­tra­gen, sich der Men­schen in sei­nem Bis­tum anzu­neh­men, wel­che die reli­giöse Pra­xis auf­ge­ge­ben haben. Das ist der Auf­trag zur Neue­van­ge­li­sie­rung. Ich erlaube mir die Frage: Wel­cher Bischof tut das? Der Pfar­rer wird im Gesetz­buch der Kir­che auf­ge­for­dert, dafür Sorge zu tra­gen, dass die Bot­schaft des Evan­ge­li­ums zu denen kommt, die von der reli­giö­sen Betä­ti­gung abge­wi­chen sind und die den wah­ren Glau­ben nicht beken­nen. Das ist wie­derum die Auf­for­de­rung zur mis­sio­na­ri­schen Seel­sorge. Und ich frage aber­mals: In wel­chen Pfar­reien geschieht das?

Die Kir­che hat Mit­tel aus­ge­bil­det, um die Fern­ste­hen­den und die Abge­wi­che­nen wie­der zur Kir­che zurück­zu­füh­ren. Die Älte­ren unter Ihnen wis­sen noch, dass frü­her Volks­mis­sio­nen gehal­ten wur­den. Es kamen Mis­sio­nare, zwei, drei, vier Pries­ter in eine Pfar­rei. Sie hiel­ten Pre­dig­ten für jeden Stand, für die Kin­der, für die Frauen, für die Män­ner, für die Jugend­li­chen. Sie boten Beicht­ge­le­gen­heit, sie gaben die Chance zum Gespräch mit ihnen. Dadurch wurde das reli­giöse Leben neu belebt, gefes­tigt und ver­tieft. Außer den Pre­dig­ten wur­den auch Haus­be­su­che gemacht. Die Seel­sor­ger gin­gen zu den Chris­ten, vor­zugs­weise zu den abstän­di­gen, und such­ten sie zurück­zu­brin­gen zur Kir­che. Sie such­ten ihre Pro­bleme anzu­spre­chen, sie zur hei­li­gen Beicht zu füh­ren, ungül­tige Ehen gül­tig zu machen. Die Volks­mis­sio­nen sind ersatz­los gestri­chen! Es gibt keine Volks­mis­sio­nen mehr.

Ein nach­denk­li­cher und eif­ri­ger Seel­sor­ger hat immer schon daran gedacht, die Abge­wi­che­nen, die Abge­fal­le­nen, die Abstän­di­gen in sei­ner Gemeinde zurück­zu­ho­len. Und er hat auch Anstal­ten getrof­fen, um die­ses Bemü­hen zu unter­neh­men.

Gele­gen­heit zu mis­sio­na­ri­scher Seel­sorge waren und sind Ereig­nisse wie Taufe, Ehe­schlie­ßung, Beer­di­gung. Hier fin­den sich in der Regel Men­schen ein, die sonst wenig oder gar nicht reli­giös prak­ti­zie­ren. Hier hat man Men­schen vor sich, die gewöhn­lich nicht mit dem Pries­ter in Berüh­rung kom­men. Sie neh­men an den zuge­hö­ri­gen Got­tes­diens­ten teil, sie hören das Wort Got­tes, sie begeg­nen wie­der ein­mal, end­lich wie­der ein­mal der Reli­gion. Taufe und Ehe­schlie­ßung sind in der Regel freu­dige Ereig­nisse. Die Men­schen, die dazu kom­men, sind nor­ma­ler­weise fest­lich gestimmt und auf­ge­schlos­sen. Man kann bei ihnen die Geneigt­heit vor­aus­set­zen, das Wort des Glau­bens zu hören. Für noch wich­ti­ger halte ich die Beer­di­gung. Der Tod ist stets eine Mah­nung. „Sterb­li­cher, denk ans Ster­ben!“ Das Leid und die Erschüt­te­rung über den Tod eines Ange­hö­ri­gen, eines Bekann­ten, eines Kame­ra­den kön­nen die See­len berei­ten für die Saat des Wor­tes Got­tes. Vor­aus­set­zung dafür ist frei­lich, dass Tau­fen, Beer­di­gun­gen, Ehe­schlie­ßun­gen in wür­di­ger Weise gehal­ten wer­den, dass die Wort­ver­kün­di­gung sorg­fäl­tig vor­be­rei­tet wird, dass nicht bloß unver­bind­li­che Worte gespro­chen wer­den, son­dern über­legt und ein­dring­lich das Wort des Heils ver­kün­det wird. Es muss den Men­schen zu Her­zen gehen.

