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Zeugnis geben für Christus im Heiligen Geist

Zeugnis geben für Christus im Heiligen Geist

Zeugnis geben für Christus im Heiligen Geist...

Viel­leicht ver­ste­hen wir die Texte am bes­ten, wenn wir anneh­men, dass die Jün­ger­ge­meinde in der Stunde, zu der sie im Abend­mahls­saale ver­sam­melt war, ähn­li­che Gedan­ken gehabt und ähn­li­che Gebete gespro­chen hat. Wir müs­sen uns in die Jün­ger­ge­meinde hin­ein­den­ken, die nach der Him­mel­fahrt des Herrn im Abend­mahls­saal, wie wir wis­sen, ver­sam­melt war. Das Ereig­nis der Him­mel­fahrt hat sie zutiefst bewegt. Es klingt eine Jubel­stim­mung in ihnen: Auf­ge­fah­ren ist Gott im Jubel, der Herr beim Schalle der Posau­nen. Die Him­mel­fahrt war für die Jün­ger kein trau­ri­ges, son­dern ein freu­di­ges Ereig­nis, und sie sind jetzt inner­lich zur Ruhe gekom­men. Sie wis­sen, der Meis­ter ist end­gül­tig ein­ge­tre­ten in die jen­sei­tige Welt. Er ist ent­ho­ben aller Gefähr­dung. Auf Erden hat er sich sei­nen Hassern und Ver­fol­gern aus­lie­fern wol­len. Aber jetzt ist er ihnen ent­zo­gen, jetzt ist der Haß sei­ner Feinde nicht mehr fähig, ihm Lei­des zuzu­fü­gen. Er ist ein­mal gestor­ben für die Sün­den, jetzt stirbt er nicht mehr.

Er ist auch ein­ge­gan­gen in die Herr­lich­keit des Vaters, hat Platz genom­men zur Rech­ten des Vaters, also am Ehren­platz des Vaters. Ohne Bild gespro­chen: Er hat die Herr­lich­keit des Vaters emp­fan­gen und die Herr­schaft über Him­mel und Erde ange­tre­ten. Er hat auch den Lohn emp­fan­gen für sein Leben, Lei­den und Ster­ben. Jetzt hat er einen Namen bekom­men, der über alle Namen ist, so dass sich in die­sem Namen alle Knie beu­gen müs­sen im Him­mel, auf der Erde und unter der Erde. Die Freude über die Auf­nahme Jesu in die Herr­lich­keit des Vaters lebt in den Jün­gern.

Aber nicht nur die Freude. Auch die Sehn­sucht ist in ihnen wach geblie­ben, die Sehn­sucht, sein Ant­litz zu schauen. Im Ein­gangs­lied haben wir ja gerade gebe­tet: „Erhöre, o Herr, mein Rufen. Es spricht zu dir mein Herz. Zeige mir dein Ant­litz, dein Ant­litz wende nicht hin­weg von mir.“ Die Sehn­sucht bleibt, den Herrn zu sehen, sein gelieb­tes Ant­litz zu schauen. Die­ses Lied könn­ten die Jün­ger im Abend­mahls­saal gesun­gen haben, in ihm lebt die christ­li­che Sehn­sucht nach dem Kom­men des Herrn, die in dem Rufe aus­klang: „Mara­na­tha“ – Komm, Herr Jesus!

Diese Sehn­sucht tei­len wir, meine Freunde. Auch wir har­ren auf den Herrn. Wir war­ten auf seine Wie­der­kunft, „von dan­nen er kom­men wird, zu rich­ten die Leben­den und die Toten“, so beten wir in jedem Credo der hei­li­gen Messe. Wir sind gewiß, dass der Herr seine Ver­hei­ßung erfül­len wird. Er wird wie­der­kom­men mit gro­ßer Macht und Herr­lich­keit. Die Engel haben es bei der Him­mel­fahrt ange­kün­digt: „Die­ser Jesus, den ihr habt auf­fah­ren sehen, wird so wie­der­kom­men, wie ihr ihn habt auf­fah­ren sehen.“ Wir wis­sen nicht, wann er kom­men wird. Die Uhr Got­tes geht anders als die Uhren der Men­schen. Vor ihm sind tau­send Jahre wie ein Tag. Der Herr wird kom­men, wann seine Stunde geschla­gen hat. Und eines ist sicher: Was jeder­zeit ein­tre­ten kann, ist immer nahe. Des­we­gen haben alle Gene­ra­tio­nen der Chris­ten mit dem Kom­men des Herrn gerech­net, mit Recht gerech­net. Und ich sage noch ein­mal: Was jeder­zeit ein­tre­ten kann, ist immer nahe. Er wird kom­men, und alle wer­den ihn sehen, die Bla­sier­ten und die Skep­ti­ker, die Hasser und die Ver­fol­ger, die Agnos­ti­ker und die Athe­is­ten, und auch die, die ihn durch­bohrt haben. Sie alle wer­den ihn sehen.

