"

Christi Himmelfahrt.

Christi Himmelfahrt

„Aufge­fahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Gottes, des Vaters.“ So bekennen wir im Glaubensbe­kenntnis, das ist der Inhalt des Festes. Aufgefahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Got­tes, des Vaters.

Mit die­sem Fest tun sich man­che schwer. Die ungläu­bige Mensch­heit hat an die Stelle der Him­mel­fahrt des Herrn den Vater­tag gesetzt, einen völ­li­gen Unsinn.

Aber auch die Gläu­bi­gen wer­den von Fra­gen gepei­nigt, was es mit der Him­mel­fahrt des Herrn, was es mit dem Him­mel auf sich hat, und wir müs­sen uns den Fra­gen stel­len.

Predigten zum Fest Christi Himmelfahrt

Mit der Taste "F5" können sie die nächste Predigt aufrufen.
Auf­ge­fah­ren in den Him­mel

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

„Wenn es einen Him­mel gibt, dann sind wir alle die Gelack­mei­er­ten.“ So hat der Grün­der der deut­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie, August Bebel im vori­gen Jahr­hun­dert zu sei­nen Genos­sen gespro­chen. Wenn es einen Him­mel gibt, dann sind wir – die wir nicht daran glau­ben – die Gelack­mei­er­ten!

Die Feier der Him­mel­fahrt Jesu Christi lenkt unsere Bli­cke zum Him­mel. Der Inhalt des heu­ti­gen Fes­tes läßt sich in dem einen Satz zusam­men­fas­sen: Jesus Chris­tus ist kraft sei­ner gött­li­chen Natur mit sei­ner ver­klär­ten mensch­li­chen Natur am 40. Tage nach sei­ner Auf­er­ste­hung an jenen Ort gegan­gen, an dem die Seli­gen schon vor der Auf­er­ste­hung der Toten das Ant­litz des Vaters im Him­mel schauen. Die Him­mel­fahrt Jesu ist nicht, wie die Main­zer All­ge­meine Zei­tung ges­tern schrieb, eine späte Legende. Die Him­mel­fahrt Christi ist ein geschicht­li­ches Ereig­nis. Ihre Tat­säch­lich­keit ist mit der Geschicht­lich­keit der Evan­ge­lien und der Apos­tel­ge­schichte untrenn­bar ver­knüpft. So wahr wie Jesus über den See Genesa­reth gewan­delt ist, so wahr ist auch seine Auf­fahrt in den Him­mel. Er hat die­ses Ereig­nis vor­her­ge­sagt. Vor sei­nen Rich­tern im Hohen Rat kün­digte er an: „Ihr wer­det den Men­schen­sohn zur Rech­ten der Macht sit­zen und mit den Wol­ken des Him­mels kom­men sehen.“ Dabei hat er nur auf­ge­nom­men, was im Alten Tes­ta­ment schon der Pro­phet Daniel geschaut hatte: „Wäh­rend ich noch die Nacht­ge­sichte hatte, kam plötz­lich einer, der aus­sah wie ein Men­schen­sohn, auf den Wol­ken des Him­mels. Als er bei dem Hoch­be­tag­ten ange­langt war, führte man ihn vor den­sel­ben. Ihm ward nun Herr­schaft, Ehre und Reich ver­lie­hen, ihm müs­sen alle Völ­ker, Natio­nen und Zun­gen die­nen, seine Herr­schaft wird ewig dau­ern und nie ver­ge­hen. Nie­mals wird sein Reich zer­stört wer­den.“ Diese Pro­phe­zei­ung hat sich in der Him­mel­fahrt unse­res Herrn und Hei­lan­des erfüllt.

Man kann den Inhalt die­ses Fes­tes in vier Teil­in­halte zer­le­gen, und das wol­len wir tun, um ein­zu­drin­gen in das Geheim­nis die­ses Fes­tes, soweit es mensch­li­chem Den­ken mög­lich ist.

