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Über Falschlehren gegen die jungfräuliche Empfängnis Mariens

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Gegen die Tat­sa­che und die Lehre der jung­fräu­li­chen Emp­fäng­nis und Geburt Mari­ens läuft der Unglaube Sturm. Die Zahl der Bücher und Auf­sätze, die gegen diese Wahr­heit geschrie­ben wur­den und wer­den, ist kaum zu zäh­len. Um ein Bei­spiel zu erwäh­nen: Der vom katho­li­schen Glau­ben abge­fal­lene Theo­loge Hugo Koch hat zwei Bücher die­sem Gegen­stand gewid­met, in denen er die Behaup­tung auf­stellt, Jesus stamme aus einer kin­der­rei­chen Hand­wer­ker­fa­mi­lie, diese Tat­sa­che sei aber von den Kir­chen­vä­tern all­mäh­lich ver­deckt wor­den, und schließ­lich habe man den welt­li­chen Arm gegen die, die diese Ansicht ver­tra­ten, mobil gemacht, und so sei sie unter­ge­gan­gen. Wer aber die jung­fräu­li­che Emp­fäng­nis und Geburt Jesu leug­net, muß erklä­ren, wie sie in das Neue Tes­ta­ment hin­ein­kommt. Denn daß sie im Neuen Tes­ta­ment bezeugt wird, daran ist kein Zwei­fel. Sie wird sowohl von Matt­häus als auch von Lukas ein­deu­tig aus­ge­sagt.

Zur Erklä­rung füh­ren die Geg­ner zwei Instan­zen an. Die einen beru­fen sich auf die Her­kunft aus dem Juden­tum, die ande­ren auf den Ursprung im Hei­den­tum. Die erste Mei­nung geht davon aus, daß sie den Text beim Pro­phe­ten Isaias (7,14) her­nimmt und sagt: Von die­ser Stelle aus ist die Jung­frau­en­geburt behaup­tet wor­den. Der Text bei Isaias lau­tet: „Siehe, die Jung­frau wird emp­fan­gen und einen Sohn gebä­ren, und du sollst ihm den Namen Ema­nuel geben.“ Tat­säch­lich wird diese Stelle vom Evan­ge­lis­ten Matt­häus benutzt, um die Erfül­lung der Weis­sa­gung dar­zu­tun. „Dies alles ist gesche­hen, damit in Erfül­lung gehe, was vom Herrn durch den Pro­phe­ten gesagt wor­den: 'Siehe, die Jung­frau wird emp­fan­gen und einen Sohn gebä­ren, und man wird ihm den Namen Ema­nuel geben.'„ Diese Erklä­rung meint also, aus der Weis­sa­gung sei die Geschichte her­vor­ge­trie­ben wor­den. Oder bes­ser noch: Man habe die Weis­sa­gung gele­sen und dar­auf­hin ange­nom­men, so müsse es auch in der Geschichte gesche­hen sein. Es ist aber in Wirk­lich­keit nicht so gesche­hen.

Was ist zu die­ser Behaup­tung, die vor allem im pro­tes­tan­ti­schen Bereich viele Nach­spre­cher fin­det, zu sagen? Zuerst muß man her­vor­he­ben, daß die Isai­as­stelle (Is 7,14) vom gesam­ten Juden­tum nie­mals im Sinne einer jung­fräu­li­chen Emp­fäng­nis und Geburt ver­stan­den wor­den ist. Die jüdi­sche rab­bi­ni­sche Exegese erklärte diese Stelle (Is 7,14) so: Es han­delt sich hier um den König Achaz; ihm wird die Geburt sei­nes Soh­nes Ezech­ias ver­hei­ßen; die Alma ist die Köni­gin, die junge Frau. Diese Erklä­rung hat sich bis heute im Juden­tum durch­ge­hal­ten. Der christ­li­che Apo­lo­get Jus­ti­nus, der im 2. Jahr­hun­dert n. Chr. gelebt hat, berich­tet in sei­nem Dia­log mit Try­phon, einem Juden, daß Try­phon die eben­ge­nannte Erklä­rung der Isai­as­stelle vor­trug. Wenn nun aber die gesamte vor­christ­li­che Juden­heit die Isai­as­stelle nie­mals im Sinne einer jung­fräu­li­chen Emp­fäng­nis und Geburt ver­stan­den hat, wie sol­len dann die Chris­ten sie aus dem Juden­tum bezo­gen haben? Das Juden­tum konnte sie ihnen nicht lie­fern, weil es die Stelle nie­mals als Jung­frau­en­geburt gedeu­tet hatte.

