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Die immerwährende Jungfrauschaft Mariens

Durch die Geburt von einer irdi­schen Mut­ter steht Jesus in der Geschlechter­folge der Men­schen. Aber er ist nicht rest­los ein­ge­spannt in diese Geschlechter­folge, denn er wurde gebo­ren, ohne daß ein irdi­scher Vater bei sei­nem Ent­ste­hen mit­ge­wirkt hätte. Maria ist Jung­frau vor der Geburt, in der Geburt und nach der Geburt. In der Hei­li­gen Schrift ist davon die Rede, daß die Kraft Got­tes über sie kommt und das bewirkt, was in ande­ren Fäl­len das männ­li­che Prin­zip schafft. Maria trägt das bei, was eine jede Mut­ter bei­trägt, aber das, was ein Mann nor­ma­ler­weise bei der Ent­ste­hung eines Men­schen zu tun hat, das wird ersetzt durch die Kraft Got­tes.

Maria ist jung­fräu­lich geblie­ben. Sie ist die immer­wäh­rende Jung­frau. Nicht nur also vor der Emp­fäng­nis Jesu, son­dern auch in der Emp­fäng­nis und nach der Emp­fäng­nis, wäh­rend ihres gan­zen irdi­schen Lebens ist sie Jung­frau geblie­ben. Die Jung­fräu­lich­keit schließt drei Tat­sa­chen in sich, ers­tens, daß Maria leib­lich unver­sehrt geblie­ben ist, zwei­tens, daß sie frei ist von jeder Sünde gegen die Keusch­heit und drit­tens, daß sie frei ist von der unge­ord­ne­ten Begier­lich­keit.

Das ist der Inhalt ihrer Jung­fräu­lich­keit: leib­li­che Unver­sehrt­heit, Frei­heit von der Sünde, von jeder Sünde, spe­zi­ell von der Sünde gegen die Keusch­heit und Frei­heit von der unge­ord­ne­ten Begier­lich­keit, die den Ver­stand über­wäl­tigt oder der Über­le­gung der Ver­nunft vor­aus­geht.

Die leib­li­che Unver­sehrt­heit ist Aus­druck und Grund­lage der see­li­schen Unver­sehrt­heit. Maria hat als Jung­frau emp­fan­gen, sie hat als Jung­frau gebo­ren, sie hat nach der Geburt Jesu nie­mals fleisch­li­chen Umgang mit einem Manne gehabt. Das ist der Inhalt ihrer Jung­fräu­lich­keit. Dazu hat sich die Kir­che in ihren Lehr­ur­kun­den bekannt, z.B. auf dem Kon­zil zu Ephe­sus: „Wer nicht mit den hei­li­gen Vätern im eigent­li­chen und wah­ren Sinne die hei­lige und immer jung­fräu­li­che und unbe­fleckte Maria als Got­tes­ge­bä­re­rin bekennt, da sie eigent­lich und wahr­haft das gött­li­che Wort selbst vom Hei­li­gen Geist ohne Samen emp­fan­gen und unver­sehrt gebo­ren hat, indem unver­letzt blieb ihre Jung­frau­schaft auch nach der Geburt, der sei aus­ge­schlos­sen.“ Oder das 11. Kon­zil zu Toledo in Spa­nien: „Von ihr ist Chris­tus in einer neuen Ord­nung und mit einer neuen Geburt gebo­ren wor­den. In einer neuen Ord­nung, weil der durch seine Gott­heit Unsicht­bare sicht­bar im Flei­sche erschie­nen ist; in einer neuen Geburt, weil unbe­rührt die Jung­frau­schaft, die das Bei­la­ger eines Man­nes nicht kannte, ihm in ihrem durch die Erschaf­fung des Hei­li­gen Geis­tes frucht­bar gewor­de­nen Schoß einen Leib berei­tet hat. Diese Jung­frau­en­geburt kann mit natür­li­chem Ver­stand nicht begrif­fen wer­den und steht ohne Bei­spiel da. Könnte man sie begrei­fen, wäre sie nicht wun­der­bar. Könnte man noch ein ande­res Bei­spiel anfüh­ren, wäre sie nicht ein­zig daste­hend. Zwar hat Maria durch die Über­schat­tung des Hei­li­gen Geis­tes emp­fan­gen, doch darf man des­we­gen nicht glau­ben, daß der Hei­lige Geist der Vater des Soh­nes sei, als ob wir zwei Väter des Soh­nes annäh­men, was zu sagen ganz ver­werf­lich wäre.“

