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Christi Himmelfahrt

„Aufge­fahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Gottes, des Vaters.“ So bekennen wir im Glaubensbe­kenntnis, das ist der Inhalt des Festes. Aufgefahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Got­tes, des Vaters.

Mit die­sem Fest tun sich man­che schwer. Die ungläu­bige Mensch­heit hat an die Stelle der Him­mel­fahrt des Herrn den Vater­tag gesetzt, einen völ­li­gen Unsinn.

Aber auch die Gläu­bi­gen wer­den von Fra­gen gepei­nigt, was es mit der Him­mel­fahrt des Herrn, was es mit dem Him­mel auf sich hat, und wir müs­sen uns den Fra­gen stel­len.


Predigten zum Fest Christi Himmelfahrt

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Die Bedeu­tung der Him­mel­fahrt des Herrn

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte, zur Feier der Him­mel­fahrt unse­res Herrn und Hei­lan­des Ver­sam­melte!

Das Fest Christi Him­mel­fahrt hat es schwer. Im Bereich des Pro­tes­tan­tis­mus war es schon ein­mal abge­schafft. Man wußte mit ihm nichts mehr anzu­fan­gen. Und tat­säch­lich, wo der Unglaube ein­zieht, da muß die­ses Fest fal­len. Der Begrün­der der deut­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie, August Bebel, hat ein­mal den Aus­spruch getan: „Wenn es einen Him­mel gibt, dann sind wir alle die Gelack­mei­er­ten.“ Wir, meint er, die wir nicht an den Him­mel glau­ben. Man kann eine Him­mel­fahrt nur fei­ern, wenn man an einen Him­mel glaubt. Wir wol­len uns heute, am Fest Christi Him­mel­fahrt, über das Gesche­hen an Chris­tus klar wer­den und dazu drei Punkte beden­ken, näm­lich

1. die Auf­er­ste­hung als Vor­aus­set­zung der Him­mel­fahrt,

2. den Sinn des Gesche­hens der Him­mel­fahrt und

3. die Bedeu­tung des in den Him­mel auf­ge­fah­re­nen Herrn für uns und die ganze Welt.

Die Auf­er­ste­hung ist die Vor­aus­set­zung der Him­mel­fahrt. Ein aus dem Geblüt des Men­schen gebo­re­ner, aus dem Blute gebo­re­ner Mensch kann in den Him­mel nicht ein­ge­hen. Um in den Him­mel ein­zu­ge­hen, muß man eine Ver­wand­lung erle­ben, und nur der ver­klärte Chris­tus, der aus dem Grabe geris­sen wurde, war in der Lage, in den Him­mel auf­zu­fah­ren. Die Vor­aus­set­zung der Him­mel­fahrt ist die Auf­er­ste­hung Jesu. Jesus hat nach sei­ner Auf­er­ste­hung 40 Tage lang den Jün­gern den Glau­ben auf­er­baut. 40 Tage hin­durch erschien er ihnen und sprach über das Reich Got­tes. Ich halte es für eine unan­ge­brachte Frage, zu beden­ken, wo Jesus in die­sen 40 Tagen geweilt hat. Ich bin der Über­zeu­gung, daß Chris­tus in die­sen 40 Tagen in der Herr­lich­keit des Vaters weilte, daß also das, was wir Him­mel­fahrt nen­nen, schon am Auf­er­ste­hungs­mor­gen gesche­hen ist. Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt sind ein Ereig­nis, näm­lich das Ereig­nis der Erhö­hung. Die Hei­lige Schrift spricht immer davon, wenn sie aus­drü­cken will, was mit Jesus geschah, er sei erhöht wor­den, und damit meint sie zwei Ele­mente, näm­lich ein­mal das Leben­dig­wer­den des beseel­ten Lei­bes und zum ande­ren sei­nen Ein­gang in die Herr­lich­keit des Vaters. Nach mei­ner Über­zeu­gung ist also Jesus am Auf­er­ste­hungs­tage bereits in die himm­li­sche Herr­lich­keit ein­ge­gan­gen, und von da ist er den Jün­gern fort­lau­fend erschie­nen. Er brauchte also nicht irgend­eine Woh­nung auf Erden ein­zu­neh­men, um in die­ser Zeit behei­ma­tet zu sein. Nein, er hat seine Hei­mat im Him­mel, und von da ist er immer wie­der den Jün­gern erschie­nen. Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt sind in dem Aus­druck Erhö­hung mit­ge­meint. „Darum hat Gott ihm auch einen Namen gege­ben, der über alle Namen ist. Er hat ihn erhöht“, so heißt es im Phil­ip­per­brief. Erhöht heißt, aus der irdi­schen Daseins­form befreit sein und in die himm­li­sche Seins­weise auf­ge­nom­men sein. In die­sem Sinne ver­stan­den ist die Auf­er­ste­hung die uner­läß­li­che Vor­aus­set­zung der Him­mel­fahrt.

