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Diese Serie beinhaltet 7 Themen und steht unter dem Haupttitel "Die Sünde" .Sie können mit der Taste F5 die nächste Predigt aufrufen.


Die Ver­su­chung

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Täg­lich beten wir zu Gott: „Und führe uns nicht in Ver­su­chung!“ Diese Wen­dung kann miß­ver­stan­den wer­den, näm­lich als ob Gott es wäre, der uns in die Ver­su­chung, d.h. in den Anreiz zur Sünde führt. Das ist mit die­ser Aus­sage natür­lich nicht gemeint, denn Gott ver­sucht nie­man­den zum Bösen. Der Apos­tel Jako­bus schreibt: „Kei­ner sage, wenn er ver­sucht wird: Von Gott werde ich ver­sucht. Gott kann nicht zum Bösen ver­sucht wer­den, er ver­sucht auch selbst nie­mand.“ Also wenn wir beten: „Und führe uns nicht in Ver­su­chung!“, dann ist damit etwas ande­res gemeint als der von Gott aus­ge­hende Anreiz zur Sünde. Es ist damit die Erpro­bung aus­ge­sagt, die Erpro­bung, die unter Umstän­den frei­lich auch zur Sünde füh­ren kann, wenn wir sie nicht beste­hen. Aber daß Gott erprobt, daran ist kein Zwei­fel. Daß er Schwe­res über die Men­schen kom­men läßt, das ist durch hun­dert­fa­che Zeug­nisse über­lie­fert. Die eigent­li­che Ver­su­chung, die mit der Erpro­bung nur ent­fernt etwas zu tun hat, ist ein Anreiz zur Sünde. Und mit ihr ver­schwis­tert ist die Gele­gen­heit zur Sünde, d.h. eine Kon­stel­la­tion, bei der die Mög­lich­keit besteht, daß man in die Sünde fällt. Die Ver­su­chung kann auf drei Ursa­chen zurück­ge­führt wer­den,

1. auf die böse Begier­lich­keit,

2. auf den Satan,

3. auf die Welt.

Die erste und nächste Quelle der Ver­su­chung ist die böse Begier­lich­keit. Was ist dar­un­ter zu ver­ste­hen? Die böse Begier­lich­keit ist die sinn­li­che Nei­gung im Men­schen, der Drang der Sinn­lich­keit nach den ver­gäng­li­chen Gütern, inso­fern sie sich der Herr­schaft der Ver­nunft ent­zieht. Die böse Begier­lich­keit ist ein Erbe Adams. Sie stammt aus der Sünde, und sie führt zur Sünde. Sie ist das Mate­riale der Erb­sünde. Das For­male der Erb­sünde ist die Abwen­dung von Gott. Das Mate­riale der Erb­sünde ist die böse Begier­lich­keit. Sie ist in jedem Men­schen, und sie bleibt auch nach der Taufe. Die böse Begier­lich­keit wirkt in drei Haupt­rich­tun­gen, näm­lich als Augen­lust, Flei­sches­lust, Hof­fart des Lebens. Mit der Augen­lust ist gemeint das Begeh­ren nach Macht und Besitz, Flei­sches­lust ist das Ver­lan­gen nach allem, was der Mäßi­gung ent­ge­gen­ge­setzt ist, Hof­fart des Lebens ist der Stolz, die Ange­be­rei, die Prah­le­rei. Psy­cho­lo­gisch wirkt die böse Begier­lich­keit, indem sie die Ver­nunft trübt und den Wil­len in die Trü­bung hin­ein­zieht. Die böse Begier­lich­keit hat ihren Ansatz­punkt in den Vor­stel­lun­gen, indem sie dem Men­schen etwas vor­gau­kelt, was ihm anzie­hend zu sein scheint. Und diese Vor­stel­lun­gen kön­nen sich wie­derum her­lei­ten aus der Wahr­neh­mung des­sen, was man sieht – Zei­tun­gen, Bil­der – oder dem Sichüber­las­sen an das, woran man sich erin­nert, was man also frü­her erlebt oder gele­sen oder gese­hen hat, oder der Phan­ta­sie, was man sich von sich aus vor die Seele stellt. Die böse Begier­lich­keit ist tat­säch­lich der fomes pec­cati, wie das Kon­zil von Tri­ent sagt, der Zünd­stoff der Sünde. Ein Zünd­stoff ist ein Mate­rial, das geeig­net ist, einen Brand her­vor­zu­ru­fen. Und die böse Begier­lich­keit ist ein sol­cher Zünd­stoff. Wer mit dem Feuer spielt, der ver­brennt leicht.

