StartseiteJungfrau Maria - Gottesgebärerin

Die jungfräuliche Empfängnis

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

An den ver­gan­ge­nen Sonn­ta­gen haben wir uns klar­ge­macht, was es bedeu­tet, wenn wir beken­nen: Maria ist die immer­wäh­rende Jung­frau. Wir haben gese­hen, daß ihre Jung­frau­schaft drei Ele­mente in sich faßt, näm­lich die kör­per­li­che Unver­sehrt­heit, die Frei­heit von jeder Sünde gegen die Keusch­heit und die Frei­heit von der unge­ord­ne­ten Begier­lich­keit. Es blei­ben einige Fra­gen und Ein­wände zu beant­wor­ten.

Zunächst: Wel­ches ist das Wesen der leib­li­chen Unver­sehrt­heit Mari­ens? Diese Frage kön­nen wir nur mit einem „non liquet“ beant­wor­ten – wir wis­sen es nicht. Gott hat es uns nicht geof­fen­bart. Sie ist ein Geheim­nis, die leib­li­che Unver­sehrt­heit, so wie es die ganze Offen­ba­rung ist. Sie ist ein Wun­der der gött­li­chen All­macht, und man kann ver­su­chen, sachte ver­su­chen, durch Ver­glei­che in das Geheim­nis ein­zu­drin­gen. Die Kir­chen­vä­ter sagen: Die leib­li­che Unver­sehrt­heit Mari­ens kann man ver­glei­chen mit dem Durch­gang eines Licht­strah­les durch ein Prisma, durch ein Glas. Man kann die leib­li­che Unver­sehrt­heit ver­glei­chen mit dem Auf­er­ste­hungs­vor­gang, als der Herr durch Fel­sen und Fes­seln hin­durch­brach. Man kann die leib­li­che Unver­sehrt­heit auch ver­glei­chen mit sei­nem Gehen durch ver­schlos­sene Türen. Und letzt­lich noch kann man einen Ver­gleich wäh­len mit dem Ent­ste­hen eines Gedan­kens im Geiste. Aber das alles sind ferne Hin­weise, und wenn wir sie über­zie­hen wür­den, dann wür­den wir die Wirk­lich­keit der Emp­fäng­nis und die Wirk­lich­keit der Geburt Christi gefähr­den.

Eine zweite Frage ist: Warum ist der Logos, die zweite Per­son Got­tes, nicht in einer Fami­lie wie andere gebo­ren wor­den? Warum hat er nicht einen irdi­schen Vater, wie andere einen irdi­schen Vater haben? Dar­auf gibt es zwei fal­sche und vier rich­tige Ant­wor­ten. Die erste fal­sche Ant­wort lau­tet, es sei mit der Würde des Got­tes­soh­nes unver­träg­lich gewe­sen, daß er ins Leben trat, wie andere Men­schen ins Leben tre­ten. Eine sol­che Mei­nung ver­kennt die Würde der Ehe. Die Ehe ist eine Ein­rich­tung Got­tes. Die Ehe ist in das Heils­mys­te­rium Got­tes hin­ein­ge­nom­men. Sie ist zur Würde eines Sakra­men­tes erho­ben, und des­we­gen ist es aus­ge­schlos­sen, daß eine Emp­fäng­nis Jesu in der Weise, wie andere Men­schen emp­fan­gen wer­den, wegen der Würde des Emp­fan­ge­nen aus­ge­schlos­sen gewe­sen wäre.

Die zweite fal­sche Ant­wort lau­tet, es wäre ein irdi­scher Vater in Kon­kur­renz mit dem himm­li­schen Vater getre­ten. Nein, das ist aus­ge­schlos­sen. Eine sol­che Kon­kur­renz wäre nur mög­lich, wenn der himm­li­sche Vater bei dem Ent­ste­hen Jesu so mit­ge­wirkt hätte, wie es die Göt­ter­le­gen­den, wie es die Mythen ver­kün­den. Dort naht sich in phan­tas­ti­scher Weise der Gott einer irdi­schen Frau und tritt mit ihr in geschlecht­li­chen Ver­kehr. Sol­che Vor­stel­lun­gen sind vom Gott des Neuen Tes­ta­men­tes völ­lig fern­zu­hal­ten. Er ist über jede Geschlecht­lich­keit erha­ben. Seine Ein­wir­kung auf Maria ist in kei­ner Weise zu ver­glei­chen mit dem Tun eines irdi­schen Vaters in einer nor­ma­len, irdi­schen Ehe. Das sind fal­sche Ant­wor­ten, die müs­sen wir abwei­sen. Sie sind mit der Würde des Schöp­fer­got­tes und mit der Würde des Erlö­ser­got­tes unver­ein­bar.

