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3. Predigtreihe Sünde

Diese Serie beinhaltet 7 Themen und steht unter dem Haupttitel "Die Sünde" .Sie können mit der Taste F5 die nächste Predigt aufrufen.
Die Unmä­ßig­keit als Wur­zel­sünde

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Am 19. Novem­ber 1942 brach die rus­si­sche Offen­sive gegen die 6. deut­sche Armee los. Am 21. Novem­ber traf sich der süd­li­che Stoß­keil mit dem nörd­li­chen, die 6. Armee war ein­ge­schlos­sen. Der Ober­be­fehls­ha­ber der Luft­waffe, Her­mann Göring, ver­si­cherte dem Staats­chef, die Luft­waffe werde die 6. Armee ver­sor­gen. Jeder­mann in sei­ner Umge­bung wußte, daß das ein unhalt­ba­res Ver­spre­chen war. Jeder­mann war ent­setzt über die­ses unhalt­bare Ver­spre­chen. Aber wie kam der Ober­be­fehls­ha­ber der Luft­waffe dazu, ein sol­ches unhalt­ba­res Ver­spre­chen zu geben? Er war ein Mor­phi­nist, er nahm also regel­mä­ßig Mor­phium, und das ver­setzt den Men­schen in eine gestei­gerte Stim­mung, in der er die Rea­li­tä­ten, die Wirk­lich­keit, nicht mehr voll in den Blick nimmt. In die­ser Eupho­rie gab er das unhalt­bare Ver­spre­chen, ein Ver­spre­chen, das uner­meß­li­che Aus­wir­kun­gen hatte, denn die 6. Armee wurde, wie wir wis­sen, völ­lig ver­nich­tet. Von den etwa 280.000 Mann kamen noch 90.000 in Gefan­gen­schaft, und derer, die aus der Gefan­gen­schaft zurück­kehr­ten, waren nur 6.000 Mann.

Die­ses Bei­spiel, meine lie­ben Freunde, zeigt, eine wie gefähr­li­che Sünde, eine wie gefähr­li­che Wur­zel­sünde die Unmä­ßig­keit ist, die Unmä­ßig­keit, die das Mit­tel zum Zweck macht, die den Men­schen sei­ner Ver­stan­des­kraft beraubt, die seine Gesund­heit schä­digt, die sein kör­per­li­ches und see­li­sches Leben zer­rüt­tet und furcht­bare Aus­wir­kun­gen für die Gesell­schaft, ja, wie das Bei­spiel zeigt, für eine ganze Armee und ein gan­zes Volk hat.

Die Unmä­ßig­keit tritt in viel­fa­cher Gestalt auf. Es gibt die Unmä­ßig­keit im Essen. Wir wis­sen, daß über­mä­ßi­ges Essen Schä­den geis­ti­ger und kör­per­li­cher Art nach sich zieht. Denn ein Mensch, der sei­nen Genuß ins Essen ver­legt, wird leicht für jedes höhere geis­tige Leben blind. Er ver­sinkt im Mate­ri­el­len. Die kör­per­li­chen Schä­den des über­mä­ßi­gen Essens sind offen­sicht­lich. Viele unse­rer Zivi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten wie Rheuma, Gicht und Krebs sind auf fal­sche Eßge­wohn­hei­ten zurück­zu­füh­ren.

