Ist Gott? - Gibt es einen Gott?

Ist Gott? / Gibt es einen Gott?

1) Argumente:
a) Wenn von zwei Gegensätzen der eine unendlich wäre, so würde er den anderen vollständig aufheben. Gott ist das unendlich Gute. Würde es Gott geben, so gäbe es kein Übel. Wir sehen aber, dass das Übel existiert: also gibt es Gott nicht.

b) Was mit wenigen Mitteln erreichbar ist, wird auch mit wenigen Mitteln gemacht. Gäbe es keinen Gott, könnten wir die Welt mir anderen Ursachen erklären:
Das Naturgeschehen hat seinen Ursprung in der Natur und das geschichtliche Geschehen, welches auf Überlegung zurückgeht, hat seinen Ursprung im menschlichen Verstand und in seinem Willen.
Es gibt also keinen zwingenden Grund, das Dasein Gottes anzunehmen.

2) Andererseits:
Gott sagt in Exodus 3,14: "Ego sum, qui sum" (Ich bin, der Ich bin).

3) Antwort:
Es gibt fünf Wege (quinque viae), um das Dasein Gottes zu beweisen:

i) Argument der Bewegung: Gott als erstes Bewegendes und unbewegter Beweger:
Unsere Sinne bezeugen, dass es in der Welt Bewegung gibt. Bewegung ist stets auf das Ziel der Bewegung hingeordnet. Alles was in Bewegung ist, wird von einem anderen bewegt. Bewegen kann nur etwas, sofern dieses selbst irgendwie schon im Ziel ist. Bewegung heißt nämlich: etwas aus seinen Möglichkeiten in die entsprechenden Wirklichkeiten (de potentia in actum) überführen.
Beispiel: glühendes Holz enzündet anderes Holz.

Zu den Möglichkeiten des Holzes gehört die Brennbarkeit. Die Wirklichkeit dieser Möglichkeit ist das brennende Holz. Das glühende Holz befindet sich schon in der Wirklichkeit (in actu) und überführt das andere, brennbare Holz (noch im Zustand der Möglichkeit, sofern es noch nicht brennt) in die entsprechende Wirklichkeit, indem das glühende Holz das andere entflammt.

Es ist noch anzumerken, dass es nicht möglich ist, dass etwas die gleiche Seinsform in Wirklichkeit und in Möglichkeit hat: sobald Holz angezündet wird und brennt, ist es im Zustand der Wirklichkeit (des Brennens) und nicht länger im Zustand der Möglichkeit (der Brennbarkeit).
Es ist aber möglich gleichzeitig verschiedene Seinsformen zu besitzen: etwas kann gleichzeitig kalt sein nach der Möglichkeit und in Wirklichkeit heiß sein.

Des Weiteren ist es unmöglich, dass ein und dasselbe Ding in bezug auf dasselbe Sein in einer und derselben Bewegung Bewegtes und Bewegendes ist: es ist unmöglich, dass etwas sich selbst bewegt (Vgl. mit den Gesetzen der Physik).
Alles, was in Bewegung ist, muss also von etwas anderem bewegt worden sein. Es ist aber nicht möglich, dass Ordnung der Bewegung ins Unendliche geführt wird: ein regressus in infinitum würde bedeuten, dass es niemals einen ersten Beweger gab, ohne den es überhaupt keine Bewegung gibt. Es muss also etwas geben, was das erste Bewegende ist ohne selbst in Bewegung gesetzt worden zu sein:
dieses erste Bewegende ist Gott, der "actus purus" (reiner Akt) ist.

ii) Argument aus der Wirkursache: Gott als "prima causa efficiens" (erste bewirkende Ursache):
Es ist leicht festzustellen, dass es in der sichtbaren Welt eine Über- und Unterordnung von Wirkursachen gibt.
Es ist unmöglich, dass etwas seine eigene Entstehungs-/Wirkursache ist. Und auch in diesem Falle kann es keinen unendlichen Regress geben - weder nach unten noch nach oben. Nähme man nämlich einen infinten Regress an, so gäbe es nie eine erste Wirkursache. Ohne eine erste Wirkursache gäbe es jedoch auch keine zweite, dritte, usw. und keine letzte Wirkursache und somit auch keine Wirkung. Die Wirkung sehen wir aber in der Welt: also muss es eine erste Wirk-/Entstehungsursache geben: Gott.