Aber wel­ches sind denn dann die Gründe, warum Maria jung­fräu­lich emp­fing, warum Jesus also ohne irdi­schen Vater ent­stan­den ist, warum er kei­nen bio­lo­gi­schen Vater, wie man heute sagt, hat? Der erste Grund ist darin gele­gen, daß die völ­lige Gna­den­haf­tig­keit der Erlö­sung dadurch ange­deu­tet wer­den soll. Die Erlö­sung ist allein dem Erbar­men Got­tes zu ver­dan­ken. Der Mensch kann nichts ande­res tun als sie auf­neh­men, die Hände aus­brei­ten und das Herz öff­nen. Die Erlö­sung ist nicht dem Tat­wil­len eines Man­nes zu ver­dan­ken. Sie ist nicht aus der Initia­tive eines Men­schen ent­sprun­gen, son­dern die Erlö­sung ist allein Gott zu ver­dan­ken. Das ist ange­deu­tet in der jung­fräu­li­chen Emp­fäng­nis Mari­ens. „Der Hei­lige Geist wird über dich kom­men, und die Kraft des Aller­höchs­ten wird dich über­schat­ten.“ Die Erlö­sung ist ein Vor­gang von jen­seits und nicht von dies­seits.

Der zweite Grund wird darin gele­gen sein, daß durch diese Weise der Emp­fäng­nis die Ein­zig­ar­tig­keit des Emp­fan­ge­nen ange­deu­tet wer­den soll. Jesus geht nicht auf im mensch­li­chen Bereich. Er ist nicht zu fas­sen allein mit irdi­schen Kate­go­rien. Er kommt aus einem jen­seits-mensch­li­chen Bereich, aus einem über­ir­di­schen Bereich. Er kommt aus der über­welt­li­chen Wirk­lich­keit Got­tes. Und diese Ein­zig­ar­tig­keit sei­nes Wesens wird ange­deu­tet durch die Ein­zig­ar­tig­keit sei­ner Ent­ste­hung. Es ist also die Jung­fräu­lich­keit, die jung­fräu­li­che Emp­fäng­nis Mari­ens ein Hin­weise auf die über­ra­gende Würde des Emp­fan­ge­nen.

Ein drit­ter Grund kann darin gele­gen sein, daß in die­ser Weise der Emp­fäng­nis der End­zu­stand abge­bil­det wird. Wel­ches ist der End­zu­stand, dem die Welt ent­ge­gen­geht? Der End­zu­stand ist der neue Him­mel und die neue Erde. Und wie ist er beschaf­fen? Er ist so beschaf­fen, daß der Herr sagt: „Das ist ein Zustand, wo sie nicht mehr hei­ra­ten und nicht ver­hei­ra­tet wer­den“, wo also die irdi­schen Geschlechts­ver­hält­nisse auf­ge­ho­ben sind. Und die­sen Zustand scheint die jung­fräu­li­che Emp­fäng­nis Mari­ens abzu­bil­den. Das ist sehr sinn­voll, denn es ist ja der in ihrem Schoße ent­stan­den, der den End­zu­stand her­auf­führt. Es ist ja der Keim des Erlö­sers auf Erden erschie­nen, der den neuen Him­mel und die neue Erde her­bei­füh­ren wird. Des­we­gen ist es höchst gezie­mend und ange­mes­sen, daß er in einer Weise emp­fan­gen wurde, die ein Hin­weis auf die­sen End­zu­stand ist.

Der vierte Grund wird darin gele­gen sein, daß in der jung­fräu­li­chen Emp­fäng­nis die Vor­be­halt­lo­sig­keit der Hin­gabe ange­deu­tet ist. Maria war ein Mensch wie kein ande­rer unter den Sterb­li­chen, der in einer unbe­ding­ten Weise sich Gott über­ant­wor­tet hat. Sie war gewis­ser­ma­ßen ein lee­res Blatt, auf das Gott hin­ein­schrei­ben konnte, was er wollte. „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach dei­nem Worte.“ Das ist die vor­be­halt­lose Hin­gabe, und diese vor­be­halt­lose Hin­gabe wird in die­sem Vor­gang der jung­fräu­li­chen Geburt ange­deu­tet, weil jetzt Gott sich auf eine ganz andere Weise mit den Men­schen ein­läßt wie vor­her, indem er selbst auf Erden erscheint.