Gegen diese Glau­bens­wahr­heit, meine lie­ben Freunde, stürmt der Unglaube an. Im Pro­tes­tan­tis­mus ist die Jung­fräu­lich­keit Mari­ens, von weni­gen alt­gläu­bi­gen Krei­sen abge­se­hen, auf­ge­ge­ben. Aber diese Ungläu­big­keit macht sich jetzt auch im katho­li­schen Bereich gel­tend. Eine Wort­füh­re­rin ist die frü­her als katho­li­sche Theo­lo­gin leh­rende Frau Uta Ranke-Hei­ne­mann. Sie steht an der Spitze derer, die die Jung­frau­schaft Mari­ens leug­nen, und sie mußte des­we­gen von ihrem Lehr­stuhl ent­fernt wer­den. Der Bischof von Essen hat angeb­lich 6000 Briefe von Gläu­bi­gen emp­fan­gen, die sich gegen die Irr­leh­ren die­ser Frau gewandt haben. Da ist das katho­li­sche Bewußt­sein auf­ge­stan­den gegen die fal­sche Lehre aus dem Munde einer beam­te­ten Theo­lo­gin. Ich will jetzt im Fol­gen­den die fünf Ein­wände vor­füh­ren, die gegen die Jung­frau­schaft vom Unglau­ben gel­tend gemacht wer­den, fünf Ein­wände.

Der erste Ein­wand: Man sagt, die Lehre von der Jung­fräu­lich­keit Mari­ens sei spä­ter in die Hei­lige Schrift ein­ge­tra­gen wor­den. Ursprüng­lich habe die Hei­lige Schrift davon nichts gewußt. Die Tex­trol­len, also die Hand­schrif­ten, wel­che uns die Bibel über­lie­fern, ent­hal­ten ohne Aus­nahme den Text, in dem Maria als Jung­frau gelehrt wird. Ohne Aus­nahme bezeu­gen sie, daß Josef nicht der wirk­li­che, son­dern nur der Pfle­ge­va­ter Jesu war. Auch der Zusam­men­hang läßt gar kei­nen Zwei­fel daran, daß Maria als Jung­frau gebo­ren hat. Es wird näm­lich auf die jung­fräu­li­che Emp­fäng­nis Mari­ens damit hin­ge­wie­sen, daß gezeigt wird: Es ist ein wun­der­ba­res Begeb­nis auch bei einer Ver­wand­ten gesche­hen, bei Eli­sa­beth. Zwar ist das Wun­der bei Eli­sa­beth ande­rer Art, aber in jedem Falle besteht etwas Unge­wöhn­li­ches in der Emp­fäng­nis Mari­ens wie in der Emp­fäng­nis der Eli­sa­beth, und das Unge­wöhn­li­che in der Emp­fäng­nis Mari­ens ist eben ihre Jung­fräu­lich­keit, daß sie ohne ein männ­li­ches Prin­zip einen Sohn emp­fan­gen hat und daß sie Josef nur als gesetz­li­chen Vater und als Gat­ten vor dem Gesetz neben sich hatte.

Der zweite Ein­wand macht sich zunutze, daß die Stamm­bäume alle über Josef zu Jesus füh­ren. Die Stamm­bäume wer­den im Lukas- und im Matt­häu­sevan­ge­lium ange­führt, sie bezeu­gen die Abstam­mung Jesu. Da ist immer der letzte Pos­ten Josef. Ja, sagt man, da sieht man ja. Was haben die Stamm­bäume für einen Sinn, wenn Josef nicht der bio­lo­gi­sche Vater Jesu ist? Sie haben einen tie­fen Sinn, wenn Josef nicht der bio­lo­gi­sche Vater Jesu ist, denn er ist dann der gesetz­li­che Vater, und wer einen gesetz­li­chen Vater hat, der bekommt nach jüdi­schem Recht die Ahnen die­ses gesetz­li­chen Vaters zu sei­nen eige­nen Ahnen. Weil also Josef der gesetz­li­che Vater Jesu war, sind seine Vor­fah­ren auch die Vor­fah­ren Jesu, und auf diese Weise stammt Jesus aus dem Stamme David. Die Davidabstam­mung wird auch durch den gesetz­li­chen Vater Josef bewirkt.