Noch schlim­mer ist das über­mä­ßige Trin­ken. Alko­ho­li­sche Getränke sind eine große Gefahr. Man hat vor eini­ger Zeit an 32.837 Gefan­ge­nen in 120 deut­schen Gefäng­nis­sen eine Unter­su­chung ange­stellt. Dabei ergab es sich, daß bei Mord 46%, bei Tot­schlag 63%, bei schwe­rer Kör­per­ver­let­zung 74%, bei leich­ter Kör­per­ver­let­zung 63%, bei Wider­stand gegen die Staats­ge­walt 76%, bei Haus­frie­dens­bruch 54%, bei Ver­bre­chen gegen die Sitt­lich­keit 77% der Straf­ta­ten dem Alko­hol zur Last zu legen waren. Es gibt die Voll­trun­ken­heit, es gibt aber auch die unvoll­stän­dige Trun­ken­heit. Die Voll­trun­ken­heit beraubt den Men­schen der Unter­schei­dung zwi­schen Gut und Böse. Die Voll­trun­ken­heit ist immer schwere Sünde. Die unvoll­stän­dige Trun­ken­heit birgt auch ihre Gefah­ren in sich. Wir wis­sen, wie der Alko­hol die Zunge löst, wie der Mensch geschwät­zig wird, ver­werf­li­che Unter­hal­tun­gen führt, unge­hö­ri­ges Betra­gen an den Tag legt. Die Fol­gen der Trunk­sucht sind sowohl für das Indi­vi­duum wie für die Gesell­schaft ver­hee­rend. Der ein­zelne ver­liert all­mäh­lich seine Kon­trolle, zer­rüt­tet sein see­li­sches und kör­per­li­ches Leben. Ich besuchte ein­mal vor eini­ger Zeit in Buden­heim eine alte Mut­ter, die mit ihrem Sohn zusam­men­lebte. Der Sohn war mit 46 Jah­ren in Rente geschickt wor­den wegen unheil­ba­rer Trunk­sucht. Er saß am Tisch, hatte ein Schnaps­fla­sche vor sich und sagte zu mir: „Ich brau­che nur einen Bestat­ter.“ Auch die sozia­len Fol­gen sind ver­hee­rend. Das Fami­li­en­le­ben wird zer­rüt­tet, der Friede der Fami­lie gestört, die Kin­der­er­zie­hung lei­det, die mate­ri­elle Grund­lage des Fami­li­en­le­bens wird ver­geu­det, die Grund­lage für die Armut gelegt. In die Trunk­sucht, meine lie­ben Freunde, kann man ver­hält­nis­mä­ßig leicht hin­ein­kom­men. Es beginnt mit ganz harm­lo­sen Din­gen, und die Dosen stei­gern sich, bis man ein Alko­hol­kran­ker gewor­den ist. Im vori­gen Jahre traf ich einen Pries­ter, der ein hal­bes Jahr in einer Heil­an­stalt gewe­sen war. Er hatte, wie er sagte, täg­lich, um 17 Uhr begin­nend, eine ganze Fla­sche hoch­pro­zen­ti­gen Alko­hols aus­ge­trun­ken. Er mußte in einem müh­sa­men Ver­fah­ren in der Heil­an­stalt von die­sem Las­ter befreit wer­den.

