StartseiteFreiheit durch GlaubenWas bedeutet Christ sein

Was bedeutet „Christsein“ überhaupt? Es gibt die weitverbreitete Ansicht, dass ein Christ ein „Nachfolger Christi“ ist – also einer, der versucht so zu sein wie Christus.

Das ist die Antwort, mit der ich hier arbeiten möchte.„So zu sein wie Christus“. Wie war denn Christus? Meiner Meinung nach lebte uns der Herr – in vollkommenster Weise – zwei Qualitäten vor, die das gesamte Christentum zusammenfassen: Demut und Gehorsam. Und warum habe ich gerade diese zwei ausgewählt? Nun, ich bin der Meinung, dass diese zwei der perfekte Ausdruck des höchsten Gebotes ist – des Doppelgebotes der Liebe (Matthäus 22, 36-40): Gehorsam ist das, was Gott, dem Vater, zusteht. Demut ist durch die Inkarnation (die Menschwerdung) Christi aus Liebe zum Menschengeschlecht realisiert worden. Diese Art und Weise das Leben Christi zu sehen ist am besten durch die Heilige Schrift selbst erklärt: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Philipper 2, 5-8)

Gehorsam und Demut gehören also ins Zentrum des christlichen Glaubens! Man könnte auch noch das Kreuz in der oben genannten Weise interpretieren: der senkrechte Balken steht für das Verhältnis zwischen „oben“ und „unten“, zwischen Himmel und Erde, zwischen dem Vater und dem Sohn: es ist das Verhältnis des Gehorsams. Der waagerechte Balken steht für die Gleichstellung des Sohnes mit uns Menschen, die durch die Inkarnation zustande kam – durch Seine Erniedrigung aus Liebe zu uns. Man könnte also sagen, dass Christus auf den Balken des Gehorsams und der Demut gekreuzigt wurde! Ohne den göttlichen Gehorsam und die göttliche Demut wären wir Menschen also für immer verloren gewesen!

An dieser Stelle möchte ich noch mal darauf hinweisen, dass Demut und Gehorsam die direkten Gegensätze zu Stolz und Ungehorsam sind, die nicht nur den Satan, sondern auch Adam und Eva zu Fall gebracht haben. Der Stolz ist der Beginn des Falls, der Ungehorsam aber seine Realisierung. Auf diese Weise kam der Tod in die Welt (Vgl. Römer 5, 12). Durch die vollkommene Demut und den perfekten Gehorsam Christi aber, welche den Stolz und den Ungehorsam des Satans und Adams und Evas in unendlichem Maße übertraf, wurde der Tod besiegt und der Menschheit wurden die Tore ewigen Lebens geöffnet.

Was bedeutet dies alles nun für den Christen? Der Christ sieht in Christus „den Weg, und die Wahrheit, und das Leben“ (Johannes 14, 6). Wer sich also „Christ“ nennen möchte, muss notwendigerweise Christus nachahmen. Er muss also versuchen – durch die Gnade Gottes – ein Leben des Gehorsams und der Demut zu führen. Wer Christ ist, ist sich auch dessen bewusst, dass er aus eigener Kraft kein Leben der Demut und des Gehorsams führen kann. Was aber ist nun zu machen? Um die Antwort auf diese Frage zu finden, müssen wir wieder auf Christus schauen: Christus ist die zweite Person der Heiligen Dreifaltigkeit: Er kann also nicht versagen wie wir sündigen Menschen. Wir sind aber eben nicht Gott und versagen, wir fallen. Wie sollen wir also überhaupt Christus nachfolgen können?! Es scheint, wir sind verloren! Wir wären in der Tat verloren, hätte uns Christus nicht aus Liebe dazu befähigt, ein gottgefälliges Leben zu führen: durch die ersten drei Sakramente (Taufe, Firmung, Kommunion) der von Christus gestifteten heiligen Kirche, der katholischen Kirche, nimmt uns Christus als die Seinen an.

