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Diese Serie beinhaltet 7 Themen und steht unter dem Haupttitel "Die Sünde" .Sie können mit der Taste F5 die nächste Predigt aufrufen.


Die Träg­heit als Wur­zel­sünde

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

An den ver­gan­ge­nen Sonn­ta­gen haben wir sechs der sie­ben Haupt­sün­den betrach­tet, Zorn, Stolz, Neid, Geiz, Unkeusch­heit, Unmä­ßig­keit, und so bleibt uns heute die letzte die­ser Haupt­sün­den zu über­den­ken, näm­lich die Träg­heit oder die Faul­heit. Die Träg­heit ist des­we­gen eine Haupt­sünde, weil auch sie wie aus einem frucht­ba­ren Born immer neue Feh­ler, Schwä­chen und Sün­den her­vor­bringt. Wer träge ist, fällt ande­ren zur Last. Er sucht sich auf unrechte Weise Aner­ken­nung, Ver­mö­gen und Ehre zu ver­schaf­fen. Er ver­fällt in alle mög­li­chen Ver­su­chun­gen, die aus dem Müßig­gang ent­ste­hen. Es kommt zum Streit, weil seine Faul­heit ihn hin­dert, das Not­wen­dige zu tun. Der Unfriede bricht ein, wo Faul­heit herrscht. Wahr­haf­tig, die Träg­heit ist eine Wur­zel­sünde. Aus ihrer ver­gif­te­ten Wur­zel wach­sen viele andere Sün­den empor. Der Träge gerät auch leicht in Armut, und am Ende steht der Ver­lust der Selig­keit. Denn wie sagte der Herr: „Ein jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird aus­ge­hauen und ins Feuer gewor­fen.“ Der träge Knecht, der sein Talent ver­grub, statt mit ihm zu arbei­ten, wird hin­aus­ge­wor­fen in die Fins­ter­nis drau­ßen, wo Heu­len und Zäh­ne­knir­schen ist. Gott hat den Men­schen das Gesetz der Arbeit gege­ben. Die Arbeit ist eine Pflicht für den Men­schen, der er sich nicht ent­zie­hen kann. Nor­ma­ler­weise erfüllt der Mensch seine Arbeits­pflicht in sei­nem Berufe. Das Wort Beruf hängt mit Beru­fung zusam­men, und jeder Beruf ist in gewis­ser Hin­sicht eine Beru­fung, näm­lich von Gott her. Und durch den Fleiß der Berufs­ar­beit soll er sich seine Selig­keit ver­die­nen.

Die mensch­li­che Gesell­schaft ist auf die pflicht­mä­ßige Arbeit ange­wie­sen. Nur das gewis­sen­hafte Zusam­men­wir­ken aller sichert das Gemein­wohl. Wir könen uns oft die Arbeit nicht aus­su­chen, der wir uns hin­ge­ben müs­sen. Aber auf jeder Arbeit liegt Segen, wenn sie in der rech­ten Gesin­nung getan wird. Man kann sogar in die­ser Hin­sicht von einer sitt­li­chen und reli­giö­sen Gleich­heit der Berufe spre­chen. Sitt­lich und reli­giös sind die Berufe des­we­gen gleich, weil es bei allen vor Gott auf den Ein­satz, auf die Gesin­nung ankommt, mit der sie erfüllt wird. Der Pflicht zur Arbeit unter­wer­fen sich auch die Ordens­leute. Selbst die soge­nann­ten beschau­li­chen Orden sind uner­müd­lich tätig. Es ist ganz ver­fehlt, wenn man meint, die Män­ner und Frauen, die in den beschau­li­chen Klös­tern wei­len, wür­den nur den gan­zen Tag beten. Kei­nes­wegs; auch sie wech­seln sich in Gebet und Arbeit ab. Nur ist ihre Arbeit eben dem häus­li­chen Bereich gewid­met, dringt gewöhn­lich nicht nach außen, ist nicht der Welt zuge­wandt, ist keine in dem Sinne apos­to­li­sche Arbeit. In Ams­ten­rat wird heute noch die selige Schwes­ter Agnes ver­ehrt. Sie war das ganze Leben über kränk­lich, aber bei jeder Arbeit war sie dabei und uner­müd­lich. Ein­mal wurde das Klos­ter erneu­ert, und die Schwes­tern muß­ten Steine tra­gen und Hand­lan­ger­dienste ver­rich­ten. Eine Schwes­ter sagte zu Schwes­ter Agnes: „Dafür bin ich doch nicht ins Klos­ter gegan­gen, daß ich hier arbeite und mich im Gebet behin­dert sehe.“ Da gab ihr die selige Schwes­ter Agnes zur Ant­wort: „Schwes­ter, sei mir zufrie­den! Es ist bes­ser, mit Gott zu arbei­ten, als ohne Gott zu beten.“