Ein unent­behr­li­ches Mit­tel zu mis­sio­na­ri­scher Seel­sorge sind Haus­be­su­che. Es ist sta­tis­tisch erwie­sen, dass der Got­tes­dienst­be­such sofort in die Höhe geht, wenn sys­te­ma­tisch Haus­be­su­che gemacht wer­den. Viele Men­schen füh­len sich ange­spro­chen und geehrt, wenn der Seel­sor­ger sie auf­sucht. In der per­sön­li­chen Begeg­nung kön­nen Span­nun­gen abge­baut wer­den, Vor­ur­teile wider­legt wer­den, Unwis­sen­heit besei­tigt wer­den, fal­sche Ansich­ten rich­tig­ge­stellt wer­den. Im per­sön­li­chen Gespräch lösen sich Ver­kramp­fun­gen und Abwehr­hal­tung. In der Main­zer Neu­stadt, in der Pfar­rei St. Josef, gab es, die Älte­ren von Ihnen wer­den es viel­leicht noch wis­sen, einen Pfar­rer, der uner­müd­lich Haus­be­su­che machte, der wür­dige Pries­ter Sieb­chen. Er ging in diese rie­si­gen Wohn­blocks, die ja in der Neu­stadt ste­hen, trepp­auf, treppab. Ihm war kein Weg zu lang und keine Mühe zu viel. Jahr­zehn­te­lang hat er durch Haus­be­su­che seine Gemeinde zusam­men­ge­hal­ten oder wie­der zusam­men­ge­führt.

Es ist völ­lig ver­kehrt, Men­schen, die aus der Kir­che aus­ge­tre­ten sind, auf­zu­ge­ben. Den bür­ger­li­chen Kir­chen­aus­tritt kann man vor­neh­men, man kann ihn aber auch zurück­neh­men. Die evan­ge­li­sche Kir­che hat eigene Stel­len ein­ge­rich­tet für die Zurück­nahme des Kir­chen­aus­tritts. Davon kön­nen wir etwas ler­nen. Die Aus­ge­tre­te­nen dür­fen nicht bloß regis­triert wer­den, son­dern sie müs­sen Gegen­stand unver­dros­se­ner Seel­sorge sein. Ich kenne einen Herrn, der sagte: „Wenn ein Pries­ter zu mir käme, würde ich wie­der in die Kir­che ein­tre­ten.“

Frei­lich, mis­sio­na­ri­sche Seel­sorge kann nicht allein die Auf­gabe des Pries­ters sein. Schon rein kräf­te­mä­ßig ist der Pries­ter nicht imstande, die Rie­sen­auf­gabe der Rück­ge­win­nung der Abseits­ste­hen­den zu schul­tern. Laien müs­sen ihm zu Hilfe kom­men. Nun haben wir in Deutsch­land, meine lie­ben Freunde, ein gan­zes Heer gut aus­ge­bil­de­ter und gut bezahl­ter Laien im kirch­li­chen Dienst, Pas­to­ral­as­sis­ten­ten, Gemein­de­re­fe­ren­ten. Es ist die Frage zu stel­len: Wie viele von ihnen betrei­ben mis­sio­na­ri­sche Seel­sorge? Ich wage zu behaup­ten: Fast über­haupt kei­ner! Die aller­meis­ten beschäf­ti­gen sich nur mit denen, die sowieso schon kom­men. Mis­sio­na­ri­sche Seel­sorge fällt aus. Sie die­nen ihre Stun­den ab, und damit ist es getan. Der Dia­kon in die­ser Gemeinde, der Herr Kost, hat sich neu­lich bei mir beklagt, dass die Gemein­de­re­fe­ren­ten nicht ein­mal in die Werk­tags­messe kom­men.

