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3. Predigtreihe Sünde

Diese Serie beinhaltet 7 Themen und steht unter dem Haupttitel "Die Sünde" .Sie können mit der Taste F5 die nächste Predigt aufrufen.
Der Zorn als Wur­zel­sünde

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Sei­nen gro­ßen Feld­zug gegen die Per­ser eröff­nete König Alex­an­der der Große mit dem gewal­ti­gen Sieg am Gra­ni­cus, einem Fluß in der heu­ti­gen Tür­kei. In die­ser Schlacht kam er selbst in Lebens­ge­fahr, aus der ihn Klei­tos, einer sei­ner Gene­räle, ret­tete. Klei­tos war also der Lebens­ret­ter Alex­an­ders. Wenige Jahre spä­ter fand in Samar­kand, wohin Alex­an­der mit sei­ner Armee vor­ge­drun­gen war, ein Gast­mahl statt. Bei die­sem Gast­mahl pries Clai­tos, der Lebens­ret­ter Alex­an­ders, die mili­tä­ri­sche Tüch­tig­keit und Tap­fer­keit des Vaters von Alex­an­der, näm­lich des Königs Phil­ipp von Maze­do­nien. Über die­ses Lob des Vaters geriet Alex­an­der so in Zorn, daß er eine Lanze ergriff und sei­nen Lebens­ret­ter Klei­tos durch­bohrte. Als er wie­der zur Besin­nung kam, beweinte er sei­nen Freund, aber zum Leben konnte er ihn nicht mehr erwe­cken. Er berei­tete ihm ein fürst­li­ches Lei­chen­be­gäng­nis, aber dadurch wurde an dem Gesche­he­nen nichts geän­dert.

Diese wahre Bege­ben­heit zeigt, wohin der Zorn den Men­schen treibt. Der Zorn ist nicht umsonst eine Haupt- oder Wur­zel­sünde, denn aus ihm spros­sen viele andere Feh­ler und Fre­vel, Ver­feh­lun­gen und Ver­bre­chen her­vor. Der Zorn ist das unge­ord­nete Ver­lan­gen nach stra­fen­der Zurück­wei­sung. Es gibt auch ein geord­ne­tes Ver­lan­gen nach stra­fen­der Zurecht­wei­sung. Man darf in der rech­ten Weise for­dern, daß Übel­tä­ter gezüch­tigt wer­den. Die Züch­ti­gung muß sich nur nach Maß und Ver­nunft rich­ten, sie muß nach Recht und Gerech­tig­keit vor sich gehen. Man spricht in die­sem Zusam­men­hang von einem gerech­ten Zorn, und ein sol­cher gerech­ter Zorn ist in der Hei­li­gen Schrift mehr­fach bezeugt. Moses war auf dem Berge Sinai, um das Gesetz Got­tes zu emp­fan­gen. Als er hin­ab­stieg, sah er, wie sich sein Volk ein Göt­zen­bild gemacht hatte, ein gol­de­nes Kalb, und darum tanzte und sagte: „Das sind deine Göt­ter, Israel, die dich aus Ägyp­ten geführt haben.“ Da ent­brannte er im Zorn und warf die Tafeln, auf die das Gesetz Got­tes geschrie­ben war, zu Boden. Und von unse­rem Herrn und Hei­land wis­sen wir, daß er ergrimmte, als er sah, wie man sich im Tem­pel zu Jeru­sa­lem, im Hei­lig­tum Got­tes, benahm, daß er sich eine Gei­ßel machte aus Stri­cken und die Ver­käu­fer und Käu­fer aus dem Tem­pel trieb, die Tische der Tau­ben­händ­ler und der Geld­wechs­ler umstieß und daß die Jün­ger sich bei die­sem Vor­ge­hen an das Wort der Hei­li­gen Schrift erin­ner­ten: „Der Eifer für dein Haus ver­zehrt mich.“ Der gerechte Zorn ist also Eifer für Got­tes Sache. Wenn eine Erre­gung über das Böse nach Motiv und Maß gerecht­fer­tigt ist, dann spricht man vom gerech­ten Zorn.

