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Der Emp­fän­ger des Bußsa­kra­men­tes ist jeder getaufte Christ, der Sün­den began­gen hat. Jeder getaufte Christ!

Ein Unge­tauf­ter kann das Bußsa­kra­ment nicht emp­fan­gen. Warum nicht? Er besitzt nicht die Inkor­po­ra­tion in Chris­tus. Er ist kein Chris­tus­ge­hö­ri­ger. Er hat nicht die Züge Jesu, die ihm in der Taufe ein­ge­prägt wer­den, und die Taufe ist nun ein­mal die janua sacra­men­to­rum – das Tor, das Ein­gangs­tor in die sakra­men­tale Welt.

Ohne den Emp­fang der Taufe ist der Emp­fang eines ande­ren Sakra­men­tes aus­ge­schlos­sen, auch der des Bußsa­kra­men­tes. Nur ein Getauf­ter kann das Bußsa­kra­ment emp­fan­gen.

Umfassend wird im folgenden Vortrag die Notwendigkeit und Segenswirkung des Bußsakraments erklärt:

Wie häufig soll man zur Beichte gehen? Welche Ämter übt der Priester im Beichtstuhl aus? Was sind die Kennzeichen eines guten Beichtvaters? Wie sehen die richtige Gewissenserforschung und ein guter Beichtspiegel aus? Welche Arten von Sünden gibt es? Was versteht man unter schwerer Sünde? Welche Sünden müssen für eine gültige Beichte bekannt werden? Was gehört zu einer aufrichtigen Reue? Inwieweit werden die Sünden durch das Bußsakrament getilgt? Welche Formen der Buße gibt es?


Diese Serie beinhaltet 6 Themen und steht unter dem Haupttitel "Das Beichtsakrament" .Sie können mit der Taste F5 die nächste Predigt aufrufen.


Die Ablässe

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Zu den ver­ges­se­nen Wahr­hei­ten unse­res Glau­bens gehört die Tat­sa­che, daß die Sünde Strafe ver­dient. Die Tod­sünde ver­dient ewige Strafe, die läß­li­che Sünde zeit­li­che Strafe. Durch Reue, Bekennt­nis, Genug­tu­ungs­wille und die Los­spre­chung im Bußsa­kra­ment wird die ewige Strafe immer nach­ge­las­sen. Aber nicht immer wird auch die zeit­li­che, also die in der Zeit abzu­bü­ßende Strafe nach­ge­las­sen. Des­we­gen wer­den schon im Bußsa­kra­ment Genug­tu­ungs­werke auf­er­legt, die soge­nannte Buße, die wir ver­rich­ten müs­sen.