Der zweite Ein­wand gegen die genannte fal­sche Lehre lei­tet sich davon her, daß das Ver­hält­nis zwi­schen Weis­sa­gung und Erfül­lung gerade umge­kehrt ist, wie es die genann­ten Irr­leh­rer behaup­ten. Die Jung­frau­en­geburt ist für Matt­häus eine Tat­sa­che. Und von die­ser Tat­sa­che aus liest und deu­tet er die Hei­lige Schrift. Nicht die Weis­sa­gung hat eine angeb­li­che Tat­sa­che her­vor­ge­trie­ben, son­dern das, was gesche­hen ist, die Tat­sa­che, hat die Chris­ten ver­an­laßt, im Alten Tes­ta­ment zu lesen; dabei stie­ßen sie auf die Stelle Isaias 7,14: „Siehe, die Jung­frau wird emp­fan­gen...“ und fan­den beglückt: Jetzt end­lich ist diese Stelle rich­tig ver­stan­den, denn jetzt ist sie erfüllt. Jetzt end­lich wis­sen wir, was der Hei­lige Geist gemeint hat, als er den Pro­phe­ten inspi­rierte zu schrei­ben: „Siehe, die Jung­frau wird emp­fan­gen und einen Sohn gebä­ren.“ Die Sache ist also gerade umge­kehrt, als die Irr­leh­rer mei­nen. Nicht die Weis­sa­gung ist das Leit­mo­tiv für das Ver­ständ­nis der Tat­sa­che, son­dern die Tat­sa­che ist das Leit­mo­tiv für das Ver­ständ­nis der Weis­sa­gung. Zukunft und die Ver­gan­gen­heit sind nicht in dem Sinne ver­bun­den, daß aus der Ver­gan­gen­heit die Zukunft her­vor­ge­trie­ben wird, son­dern die Zukunft lehrt uns die Ver­gan­gen­heit zu ver­ste­hen.

Natür­lich stellt sich die Frage: Woher hat denn der Pro­phet Isaias diese Ankün­di­gung? Die Ant­wort lau­tet: Er hat sie von Gott; er ist inspi­riert wor­den. Gott hat ihm diese Weis­sa­gung ein­ge­ge­ben. Die Ver­su­che, die Weis­sa­gung des Isaias aus ori­en­ta­li­schen Mythen abzu­lei­ten, sind geschei­tert, denn Isaias ist die älteste Stelle, die von einem sol­chen Wun­der­kind berich­tet, wel­ches das Heil her­auf­führt. Alle ande­ren uns bekann­ten Texte, die von einem Jung­frau­en­sohn berich­ten, der ein gol­de­nes Zeit­al­ter her­bei­führt, sind jün­ger.

Der dritte Ein­wand gegen die genannte Ablei­tung der Jung­frau­en­geburt aus dem Juden­tum muß davon aus­ge­hen, daß Matt­häus nicht der Erfin­der der Jung­frau­en­geburt ist. Denn Lukas berich­tet eben­falls die Jung­frau­en­geburt, und beide sind von­ein­an­der unab­hän­gig. Die Tat­sa­che der Jung­frau­en­geburt ist ihnen durch zwei von­ein­an­der unab­hän­gige Über­lie­fe­rungs­ströme zuge­tra­gen wor­den. Und hin­ter dem heu­ti­gen grie­chi­schen Text des Neuen Tes­ta­men­tes ist die hebräi­sche bzw. ara­mä­i­sche Vor­lage noch deut­lich erkenn­bar. Das heißt, wir wer­den durch die bei­den Text­stel­len bei Matt­häus und Lukas nach Gali­läa geführt, und da zu nie­mand ande­rem als zu der Mut­ter des Herrn selbst, an der die­ses Wun­der gesche­hen ist. Die letzte Quelle für Matt­häus und Lukas ist Maria.

