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2. Das Beichtsakrament

Der Emp­fän­ger des Bußsa­kra­men­tes ist jeder getaufte Christ, der Sün­den began­gen hat. Jeder getaufte Christ!

Ein Unge­tauf­ter kann das Bußsa­kra­ment nicht emp­fan­gen. Warum nicht? Er besitzt nicht die Inkor­po­ra­tion in Chris­tus. Er ist kein Chris­tus­ge­hö­ri­ger. Er hat nicht die Züge Jesu, die ihm in der Taufe ein­ge­prägt wer­den, und die Taufe ist nun ein­mal die janua sacra­men­to­rum – das Tor, das Ein­gangs­tor in die sakra­men­tale Welt.

Ohne den Emp­fang der Taufe ist der Emp­fang eines ande­ren Sakra­men­tes aus­ge­schlos­sen, auch der des Bußsa­kra­men­tes. Nur ein Getauf­ter kann das Bußsa­kra­ment emp­fan­gen.

Umfassend wird im folgenden Vortrag die Notwendigkeit und Segenswirkung des Bußsakraments erklärt:

Wie häufig soll man zur Beichte gehen? Welche Ämter übt der Priester im Beichtstuhl aus? Was sind die Kennzeichen eines guten Beichtvaters? Wie sehen die richtige Gewissenserforschung und ein guter Beichtspiegel aus? Welche Arten von Sünden gibt es? Was versteht man unter schwerer Sünde? Welche Sünden müssen für eine gültige Beichte bekannt werden? Was gehört zu einer aufrichtigen Reue? Inwieweit werden die Sünden durch das Bußsakrament getilgt? Welche Formen der Buße gibt es?

Diese Serie beinhaltet 6 Themen und steht unter dem Haupttitel "Das Beichtsakrament" .Sie können mit der Taste F5 die nächste Predigt aufrufen.
Über Spen­der und Emp­fän­ger des Bußsa­kra­men­tes

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

An den ver­gan­ge­nen Sonn­ta­gen haben wir über das Bußsa­kra­ment nach­ge­dacht. Wir machen heute den Abschluß, indem wir nach dem Spen­der und dem Emp­fän­ger fra­gen. Wer ist der Spen­der des Bußsa­kra­men­tes, und wer ist sein Emp­fän­ger?

Das Kon­zil von Tri­ent gibt eine ein­deu­tige Ant­wort auf die erste Frage, indem es sagt: „Der Pries­ter, und nur der Pries­ter, ist der Spen­der des Bußsa­kra­men­tes. Wenn jemand sagt, daß nicht nur die Pries­ter das Bußsa­kra­ment spen­den und die Los­spre­chung ertei­len dür­fen, der sei aus­ge­schlos­sen.“ Die Ver­kün­di­gung des Kon­zils von Tri­ent ist der Nach­hall des­sen, was in der Hei­li­gen Schrift über den Spen­der des Bußsa­kra­men­tes gesagt ist. An zwei Stel­len redet die Hei­lige Schrift davon, daß die Apos­tel, und nur die Apos­tel, die Wie­der­ver­söh­nung des Sün­ders mit Gott und mit der Kir­che vor­neh­men. Im 18. Kapi­tel des Matt­häu­sevan­ge­li­ums sagt der Herr zu den Apos­teln: „Was immer ihr auf Erden bin­den wer­det, das wird auch im Him­mel gebun­den sein, und was immer ihr auf Erden lösen wer­det, das wird auch im Him­mel gelöst sein.“ Bin­den und Lösen bedeu­tet die Sünde behal­ten oder von der Sünde lösen, von der Kom­mu­ni­onge­mein­schaft der Kir­che fern­hal­ten oder in die Kom­mu­ni­onge­mein­schaft der Kir­che auf­neh­men. Auf­ge­nom­men wird man, wenn man frei von schwe­rer Sünde ist. Fern­ge­hal­ten wer­den muß man, wenn man eine schwere Sünde auf der Seele trägt.