Leicht­be­trun­ken­heit bringt auch große Schä­den für die Gemein­schaft mit sich. Wir wis­sen, wie viele Ver­kehrs­un­fälle dadurch ver­schul­det wer­den. Des­we­gen, meine lie­ben Freunde, kann auch die unvoll­stän­dige Trun­ken­heit schwere Sünde sein, weil sie eben die Fes­seln löst, die heil­sa­men Fes­seln, weil sie den Men­schen ent­fes­selt und weil sie Gefah­ren beson­de­rer Art her­bei­führt. Im Alten Tes­ta­ment ist die War­nung vor Eßlust und Trin­klust deut­lich aus­ge­spro­chen. „Mein Sohn, prüfe dich hin­sicht­lich dei­ner Lebens­weise und sieh zu, was dir schäd­lich ist, und gestatte es dir nicht! Denn nicht alles ist allen zuträg­lich, nicht jeder Natur sagt alles zu. Sei bei kei­nem Genuß unmä­ßig und stürze dich nicht gie­rig auf leckere Spei­sen, denn im vie­len Essen nis­tet Krank­heit, und die Unmä­ßig­keit führt zum Erbre­chen. Durch Unmä­ßig­keit sind schon viele zugrunde gegan­gen.“ Von der berau­schen­den Wir­kung des Wei­nes hat die Hei­lige Schrift erschüt­ternde Bei­spiele auf­be­wahrt. Lot war ein recht­schaf­fe­ner Mann. Er ver­ließ das sünd­hafte Sodom, um nicht in die Las­ter die­ser Bewoh­ner hin­ein­ge­zo­gen zu wer­den. Lot zog von Segor hin­auf und ließ sich mit sei­nen Töch­tern im Gebirge nie­der. Er wohnte mit sei­nen bei­den Töch­tern in einer Höhle. Da sagte die ältere zu der jün­ge­ren: „Unser Vater ist alt, und es gibt kei­nen Mann mehr im Lande, der Umgang mit uns haben möchte, wie es in aller Welt Brauch ist. Komm, wir wol­len unse­rem Vater Wein zu trin­ken geben und uns zu ihm legen, damit wir durch unse­ren Vater Kin­der bekom­men.“ Sie gaben ihrem Vater in jener Nacht Wein zu trin­ken. Dann ging die Ältere hin und legte sich zu ihrem Vater. Er aber merkte nicht, wie sie sich hin­legte, noch wie sie auf­stand. Am ande­ren Mor­gen sagte die Ältere zu der Jün­ge­ren: „Sieh, ich lag heute nacht bei mei­nem Vater. Wir wol­len ihm auch diese Nacht Wein zu trin­ken geben, dann geh hin­ein und lege du dich zu ihm, damit wir durch unse­ren Vater Kin­der bekom­men.“ Die zweite Toch­ter ver­fuhr wie die erste. Auch hier also Inzest, Blut­schande, unter dem Ein­fluß des Alko­hols.

Ver­hee­rend kön­nen auch die Fol­gen von Niko­tin sein. Man kann zum Skla­ven der Ziga­rette wer­den, und der Niko­tin­miß­brauch ist auch für die kör­per­li­che Gesund­heit von gro­ßer Gefahr. Es kam ein­mal vor eini­ger Zeit ein Ket­ten­rau­cher zu einem Arzt, zu einem Arzt, der auch mit Natur­heil­me­tho­den behan­delte. Der Arzt legte die­sem Ket­ten­rau­cher Blut­egel an, drei­mal einen Blut­egel. Drei­mal fiel der Blut­egel ab und starb. Er hatte sich ver­gif­tet am Niko­tin im Blute die­ses Man­nes. Das zeigt, wie die Lei­den­schaft zur Abhän­gig­keit führt und die Abhän­gig­keit zum Scha­den. Wir Nicht­rau­cher, sagt man, haben leicht reden. Gewiß, meine lie­ben Freunde, aber es ist mög­lich, die Nei­gung zu über­win­den; ich habe es erlebt, wie einer mei­ner Kol­le­gen, der einen Herz­in­farkt erlitt und der vor­her ein star­ker Rau­cher war, nach die­sem Herz­in­farkt nicht mehr eine ein­zige Ziga­rette ange­rührt hat. Über Nacht hatte er die Kraft auf­ge­bracht, die­ser Lei­den­schaft zu ent­sa­gen.

