Jesus von Nazareth der Schlüssel zum christentum

Authentizität und Glaubwürdigkeit

 
Die Auf­er­we­ckung – Glaube der Urkir­che

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

An vie­len ver­gan­ge­nen Sonn­ta­gen haben wir uns bemüht, Jesus Chris­tus als den gott­ge­sand­ten Hei­land zu erken­nen und zu erwei­sen. Der Beweis für seine got­tent­stammte Wesens­art und sei­nen gött­li­chen Auf­trag ist viel­ge­stal­tig. Aber kein Ereig­nis ist mäch­ti­ger in sei­ner Beweis­kraft als die Auf­er­ste­hung oder die Auf­er­we­ckung aus dem Grabe. Daß die Urchris­ten­heit an Jesus als den Auf­er­stan­de­nen geglaubt hat, wird von nie­man­dem bezwei­felt. Die Pre­dig­ten des Petrus in der Apos­tel­ge­schichte bezeu­gen ein­deu­tig die Wahr­heit: Jesus Chris­tus ist durch die Macht des Vaters von den Toten erweckt wor­den. In der Pfingst­pre­digt erklärt Petrus: „Ihn hat aber Gott auf­er­weckt, nach­dem er ihn von den Wehen des Todes befreit hatte. Er konnte ja von die­sem unmög­lich fest­ge­hal­ten wer­den. Die­sen Jesus hat Gott auf­er­weckt, des sind wir Zeu­gen. So nehme denn das ganze Haus Israel mit vol­ler Gewiß­heit zur Kennt­nis, daß Gott die­sen Jesus, den ihr gekreu­zigt habt, zum Herrn und Mes­sias gemacht hat.“

Die Auf­er­ste­hung wird von Petrus in eine Linie mit der Kreu­zi­gung und dem Begräb­nis gestellt. Er will damit kund­ma­chen: Die Auf­er­ste­hung ist so real und so his­to­risch, wie es Kreu­zi­gung und Begräb­nis sind. Er ver­kün­det die­selbe Wahr­heit in der Pre­digt im Hause des Cor­ne­lius. „Wir sind Zeu­gen von allem, was er getan im Lande der Juden und zu Jeru­sa­lem. Ihn haben sie getö­tet, indem sie ihn ans Kreu­zes­holz häng­ten. Die­sen erweckte Gott am drit­ten Tage und ließ ihn erschei­nen.“

Die Pre­digt des Petrus wird in vol­lem Umfange vom Völ­ke­ra­pos­tel Pau­lus geteilt. Im 2. Brief an Timo­theus schreibt er: „Denke daran, daß Jesus Chris­tus von den Toten auf­er­stan­den ist, er, der aus dem Samen Davids stammt. Das ist meine Heils­bot­schaft. Dafür erdulde ich Lei­den, ja Fes­seln wie ein Ver­bre­cher.“ „Diese Auf­er­we­ckung ist durch die Macht und Kraft des himm­li­schen Vaters gesche­hen“, schreibt Pau­lus im Brief an die Ephe­ser. „Diese Macht hat Gott an Chris­tus kund­ge­tan, da er ihn von den Toten erweckte und zu sei­ner Rech­ten im Him­mel setzte. Dort thront er nun über alle Herr­schaft, Macht und Gewalt.“ Die bedeu­tendste Stelle frei­lich ist im 15. Kapi­tel des 1. Korin­ther­brie­fes zu fin­den. „Ich mache euch, Brü­der, auf­merk­sam auf die Heils­bot­schaft, die ich euch ver­kün­det habe, die ihr ange­nom­men habt, in der ihr fest­steht. Durch sie wer­det ihr geret­tet, wenn ihr sie genau so fest­hal­tet, wie ich euch ver­kün­det habe; sonst hät­tet ihr ja ver­ge­bens geglaubt. Ich habe euch näm­lich vor allem vor­ge­tra­gen, was auch ich selbst über­kom­men habe, näm­lich daß Chris­tus für unsere Sün­den gestor­ben ist gemäß der Schrift, daß er begra­ben wor­den und am drit­ten Tage wie­der auf­er­stan­den ist gemäß der Schrift.“

