StartseiteDie Sakramente

Die Vorbereitung auf die Feier der Krankenkommunion

Wenn alte oder kranke Gläubige um die Krankenkommunion bitten, stellt sich da fast immer eine gewisse Unsicherheit ein, wie denn die Kommunionfeier zu Hause vorbereitet werden soll. Ich möchte Ihnen deshalb eine kurze Handreichungen über die Dinge geben, die wirklich wichtig sind.

Sinn und Zweck der Krankenkommunion ist es, kranke und alte Menschen, denen es nicht mehr oder noch nicht wieder möglich ist, die Gemeindemesse mitzufeiern, mit dem Allerheiligsten Sakrament gerade auch in ihrer Krankheit und Gebrechlichkeit zu stärken und sich in ihrem Leiden mit dem erlösenden Leiden Christi vereinen zu können.

„Er hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. ... durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jes 53,4f.). Der Herr sagt gleichsam: „Da Du nicht zu mir in mein Haus kommen kannst, komme ich zu Dir in Dein Haus, denn ich habe Sehnsucht nach Dir“.

Die Krankenkommunion darf also keinesfalls als ein bequemer „Ersatz“ für die Mitfeier der - wenigstens sonntäglichen – Gemeindemesse missverstanden und missbraucht werden.

Damit wird schon deutlich genug, was wirklich wichtig und unentbehrlich ist und worauf es wirklich ankommt, nämlich vor allen äußerlichen Dingen auf die rechte Bereitung des Herzens. Dazu möchte ich mit einer kurzen Betrachtung eines Ihnen allen bekannten Schrifttextes beginnen:

„Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen
Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

In dem Augenblick als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten“ (Lk 1,39-50).

Der vorstehende Text erzählt das Festgeheimnis von Mariä Heimsuchung, das die Kirche feiert. Die Jungfrau Maria hat mit ihrem Ja-Wort zu der Verkündigung des Engels Gabriel das ewige Wort Gottes unter ihrem Herzen empfangen, damit es in ihr und aus ihr Mensch wird. Dies erfüllte Maria mit einer solch überschwänglichen Freude, die sie über die Berge eilen lässt, um mit ihrem werdenden Kind Elisabet zu besuchen, die ebenfalls Mutter wird und
Johannes den Täufer in ihrem Schoß trägt. Und diese Freude Marias wird sogleich durch eine ebensolche Freude Elisabeths beantwortet. Sogar das Kind hüpft vor Freude in ihrem Leib. Elisabet preist Maria wegen ihres Glaubens
selig, und die Jungfrau von Nazaret bricht in den überschwänglichen Lobpreis Gottes im Magnifikat aus.

Wie die Jungfrau von Nazaret mit dem Jesuskind in ihrem Schoß Elisabet besucht hat, so besucht Sie der Priester mit demselben leibhaftigen Jesus im Allerheiligsten Sakrament bei der Krankenkommunion. Sie sollen den Herrn in
Ihrem Herzen empfangen, wie ihn seine Mutter unter ihrem Herzen empfangen hat, damit er auch im Schoß Ihres Herzens Gestalt annehmen kann, gerade auch als der, der unsere Krankheiten und Gebrechen auf sich genommen und getragen hat zu unserem Heil.

Mit dem Herrn im Allerheiligsten Sakrament kommt Ihr Bräutigam, der mit Ihnen als seiner Braut leibhaftige Hochzeit feiern möchte. Es ist deshalb so wichtig, dass Sie ganz in bräutlicher Erwartung für ihn sind und sich mit Ihrem Herzen innerlich ganz auf den Empfang des Herrn einstellen, dass Sie sich herzlich auf sein Kommen freuen und ganz auf ihn ausgerichtet sind, doch wenigstens so, wie Sie sich auf lieben Besuch freuen und dafür auch alles mögliche vorbereiten bzw. vorbereiten lassen, damit dem Besucher auch sofort ins Auge
fällt, dass er Ihnen sehr willkommen ist. Das muss überhaupt nicht mit großen äußeren Umständen verbunden sein.

Mit dieser Erwartungshaltung ist eigentlich nicht vereinbar, dass man schnell einmal für ein paar Minuten seine augenblickliche Beschäftigung unterbricht, die Hände an der Kittelschürze abputzt und vielleicht noch seiner Überraschung Ausdruck verleiht, dass der Pfarrer ja schon da ist. Die Krankenkommunion eignet sich überhaupt nicht als ein Geschäft unter vielen anderen Alltagsgeschäften, das mal zwischenhinein in 10 bis 15 Minuten abgewickelt wird.