Im Johan­nes­evan­ge­lium ist die Über­tra­gung der Sün­den­ver­ge­bungs­ge­walt an die Apos­tel mög­li­cher­weise noch deut­li­cher aus­ge­spro­chen. „Wel­chen ihr die Sün­den nach­las­sen wer­det, denen sind sie nach­ge­las­sen; wel­chen ihr sie behal­ten wer­det, denen sind sie behal­ten.“ Es ist eine dop­pelte Voll­macht, was nicht genug betont wer­den kann. Der Pries­ter, der das Bußsa­kra­ment ver­wal­tet, hat eine Auf­gabe, die in zwei­fa­cher Rich­tung aus­ge­übt wer­den kann. Er kann sagen: Die Sün­den sind dir ver­ge­ben. Es ist aber auch mög­lich, daß er sagt: Die Sün­den sind dir behal­ten, näm­lich immer dann, wenn keine Reue und kein Bes­se­rungs­wille vor­han­den ist. Die Über­tra­gung der Sün­den­ver­ge­bungs­ge­walt an die Apos­tel ist selbst­ver­ständ­lich für die ganze Zeit der Dauer der Kir­che beab­sich­tigt wor­den. Die Kir­che zwi­schen der Him­mel­fahrt Jesu und sei­ner Wie­der­kunft soll diese Gewalt in sich tra­gen und ver­wal­ten. Und so sind auch die Nach­fol­ger der Apos­tel mit die­ser Gewalt begabt. Die Nach­fol­ger der Apos­tel sind die Bischöfe und die Pries­ter. Das latei­ni­sche Wort sacer­dos schließt näm­lich beide ein, die epis­ko­poi und die pres­by­te­roi. Die Pries­ter in der höchs­ten Stufe, also die Bischöfe, und die Pries­ter in der nie­de­ren Stufe, das sind die, die wir heute als Pries­ter bezeich­nen, sind Trä­ger der Sün­den­ver­ge­bungs­ge­walt, und nur sie allein.

Da höre ich Ein­wände. Wir leben ja in einer Zeit der Ver­wir­rung, und so wer­den diese Ein­wände den hilf­lo­sen Gläu­bi­gen vor­ge­tra­gen, um sie unsi­cher zu machen. Sind denn nicht – so sagt man – in frü­he­ren Zei­ten Rekon­zi­lia­tio­nen vor­ge­nom­men wor­den von Dia­ko­nen? Jawohl. Hat es nicht an man­chen Orten und geraume Zeit hin­durch Lai­en­beich­ten gege­ben? Ja, natür­lich. Ist das nicht ein Ein­wand gegen das, was das Kon­zil von Tri­ent lehrt, daß nur die Pries­ter Trä­ger der Sün­den­ver­ge­bungs­ge­walt sind? Es hat zu man­chen Zei­ten und an man­chen Orten die Übung gege­ben, daß da, wo ein Pries­ter nicht zu errei­chen ist, die Rekon­zi­lia­tion von Dia­ko­nen vor­ge­nom­men wurde. Es hat an man­chen Orten und zu man­chen Zei­ten die Übung gege­ben, daß, wenn ein Pries­ter nicht vor­han­den war, man die Beicht einem Laien abge­legt hat. Aber zu die­sen Tat­sa­chen ist fol­gen­des zu bemer­ken:

