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Die Unbefleckte Empfängnis Mariens

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Maria steht in einem ein­zig­ar­ti­gen Ver­hält­nis zu ihrem Sohn. Sie hat ihm das Leben geschenkt. Sie war die Pforte, durch die der Logos, die zweite Per­son in Gott, in diese Welt ein­trat. Was ihr wider­fuhr, war eine unver­diente Gnade Got­tes. Maria ist ein Geschöpf des gött­li­chen Erbar­mens. In ihr siegt die Macht Got­tes über mensch­li­che Hin­fäl­lig­keit und Schwä­che.

Ihre Würde als Got­tes­mut­ter ist aber beglei­tet von ihrer Aus­rüs­tung an Gnade. Sie sollte nicht nur die Mut­ter des gött­li­chen Soh­nes wer­den, sie sollte ihm auch gleich­för­mig sein in ihrer inne­ren Ver­fas­sung. Diese Gleich­för­mig­keit ist ihre Gna­den­aus­stat­tung, und sie zeigt sich nir­gends deut­li­cher als in ihrer Frei­heit von der Erb­sünde. „Nach dem gnä­di­gen Rat­schluß Got­tes ist Maria vom ers­ten Augen­blick ihres Daseins an im Hin­blick auf die Erlö­sungs­ver­dienste Jesu von allem Makel der Erb­sünde frei geblie­ben.“ Die Bedeu­tung die­ses Glau­bens­sat­zes, der im Jahre 1864 fei­er­lich von Papst Pius IX. ver­kün­det wurde, ist fol­gende:

Alle ande­ren Men­schen tre­ten, weil sie die Last Adams tra­gen, im Zustand der Gna­den­be­raubt­heit ins Leben. Sie müs­sen aus die­sem Fins­ter­nis­zu­stand befreit wer­den durch die Taufe. Maria ist vom ers­ten Auf­glim­men ihres Lebens an in der Gnade gewe­sen. Nie­mals war sie vom Ver­der­ben der Sünde erfaßt. Der Anfang ihres Lebens fällt mit dem Beginn ihrer Durch­gna­dung zusam­men. Es scheint ein unaus­rott­ba­res Miß­ver­ständ­nis zu sein, daß man die Unbe­fleckte Emp­fäng­nis auf ihre Eltern bezieht, daß man meint, die Emp­fäng­nis Mari­ens durch die Eltern sei unbe­fleckt gewe­sen. Wäh­rend alle ande­ren Kin­der befleckt wür­den durch die Emp­fäng­nis, sei sie nicht befleckt wor­den. Das ist ein Miß­ver­ständ­nis, ein gera­dezu ver­füh­re­ri­scher Unsinn. Über die Eltern Mari­ens sagt die Unbe­fleckte Emp­fäng­nis nichts aus, in wel­chem geis­ti­gen, in wel­chem reli­giö­sen, in wel­chem sitt­li­chen Zustand sie sich befan­den, als Maria emp­fan­gen wurde. Davon spricht das Dogma nicht. Es bezieht sich allein und nur auf die Emp­fan­gene, auf Maria, und von ihr sagt es, daß sie vom ers­ten Augen­blick ihres irdi­schen Daseins an durch eine beson­dere Gnade des all­mäch­ti­gen Got­tes um der Erlö­sungs­ver­dienste Christi, ihres Soh­nes, wil­len von dem Makel der Erb­sünde ver­schont blieb.

Maria ist die Erster­löste ihres Soh­nes. Auch sie war erlö­sungs­be­dürf­tig. Auch Maria mußte, weil sie in der Kette der Nach­kom­men Adams stand, erlöst wer­den. Aber wäh­rend alle ande­ren durch die Gnade, die in der Taufe gewährt wird, nach­träg­lich erlöst wer­den, war sie die Vor­er­löste. Andere wer­den von der Erb­sünde befreit, Maria blieb vor der Erb­sünde bewahrt.

Also die Erlö­sungs­be­dürf­tig­keit Mari­ens steht fest, aber sie wurde in einer beson­de­ren Weise erlöst, in einer ein­zig­ar­ti­gen Weise, um ihrer ein­ma­li­gen Stel­lung im Heils­werk wegen.

