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Diese Serie beinhaltet 7 Themen und steht unter dem Haupttitel "Die Sünde" .Sie können mit der Taste F5 die nächste Predigt aufrufen.


Die him­mel­schrei­en­den Sün­den

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Als Kain sei­nen Bru­der Abel erschla­gen hatte, stellte er sich unwis­send. Als Gott ihn fragte: „Wo ist dein Bru­der Abel?“, ent­geg­nete er: „Ich weiß es nicht. Ich bin nicht der Hüter mei­nes Bru­ders.“ Und Gott gab ihm zur Ant­wort: „Das Blut dei­nes Bru­ders Abel schreit zum Him­mel um Rache!“ Von die­ser Bege­ben­heit aus dem Ers­ten Buche der Hei­li­gen Schrift haben die soge­nann­ten him­mel­schrei­en­den Sün­den ihren Namen. Es sind Sün­den, wel­che die sitt­li­che Natur des Men­schen ändern. Es sind Sün­den, wel­che die gesell­schaft­li­chen Triebe des Men­schen ver­keh­ren. Es sind Sün­den von sol­cher Schreck­lich­keit, daß sie zum Him­mel, d.h. zu Gott, um Strafe rufen. Der him­mel­schrei­en­den Sün­den oder bes­ser der Grup­pen der him­mel­schrei­en­den Sün­den wer­den vier auf­ge­zählt. Die erste der him­mel­schrei­en­den Sün­den ist der Mord. Der Mord ist die vor­sätz­li­che, unmit­tel­bare, unge­rechte Tötung eines Men­schen. Mord ist selbst­ver­ständ­lich auch die Tötung eines noch nicht aus dem Mut­ter­leib her­vor­ge­kom­me­nen Men­schen. Und man fügt zu der him­mel­schrei­en­den Sünde des Mor­des auch alles das hinzu, was dem Mord an Grau­sam­keit gleich­zu­kom­men scheint, etwa Kin­des­aus­set­zung und die Ver­skla­vung. Es ist keine Frage, daß diese Sünde zu Gott um Rache ruft. Und es kann einen nur das Grauen über­kom­men, wenn Men­schen nicht spü­ren, daß es sich hier um ein Gesche­hen han­delt, das den Zorn Got­tes über die Erde her­ab­ruft. Es geht nicht nur darum, daß auf Erden Unrecht geschieht. Nein, diese Sünde ruft zum Him­mel um Rache.

Die zweite der him­mel­schrei­en­den Sün­den ist die sodo­mi­ti­sche Sünde. Sie hat ihren Namen von den Bewoh­nern Sodo­mas. Von ihnen wird berich­tet, daß sie wider­na­tür­li­che geschlecht­li­che Sün­den begin­gen, also den nor­ma­len Ver­kehr zwi­schen Mann und Frau ver­tausch­ten mit der Unrucht im sel­ben Geschlecht. Und zum Umkreis der sodo­mi­ti­schen Sünde wird alles gerech­net, was die­ser Sünde ähn­lich ist, wie Miß­brauch der Geschlechts­kraft in jeder Form, sei es allein oder zwi­schen zwei Per­so­nen. Von der sodo­mi­ti­schen Sünde ist in der Hei­li­gen Schrift oft die Rede. Zum Bei­spiel heißt es im Buche Levi­ti­cus: „Wenn sich ein Mann mit einem ande­ren Manne ver­geht wie mit einer Frau, so haben beide eine Schand­tat began­gen. Sie sol­len mit dem Tode bestraft wer­den.“ Das Alte Tes­ta­ment scheint noch nicht damit zu rech­nen, daß sol­che Sün­den auch zwi­schen Frauen gesche­hen kön­nen. Aber selbst­ver­ständ­lich ist die Schand­tat bei ihnen nicht gerin­ger als bei Män­nern.