Es gibt aber noch ein ande­res Mit­tel, um von den zeit­li­chen Sün­den­stra­fen befreit zu wer­den, das nen­nen wir den Ablaß. Das latei­ni­sche Wort indul­gen­tia bedeu­tet wört­lich über­setzt Nach­laß, aber nicht Nach­laß von Sün­den, son­dern Nach­laß von Sün­den­stra­fen. Es hat ein­mal vor eini­ger Zeit in der Schweiz in einem Hotel ein Herr einen Hun­dert­fran­ken­schein auf den Tisch gelegt und gesagt: „Der Schein gehört jenem von Ihnen, der mir sagen kann, was ein Ablaß ist.“ Aber kei­ner von den Anwe­sen­den ver­mochte sich den Hund­er­fran­ken­schein zu ver­die­nen, weil kei­ner wußte, was ein Ablaß ist. Der Ablaß ist der Nach­laß zeit­li­cher Stra­fen vor Gott für Sün­den, die der Schuld nach schon ver­ge­ben sind. Es ist also irrig, zu mei­nen, der Ablaß habe es mit Sün­den zu tun, er hat es mit Sün­denstra­fen zu tun. Es heißt zwar in den Ablaß­ver­lei­hun­gen des Mit­tel­al­ters immer: Ple­nam remis­sio­nem pec­ca­to­rum, also zunächst ein­mal wört­lich und pri­mi­tiv über­setzt „vol­ler Nach­laß der Sün­den“, aber unter dem Wort pec­ca­to­rum, das wir mit Sün­den über­set­zen, ver­stand der mit­tel­al­ter­li­che Gläu­bige nicht nur die Sün­den, son­dern auch die Sün­den­stra­fen; und es war in den Ablaß­ver­lei­hun­gen immer gesagt, daß der Nach­laß von Sün­den­stra­fen nur denen gewährt wird, die Reue emp­fun­den haben, ihre Sün­den gebeich­tet haben und von den Sün­den los­ge­spro­chen wor­den sind. Auf dem Kon­zil von Kon­stanz im Jahre 1415 wurde den Anhän­gern des Hus die Frage vor­ge­legt, ob sie glau­ben, daß der Papst allen Chris­ten, die wahr­haft Reue haben und ihre Sün­den bekannt haben, aus einem from­men und gerech­ten Grunde Ablässe gewäh­ren könne in remis­sio­nem pec­ca­to­rum. Natür­lich jetzt nicht zum Nach­laß der Sün­den, denn von denen war ja vor­her die Rede, wo das Erfor­der­nis der Reue und der Los­spre­chung auf­ge­stellt wurde, son­dern Nach­laß der Sün­den­stra­fen, und zwar nicht nur der kirch­li­chen, kano­ni­schen Buß­stra­fen, son­dern der Sün­den­stra­fen vor Gott. Der Ablaß hat eine Wir­kung vor Gott, nicht nur vor Men­schen!

Die Ablaß­ge­walt ist der Kir­che gege­ben mit ihrer Schlüs­sel­ge­walt. Die Kir­che besitzt ja die Gewalt, Sün­den nach­zu­las­sen und Sün­den zu behal­ten, und in die­ser Gewalt ein­ge­schlos­sen ist auch die Gewalt, Sün­den­stra­fen nach­zu­las­sen. Die zweite Säule, auf der die kirch­li­che Ablaß­ge­walt ruht, ist die Lehre von der Gemein­schaft der Hei­li­gen. Es kann einer für den ande­ren ein­tre­ten. Es besteht eine Soli­da­ri­tät, eine Gemein­schaft im Guten wie im Bösen, und wegen die­ser Gemein­sam­keit der Chris­ten ist es mög­lich, daß die Kir­che – jetzt kommt das ent­schei­dende Wort – aus dem Genug­tu­ungs­schatz Christi und der Hei­li­gen Nach­laß zeit­li­cher Sün­den­stra­fen gewährt. Was ist das: Genug­tu­ungs­schatz Christi und der Hei­li­gen? In der Heils­ord­nung, die von Chris­tus begrün­det wird, muß für die Nach­las­sung von Sün­den immer ein Ersatz beschafft wer­den, eine Kom­pen­sa­tion, eine Aus­glei­chung. Und diese Aus­glei­chung ist natür­lich in über­strö­men­der Weise beschafft wor­den durch das Leben, Lei­den und Ster­ben unse­res Hei­lan­des. Das ist der Genug­tu­ungs­schatz der Kir­che. In einer unend­li­chen Weise hat Chris­tus Genug­tu­ung geleis­tet, weil er als der Gott­mensch den Wil­len des Vaters bis zum letz­ten Atem­zug erfüllt hat. Das kann man bild­lich mit einem Schatz ver­glei­chen. Aus die­sem Schatz wird aus­ge­teilt, wenn die Sün­den in der Buße, im Bußsa­kra­ment nach­ge­las­sen wer­den. Das ist die Macht des Genug­tu­ungs­schat­zes Christi. Aber der Genug­tu­ungs­schatz Christi, zu dem dann auch die Genug­tu­un­gen der Hei­li­gen, die über­flie­ßen­den, d.h. über ihre Schuld hin­aus­ge­hen­den Genug­tu­un­gen der Hei­li­gen hin­zu­kom­men, die­ser Genug­tu­ungs­schatz kann auch ver­wandt wer­den, um zeit­li­che Sün­den­stra­fen nach­zu­las­sen. Die Kir­che rich­tet an Gott das fle­hent­li­che und erhö­rungs­ge­wisse Gebet, Gott möge um der Genug­tu­un­gen Christi und der Hei­li­gen wil­len dem reui­gen Sün­der Sün­den­stra­fen ver­ge­ben.