Die Wahr­heit von der Erb­sün­den­frei­heit Mari­ens ist in ande­ren Glau­bens­wahr­hei­ten ein­ge­hüllt, und es hat lange gedau­ert, bis sie ent­fal­tet wurde. Bis zum Jahre 1864 hat es gebraucht, hat die Dog­men­ent­wick­lung gebraucht, um end­gül­tig klar zu erken­nen, daß die Erb­sün­den­frei­heit Mari­ens in der Offen­ba­rung ent­hal­ten ist. Die Kir­che sieht Andeu­tun­gen an zwei bib­li­schen Stel­len; ein­mal im soge­nann­ten Proto-Evan­ge­lium, näm­lich der Erst­ver­hei­ßung im Buche Gene­sis. Da wird gesagt, als der Sün­den­fall ein­ge­tre­ten war, daß die Sünde doch wie­der besiegt werde. „Feind­schaft will ich set­zen zwi­schen dir und dem Weibe, zwi­schen dei­nem Samen und ihrem Samen.“ Die Schlange wird die­sem Wei­bes­sa­men nach­stel­len und ihn an der Ferse ver­let­zen, aber der Wei­bes­same wird ihr den Kopf zer­tre­ten, d.h. es wird einer aus dem Men­schen­ge­schlechte erschei­nen, der den Satan besiegt. Und wir wis­sen heute aus der Heils­ge­schichte, daß die­ser eine nie­mand anders sein konnte als unser Herr und Hei­land Jesus Chris­tus. Er hat die Sünde besiegt, und des­we­gen hat diese Stelle aus der Gene­sis, aus dem ers­ten Buche Moses, mes­sia­ni­sche Bedeu­tung. Sie ver­weist auf den Wei­bes­sa­men in beson­de­rer Weise, näm­lich auf Jesus Chris­tus. Und Maria steht nun mit die­sem ihrem Kind in einer ganz beson­de­ren geist­li­chen und heils­ge­schicht­li­chen Ver­bin­dung. Sie nimmt des­we­gen – in einer mit­ge­teil­ten und abge­lei­te­ten Weise – teil an dem Sieg über die Sünde. Inso­fern kann man also in die­sem Proto-Evan­ge­lium eine Andeu­tung fin­den, daß Maria von der Erb­sünde bewahrt blieb.

Im Luka­sevan­ge­lium wird Maria als die Begna­dete ange­spro­chen. Das bezieht sich natür­lich zunächst auf ihre Mut­ter­got­tes­würde. Weil sie den Logos gebä­ren sollte, war sie begna­det. Aber man wird nicht fehl­ge­hen, wenn man annimmt, daß ihrer Würde ihre Nähe zu Gott ent­spre­chen sollte. Weil sie so hoch gestellt war, sollte sie auch so rein sein.

Die Dog­men­ge­schichte zeigt uns, daß es bis zum Jahre 1864 nicht an geg­ne­ri­schen Stim­men zu die­ser Lehre gefehlt hat. Im 12. Jahr­hun­dert erst haben zwei eng­li­sche Mön­che diese Wahr­heit deut­lich aus­ge­spro­chen; aber ein so berühm­ter Mann und ein so gro­ßer Hei­li­ger wie der hei­lige Bern­hard wandte sich gegen diese Lehre. Auch der hei­lige Tho­mas von Aquin hat sie nicht ange­nom­men, der hei­lige Albert eben­falls nicht. Die gedank­li­chen Schwie­rig­kei­ten, die zu über­win­den waren, waren zu groß.

Die Lösung, die intel­lek­tu­elle Lösung ver­dan­ken wir einem Mann, der viel­leicht jetzt bald vor der Hei­lig­spre­chung steht, näm­lich dem schot­ti­schen Theo­lo­gen Duns Sco­tus. Er hat die schein­bar unüber­wind­li­che Schwie­rig­keit über­wun­den, zu zei­gen, wie jemand aus der Ahnen­reihe Adams nicht in der Sünde gestan­den haben kann. Ja, sagt Duns Sco­tus, Maria ist auch erlöst wor­den. Aber wäh­rend alle ande­ren die Erlö­sung so erfah­ren, daß sie von der Sünde befreit wer­den, ist sie erlöst wor­den, indem sie vor der Sünde bewahrt wurde.

