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Die Gottesmutterschaft Mariens

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Gott hätte die Ver­ei­ni­gung sei­nes Soh­nes, des Logos, mit einer mensch­li­chen Natur auf man­nig­fa­che Weise bewerk­stel­li­gen kön­nen. Er wählte den Weg, daß der Logos als Glied in der Reihe der Men­schen, in der Kette der Men­schen in die Welt ein­trat. Er wählte eine mensch­li­che Mut­ter aus, die dem Logos die mensch­li­che Natur zur Ver­fü­gung stel­len sollte. Maria hat Jesus gebo­ren, Jesus aber ist der Sohn Got­tes. Des­we­gen ist Maria Got­tes­ge­bä­re­rin, Got­tes­mut­ter. Auf dem Kon­zil zu Ephe­sus im Jahre 431 wurde der Satz ange­nom­men: „Wer nicht bekennt, daß der Ema­nuel in Wahr­heit Gott und die hei­lige Jung­frau des­halb Got­tes­ge­bä­re­rin ist, weil sie das fleisch­ge­wor­dene, aus Gott ent­stammte Wort, dem Flei­sche nach gebo­ren hat, der sei aus­ge­schlos­sen.“ Und 20 Jahre spä­ter hat das Kon­zil von Chal­ce­don beschlos­sen: „Vor aller Zeit wurde er aus dem Vater gezeugt sei­ner Gott­heit nach, in den letz­ten Tagen aber wurde der­selbe für uns und um unse­res Hei­les wil­len aus Maria der Jung­frau, der Got­tes­ge­bä­re­rin, der Mensch­heit nach gebo­ren.“

Die Evan­ge­lien ent­hal­ten zwei Berichte über die Geburt Jesu und über die Got­tes­mut­ter­schaft Mari­ens. Im Luka­sevan­ge­lium und im Matt­häu­sevan­ge­lium ist davon die Rede. Das Luka­sevan­ge­lium haben wir ja in der Vor­be­rei­tung auf Weih­nach­ten oft gehört. Der Engel bringt die Bot­schaft zu Maria: „Du sollst gebä­ren, und du sollst dei­nem Sohne den Namen Jesus geben. Du sollst emp­fan­gen und einen Sohn gebä­ren.“ Die Frage Mari­ens, wie das gesche­hen solle, beant­wor­tet der Engel: „Der Hei­lige Geist wird über dich kom­men, und die Kraft des Aller­höchs­ten wird dich über­schat­ten.“ Und dann das Ein­ge­ständ­nis und die Ein­wil­li­gung Mari­ens: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach dei­nem Worte.“ So im Luka­sevan­ge­lium. Im Matt­häu­sevan­ge­lium ähn­lich. Es wird vor allem von Josef berich­tet, der eben fand, daß Maria bereits emp­fan­gen hatte und dann von Zwei­feln ange­rührt wurde. Aber er emp­fing eine gött­li­che Bot­schaft. „Scheue dich nicht, Maria, dein ange­trau­tes Weib, zu dir zu neh­men. Was in ihr ent­stan­den ist, das stammt vom Hei­li­gen Geist.“ Also auch hier die genaue Par­al­lele zum Luka­sevan­ge­lium. Maria ist Mut­ter gewor­den durch die Wirk­sam­keit einer gött­li­chen Kraft.

