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Christi Himmelfahrt

„Aufge­fahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Gottes, des Vaters.“ So bekennen wir im Glaubensbe­kenntnis, das ist der Inhalt des Festes. Aufgefahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Got­tes, des Vaters.

Mit die­sem Fest tun sich man­che schwer. Die ungläu­bige Mensch­heit hat an die Stelle der Him­mel­fahrt des Herrn den Vater­tag gesetzt, einen völ­li­gen Unsinn.

Aber auch die Gläu­bi­gen wer­den von Fra­gen gepei­nigt, was es mit der Him­mel­fahrt des Herrn, was es mit dem Him­mel auf sich hat, und wir müs­sen uns den Fra­gen stel­len.


Predigten zum Fest Christi Himmelfahrt

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Heils­be­deu­tung der Him­mel­fahrt Christi

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte, in hei­li­ger Freude Ver­sam­melte!

Vier­zig Tage nach dem Fest der Auf­er­ste­hung des Herrn bege­hen wir das Fest sei­ner Him­mel­fahrt. Wie man an den Säu­len des Oster­ge­sche­hens gerüt­telt hat, so erst recht – und seit Jahr­hun­der­ten – an den Stüt­zen der Him­mel­fahrt unse­res Hei­lan­des. Im pro­tes­tan­ti­schen Bereich wurde im 18. Jahr­hun­dert das Fest sogar abge­schafft, weil man nichts damit anfan­gen konnte. Und auch heute ist eine große Ver­le­gen­heit bei den Pre­di­gern, wenn sie die Him­mel­fahrt ver­kün­di­gen sol­len. Wir wol­len uns drei Fra­gen stel­len und Ant­wor­ten dar­auf ver­su­chen:

1. Was ist gesche­hen?

2. Worin liegt die Bedeu­tung des Gesche­he­nen?

3. Wel­che Ein­wände wer­den dage­gen erho­ben?

Die erste Frage lau­tet: Was ist gesche­hen? Wir geben die Ant­wort, die das Evan­ge­lium ein­mü­tig gege­ben hat, näm­lich: Chris­tus ist mit Leib und Seele in den Him­mel auf­ge­fah­ren. Er hat das erfüllt, was er vor­aus­ge­sagt hatte. Denn als die Jün­ger damals Anstoß nah­men an sei­ner Rede über das eucha­ris­ti­sche Opfersa­kra­ment, daß sie sein Fleisch und sein Blut essen wür­den, da suchte er ihr Ver­ständ­nis zu erwei­tern, indem er auf seine himm­li­sche Seins­weise hin­wies. „Ärgert euch die­ses, wenn ihr nun den Men­schen­sohn dort­hin auf­fah­ren sehen wer­det, wo er zuvor war?“ Es ist also ein­ge­trof­fen, was er vor­aus­ge­sagt hat. Die mensch­li­che Natur Christi ist ver­setzt wor­den an einen uns unbe­kann­ten Ort. Sie ist nicht ver­schwun­den, sie hat sich auch nicht auf­ge­löst, son­dern wir müs­sen daran fest­hal­ten mit dem Zeug­nis des gan­zen Neuen Tes­ta­men­tes, daß eine lokale Ver­set­zung der mensch­li­chen Natur Christi an einen ihrer ver­klär­ten Exis­tenz­form ange­mes­se­nen Platz gesche­hen ist. Die Him­mel­fahrt ist ein his­to­ri­sches Ereig­nis. Sie ist ange­sie­delt in der Geschichte.

Frei­lich erschöpft sich damit nicht das Gesche­hen der Him­mel­fahrt. Jesus wurde ja sei­ner mensch­li­chen Natur nach an einen geeig­ne­ten Ort ver­setzt in der Geste des Empor­schwe­bens, und darin liegt eine sinn­bild­li­che Bedeu­tung. In der „Ver­dam­mung Fausts“, die­ser gro­ßen Oper von Hec­tor Ber­lioz, wird Faust in die Erde ver­setzt. Das hängt damit zusam­men, daß man sich die ver­schie­de­nen Zustände wie Ver­dam­mung und Bese­li­gung nur ört­lich vor­stel­len konnte, viel­leicht auch nur ört­lich vor­stel­len kann. Dann ist eben unten die Stätte der Ver­dam­mung und oben die Stätte der Ver­herr­li­chung. Das Empor­schwe­ben hat also eine sinn­bild­li­che Bedeu­tung. Sie besagt, daß Chris­tus in die Herr­lich­keit Got­tes ein­ge­gan­gen ist, nicht wie Faust in die Ver­damm­nis. Er ist empor­ge­ho­ben wor­den; das bedeu­tet, er ist in eine Seins­weise ein­ge­gan­gen, die von Glück, von Reich­tum, von Fülle und von Kraft gekenn­zeich­net ist.

