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Die Heilige Schrift mit Kommentare zur Hl. Schrift mit Papst Benedikt XVI & Papst Franziskus

Hier erfahren sie einige Gedanken - Kommentare zum neuen Testament durch den Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI & Papst Franziskus (© Liberia Editrice Vaticana / © St. Benno-Verlag) / ©Evangelizo.org 2001-2013

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Das Vaterunser

5 Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
6 Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verbotene sieht, wird es dir vergelten.
7 Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhöht, wenn sie viele Worte machen.
8 Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.
9 So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, / dein Name werde geheiligt,
10 dein Reich komme, / dein Wille geschehe / wie im Himmel, so auf der Erde.
11 Gib uns heute das Brot, das wir brauchen.
12 Und erlass uns unsere Schulden, / wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben.
13 Und führe uns nicht in Versuchung, / sondern rette uns vor dem Bösen.
14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.
15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
Aus Matthäus 6

»Das Gebet – ein Schmelztiegel«

Das Gebet nährt die Hoffnung, denn nichts kann die Wirklichkeit Gottes in unserem Leben besser ausdrücken als das gläubige Gebet. Auch in der Einsamkeit der härtesten Prüfung kann nichts und niemand mich daran hindern, dass ich mich an den Vater wende »im Verborgenen« meines Herzens, das nur er »sieht«, wie Jesus im Evangeliun sagt (vgl. Mt 6,4.6.18). Zwei Momente im irdischen Leben Jesu kommen uns in den Sinn, die jeweils am Anfang und fast am Ende seines öffentlichen Lebens stehen: die vierzig Tage in der Wüste, die durch die Fastenzeit nachgeahmt werden, und die Todesangst in Getsemani – beide sind im Wesentlichen Momente des Gebets. In der Wüste das Beten mit dem Vater »unter vier Augen«, am Ölberg das Beten in »Todesangst«. Aber indem er in beiden Situationen betet, entlarvt Jesus die Lügen des Versuchers und besiegt ihn. Das Gebet erweist sich also als erste und hauptsächliche »Waffe«, »damit wir dem Bösen absagen« …

Das Beten Christi erreicht seinen Höhepunkt am Kreuz, als er die letzten Worte spricht, die die Evangelisten aufgezeichnet haben. Dort, wo er verzweifelt ruft: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Mt 27,46; Mk 15,34; vgl. Ps 22,1), macht sich Jesus in Wirklichkeit die Bitte dessen zu eigen, der von den Feinden umringt ist und niemanden außer Gott hat, an den er sich wenden kann, und der jenseits aller menschlichen Möglichkeiten die göttliche Gnade und Rettung erfährt …

Das Gebet ist ein Schmelztiegel, in dem unsere Erwartungen und Bestrebungen dem Licht des Wortes Gottes ausgesetzt werden; sie werden in das Gespräch mit ihm hineingenommen, der die Wahrheit ist, und werden von heimlichen Lügen und Kompromissen, den verschiedenen Formen des Egoismus, gereinigt (vgl. Spe salvi, 33). Ohne die Dimension des Gebets verschließt dich das menschliche Ich letztlich in sich selbst, und das Gewissen, das Echo der Stimme Gottes sein sollte, läuft Gefahr, zum Spiegel des Ichs zu werden, sodass das innere Gespräch ein Monolog wird und tausend Selbstrechtfertigungen vorbringt. Das Gebet ist deshalb Garantie für die Öffnung zu den anderen: Wer sich für Gott und seine Ansprüche frei macht, öffnet sich zugleich dem andern, dem Bruder, der an die Tür unseres Herzens klopft und um Gehör, Aufmerksamkeit, Vergebung bittet, manchmal auch um Zurechtweisung, aber immer in brüderlicher Nächstenliebe. Das wahre Gebet ist nie egozentrisch, sondern immer auf den andern ausgerichtet. Als solches treibt es den Beter zur »Ekstase« der Nächstenliebe, zur Fähigkeit, aus sich herauszugehen, um dem andern als Nächster demütig und selbstlos zu dienen. Das wahre Gebet ist der Motor, die Triebkraft der Welt, denn es hält sie für Gott offen. Deshalb gibt es ohne Gebet keine Hoffnung, sondern nur Illusion. Nicht Gottes Gegenwart, sondern seine Abwesenheit entfremdet den Menschen: Ohne den wahren Gott, den Vater des Herrn Jesus Christus, werden die Hoffnungen zu Illusionen, die dazu führen, der Wirklichkeit zu entfliehen. Mit Gott sprechen, in seiner Gegenwart bleiben, sich von seinem Wort erleuchten und reinigen lassen, das führt uns hingegen in die Mitte der Wirklichkeit, in den innersten »Motor« des kosmischen Werdens; es führt uns sozusagen in das pulsierende Herz des Universums.


 


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