Der Inhalt des Auf­er­ste­hungs­glau­bens der Urge­meinde läßt sich in drei Sät­zen zusam­men­fas­sen, näm­lich ers­tens: Der gestor­bene Herr ist wahr­haft zum Leben erweckt wor­den. Die­ses Ereig­nis ist ein ebenso geschicht­li­ches Ereig­nis wie sein Tod und sein Ver­brin­gen in das Grab. Die Rede von der Auf­er­ste­hung ist nicht der Aus­druck für eine über­ge­schicht­li­che Wahr­heit, für die sie die Moder­nis­ten aus­ge­ben wol­len. Die Rede von der Auf­er­ste­hung ist auch nicht ein sym­bo­li­scher Aus­druck für den sich immer wie­der­ho­len­den Vor­gang des Lebens und des Ster­bens in der Natur. Nein, die Auf­er­ste­hung ist so real, so orts- und zeit­ge­bun­den wie der Tod und das Begräb­nis. Zwei­tens: Jesus ist leib­haf­tig auf­er­stan­den. Die Leib­haf­tig­keit wird unter­stri­chen, wenn in der Ver­kün­di­gung der Kir­che immer gesagt wird: „Er ist wahr­haft auf­er­stan­den.“ Also nicht bloß in einem sym­bo­li­schen, über­tra­ge­nen Sinne, son­dern in sei­ner Leib­haftg­keit. Die Zeu­gen beto­nen diese Leib­haf­tig­keit, wenn sie sagen, daß sie Jesus berührt haben, daß sie mit ihm geges­sen haben, daß sie mit ihm getrun­ken haben, daß sie mit ihm gewan­dert sind. Das alles kann man von einem Geist oder von einem Gespenst nicht sagen. Jesus ist leib­haf­tig vom Tode auf­er­weckt wor­den. Pau­lus ist beson­ders viel daran gele­gen, die Leib­haf­tig­keit der Auf­er­ste­hung in sei­nem 1. Korin­ther­brief zu beto­nen. In Korinth waren näm­lich Zwei­fel an der Auf­er­ste­hung des Flei­sches laut gewor­den. Und wie begeg­net Pau­lus die­sen Zwei­feln? Indem er auf einen hin­weist, der leib­haf­tig auf­er­stan­den ist, näm­lich Jesus Chris­tus. Der ganze Beweis im 15. Kapi­tel des 1. Korin­ther­brie­fes hinge in der Luft, wenn Pau­lus nicht der Über­zeu­gung wäre: Jesus ist wahr­haf­tig, leib­haf­tig auf­er­stan­den. Drit­tens: Die Leib­haf­tig­keit des Auf­er­stan­de­nen ist aber ver­schie­den von der irdi­schen Leib­haf­tig­keit. Er ist ein Ver­wan­del­ter. Gesät wird ein ver­wes­li­cher, schwa­cher, irdi­scher Leib; auf­er­weckt wird ein unver­wes­li­cher, herr­li­cher, himm­li­scher Leib. Die­ser Leib ver­mag durch geschlos­sene Türen zu gehen, plötz­lich zu erschei­nen und zu ver­schwin­den. Die Leib­haf­tig­keit des Auf­er­weck­ten ist ver­wan­delt. Das ist der Inhalt des neu­tes­ta­ment­li­chen Glau­bens an die Auf­er­ste­hung. Wie aber ist er ent­stan­den? – Der Glaube an die Auf­er­ste­hung des Herrn ruht auf zwei Säu­len,

1. auf dem lee­ren Grab,

2. auf den Erschei­nun­gen.

Jesus wurde nach sei­nem Tode vom Kreuze abge­nom­men und von Joseph von Ari­mat­häa, der sich den Leich­nam erbe­ten hatte, in ein in Stein gehaue­nes Grab ver­bracht. Er wurde also nicht, wie Goguel und andere behaup­ten, in eine all­ge­meine Ver­bre­cher­grube gewor­fen, nein, er wurde in ein bestimmte, loka­li­sier­ba­res Grab ver­bracht. Es ist das Grab des Joseph von Ari­mat­häa. Als aber am Mor­gen des ers­ten Wochen­ta­ges die Frauen zum Grabe kamen, stell­ten sie fest, daß das Grab geöff­net und der Leich­nam ver­schwun­den war. Das Grab war leer. Der Frauen bemäch­tigte sich das helle Ent­set­zen. Sie waren bestürzt und rat­los, sie stürm­ten zurück nach Jeru­sa­lem. Sie teil­ten ihre Beob­ach­tung den Apos­teln mit. Diese lie­fen hin­aus, zuerst Petrus und Johan­nes. Sie prüf­ten nach, was die Frauen berich­tet hat­ten, und stell­ten ihrer­seits fest: Das Grab war leer! Der Gekreu­zigte, der Begra­bene befand sich nicht mehr an der Stelle, wo man ihn zur Ruhe gebet­tet hatte. Das leere Grab weckte den Glau­ben an die Auf­er­ste­hung nicht. Die Apos­tel waren bestürzt, sie waren rat­los. Sie wuß­ten keine Erklä­rung. Es mußte etwas ande­res dazu kom­men, um sie gewiß zu machen, daß der Tote nicht bloß irgendwo anders hin ver­bracht wor­den sei, son­dern daß er zur Herr­lich­keit des Vaters erhöht wor­den war. Die­ses andere waren die Erschei­nun­gen. Sie sind des­we­gen der Haupt­ge­gen­stand des Angrif­fes der Ungläu­bi­gen, auch der ungläu­bi­gen Theo­lo­gen.

