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Die Gefahren der Ökumene

Ehe ich auf die Gefahren der Ökumene, wie sie vielerorts praktiziert wird, zu sprechen komme, möchte ich deutlich machen, dass ich die Ökumene als solche nicht ablehne oder gar verteufele.

Die Ökumene im richtigen Verständnis ist ein geeignetes Mittel, glaubwürdig Zeugnis für die Wahrheit abzulegen und Menschen mit dem wahren Glauben in Kontakt treten zu lassen.

Man erreicht eben mehr Menschen mit Honig statt mit Essig. Nichtsdestotrotz glaube ich nicht, dass die Ökumene das Allheilmittel für die missionarischen Probleme und Engpässe der Kirche in den letzten Jahrzehnten ist.

Diese Klarstellung fand ich wichtig, da es doch einige Elemente innerhalb der Kirche gibt, die ihr falsches Verständnis von Ökumene mit fast dogmatischem Eifer gegen jeglichen Widerstand durchzusetzen versuchen, indem sie z.B. diejenigen Katholiken, die auf die Gefahren einer falsch verstandenen Ökumene verweisen, als „Extremisten“, „Fundamentalisten“, „Ultra-Konservative“ und dergleichen betiteln.

Um solchen Missverständnissen vorzubeugen, habe ich diese Klarstellung zu Beginn dieses Beitrags gemacht und werde versuchen, meine Ausführungen mit den relevanten lehramtlichen Aussagen zu belegen.

Ökumene muss man als Mittel sehen, derer sich die Kirche bedient, um ihren Auftrag auf Erden zu erfüllen. Dieser Auftrag ist eine missionarische Sendung zum Heil der Seelen. Die katholische Kirche ist das universale Sakrament des Heils. Das heißt, dass die Hauptaufgabe der Kirche darin besteht, Menschen zum Heil zu führen. Dieses Verständnis der Kirche spiegelt sich auch in ihrem Rechtsgrundsatz wider: „suprema lex salus animarum“ (höchstes Gesetz ist das Heil der Seelen).

Wie ist aber das Verhältnis der Kirche zum Heil? Ist die Kirche nur ein Wegweiser, der man optional angehören kann oder auch nicht – oder ist sie vielmehr notwendig für das Heil? Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt:

„Gestützt auf die Heilige Schrift und die Überlieferung, lehrt es aber, daß die pilgernde Kirche zum Heile notwendig sei. Der eine Christus nämlich ist Mittler und Weg zum Heil, der in seinem Leib, der die Kirche ist, uns gegenwärtig wird; indem er aber selbst mit ausdrücklichen Worten die Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont hat [vgl. Mk 16,16; Joh 3,5], hat er zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Tür eintreten, bekräftigt. Darum können jene Menschen nicht gerettet werden, die sehr wohl wissen, daß die katholische Kirche von Gott durch Jesus Christus als eine notwendige gegründet wurde, jedoch nicht in sie eintreten oder in ihr ausharren wollten.“ (Dogmat. Konst. „Lumen Gentium“)

Die Kirche soll notwendig für das Heil sein? Glauben wir das wirklich? Welche Auswirkungen hätte so eine Haltung für die Ökumene?
Bevor ich diese Fragen adressiere, möchte ich vorher die dogmatische (d.h. unfehlbar und unveränderbar) Lehre der Kirche diesbezüglich anhand weiterer Lehrsätze darlegen:

„Es gibt aber eine allgemeine Kirche der Gläubigen, außerhalb derer überhaupt keiner gerettet wird…“ (4. Konzil im Lateran)

„Wir erklären, sagen und definieren nun aber, daß es für jedes menschliche Geschöpf unbedingt notwendig zum Heil ist, dem Römischen Bischof unterworfen zu sein.“ (Papst Bonifatius VIII.: Bulle „Unam Sanctam“)