Nun wer­den aber, meine lie­ben Freunde, eine Reihe von Ein­wän­den vor­ge­bracht, Ein­wände, die sich teil­weise auf die Bibel stüt­zen. Sie wis­sen, daß es Bibel­chris­ten gibt, die mit der Bibel in der Hand als Kampf­buch gegen die katho­li­sche Kir­che arbei­ten. Und so sagt man: Ja, aber in den Evan­ge­lien ist doch die Rede von Brü­dern Jesu; also scheint doch Maria noch wei­tere Kin­der gehabt zu haben. Es ist auch von Schwes­tern die Rede. Er scheint also in einer kin­der­rei­chen Fami­lie auf­ge­wach­sen zu sein. Das ist tat­säch­lich die Mei­nung vie­ler Pro­tes­tan­ten. Diese Mei­nung ist falsch, und diese Falsch­heit läßt sich bewei­sen. Im Mar­ku­sevan­ge­lium ist im 7. Kapi­tel, 3. Vers die Rede von Brü­dern Jesu: „Ist das nicht des Zim­mer­manns Sohn, ein Bru­der des Jako­bus, Joses, Judas und Simon?“ Hier wer­den also Brü­der, angeb­li­che Brü­der Jesu genannt, Jako­bus und Joses, aber diese sel­ben Brü­der wer­den ein paar Kapi­tel wei­ter (15.​40) als Söhne einer ande­ren Maria bezeich­net, als nicht der Maria, der Mut­ter­got­tes, son­dern einer zwei­ten Maria. „Unter dem Kreuze stan­den Maria Magda­lena, Maria, die Mut­ter des Jako­bus und des Joses.“ Also sind Jako­bus und Joses, obwohl sie als Brü­der des Herrn bezeich­net wer­den, Söhne einer ande­ren Mut­ter. Und das Johan­nes­evan­ge­lium sagt sogar, wer der Vater ist, näm­lich in Joh 19.​25 wird gesagt, daß unter dem Kreuze stand seine Mut­ter, die Schwes­ter sei­ner Mut­ter, Maria, die Frau des Cleo­phas. Die Frau des Cleo­phas. Sie ist also von der Mut­ter­got­tes ver­schie­den, sie hat einen Mann, und der heißt Cleo­phas. Da sehen wir, daß es also bei den Brü­dern sich nicht um Söhne der­sel­ben Mut­ter und des­sel­ben Vaters han­deln kann, son­dern um Ver­wandte, um nahe Ver­wandte. Ein sol­cher Sprach­ge­brauch ist schon im Alten Tes­ta­ment bezeugt. Das Alte Tes­ta­ment ist ja ursprüng­lich in hebräi­scher Spra­che geschrie­ben, und die hebräi­sche Spra­che hat hat kein Wort für Vet­tern. Wenn wir das Wort Vet­ter gebrau­chen, sagt das Alte Tes­ta­ment „Bru­der“. Es gibt kein hebräi­sches, es gibt kein ara­mä­i­sches Wort für Vet­ter oder für Cou­sin.

Ein Bei­spiel: Es wird berich­tet, daß Abra­ham aus Ägyp­ten kam, und auch Loth war bei ihm. Sie besa­ßen viele Her­den, und das Wei­de­land war knapp. Da sagte der Abra­ham zu Loth: „Es soll keine Zwie­tracht geben zwi­schen mir und dir, zwi­schen mei­nen und dei­nen Hir­ten. Wir sind ja Brü­der.“ Aber Loth ist gar nicht der Bru­der Abra­hams. Ein paar Zei­len vor­her wird näm­lich gesagt, daß er der Bru­der­sohn Abra­hams ist, also sein Neffe. Er wird aber als Bru­der bezeich­net. Das ist ein Bei­spiel dafür, daß die Bibel nahe Ver­wandte, die nicht vom sel­ben Vater oder von der­sel­ben Mut­ter abstam­men, als Brü­der oder auch als Schwes­tern bezeich­net.

Außer­dem wäre es ja ganz rät­sel­haft, wenn Jesus Brü­der gehabt hätte, leib­li­che Brü­der gehabt hätte, warum er ster­bend am Kreuze seine Mut­ter einem Frem­den anver­traut hat. Es ist doch ganz nor­mal, daß er gesagt hätte: Meine Brü­der wer­den sich um dich küm­mern, Mut­ter. Nein, er bestellt den Johan­nes zum Pfle­ger und zum Hüter sei­ner Mut­ter. „Siehe da dei­nen Sohn – siehe da deine Mut­ter!“