Gegen die Wirk­lich­keit der Erschei­nun­gen wer­den meh­rere Ein­wände vor­ge­bracht. Man sagt, es seien Hal­lu­zi­na­tio­nen, also Ein­bil­dun­gen ohne rea­len äuße­ren Reiz gewe­sen; der Auf­er­ste­hungs­glaube, die Auf­er­ste­hungs­hoff­nung, die Auf­er­ste­hungs­be­geis­te­rung habe diese Hal­lu­zi­na­tio­nen her­vor­ge­bracht, und auf diese Weise seien die Jün­ger zu dem Glau­ben gekom­men, Jesus sei wirk­lich auf­er­weckt wor­den. Wir müs­sen auf diese Vor­würfe ant­wor­ten.

Wenn wir die Psy­che der Apos­tel betrach­ten, dann müs­sen wir sagen: Sie waren nüch­terne Män­ner aus dem Volke, abge­här­tet in See­stür­men und in der Arbeit in der freien, fri­schen Luft. Es waren keine ver­stie­ge­nen Phan­tas­ten, keine Spin­ner, die sich leicht etwas ein­bil­den. Sie waren nicht emp­fäng­lich für Hal­lu­zi­na­tio­nen. Es waren auch Män­ner von ganz ver­schie­de­ner Vor­bil­dung und Geis­tes­art. Sie waren für grup­pen­psy­cho­lo­gi­sche und grup­pen­dy­na­mi­sche Gescheh­nisse nicht emp­fäng­lich. Diese Män­ner waren kein geeig­ne­tes Sub­jekt, um Hal­lu­zi­na­tio­nen aus dem Inne­ren her­vor­zu­trei­ben.

Als die Erschei­nun­gen gescha­hen, haben sich die Apos­tel ganz anders ver­hal­ten, als sich die Men­schen bei Hal­lu­zi­na­tio­nen ver­hal­ten. Bei Hal­lu­zi­na­tio­nen, die aus dem Inne­ren kom­men, voll­zieht sich fol­gen­der Vor­gang: Die Men­schen haben Emp­fin­dun­gen, daß sich etwas ereig­net, daß sie etwas sehen, daß sie etwas spü­ren, und sie wer­den davon über­wäl­tigt. Und erst, wenn sie dann zu sich kom­men, prü­fen sie nach: Was war das eigent­lich? Habe ich mich getäuscht, oder war das eine wirk­li­che Bege­ben­heit außer­halb von mir? Ganz anders bei den Erschei­nun­gen des Auf­er­stan­de­nen. Hier wer­den die Apos­tel und die Emp­fän­ger der Erschei­nun­gen nicht über­wäl­tigt, son­dern sie sehen zunächst etwas ganz ande­res. Als Magda­lena die Erschei­nung des Auf­er­stan­de­nen hat, da meint sie, es sei der Gärt­ner. Die Emmaus-Jün­ger tref­fen einen Wan­de­rer; ihre Augen sind gehal­ten. Sie ver­mö­gen ihn nicht als den Herrn zu erken­nen. Die elf Apos­tel am Oster­abend mei­nen, es sei ein Gespenst, das vor ihnen steht, ein Geist. Und die Jün­ger beim rei­chen Fisch­fang wer­den erst beim Genuß des Fisches gewahr, daß der Herr es ist, der ihnen hier erschie­nen ist. Also ganz anders als bei Hal­lu­zi­na­tio­nen. Die Zeu­gen der Erschei­nun­gen des Auf­er­stan­de­nen sehen zuerst etwas ande­res, und dann prü­fen sie nach; und erst die Nach­prü­fung, erst die Kri­tik an dem, was sie sehen, über­zeugt sie davon, daß es der Herr ist. Diese kri­ti­sche Prü­fung schließt eine psy­cho­gene Ent­ste­hung der Erschei­nun­gen aus.