Ja, aber was bleibt dann für die Him­mel­fahrt noch übrig? Hat sie dann noch einen Sinn? O ja, einen sehr tie­fen. Die Him­mel­fahrt ist der Abschluß der Erschei­nun­gen. Die Him­mel­fahrt, die wir heute fei­ern, ist die letzte Erschei­nung. Danach hat Chris­tus sich end­gül­tig und für immer von die­ser Welt ver­ab­schie­det und ist in die Herr­lich­keit des Vaters ein­ge­gan­gen. Wir brau­chen an der Geschicht­lich­keit und an der Tat­säch­lich­keit des­sen, was am Him­mel­fahrts­tage gesche­hen ist, nicht den gerings­ten Zwei­fel zu hegen. Chris­tus ist in den Him­mel auf­ge­fah­ren aus eige­ner Kraft, wie wir es im Kate­chis­mus gelernt haben, näm­lich aus der Kraft sei­ner Gott­heit. Aber diese Him­mel­fahrt ist eben inso­fern eine beson­dere, als sie keine irgend­wie gear­tete Erschei­nung mehr nach sich zieht. Die Erschei­nun­gen sind abge­schlos­sen, Chris­tus ist end­gül­tig in die Herr­lich­keit des Vaters ein­ge­gan­gen.

Hier set­zen dann natür­lich die Zwei­fel und die Unsi­cher­hei­ten ein. Ja, wo ist er denn jetzt? Als die Raum­flüge began­nen, fragte man den Kos­mo­nau­ten Gaga­rin, ob er Gott getrof­fen habe. „Natür­lich nicht“, sagte er. „Er exis­tiert nicht. Ich habe ihn auch drau­ßen nicht gese­hen.“ Diese pri­mi­tive Argu­men­ta­tion ver­wech­selt zwei Dinge, näm­lich ein­mal den Wol­ken­him­mel und die Gott vor­be­hal­tene Wirk­lich­keit. Der Wol­ken­him­mel, das ist jene Stelle, wo unsere Flug­zeuge krei­sen, wo die Raum­schiffe fah­ren, wo die Vögel sich bewe­gen. Das ist der Wol­ken­him­mel. Aber das Wort Him­mel wird in einem ganz ande­ren Sinne gebraucht, wenn wir von Gott spre­chen. Damit mei­nen wir die Gott vor­be­hal­tene jen­sei­tige, unwelt­li­che und über­welt­li­che Wirk­lich­keit. Die Hei­lige Schrift und die Kir­che geben einen Hin­weis dar­auf, daß Chris­tus nicht in den Wol­ken­him­mel gefah­ren ist, son­dern in die Gott vor­be­hal­tene Wirk­lich­keit, wenn sie sagt, er sei „über alle Him­mel empor­ge­stie­gen“, also nicht in den Wol­ken­him­mel, son­dern über den Wol­ken­him­mel, d.h. in eine jen­seits des Wol­ken­him­mels gele­gene Wirk­lich­keit. Wir dür­fen uns nicht die fal­sche Vor­stel­lung machen, als ob Chris­tus sich in einer unend­li­chen Ferne von der Erde jetzt nie­der­ge­las­sen habe und dort sei­nen Wohn­sitz genom­men habe. Wenn es so wäre, dann wären Gott und Chris­tus immer noch ein Bestand­teil der Welt, der Ort mag so weit von uns ent­fernt sein wie nur immer mög­lich. Man könnte grund­sätz­lich mit irdi­schen Mit­teln die­sen Wohn­sitz aus­fin­dig machen und ihn besu­chen. Es wäre mit unse­ren tech­ni­schen Mit­teln mög­lich, wenn auch in lan­gen Zeit­räu­men, die Stätte, in der sich Jesus befin­det, zu errei­chen. Dann aber wäre Gott immer noch ein Stück der Welt. Dann wäre er nicht der Welt über­le­gen, und wenn er nicht der Welt über­le­gen ist, dann ist er nicht Gott. Gerade das ist ja seine Gott­heit, daß er anders ist als die Welt, daß er in der Welt nicht vor­find­lich ist, daß er auch mit welt­li­chen, irdi­schen, mensch­li­chen Mit­teln nicht erreich­bar ist, daß er jen­seits­welt­lich, daß er über­welt­lich ist. Er ist welt­über­le­gen. Und so brau­chen wir keine Sor­gen zu haben, daß wir etwa durch wei­tere Aus­deh­nung der Raum­fahrt Gott gewis­ser­ma­ßen in Besitz neh­men könn­ten. Die Raum­schiffe mögen so weit gelan­gen, wie sie wol­len, Gott ist damit nicht zu errei­chen. Er lebt in einer Wirk­lich­keit, die der Erfah­rung, die den mensch­li­chen, die den irdi­schen, die den welt­li­chen Mit­teln nicht zugäng­lich ist. Das ist also der Sinn der Him­mel­fahrt, daß Chris­tus mit sei­ner mensch­li­chen Natur in die Gott vor­ge­hal­tene Wirk­lich­keit ein­ge­gan­gen ist.