Die dritte him­mel­schrei­ende Sünde ist die Bedrü­ckung von Armen, Wit­wen und Wai­sen. Die Hilf­lo­sig­keit die­ser Men­schen sollte die Mit­men­schen auf­ru­fen, sich ihrer anzu­neh­men und sie zu schüt­zen. Statt des­sen geschieht es oft und immer wie­der, daß ihre Not und Bedürf­tig­keit aus­ge­beu­tet und aus­ge­nützt wird. Zum Umkreis die­ser Sünde gehö­ren z. B. Amts­miß­brauch, Bestech­lich­keit von Ver­wal­tungs­be­am­ten und Rich­tern, Miß­brauch der Staats­macht. Das alles ist in die Sünde Bedrü­ckung der Armen, der Wit­wen und Wai­sen ein­zu­be­zie­hen. Die Hei­lige Schrift brand­markt diese Sünde an vie­len Stel­len, z.B. beim Pro­phe­ten Isaias: „Wehe denen, die Gesetze voll Unheil erlas­sen, und den Schrei­bern, die drü­ckende Wei­sun­gen schrei­ben, abzu­drän­gen vom Rechts­weg den Nie­de­ren, mei­nes Volkes Armen das Recht zu rau­ben, daß die Wit­wen ihnen zur Beute wer­den und sie aus­plün­dern kön­nen die Wai­sen.“

Die vierte him­mel­schrei­ende Sünde ist die Vor­ent­hal­tung des ver­dien­ten Loh­nes. Wer gear­bei­tet hat, hat Anspruch auf Ent­loh­nung. Und wenn jetzt dem, der gear­bei­tet hat, der ver­diente Lohn vor­ent­hal­ten wird, ent­we­der gar nicht gezahlt oder ver­kürzt wird, dann begeht der Mensch eine him­mel­schrei­ende Sünde. „Sehet“, heißt es im Jako­bus­brief, „der Lohn, den ihr den Arbei­tern, die eure Fel­der ein­ge­er­net haben, vor­ent­hal­ten habt, der schreit. Und der Schrei der Schnit­ter ist zu den Ohren des Herrn der Heer­scha­ren gedrun­gen.“ Zum Umkreis die­ser Sünde gehört auch alles, was als Ver­keh­rung der natür­li­chen Nut­zung zu ver­ste­hen ist, wie z.B. unbe­grün­dete Ver­teue­rung der Nah­rung, For­de­rung von Wucher­prei­sen, Ver­keh­rung der Lebens­mit­tel durch unzu­läs­sige Zusätze. Das alles, und das ist ja sehr modern, gehört zu dem wei­ten Feld der vier­ten him­mel­schrei­en­den Sünde. Und die Kir­che hat das Evan­ge­lium von der sozia­len Gerech­tig­keit immer ver­kün­det, und das ist nicht das Geringste an Dank­bar­keit, das wir ihr zol­len, daß sie die him­mel­schrei­en­den Sün­den immer beim Namen genannt hat, das soziale Evan­ge­lium unse­rer hei­li­gen Kir­che.

Den him­mel­schrei­en­den Sün­den rei­hen sich in bezug auf die Bos­heit an die Sün­den wider den Hei­li­gen Geist. Die Sün­den wider den Hei­li­gen Geist beste­hen darin, daß man den Hei­li­gen Geist und sein Wir­ken for­mal ver­ach­tet, daß man sich sei­nen Ein­spre­chun­gen und Ein­wir­kun­gen mit Absicht wider­setzt. Das sind die Sün­den gegen den Hei­li­gen Geist.

Die erste Sünde gegen den Hei­li­gen Geist ist die Ver­zweif­lung. Sie ist der Hoff­nung ent­ge­gen­ge­setzt. Wir sind ja gehei­ßen, zu hof­fen. Gott hat uns befoh­len, auf ihn zu hof­fen. Und wer sich der Hoff­nung durch Ver­zweif­lung ent­zieht, der sün­digt wider den Hei­li­gen Geist.

Die zweite Sünde ist die Ver­mes­sen­heit. Gott hat uns befoh­len, ihn zu fürch­ten, sein Gesetz zu ach­ten und uns zu scheuen, daß wir den Vater im Him­mel krän­ken, betrü­ben, belei­di­gen. Der Ver­mes­sene ist davon über­zeugt, daß er mit sei­ner Sünde von Got­tes Gerech­tig­keit nicht getrof­fen wird. Er sün­digt drauf­los. „Das habe ich getan, und was ist mir gesche­hen?“, so sagt er. Das ist die zweite Sünde wider den Hei­li­gen Geist.