Ers­tens kann es sich in den Fäl­len, die uns berich­tet wer­den, um einen Irr­tum han­deln. Es hat im Laufe der Kir­chen­ge­schichte oft Irr­tü­mer gege­ben. Der hei­lige Albert der Große, den wir ja sehr ver­eh­ren, war z. B. der Ansicht, ein Laie könne die sakra­men­tale Los­spre­chung spen­den. Aber das war falsch. Die Hei­lig­keit schützt nicht vor Irr­tum. Auch Albert der Große hat Fal­sches gelehrt. In der Kir­che hat sich die Wahr­heit durch tau­send Irr­tü­mer hin­durch­rin­gen müs­sen. Und daß der Irr­tum nicht aus­ge­stor­ben ist, das erle­ben wir ja heute Tag für Tag. In der Tsche­cho­slo­wa­kei sind vor weni­gen Jah­ren Frauen zu Pries­tern geweiht wor­den. Diese Weihe ist natür­lich ungül­tig. Sie ist ein Atten­tat auf den wah­ren Sinn des Wei­hes­a­kra­men­tes, aber sie ist gesche­hen. Es gibt heute christ­li­che Gemein­den, in denen zwei­tau­send Jahre nach dem letz­ten Abend­mahl unse­res Herrn das, was wir hei­lige Messe oder hei­lige Kom­mu­nion nen­nen, mit Coca-Cola und Milch gehal­ten wird. Ein offen­kun­di­ger Unsinn und Miß­brauch, aber es gibt so etwas. Und so ist es auch in der Kir­chen­ge­schichte gewe­sen. Man hat, aus Irr­tum, aus Anma­ßung oder im guten Glau­ben Prak­ti­ken ein­ge­führt, die von der Gesamt­kir­che nicht gebil­ligt, son­dern ver­wor­fen wur­den.

So ist es auch mit der Lai­en­beichte gewe­sen. Wenn ein Pries­ter nicht zur Stelle war, um das Bußsa­kra­ment zu spen­den, hat man wenigs­tens das tun wol­len, was mög­lich war. Die Los­spre­chung konnte man nicht emp­fan­gen, eine Buß­auf­lage konnte nicht gege­ben wer­den, aber wenigs­tens das Bekennt­nis konnte man leis­ten. Diese Übung, in einem Not­fall wenigs­tens das zu tun, was mög­lich ist, ist durch­aus respek­ta­bel. Die Lai­en­beichte hat ja ihre Par­al­lele in der Begier­de­taufe. Wenn eine wirk­li­che Taufe nicht mög­lich ist, etwa man­gels Was­sers, kann man die Taufe nicht emp­fan­gen; aber man kann die Recht­fer­ti­gung gewin­nen, indem man sich in Reue und Liebe und Sehn­sucht Gott zuwen­det. Dann wird das, was die Was­ser­taufe gewährt, durch die Begier­de­taufe erreicht. Es gibt auch die geist­li­che Kom­mu­nion. Wenn man nicht zur sakra­men­ta­len Kom­mu­nion gehen kann, weil keine hei­lige Messe gefei­ert wird oder keine kon­se­krier­ten Hos­tien vor­han­den sind, besteht immer noch die Mög­lich­keit der geist­li­chen Kom­mu­nion. Sie besteht darin, daß man sich in Sehn­sucht und Liebe mit Jesus ver­ei­nigt. Wer die geist­li­che Kom­mu­nion in der rech­ten Weise voll­zieht, etwa im Gefan­ge­nen­la­ger, wo keine Pries­ter sind, der emp­fängt die Wir­kung der sakra­men­ta­len Kom­mu­nion. So ist es also auch bei der Lai­en­beichte. Wenn man die hei­lige Beichte nicht emp­fan­gen kann, weil kein Pries­ter vor­han­den ist, kann man durch­aus mit Gewinn seine Sün­den einem Bru­der, einer Schwes­ter beken­nen und auf diese Weise wenigs­tens das tun, was mög­lich ist. In dem Ver­lan­gen nach dem Sakra­ment, das sich in der Beichte aus­drückt, kann man, wenn man rich­tig dis­po­niert ist, sogar die Ver­ge­bung der Sün­den emp­fan­gen. Aber nicht etwa, weil der Laie die Los­spre­chung gibt, die er ja gar nicht geben kann, son­dern weil man das tut, was in der gegen­wär­ti­gen Situa­tion zu tun mög­lich ist.

Ich habe das des­we­gen so aus­führ­lich behan­delt, meine lie­ben Freunde, damit Sie sich nicht irre­ma­chen las­sen. Und der Irr­leh­rer sind viele.