Die zweite Wur­zel der Sünde kann der Satan sein; nicht in dem Sinne, daß bei jeder Sünde der Satan unmit­tel­bar betei­ligt wäre. Er ist der Vater der Sünde, weil er die Ursünde her­vor­ge­ru­fen hat und weil ihm an dem Sün­di­gen der Men­schen liegt, keine Frage. Aber er muß nicht bei jeder aktu­el­len Sünde betei­ligt sein. Er macht sich vor allen Din­gen über Men­schen her, die für ihn eine Gefahr bedeu­ten, Men­schen, an deren Fall ihm viel liegt. Der Teu­fel hat Sinn für Qua­li­tät. Und des­we­gen wird zwar ein jeder Mensch ver­sucht, aber nicht in glei­chem Umfang. Beson­ders schwere Ver­su­chun­gen kom­men über die­je­ni­gen, an deren Fall dem Teu­fel viel gele­gen ist. Wir erin­nern uns, daß er dem Herrn in der Wüste sich nahte und ihn ver­suchte. „Sage, daß diese Steine Brot wer­den!“ Er wollte ihn in sei­ner Mes­si­as­würde her­aus­for­dern. „Stürze dich von die­ser Zinne hinab!“ Damit wollte er den Herrn zu einem Schau­wun­der ver­lei­ten. „Diese ganze Welt will ich dir geben, wenn du nie­der­fällst und mich anbe­test.“ Hier wollte er die Sen­dung des Herrn in der Wur­zel zer­stö­ren. Es bleibt eine Tat­sa­che: Der Herr wurde vom Satan ver­sucht. Das ist eine War­nung für uns, daß wir uns nicht sei­nem Ein­fluß über­las­sen. Denn er nötigt uns nicht, er zwingt uns auch nicht. Es ist unser Wille, der sich ihm aus­lie­fert. Eine Pre­digt, die dem hei­li­gen Augus­ti­nus zuge­schrie­ben wird, ver­gleicht den Satan mit einem Ket­ten­hund. Zäh­ne­flet­schend haust er in sei­ner Hun­de­hütte, aber er ist ange­bun­den, und wenn man sich nicht in seine Nähe begibt, hat man nichts von ihm zu fürch­ten. Wehe dem aber, der sich ihm naht. Über den fällt er her, den beißt er und den reißt er.

Der Satan wirkt auf den Men­schen in dop­pel­ter Weise ein, näm­lich in der Weise des Vor­be­rei­tens und in der Weise des Über­re­dens. In der Weise des Vor­be­rei­tens, indem er Vor­stel­lun­gen erweckt, sinn­li­che Vor­stel­lun­gen, die den Men­schen anrei­zen sol­len, die seine Begierde erre­gen sol­len und die ihn zu dem vor­ge­stell­ten Objekt hin­len­ken sol­len. In der Weise des Über­re­dens, indem er sagt: Es ist doch etwas Schö­nes, etwas Wert­vol­les; davon hast du etwas. Das bringt dir neue Lebens­qua­li­tät. Das ist berau­schend schön. Auf diese Weise ver­sucht der Satan, den Men­schen zur Sünde zu ver­füh­ren.

Die dritte Quelle der Sünde ist die Welt. Damit ist nicht die Schöp­fung gemeint, wie sie aus der Hand Got­tes her­vor­ge­gan­gen ist. Welt in die­sem Sinne als Ver­füh­re­rin zur Sünde bedeu­tet zwei­er­lei, ein­mal die sinn­li­chen Dinge, inso­fern sie sich der Kon­trolle der Ver­nunft ent­zie­hen. Die Schätze die­ser Erde, Geld, Kar­riere, Macht, die Werte der Nah­rung, der Klei­dung, des Trin­kens, alle diese Schätze kön­nen, wenn sie sich der Ver­nunfts­kon­trolle ent­zie­hen, zu einer Gefahr wer­den und kön­nen den Men­schen, der seine Sinn­lich­keit schran­ken­los wal­ten läßt, ins Ver­der­ben zie­hen. Noch gefähr­li­cher aber ist die Welt, inso­fern damit die von Gott abge­kehrte Schöp­fung gemeint ist, die unmit­tel­bar oder mit­tel­bar den Men­schen zur Sünde ver­führt. Unmit­tel­bar, indem sie auf­rei­zend sagt: Ja, das ist gut, das mußt du haben, und mit­tel­bar, indem sie Ärger­nis gibt. Die von Gott abge­wandte Men­schen­welt kämpft gegen Gott, gegen Chris­tus und gegen die Kir­che. Sie dient dem Satan, sie schafft im Men­schen Nei­gun­gen, dem Bösen zu fol­gen durch eine Schein­kul­tur, durch eine ent­ar­tete Kunst, durch schlechte Filme, schlechte Bücher, schlechte Zei­tun­gen. Das ist die Welt, die den Men­schen von Gott abwen­det.