Aufgrund dessen schrieb der Apostelfürst Paulus:
„Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?“ (I Korinther 6, 19). Und wir wissen, dass wir den Heiligen Geist, den „anderen Beistand“ (Johanes 14, 16) durch Christus Jesus empfangen haben. Durch den Herrn wohnt also Gott in uns und es ist Gott selber, der in uns „das Wollen und das Vollbringen bewirkt, noch über“ unseren „guten Willen hinaus“ (Philipper 2, 13). Das Heil ist uns aus Liebe zuteil geworden – als Geschenk.

Der Christ achtet nicht nur auf das, was Christus durch Worte gelehrt hat,sondern auch auf diejenigen Dinge, die Er durch Seine Taten, sein ganzesLeben, lehrte. Des Weiteren schaut der Christ auf Christus selbst: auf Seine eigene Natur. In Christus, der göttlichen Person, sieht der Christ das Ideal für das eigene Leben: in Ihm sieht der Christ die Ursache und den Sinn und Zweck des eigenen Lebens und das Mittel, durch das der Christ sein Leben sinn- und zweckgemäß leben kann und somit zur Erfüllung zu gelangen.

Ein Christ ist einer, dessen Leben Christus ist. Und weil es unmöglich und gar absurd ist von Christus zu sprechen ohne Sein Kreuz, muss auch der Christ, der Christus nachfolgt, an sein eigenes Kreuz gebunden sein. Darum sprach der Herr: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“ (Markus 8, 34-35). An dieser Stelle finden wir noch einen für den christlichen Glauben sehr wichtigen Aspekt, der auch mit der Demut intrinsisch verbunden ist: Selbstverleugnung. Man könnte nun fragen, was Selbstverleugnung denn mit Demut zu tun hat. Um dies zu verstehen, müssen wir – nochmals – auf Christus schauen. Der Herr hat nicht damit angegeben „Herr der Herren und der König der Könige“ (Offenbarung 17, 14) zu sein; nein, im Gegenteil, „er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich“ (Philipper 2, 7). Er nahm die Natur Seiner Geschöpfe, der Menschen, an und beharrte nicht auf die Ehre und Herrlichkeit die für alle Ewigkeit Ihm zustehen, sondern verleugnete sich selbst, um uns und für uns das gottgefällige Leben der Gerechtigkeit in exemplarisch bester Weise vorzuleben. Er verleugnete sich selbst aus Liebe zu uns, auf dass wir lernen wie man das Leben als Diener des Allmächtigen Gottes lebt.

Diese Selbstverleugnung ist am bedeutungsvollsten in Zeiten der Not. Christus, der um seinen bevorstehenden Tod wusste, betete zum Vater: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst“ (Matthäus 26, 39). Diese sind die Worte der Selbstverleugnung. Man versucht nicht den eignen Willen, sondern den Willen Gottes zu erfüllen. Wie Christus muss auch der Christ zum Vater sagen: es „geschehe dein Wille“ (Matthäus 26, 42). Mit diesen Worten sollte uns auffallen, dass Selbstverleugnung nicht nur mit Demut, sondern auch mit Gehorsam zu tun hat. Ist denn nun Selbstverleugnung nichts anderes als der Ausdruck der Demut und des Gehorsams? Genauso ist es. Im Bezug auf Gott ist unsere Selbstverleugnung nichts Anderes als ein Ausdruck der Liebe: wer Gott liebt, sucht Seinen Willen zu erfüllen, sich selbst ganz Ihm hinzugeben, und er sucht in Ihm die Erfüllung des eigenen Seins. Es ist also die Liebe, welche die Botschaft Christi ist: zu Gott und zu den Nächsten wie zu sich selbst.

Zusammengefasst ist der Christ also derjenige, der den Willen Gottes über den eigenen stellt. Er nimmt sein Kreuz auf sich und folgt Christus. Durch Christus lernt er demütig und gehorsam zu sein Gott gegenüber. In Christus findet er die Antwort auf das Geheimnis des Heils. In Christus findet er den Weg, die Wahrheit, und das Leben. In Christus sieht er Gott, der die Liebe selbst ist.

Der Christ ist derjenige, der den Sinn und die Bedeutung des Lebens nicht in irgendeiner Ideologie oder Theorie zu finden sucht, sondern er findet beide in einer Person: Christus Jesus.

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