Die Voll­macht zur Sün­den­ver­ge­bung wird dem Pries­ter über­tra­gen bei der Pries­ter­weihe. Da wer­den eigens bestimmte Worte vom wei­hen­den Bischof aus­ge­spro­chen, die auf die Über­tra­gung der Sün­den­ver­ge­bungs­voll­macht Bezug neh­men. Aber um Sün­den tat­säch­lich zu ver­ge­ben, genügt die bei der Weihe über­tra­gene Gewalt nicht. Sie wer­den erstau­nen, wenn ich das sage, denn die meis­ten Gläu­bi­gen wis­sen nicht, daß zur Spen­dung des Bußsa­kra­men­tes nicht nur Wei­he­ge­walt, son­dern auch Juris­dik­ti­ons­ge­walt not­wen­dig ist. Der eben geweihte Pries­ter hat noch keine volle Sün­den­ver­ge­bungs­ge­walt, und der lai­sierte Pries­ter hat keine Sün­den­ver­ge­bungs­ge­walt mehr, weil bei ihm die Juris­dik­ti­ons­ge­walt, die zur Sün­den­ver­ge­bung not­wen­dig ist, noch nicht bzw. nicht mehr vor­han­den ist. Es muß also dem Pries­ter, der wirk­sam das Bußsa­kra­ment ver­wal­ten soll, auch noch eine Ord­nungs­ge­walt über­tra­gen wer­den, die wir Juris­dik­tion nen­nen, die ihm erst die Unter­ge­be­nen ver­schafft, an denen er dann kraft sei­ner Wei­he­ge­walt die Los­spre­chung voll­zie­hen kann. In Not­fäl­len ergänzt die Kir­che die feh­lende Juris­dik­ti­ons­ge­walt. Wenn ein Pries­ter sich von sei­nem hei­li­gen Beruf ent­fernt hat und in eine Lage gerät, wo kein ande­rer Pries­ter vor­han­den ist, und jemand ihn bit­tet, die Los­spre­chung zu voll­zie­hen, da über­trägt die Kir­che für die­sen Not­fall, für die­sen gefähr­li­chen Not­fall, dem abtrün­ni­gen Pries­ter die Juris­dik­ti­ons­ge­walt, um gül­tig die Los­spre­chung vor­neh­men zu kön­nen.

Die Ver­wal­tung des Bußsa­kra­men­tes und die Feier des Meß­op­fers sind die ent­schei­den­den Pfei­ler, die das Gebäude des Pries­ter­tums tra­gen. Daß der Pries­ter Sün­den ver­ge­ben, daß er das Meß­op­fer voll­zie­hen kann, das macht eigent­lich sein Pries­ter­tum aus. Er selbst hat von der Ver­wal­tung des Bußsa­kra­men­tes einen ganz gewal­ti­gen Gewinn, und zwar in dop­pel­ter Hin­sicht. Die Gläu­bi­gen, die ihm ihre Sün­den beich­ten, hal­ten ihm einen Spie­gel vor. In die­sem Spie­gel sieht er sich, wie er sel­ber ist. Ganz anders als viel­leicht jemand mei­nen möchte, als ob der Pries­ter sich über seine Beicht­kin­der erha­ben dünkte, demü­ti­gen ihn seine Beicht­kin­der, weil sie in aller Ehr­lich­keit die Fal­ten ihrer Seele auf­de­cken und ihm damit seine eige­nen Schwä­chen und Erbärm­lich­kei­ten zei­gen. Des­we­gen ist nach mei­ner Über­zeu­gung das aktu­elle Beicht­hö­ren für einen Pries­ter uner­läß­lich. Für seine Fröm­mig­keit, für seine Demut, für sein geist­li­ches Leben hat er von sei­ner Beicht­stuhl­tä­tig­keit einen unge­heu­ren, durch nichts ande­res zu erset­zen­den Gewinn. Außer­dem erlebt er hier seine tiefste Nütz­lich­keit. Wie sagt ein­mal Fried­rich Nietz­sche: „Es ist die tiefste Nütz­lich­keit des Pries­ters, ein hei­li­ges Ohr, ein ver­schwie­ge­ner Brun­nen, ein Grab für Geheim­nisse zu sein.“ Jawohl, da hat er recht gese­hen, das ist die tiefste Nütz­lich­keit des Pries­ters, ein hei­li­ges Ohr, ein ver­schwie­ge­ner Brun­nen, ein Grab für Geheim­nisse zu sein. Und das erlebt der Pries­ter, wenn er das Bußsa­kra­ment ver­wal­tet, und das macht ihn glück­lich, weil er teil­ha­ben kann an der erlö­se­ri­schen Wirk­sam­keit Jesu; und das ver­bin­det ihn mit der Kir­che; und das läßt ihn an sei­nem Pries­ter­tum nicht irre­wer­den, weil er erlebt, wie nütz­lich, wie not­wen­dig sein Dienst ist. Ich führe die Abfälle von Pries­tern, meine lie­ben Freunde, diese vie­len Abfälle, die wir in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten erlebt haben, zu einem erheb­li­chen Teil dar­auf zurück, daß diese Pries­ter nicht mehr, nicht mehr genü­gend oder nicht mehr rich­tig das Bußsa­kra­ment ver­wal­tet haben. Der Pries­ter muß Scha­den lei­den an sei­ner pries­ter­li­chen Per­sön­lich­keit, wenn er das Bußsa­kra­ment nicht mehr spen­det.

