"

Die Wirksamkeit des Heiligen Geistes

Die Wirksamkeit des Heiligen Geistes

Die Wirksamkeit des Heiligen Geistes ...

Der Hei­lige Geist ist die Dritte Per­son in Gott. Von ihm gilt das Glei­che wie von der Zwei­ten Per­son: Er ist Gott von Gott, Licht vom Lichte, wah­rer Gott vom wah­ren Gott, eines Wesens mit dem Vater. Ver­schie­den ist nur die inner­gött­li­che Bezie­hung. Wäh­rend der Sohn vom Vater stammt durch Zeu­gung, geist­li­che Zeu­gung, so geht der Geist vom Vater und vom Sohne aus durch Hau­chung, geist­li­che Hau­chung. Den Sohn Got­tes haben wir gese­hen, denn er hat sich eine mensch­li­che Natur ange­eig­net. Den Vater kön­nen wir nicht sehen, und den Hei­li­gen Geist kön­nen wir auch nicht sehen. Gott ist unsicht­bar. Die Hei­lige Schrift hebt an meh­re­ren Stel­len die Unsicht­bar­keit als ein Wesens­merk­mal Got­tes her­vor. Nie­mand hat Gott je gese­hen. Der Ein­ge­bo­rene, der Gott ist und am Her­zen des Vaters ruht, er hat uns Kunde gebracht. „Nie­mand hat Gott je geschaut“, schreibt der Apos­tel Johan­nes. Und der Apos­tel Pau­lus fügt hinzu: „Nie­mand von den Men­schen hat ihn je gese­hen und nie­mand kann ihn sehen.“ Warum nicht? Weil die Unsicht­bar­keit Got­tes ein Aus­druck sei­ner Wesens­ver­schie­den­heit von allem Geschöpf­li­chen ist. Gott muss unsicht­bar sein, wenn er Gott blei­ben will. Darin drückt sich seine Über­le­gen­heit über alles Geschöpf­li­che und seine Unver­füg­bar­keit für den Men­schen aus. Was man sehen kann, das ist geschöpf­lich. Könnte Gott gese­hen wer­den, wäre er ein Bestand­teil der Schöp­fung, dann hörte er auf, Gott zu sein. Nein, die Unsicht­bar­keit ist ein Wesens­merk­mal Got­tes. Aber Unsicht­bar­keit besagt nicht Unwirk­sam­keit. Die Ferne Got­tes hat nichts mit Ohn­macht zu tun. Gott ist leben­dig. Wir wis­sen, er ist der Schöp­fer des Him­mels und der Erde. Gott wirkt. Er macht sich bemerk­bar durch seine Wirk­sam­keit.

