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Wir bewegen uns schnell auf Weihnachten zu, dem Fest der Geburt unseres Heilands.

Die meisten Menschen sind in feierlicher Stimmung; Geschenke, Tannenbäume, Gänse, und alles, was zur weihnachtlichen Stimmung gehört, werden massenhaft gekauft. Dass der christliche Glaube in der öffentlichen Meinung in unseren Gegenden nicht hoch im Kurs steht, ist den meisten Menschen bekannt. Nichtsdestotrotz gibt es doch so viele, die sich auf dieses „Fest der Liebe“ freuen: sogar diejenigen, die nicht an Christus glauben, feiern am 25. Dezember.

Freut man sich im Advent wirklich auf das Fest der Geburt Christi – oder wartet man eigentlich nur sehnsüchtig auf noch ein Fest, an dem sich die Menschen selbst feiern können? Gilt unsere Vorfreude wirklich dem Heiland oder uns selbst?

Nach unserem christlichen Glauben ist das höchste Fest des Kirchenjahres Ostern. Dennoch bekommt man oft den Eindruck als sei Weihnachten das wichtigste Fest im Jahr. Ich möchte hier deshalb Advent und Weihnachten im Bezug auf die Fastenzeit und die Karwoche bis Ostern deuten.

Was haben nun Advent und Weihnachten mit der Fastenzeit, der Karwoche – also mit der Passion und des Todes Christi am Kreuz – und Ostern zu tun? Scheint es nicht etwas eigenartig ein „freudiges“ Fest – die Geburt des Christkindes – mit der Karwoche und Ostern in Verbindung zu bringen? Krippe und Kruzifix nebeneinander? Was zunächst als eigenartige Mischung erscheinen kann, wird sich als sinnvoll erweisen:

Als Christen freuen wir uns auf Weihnachten, weil wir an diesem Tag das Fest der Geburt unseres Erlösers in diese Welt feiern: es ist der Zuspruch „Immanuel“ – Gott ist mit uns, der sichtbare Beginn des Erlösungswegs. Wenn wir die Geburt Christi mit dem göttlichen Heilsplan sofort identifizieren, so knüpft dies direkt an Ostern an: wir erkennen, dass Weihnachten und Karwoche + Ostern unmittelbar miteinander verbunden sind.
Doch möchte ich auf die Geburt im Allgemeinen und im Fall des normalen Menschen (nicht im Falle der Geburt Christi) eingehen. Ich möchte die Geburt Christi zunächst ausschließen, weil Er – wie Seine Mutter – vollkommen makellos sind: sie sind beide frei von der Erbsünde. Der Advent ist dennoch für uns eine gute Zeit über Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt nachzusinnen. Für uns Menschen, die wir in Erbsünde empfangen worden sind, ist die Geburt stets mit Schmerzen verbunden. So spricht Gott zur Frau nach dem Sündenfall: „Überaus zahlreich werde ich die Beschwerden deiner Schwangerschaft machen. Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären“ (Genesis 3,16). Was ist nun daran so besonders, dass man im Advent darüber nachdenkt?

Die Relevanz der Beschwerden bei der Schwangerschaft und der Schmerzen bei der Geburt werden deutlicher, wenn wir uns nun vor Augen halten, dass wir aus der Natur heraus auf göttliche Dinge – also auch auf für uns heilsrelevante Sachverhalte – schließen können, „denn Sein [Gottes] unsichtbares Wesen, Seine ewige Macht und Göttlichkeit sind seit Erschaffung der Welt an Seinen Werken durch die Vernunft zu erkennen“ (Römer 1,20). Wir können daraus und aus den vorgegangenen Passage aus dem Buch Genesis schließen, dass die Schmerzen wohl erst nach dem Sündenfall kamen, dass also die Geburt Christi wahrscheinlich schmerzfrei verlief, da weder Er noch Seine Mutter durch die Sünde der ersten Menschen befleckt war und ist. Das Leid ist also nicht „seit Erschaffung der Welt“ da gewesen, sondern fand seinen Weg in die Welt durch die Sünde. Wir müssen uns diesen Aspekt gut merken: Leid und Tod sind in diese Welt gekommen durch die Sünde!