Die zweite ver­suchte Ein­wen­dung gegen die Jung­frau­en­geburt beruft sich auf das Hei­den­tum, auf den Hel­le­nis­mus, also auf jene grie­chi­sche Welt, die viele ori­en­ta­li­sche Ele­mente in sich auf­ge­nom­men hatte und die damals die Geis­tig­keit und die Kul­tur der Zeit beherrschte. Man ver­weist auf die soge­nannte „hei­lige Hoch­zeit“. In den Mythen der Grie­chen, der Ägyp­ter, der Baby­lo­nier, der Per­ser, der Inder ist oft die Rede von einer „hei­li­gen Hoch­zeit“. Das bedeu­tet, ein Gott naht sich einer irdi­schen Frau und schwän­gert sie. Und was nun aus die­ser „hei­li­gen Hoch­zeit“ gebo­ren wird, das sind bedeu­tende Män­ner, Kai­ser und Könige. Im grie­chi­schen Bereich ist es Zeus; er naht sich als Mensch oder als Wind oder als Gold­re­gen einer irdi­schen Frau und begat­tet sie. Was aus die­ser Ver­bin­dung her­vor­geht, das sind Gestal­ten wie Pytha­go­ras, Alex­an­der, Augus­tus, Plato. Diese Män­ner seien aus einer sol­chen „hei­li­gen Hoch­zeit“ ent­stan­den, und – jetzt kommt der Schluß, den die Irr­leh­rer zie­hen – was die Chris­ten bei den Mythen gele­sen haben, das haben sie auf Chris­tus über­tra­gen. Wenn in Ägyp­ten der Gott Amon Re die Köni­gin begat­tet, dann ent­steht ein neuer König. Und ähn­lich sei es auch im Chris­ten­tum gesche­hen; dort habe man eine hei­lige Hoch­zeit für das Ent­ste­hen des Chris­tus ange­nom­men. Was ist zu die­ser Auf­stel­lung zu sagen?

Die Mythen von der „hei­li­gen Hoch­zeit“ haben nie­mals als Geschichte gegol­ten. Sie wur­den auch von denen, die sie ver­tra­ten, als unge­schicht­li­che Spe­ku­la­tio­nen ange­se­hen. Die Her­kunft bedeu­ten­der Män­ner, vor allem der Könige und Kai­ser aus einer „hei­li­gen Hoch­zeit“, also der geschlecht­li­chen Ver­bin­dung eines Got­tes mit einer irdi­schen Frau, war nichts ande­res als der Aus­druck des Ser­vi­lis­mus der öst­li­chen Pro­vin­zen und der Schmei­che­lei der höfi­schen Rhe­to­ren. Man wollte die­sen bedeu­ten­den Per­sön­lich­kei­ten hul­di­gen, ihnen Aner­ken­nung und Lob zol­len, und so hat man sie als Söhne eines Got­tes aus­ge­ge­ben. Aber nie­mand, der das tat, war per­sön­lich davon über­zeugt, daß das wirk­lich so sei, son­dern das waren eben höfi­sche Flos­keln, die im Umkreis der Ver­eh­rung von Kai­sern und Köni­gen, aber auch von ande­ren bedeu­ten­den Män­nern üblich waren.

Ganz anders das Neue Tes­ta­ment. Der bib­li­sche Bericht geht von einem geschicht­li­chen Ereig­nis aus. Für die Bibel ist die Jung­frau­en­geburt kein Mythos, keine Spe­ku­la­tion, keine phan­tas­ti­sche Auf­stel­lung zum Zwe­cke der Schmei­che­lei, son­dern in der Bibel ist die Jung­frau­en­geburt eine Tat­sa­che, die Erfül­lung einer Ver­hei­ßung. Es war des­we­gen unmög­lich, daß die Chris­ten bei Chris­tus für Geschichte gehal­ten hät­ten, was in den Mythen unge­schicht­li­che Erfin­dung war; wenn sie diese Mythen auf Chris­tus über­tra­gen hät­ten, dann hät­ten sie auch bei Chris­tus diese Behaup­tung als eine mythi­sche Schmei­che­lei betrach­ten müs­sen. Aber das haben sie gerade nicht getan. Sie haben das, was an Maria gesche­hen ist, als Tat­sa­che der Geschichte ange­se­hen.

Eine zweite argu­men­ta­tive Linie muß davon aus­ge­hen, daß die Ver­ei­ni­gung eines Got­tes mit einer irdi­schen Frau in den Mythen immer eine geschlecht­li­che ist. Die Göt­ter, in wel­cher Gestalt auch immer sie sich der irdi­schen Frau nahen mögen, ver­keh­ren mit der irdi­schen Frau auf geschlecht­li­che Weise. Völ­lig davon ver­schie­den ist die Ent­ste­hung des Chris­tus im Leibe der Jung­frau Maria. Da ist nichts von Geschlecht­lich­keit, denn der Gott des Alten Tes­ta­men­tes ist über jede Geschlecht­lich­keit total erha­ben. Das ist ja eben der Unter­schied des alt­tes­ta­ment­li­chen Got­tes­bil­des von den mytho­lo­gi­schen Got­tes­vor­stel­lun­gen. Der Gott des Alten Tes­ta­men­tes hat nichts mit Geschlecht­lich­keit zu tun. Wenn die Rede davon ist, daß Maria von der Kraft Got­tes über­schat­tet wer­den sollte, dann ist damit nicht eine geschlecht­li­che Ver­ei­ni­gung gemeint, son­dern damit ist nichts ande­res als die schöp­fe­ri­sche Gewalt Got­tes aus­ge­sagt, die in Maria wirkt. Die Rede von der Über­schat­tung greift zurück auf das Bild von der Wolke, die im Alten und im Neuen Tes­ta­ment mehr­fach vor­kommt. Die Wolke ist ein Sym­bol der Gegen­wart und der schöp­fe­ri­schen Macht Got­tes. Wenn es also heißt, daß das Kind in Maria durch Über­schat­tung ent­ste­hen solle, dann bedeu­tet das: Es ent­steht durch die schöp­fe­ri­sche Kraft des über jedes Geschlecht­li­che erha­be­nen Got­tes.