Wenn nämlich der Pfarrer wieder geht, ist keineswegs wieder alles so wie vorher. Der lässt nämlich den Herrn in Ihrem Herzen zurück, Ihren Bräutigam, auf den Sie weiter konzentriert bleiben sollen. Der Pfarrer kommt ja nicht überraschend, und er ist auch nicht etwa der Briefträger, der mal schnell einen Brief oder ein Päckchen abgibt. Bei der Krankenkommunion kommt der Herr und nicht der Pfarrer. Der Priester leiht dem Herrn nur seine Hände und Füße und steht als Gehilfe des Herrn eigentlich ganz im Hintergrund. Mit der dem Herrn geschuldeten Erwartungshaltung ist auch ganz und gar unvereinbar, Zeitung zu lesen, fernzusehen oder Radio zu hören oder sich mit allem möglichen Allotria Kurzweil und Zerstreuung zu verschaffen, bis der Pfarrer kommt.

Keine Braut würde so auf ihren Bräutigam warten. Etwas anderes wäre die Übertragung einer Heiligen Messe oder einer gottesdienstlichen Feier, die durchaus geeignet wäre, das Herz für den hohen Gast zu öffnen. Die Braut ist in Erwartung ihres Bräutigams immer ganz auf diesen konzentriert. Fernsehen und andere Kurzweilprogramme zerstreuen die Gedanken und führen sie gerade vom Herrn weg und lenken sie nicht auf ihn hin. Im Hohelied der Liebe lesen wir von der ihren Bräutigam erwartenden Braut:

„Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel. ... . Der Geliebte spricht zu mir: ..., dein Gesicht lass mich sehen, deine Stimme hören“ (Hld 2,8.10a.14b). Wie nervös sind wir, wenn sich der Bürgermeister zum Geburtstag angesagt hat und wie geehrt fühlen wir uns, wenn er kommt. Sein Besuch gilt als der Höhepunkt des ganzen Tages. Wie furchtbar dagegen, wenn er uns vergessen hätte. In der Krankenkommunion kommt einer, der mehr ist als der Bürgermeister.

Der Herr ist d e r König! Sein Besuch ist doch etwas ganz Besonderes. Eigentlich ein Wunder. Eine sehr geeignete Form der Vorbereitung ist das Beten, insbesondere auch die Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse, gerade auch der freudenreiche Rosenkranz,der u.a. auch den Besuch Mariens mit dem Jesuskind bei Elisabet betrachtet. Die vorrangige Form der Vorbereitung auf den Besuch des Herrn ist allerdings immer der Empfang des Bußsakramentes. Dieser empfiehlt sich überhaupt
in regelmäßigen Abständen.

Kein Mensch ist zum Sündigen zu alt. Johannes, der Apostel und Evangelist, sagt: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde
haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt
haben, machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns“ (1Joh 1,8).

Im Übrigen wäre ja auch noch die Frage, was der liebe Gott vielleicht sonst noch alles aus unseren früheren Tagen auf der Rechnung hat! Wann war denn die letzte Beichte (nicht Bußandacht!)? Wir dürfen jedenfalls die Heilige Kommunion
nicht empfangen, wenn wir uns einer schweren Sünde bewusst sind. Dann muss unbedingt vorher erst gebeichtet werden!
Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auch auf die eucharistische Nüchternheit. Sie besagt, dass der Empfänger der Heiligen Kommunion eine Stunde vorher nichts mehr essen oder (abgesehen von Wasser) trinken darf, es sei denn, die Nahrungsaufnahme ist durch die Krankheit wirklich geboten und damit notwendig. Die eucharistische Nüchternheit will einmal Hunger auf das übernatürliche Brot des Himmels machen, das nicht unseren Leib, sondern unsere Seele nährt, und darüber hinaus auch jeder ungebührlichen Verwechslung oder gar Gleichstellung des Allerheiligsten Sakramentes mit jeder anderen
natürlichen Speise für den Leib vorbeugen. Der Leib des Herrn muss von der gewöhnlichen Speise deutlich unterschieden werden (vgl. 1Kor 11,29).