Gilt das auch vom Hei­li­gen Geist? Ich will ver­su­chen, meine lie­ben Freunde, Ihnen zu zei­gen, wel­che Wirk­sam­keit der Hei­lige Geist ent­fal­tet. Ich meine, es ist eine vier­fa­che. Wo ist der Geist? Er ist da, wo die Wahr­heit ist. Denn der Geist ist der Geist der Wahr­heit. So nennt ihn unser Herr. Er spricht von dem Bei­stand, den der Vater sen­den wird und der ewig bei den Men­schen blei­ben soll: den Geist der Wahr­heit. Warum heißt er Geist der Wahr­heit? Aus zwei Grün­den: weil er die Wahr­heit liebt und weil er die Wahr­heit schenkt. Der Hei­lige Geist liebt die Wahr­heit. Er liebt sie in der Gestalt Jesu Christi; denn da ist die Wahr­heit per­so­nal gewor­den, da ist die Wahr­heit unter uns erschie­nen in einer mensch­li­chen Gestalt. Und diese mensch­li­che Gestalt war erfüllt vom Hei­li­gen Geiste. Auf ihm ruhte die Fülle des Geis­tes, nicht teil­weise, wie bei uns Men­schen. Von ihm erklärt die Him­mels­stimme: „Er ist mein gelieb­ter Sohn, ihn sollt ihr hören. Es ist also nicht egal, auf wen der Mensch hört, es ist nicht egal, was einer glaubt, es ist nicht egal, zu wel­chem Gott er betet, es ist nicht egal, wel­chem Ver­hal­tens­ko­dex er folgt. Ihn sollt ihr hören, IHN, nicht einen ande­ren. Der Mensch soll den wah­ren Gott anbe­ten. Er soll den im Flei­sche erschie­ne­nen Gott anbe­ten. Der Mensch soll Gott so ver­eh­ren, wie Gott es sel­ber will. Damit das geschieht, legt der Hei­lige Geist Zeug­nis von Gott ab. Er ist der Geist der Wahr­heit, er liebt die Wahr­heit und legt für diese Wahr­heit Zeug­nis ab. Wo sein Zeug­nis ange­nom­men wird, dort ist der Hei­lige Geist. Wo Chris­tus als der fleisch­ge­wor­dene Gott erkannt wird, dort ist der Hei­lige Geist. „Daran erkennt ihr den Hei­li­gen Geist“, sagt der Apos­tel Johan­nes. „Jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Chris­tus im Flei­sche gekom­men ist, ist aus Gott.“ Und jeder Geist, der nicht bekennt, dass Jesus der gott­ge­sandte Erlö­ser ist, ist nicht aus Gott. An der Chris­to­lo­gie, an der Lehre von Chris­tus, ent­schei­det sich der Besitz oder das Feh­len des Geis­tes. Es ist nicht egal, was jeder von Chris­tus hält. Man muss das rich­tige Ver­ständ­nis von Chris­tus haben. Der Geist Got­tes ist nicht dort, wo sein Leben und sein Wir­ken und seine Per­sön­lich­keit miss­ver­stan­den wer­den, wo sie ver­zeich­net wer­den, wo Jesus ver­harm­lost wird: ein gro­ßer Pro­phet, ein Reli­gi­ons­stif­ter, ein Hei­li­ger mit außer­ge­wöhn­li­chen Gaben. Nein, da gilt das Wort des Apos­tels Johan­nes: „Es sind viele Irr­leh­rer in die Welt aus­ge­gan­gen, die nicht beken­nen, dass Jesus Chris­tus im Flei­sche gekom­men ist.“ Und der Apos­tel Pau­lus drückt es noch dras­ti­scher aus: „Kei­ner, der im Geiste Got­tes redet, sagt ‚ver­flucht sei Jesus‘ und kei­ner kann sagen, ‚Jesus ist der Herr’, außer im Hei­li­gen Geist.“

Der Hei­lige Geist liebt die Wahr­heit. Er schenkt sie aber auch. In der Offen­ba­rung, da gibt er uns Wis­sen von Gott und von gött­li­chen Din­gen. Er belehrt uns in den Her­zen, was die Wahr­heit ist und was sie von uns for­dert. Die Geschenke Got­tes sind frei­lich von beson­de­rer Art: Sie set­zen die Tätig­keit des Beschenk­ten vor­aus. So sehr die Wahr­heit Got­tes ein Geschenk ist, so sehr ist sie auch die Frucht des Arbei­tens, Den­kens und Betens des Men­schen. In jahr­hun­der­te­lan­gem Bemü­hen haben das christ­li­che Volk und die Got­tes­ge­lehr­ten, hat die christ­li­che Kir­che ihren Scharf­sinn und ihre Fröm­mig­keit auf die Offen­ba­rung Got­tes in Chris­tus Jesus gerich­tet, um zu erken­nen, wie Gott ist und wie er han­delt. Die Kir­che war dabei nicht auf den Ver­stand der Men­schen bloß ange­wie­sen. Sie hatte einen Leh­rer, und die­ser Leh­rer ist der Hei­lige Geist. Die katho­li­sche Kir­che ist die Kir­che des Geis­tes. In unauf­hör­li­chem Rin­gen hat sich auch die Wahr­heit durch­ge­setzt, ist die Fülle des­sen, was in der Wahr­heit beschlos­sen ist, her­aus­ent­wi­ckelt wor­den. So hat sich die Ver­hei­ßung erfüllt: „Der Bei­stand wird euch alles leh­ren und euch an alles erin­nern, was ich euch gesagt habe.“ Katho­li­sche Kir­che, jetzt sehe ich dein Geheim­nis! Jetzt begreife ich deine Dog­men! Jetzt ver­stehe ich die Ent­wick­lung die­ser Dog­men, die Dog­men­ge­schichte. Der Impuls, der Garant die­ser Dog­men und die­ser Dog­men­ge­schichte ist der Hei­lige Geist. Nicht mensch­li­che Erfin­dung, nicht hel­le­nis­ti­sche Geis­tig­keit, nicht phi­lo­so­phi­sche Begriffe haben das Dogma erzeugt, son­dern der Hei­lige Geist hat sie gebil­det in der Kraft des mensch­li­chen Nach­den­kens und durch die­ses Den­ken hin­durch.