„Sie glaubt fest, bekennt und verkündet, daß ‚niemand, der sich außerhalb der katholischen Kirche befindet, nicht nur [keine] Heiden‘, sondern auch keine Juden oder Häretiker und Schismatiker, des ewigen Lebens teilhaft werden können, sondern daß sie in das ewige Feuer wandern werden, ‚das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist‘, wenn sie sich nicht vor dem Lebensende ihr angeschlossen haben, und daß die Einheit mit dem Leib der Kirche eine solch große Bedeutung hat, daß nur denen, die in ihr verharren, die Sakramente der Kirche zum Heil gereichen und Fasten, Almosen und die übrigen Werke der Frömmigkeit und Übungen des christlichen Kriegsdienstes ewige Belohnungen zeitigen. ‚Und niemand kann, wenn er auch noch so viele Almosen gibt und für den Namen Christi sein Blut vergießt, gerettet werden, wenn er nicht im Schoß und in der Einheit der katholischen Kirche bleibt‘.“ (Konzil von Florenz: Bulle „Cantate Domino“)

Des Weiteren steht zu Beginn des pseudo-Athanasischen Bekenntnisses (das sog. „Quicumque“):

„(1) Wer auch immer gerettet sein will, der muß vor allem den katholischen Glauben festhalten: (2) Wer diesen nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, der wird zweifellos auf ewig zugrunde gehen.“

Diese Aussagen werden durch manche Theologen entweder vollkommen ignoriert oder in irgendeiner Weise relativiert. Faktum ist aber, dass die Essenz dieser Formulierungen weder fehlbar noch veränderbar ist. Diese Essenz lässt sich im Axiom „extra Ecclesiam nulla salus“ (außerhalb der Kirche kein Heil) zusammenfassen.
An diese Wahrheit muss jeder Katholik glauben: sie ist Dogma. Wer diese leugnet, obwohl er weiß, dass die Kirche sie zu glauben vorlegt, macht sich der Häresie schuldig. Aber nicht nur derjenige, der dieses Dogma leugnet, wird zum Häretiker, sondern auch der, der – trotz besseren Wissens – weiterhin an dem Dogma zweifelt.

Nachdem nun der Glaube der Kirche klar und unmissverständlich dargestellt wurde, stellt sich nun die Frage, inwiefern sich diese Aussagen auf die Ökumene auswirken. Sobald man darüber nachdenkt, wird einem aber sofort klar, dass die Ökumene – wie sie vielerorts in Deutschland praktiziert wird – faktisch die Lehrsätze bezüglich der Heilsnotwendigkeit der Kirche vollkommen außer Acht lässt. Genau darin stecken die Gefahren einer falsch verstandenen und falsch gelebten Ökumene.

Wer kennt „ökumenische Gottesdienste“ nicht, bei denen man den Eindruck gewinnt, dass evangelischer Pfarrer/evangelische Pfarrerin eigentlich dasselbe sind wie katholische Priester – nur eben in einer anderen „Kirche“? Wer kennt Gemeinden nicht, die statt den Kampf für das ungeborene Leben aufzunehmen, eher vielerlei ökumenische Veranstaltungen organisieren? Und wer kennt die weit verbreitete Meinung nicht, dass es doch eigentlich egal sei, ob man nun katholisch, orthodox, evangelisch oder „freikirchlich“ ist – letztlich gebe es ja eh nur einen Gott?

Im Syllabus (Sammlung von Irrtümern) von Papst Pius IX. werden folgende verurteilte Irrtümer aufgelistet:

„16. Die Menschen können im Kult jedweder Religion den Weg zum ewigen Heil finden und das ewige Heil erlangen (1‘ 3‘ 17‘).“
„17. Wenigstens muß man gute Hoffnung für das ewige Heil all jener hegen, die sich überhaupt nicht in der wahren Kirche Christi befinden (13‘ 28‘).“
„18. Der Protestantismus ist nichts anderes als eine unterschiedliche Form derselben wahren christlichen Religion, in der es ebenso wie in der katholischen Kirche möglich ist, Gott zu gefallen (5‘).“

Diese falschen Haltungen sind leider sehr weit verbreitet. Wenn man diesen Fehlentwicklungen nicht entgegenwirkt – oder es zumindest versucht –, so macht man sich am Untergang vieler Seelen mitverantwortlich. Wir wissen, dass es kein Heil außerhalb der Kirche gibt. Liebten wir unsere nicht-katholischen Brüder und Schwestern, so müssten wir an sich alles daran setzen, sie in die Kirche Christi zu bekommen.