Es ist ein Gebet, d.h. eine Bitte, aber die Kir­che ist sich der Erhö­rung gewiß, denn Chris­tus hat ihr mit der Über­gabe der Juris­dik­ti­ons­ge­walt, also der Gewalt, zu bin­den und zu lösen, auch die Gewiß­heit gege­ben, daß die Hand­lun­gen die­ser Juris­dik­ti­ons­ge­walt im Him­mel Gel­tung haben. „Alles, was ihr auf Erden bin­den wer­det, das wird auch im Him­mel gebun­den sein,“ hat also Gel­tung auch vor Gott.

Nun, die Ablässe sind in der letz­ten Zeit ins Zwie­licht gera­ten. Vor eini­ger Zeit schrieb mir eine Dame, die vom Pro­tes­tan­tis­mus zum katho­li­schen Glau­ben gefun­den hat, sie wisse gar nicht, daß es Ablässe gebe. Man hat es ihr nicht gesagt. Man behan­delt den Ablaß wie etwas, das nicht sehr wich­tig sei, wenn es nicht sogar zur Ableh­nung die­ser Ein­rich­tung in der Kir­che kommt.

Es gibt Ablässe ver­schie­de­ner Art. Zunächst ein­mal: Nach dem Emp­fän­ger unter­schei­det man zwi­schen Abläs­sen für die Leben­den und für die Ver­stor­be­nen. Wir kön­nen für uns selbst Ablässe gewin­nen, aber nur jeder für sich. Für einen ande­ren Leben­den kann man keine Ablässe gewin­nen. Er soll sie gefäl­ligst selbst gewin­nen – das ist die Mei­nung der Kir­che. Aber für die, die keine Ablässe mehr gewin­nen kön­nen, näm­lich für die Ver­stor­be­nen, die im Feg­feuer, im Rei­ni­gungs­zu­stand Befind­li­chen, für die kön­nen wir – also an ihrer Stelle, an ihrer Statt – Ablässe gewin­nen und sie ihnen zuwen­den. Aber die Gewin­nung der Ablässe ist für die Leben­den und die Ver­stor­be­nen ver­schie­den­ar­tig. Über die Ver­stor­be­nen hat die Kir­che keine Gewalt mehr. Sie sind aus ihrer Gewalt aus­ge­schie­den. Infol­ge­des­sen kann sie diese auch nicht in der Weise der Los­spre­chung mit Abläs­sen aus­stat­ten, son­dern nur in der Weise der Für­bitte. Wir Leben­den bekom­men Straf­nach­laß in der Weise der Los­spre­chung, die Ver­stor­be­nen bekom­men Straf­nach­laß in der Weise der Für­bitte. Das ist also die erste große Unter­schei­dung, Ablässe für Lebende und für Ver­stor­bene. Vor allen Din­gen der Aller­see­len­ab­laß ist so wich­tig, wo wir unse­ren lie­ben Ver­stor­be­nen durch Ablaß­ge­win­nung zu Hilfe kom­men kön­nen und sol­len. Es gibt aber dann noch die Unter­schei­dung zwi­schen voll­kom­me­nen und unvoll­kom­me­nen Abläs­sen. Ein voll­kom­me­ner Ablaß besagt die Nach­las­sung aller zeit­li­chen Sün­den­stra­fen. Ein unvoll­kom­me­ner oder Teil­ab­laß besagt die Nach­las­sung von einem bestimm­ten Bruch­teil der ver­dien­ten Sün­den­stra­fen. Frü­her hat man, in älte­ren Gebet­bü­chern noch zu lesen, die unvoll­kom­me­nen Ablässe nach Tagen oder Jah­ren ange­ge­ben – ein Ablaß von 300 Tagen, ein Ablaß von 7 Jah­ren. Das bedeu­tete frü­her: Der­je­nige, der die­sen Ablaß gewinnt, erhält soviel Nach­laß zeit­li­cher Sün­den­stra­fen, wie er durch eine Kir­chen­buße von 300 Tagen oder 7 Jah­ren – frü­her war man streng! – ver­dient hätte. Seit der Neu­ord­nung des Ablaß­we­sens wer­den die Teil­ab­lässe nicht mehr nach Tagen oder Jah­ren gemes­sen, son­dern wer einen Teil­ab­laß gewinnt, dem geschieht fol­gen­des: Die Kir­che erläßt ihm so viel zeit­li­che Sün­den­stra­fen, wie er durch das Werk selbst ver­dient, das er bei der Ablaß­ge­win­nung ver­rich­tet. Also das Maß der selbst­ge­won­ne­nen Frei­heit von Sün­den­stra­fen ist gleich­zei­tig das Maß für die Schen­kung der Kir­che.