Der Geist Got­tes ist da, wo die Wahr­heit ist. Wo ist der Geist Got­tes noch? Er ist da, wo seine Gebote gehal­ten wer­den. Die christ­li­che Reli­gion ist eine sitt­li­che Reli­gion, das heißt, die Got­tes­ver­eh­rung ist nicht zu haben, ohne dass man sich den Gebo­ten beugt. Die christ­li­che Reli­gion lehrt nicht nur die Wirk­lich­keit Got­tes, son­dern sie macht auch den Wil­len Got­tes über den Men­schen kund. Die Ver­bin­dung mit Gott wird durch Glaube und Gehor­sam her­ge­stellt. „Willst du zum Leben ein­ge­hen, so halte die Gebote“, sagt Jesus dem rei­chen Jüng­ling. Das Hal­ten der Gebote schließt zwei Bestand­teile in sich. Ers­tens das Fest­hal­ten und zwei­tens das Befol­gen. Die Gebote Got­tes sind uni­ver­sal nach Ort und Zeit. Sie gel­ten für alle Zonen und für alle Epo­chen. Die Gebote Got­tes ver­al­ten nicht und fal­len nicht dahin. Den Men­schen ist es viel­mehr auf­ge­ge­ben, sie zu bewah­ren und fest­zu­hal­ten, und nicht, sie zu ändern oder anzu­pas­sen. Das Fest­hal­ten der Gebote Got­tes ist noch nie selbst­ver­ständ­lich gewe­sen. Es sind zu allen Zei­ten Irr­leh­rer auf­ge­stan­den, die es den Men­schen bequem und leicht machen woll­ten. Und zu die­sem Zweck haben sie die Gebote Got­tes abge­schwächt. Die sitt­li­chen Erleich­te­run­gen machen den Erfolg aller Irr­leh­ren der Geschichte aus. Als Meis­ter der Abschwä­chung, ja, der Ver­keh­rung der Gebote Got­tes hat sich der Pro­tes­tan­tis­mus erwie­sen. So schon im sech­zehn­ten Jahr­hun­dert. Die Men­schen fas­ten nicht gern: also fort mit den Fas­ten­ge­bo­ten! Die Men­schen opfern nicht gern: also fort mit dem Mess­op­fer! Die Men­schen beich­ten nicht gern: also fort mit der Beichte! Das war die Bot­schaft Mar­tin Luthers. Aber dabei ist der Pro­tes­tan­tis­mus nicht ste­hen geblie­ben. Er bedient auch heute eine zügel­lose Welt mit sei­ner Zustim­mung. Die Män­ner wol­len mit den Frauen abwech­seln, also her mit der Ehe­schei­dung und Wie­der­ver­hei­ra­tung! Die Frauen wol­len kei­nen dicken Bauch haben, also her mit Emp­fäng­nis­ver­hü­tung und Abtrei­bung! Män­ner wol­len mit Män­nern, Frauen wol­len mit Frauen ver­keh­ren, also her mit homo­se­xu­el­ler Betä­ti­gung. Evan­ge­li­sche Pfar­rer wol­len mit Män­nern im Pfarr­haus zusam­men­le­ben, also freier Zugang in das Pfarr­haus für homo­se­xu­elle Part­ner­schaf­ten! Das ist der Pro­tes­tan­tis­mus! Ich ver­mag nicht zu erken­nen, dass hier der Hei­lige Geist am Werke ist. Man kann mit allen Arti­keln han­deln, aber nicht mit dem Chris­ten­tum.