In die­sem Gescheh­nis hat Chris­tus seine ihm gemäße Exis­ten­z­weise gewon­nen. Die Bedeu­tung die­ses Gescheh­nis­ses ist in drei­fa­cher Weise gege­ben. Ein­mal ist in der Him­mel­fahrt die höchste Offen­ba­rung der Herr­lich­keit Got­tes uns zugäng­lich. Gott wird ja ver­herr­licht durch die Geschöpfe; und die Geschöpfe ver­herr­li­chen Gott, indem sie an sei­ner Herr­lich­keit teil­neh­men. Chris­tus, der ver­klärte Chris­tus, aber nimmt jetzt an der Herr­lich­keit des Vaters in einer unüber­biet­ba­ren Weise teil. Und des­we­gen ver­herr­licht er Gott in einer nicht mehr zu über­tref­fen­den Weise. Gleich­zei­tig ist diese Ver­herr­li­chung mit sei­ner Macht ver­bun­den. Wenn wir sagen: „Er sit­zet zur Rech­ten Got­tes“, dann soll das bedeu­ten, er ist in den Macht­kreis Got­tes ein­ge­zo­gen, er hat den Ehren­platz. Der rechte Platz ist immer der Ehren­platz. Er ist in die Ver­herr­li­chung Got­tes ein­ge­gan­gen, und so ist ihm die Macht Got­tes eigen gewor­den. Gott selbst hat natür­lich keine Rechte und keine Linke, denn er ist ein unum­schrie­be­nes Wesen. Nur umschrie­bene Wesen haben eine Rechte und eine Linke. Die Rechte Got­tes ist also sym­bo­lisch zu ver­ste­hen als die Aus­zeich­nung mit der Macht und mit der Herr­lich­keit Got­tes.

Aber damit erschöpft sich noch nicht die Bedeu­tung des Gesche­hens der Him­mel­fahrt, denn was an Chris­tus gesche­hen ist, das soll auch an uns gesche­hen. Über sei­nem gan­zen Leben steht ja das „Pro nobis“. Für uns ist er vom Him­mel her­ab­ge­stie­gen, für uns hat er eine Men­schen­na­tur ange­nom­men, für uns hat er gelit­ten und ist gekreu­zigt wor­den. Für uns ist er aber auch auf­er­stan­den und in den Him­mel ver­setzt wor­den. Wir sol­len an ihm, an sei­ner neuen Exis­ten­z­weise able­sen, was uns bevor­steht. Wir sol­len dadurch Hoff­nung und Trost gewin­nen. Ja, der Apos­tel Pau­lus geht noch wei­ter. Er sagt, was an Chris­tus gesche­hen ist, das ist an uns auch schon gesche­hen. Im Ephe­ser­brief schreibt er: „Er hat uns mit­au­f­er­weckt und mit­ver­setzt in den Him­mel in Chris­tus Jesus.“ Wie ist das zu ver­ste­hen: Er hat uns mit­au­f­er­weckt und mit­ver­setzt in den Him­mel? Ist das zu ver­ste­hen im Sinne der ungläu­bi­gen Gnos­ti­ker, die mit der Auf­er­ste­hung und mit der Him­mel­fahrt nichts anfan­gen kön­nen und des­we­gen sagen: Es ist dies jetzt schon pas­siert, indem wir in einem neuen Leben uns bemü­hen, den sitt­li­chen Grund­sät­zen, die Chris­tus gepre­digt hat, nach­zu­le­ben? Nein, das ist nicht gemeint. Das ist ontisch zu ver­ste­hen, von der Seins­weise. Der Christ ist durch den Emp­fang der Gnade bereits jetzt in einen Zustand ver­setzt, in dem er an der himm­li­schen Seins­weise Christi Anteil hat. In sei­nem inners­ten Per­son­kern ist der Christ schon ver­wan­delt, ist er schon in die Seins­weise Christi ein­ge­tre­ten. Was uns bevor­steht, ist das Offen­bar­wer­den die­ser Wirk­lich­keit. Wir haben schon das Unter­pfand des ewi­gen Lebens in uns, und es soll offen­bar wer­den, wenn ein­mal die Hül­len des irdi­schen Lebens fal­len. Dann begrei­fen wir, daß die Auf­er­ste­hung und die Him­mel­fahrt Christi Heils­be­deu­tung haben; denn was an ihm geschah als dem Haupt der Schöp­fung, das soll, das muß an der gan­zen Schöp­fung gesche­hen. Wenn wir also den ver­klär­ten Chris­tus anschauen, dann sehen wir den Gedan­ken ver­wirk­licht, den letz­ten Gedan­ken, den Gott vom Men­schen hat. Da sehen wir das Men­schen­bild, wie es Gott vor­schwebt. Das ist der Mensch, wie er in dem Geiste Got­tes exis­tiert, der ver­klärte, der in den Him­mel erho­bene, der mit Chris­tus sieg­reich herr­schende Mensch.