Die Kir­che hat Ablaß­bü­cher her­aus­ge­ge­ben. Ich habe hier das jüngste Ablaß­buch in mei­ner Hand, das Enchi­ridion indul­gen­tiarum – in latei­ni­scher Spra­che geschrie­ben, 1986 her­aus­ge­kom­men, da sind die Ablässe oder viel­mehr bes­ser die wich­tigs­ten Ablässe auf­ge­führt; zum Bei­spiel der Päpst­li­che Segen. Da heißt es – ich über­setze -: Die Christ­gläu­bi­gen, die den Päpst­li­chen Segen, der der Stadt und dem Erd­kreis (urbi et orbi) gege­ben wird, emp­fan­gen wol­len, erhal­ten dabei einen voll­kom­me­nen Ablaß. Übri­gens auch die­je­ni­gen, die mit red­li­cher Gesin­nung die­ser Ablaß­ge­win­nung bei­woh­nen am Fern­se­her. Auch am Fern­se­her ist es den Zuschau­ern mög­lich, einen voll­kom­me­nen Ablaß, Weih­nach­ten und Ostern, durch die Bei­woh­nung des Gesche­hens in Rom zu gewin­nen. Andere wich­tige Ablässe sind zum Bei­spiel die Lita­neien, Lita­nei vom hei­ligs­ten Her­zen Jesu, Lita­nei von der Mut­ter­got­tes, Lita­nei vom hei­li­gen Joseph. Eine wich­tige Quelle der Ablaß­ge­win­nung ist der Rosen­kranz, und zwar unter­schied­lich. Wenn man ihn allein betet, gewinnt man nur einen Teil­ab­laß, aber wenn man sich zusam­men­schließt mit ande­ren, kann man einen voll­kom­me­nen Ablaß gewin­nen. Wei­ter erwähne ich noch den Kreuz­weg. Der Kreuz­weg ist immer begabt mit einem voll­kom­me­nen Ablaß. Wer den Kreuz­weg geht (man muß ihn gehen!), gewinnt dadurch unter den Bedin­gun­gen, die ich gleich nen­nen werde, einen voll­kom­me­nen Ablaß. Das sind einige Bei­spiele für Ablaß­ge­wäh­run­gen, wel­che die Kir­che vor­ge­nom­men hat.

Ich komme jetzt zu den Bedin­gun­gen für die Gewin­nung der Ablässe. Die Ablässe wol­len ja doch nicht die Bekeh­rung des Men­schen erset­zen, sie set­zen sie viel­mehr vor­aus. Sie wol­len den Men­schen zur Bekeh­rung antrei­ben, um dann, wenn er sich bekehrt hat, ihm auch aus dem Genug­tu­ungs­schatz Christi und der Hei­li­gen etwas geschenk­weise dazu­zu­ge­ben. Des­we­gen kön­nen Ablässe nur gewin­nen Getaufte, genauer getaufte Katho­li­ken, die in Gemein­schaft mit der Kir­che ste­hen und im Gna­den­stand sind. Wenn man im Zustand der Tod­sünde ist, kann man kei­nen Ablaß gewin­nen. Man muß im Stand der hei­lig­ma­chen­den Gnade sein. Nur wenn man in der Freund­schaft mit Gott lebt, kann man einen Ablaß erhal­ten.