Der Geist ist da, wo die Gebote Got­tes fest­ge­hal­ten wer­den. Das Befol­gen muss dann die logi­sche Folge des Fest­hal­tens sein. Gebote dür­fen nicht nur zur Kennt­nis genom­men wer­den, sie müs­sen auch beob­ach­tet wer­den. Der Herr hat ja die Liebe sei­ner Jün­ger zu ihm vom Befol­gen der Gebote abhän­gig gemacht. „Wenn ihr mich liebt, so hal­tet meine Gebote!“ „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Meine Freunde seid ihr, wenn ihr tut, was ich euch gebiete.“ Wir alle wis­sen um unsere eigene Ver­such­lich­keit und Schwä­che. Wir sind keine Pha­ri­säer. Aber wir wis­sen auch um unser Bemü­hen, den Wil­len Got­tes zu erfül­len. Wir ken­nen den sitt­li­chen Kampf, wir sind geübt in Über­win­dung und Ver­zicht. Wir wis­sen, dass unser Glaube sich im täg­li­chen Leben bewäh­ren muss. Wenn wir Jün­ger Jesu sein und blei­ben wol­len, müs­sen wir seine Gebote gewis­sen­haft beob­ach­ten, auch unter Ver­zich­ten und Opfern. Gebote hören nicht auf zu gel­ten, wenn sie beschwer­lich wer­den. Gerade dann sind sie unent­behr­lich. Der Hei­lige Geist wirkt in uns, dass wir die Gebote Got­tes fest­hal­ten und sie befol­gen.

Wo ist der Geist Got­tes? Dort, wo seine Früchte sind. Früchte sind das Ergeb­nis von Bemü­hun­gen. Der Land­mann, der Gärt­ner, die bei­den wis­sen, wie das ist. Der Land­mann, der Gärt­ner, der den Acker pflegt und den Samen aus­streut und die Pflan­zen in die Erde bringt, der darf auf die Ernte hof­fen. Ähn­lich ist es mit den sitt­li­chen Anstren­gun­gen. Wir sol­len in unse­rem sitt­li­chen Kampf Frucht brin­gen. Der Herr hat uns wie­der­holt auf­ge­for­dert, Frucht zu brin­gen. „Ich habe euch erwählt und bestellt, dass ihr hin­geht und Frucht bringt. Dadurch wird mein Vater ver­herr­licht, dass ihr viele Frucht bringt.“ Die Früchte, die der Herr for­dert sind unsere guten Werke, unser täg­li­cher Dienst, im Auf­ste­hen und Arbei­ten, im Tra­gen und Ertra­gen. Die Gewis­sen­haf­tig­keit im täg­li­chen Leben ist die Frucht, die Gott von uns erwar­tet. Wenn wir unsere Arbeit sau­ber, pünkt­lich, zuver­läs­sig ver­rich­ten im Auf­blick zu Gott, dann brin­gen wir Frucht. „Alles, was ihr tut in Wort oder Werk, tut alles im Namen des Herrn Jesus und saget durch ihn Gott, dem Vater, Dank“, so for­dert der Apos­tel Pau­lus im Kolos­ser­brief auf. Das ist die Frucht des Hei­li­gen Geis­tes.