Aber lei­der ist der Zorn, mit dem wir es zu tun haben, mit dem wir zu kämp­fen haben, in der Regel weder nach Motiv noch nach Maß gerecht­fer­tigt. Der Zorn birgt eine Menge gro­ßer Gefah­ren in sich. Der zor­nige Mensch scha­det sei­ner Gesund­heit. Wir wis­sen, daß im Zorn die Kör­per­kräfte erschüt­tert wer­den, daß viele Men­schen im Zorn Schlag­an­fälle erlit­ten haben. Ein berühm­tes Bei­spiel ist der deut­sche Feld­herr Frunds­berg. Als seine Lands­knechte meu­ter­ten, geriet er so in Zorn, daß er durch einen Schlag­an­fall dahin­ge­rafft wurde. Der Zorn scha­det der Gesund­heit, treibt den Blut­druck in die Höhe, läßt die Galle über­lau­fen. Der Zorn beraubt aber auch des Gebrau­ches der Ver­nunft. Im Zorne tut der Mensch Dinge, die er in einem ruhi­gen Zustande nie­mals tun würde. Der Zorn schränkt seine Ver­nunft­tä­tig­keit ein, im Zorne geht er über das ver­nünf­tige Maß des Stra­fens hin­aus. Von dem gro­ßen Phi­lo­so­phen Pla­ton wird berich­tet, daß er bei einem Gast­mahl von einem Skla­ven bedient wurde, der sich unge­bühr­lich benahm. Er und die Gäste waren erregt. Einer der Gäste fragte ihn: „Warum strafst du, warum züch­tigst du den Skla­ven nicht?“ Pla­ton gab zur Ant­wort: „Ich würde ihn stra­fen, wenn ich nicht zor­nig wäre.“ Pla­ton wußte, daß der Zorn über das gebüh­rende Maß des Stra­fens hin­aus­zu­füh­ren pflegt. Im Zorn kommt der Mensch zu aller­lei üblen Taten. Wir haben eben gehört, wie Alex­an­der sei­nen Freund und Lebens­ret­ter Klei­tos im Zorn getö­tet hat. Und wir sel­ber wis­sen aus unse­rer arm­se­li­gen eige­nen Erfah­rung, wie oft wir im Zorn etwas gesagt oder getan haben, was bes­ser unter­blie­ben wäre und was wir nach­her bit­ter, bit­ter bereut haben.

Der Zorn macht und auch allen Men­schen zum Feind, macht uns bei den Men­schen ver­haßt, denn wer will schon mit einem Zorn­mü­ti­gen zu tun haben? Wer will mit einem Men­schen umge­hen, der beim gerings­ten Anlaß aus­fäl­lig wird, der wütend wird und bit­ter und Schmäh­worte häuft, zu toben anfängt? Der Zorn ist schließ­lich eine Gefahr, die ewige Selig­keit zu ver­lie­ren. Denn der Zorn kann zur schwe­ren Sünde wer­den, und die schwere Sünde trennt uns von Gott, beraubt uns der Gnade und bringt uns den Ver­lust der ewi­gen Selig­keit. Das alles sind Fol­gen des Zor­nes. Sie mah­nen uns, bedäch­tig zu sein, den Zorn zu bekämp­fen, zu über­win­den und in Ruhe und Gelas­sen­heit unser Leben zu füh­ren.

Wie kön­nen wir den Zorn bekämp­fen und über­win­den? Der erste Grund­satz muß hei­ßen: Im Zorn nicht reden. Im Zorn schwei­gen. Denn was im Zorn aus unse­rem Munde kommt, das sind keine guten, das sind keine über­leg­ten Worte. Reden, wenn wir die Ruhe wie­der­ge­won­nen haben, aber im Zorn soll man nicht reden.

Zwei­tens: Im Zorn soll man nicht han­deln. Denn was der Zorn­mü­tige tut, das ist vom Zorn ein­ge­ge­ben, und „der Zorn tut nicht, was recht ist vor Gott“, heißt es im Brief des Apos­tels Jako­bus. Der Zorn tut nicht, was recht ist vor Gott. Des­we­gen war­ten mit dem Tun, bis der Zorn ver­raucht ist.

Drit­tens: Die Zor­nes­an­lage bekämp­fen. Wir wis­sen, wie man sich in Zorn hin­ein­stei­gern kann, wie man Öl ins Feuer schüt­ten kann, wie man die Erre­gung in sich immer mehr stei­gern kann, bis sie aus­bricht. Man muß den Anfän­gen der Erre­gung begeg­nen, man muß dem Beginn des Zor­nes ent­ge­gen­tre­ten.

Vier­tens: Im Zorn beten, seine Zuflucht neh­men zu Gott. Wenn man auch nur ein Ave Maria spricht – diese Pause genügt, um uns inner­lich zu beru­hi­gen, ruft den Hei­li­gen Geist her­bei, hilft uns, den Zorn zu über­win­den und macht uns geneigt, der Ver­nunft zu gehor­chen. Wenn wir uns aber haben hin­rei­ßen las­sen zum Zorne, dann sol­len wir als­bald das, was wir damit ange­rich­tet haben, wie­der­gut­ma­chen, sol­len an die Brust klop­fen und uns vor Gott, aber auch vor den Men­schen des Ver­ge­hens ankla­gen, das wir mit unse­rem Zorne voll­bracht haben. „Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorne! Gebt dem Teu­fel nicht Raum!“ So mahnt der Apos­tel. Das heißt, es soll nicht Abend wer­den, ohne daß die Kon­flikt­si­tua­tion berei­nigt ist. Nicht war­ten bis mor­gen, son­dern heute den Kon­flikt aus der Welt schaf­fen, heute ver­ge­ben und ver­zei­hen, heute aber auch um Ver­ge­bung und um Ver­zei­hung bit­ten. Denn sonst kommt der Groll, sonst kommt die Bit­ter­keit, sonst kommt die Rach­sucht und der Haß ins Herz, und die letz­ten Dinge die­ses Men­schen sind schlim­mer als die ers­ten.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Der Zorn als Wurzelsünde www.Glaubenswahrheit.org"