Der Ver­su­chung soll man wider­ste­hen. Es gibt kei­nen Men­schen, der nicht ver­sucht wird. Es gibt aber auch keine Ver­su­chung, die man nicht über­win­den kann! „Nie­mand wird ver­sucht über seine Kräfte.“ So schreibt der Apos­tel Pau­lus: „Es hat euch bis­her nur mensch­li­che Ver­su­chung betrof­fen. Gott ist treu. Er läßt euch nicht über eure Kräfte ver­sucht wer­den, son­dern wird mit der Ver­su­chung auch den Aus­weg schaf­fen, der euch das Aus­hal­ten ermög­licht.“

Wie über­win­den wir die Ver­su­chung? Wir über­win­den sie, indem wir wach­sam sind, also die Gefah­ren beob­ach­ten, die auf uns ein­stür­men, indem wir treu unsere Berufs­ar­beit erfül­len, indem wir beten, aus­rei­chend, anhal­tend und innig beten. Wir über­win­den die Ver­su­chung, indem wir die Ver­nunft­wid­rig­keit des­sen, was uns da vor­ge­stellt wird, beden­ken. Der Teu­fel ist zwar schlau, aber er ist nicht klug. Wenn wir, mit Got­tes Weis­heit aus­ge­rüs­tet, seine Schlin­gen betrach­ten, dann erken­nen wir, daß sie der von Chris­tus gelei­te­ten Ver­nunft zuwi­der sind. Wir über­win­den die Ver­su­chung auch, indem wir uns abwen­den. Die Beschäf­ti­gung mit Vor­stel­lun­gen, Gedan­ken, Pha­ta­sie­pro­duk­ten, die uns gefähr­lich wer­den kön­nen, kann man sehr rasch been­den, indem man sich bes­se­ren, heil­sa­me­ren Gegen­stän­den zuwen­det. Adolf Kol­ping, der jetzt selig­ge­spro­chen ist, hat ein­mal einen Vor­trag vor Müt­tern gehal­ten. Da erzählte er von sei­nem frü­he­ren Leben; er war ja zunächst Schuh­ma­cher. „Und was hat mich in aller Ver­derb­nis bewahrt?“ fragte er; „ich hatte eine arme Mut­ter, aber eine gute Mut­ter, von der ich nichts gehört habe, was ich nicht ehren konnte. Wenn ich also in Ver­su­chung war, dann habe ich an meine fromme Mut­ter gedacht, und die Ver­su­chung wich von mir.“

Der Ver­su­chung ver­schwis­tert ist die Gele­gen­heit. Die Gele­gen­hei­ten sind Umstände, die zur Sünde füh­ren kön­nen. Die Gele­gen­heit wird ein­ge­teilt in die nächste und in die ent­fernte Gele­gen­heit. Die nächste Gele­gen­heit ist jene, bei der die Wahr­schein­lich­keit groß ist, daß man in die Sünde fällt. Ent­fernte Gele­gen­heit ist jene, die eine gerin­gere Wahr­schein­lich­keit des geist­li­chen Ruins ent­hält. Ent­fernte Gele­gen­hei­ten sind außer­or­dent­lich häu­fig. Sie sind so zahl­reich, daß man sie gar nicht alle mei­den kann. Das wußte auch der Apos­tel Pau­lus. „Habt kei­nen Umgang mit Unzüch­ti­gen“, schreibt er im 1. Korin­ther­brief, „ich meine damit nicht all­ge­mein die Unzüch­ti­gen die­ser Welt oder die Hab­süch­ti­gen oder Räu­ber oder Göt­zen­die­ner, sonst müß­tet ihr ja aus der Welt hin­aus­ge­hen.“ Es sind ihrer näm­lich so viele, meint er. „Nun aber schreibe ich euch, ihr sollt kei­nen Umgang haben mit einem, der sich Bru­der nennt – also einem Chris­ten – und dabei ein Unzüch­ti­ger oder Hab­süch­ti­ger oder Göt­zen­die­ner oder Läs­te­rer oder Trun­ken­bold oder ein Räu­ber ist. Mit einem sol­chen sollt ihr nicht ein­mal zusam­men essen.“ Also die ent­fernte Gele­gen­heit kann man nicht rest­los mei­den, aber die nächste Gele­gen­heit muß man in jedem Falle mei­den. Die Gele­gen­heit kann wei­ter eine stets gegen­wär­tige sein oder eine, die man auf­sucht. Wer jeden Tag mit Geld zu tun hat, der ist natür­lich immer in der Gefahr, ein­mal zuzu­grei­fen. Das ist eine stets gegen­wär­tige Gele­gen­heit. Eine andere, die man auf­sucht, ist eine sol­che, die nicht schon ohne wei­te­res gege­ben ist. Und schließ­lich unter­schei­det man die frei­wil­lige und die not­wen­dige Gele­gen­heit. Frei­wil­lig ist eine Gele­gen­heit, die man selbst schafft. Not­wen­dig ist eine Gele­gen­heit, die man ent­we­der gar nicht oder nur mit gro­ßer Mühe aus­schal­ten kann.