Nun ist es merk­wür­dig, meine lie­ben Freunde, daß es in allen Evan­ge­lien keine Stelle gibt, an der Jesus Maria seine Mut­ter nennt. Ist das nicht auf­fäl­lig? Bei der Hoch­zeit von Kana sagt er, als die Mut­ter ihn bit­tet, für Wein zu sor­gen: „Frau, was habe ich mit dir zu tun? Meine Stunde ist noch nicht gekom­men.“ Das klingt abwei­send, das klingt hart. Jeder­mann erwar­tet, daß er sagt „Mut­ter“, aber nein, er sagt „Frau“. Der Grund für diese Rede­weise ist zwei­fel­los darin gele­gen, daß er sein Leben nicht bestimmt sieht von sei­ner irdi­schen Mut­ter, son­dern von sei­nem himm­li­schen Vater. Wann seine Stunde kommt, das bestimmt der Vater; das kann seine Mut­ter nicht beschleu­ni­gen und nicht her­bei­füh­ren. Des­we­gen diese uns befremd­lich erschei­nende Rede­weise: „Frau, was habe ich mit dir zu schaf­fen?“ Sein Leben folgt dem Stun­den­schlag, den der Vater bestimmt. Und bei einer ande­ren Bege­ben­heit wird berich­tet, daß Jesus in einem Hause war mit einem Hofe, wo die Zuhö­rer sei­ner Rede saßen, und dann kom­men seine Mut­ter und seine Ver­wand­ten, die man Brü­der nannte. Es wird ihm gemel­det: „Drau­ßen ste­hen deine Mut­ter und deine Brü­der.“ Und was sagt der Herr? „Wer ist meine Mut­ter und wer sind meine Brü­der?“ Dann schaut er auf die, die um ihn her­um­sit­zen und sagt: „Siehe da, meine Mut­ter und meine Brü­der. Wer den Wil­len mei­nes Vater im Him­mel tut, der ist mir Bru­der, Schwes­ter und Mut­ter.“ Auch hier wie­der eine befremd­li­che Weise. Wie kann er fra­gen, wer seine Mut­ter ist? Das kann er nur dann fra­gen, wenn er in ande­ren Bin­dun­gen steht als in den fleisch­li­chen, als in den Abstam­mungs­ver­hält­nis­sen. Er ist eben der gott­ge­sandte Mes­sias, und als sol­cher bil­det er eine neue Gemeinde, und das sind sol­che, die den Wil­len Got­tes tun, die um ihn her­um­sit­zen. Das sind seine wah­ren Ver­wand­ten. Die fleisch­li­che Ver­wandt­schaft spielt jetzt keine Rolle mehr in die­sem neuen Ver­bund, den er nach Got­tes Wil­len schafft. Er erschafft eine neue Gemein­schaft, und diese Gemein­schaft nimmt ihren Anfang bei denen, die um ihn her­um­sit­zen, bereit, den Wil­len Got­tes zu tun. Und schließ­lich, auch in der letz­ten Stunde sei­nes irdi­schen Lebens sagt er nicht „Mut­ter“, son­dern er sagt „Frau“. Er sagt zu Johan­nes: „Siehe da, deine Mut­ter!“ Und zu sei­ner Mut­ter sagt er: „Frau, siehe da dei­nen Sohn!“ Auch dadurch wird noch ein­mal bekun­det: Der hier stirbt, ist nicht bloß der Sohn Mari­ens, der hier stirbt und lei­det, das ist der Welt­er­lö­ser, das ist eine Amts­per­son, das ist der­je­nige, den der Vater im Him­mel bestimmt hat, um sein Volk von sei­nen Sün­den zu erlö­sen.

Daß Jesus tat­säch­lich innig und inner­lich mit Maria ver­bun­den war, das zeigt eine andere Stelle des Evan­ge­li­ums. Ein­mal war er mit­ten unter der Menge, und da rief eine Frau: „Selig der Leib, der dich getra­gen, und die Brust, die dich genährt hat.“ Das ist natür­lich seine Mut­ter. Und da bestä­tigt er die­ses Lob und gibt auch den Grund dafür an: „Ja“, sagt er, „selig die, die das Wort Got­tes hören und es bewah­ren.“ Und eine davon ist seine Mut­ter. Sie hat das Wort Got­tes gehört und bewahrt, wie uns ja der Evan­ge­list Lukas an zwei Stel­len berich­tet.