Was hat dies aber nun mit der Karwoche und Ostern zu tun? Nun, wir vergegenwärtigen uns, dass der Prozess, durch den ein neues Leben in unsere Welt hineingeboren wird, stets mit Schmerzen verbunden ist. Trotz der Schmerzen empfinden wir die Geburt eines Kindes doch als etwas Gutes. Das ist so, weil wir für das Leben geschaffen sind. Gott hat nichts geschaffen für den Tod, sondern für das Leben. So sagt Er über den Gottlosen: „So wahr ich lebe – Spruch Gottes, des Herrn: Ich habe kein Gefallen am Tod des Gottlosen, sondern daran, dass der Gottlose auf seinem Weg umkehrt und lebt“ (Ezechiel 33,11). Wir wollen also leben! Doch ist das Hineingeboren in diese Welt seit dem Sündenfall nur unter Schmerzen möglich. Kann man das Leben nun nur noch auf dem Weg des geduldig ertragenen Schmerzens bekommen? So scheint es in einer gefallenen Welt tatsächlich zu sein.

Und so entsteht die Verbindung zur Fastenzeit, zur Passion und zu Ostern: Christus gab uns Leben durch Sein eigenes Leiden, Seinen Tod am Kreuz und Seine Auferstehung! Wie der Weg der Geburt in diese Welt, so ist der Weg der „Geburt in die nächste Welt“ – das ewige Leben – auch ein schmerzhafter Weg. Wenn wir ewig leben wollen, so müssen auch wir unser Kreuz auf uns nehmen und auf unseren eigenen Kalvarienberg hinaufgehen, um uns dort wie Christus kreuzigen lassen, um mit Ihm zum neuen und ewigen Leben aufzuerstehen. Darum sagt uns der Herr: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden“ (Matthäus 16,24-25). Warum muss man sich selbst verleugnen, leiden und gar sterben, um leben zu können? Es ist wegen der Sünde, die die Welt unterjocht: so wie unsere Geburt in diese Welt wegen der Sünde schmerzhaft wurde, so ist die Befreiung aus dem Tode durch die Sünde hin zum ewigen Leben auch ein schmerzhafter Prozess: scherzhaft, weil es ein Prozess der Läuterung ist, der Reinigung von den sündhaften Bindungen an diese gefallene Welt.

So heißt es im Buche Jesus Sirach:
„Mein Sohn, wenn du dem Herrn dienen willst, dann mach dich gefasst auf Prüfungen. Sei tapfer und stark, auch überstürze nichts in der Zeit der Heimsuchung. Hänge Ihm an und weiche nicht ab, damit du erhöht wirst an deinem Ende. Denn im Feuer wird das Gold geprüft, der Mensch aber, der Gott gefällt, im Ofen der Bedrängnis“ (Jesus Sirach 2,1-5).

Bezogen auf die Geburt ist die beschwerliche Zeit der Schwangerschaft (/unser „Advent“) unsere Passion und die schmerzhafte Geburt unser Tod am Kalvarienberg. So gesehen helfen uns der Advent und die Weihnachtszeit über unser eigenes Dasein und über unsere Ausrichtung auf das ewige Leben in der Nachfolge Christi nachzusinnen. Uns wird ferner klar, dass das Leiden, das wir – wie Christus – dann freiwillig auf uns nehmen um des Heils willen, keineswegs ein „Übel“ wäre, sondern der Weg der Liebe zum Leben in Fülle! Wir schauen – wie bei der freudigen Erwartung der Geburt eines Kindes – nicht auf die beschwerlichen Umstände, die die Geburt umfassen, sondern auf die Freude neuen Lebens!



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