Meide die Gele­gen­heit! So heißt eine ent­schei­dende Regel für den sitt­li­chen Fort­schritt. Meide die Gele­gen­heit! Denn wir sind alle schwach, und in der Gele­gen­heit gehen wir leicht unter. Wer die Gefahr liebt, der kommt in der Gefahr um.

Ich habe ein­mal, meine lie­ben Freunde, ein Bei­spiel für den Zusam­men­bruch eines Men­schen­kin­des in der nächs­ten Gele­gen­heit erlebt. Als Knabe unter­rich­tete ich zwei Kin­der, die Kin­der mei­nes Mathe­ma­tik­leh­rers. Ich gab ihnen Nach­hil­fe­un­ter­richt. Einen Kna­ben und ein Mäd­chen. Es waren liebe Kin­der, und es waren reli­giöse Kin­der, es waren fromme Kin­der. Nach der Ver­trei­bung kamen sie von Schle­sien nach Ham­burg. Die Kin­der wuch­sen auf; das Mäd­chen lernte einen pro­tes­tan­ti­schen Pas­tor ken­nen. Es war das eine große Gefahr, denn es war doch sicher, wenn sie die­sen Pas­tor hei­ra­tete, daß sie den katho­li­schen Glau­ben nicht würde leben kön­nen. Sie ließ sich nicht davon abhal­ten. Sie ging die­sen fal­schen Weg, sie hei­ra­tete ihn, sie trat aus der Kir­che aus und fiel vom Glau­ben ab. Das ist ein Bei­spiel dafür, wie die frei­wil­lige Gele­gen­heit einen Men­schen zu Fall bringt. Bei­spiele die­ser Art gibt es viele. Wer weiß, daß er sich im Trin­ken nicht beherr­schen kann, der muß eben das Gast­haus und das Trin­ken mei­den. Wer weiß, daß er von fleisch­li­chen Ver­su­chun­gen über­fal­len wird, der darf sich nicht an Orte bege­ben, wo er fal­len kann. Man soll als jun­ger Mensch nicht mit anders­ge­schlecht­li­chen Per­so­nen ver­rei­sen, zusam­men­zie­hen oder in Urlaub gehen. Das sind Gele­gen­hei­ten zur Sünde, und zwar frei­wil­lige Gele­gen­hei­ten, keine not­wen­di­gen Gele­gen­hei­ten. Und wir sind ver­pflich­tet, die Gele­gen­hei­ten zu mei­den. Wir sind ver­pflich­tet, sie genauso zu mei­den wie die Sünde. Es ist eine wich­tige Lehre, eine heute weit­hin ver­ges­sene Lehre, daß wir nicht nur die Sünde zu mei­den haben, son­dern auch die Gele­gen­heit zur Sünde.

Machen wir, meine lie­ben Freunde, den Vor­satz, daß wir, wenn wir beten: „Und führe uns nicht in Ver­su­chung!“, auch daran den­ken wol­len, daß Gott uns vor den Gele­gen­hei­ten zur Sünde bewahre, daß er unser Herz dahin lenke, die Gele­gen­hei­ten zu mei­den oder wenigs­tens zu ent­fern­ten Gele­gen­hei­ten zu machen, indem man die Mit­tel anwen­det, die nun ein­mal not­wen­dig sind, um sich in der Ver­su­chung zu behaup­ten.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die Versuchung www.Glaubenswahrheit.org"

2. Das Beichtsakrament
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