In der Epistel ergreift das Ober­haupt der Urkir­che, Petrus, das Wort. Nach der Him­mel­fahrt hat er sofort die Lei­tung der Gemeinde über­nom­men, und als geist­li­cher Haus­va­ter spricht er zu uns in der Epistel, knapp, nüch­tern, wie es seine Art war, ein rau­her Fischers­mann. Seine For­de­run­gen sind klipp und klar: Seid klug und wach­sam im Gebete! Lie­bet ein­an­der alle­zeit! Seid gast­freund­lich zuein­an­der ohne Mur­ren! Die­net ein­an­der! Das sind seine Wei­sun­gen. Sie gip­feln in der Liebe zuein­an­der. Die Nächs­ten­liebe ist nun ein­mal das Haupt­ge­bot des Chris­ten­tums, und ihm zu genü­gen, ist uns täg­lich auf­ge­ge­ben.

In jenen Tagen nach der Him­mel­fahrt war das Evan­ge­lium noch nicht auf­ge­schrie­ben. Aber alles, was der Herr gesagt hatte, war leben­dig in den Her­zen der Jün­ger. Sie erin­ner­ten sich an seine Abschieds­rede am Grün­don­ners­tag, und die haben wir ja eben im Evan­ge­lium ver­nom­men: „Wenn der Trös­ter kommt, den ich vom Vater sen­den werde, der Geist der Wahr­heit, der vom Vater aus­geht, er wird Zeug­nis von mir abge­ben.“ Sie wis­sen, wie not­wen­dig sie die­ses Zeug­nis brau­chen. So vie­les ist ihnen dun­kel und unklar geblie­ben, und so har­ren sie jetzt auf die Ver­hei­ßung, die der Herr ihnen gege­ben hat. Der Trös­ter, er wird kom­men! Er heißt der Geist der Wahr­heit. Das bedeu­tet: Er ist die Wahr­heit, und er lehrt die Wahr­heit. Der Geist der Wahr­heit, er ist die Kraft der Ver­kün­di­gung und die Seele der Kir­che. Kraft die­ses Geis­tes steht die Kir­che in der Wahr­heit. Ohne die­sen Geist wäre die christ­li­che Kir­che längst in Irr­tum und Wahn ver­sun­ken, hät­ten sich die Men­schen Gott nach ihrem Bilde geschaf­fen, hät­ten sie die Gebote Got­tes nach ihren Gelüs­ten gemo­delt. Das ist das Geheim­nis der katho­li­schen Kir­che, dass in ihr der Geist der Wahr­heit leben­dig ist. Wir ken­nen die Ärger­nisse, wir ken­nen die Ver­luste, wir ken­nen die Schwä­chen. Wir wis­sen das alles, und wir ver­heim­li­chen es nicht. Aber wir glau­ben an diese Kir­che, weil der Geist der Wahr­heit sie bewegt und belebt und weil er in ihr herrscht. Man wird immer in die­ser Kir­che die Wahr­heit fin­den kön­nen. Sie mag hie und da ver­bor­gen sein, es gibt fal­sche Pro­phe­ten auch in unse­rer Kir­che. Aber der Geist der Wahr­heit sorgt dafür, dass die Wahr­heit nie­mals unter­ge­hen wird in die­ser Kir­che.

Der Geist der Wahr­heit ertüch­tigt auch die Gläu­bi­gen, Zeug­nis von der Wahr­heit abzu­le­gen. Das Zeug­nis ist ein drei­fa­ches. Es ist ein­mal ein Zeug­nis des Wor­tes. Wir müs­sen mit unse­rer Rede für die Wahr­heit des Glau­bens ein­ste­hen. Wir haben die hei­lige Pflicht, den Men­schen, die uns begeg­nen, Zeug­nis von der Wahr­heit zu geben. Das Zeug­nis ist zwei­tens ein sol­ches des Lebens. Unser Leben muss für die Wahr­heit zeu­gen. „Führt einen ehr­ba­ren Wan­del unter den Hei­den“, so mahnt der Apos­tel. „Sie sol­len eure guten Werke sehen und Gott prei­sen am Tage der Heim­su­chung.“ Aber das Zeug­nis kann auch drit­tens ein Zeug­nis des Blu­tes sein. Es wer­den Ver­fol­gun­gen über die Chris­ten kom­men, und nur in der Kraft des Hei­li­gen Geis­tes kön­nen sie die Ver­fol­gun­gen über­ste­hen. Sol­che Zeu­gen hat es gege­ben und gibt es immer wie­der, meine lie­ben Freunde.