Die dritte Sünde besteht darin, daß man der Erkennt­nis der Wahr­heit wider­strebt. Die Wahr­heit ist bekannt, sie ist ver­kün­digt wor­den, sie ist gepre­digt wor­den. Aber man wider­setzt sich der Wahr­heit, um nicht von ihr in Beschlag gelegt zu wer­den. Ein japa­ni­scher Mis­sio­nar hat ein­mal geschrie­ben: „Die Japa­ner wis­sen sehr genau, daß das Chris­ten­tum ihrer Reli­gion weit über­le­gen ist. Aber sie neh­men das Chris­ten­tum nicht an, weil sie sich nicht stö­ren las­sen wol­len in ihrem Lot­ter­le­ben.“ Das Wider­stre­ben gegen die erkannte Wahr­heit ist eine Sünde wider den Hei­li­gen Geist.

Die vierte Sünde wider den Hei­li­gen Geist ist die Unbuß­fer­tig­keit. Statt daß man sich bekehrt, hat man den Vor­satz, sich nicht zu bekeh­ren. Man bleibt in der Sünde, man ver­harrt in der Sünde und weist das leise Wehen und Wer­ben des Hei­li­gen Geis­tes ab, der einen ruft, von der Sünde zu las­sen.

Die Sün­den wider den Hei­li­gen Geist wer­den in der Hei­li­gen Schrift als unver­geb­bar bezeich­net. Gibt es eine Grenze für Got­tes Ver­ge­bungs­be­reit­schaft? Ja, es gibt eine sol­che Grenze, näm­lich immer dann, wenn der Mensch sich gegen die Ver­ge­bung wehrt, wenn Gott sich zum Men­schen neigt und der Mensch sich abwen­det. Dann ist die Sünde unver­geb­bar, weil Gott nur mit dem Wil­len und nicht gegen den Wil­len, aber auch nicht ohne den Wil­len des Men­schen Schuld ver­ge­ben will. Also die Unver­geb­bar­keit ist zu ver­glei­chen mit einem Men­schen, der die Arz­nei abweist, die der Arzt ihm ver­schreibt.

Die Sünde wider den Hei­li­gen Geist hat oft ihre Wur­zel in ande­ren Las­tern. Die Las­ter des Men­schen, also die Gewöh­nung an die Sünde haben die Eigen­art, daß sie seine Ver­nunft ver­fins­tern und sei­nen Wil­len läh­men. Und diese Ver­fins­te­rung der Ver­nunft und diese Läh­mung des Wil­lens kann sich aus­wach­sen zur Sünde wider den Hei­li­gen Geist. Dann ist jede Hoff­nung ver­lo­ren, wenn der Mensch von Gott nichts wis­sen will, wenn er sich bewußt gegen ihn auf­lehnt.

Diese Sünde kann zu einer letz­ten Auf­gip­fe­lung füh­ren; das ist die dämo­ni­sche Sünde. Sie besteht darin, daß man einen Ver­trag mit einem Dämon schließt, daß man dem Dämon sei­nen Wil­len über­gibt und sich auf diese Weise dem Dämon aus­lie­fert. Die dämo­ni­sche Sünde ist äußer­lich erkenn­bar an der bewuß­ten Freude am Bösen und an der Lust, andere zu ver­füh­ren. Wenn wir auf Men­schen sto­ßen, die bewußte Freude am Bösen haben und die eine Nei­gung haben, andere zu ver­füh­ren, dann müs­sen wir die Frage stel­len, ob es nicht Men­schen sind, die der dämo­ni­schen Sünde ver­fal­len sind.