Paradoxerweise wird die Missionierung nicht-katholischer Christen als negativ aufgefasst – als etwas Unerhörtes dargestellt, welches von mangelndem Respekt und fehlender Liebe zum Nächsten zeugt. Diese populistische Meinung könnte verkehrter nicht sein! Denn es geht um das Seelenheil – nicht um Diplomatie. Der Heiland hat Seiner Kirche nicht die diplomatische Auseinandersetzung mit der Welt aufgetragen, sodass die Welt sie lieb gewinnt, sondern befahl ihr die Missionierung aller Völker und Nationen zu ihrem Heil. Wer also die menschliche Diplomatie (, die nicht rettet) über den göttlichen Missionsauftrag der Kirche stellt, macht sich schuldig gegen Gott und seinen Nächsten.

Ich möchte erinnern an eine Geschichte aus dem Alten Testament – aus dem Buch Ezechiel, Kapitel 33:
„7 Dich aber, Menschensohn, habe ich zum Wächter für das Haus Israel bestellt; wenn du diese Worte aus meinem Mund hörst, musst du sie vor mir warnen, 8 Wenn ich zum Gottlosen sage: Gottloser, du musst sterben!, und du sagst nichts, um den Gottlosen von seinem Weg abzubringen, so wird er, der Gottlose, wegen seiner Schuld sterben; sein Blut aber fordere ich aus deiner Hand. 9 Hast du aber den Gottlosen gewarnt, dass er von seinem Weg umkehrt, und er kehrt nicht um von seinem Weg, so wird er wegen seiner Schuld sterben; du aber hast dein Leben gerettet.“

Es geht hier darum, jemanden, der auf falschem Weg ist, zur Umkehr zu mahnen und ihm den rechten Weg zu zeigen, auf dass der Irrende sich bekehre und gerettet werde. Wenn er nicht hört (ihm ist diese Freiheit gegeben), so wird er wegen seiner Sünden sterben – uns aber wird keine Schuld betreffen, da wir unsere Pflicht gegenüber Gott und unserem Nächsten getan haben – eben die Missionierung. Wenn wir aber die Menschen nicht vor dem drohenden Tod warnen, dem sie sich durch ihren Unglauben oder Irrglauben selbst aussetzen, dann werden nicht nur sie sterben, sondern auch wir, weil wir uns mitschuldig gemacht haben.

Dass das Bewusstsein für die Wahrheit und die recht verstandene Liebe gegenüber unserem Nächsten durch die falsche Ökumene weitestgehend zerstört wird, zeigt sich daran, dass ökumenisch eingestellte Christen – katholische wie auch nicht-katholische – entweder nichts von der absoluten Notwendigkeit der Missionierung halten oder sich ihr entgegenstellen um der Diplomatie willen.

Dass diese Beurteilung der Situation in Deutschland nicht falsch ist, lässt sich anhand der täglichen Erfahrung beweisen. Man wird eher katholische Priester und Bischöfe in öffentlichen Veranstaltungen mit nicht-katholischen Vertretern beten und sich amüsieren sehen als dass man davon hören würde, dass unsere Hirten den Irrgläubigen die Heilsnotwendigkeit des Übertrittes zum einzig wahren Glauben nahe legen. Des Weiteren wird man mehr von ökumenischen Projekten und Gottesdiensten in den örtlichen katholischen Pfarreien hören als z.B. von Sühneandachten (, die die Welt sehr nötig hat), von Gebet für die Bekehrung Irrgläubiger und Ungläubiger, von Aktionen gegen die Ermordung ungeborener Kinder und dergleichen.
Die Gefahren der falsch verstandenen Ökumene lassen sich so zusammenfassen: In dem Maße, in der die Kirche sich menschlich-diplomatisch engagiert und sich darauf fixiert, verliert sie den Blick und kostbare Zeit für ihren eigentlich Auftrag, die Rettung von Seelen.