iii) Kontingenz-Beweis:
Man kann unterscheiden zwischen dem bloß möglichen und dem notwendigen Sein. Daraus ergibt sich, dass es Dinge gibt, die geradesogut sein wie auch nicht sein können. Zu diesen Dingen gehört alles, was dem Entstehen und Vergehen unterworfen ist. Alles, was möglicherweise nicht ist, ist tatsächlich einmal nicht da gewesen. Wenn das aber für alle Dinge gilt, kann es heute nichts geben; denn etwas, was nicht ist, fängt nur an zu sein durch etwas, was bereits ist (siehe: ersten Weg.
Wir sehen aber, dass wir hier sind: es können also nicht alle Dinge dem Entstehen und Vergehen unterworfen sein: es muss unter den Dingen etwas geben, was notwendig ist.

Es gibt aber auch unter den notwendigen Dingen eine Unterscheidung zwischen denjenigen notwendigen Dingen, die den Grund ihrer Notwendigkeit in einem anderen haben, und denjenigen notwendigen Dingen, die den Grund der Notwendigkeit in sich selbst haben. Zu den notwendigen Dingen mit dem Grund der Notwendigkeit in einem anderen lässt sich sagen, dass es auch hier nicht zu einem unendlichen Regress kommen kann (sie: zweiten Weg).
Wir müssen also ein Sein annehmen, welche durch sich selbst notwendig ist und Grund für die Notwendigkeit aller anderen notwendigen Dinge ist. Dieses nennen wir Gott.

iv) Beweis aus den Seins-/Wertstufen (Graduierung):
Es gibt Seinsstufen in den Dingen: mehr oder weniger gut, edel, wahr, schön, usw.
Diese verschiedenen Seinsstufen ergeben sich durch unterschiedliche Grade der Näherung am Höchsten.
Innerhalb einer Gattung ist das, was das Wesen einer Gattung am reinsten verkörpert, die Ursache alles dessen, was zu jener Gattung gehört.
Die Ursache des Seins, des Gutseins und aller Seinsvollkommenheiten ist Gott.

v) Beweis aus der Leitung der Dinge (ex gubernatione rerum):
Es gibt Naturdinge ohne Erkenntnis, die auf ein bestimmtes Ziel hin tätig sind. Diese sind immer oder meist in der gleichen Weise tätig und erreichen stets das Beste. Das Ziel wird also nicht zufällig, sondern absichtlich erreicht. Vernunftlose Wesen werden also - wie der Pfeil vom Schützen - von einem erkennenden, geistigen Wesen auf ein Ziel hingeordnet.
Es muss also ein geistig-erkennendes Wesen geben, dass alle Naturdinge auf ihr Ziel hinordnen. Dieses Wesen nennen wir Gott.

4) Gegenargumente zu 1:
1a) Nach der Lehre des Heiligen Kirchenvaters Augustinus von Hippo würde Gott "ein Seinen Werken nichts Böses dulden, wenn Er nicht so allmächtig und gut wäre, um selbst das Böse noch ins Gute zu wenden".

Gott bleibt also unendlich gut, selbst wenn Er manche Übel zulässt, um daraus Gutes entstehen zu lassen.

1b) Die Natur ist offenbar unter dem Einfluss eines höheren Antriebes auf ein bestimmtes Ziel hin tätig. Das Naturgeschehen muss also - wie in den Beweisen dargelegt (siehe 1., 2. und 5. Weg) - auf Gott als seine erste Ursache zurückgeführt werden.

In gleicher Weise ist auch das überlegte Handeln auf eine das menschliche Erkennen und Wollen, die sich wandeln und versagen können, überragende Ursache zurückzuführen. Denn alles Wandelbare, das in seiner innersten Natur nach versagen kann, muss auf einen unwandelbaren und aus sich notwendigen Anfang (principium) zurückgeführt werden (siehe: 3. und 4. Weg).