Der Emp­fän­ger des Bußsa­kra­men­tes ist jeder getaufte Christ, der Sün­den began­gen hat. Jeder getaufte Christ! Ein Unge­tauf­ter kann das Bußsa­kra­ment nicht emp­fan­gen. Warum nicht? Er besitzt nicht die Inkor­po­ra­tion in Chris­tus. Er ist kein Chris­tus­ge­hö­ri­ger. Er hat nicht die Züge Jesu, die ihm in der Taufe ein­ge­prägt wer­den, und die Taufe ist nun ein­mal die janua sacra­men­to­rum – das Tor, das Ein­gangs­tor in die sakra­men­tale Welt. Ohne den Emp­fang der Taufe ist der Emp­fang eines ande­ren Sakra­men­tes aus­ge­schlos­sen, auch der des Bußsa­kra­men­tes. Nur ein Getauf­ter kann das Bußsa­kra­ment emp­fan­gen.

Im Bußsa­kra­ment geht es um Sün­den. Jeder Beicht­va­ter weiß, daß seine Beicht­kin­der viele Tugen­den haben, daß sie sich bemü­hen, daß sie sich anstren­gen. Das ist frei­lich nicht der unmit­tel­bare Gegen­stand des Bußsa­kra­men­tes, son­dern sein Gegen­stand sind Sün­den. Aber Sün­den jeder Art, schwere und leichte Sün­den, äußere und innere Sün­den, öffent­lich bekannte und geheime Sün­den sind eine brauch­bare Mate­rie für den Emp­fang des Bußsa­kra­men­tes. Aber da muß ich Ihnen etwas sagen, wor­über Sie ver­mut­lich auch stau­nen wer­den, näm­lich man kann auch bereits ver­ge­bene Sün­den beich­ten. Kön­nen denn die Sün­den zwei­mal ver­ge­ben wer­den? Gewiß nicht. Wenn sie ein­mal ver­ge­ben sind, dann sind sie für immer ver­ge­ben. Wieso kann man dann ver­ge­bene Sün­den noch ein­mal im Bußsa­kra­ment vor­brin­gen? O, aus meh­re­ren Grün­den. Ein­mal, weil diese Demü­ti­gung uns wohl­tut. Es ist uns heis­lam, uns zu erin­nern, wie wir frü­her waren, wenn wir uns jetzt gebes­sert haben. Es ist nütz­lich, sich an eigene Schwä­chen zu erin­nern, die mor­gen wie­der­keh­ren kön­nen. Sodann: Der Pries­ter, der über einen Pöni­ten­ten, der ver­ge­bene Sün­den beich­tet, die Los­spre­chungs­worte spricht, ver­mit­telt ihm wirk­same Gna­den des Sakra­men­tes. Das Bußsa­kra­ment gewährt ja nicht nur die Ver­ge­bung von Sün­den, es gibt auch Gna­den zum Kampf gegen die Sünde. Es heilt die Seele in dem unauf­hör­li­chen Streit, den wir gegen die andrän­gende Welt, gegen die Ver­su­chun­gen und Ver­lockun­gen füh­ren. Diese Wir­kung des Bußsa­kra­men­tes kommt auch in dem zustande, der nur bereits ver­ge­bene Sün­den beich­tet. Er macht einen Auf­schwung, er macht eine Anstren­gung, um über die Sünde Herr zu wer­den, um die Reste der Sünde, um die Nei­gung zur Sünde zu über­win­den. Inso­fern hat es also einen guten Sinn, auch bereits ver­ge­bene Sün­den dem Buß­ge­richt zu unter­brei­ten.