1. Die Him­mel­fahrt Christi ist die Voll­endung der Erhö­hung.

2. Die Him­mel­fahrt Christi ist das Ende der Erschei­nun­gen.

3. Die Him­mel­fahrt Christi ist die Vor­aus­set­zung der Geist­sen­dung.

4. Die Him­mel­fahrt Christi ist Vor­bild und Unter­pfand unse­rer eige­nen Auf­nahme in den Him­mel.

Der erste Satz, mit dem wir den rei­chen Inhalt des heu­ti­gen Fes­tes zu beschrei­ben ver­su­chen, lau­tet: Die Him­mel­fahrt Christi ist die Voll­endung der Erhö­hung. Das ist der Fach­aus­druck, mit dem das Neue Tes­ta­ment das Herr­lich­keits­ge­sche­hen an unse­rem Hei­land beschreibt: Erhö­hung, Hyp­so­sis – das ist der grie­chi­sche Aus­druck. Diese Erhö­hung hat begon­nen mit Kreu­zi­gung und Auf­er­ste­hung. Jawohl, schon die Kreu­zi­gung war eine Erhö­hung, weil sie näm­lich die Vor­aus­set­zung sei­ner Ver­klä­rung war. Im Auf­er­ste­hungs­ge­sche­hen ist dann die Macht Got­tes durch die mensch­li­che Natur Jesu hin­durch­ge­bro­chen, da begann sie zu glü­hen von dem Licht Got­tes und von der Herr­lich­keit Got­tes, aber die­ses Glü­hen war, wenn man so will, noch nicht ganz voll­endet. Erst mußte die mensch­li­che Natur Jesu Platz neh­men zur Rech­ten Got­tes. Erst mußte sie jene Herr­lich­keit emp­fan­gen, die ihr immer eigen war, aber die zur irdi­schen Zeit des Jesus von Naza­reth ver­bor­gen war. Jetzt bricht sie her­vor, jetzt erfüllt sich, was im Psalm 109 steht: „Setze dich zu mei­ner Rech­ten, bis ich dir deine Feinde zum Sche­mel dei­ner Füße lege!“ Jetzt end­lich hat Gott ihm den Namen gege­ben, den er ver­dient, den Namen, der über allen Namen ist, den Namen, in dem sich alle Knie beu­gen müs­sen im Him­mel, auf Erden und unter der Erde, den Namen, bei dem alle Zun­gen beken­nen müs­sen: Jesus Chris­tus ist der Herr in der Herr­lich­keit Got­tes des Vaters! Ja, die Him­mel­fahrt Jesu ist die Voll­endung der Erhö­hung, ein Kom­ple­ment, eine Ergän­zung der Auf­er­ste­hung.

Zwei­tens: Die Him­mel­fahrt Jesu ist der Abschluß der Erschei­nun­gen. Vier­zig Tage hin­durch ist der Herr in ver­klär­ter Gestalt den Sei­nen erschie­nen. In die­ser Zeit hat er wich­tige Beleh­rungs­ar­beit geleis­tet. Er befes­tigte in den Jün­gern den Glau­ben an seine Auf­er­ste­hung, an sei­nen Sieg über Hölle, Satan und Tod. In die­ser Zeit gab er ihnen Wei­sun­gen für den Auf­bau sei­ner Kir­che. Vier­zig Tage hin­durch schulte er die Apos­tel, um sie zu befä­hi­gen, bis an die Gren­zen der Erde zu gehen und allen Völ­kern die Heils­bot­schaft zu brin­gen. Aber jetzt ist diese Zeit end­lich und unwi­der­ruf­lich vor­bei. In die­ser Gestalt, in die­ser ver­klär­ten Men­schen­ge­stalt, die aber gleich­zei­tig fähig war, gese­hen zu wer­den, zu essen und zu trin­ken, in die­ser ver­klär­ten Men­schen­ge­stalt wird Chris­tus nicht mehr erschei­nen bis zum Ende der Zeit. Dann aller­dings wird er in die­ser Gestalt wie­der­kom­men, und dann wer­den ihn alle sehen, die ihn sehen wol­len und die ihn nicht sehen wol­len, die auf ihn war­ten und die ihn zu fürch­ten haben. Jetzt also, mit der Him­mel­fahrt Christi, ist das Ende der Erschei­nun­gen gekom­men.

Drit­tens: Die Him­mel­fahrt Christi ist die Vor­aus­set­zung der Geist­sen­dung. Ich weiß nicht, ob Sie, meine lie­ben Freunde, schon ein­mal nach­ge­dacht haben über diese merk­wür­dige Wen­dung in den Abschieds­re­den Jesu, wo er sagt: „Es ist gut für euch, daß ich hin­gehe; denn wenn ich nicht hin­gehe, kann der Bei­stand nicht zu euch kom­men. Wenn ich aber hin­gehe, werde ich ihn euch sen­den.“ Warum kann denn der Bei­stand nicht kom­men, wenn der Herr nicht hin­geht? Warum muß er erst hin­ge­hen, also geop­fert wer­den, auf­er­ste­hen und in den Him­mel auf­fah­ren? Warum muß er erst hin­ge­hen, damit der Bei­stand kom­men kann? Die Ant­wort lau­tet: Der Hei­lige Geist strömt aus der ver­klär­ten und erhöh­ten Natur unse­res Hei­lan­des auf die Mensch­heit über. Erst muß das Haupt der Mensch­heit ver­klärt und erhöht, vom Geiste durch­glüht sein, bevor von die­sem Haupte Ströme des Geis­tes auf die Mensch­heit aus­ge­hen kön­nen. Erst muß am Haupte voll­endet sein, was dann an den Glie­dern gesche­hen soll. Wenn es am Haupte voll­endet ist, dann soll es aber auch an den Glie­dern gesche­hen. Das ist der innere Zusam­men­hang für die Ver­knüp­fung von Him­mel­fahrt Christi und Geist­sen­dung. „Wenn ich nicht hin­gehe, kann der Bei­stand nicht kom­men. Wenn ich aber hin­gehe, werde ich ihn euch sen­den.“