Die Arbeit, die uns auf­ge­tra­gen ist, sol­len wir mit Fleiß ver­rich­ten. Also keine Drü­cke­ber­ge­rei, kein Auf­schie­ben, keine Pfu­sche­rei bei der Arbeit! Sie soll mit Emsig­keit, mit Ein­satz, mit Eifer ange­faßt wer­den. So haben alle, die uns im Rei­che des Geis­tes als große Men­schen bekannt sind, mit Fleiß gear­bei­tet. Die gesam­mel­ten Werke von Johann Wolf­gang von Goe­the umfas­sen 133 Bände in der Wei­ma­rer Aus­gabe. Wenn man diese 133 Bände mit der Hand abschrei­ben würde, so müßte man 60 Jahre lang schrei­ben. Das hat Goe­the in sei­nem Leben voll­bracht, obwohl er noch neben­bei Thea­ter­di­rek­tor und Minis­ter war und an vie­len Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten mit­ge­ar­bei­tet hat. Johann Wolf­gang von Goe­the ist nicht das ein­zige Bei­spiel eines rast­lo­sen Flei­ßes. Den­ken wir auch an Wolf­gang Ama­deus Mozart. In sei­nem kur­zen Leben von 35 Jah­ren hat er, der immer kränk­lich war und sich viel auf Kon­zert­rei­sen befand, ein Rie­sen­werk musi­ka­li­scher Kunst geschaf­fen. Auch hier hat man aus­ge­rech­net, daß, wenn jemand die Noten, die er geschrie­ben hat, abschrei­ben müßte, er dazu 50 Jahre brau­chen würde. Es ist uns unbe­greif­lich, wie er in sei­nem kur­zen Leben diese Fülle musi­ka­li­scher Ein­fälle hat ver­ar­bei­ten kön­nen. Ein gewal­ti­ges Werki hat er sei­nem schwa­chen Kösper abge­run­gen.

Wir sol­len auch bei der Arbeit aus­dau­ernd sein, nicht fort­wäh­rend wech­seln, auch den Beruf nicht ohne Grund wech­seln, son­dern beharr­lich sein, aus­hal­ten bei der Arbeit, blei­ben bei dem, was man sich ein­mal vor­ge­nom­men und beschlos­sen hat. Im Monat April die­ses Jah­res besuchte ich in Mün­chen die Stätte, wo ich vor 45 Jah­ren gewohnt habe als Stu­dent der Theo­lo­gie. Da traf ich einen alten Mann, der immer noch den Gar­ten besorgt, den er schon damals betreut hatte. Er sagte zu mir: „Ich bin jetzt 57 Jahre an die­ser Stelle. Jeden Mor­gen früh gehe ich in meine Kir­che, und den gan­zen übri­gen Tag arbeite ich im Gar­ten.“ Seit 57 Jah­ren! Aus­dauer bei der Arbeit ist von­nö­ten.