In man­chen Fäl­len legen Gläu­bige Wie­der­ho­lungs­beich­ten ab, Gene­ral­beich­ten, Lebens­beich­ten. Wie­der­ho­lungs­beich­ten sind not­wen­dig, wenn frü­here Beich­ten ungül­tig waren. Es müs­sen dann alle Sün­den seit der letz­ten gül­ti­gen Beicht wie­der­holt wer­den. Wie­der­ho­lungs­beich­ten sind zu emp­feh­len, wenn sie für den Betref­fen­den einen geist­li­chen Fort­schritt bedeu­ten. Wenn man einen neuen Abschnitt des Lebens beginnt, etwa bei Exer­zi­tien oder bei der Wahl eines Stan­des, z. B. bei Ehe­schlie­ßung, emp­fiehlt es sich, eine Wie­der­ho­lungs­beicht abzu­le­gen, gewis­ser­ma­ßen einen Abschluß zu machen hin­sicht­lich des ver­gan­ge­nen Lebens und einen Auf­schwung für den neuen Abschnitt des Lebens. Wie­der­ho­lungs­beich­ten sind abzu­ra­ten, wenn es sich um Pöni­ten­ten han­delt, die zu Ängst­lich­keit und Skru­pel­haf­tig­keit nei­gen. Für sie kann eine Wie­der­ho­lungs­beicht Gift sein. Es ist Sache des Beicht­va­ters, zu ent­schei­den, wel­cher Art der Pöni­tent ist, und ihm ent­we­der auf­zu­er­le­gen oder zu emp­feh­len, eine Wie­der­ho­lung­beicht abzu­le­gen, oder davon drin­gend abzu­ra­ten,

Das Bußsa­kra­ment, meine lie­ben Freunde, hat auch für den Emp­fän­ger eine dop­pelte Wir­kung. Ein­mal schafft es den katho­li­schen Men­schen. Was will ich damit sagen: Das Bußsa­kra­ment schafft den katho­li­schen Men­schen? Unter einem katho­li­schen Men­schen ver­stehe ich einen Chris­ten, der von sei­ner eige­nen Schwä­che und Hin­fäl­lig­keit über­zeugt ist, der demü­tig und beschei­den seine eigene Unzu­läng­lich­keit erkennt. Ein durch das Bußsa­kra­ment geform­ter katho­li­scher Christ ist nicht anma­ßend, arro­gant, ist kein Fas­sa­den­mensch, son­dern wahr­haf­tig und demü­tig. Das ist der katho­li­sche Mensch. Wir wis­sen, wie viele andere nach außen etwas ver­hei­ßen, was sie inner­lich nicht erfül­len. Mir sagte ein­mal ein Mit­bru­der aus Ber­lin, als ich ihm sagte, daß ich über die vie­len gut ange­zo­ge­nen und freund­li­chen Men­schen in Ber­lin ent­zückt sei: „Von vie­len mei­ner Lands­leute gilt das Wort: Außen hui und innen pfui!“ Ich gebe das mit allen Vor­be­hal­ten wie­der, aber so hat die­ser Mit­bru­der mir gesagt. Er meinte, ich solle mich nicht so sehr auf die Außen­seite stüt­zen, son­dern mehr in die Tiefe schauen.