Maria und Jesus gehö­ren also innig zusam­men wie Mut­ter und Sohn. Die Got­tes­mut­ter­schaft sichert Maria ihre hohe Würde. Sie war selige Pforte dem himm­li­schen Worte, und das ist der Grund, wes­we­gen der Engel und Eli­sa­beth zu ihr sagen: „Du bist gebe­ne­deit unter den Frauen.“ Das heißt, du bist geseg­net vor allen Frauen, geseg­net, weil aus­er­wählt, dem Logos, der zwei­ten Per­son in Gott, den Weg in diese Welt zu bah­nen. Und weil diese Würde so groß ist, des­w­gen kann Maria in pro­phe­ti­scher Weise sagen: „Selig wer­den mich prei­sen alle Geschlech­ter.“ Sie weiß, was jetzt kom­men wird. Es muß so kom­men, denn die Gläu­bi­gen, die Chris­ten kön­nen nicht anders als die hohe Würde Mari­ens aner­ken­nen und sie dem­ent­spre­chend prei­sen. Seit­dem müs­sen die Christ­gläu­bi­gen Maria ver­herr­li­chen, denn anders wür­den sie sich gegen die Wahr­heit und Wirk­lich­keit die­ser erha­be­nen Per­sön­lich­keit ver­feh­len. Seit­dem sin­gen wir in unse­ren Kir­chen­lie­dern: „Erha­bene Mut­ter, die den Herrn gebar, durch dich steht uns der Weg zum Him­mel offen. O Mee­r­ess­tern, führ' du der Gläu­bi­gen Schar, die in dem Kampf auf dei­nen Bei­stand hof­fen. Du, die so hohes Wun­der dem gebar, durch den du selbst und alle Welt ent­stan­den, du, die als Mut­ter selbst noch Jung­frau war, befrei' uns Arme von der Sünde Ban­den.“

Mut­ter und Sohn gehö­ren zusam­men, und was Gott ver­bun­den hat, das darf der Mensch nicht tren­nen. Immer dann, meine lie­ben Freunde, immer dann, wenn Theo­lo­gen und wenn Abspal­tun­gen von der katho­li­schen Kir­che ver­su­chen, die Mut­ter­got­tes in den Schat­ten zu stel­len, immer dann ver­dun­keln sie den Ruhm ihres Soh­nes. Man kann bei­des nicht tren­nen, man kann bei­des nur zusam­men haben oder bei­des zusam­men ver­lie­ren. Das älteste Mari­en­bild, das wir ken­nen, ist in Rom in der Pri­scilla-Kata­kombe zu sehen. Es stammt aus dem Anfang des 2. Jahr­hun­derts. Und was zeigt die­ses älteste Mari­en­bild? Es zeigt die Mut­ter mit dem Kinde. Was so zusam­men­ge­hört wie Mut­ter und Kind, das muß auch bei­sam­men blei­ben.

Die Ver­bin­dung Mari­ens mit ihrem Kinde wird durch nichts deut­li­cher aus­ge­drückt als durch den Aus­druck Got­tes­mut­ter oder Got­tes­ge­bä­re­rin. Warum? Wer eine Got­tesmut­ter bekennt, der bekennt die wahre Gott­heit ihres Soh­nes, und wer eine Got­tesmut­ter bekennt, der bekennt die wahre Mensch­heit ihres Kin­des. Also in dem Aus­druck Got­tes­mut­ter ist die Wirk­lich­keit Jesu in einer wun­der­ba­ren Weise ein­ge­fan­gen. Der Aus­druck ver­hü­tet, daß man Jesus zu einem Traum­we­sen ver­un­stal­tet. Jesus ist eine wahre geschicht­li­che Per­son, weil er eine irdi­sche Mut­ter hat. Er ist kein Mythos, er ist keine phan­tas­ti­sche Ent­stel­lung, er ist kein Traum­ge­bilde der mensch­li­chen Sehn­sucht, er ist der wirk­li­che und wahr­haf­tige Mensch, als der er durchs Leben ging. Aber er ist mehr als ein Mensch. Maria hat nicht bloß den Jesus gebo­ren, sie hat den Chris­tus, sie hat den Got­tes­sohn gebo­ren. Vom ers­ten Augen­blick sei­nes Daseins an war die mensch­li­che Natur mit dem Ich des Logos ver­bun­den, und des­we­gen kann man, muß man sagen: Maria ist Got­tes­ge­bä­re­rin. Es ist falsch zu mei­nen, man hätte genug getan, wenn man Maria Chris­tus­ge­bä­re­rin nennt. Dann bleibt immer noch die Frage offen: Ja, wer ist denn der Chris­tus? Nein, man muß sagen: Sie ist die Got­tes­ge­bä­re­rin. Sie hat den Logos gebo­ren, der aus ihr Fleisch ange­nom­men hat.