Am 1. Mai ist Frei­herr Phil­ipp von Boe­sel­ager gestor­ben im Alter von 91 Jah­ren. Die Frank­fur­ter All­ge­meine Zei­tung schrieb von ihm, er sei ein über­zeug­ter und über­zeu­gen­der Katho­lik gewe­sen – ein über­zeug­ter und über­zeu­gen­der Katho­lik! Und wir haben einen Herrn in unse­rer Mitte, der das bezeu­gen kann. Unser lie­ber Lorenz Schrei­ber aus Klein-Win­tern­heim hat in sei­nem Regi­ment gedient. Herr Schrei­ber, ich darf Sie bit­ten, ste­hen Sie ein­mal auf, damit die Leute sehen, wen wir unter uns haben! Er kann bezeu­gen, dass Phil­ipp von Boe­sel­ager wahr­haf­tig ein gläu­bi­ger und bezeu­gen­der Katho­lik war. Die­ser Offi­zier hat zur hei­li­gen Messe gedient, wenn Feld­got­tes­dienst war, und das im Heere Hit­lers. Ein­mal war Phil­ipp von Boe­sel­ager ein­ge­la­den in einer Runde von Gene­rä­len, und der Gene­ral Burg­dorf, der Chef­ad­ju­tant Hit­lers, erklärte: „Nach dem Kriege wer­den nicht nur die Juden aus der Wehr­macht ent­fernt, son­dern auch die Katho­li­ken!“ Da stand Boe­sel­ager auf und sagte zu Burg­dorf: „Das ist ja inter­es­sant, was Sie da sagen. Ich bin akti­ver Offi­zier. Ich bin fünf­mal ver­wun­det, ich habe im Kampf für unser Volk das Rit­ter­kreuz emp­fan­gen. Da muss ich mich also nach dem Kriege nach einem ande­ren Beruf umse­hen.“ So ist Boe­sel­ager vor Burg­dorf hin­ge­tre­ten und hat sei­nen Glau­ben bekannt. Gott braucht sol­che Zeu­gen, meine lie­ben Freunde. Aber Zeuge kann man nur sein, wenn man über­zeugt ist. Die letzte innere Sicher­heit des Glau­bens gibt nur der Hei­lige Geist. „Was nicht aus dei­nem Her­zen stammt, das dringt auch nicht zu Her­zen. Das Licht, das dir im Auge flammt, es leuch­tet sehr und zün­det mehr als hun­dert­tau­send Ker­zen.“

Die letzte innere Sicher­heit des Glau­bens ist nur mög­lich als Geschenk des Hei­li­gen Geis­tes. Und das müsste unser gro­ßes Gebet sein in der Pfing­s­toktav, dass wir die Kraft des Geis­tes emp­fan­gen, dass wir die Fir­mungs­gnade in uns erneu­ern, dass es hell und stark in uns wird, um Zeug­nis abzu­le­gen von unse­rem Glau­ben, um Rechen­schaft zu geben von der Hoff­nung, die uns beseelt.

Wel­ches Maß an Prü­fun­gen uns bevor­steht, wis­sen wir nicht. Aber wir ahnen, dass es käl­ter wird um uns. Die Gleich­gül­tig­keit gegen die Reli­gion und der Haß gegen die Reli­gion neh­men zu. Wir Pries­ter spü­ren zuerst, am aller­ers­ten die Feind­se­lig­keit, die Abwehr und das Befrem­den der Men­schen, wenn sie uns begeg­nen. Aus ihren Augen, aus ihrem Gesicht, aus ihrem Ver­hal­ten spricht das Erstau­nen, die Ver­wun­de­rung, das Befrem­den. Was, gibt es die auch noch, die Pfaf­fen? Was wol­len die noch? Wir wer­den har­ten Zei­ten ent­ge­gen­ge­hen, aber, meine Freunde, wir sind nicht ver­las­sen. Um der Aus­er­wähl­ten wil­len wer­den die Tage der Prü­fung abge­kürzt wer­den. Der ver­klärte Herr zur Rech­ten des Vaters hat uns nicht ver­ges­sen. Er betet für uns mit einem Gebet für seine Zeu­gen. Mit einem Lied von ergrei­fen­der Innig­keit gelei­tet uns heute die Kir­che zum Opfer­mahl: „Vater. solange ich bei ihnen war, habe ich sie bewahrt, die du mir gege­ben hast. Jetzt aber gehe ich zu dir. Ich bitte nicht: Nimm sie weg von der Welt, son­dern ich bitte: Bewahre sie vor dem Bösen!“

Der Herr betet für uns. Und wel­ches Gebet kann inni­ger, drin­gen­der und der Erhö­rung gewis­ser sein als das Gebet unse­res Herrn? Er betet in uns und für uns, dass wir bewahrt blei­ben vor der Anste­ckung der Welt, dass der Unrat uns nicht ergreift und dass die Ver­su­chung uns nicht über­win­det.