Die Arbeit gilt natür­lich auch dem Lebens­un­ter­halt. Jeder Arbei­ter ist sei­nes Loh­nes wert, und wir dür­fen für unsere Arbeit irdi­schen Lohn erwar­ten. Aber die Arbeit darf nicht als Pro­fit­quelle ver­stan­den wer­den. Das heißt sie her­ab­wür­di­gen und ernied­ri­gen. Es ist mate­ria­lis­tisch gedacht, wenn man die Arbeit als Ware ansieht. Nein, wir sol­len arbei­ten zur Ehre Got­tes, zum Wohle der Gemein­schaft und auch zu unse­rem eige­nen Unter­halt. Selbst­lo­sig­keit der Arbeit ist gefragt. Man muß sich der Pflicht hin­ge­ben, sach­lich sein, mit rei­nen Moti­ven an die Arbeit gehen und so das auf­ge­tra­gene Werk ver­rich­ten. Von dem Kai­ser Hadrian wird berich­tet, daß er ein­mal in Paläs­tina eine Reise unter­nahm. Er traf einen alten Mann, der einen Fei­gen­baum pflanzte. Er fragte den Mann: „Wie alt bist du?“ „Hun­dert Jahre.“ „Denkst du, daß du von die­sem Fei­gen­baum noch Früchte ern­ten wirst?“ Da gab ihm der Mann zur Ant­wort: „Ich pflanze die­sen Baum, damit er Frucht trägt. Wenn es Gott gefällt, mich so lange leben zu las­sen, daß ich sie genie­ßen kann, so ist es recht. Wenn nicht, dann fal­len die Früchte eben denen zu, die nach mir kom­men, so wie ich von jenen gelebt habe, die vor mir waren.“ Das ist die rechte Hal­tung bei der Arbeit. Sie schaut nicht auf sich selbst, sie schaut auf die Sache, und sie tut das, was gefor­dert ist ohne Rück­sicht auf die eigene Per­son.

Der treuen, zuver­läs­si­gen, aus­dau­ern­den, flei­ßi­gen Arbeit hat Gott ewi­gen Lohn ver­hei­ßen. Der Arbei­ter ist sei­nes Loh­nes wert, auch in die­sem Sinne. Die Arbeit wird im Gerichte Got­tes gemes­sen und gewo­gen. Wer recht arbei­tet, darf dar­auf hof­fen, daß Gott ihm die Gewis­sen­haf­tig­keit der Arbeit anrech­nen wird. Der hei­lige Bern­hard traf ein­mal einen Ordens­bru­der, der auf dem Felde arbei­tete, flei­ßig arbei­tete. Er sagte zu ihm: „Das ist recht so; so brauchst du keine Angst vor dem Fege­feuer zu haben.“ Er meinte eben, durch den Fleiß sei­ner Arbeit habe er seine zeit­li­chen Sün­den­stra­fen schon hier auf Erden abge­büßt. Von einem König wird berich­tet, daß er einem Hir­ten begen­g­nete und ihn fragte: „Was bekommst du für das Hüten dei­ner Herde? Wel­chen Lohn erhältst du?“ Der Hirt ant­wor­tete: „Den­sel­ben wie du, o König.“ Der König war erstaunt. Wie soll das gehen? „Siehst du“, sagte der Hirte, „ich erwerbe mir mit mei­ner Arbeit ent­we­der den Him­mel oder die Hölle. Und du kannst auch dir mit dei­nem Regie­ren nichts ande­res erwer­ben.“

So ist es, meine lie­ben Freunde. Mit unse­rer Arbeit erwer­ben wir uns den Him­mel oder die Hölle. Ent­we­der ist es eine geseg­nete Arbeit, dann wird Gott sie loh­nen; oder es ist eine unge­seg­nete Arbeit, dann war sie unnütz in Got­tes Augen. Wir wol­len also rast­los tätig sein, die Unlust und die Träg­heit über­win­den, uns zur Arbeit ermu­ti­gen und ermun­tern, jeden Tag die Last, auch die beschwer­li­che Last der Arbeit auf uns neh­men, die gute Mei­nung machen und unser Werk ver­rich­ten zur Ehre Got­tes, zum Heile der Men­schen und zu unse­rem eige­nen Wohle.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die Trägheit als Wurzelsünde www.Glaubenswahrheit.org"

2. Das Beichtsakrament
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