Wenn die beam­te­ten Seel­sor­ger es nicht schaf­fen, dann müs­sen die nicht­be­am­te­ten Laien ein­sprin­gen. Sagen Sie mir nicht, meine lie­ben Freunde, man kann nur beten. Das kann ich nicht mehr hören. Man kann mehr als beten, und man muss mehr tun als beten. Wir kön­nen die große Welt nicht ändern, aber wir kön­nen in unse­rer Umge­bung etwas tun, um dem Pro­zeß der Schrump­fung Ein­halt zu gebie­ten, um einen Ver­wand­ten im Glau­ben zu hal­ten, um einen Nach­barn für die hei­lige Reli­gion zu wer­ben. Es ist not­wen­dig, dass dafür Initia­ti­ven ins Werk gesetzt wer­den. Ich habe immer die Mor­mo­nen bewun­dert. Sie set­zen zwei junge Män­ner, tadel­los geklei­det, mit vor­bild­li­chen Manie­ren ein, um Besu­che bei den Men­schen zu machen und sie für die Bot­schaft, die sie für die Bot­schaft Christi hal­ten, zu gewin­nen. Ich habe große Hoch­ach­tung vor die­sen Mor­mo­nen. Es gibt ver­ein­zelt Ver­su­che, es ihnen nach­zu­ma­chen. In Paris haben Stu­den­ten der Tech­ni­schen Hoch­schule zu zweit oder zu dritt sich in die Bann­meile bege­ben, also in die Außen­be­zirke, und haben dort ver­sucht, mis­sio­na­ri­sche Seel­sorge zu betrei­ben. Sie haben die Kin­der ver­sam­melt, sie haben mit ihnen gespielt, aber auch natür­lich gebe­tet. Sie haben sie zusam­men­ge­führt. Sie haben ihre Frei­zeit geop­fert, um auf diese Weise einen Bei­trag zur Evan­ge­li­sie­rung, zur Neue­van­ge­li­sie­rung zu leis­ten.

Die Unwis­sen­heit über reli­giöse Dinge ist enorm. Die Men­schen wis­sen häu­fig über die ein­fachs­ten Prin­zi­pien der Reli­gion nicht Bescheid. Unauf­hör­lich strömt bis­sige Kri­tik, gehäs­sige Satire, bös­ar­tige Unter­stel­lung auf sie ein. Dage­gen muss etwas unter­nom­men wer­den. Wenn die Men­schen nicht zu uns kom­men, müs­sen wir zu ihnen gehen. Ich habe im Hyde Park in Lon­don gese­hen, wie an den Ecken Män­ner ste­hen, die das Evan­ge­lium ver­kün­den. Im Hyde Park zu Lon­don. Warum wird nicht bei uns auf öffent­li­chen Plät­zen oder in leicht zugäng­li­chen Räu­men das Evan­ge­lium ver­kün­det? Warum wer­den nicht apo­lo­ge­ti­sche Vor­träge gehal­ten, Film­vor­füh­run­gen ver­an­stal­tet, in denen die gän­gi­gen Vor­ur­teile gegen die Kir­che abge­baut wer­den? Warum geschieht das nicht? Die Zei­tung ist immer noch ein wich­ti­ges Medium der Ver­mitt­lung von Nach­rich­ten und zur Ver­brei­tung von Wis­sen. Die Kir­che könnte sie benut­zen, um ihre Bot­schaft zu den Men­schen zu brin­gen. Warum erschei­nen in den Zei­tun­gen keine Annon­cen, in denen die Leser über reli­giöse Gegen­stände, über aktu­elle Fra­gen, über schlimme Vor­komm­nisse auf­ge­klärt wer­den – von kirch­li­cher Seite? Pres­se­a­pos­to­lat ist mis­sio­na­ri­sche Seel­sorge. In vie­len Städ­ten, auch in Buden­heim, ste­hen Lit­faß­säu­len. Es sind ton­nen­för­mige Gebilde, die zum Anschla­gen von Pla­ka­ten benutzt wer­den. Fir­men pach­ten diese Säu­len, um ihre Wer­bung zu betrei­ben, kul­tu­relle Ver­an­stal­tun­gen wer­den ange­zeigt, poli­ti­sche Par­teien wer­ben um Wäh­ler. Warum geht die Kir­che nicht an die Lit­faß­säu­len? Warum wer­den dort nicht Pla­kate ange­bracht, die die Bot­schaft Jesu den Men­schern ver­mit­teln?