Vier­tens: Die Him­mel­fahrt Christi ist Vor­bild und Unter­pfand unse­rer eige­nen Auf­nahme in den Him­mel. Er geht hin als der Mitt­ler, er geht hin als das Haupt der Mensch­heit, und des­we­gen ist sein Ziel, alle dahin mit­zu­neh­men, wohin er geht. Er sagt es ja sel­ber: „Im Hause mei­nes Vaters sind viele Woh­nun­gen. Ich gehe hin, euch eine zu berei­ten. Und wenn ich sie berei­tet habe, dann werde ich kom­men und euch zu mir neh­men.“ Er ist also gewis­ser­ma­ßen der Quar­tier­ma­cher für uns. Er berei­tet uns eine Woh­nung, die wir in Besitz neh­men sol­len, wenn das irdi­sche Zelt abge­bro­chen wird. Seine Him­mel­fahrt – die aus eige­ner Kraft geschah – ist das Vor­bild und das Unter­pfand unse­rer eige­nen Auf­nahme, die aus frem­der Kraft gesche­hen soll, näm­lich aus der Kraft unse­res Herrn und Hei­lan­des, der in der Auf­er­ste­hung leben­dig und in der Him­mel­fahrt erhöht wor­den ist.

Wenn wir das Emp­fin­den haben, meine lie­ben Freunde, daß die Wahr­heit von der Him­mel­fahrt Christi wie alle Wahr­hei­ten unse­res Glau­bens über­haupt außer­or­dent­lich und außer­ge­wöhn­lich ist, dann ist die­ses Emp­fin­den rich­tig. Beim Chris­ten­tum han­delt es sich durch­gän­gig um Außer­or­dent­li­ches und Außer­ge­wöhn­li­ches, ja um Ein­zig­ar­ti­ges und Kon­kur­renz­lo­ses. Keine reli­gi­ons­ge­schicht­li­che Par­al­lele ver­mag mit dem Chris­ten­tum zu kon­kur­rie­ren. Was das Chris­ten­tum uns bie­tet, ist ein­ma­lig und ein­zig­ar­tig, und des­we­gen ist ein gewis­ses Befrem­den durch­aus ange­mes­sen. Man kann nicht mit Gott – mit dem wah­ren Gott, mit Göt­tern schon – umge­hen wie mit sei­nes­glei­chen, son­dern wenn Gott ins Spiel kommt, dann setzt das mensch­li­che Begrei­fen aus. So ist es auch bei der Him­mel­fahrt unse­res Herrn. Bil­li­ger Spott ver­mag daran nichts zu ändern. Es geht nicht um das Ster­nen­zelt, zu dem sich unser Herr bege­ben hat, es geht nicht um den Wol­ken­him­mel, es geht nicht um den Luft­raum, wo Vögel oder Flug­zeuge sich bewe­gen, son­dern es geht um jene Wirk­lich­keit, wo Gott sich den Sei­nen, die er durch den Tod hin­durch geret­tet hat, jetzt schon in unver­hüll­ter Herr­lich­keit offen­bart. Wir wis­sen nicht, wo die­ser Ort sein mag. Daß jedoch Chris­tus mit sei­ner mensch­li­chen Natur an einem Orte sein muß, ist selbst­ver­ständ­lich, denn sonst, wenn er an kei­nem Orte wäre, hätte sich die mensch­li­che Natur auf­ge­löst. Sie exis­tiert aber. Doch es ist uns unmög­lich, mit unse­ren Erfah­rungs­mit­teln anzu­ge­ben, wo sich die ver­klärte Natur Jesu befin­det.

Wir wer­den Ant­wort bekom­men, wenn wir ihr nach unse­rem seli­gen Schei­den begeg­nen. Für jetzt bleibt uns der Glaube. Und in die­sem Glau­ben, meine lie­ben Freunde, wol­len wir das alte Gebet spre­chen: „O Chris­tus, als Sie­ger bist du heute über alle Him­mel empor­ge­stie­gen. Laß uns nicht als Wai­sen zurück, son­dern sende auf uns herab den Geist der Wahr­heit, den der Vater ver­hei­ßen hat, auf daß er uns ein­führe in alle Wahr­heit und uns uner­schüt­ter­lich mache im Bekennt­nis und in der Treue zu die­ser Wahr­heit!“

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Christi Himmelfahrt „ www.Glaubenswahrheit.org“