Natür­lich gibt es dage­gen Ein­wände. Sie las­sen sich auf zwei zurück­füh­ren, ein­mal, indem man etwa mit Hein­rich Heine sagt: „Den Him­mel über­las­sen wir den Engeln und den Spat­zen.“ Diese Äuße­rung von Hein­rich Heine, die er übri­gens an sei­nem Lebensende bedau­ert hat, ver­wech­selt zwei fun­da­men­tal ver­schie­dene Dinge. Da, wo die Spat­zen sich auf­hal­ten, aber auch andere Vögel, das ist das Fir­ma­ment, das wir sehen. Das ist die Stätte der Wol­ken und der Wit­te­rung, das ist die Stätte, wo wir das Ozon­loch mes­sen. Der Him­mel, wo die Engel sind, ist davon total ver­schie­den. Das ist die Gott vor­be­hal­tene Wirk­lich­keit. Die­ser Him­mel hat mit dem Wol­ken­him­mel nichts zu tun. Wir ken­nen seine lokale Anord­nung nicht, aber daß er exis­tiert, das wis­sen wir aus der Offen­ba­rung. Und wer des­we­gen von dem Auf­ent­halts­ort der Vögel und von dem Exis­tenz­raum der Engel mit einem Worte spricht, der ver­fehlt sich gegen die Denk­ge­setze. Der Glaube an die Him­mel­fahrt Christi ist vom anti­ken Welt­bild, wo oben das helle Licht ist und unten das Dunkle, Dumpfe, völ­lig unab­hän­gig. Er hängt nicht am anti­ken Welt­bild, und er bricht des­we­gen auch nicht mit dem anti­ken Welt­bild zusam­men.

Ein zwei­ter Ein­wand greift auf die Reli­gi­ons­ge­schichte zurück. Man weist dar­auf hin, daß in der grie­chi­schen und in der römi­schen Welt von Apo­theo­sen die Rede ist. Was sind Apo­theo­sen? Das sind Ver­gött­li­chun­gen. Men­schen, die unter uns gelebt haben, wer­den nach ihrem Tode ver­gött­licht, in den Göt­ter­him­mel erho­ben. So ist es bei­spiels­weise gesche­hen mit römi­schen Kai­sern; sie wur­den wie Göt­ter ver­ehrt. Ist das eine Par­al­lele zu dem, was mit dem Jesus von Naza­reth gesche­hen ist? Dage­gen gibt es zwei ent­schei­dende Argu­mente.

1. Von den Bewoh­nern der Antike hat nie­mand im Ernst die Wirk­lich­keit die­ser Ver­gött­li­chun­gen ange­nom­men. Es hat jeder­mann gewußt, daß das schmeich­le­ri­sche Ver­eh­run­gen von angeb­lich oder wirk­lich bedeu­ten­den Per­sön­lich­kei­ten waren, daß das aber kei­nes­wegs eine onto­lo­gi­sche Wirk­lich­keit ist. Also die­je­ni­gen, die Ver­gött­li­chun­gen vor­nah­men oder denen sol­che zuge­schrie­ben wur­den, waren von der Wirk­lich­keit der­sel­ben selbst nicht über­zeugt.