Die Tätig­keit, die Jesus, der in den Him­mel auf­ge­fah­ren ist, jetzt aus­übt, ist eine zwei­fa­che. Er übt näm­lich im Him­mel sein Pries­ter­tum aus. Nie­mand hat dar­über kla­rere Aus­sa­gen gemacht als der Brief an die Hebräer. Dort heißt es: „Er aber, der ewig bleibt, hat ein unver­gäng­li­ches Pries­ter­tum. Des­halb kann er immer­dar jene erret­ten, die durch ihn Gott sich nahen. Er lebt ja alle­zeit, um als Für­bit­ter für sie ein­zu­tre­ten.“ Also das ist seine Tätig­keit in der himm­li­schen Wirk­lich­keit: Er tritt als Für­bit­ter für uns ein. Er zeigt dem Vater seine Wun­den als Zei­chen des Erlö­sungs­wer­kes und erwirbt dadurch für uns Gnade um Gnade. Er ist ein Hoher­pries­ter, der ein unver­gäng­li­ches Pries­ter­tum besitzt. An einer ande­ren Stelle schreibt der Brief an die Hebräer: „Chris­tus erschien als Hoher­pries­ter der künf­ti­gen Güter und trat ein für alle­mal in das Hei­lig­tum ein durch das grö­ßere und voll­kom­me­nere Zelt, das nicht von Hän­den gewirkt ist, d.h. nicht die­ser geschaf­fe­nen Welt ange­hört.“ Seine pries­ter­li­che Funk­tion ist nicht wie die der irdi­schen Pries­ter der Wie­der­ho­lung bedürf­tig. Sein Pries­ter­tum ist ein für alle­mal durch das Opfer am Kreuze voll­endet wor­den, und nun wirkt er es in der himm­li­schen Herr­lich­keit aus. Um noch eine letzte Stelle zu erwäh­nen: „Denn nicht in ein von Hän­den gefer­tig­tes Hei­lig­tum ging Chris­tus ein, son­dern in den Him­mel selbst, um nun­mehr vor dem Ange­sicht Got­tes für uns zu erschei­nen, nicht um oft­mals sich selbst zu opfern, son­dern jetzt ist er ein­mal, am Ende der Zei­ten, erschie­nen, um die Sün­den durch sein Opfer zu til­gen.“ Er übt sein Pries­ter­tum aus und – das ist die zweite Tätig­keit – er hat die Herr­schaft über die Welt und über die Geschichte. Chris­tus ist zum Herrn gewor­den. Seine Him­mel­fahrt ist eine Thro­n­er­he­bung, eine Inthro­ni­sa­tion. Er wurde zum Kyrios, zum macht­vol­len Herrn erho­ben, und zwar zum Herrn über die Welt und über die Geschichte. Es hat sich jetzt erfüllt, was der Pro­phet Daniel ver­hei­ßen hatte: „Wäh­rend ich noch ein Nacht­ge­sicht hatte, kam plötz­lich einer, der aus­sah wie ein Men­schen­sohn auf den Wol­ken des Him­mels. Als er bei dem Hoch­be­tag­ten ange­langt war, führte man ihn vor den­sel­ben. Ihm ward nun Herr­schaft, Ehre und Reich­tum ver­lie­hen. Ihm müs­sen alle Völ­ker, Natio­nen und Zun­gen die­nen. Seine Herr­schaft wird ewig dau­ern und nie ver­ge­hen. Nie­mals wird sein Reich zer­stört wer­den.“ Er ist der Herr über die Welt und über die Geschichte.

Er ist auch der Herr über die Kir­che. Im Ephe­ser­brief heißt es: „Gott hat Chris­tus von den Toten erweckt und zu sei­ner Rech­ten im Him­mel gesetzt. Dort thront er nun hoch über alle Herr­schaft, Gewalt, Macht und Kraft und über jeden Namen, der in die­ser und der zukünf­ti­gen Welt genannt wird. Alles hat er unter seine Füße gelegt, ihn aber hat er sei­ner Kir­che zum alles über­ra­gen­den Haupt gege­ben, ist diese doch sein Leib, die höchste Voll­endung des­sen, der alles in sich voll­endet.“ Er ist das Haupt des Welt­alls, er ist das Haupt der Kir­che. Als Haupt der Kir­che ist er gewis­ser­ma­ßen als unser Quar­tier­ma­cher vor­an­ge­gan­gen. Er ist hin­ge­gan­gen, uns eine Woh­nung zu berei­ten, und wir dür­fen uns ver­las­sen, daß wir nicht die Gelack­mei­er­ten sind, wenn wir ster­ben, son­dern daß wir eine Woh­nung vor­fin­den, die Chris­tus uns berei­tet hat. Wir kön­nen sicher sein, daß das, was am Haupte geschah, auch an sei­nem Leib gesche­hen muß, daß auch wir ein­mal in Wirk­lich­keit in die Herr­lich­keit des Vaters ein­ge­hen wer­den und uns eine ganze Ewig­keit mit ihm freuen kön­nen.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Christi Himmelfahrt „ www.Glaubenswahrheit.org“

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