Zur Kirche sprach der Heiland:
„Qui vos audit, me audit; et, qui vos spernit, me spernit; qui autem me spernit, spernit eum, qui me misit.“ (Evangelium secundum Lucam 10,16: “Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, verachtet den, der mich gesandt hat.”)

*Addendum: Manche werden darauf verweisen, dass diejenigen Menschen, die sich nicht aus eigenem Verschulden im Irrtum befinden und sich unmöglich aus eigener Kraft daraus befreien können, gerettet werden können. Diese Sicht ist richtig und ich möchte sie anhand einer päpstlichen Enzyklika belegen. Da die Enzyklika aber recht kurz ist, möchte ich sie in ihrer Gänze zitieren, wie sie im Denzinger Enchiridion zu finden ist (S. 735-736):

„Wiederum müssen Wir den äußerst schweren Irrtum erwähnen und tadeln, in dem sich bedauernswerterweise manche Katholiken befinden, die meinen, Menschen, die in Irrtümern leben und dem wahren Glauben und der katholischen Einheit ferne stehen, könnten zum ewigen Leben gelangen [vgl. *2917]. Dies widerstreitet der katholischen Lehre in höchstem Maße.

Uns und Euch ist bekannt, daß diejenigen, die an unüberwindlicher Unkenntnis in bezug auf unsere heiligste Religion leiden und die, indem sie das natürliche Gesetz und seine Gebote, die von Gott in die Herzen aller eingemeißelt wurden, gewissenhaft beachten und bereit sind, Gott zu gehorchen, ein sittlich gutes und rechtes Leben zu führen, durch das Wirken der Kraft des göttlichen Lichtes und der göttlichen Gnade das ewige Leben erlangen können, da Gott, der die Gesinnungen, Herzen, Gedanken und Eigenschaften aller völlig durchschaut, erforscht und erkennt, in seiner höchsten Güte und Milde keineswegs duldet, daß irgendjemand mit ewigen Qualen bestraft werde, der nicht die Strafwürdigkeit einer willentlichen Schuld besitzt.

Aber wohlbekannt ist auch der katholische Lehrsatz, daß nämlich niemand außerhalb der katholischen Kirche gerettet werden kann und daß diejenigen, die der Autorität und den Definitionen derselben Kirche trotzig widerstehen und von der Einheit dieser Kirche und vom Römischen Bischof, dem Nachfolger des Petrus, dem vom Erlöser die Wache über den Weinberg übertragen wurde, hartnäckig getrennt sind, das ewige Heil nicht erlangen können. …“ (Papst Pius IX.: Enzyklika „Quanto conficiamur moerore“)

Hierbei muss man Folgendes beachten:
1) Es wird nur von der Möglichkeit des Heils gesprochen – nicht von seiner Gewissheit.
2) Wer mit der Ökumene zu tun hat, ist gewiss nicht „unüberwindlich unwissend in bezug auf“ die katholische Kirche.
3) Unüberwindliche Unkenntnis in bezug auf die katholische Kirche reicht allein nicht aus – hinzu muss kommen, dass man ein sittlich reines Leben nach dem natürlichen Gesetz führt.
4) Die o.g. unüberwindliche Unkenntnis entschuldigt nur von der Sünde des Unglaubens – nicht aber von anderen begangenen Sünden.

Nimmt man nun all diese Aspekte in Betracht, so wird einem klar, dass dieser „außerordentliche Weg des Heils“ fast unmöglich erfolgreich zu begehen ist. Der Mensch ist geplagt durch vielerlei Schwächen und bedarf der Hilfe Gottes immer wieder. Aus diesem Grunde gab Er uns die Kirche als Sakrament des Heils: um uns zu beleben und uns zu stärken – und um uns durch den Dienst der Kirche zu vergeben, wenn wir uns gegen den Himmel versündigt haben.

Töricht und hochmütig wäre der Mensch, der glaubt, dass er auf die Kirche, das universale Sakrament des Heils, verzichten könnte. Letztlich darf man nicht vergessen, dass es um die Liebe geht: darum, das wahrlich Gute für den Anderen zu wollen.

Eine christliche Perspektive
Maria im Heilswerk Gottes
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