2. Jesus ist durch die Him­mel­fahrt nicht ein ande­rer gewor­den, son­dern bei der Him­mel­fahrt ist nur her­aus­ge­kom­men, was immer in ihm war. Er ist nicht erst durch die Him­mel­fahrt ver­gött­licht wor­den, er war Gott von Anfang an. Gerade das hat die Ver­kün­di­gung der Apos­tel deut­lich fest­ge­hal­ten. „Er, der in Got­tes­ge­stalt war – war! –, hat nicht geglaubt, das Gott­gleich­sein wie ein Beu­te­stück fest­hal­ten zu sol­len. Nein, er ent­äu­ßerte sich selbst, nahm Knechts­ge­stalt an, wurde den Men­schen gleich und im Äuße­ren – im Äuße­ren! – als ein Mensch erfun­den. Er ernied­rigte sich selbst und ward gehor­sam bis zum Tode, ja, bis zum Tod am Kreuze. Darum hat ihn Gott auch erhöht und ihm einen Namen gege­ben, der über allen Namen ist, auf daß sich im Namen Jesu beu­gen alle Knie derer, die im Him­mel, auf der Erde und unter der Erde sind, und daß alle Zun­gen zur Ehre Got­tes, des Vaters, beken­nen: Jesus Chris­tus ist der Herr!“

Also. was an Jesus gesche­hen ist, das ist nicht eine Ver­wand­lung eines Men­schen in eine gött­li­che Per­sön­lich­keit, son­dern das ist das Offen­bar­wer­den des­sen, was immer in ihm war, keine Apo­theose, son­dern eine durch die gött­li­che Macht gefügte Mani­fe­sta­tion sei­nes inners­ten Wesens.

Wenn wir so, meine lie­ben Freunde, die Him­mel­fahrt Christi ver­ste­hen, dann wer­den selbst­ver­ständ­lich nicht alle Fra­gen ver­stum­men. Es blei­ben auch hier Denk­schwie­rig­kei­ten. Aber dafür gibt es eine gute Erklä­rung: Wenn wir die Werke Got­tes begrei­fen könn­ten, wenn wir sie durch­drin­gen könn­ten, wenn wir sie bis ins letzte erfas­sen könn­ten, dann wären sie nicht mehr Got­tes Werk, dann wären sie das Werk eines Men­schen. Denn alles, was der Mensch schafft, das kann auch vom Men­schen nach­ge­schafft wer­den, das kann auch vom Men­schen durch­drun­gen und erkannt wer­den. Das ist ja gera­dezu die Signa­tur der Werke Got­tes, daß sie dem Ver­stande Rät­sel auf­ge­ben. Das ist bei allen Wer­ken Got­tes so, ob es sich um die Eucha­ris­tie han­delt oder um die Men­schwer­dung Jesu, um seine Auf­er­ste­hung oder um die Him­mel­fahrt: Got­tes Werke sind über dem mensch­li­chen Ver­stand. Sie sind nicht gegen ihn, aber sie sind über dem mensch­li­chen Ver­stand. Das ist das Kenn­zei­chen, daß Gott am Werk ist. Des­we­gen brau­chen wir uns nicht besorgt zu zei­gen, wenn wir nicht alle Geheim­nisse auf­lö­sen kön­nen. Es muß so sein. Denn wenn Gott Gott blei­ben will, der sou­ve­räne Herr, dann müs­sen seine Werke für den Men­schen letzt­lich undurch­dring­lich blei­ben.

Wir dür­fen also heute wie immer gläu­big beken­nen: „Auf­er­stan­den von den Toten, auf­ge­fah­ren in den Him­mel, sitzt er zur Rech­ten Got­tes, von dan­nen er kom­men wird zu rich­ten die Leben­den und die Toten. Und sei­nes Rei­ches wird kein Ende sein.“

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Christi Himmelfahrt „ www.Glaubenswahrheit.org“

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