Außer­dem muß man die Absicht haben. Man muß den Wil­len haben, den Ablaß zu gewin­nen. Das ist nicht so zu ver­ste­hen, als ob man vor jedem Gebet, das mit einem Ablaß ver­se­hen ist, die Absicht erneu­ern müßte: Jetzt will ich den Ablaß gewin­nen. Es genügt, wenn man ein­mal den Wil­lens­ent­schluß gefaßt hat: Ich will die Ablässe, wel­che die Kir­che bestimm­ten Wer­ken der Fröm­mig­keit gege­ben hat, gewin­nen. Wenn man die­sen Ent­schluß gefaßt und nicht wider­ru­fen hat, dann gewinnt man die Ablässe, die damit ver­bun­den sind.

Als letz­tes muß man die Werke ver­rich­ten, die für die Ablaß­ge­win­nung vor­ge­schrie­ben sind, also Gebete, Besu­chung des Fried­hofs am Aller­see­len­tage, Besuch einer Kir­che, eine Wall­fahrt, Gehen des Kreuz­we­ges – man muß gehen, von Sta­tion zu Sta­tion. Diese Bedin­gun­gen müs­sen genau erfüllt wer­den. Beim Rosen­kranz hängt die Gewin­nung daran, daß man die Kör­ner des Rosen­kran­zes in der Hand trägt. Das Kreuz ist nicht ent­schei­dend, aber die Kör­ner des Rosen­kran­zes muß man in der Hand tra­gen und durch die Hand glei­ten las­sen. Zur Beru­hi­gung von ängst­li­chen See­len will ich nur sagen: Wenn ein­mal zwei oder drei Kör­ner feh­len, geht dadurch der Ablaß nicht ver­lo­ren. Wenn der Rosen­kranz nur im gan­zen gebe­tet wird, machen sol­che Klei­nig­kei­ten nichts aus für die Gewin­nung des Ablas­ses.

Schwie­rig ist es, meine lie­ben Freunde, einen voll­kom­me­nen Ablaß zu gewin­nen. Warum? Weil ein voll­kom­me­ner Ablaß nur dem zufällt, der jede Nei­gung zur Sünde in sich über­wun­den hat. Warum diese Strenge? Ja, meine lie­ben Freunde, wer noch Nei­gun­gen zur Sünde in sich trägt, der ist eben noch nicht frei von Straf­wür­dig­keit, der ver­dient noch Strafe, und infol­ge­des­sen kön­nen ihm auch nicht alle Stra­fen nach­ge­las­sen wer­den. Man muß frei sein von Tod­sünde, frei sein von läß­li­cher Sünde und frei sein von jeder Anhäng­lich­keit auch nur an eine läß­li­che Sünde. Des­we­gen: Es ist schwie­rig, einen voll­kom­me­nen Ablaß zu gewin­nen. Wir wol­len uns bemü­hen, wir wol­len alles tun, um einen voll­kom­me­nen Ablaß unser eigen nen­nen zu kön­nen, aber wir müs­sen dar­auf gefaßt sein, daß wir viel­leicht nur sel­ten einen voll­kom­me­nen Ablaß gewin­nen, weil in uns noch die Anhäng­lich­keit an die Sünde lebt, weil wir noch nicht ganz rein sind und infol­ge­des­sen noch Strafe ver­die­nen.

Die Gewin­nung des voll­kom­me­nen Ablas­ses, die nicht gelingt, ist des­we­gen nicht sinn­los. Wer kei­nen voll­kom­me­nen Ablaß gewinnt, gewinnt einen unvoll­kom­me­nen, also dann wird auto­ma­tisch die Umwand­lung des voll­kom­me­nen Ablas­ses in den unvoll­kom­me­nen, in den Teil­ab­laß, vor­ge­nom­men.