Der Herr im Allerheiligsten Sakrament ist das höchste und kostbarste Gut, das wir Menschen haben. Haben wir IHN, haben wir alles. Fehlt er uns, haben wir nichts. Er besucht Sie aus unendlicher Liebe und Sehnsucht nach Ihnen. Legen Sie deshalb auch großen Wert darauf, dem Herrn zu zeigen, wie sehr Sie sich auf seinen Besuch freuen und wie willkommen er Ihnen ist. Lassen Sie den Herrn nicht vor der Tür warten, sondern warten Sie auf IHN. Begrüßen Sie den hohen Gast, wie es sich für IHN gehört. Er ist die Hauptperson, nicht etwa der Pfarrer. Der Pfarrer ist nur sein unbeachtlicher Helfer und Knecht, seine Hände und Füße.

Der Herr aber ist der König. Die Begrüßung heißt deswegen auch: „Gelobt sei Jesus Christus“! Und diesen König begrüßt man, soweit möglich, mit einer Kniebeuge. Das kann daheim nicht anders sein als in der Kirche vor dem Tabernakel. Auch die angehörigen brauchen vor diesem König nicht die Flucht anzutreten. Sie würden doch auch alle geschniegelt und gebügelt zusammenlaufen, wenn ein irdischer König oder auch nur der Bürgermeister käme. Und was würde da alles in Bewegung gesetzt. Wenn der Christkönig kommt, wenn auch nur wegen uns in der demütigen, schwachen und glanzlosen Gestalt der Hostie, so muss das doch das ganze Haus mit großer Freude erfüllen.

Für den Besuch des Herrn bei der Krankenkommunion gilt eigentlich nichts anderes als für den Besuch des Herrn bei Zachäus: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden“ (Lk 19,9). Durch offene Türen soll der Herr eigentlich wie von selbst den Weg zum „Hausaltar“ finden, an dem dann der kurze Wortgottesdienst der Krankenkommunion gefeiert wird. Bei einem bettlägerigen Kranken ist es das Krankenzimmer, bei einem nicht ans Bett gefesselten alten Menschen darf es durchaus das gute Wohnzimmer sein, heraus genommen aus dem grauen Alltag.

Der „Hausaltar“ soll nach Möglichkeit mit einer sauberen weißen Tischdecke bedeckt sein, auf dem ein Kruzifix mit zwei brennenden Kerzen stehen, dazu ein Gefäß mit Weihwasser und einem Buchszweig. Ob Sie noch ein paar Blümchen
dazu stellen oder ein Marienbild usw., bleibt Ihrem Herzen überlassen. Sollte der Empfänger der Heiligen Kommunion Beschwerden beim Schlucken haben, so empfiehlt sich, ein Glas mit Wasser (keine sonstigen Getränke) und einen Eßoder
Teelöffel bereitzustellen.

Denken Sie nach dem Empfang des Allerheiligsten Sakramentes erst recht nicht an andere Dinge, die vergleichsweise immer nebensächlich sind. Nur ER ist wichtig. Bleiben Sie, auch nachdem der Priester wieder das Haus verlassen hat, in Gedanken und mit einem Herzen voller Freude und Dankbarkeit ganz bei IHM. ER ist jetzt bei Ihnen, in Ihnen, Ihr Bräutigam, Ihr größter Wohltäter, Ihre ewige Seligkeit. Nehmen Sie sich Zeit für IHN. Es würde den Herrn sehr traurig stimmen, wenn Sie schon gleich wieder zur Tagesordnung übergingen und zu Unterhaltungen, als sei überhaupt nichts passiert.

Lassen Sie sich ganz von dem ergreifen, den Sie gerade empfangen haben. Opfern Sie gerade mit dem Herrn im Herzen diesem alle Ihre Leiden und Beschwerden, Ihre Krankheit und Ihr Unvermögen auf und vereinigen Sie es mit seinem erlösenden Leiden und Sterben, an dem Sie gerade in der Heiligen Kommunion in besonderer Weise Anteil erhalten haben. Damit entreißen Sie Ihr Leiden der Sinnlosigkeit und lassen es geistlich fruchtbar werden. Sagen Sie IHM Dank für seine Liebe und preisen Sie
IHN. Lassen Sie sich von einer tiefen inneren Freude ergreifen! Die Betrachtung des Besuchs Marias bei Elisabet kann Ihnen dabei immer hilfreich sein.

Pfarrer Ulrich Engel

Beichte Teil 2
Empfehlen sie uns weiter!GlaubensnetzwerkDankeCopyright / UrheberrechtImpressum