Eine Frucht des Hei­li­gen Geis­tes sind auch die Tugen­den, die wir erwer­ben. Was sind Tugen­den? Tugen­den sind Fer­tig­kei­ten im Guten. Wenn wir unab­läs­sig an uns arbei­ten, um Feh­ler abzu­le­gen, um Schwä­chen zu über­win­den, dann erwer­ben wir Tugen­den. Wir wer­den rein, wir wer­den keusch, wir wer­den tap­fer, wir wer­den mutig, wir wer­den fromm. Die uner­müd­li­che Arbeit an uns ist eine Frucht des Hei­li­gen Geis­tes, denn wir arbei­ten nicht allein. Es gilt das Wort des Apos­tels, dass Gott in uns das Wol­len und das Voll­brin­gen wirkt, nicht ohne uns, aber auch nicht ohne den Hei­li­gen Geist. Unsere Tugen­den sind Früchte unse­rer eige­nen Arbeit und Früchte des Wir­kens des Hei­li­gen Geis­tes. „Wenn deine Macht mir nicht bei­steht und dein Licht mich nicht erleuch­tet, dann werde ich ganz lau und zucht­los“, habe ich im Buch von der ‚Nach­folge Christi‘ gele­sen. Wenn deine Macht mir nicht bei­steht und dein Licht mich nicht erleuch­tet, dann werde ich ganz lau und zucht­los.

Der Apos­tel Pau­lus zählt die Früchte, die wun­der­ba­ren Früchte des Hei­li­gen Geis­tes auf: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freund­lich­keit, Güte, Treue, Milde, Keusch­heit. Das sind die Früchte des Hei­li­gen Geis­tes. Da ist der Geist, wo diese Früchte erblü­hen.

Und schließ­lich end­lich: wo ist der Geist noch? Er ist da, wo seine Zeu­gen lei­den. Der Herr hat sei­nen Jün­gern das Zeug­nis auf­ge­tra­gen: „Wenn der Bei­stand kommt, den ich euch vom Vater sen­den werde, wird er Zeug­nis über mich able­gen, aber auch ihr wer­det Zeug­nis able­gen.“ Zeuge sein heißt, für die Wahr­heit ein­tre­ten, sich nicht ein­schüch­tern las­sen, nicht aus Furcht ver­stum­men. Zeu­gen müs­sen zei­gen, wofür sie ste­hen. Zeuge sein heißt beken­nen. Das Beken­nen wird den Zeu­gen nicht leicht gemacht. Die Welt erträgt die Wahr­heit nicht. Sie ist ihr zu anspruchs­voll, zu for­dernd, zu unbe­quem. Sie sucht die Wahr­heit zu hin­dern, zu unter­drü­cken, zu ver­schwei­gen. Und dabei hält sie sich an die Zeu­gen der Wahr­heit. Sie legt Hand an sie, sie sucht sie zum Ver­stum­men zu brin­gen.