Meine lie­ben Freunde, in die­sen Tagen hat ein viel­ge­nann­ter Mann der Kir­che vor­ge­wor­fen, an ihren Hän­den klebe Blut und Gold. Es ist keine Frage, daß es in der Kir­che immer Men­schen gege­ben hat, die vor dem Auf­trag Got­tes ver­sagt haben. In einem gewis­sen Sinne müs­sen wir ja alle an die Brust klop­fen und sagen: Wir sind nicht die, die Gott in uns sehen will. Wir haben nicht getan, was Gott von uns gewollt hat. Wir haben nicht voll­bracht, was er uns auf­ge­tra­gen hat. Wir beken­nen jeden Tag unsere Schuld. Und es ist pha­ri­sä­isch und unge­recht, die Men­schen die­s­er­halb anzu­kla­gen, weil man ja selbst sich schul­dig gemacht hat. Aber eines ist auch zu beden­ken: Es ist heute zur Übung gewor­den, die Kir­che schlecht­zu­ma­chen, ihre Geschichte schlecht­zu­ma­chen, die Kir­chen­ge­schichte von zwei­tau­send Jah­ren als eine Ansamm­lung von Unrecht und Blut­schuld und Gold­durst zu bezeich­nen. Diese Dar­stel­lung geht völ­lig an der Wirk­lich­keit vor­bei. Die Kir­che hat in zwei­tau­send Jah­ren unge­heu­ren Segen über diese Erde gebracht. Von ihr ist das Wort der Wahr­heit aus­ge­gan­gen, von ihr sind Ströme der Gnade geflos­sen. Es wird nie­mand unter uns sein, der nicht sagen kann: Ich habe von der Kir­che Segen emp­fan­gen, ich habe von Laien und Pries­tern Segen emp­fan­gen. Wie viele von uns sind doch durch die Ver­kün­di­gung der Kir­che, durch die Sakra­mente der Kir­che auf eine höhere Stufe geho­ben wor­den, haben der Sünde ent­sagt, haben sich um Bes­se­rung bemüht, haben eine Bekeh­rung voll­zo­gen. Das sind doch alles Wir­kun­gen der Kir­che und ihrer Tätig­keit. Es ist also ganz unge­recht, der Kir­che Vor­würfe über Vor­würfe zu machen. Daß Men­schen Men­schen sind, das ist ganz nor­mal. Und daß Men­schen vor dem Anspruch Got­tes ver­sa­gen, das ist nicht außer­ge­wöhn­lich.

Der Herr selbst hat ja erlebt, wie einer sei­ner Aus­er­wähl­ten Blut­schuld über sich gebracht hat und ihn um Sil­ber­linge ver­ra­ten hat. Der­je­nige, der diese Vor­würfe erhebt, der soll sich sel­ber ein­mal fra­gen, wie­viel Schuld er auf sich gela­den hat, wie viele Tau­sende und Hun­dert­tau­sende er mit sei­ner Hetze von der Kir­che getrennt, mit einem fal­schen Glau­ben erfüllt hat und was er mit den Hun­dert­tau­sen­den oder Mil­lio­nen, die er von sei­nen Büchern ein­ge­nom­men hat, gemacht hat. Die­ser Ver­rä­ter und Apos­tat soll sich ein­mal fra­gen, was er für Unheil nicht nur über die Kir­che, son­dern über die Mensch­heit bringt mit sei­nen Tira­den und sei­nen unzu­läs­si­gen Vor­wür­fen.

Meine lie­ben Freunde, die Kir­che hat in ihrer zwei­tau­send­jäh­ri­gen Geschichte durch die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums und durch die Spen­dung der Gnade eine gewal­tige Leis­tung für Gott und sein Reich voll­bracht. Diese Kir­che bleibt hei­lig, auch wenn sie aus Sün­dern, aus Men­schen besteht, die immer wie­der in Schuld fal­len. Diese Kir­che ist und bleibt hei­lig, weil sie die Gnade und die Wahr­heit Got­tes ent­hält. Und wir dür­fen die­ser Kir­che ver­trauen. Wir wol­len bei ihr aus­hal­ten, wir wol­len ihr die­nen, wir wol­len unser Leben für sie ver­wen­den. Es lohnt sich, denn es gibt kei­nen Ersatz für die eine und ein­zige Arche unse­res Hei­les, die uns zum Him­mel führt.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die himmelschreienden Sünden www.Glaubenswahrheit.org"

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