Man weist an drit­ter Stelle dar­auf hin, daß im Evan­ge­lium mehr­fach die Stimme des Volkes berich­tet wird: „Ist das nicht der Sohn des Josef? Ist das nicht des Zim­mer­manns Sohn?“ Da sieht man es ja, daß er von den Leu­ten für den Sohn Josefs gehal­ten wurde. Ja natür­lich, selbst­ver­ständ­lich wurde er das. Aber die Evan­ge­lis­ten berich­ten das ohne jeden Umschweif und ohne jedes Ver­ber­gen, weil sie eben über­zeugt waren, daß diese Volks­mei­nung falsch ist. Wie soll­ten die Leute anders als nach dem Augen­schein urtei­len, und der führte eben dahin, daß Josef der Vater Jesu war. Und das war auch not­wen­dig, damit nicht Maria als Ehe­bre­che­rin oder als sol­che, die sich mit Män­nern ein­ge­las­sen hat, ver­däch­tigt würde. Es war not­wen­dig, daß Josef als der gehal­ten wurde, der der Mann Mari­ens und der Vater Jesu ist. Aber das ist eine fal­sche Volks­mei­nung.

Der vierte Ein­wand knüpft an an eine Ver­hei­ßungs­stelle aus dem Alten Tes­ta­ment. Im Buch des Pro­phe­ten Isaias gibt es eine berühmte Stelle, die wir in der Advents­zeit immer lesen: „Siehe, die Jung­frau wird emp­fan­gen und einen Sohn gebä­ren, und sie wird ihn Ema­nuel nen­nen.“ Aha, sagen die Ver­tre­ter des Unglau­bens, die paläs­ti­nen­si­schen Chris­ten, die Juden­chris­ten in Paläs­tina haben diese Stelle gele­sen, und dann haben sie gefol­gert: Das muß in Jesus in Erfül­lung gegan­gen sein. Sie haben also aus der Weis­sa­gung Geschichte gemacht. Gegen diese Ein­wen­dung las­sen sich zwei Gegen­gründe anfüh­ren. Ers­tens haben die Juden zur Zeit Jesu diese Stelle nie­mals von einer jung­fräu­li­chen Emp­fäng­nis und Geburt ver­stan­den. Sie haben den Sinn die­ser Stelle über­haupt nicht begrif­fen. Und zwei­tens, der Evan­ge­list Matt­häus führt die Isaias-Stelle nicht an, um dar­aus die Jung­fräu­lich­keit der Geburt Jesu zu bewei­sen, son­dern er nimmt die Tat­sa­che der Geburt Jesu zum Anlaß, die Erfül­lung die­ser Ver­hei­ßung auf­zu­zei­gen. Weil er über­zeugt war und weil er wußte, daß Maria jung­fräu­lich emp­fan­gen und gebo­ren hat, konnte er die Schrift des Alten Bun­des im Lichte die­ser Tat­sa­che lesen, und da stieß er auf die Stelle Is 7.​14:​ Siehe, die Jung­frau wird emp­fan­gen...“ Das, was in Maria gesche­hen ist, ist also schon vor­her­ge­sagt wor­den. Es ist also genau umge­kehrt, als der Unglaube argu­men­tiert.

Der fünfte Ein­wand macht die hel­le­nis­ti­schen Chris­ten, also die aus dem Hei­den­tum zum Chris­ten­tum kamen, ver­ant­wort­lich für die Geschichte von der jung­fräu­li­chen Emp­fäng­nis Mari­ens. Die Ungläu­bi­gen sagen: Ja, im ägyp­ti­schen, baby­lo­ni­schen, grie­chi­schen Kul­tur­kreis ist oft die Rede von Göt­ter­müt­tern, daß sich also Göt­ter mit irdi­schen Frauen ver­bin­den und daß dar­aus dann gött­li­che Män­ner ent­ste­hen. So hat z.B. Zeus, der oberste Gott, viele Frauen gehabt, irdi­sche Frauen, mit denen er in Zeu­gung getre­ten ist. Berühmte Män­ner wie Plato, der König Alex­an­der, der Kai­ser Augus­tus wur­den als Erzeug­nis von einer Ver­mi­schung der Göt­ter mit Men­schen ange­se­hen, und das hat man dann eben auf Chris­tus über­tra­gen. So wie es in den Mytho­lo­gien der Ägyp­ter, Baby­lo­nier und Grie­chen erzählt wurde, so hat man es auch im Chris­ten­tum gemacht. Man hat Maria als irdi­sche Mut­ter und die Gott­heit zusam­men­ge­bracht, und dar­aus ist dann Jesus ent­stan­den.