Aber es wird noch ein ande­rer Ein­wand gemacht. Im Matt­häu­sevan­ge­lium heißt es: „Sie gebar ihren Erst­ge­bo­re­nen.“ Ja, wenn ein Erst­ge­bo­re­ner da ist, so argu­men­tiert man, dann wer­den woh auch Zweit- und Dritt­ge­bo­rene vor­han­den sein. Auch diese Argu­men­ta­tion geht fehl. Immer und in jedem Falle heißt der erste Sohn einer Fami­lie der Erst­ge­bo­rene, ohne Rück­sicht dar­auf, ob noch zweite und dritte Söhne fol­gen. Wenn jemand als Erst­ge­bo­re­ner bezeich­net wird, dann ist damit in kei­ner Weise aus­ge­sagt, daß er Geschwis­ter hat, son­dern es wird damit nur betont, alle Rechte – alle Rechte! –, die dem Erst­ge­bo­re­nen zukom­men, lie­gen auf ihm. Und so ist also auch mit die­ser Rede­weise nichts gegen die Jung­fräu­lich­keit, gegen die immer­wäh­rende Jung­fräu­lich­keit Mari­ens gewon­nen.

Dann steht die Frage auf: Ja, warum hat denn Maria dann über­haupt gehei­ra­tet, wenn sie nicht mit ihrem Manne in Gemein­schaft leben wollte, wie das sonst der Fall ist? Die Ant­wort dar­auf muß lau­ten: Sie hat gehei­ra­tet, damit das gött­li­che Kind vor Elend und Schande bewahrt blieb. Wäre das Kind näm­lich in einem nicht­ehe­li­chen Ver­hält­nis zur Welt gekom­men, oder wäre Maria nicht ver­ehe­licht gewe­sen, dann wäre Elend und Schande die Folge gewe­sen. Um vor Elend und Schande bewahrt zu blei­ben, hat Gott die Anord­nung getrof­fen, daß sein Sohn in einer nor­ma­len Fami­lie zur Welkt kom­men sollte.

Man fragt, was die Worte bedeu­ten: „Wie soll das gesche­hen, da ich kei­nen Mann erkenne?“ Sie kön­nen in zwei­fa­cher Weise gedeu­tet wer­den. Sie kön­nen zunächst ein­mal bedeu­ten: Jetzt stehe ich nicht in ehe­li­cher Gemein­schaft mit einem Manne. Ich bin zwar ver­lobt – was eben damals besagte: ver­hei­ra­tet, nur noch nicht heim­ge­führt – ich bin zwar ver­lobt mit Josef, aber wir ste­hen nicht in Ver­bin­dung mit­ein­an­der. Wir haben noch keine Gemein­schaft, weil die Heim­füh­rung in das Haus des Josef noch nicht erfolgt ist. Die zweite Deu­tung sagt: Die Worte „Wie soll das gesche­hen, da ich kei­nen Mann erkenne“ bedeu­ten, daß Maria über­haupt nicht, nie­mals und zu kei­nem Zeit­punkt einem Manne ange­hö­ren wollte. So sagt Augus­ti­nus, sie habe ein Gelübde der Jung­fräu­lich­keit gemacht. Augus­ti­nus ist kein Trä­ger der Offen­ba­rung, aber er ist ein gro­ßer Theo­loge, und des­we­gen sollte man sei­nen Äuße­run­gen Gewicht bei­le­gen. Wie immer es sein mag, eines ist sicher: Maria hat das getan, was Gott von ihr ver­langt hat, und er hat von ihr ver­langt, daß sie selige Pforte dem himm­li­schen Worte sein sollte, daß sie den gebä­ren sollte, der zwar einen himm­li­schen Vater hat, aber kei­nen irdi­schen Vater, und daß Josef sich auch in diese Ver­hält­nisse gefügt hat. Es ist ihm durch gött­li­che Offen­ba­rung gewiß gewor­den, daß er Maria hüten und schüt­zen, aber nicht besit­zen sollte, und daß er der Pfle­ger und der Hüter des in ihr ent­stan­de­nen Soh­nes sein sollte. Das alles liegt in dem Worte: „Siehe, ich bin eine Magd des Herrn. Mir geschehe nach dei­nem Worte.“ Die Kraft der Liebe und die Kraft der Hin­gabe ist ent­schei­dend. Und als Maria erkannt hat, was Gott von ihr wollte, da hat sie nichts ande­res getan als sich gefügt und unter­ge­ord­net: „Ich bin eine Magd des Herrn.“ Schreibe auf die­ses Blatt Papier, was du willst, ich bin erge­ben, ich bin dir vor­be­halt­los aus­ge­lie­fert. Mir geschehe nach dei­nem Worte.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die jungfräuliche Empfängnis www.Glaubenswahrheit.org"

6. Die immerwährende Jungfrauschaft Mariens
8. Die Unbefleckte Empfängnis Mariens
Empfehlen sie uns weiter!GlaubensnetzwerkDankeCopyright / UrheberrechtImpressum