Das Bußsa­kra­ment hat aber noch eine andere Wir­kung auf den katho­li­schen Chris­ten: Es ver­bin­det ihn mit der Kir­che. Wenn Sie heute erle­ben, meine lie­ben Freunde, wie sich immer wie­der Men­schen von der Kir­che lösen, wie sie den Got­tes­dienst mei­den, wie sie die Sakra­mente ver­nach­läs­si­gen, ja wie sie in gro­ßer Zahl durch den bür­ger­li­chen Kir­chen­aus­tritt sich von der Kir­che abset­zen, dann erkenne ich für diese Erschei­nun­gen meh­rere Ursa­chen. Aber eine davon ist mit Sicher­heit die Ver­nach­läs­si­gung des Bußsa­kra­men­tes. Wer sich als Sün­der ver­steht und wer um die Not­wen­dig­keit der Sün­den­ver­ge­bung weiß, wem bewußt ist, daß die Sün­den­ver­ge­bung in der Kir­che geschieht und daß man dazu ein auf­rich­ti­ges Bekennt­nis vor einem katho­li­schen Pries­ter able­gen muß, der begreift auch die Not­wen­dig­keit der Kir­che; der ist nicht in der Gefahr, sich von die­ser Kir­che los­zu­sa­gen oder zu tren­nen, denn er braucht sie ja. Er braucht sie drin­gend. Der eng­li­sche Schrift­stel­ler Ches­ter­ton hat auf die Frage, warum er katho­lisch gewor­den sei, geant­wor­tet: „Damit ich von mei­nen Sün­den los­komme!“ Ches­ter­ton hat begrif­fen, warum der katho­li­sche Mensch ent­schei­dend dadurch geprägt ist, daß er um Sün­den­ver­ge­bung vor Gott durch sei­nen Die­ner ein­kommt und daß die­ses Gesche­hen ihn inner­lich und tief prägt. Wer dage­gen meint, die Sün­den­ver­ge­bung nicht nötig zu haben, wer meint, des Beicht­va­ters nicht zu bedür­fen, bei dem ist es kein Wun­der, daß er die Sakra­mente ver­nach­läs­sigt, den Got­tes­dienst ver­säumt und sich schließ­lich fragt: Wozu soll ich ein Unter­neh­men mit mei­nem Geld unter­stüt­zen, von dem ich nichts habe? Inso­fern ist der Zusam­men­bruch der Beicht­pra­xis auch für die Woge der Kir­chen­aus­tritte mit­ver­ant­wort­lich.

Wir haben, meine lie­ben Freunde, über den Spen­der und den Emp­fän­ger des Bußsa­kra­men­tes nach­ge­dacht. Kein Gerin­ge­rer als Johann Wolf­gang von Goe­the hat ein­mal den Aus­spruch getan: „Die Ohren­beichte hätte den Men­schen nicht genom­men wer­den sol­len.“ Aber man hat sie ihnen genom­men. Die Ohren­beichte, das per­sön­li­che Bekennt­nis der Sün­den ist eines der gro­ßen beglü­cken­den Geheim­nisse des Heils­wer­kes Jesu Christi und eines der gro­ßen Güter unse­rer Kir­che. Wir wol­len das Bußsa­kra­ment schät­zen, wir wol­len es wür­dig und demü­tig emp­fan­gen. Wir wol­len seine Wir­kun­gen in uns auf­neh­men und auf diese Weise die Züge Jesu her­aus­for­men, der sich am Kreuze für die Sün­der hin­ge­ge­ben hat, um sie zu erlö­sen von toten Wer­ken.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Über Spen­der und Emp­fän­ger des Bußsa­kra­men­tes www.Glaubenswahrheit.org“