Eine furcht­bare Gefahr hat sich erst seit unge­fähr 30 Jah­ren erho­ben, das sind die Rausch­gifte. Man wußte auch frü­her um die Wir­kung der Dro­gen, und man hat sie auch frü­her ange­wen­det, etwa bei Nar­ko­sen zur Lin­de­rung von gro­ßen Schmer­zen. Die­ser Gebrauch ist erlaubt. Aber seit den 60er Jah­ren hat sich der Dro­gen­miß­brauch aus­ge­brei­tet. Vor allem Jugend­li­che, die kei­nen inne­ren Halt mehr haben, die inner­lich leer und unaus­ge­füllt sind, die nach schö­nen Stim­mun­gen und erhöh­ter Lebens­qua­li­tät stre­ben, grei­fen zu Dro­gen wie Haschisch und Heroin; die Dosen wer­den immer stär­ker. Sie ver­lie­ren immer mehr die Kon­trolle über sich selbst und schließ­lich sind sie in einer Weise abhän­gig, daß sie als unheil­bar Kranke ange­se­hen wer­den. Der Weg zurück ist von ver­zwei­fel­ter Schwie­rig­keit. Es ist ganz sel­ten ein­mal gelun­gen, einen, der auf diese abschüs­sige Straße sich bege­ben hat, zurück­zu­ho­len. Es sind ver­schie­dene Gründe, die zu die­sem Las­ter füh­ren, Ver­lust der Reli­gion, die per­mis­sive Gesell­schaft, in der alles erlaubt ist, Ver­harm­lo­sung der Dro­gen, aber auch Kon­for­mi­täts­druck. Die ande­ren machen es, dann will ich es auch machen, ich will es pro­bie­ren, Neu­gier, die dabei mit­spielt. Unser Volk, meine lie­ben Freunde, ver­liert jedes Jahr Mil­li­ar­den über Mil­li­ar­den durch Miß­brauch von Geträn­ken, von Niko­tin, von Dro­gen.

Viel schlim­mer als der mate­ri­elle Scha­den ist der ide­elle Scha­den, daß Men­schen, wert­volle Men­schen, sich dadurch zugrunde rich­ten, der Gesell­schaft ver­lo­ren gehen und in ihrer Fami­lie Trost­lo­sig­keit und Jam­mer berei­ten.

Wir wol­len uns zusam­men­fin­den, um gegen den Dro­gen­miß­brauch, gegen Unmä­ßig­keit im Essen und Trin­ken, gegen Niko­tin­miß­brauch auf­zu­ste­hen. Es gibt viele Gründe, die uns in die­sem Kampfe zur Seite ste­hen. Der berühmte Erfin­der Edi­son sagte ein­mal: „Ich trinke kei­nen Alko­hol. Alko­hol trin­ken bedeu­tet soviel wie Sand ins Getriebe einer Maschine wer­fen. Das zer­stört die Maschine.“ Wir kön­nen dar­auf hin­wei­sen, daß die Beherr­schung mög­lich ist. Es ist für man­chen leich­ter, total absti­nent zu sein, als nur mäßig mit alko­ho­li­schen Geträn­ken umzu­ge­hen. Vor allem der Alko­hol­kranke darf über­haupt kei­nen Trop­fen Alko­hol mehr trin­ken. Wir kön­nen hin­wei­sen auf die Fes­ti­gung des Wil­lens, die not­wen­dig ist. Denn der Wille ist eben aus­schlag­ge­bend, ob ich mich den miß­bräuch­li­chen Prak­ti­ken aus­lie­fere oder nicht. Wir müs­sen gegen die Trink­sit­ten ange­hen, die andere ver­füh­ren. Wein, Weib, Gesang wird ja ange­prie­sen, wurde sogar von Luther emp­foh­len. Wir müs­sen uns gegen diese ver­füh­re­ri­schen Paro­len weh­ren, in unse­rem Leben ein Bei­spiel der Ein­fach­heit, der Bedürf­nis­lo­sig­keit, der Anspruchs­lo­sig­keit geben, den Men­schen die Fol­gen klar­ma­chen, die schlechte Ange­wohn­hei­ten haben und selbst­ver­ständ­lich durch eif­ri­ges Gebet für die mit die­sen Las­tern behaf­te­ten Men­schen ihnen die gött­li­che Gnade erbit­ten, daß sie Herr wer­den über diese Lei­den­schaf­ten. Denn die Unmä­ßig­keit ist eine Wur­zel­sünde. Aus ihrer ver­gif­te­ten Wur­zel stei­gen viele andere Ver­feh­lun­gen auf. Wir wol­len uns bemü­hen, sie bei uns und bei ande­ren zu bekämp­fen, ja aus­zu­rot­ten.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die Unmäßigkeit als Wurzelsünde www.Glaubenswahrheit.org"