Wenn die Erschei­nun­gen sub­jek­tive Visio­nen wären, dann müß­ten sie sich unbe­grenzt fort­set­zen. Wer immer den Glau­ben und die Begeis­te­rung hat, der müßte sol­che Hal­lu­zi­na­tio­nen erzeu­gen kön­nen. Ganz anders die Erschei­nun­gen des Herrn. Sie set­zen ein und bre­chen ab. Nach vier­zig Tagen sind sie been­det. Sie sind des­we­gen been­det, weil sie von außen kamen. Eben nicht die Begeis­te­rung, eben nicht der Glaube, eben nicht die Hoff­nung hat sie her­vor­ge­trie­ben, son­dern äußere Ein­wir­kun­gen haben die Zeu­gen davon über­zeugt, daß ihnen hier jemand erscheint, der kein ande­rer ist als der auf­er­weckte Herr und Hei­land.

Die Ungläu­bi­gen sagen: Die Begeis­te­rung, der Glaube, die Hoff­nung bezüg­lich Jesus und sei­nes Wei­ter­le­bens haben die Visio­nen her­vor­ge­trie­ben. Aber, meine lie­ben Freunde, wie ist denn diese Begeis­te­rung, wie ist denn die­ser Glaube ent­stan­den? Hier wird das, was bewie­sen wer­den soll, vor­aus­ge­setzt. Der Glaube war zusam­men­ge­bro­chen. Der Glaube war den Apos­teln durch die Ereig­nisse des Kar­frei­tags erschüt­tert wor­den. Aus die­sem erschüt­ter­ten und zer­trüm­mer­ten Glau­ben konn­ten sub­jek­tive Visio­nen gar nicht her­vor­ge­hen. In ihrem Inne­ren waren sie ver­stört, und sie waren klein­mü­tig und ver­zagt, sie waren depri­miert. Ja, wie soll­ten sol­che Män­ner einen sieg­haf­ten Glau­ben an Chris­tus, den Auf­er­stan­de­nen, gewin­nen, ohne daß etwas von außen und von oben ihnen wider­fah­ren wäre? Ihre ganze Ver­fas­sung läßt nicht zu, daß ihr angeb­li­cher Auf­er­ste­hungs­glaube die Visio­nen erzeugt habe. Dazu hätte es einer lan­gen Zeit bedurft, und die steht nicht zur Ver­fü­gung. Denn am drit­ten Tage ist der Oster­glaube da. Er ist da, weil er von außen und von oben in ihnen auf­er­baut wurde. Nicht der mäch­tige Ein­druck, den Jesus bei ihnen zu Leb­zei­ten hin­ter­las­sen hatte, hat die Auf­er­ste­hungs­hoff­nung her­vor­ge­trie­ben, son­dern allein die Begeg­nung mit dem auf­er­weck­ten Herrn und Hei­land hat sie von der Rea­li­tät der gesche­he­nen Auf­er­ste­hung über­zeugt.

Jesus ist der Leben­dige, weil er durch die Macht des Vaters vom Tode auf­er­weckt wor­den ist. Er hat in sei­nem irdi­schen Leben und nach sei­ner Auf­er­ste­hung den Jün­gern Wei­sun­gen und Leh­ren ver­mit­telt über das Reich Got­tes. Er hat ihnen die Froh­bot­schaft geschenkt und die Wege des Heils gewie­sen. Die ent­schei­dende Frage, die wir uns hier stel­len müs­sen, ist: Ist die Bot­schaft Jesu ein Irr­licht, das die Men­schen blen­det? Ist sie der Traum eines bemit­lei­dens­wer­ten Schwär­mers? Ist sie das Werk der Anma­ßung eines gewis­sen­lo­sen Aben­teu­rers? Die Ant­wort kann nur lau­ten: Jesus Chris­tus ist gekom­men und hat gehan­delt in der Voll­macht und im Auf­trag des himm­li­schen Vaters. Jesus war mäch­tig in Wort und Tat vor Gott und den Men­schen. Gott hat ihn beglau­bigt durch Mach­ter­weise, Wun­der und Zei­chen. Er hat vor allem das große, das Rie­sen­wun­der des Jonas gewirkt zu sei­ner Legi­ti­ma­tion, näm­lich die Auf­er­we­ckung aus dem Grabe.

Jesus Chris­tus ist der Stein, den die Bau­leute ver­wor­fen haben, der aber zum Eck­stein gewor­den ist. In ihm allein ist Heil.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die Auf­er­we­ckung – Glaube der Urkir­che – Kern­punkt des Glau­bens - www.Glaubenswahrheit.org“

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