Er hat die Lösung gebracht, der große Duns Sco­tus, und seit­dem geht es dann auf­wärts. Der Papst Six­tus IV., der im 15. Jahr­hun­dert regierte, hat schon das Fest von der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis in den Fest­ka­len­der der Kir­che auf­ge­nom­men. Das Tri­den­ti­num – das Kon­zil von Tri­ent – hat von Maria aus­ge­schlos­sen, daß sie mit der Erb­sünde belas­tet gewe­sen sei. Und end­lich der große Papst Pius IX. hat am 8. Dezember 1864 als Glau­bens­satz der Kir­che ver­kün­det: Maria ist vom ers­ten Augen­blick ihres Daseins an durch ein Gna­den­pri­vi­leg des all­mäch­ti­gen Got­tes im Hin­blick auf die Ver­dienste Jesu Christi, des Erlö­sers, von allem Makel der Erb­sünde frei geblie­ben.

Es ist ohne wei­te­res ein­zu­se­hen, daß die Mut­ter des hei­li­gen Erlö­sers hei­lig sein soll. Sie hat ihm ja etwas von ihrer Art gege­ben. Nach sei­ner gan­zen irdi­schen Befind­lich­keit stammt Jesus von Maria. Sie hat ihm seine Züge ein­ge­prägt. Sie hat ihm Eigen­schaf­ten und Anla­gen mit­ge­ge­ben, die in ihm wir­ken soll­ten. Da mußte natür­lich alles von ihm fern­ge­hal­ten wer­den, was nur ent­fernt an Sünde und Sün­den­fol­gen her­an­reicht. Die Mut­ter mußte ganz rein sein, damit ihr Sohn ganz rein wäre. Und so ist es gesche­hen. Maria ist nicht nur von der Erb­sünde, son­dern auch von den Fol­gen der Erb­sünde frei geblie­ben, also von der unge­ord­ne­ten Begier­lich­keit, von der Kon­ku­pis­zenz. In Maria ist nie der Wunsch auf­ge­stie­gen, sich gegen Got­tes Wil­len zu behaup­ten. Sie hat nie eine Ver­su­chung zur Sünde in sich gespürt. Sie ist auch nie einer sol­chen Ver­su­chung – die es so nicht gege­ben hätte – erle­gen. Sie ist sün­den­frei geblie­ben. Sie ist die unbe­fleckte und sie ist die unver­sehrte Jung­frau, als die wir sie in der Lau­re­ta­ni­schen Lita­nei anru­fen.

Ja, war ihr Leben dann nicht außer­or­dent­lich ein­fach, ja fast bequem, wenn sie nicht rin­gen mußte mit der Sünde, wenn sie nicht kämp­fen mußte mit den Ver­lockun­gen von außen und von innen? Ihre Kämpfe lie­gen auf einem ande­ren Gebiet. Sie war immer bereit zur Emp­fäng­lich­keit und Hin­gabe für Gott. Aber Gott wollte sie von Stufe zu Stufe höher füh­ren. Er wollte, daß sie mit immer grö­ße­rer Kraft und Inten­si­tät sein Geschöpf sein solle. Und des­we­gen hat er sie auch in ihrer irdi­schen Pil­ger­schaft in immer neue, schein­bar aus­weg­lose Situa­tio­nen hin­ein­ge­führt. Schon als der Engel ihr die Bot­schaft brachte, erschrak sie; auch Maria, die Reine, die Aller­reinste, gerät in Schre­cken, wenn Gott sich ihr naht, wenn er durch einen Boten zu ihr spricht. Sie war zunächst rat­los über die Bot­schaft. „Wie soll das gesche­hen?“ Das ist Rat­lo­sig­keit. Sie hatte kei­nen Beweis, daß die Bot­schaft von Gott kam. Der Engel wies sich durch kein Wun­der aus. Wie hat sie dann über­haupt begrif­fen, daß die Bot­schaft von Gott kam? Es war die innere Ver­wandt­schaft zwi­schen ihr und dem Got­tes­bo­ten. Die geist­li­che Nähe ver­riet ihr untrüg­lich, daß der, der da vor ihr stand, von Gott gesandt sein muß. Sie glaubt – und das ist die große Aus­zeich­nung ihres Lebens: Sie ist die Glau­bende! Sie wird des­we­gen selig­ge­prie­sen in der Hei­li­gen Schrift: „Selig, die du geglaubt hast!“ Ihr Leben voll­zog sich also im Glau­ben, das heißt immer bis zu einem gewis­sen Grade auch: in der Dun­kel­heit des Glau­bens. Sie war noch nicht in der Schau, sie war noch nicht im Him­mel, sie war noch nicht ange­kom­men, son­dern sie war auf der Pil­ger­schaft – und Pil­ger­schaft heißt Wan­dern im Glau­ben.