Sie wis­sen alle, meine lie­ben Freunde, daß ein Mann namens Mar­tin Luther den Ablaß zum Anlaß genom­men hat, den Auf­stand gegen die Kir­che zu pro­kla­mie­ren. Der Ablaß war nur der Anlaß. Er war längst, als er mit sei­nen Ablaß­the­sen her­vor­trat, inner­lich von der Kir­che ent­fernt. Die Ablässe waren in den 500 Jah­ren von 1000 bis 1500 außer­or­dent­lich beliebt. Die Kir­che hat viele Ablässe gege­ben und dadurch große Wir­kun­gen an Fröm­mig­keit, Hei­lig­keit und Bekeh­rung erzielt. Es waren aber mit die­sen Ablaß­ge­win­nun­gen auch Nach­teile ver­bun­den. Es waren näm­lich viel­fach die Gel­d­ab­lässe üblich. Das heißt, das gute Werk, das man leis­tete, nach­dem man sich bekehrt und gebeich­tet hatte, waren Geld­spen­den. Mit dem Geld von Abläs­sen sind Kir­chen, Klös­ter, Kathe­dra­len gebaut wor­den. Der Main­zer Dom, der Speye­rer Dom, der Dom von Köln, sie alle ver­dan­ken bis zu einem gewis­sen Grade Ablaß­gel­dern ihr Ent­ste­hen.

Aber man hat Ablaß­gel­der auch ver­wandt für andere nütz­li­che Bau­ten, Brü­cken, Hafen­an­la­gen. Die Brü­cke in Tor­gau zum Bei­spiel ist aus Ablaß­gel­dern erbaut wor­den. Man hat die Ablaß­gel­der ver­wen­det auch, um den Erb­feind des Chris­ten­tums abzu­weh­ren, um Heere auf­zu­stel­len gegen die Tür­ken und gegen die Moham­me­da­ner. Auch sie wur­den teil­weise besol­det mit Gel­dern aus Abläs­sen. Man wird zuge­ben müs­sen, daß das alles nütz­li­che Dinge waren. Aber frei­lich, der Teu­fel sucht auch das Hei­lige und Nütz­li­che zu miß­brau­chen. Man hat bei­spiels­weise ver­ein­zelt die Gewin­nung von Abläs­sen als zu leicht hin­ge­stellt. Wenn der Satz nicht wirk­lich aus­ge­spro­chen ist, so ist er doch dem Sinne nach ver­kün­det wor­den, näm­lich: Wenn das Geld im Kas­ten klingt, die Seele aus dem Fege­feuer springt. Das ist über­trie­ben. So gewiß ist die Erhö­rung des Gebe­tes bei Ablaß­ge­win­nung nicht, das ist Über­trei­bung. Und infol­ge­des­sen hat es berech­tigte Vor­würfe gegen man­che Ablaß­pre­di­ger gege­ben. Aber ein­mal hat die Kir­che die Gel­d­ab­lässe abge­schafft – es gibt keine Gel­d­ab­lässe mehr –, und zum ande­ren macht ein Miß­brauch den heil­sa­men Gebrauch einer Ein­rich­tung nicht zunichte. Im Kon­zil von Tri­ent hat die Kir­che die reine Ablaß­lehre, wie sie auch zur Zeit Luthers ver­kün­det wurde, etwa von Papst Leo X., wie­der­her­ge­stellt, und bis vor weni­gen Jahr­zehn­ten, näm­lich bis zum gro­ßen Zusam­men­bruch in unse­rer Kir­che, haben die Gläu­bi­gen eif­rig Ablässe zu gewin­nen gesucht.

Wir soll­ten uns nicht irre­ma­chen las­sen, meine lie­ben Freunde, der Ablaß ist eine heil­same und hei­lige Ein­rich­tung. Die Lehre vom Ablaß ist ein Dogma, ein Glau­bens­satz der katho­li­schen Kir­che. Wir soll­ten auf das hören, was der hei­lige König Lud­wig von Frank­reich sei­nem Sohn und Erben ins Tes­ta­ment schrieb: „Mein Sohn, sei eif­rig in der Gewin­nung der Ablässe der Kir­che!“

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die Ablässe www.Glaubenswahrheit.org“

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