Die Atmo­sphäre, das ist der dritte Ein­wand, in der sich „hei­lige Hoch­zeit“ und jung­fräu­li­che Emp­fäng­nis abspie­len, ist in den Mythen und im Neuen Tes­ta­ment völ­lig ver­schie­den. Die Göt­ter­müt­ter in den Mytho­lo­gien leben in schwü­ler Sinn­lich­keit, und ihre Ver­ei­ni­gung mit dem Gotte voll­zieht sich in geschlecht­li­cher Lei­den­schaft. Sie wer­den des­we­gen regel­mä­ßig auch nicht als Jung­frau bezeich­net. Wenn es doch ein­mal vor­kommt, z.B. bei Isch­tar und Aphro­dite, daß sie als Jung­frau bezeich­net wer­den, dann will das nicht besa­gen, daß sie Jung­frauen in dem Sinne sind, wie wir es von Maria aus­sa­gen, son­dern daß sie zu „hei­li­ger Hoch­zeit“ mit vie­len Göt­tern zur Ver­fü­gung ste­hen, daß sie nicht einem Gotte aus­schließ­lich ver­bun­den sind, son­dern zahl­rei­chen Göt­tern in die­ser Funk­tion die­nen. Ganz anders Maria. In unge­trüb­ter, leuch­ten­der, strah­len­der Rein­heit steht sie vor uns. Nichts von schwü­ler Sinn­lich­keit und nichts von geschlecht­li­cher Lei­den­schaft ist an ihr zu ent­de­cken. Das Geheim­nis, das unsag­bare Geheim­nis wird nur andeu­tend erwähnt, genug für die Wis­sen­den und aus­rei­chend für die Glau­ben­den.

Das ist also der Unter­schied zwi­schen den Mythen und dem Neuen Tes­ta­ment. Was den einen phan­tas­ti­sche Spe­ku­la­tion war, das ist im Neuen Tes­ta­ment Wirk­lich­keit gewor­den. Man kann viel­leicht diese Mythen als eine Ahnung, eine ferne Ahnung des­sen bezeich­nen, was ein­mal wirk­lich gesche­hen sollte. Aber mehr ist es nicht; eine ferne Ahnung des­sen, was Gott in Maria gewirkt hat.

Meine lie­ben Freunde, wenn wir uns so lange und aus­gie­big mit der Jung­fräu­lich­keit, mit der Jung­frau­en­geburt Mari­ens befas­sen, dann hat das einen guten Sinn. Denn die Wahr­heit von der Jung­fräu­lich­keit Mari­ens ist keine Neben­sa­che. Sie ist eine unlös­lich mit dem Erlö­ser ver­knüpfte Tat­sa­che. Wer an der Jung­fräu­lich­keit Mari­ens rüt­telt, der kratzt an der Voll­ge­stalt des Erlö­sers. In der Regel gehen näm­lich die Leug­nung der Jung­frau­en­geburt und die Leug­nung der Got­tes­sohn­schaft Jesu Hand in Hand. Wer die Jung­frau­en­geburt bestrei­tet, der bestrei­tet gewöhn­lich auch die Got­tes­sohn­schaft Jesu. Jesus ist der Eck­stein, und von die­sem Eck­stein wird das ganze Gebäude getra­gen. Wer an die­sem Eck­stein rüt­telt, indem er die jung­fräu­li­che Geburt bestrei­tet, leug­net oder in Zwei­fel zieht, der rüt­telt an dem gan­zen Gebäude. Und der Fall, der dann ent­steht, der ist gewal­tig.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Über Falschlehren gegen die jungfräuliche Empfängnis Mariens www.Glaubenswahrheit.org"

8. Die Unbefleckte Empfängnis Mariens
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