Nicht jeder kann alles, was ich hier an mis­sio­na­ri­scher Seel­sorge vor­trage, selbst leis­ten. Aber jeder kann das leis­ten, was ich jetzt sagen werde. Es fehlt nicht an Bro­schü­ren und Büchern, die geeig­net sind, den katho­li­schen Glau­ben licht­voll dar­zu­stel­len und die Anwürfe gegen ihn zu wider­le­gen. Sie müs­sen aber zu den Men­schen gebracht wer­den. Ich kenne einen Loko­mo­tiv­füh­rer, der jedes Mal, wenn er auf die Loko­mo­tive steigt, katho­li­sche Zei­tun­gen mit­nimmt und sie an den Hal­te­stel­len ande­ren ver­teilt. Ich kenne einen Post­be­am­ten, der durch ein Buch über die hei­lige Kom­mu­nion zur öfte­ren Kom­mu­nion geführt wurde und dar­über so glück­lich war, dass er von nun an beschlos­sen hat, das Buch­a­pos­to­lat zu betrei­ben. Er kauft Bücher und ver­teilt sie. Das Gespräch ist ein Mit­tel der mis­sio­na­ri­schen Seel­sorge. Man muss nur es zu len­ken ver­ste­hen. Man darf sich nicht mit bana­len Din­gen begnü­gen, son­dern muss vor­sich­tig und geschickt das Gespräch auf reli­giöse Gegen­stände brin­gen und ein ein­deu­ti­ges Zeug­nis für den eige­nen Glau­ben und für das Glück, in die­sem Glau­ben zu ste­hen, able­gen. Man kann andere ein­la­den, den Got­tes­dienst zu besu­chen, eine Pre­digt anzu­hö­ren. Auf diese Weise wer­den die Blo­cka­den besei­tigt, die oft bei den Abstän­di­gen vor­han­den sind, es wie­der ein­mal in die Kir­che zu schaf­fen. Auch Briefe kön­nen ein Mit­tel mis­sio­na­ri­scher Seel­sorge sein. Da soll­ten nicht nur all­täg­li­che Bege­ben­hei­ten aus­ge­tauscht wer­den, son­dern Briefe soll­ten Zeug­nis geben von dem per­sön­li­chen Glau­ben des Absen­ders und von sei­nem Bemü­hen, den Emp­fän­ger des Brie­fes wie­der für den Glau­ben zu gewin­nen. Unser Bischof Piontek lehrte uns, Briefe nicht mit einer Flos­kel, son­dern mit dem Ver­spre­chen zu been­di­gen: „Gebet ver­spre­chend und erbit­tend grüßt Ihr…“ „Gebet ver­spre­chend und erbit­tend grüßt Ihr…“

Ein ganz wich­ti­ger Bei­trag zur mis­sio­na­ri­schen Seel­sorge, meine Freunde, den jeder leis­ten kann, sind Briefe an die Redak­tio­nen von Rund­funk, Fern­se­hen und Presse. Dadurch wird den Mana­gern der öffent­li­chen Mei­nung der Glaube der Kir­che zu Gehör gebracht. Sie wer­den, ob sie wol­len oder nicht, mit der Über­zeu­gung des gläu­bi­gen Teils der Bevöl­ke­rung kon­fron­tiert und müs­sen dazu Stel­lung neh­men. Häu­fig wer­den sol­che Briefe unter­schla­gen, aber nicht immer. Manch­mal erschei­nen sie, und dann hat man die Freude, dass Zehn­tau­sende, ja Hun­dert­tau­sende von Men­schen, diese Briefe, die ein Zeug­nis des Glau­bens sind, lesen. Sie fin­den sie unter den Leser­brie­fen, die die Zei­tung in gewis­sen Abstän­den ver­öf­fent­licht.

Mis­sio­na­ri­sche Seel­sorge betreibt, wer sich gegen Schmä­hun­gen der Kir­che und der gläu­bi­gen Chris­ten zur Wehr setzt. Soeben haben wir ein Bei­spiel erlebt, dass Wider­stand erfolg­reich sein kann. Die Geschäf­te­kette Spar warb bei Shell-Tank­stel­len Käu­fer mit dem Pla­kat „Kauf ein, wenn Mutti in die Kir­che geht“. Gegen diese Wer­bung haben so viele Chris­ten pro­tes­tiert, dass der Edeka-Kon­zern die Pla­kate abset­zen ließ.

In den Grä­bern von Gerasa am See Genesa­reth hauste zur Zeit Jesu ein Beses­se­ner. Er schrie und schlug sich selbst mit den Fäus­ten. Man legte ihm Ket­ten an, aber er zer­riß die Ket­ten. Als Jesus in seine Nähe kam, lief er auf ihn zu, warf sich vor ihm nie­der und schrie mit lau­ter Stimme: „Jesus, was habe ich mit dir zu schaf­fen?“ Jesus heilte den Beses­se­nen. Die­ser ging hin und ver­kün­dete im Gebiet der Zehn Städte, was Jesus Gro­ßes an ihm getan hatte. Auch an uns, meine lie­ben Freunde, hat Gott Gro­ßes getan. Er hat uns in seine hei­lige Kir­che geführt. Er hat uns aus dem Schlamm der Sünde erret­tet. Er hat uns vor schwe­ren Krank­hei­ten bewahrt. Er hat uns aus Lagen, die aus­sichts­los schie­nen, her­aus­ge­ris­sen. Gehen wir hin und kün­den wir das Lob Got­tes!


Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Neuevangelisierung missionarische Seelsorge „ www.Glaubenswahrheit.org“

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