Der Herr hat es ihnen vor­aus­ge­sagt: „Sie wer­den euch den Gerich­ten über­lie­fern und euch in den Syn­ago­gen gei­ßeln; ihr wer­det vor Statt­hal­ter und Könige geführt wer­den.“ Wenige Vor­her­sa­gen des Herrn, meine lie­ben Freunde, haben sich in sol­chem Maße erfüllt wie diese. Der Feind, der Hass der Welt, die Feind­schaft der Welt beglei­tet die Kir­che durch ihre Geschichte. Wenn Sie noch ein Merk­mal der Kir­che aus­ma­chen wol­len, außer den vie­ren, die wir im Kate­chis­mus gelernt haben, dann ist es die­ses: die Kir­che ist immer eine lei­dende Kir­che. Ihre Bot­schaft reizt die Ungläu­bi­gen. Sie wol­len kei­nen Herrn über sich haben, sie wol­len die Knie nicht beu­gen vor Gott, sie wol­len die sitt­li­chen Nor­men nicht erfül­len, die Gott ihnen gege­ben hat. In Deutsch­land, meine lie­ben Freunde, in Deutsch­land hat der beken­nende katho­li­sche Christ stets mit Miss­trauen, Gering­schät­zung, Zurück­set­zung und Ableh­nung zu rech­nen. In unse­rem Lande ist das anti­ka­tho­li­sche Res­sen­ti­ment unaus­rott­bar. Die Beken­ner Christi, der treue Sohn und die treue Toch­ter der Kir­che, die zuver­läs­si­gen Gefolgs­leute des Paps­tes, müs­sen stets gewär­tig sein, benach­tei­ligt, zurück­ge­setzt, ver­däch­tigt und beschimpft zu wer­den. In der Theo­lo­gie ist es so weit gekom­men, dass ein Gelehr­ter, der an der gan­zen und unver­fälsch­ten Lehre der Kir­che fest­hält, als unwis­sen­schaft­lich betrach­tet wird.

Die Beken­ner Christi, die Zeu­gen Christi sind frei­lich nicht allein. Der Hei­lige Geist ermu­tigt und stärkt sie. Er erhebt sie über Men­schen­furcht und Ver­zagt­heit. Er geht mit ihnen in die Ver­samm­lun­gen der Feinde und vor die Gerichte. „Wenn sie euch aus­lie­fern“, sagt der Herr, „so macht euch keine Sorge, wie oder was ihr reden sollt. Es wird euch in jener Stunde gege­ben wer­den, was ihr reden sollt; denn nicht ihr seid es, die da reden, son­dern der Geist eures Vaters redet durch euch!“ Die­ses Wort ist tau­send­fach in Erfül­lung gegan­gen. Als Ste­pha­nus, der erste Mär­ty­rer, in Jeru­sa­lem mit den Juden stritt, da konn­ten sie der Weis­heit und dem Geist, der aus ihm sprach, nicht wider­ste­hen. Der Geist war immer mit sei­nen Zeu­gen, die vor Gericht gestellt wur­den. Lesen Sie ein­mal, meine lie­ben Freunde, lesen Sie ein­mal die Akten der Pro­zesse gegen die hei­lige Jung­frau Jeanne d’Arc und gegen den hei­li­gen Tho­mas Morus. Da wer­den Sie stau­nen, wel­che Geschick­lich­keit und Weis­heit sie vor den unge­rech­ten Rich­tern bewie­sen. Aus ihnen sprach der Hei­lige Geist. Auch im all­täg­li­chen Ver­kehr ist immer wie­der erstaun­lich, wie sich ein­fa­che Gläu­bige gegen Anwürfe und Vor­würfe erweh­ren. Ein Ver­wand­ter von mir, ein Loko­mo­tiv­hei­zer, wurde in der Nazi­zeit wegen sei­nes Glau­bens ange­pö­belt. Was ent­geg­nete er? „Ich habe den­sel­ben Glau­ben wie mein Füh­rer.“ Nanu, nanu, Hit­ler glaubte zwar nicht, aber er war von Hause aus katho­lisch. Dass ein­fa­che, schlichte Chris­ten ihren Fein­den treff­si­chere Ant­wor­ten zu geben wis­sen, das zeigt die Leben­dig­keit des Geis­tes. Der Hei­lige Geist, meine lie­ben Freunde, ist nicht tot. Er zeigt seine Leben­dig­keit im Wir­ken. Er wirkt in den Men­schen, die sich ihm öff­nen. Er wirkt in Beken­nen­der Wahr­heit, er wirkt in der treuen Befol­gung der Gebote Got­tes, er wirkt in den Chris­ten, die Frucht brin­gen. Er ertüch­tigt die Ver­folg­ten zum Ertra­gen aller Lei­den. Wahr­haf­tig, das sind Kin­der Got­tes, die sich vom Geiste trei­ben las­sen.