So war es auch mit der Geburt ihres Soh­nes. Unter wel­chen küm­mer­li­chen Umstän­den wurde der gebo­ren, der den Thron des Vaters David erhal­ten sollte! Vor dem har­ten Hero­des mußte sie flie­hen nach Ägyp­ten, in einem frem­den Land ohne die hei­mat­li­chen Feste ver­wei­len. Wo war da der all­mäch­tige Gott, der sei­nen Sohn geschickt hatte? Das war eine Glau­bens­probe! Maria hat diese Glau­bens­probe bestan­den, genau wie jene im Tem­pel zu Jeru­sa­lem. Der greise Simeon sagt von Jesus, daß er das Heil der Völ­ker ist. Er sagt aber auch, daß ihre Seele ein Schwert durch­drin­gen werde, daß also Lei­den über sie kom­men wer­den und daß sich an ihrem Sohne Heil und Unheil ent­schei­den wird. Simeon wußte mehr, mehr selbst als Maria und Josef wuß­ten. Und immer wie­der berich­tet die Schrift, daß Maria das Ver­ständ­nis fehlte. „Sie wußte nicht, was er damit sagen wollte.“ Sie war also nicht ein­ge­weiht von Gott in ein­zelne Ereig­nisse des Got­tes­rei­ches, vor allem nicht, als er wort­los Abschied nahm in Jeru­sa­lem. Das war für sie ein schreck­li­ches Erleb­nis. Wir spü­ren, wie die Erre­gung in ihr zit­tert. „Kind, was hast du uns getan? Dein Vater und ich, wir haben dich mit Schmer­zen gesucht.“ Sie hat noch nicht erfaßt, daß über die­sem Leben der Wille des Vaters im Him­mel steht. Diese kurze Tren­nung ist nur der Vor­ge­schmack eines end­gül­ti­gen Abschieds, der sich auf Gol­go­tha zutra­gen wird.

Maria hat alle Schritte ihres Soh­nes mit­er­lebt. Sie ist alle Wege des Soh­nes mit­ge­gan­gen, und so konnte sie auf Gol­go­tha unter dem Kreuze aus­har­ren. Sie ist nicht geflo­hen vor dem Kreuze, sie ist auch nicht zusam­men­ge­bro­chen unter dem Kreuze, sie hat aus­ge­harrt unter dem Kreuze. Sie konnte die Worte ver­neh­men, die sich noch ein­mal andeu­tend dar­auf rich­ten, daß ihr Sohn sich von ihr ent­fernt: „Frau,“ so sagte er, „Frau“ (statt „Mut­ter“), „Frau, siehe da dei­nen Sohn!“ Jetzt muß sie einen Jün­ger ein­tau­schen für ihren Jesus, einen blo­ßen Men­schen für den Got­tes­sohn.

Maria hat nicht alles ver­stan­den, was Gott ihr zumu­tete, aber ihre Treue zu Gott, ihr Gehor­sam gegen Gott hat nie­mals gewankt. Das ist ihre Größe. Ihr Ver­ständ­nis ver­mochte nicht alles mit­zu­voll­zie­hen, aber ihr Wille war immer gefes­tigt in Gott, und so hat sie durch alle Dun­kel­hei­ten ihres Lebens hin­durch die Voll­endung gefun­den. Die ande­ren, die Sün­der, haben sich von Gott los­ge­sagt durch den Unge­hor­sam und sind dadurch zugrunde gegan­gen. Maria hat durch den Gehor­sam die Voll­endung in Gott gefun­den, sie ist so die Köni­gin der Engel, die Hel­fe­rin der Chris­ten und die Zuflucht der Sün­der gewor­den.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die Unbefleckte Empängnis Mariens www.Glaubenswahrheit.org"

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