Was ist zu die­sem reli­gi­ons­ge­schicht­li­chen Argu­ment zu sagen? Ers­tens, nie­mand in der alten Zeit hat die Erzäh­lun­gen vom Umgang der Göt­ter mit irdi­schen Frauen für Tat­sa­chen genom­men. Alle wuß­ten, daß das Phan­ta­sien, Träume, Ein­bil­dun­gen sind. Es war allent, die diese Dinge lasen, klar, daß das dich­te­ri­sche Ergüsse sind, aber keine geschicht­li­che Wirk­lich­keit. Wie sollte man also, was man da für Träume hielt, bei Jesus von Naza­reth für Geschichte aus­ge­ben? Das ist ganz aus­ge­schlos­sen, daß man hier als Wirk­lich­keit ansah, was dort dem Ser­vi­lis­mus der öst­li­chen Pro­vin­zen und der Schmei­che­lei der höfi­schen Rek­to­ren zuzu­schrei­ben war.

Der zweite Gegen­grund liegt darin, daß ein geschlecht­li­ches Zusam­men­kom­men von Göt­tern und Men­schen im Neuen Tes­ta­ment über­haupt aus­ge­schlos­sen ist. Das mag im baby­lo­ni­schen oder im grie­chi­schen Mythos so sein, daß sich ein Gott als Gold­re­gen oder als Wind oder sonst­wie einem Men­schen naht. Aber der Gott, den das Neue Tes­ta­ment bekennt, ist über alle Geschlecht­lich­keit erha­ben. Er ist ein rei­ner Geist; er ist, wenn man so sagen will, unfä­hig, über­haupt geschlecht­lich tätig zu wer­den, weil er nicht in geschlecht­li­che Kate­go­rien ein­zu­ord­nen ist. Es ist also ein ganz ande­res Got­tes­bild, das über­haupt nicht zu die­sen Mytho­lo­gien paßt, und das ist ein ent­schei­den­der Ein­wand dage­gen, daß man die Mytho­lo­gien auf das Gesche­hen von Naza­reth über­tra­gen haben könnte.

Und schließ­lich noch ein drit­ter Gegen­grund. Die Göt­ter­müt­ter in den Mytho­lo­gien leben in schwü­ler Sinn­lich­keit; sie wer­den gar nicht als Jung­frauen bezeich­net. Und wenn es doch ein­mal vor­kommt, z.B. bei Ischt­har und Aphro­dite, dann bedeu­tet der Titel Jung­frau nicht, daß sie unbe­rührt sei, son­dern er besagt, daß sie vie­len Göt­tern ange­hört, daß sie sich also allen Göt­tern zur hei­li­gen Hoch­zeit zur Ver­fü­gung stellt.

Ganz anders Maria. Sie steht in unge­trüb­ter Rein­heit vor uns, in abso­lu­ter jung­fräu­li­cher Keusch­heit. Nichts von Sinn­lich­keit, nichts von Geschlecht­lich­keit ist bei ihr aus­zu­ma­chen. Sie ist die reinste Jung­frau, die unbe­fleckte und die unver­sehrte Jung­frau.

Warum, meine lie­ben Freunde, habe ich Ihnen diese fünf Anwürfe und ihre Ent­kräf­tungso aus­führ­lich vor­ge­führt? Ja, wir müs­sen uns wapp­nen gegen die Angriffe. Wir müs­sen sicher wer­den im Glau­ben. Wenn der Glaube nicht fest steht, wenn wir unsi­cher sind und schwan­ken, dann kön­nen wir uns auch nicht weh­ren, dann kön­nen wir den Glau­ben auch nicht ver­tei­di­gen, und dann wer­den wir ihn auch nicht wei­ter­ge­ben kön­nen an die, die uns anver­traut sind. Es gibt Gründe, es gibt gute Gründe, es gibt bes­sere Gründe für unse­ren Glau­ben als für den Unglau­ben unse­rer Feinde. Und eines ist sicher: Wer die jung­fräu­li­che Mut­ter­schaft Mari­ens nicht zugibt, der tut das nicht aus wis­sen­schaft­li­chen Grün­den, son­dern aus welt­an­schau­li­chen Grün­den. Weil er ein Ein­grei­fen Got­tes in die Geschichte nicht für mög­lich hält, des­we­gen muß die jung­fräu­li­che Mut­ter­schaft Mari­ens fal­len. Wir dage­gen, die wir an den per­son­haf­ten, geschichts­mäch­ti­gen Gott glau­ben, der die Geschichte lenkt und der in die Geschichte ein­greift, wann immer es nach sei­nem hei­li­gen Wil­len erfor­der­lich ist, wir hal­ten fest daran, daß Maria immer­wäh­rende Jung­frau ist, zu der wir auf­schauen, die wir lie­ben und die wir anru­fen kön­nen.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die immerwährende Jungfrauschaft Mariens www.Glaubenswahrheit.org"

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