Weil Maria die Mut­ter Jesu ist, ist sie auch unsere Mut­ter, denn Jesus ist der erste von vie­len Brü­dern. Er macht alle die, die zu ihm kom­men, zu sei­nen Brü­dern, zu sei­nen Geschwis­tern, und weil er Maria zur Mut­ter hat, wer­den wir damit auch ohne wei­te­res Kin­der Mari­ens. Außer­dem hat er seine Mut­ter allen Gläu­bi­gen gege­ben. Wenn er am Kreuze sagt: „Johan­nes, siehe da deine Mut­ter!“ dann ist das Wort zu Johan­nes als dem Ver­tre­ter der gläu­bi­gen Mensch­heit gespro­chen, nicht bloß zu sei­ner eige­nen Per­sön­lich­keit, son­dern er ist der Ver­tre­ter der Mensch­heit. Und alle, die zu die­ser erlös­ten Mensch­heit gehö­ren, erhal­ten in die­sem Augen­blick Maria als Mut­ter. Und die­ser Mut­ter strömt das Ver­trauen ent­ge­gen, die­ser Mut­ter wei­hen die Chris­ten ihre Lie­der und ihre Gebete. Sechs­mal in jeder hei­li­gen Messe, in unse­rer hei­li­gen Messe, erwäh­nen wir Maria. Wir Pries­ter schlie­ßen jedes Bre­vier­ge­bet mit einem Gruß an Maria ab. Jeder Sams­tag ist der Mut­ter­got­tes geweiht. Die Monate Mai und Okto­ber sind in beson­de­rer Weise der Mut­ter­got­tes geschenkt. Das Mari­en­lob darf nicht ver­stum­men, wenn immer die Kir­che ihrem Herrn treu blei­ben will. Und die Sehn­sucht zur Mut­ter, das Ver­trauen zur Mut­ter, das darf eben­so­we­nig ster­ben wie der Glaube an ihre Got­tes­mut­ter­schaft.

Vor einer Reihe von Jah­ren, meine lie­ben Freunde, starb in Ber­lin ein Sän­ger der Staats­oper. Ein Kol­lege kam zu einem katho­li­schen Pries­ter und sagte: „Kön­nen Sie nicht eine hei­lige Messe für ihn lesen? Er war zwar Pro­tes­tant, aber lesen Sie doch eine hei­lige Messe für seine See­len­ruhe.“ Der Pries­ter ver­sprach es. Nach drei Wochen kam der Mann wie­der und sagte: „Ich war am Grabe mei­nes Kol­le­gen und traf seine Mut­ter und seine Schwes­ter. Sie haben mir erzählt, wie seine letz­ten Stun­den ver­lau­fen sind. Er lag im Kran­ken­haus der Domi­ni­ka­ne­rin­nen in Ber­lin. Um 10 Uhr des Mor­gens nahm er Abschied von Mut­ter und Schwes­ter, dann sprach er kein Wort mehr. Als es aber um 12 Uhr zum Engel des Herrn läu­tete, da wurde er noch ein­mal wach, und da erhob er die Arme, als ob er ein Glocken­seil betä­ti­gen wollte zum Läu­ten. Und da sang er aus dem Trou­ba­dour von Verdi das „Ave Maria“. Und als er die letz­ten Worte gespro­chen hatte, da sank er um, und dann war er tot. Seine letz­ten Worte waren: „Hei­lige Maria, Mut­ter Got­tes, bitte für uns arme Sün­der, jetzt und in der Stunde unse­res Ster­bens.“

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die Gottesmutterschaft Mariens www.Glaubenswahrheit.org"

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