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Christi Himmelfahrt.

Christi Himmelfahrt

„Aufge­fahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Gottes, des Vaters.“ So bekennen wir im Glaubensbe­kenntnis, das ist der Inhalt des Festes. Aufgefahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Got­tes, des Vaters.

Mit die­sem Fest tun sich man­che schwer. Die ungläu­bige Mensch­heit hat an die Stelle der Him­mel­fahrt des Herrn den Vater­tag gesetzt, einen völ­li­gen Unsinn.

Aber auch die Gläu­bi­gen wer­den von Fra­gen gepei­nigt, was es mit der Him­mel­fahrt des Herrn, was es mit dem Him­mel auf sich hat, und wir müs­sen uns den Fra­gen stel­len.

Predigten zum Fest Christi Himmelfahrt

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Der Himmel – eine transzendente Wirklichkeit

Geliebte, zur Feier der Him­mel­fahrt unse­res Herrn und Hei­lan­des Ver­sam­melte!

Erfurt ist eine Paten­stadt von Mainz. Die Haupt­straße von Erfurt trägt den Namen „Juri-Gaga­rin-Ring“. Juri Gaga­rin war ein sowje­ti­scher Flie­ger­ma­jor, der am 12. April 1961 als ers­ter Mensch in einer Raum­kap­sel die Erde umkreiste. Nach sei­ner Rück­kehr von der Welt­raum­fahrt stellte er fest, dass er im Welt­raum „keine Spur von Gott, den Engeln oder dem Him­mel ent­deckt“ habe. Ähn­li­ches hatte er schon wäh­rend sei­nes Flu­ges an die Boden­sta­tion gefunkt. Dar­über brach große Freude aus in der athe­is­tisch aus­ge­rich­te­ten Sowjet­union. Jetzt end­lich, so hieß es, ist wis­sen­schaft­lich bewie­sen, dass das mit dem Him­mel eine fromme Ein­bil­dung oder ein Schwin­del der Kir­chen ist. Ein Jahr spä­ter, im Februar 1962, schick­ten die Ame­ri­ka­ner ihren ers­ten Astro­nau­ten in den Wel­ten­raum, John Glenn. Als John Glenn zurück­kam, erklärte er, der Gott, an den er glaube, sei grö­ßer als das, was man durch die win­zige Luke eines Raum­schif­fes sehen könne. Er fügte hinzu: „Von hier auf die Schöp­fung zu schauen und nicht an Gott zu glau­ben, ist für mich unmög­lich.“

Nicht nur Rus­sen und Ame­ri­ka­ner betei­lig­ten sich an der Raum­fahrt, son­dern auch Deut­sche. Im Jahre 1997 blieb der aus Mön­chenglad­bach stam­mende Kos­mo­naut Rein­hold Ewald 18 Tage an Bord der rus­si­schen Raum­sta­tion Mir. Nach sei­ner Rück­kehr hielt er in sei­ner rhei­ni­schen Hei­mat einen Vor­trag, und in die­sem Vor­trag erklärte er wört­lich: „Der Him­mel, in den ich als Raum­fah­rer fliege, nimmt mir nicht den Him­mel des Kom­mu­ni­onun­ter­richts, in den unse­rem Glau­ben nach alle Men­schen eine Chance haben, nach dem Tode zu gelan­gen.“ Ich wie­der­hole noch ein­mal die­sen schö­nen Satz von Rein­hold Ewald: „Der Him­mel, in den ich als Raum­fah­rer fliege, nimmt mir nicht den Him­mel des Kom­mu­ni­onun­ter­richts, in den unse­rem Glau­ben nach alle Men­schen eine Chance haben, nach dem Tode zu gelan­gen.“ Wir sehen, der Glaube Ewalds wurde durch die Raum­fahrt nicht erschüt­tert. Aber er war nicht nur gläu­big; er besaß auch einen den­ken­den Glau­ben. Erfügte näm­lich hinzu: „Für Gott bleibt alle­mal genug Raum, wenn er denn über­haupt wel­chen bräuchte.“ Ich wie­der­hole auch die­sen schö­nen Satz: „Für Gott bleibt alle­mal genug Raum, wenn er denn über­haupt wel­chen bräuchte.“

Mensch­li­che Him­mel­fahr­ten wider­spre­chen dem Glau­ben nicht, den wir am heu­ti­gen Tage beken­nen. Vier­zig Tage nach Ostern ist Chris­tus vor den Augen sei­ner Jün­ger in den Him­mel auf­ge­nom­men wor­den. Die Apos­tel­ge­schichte berich­tet davon: „Er wurde empor­ge­ho­ben, und die Wolke nahm ihn vor ihren Augen weg.“ Im Luka­sevan­ge­lium, das ja der­selbe Ver­fas­ser geschrie­ben hat wie die Apos­tel­ge­schichte, heißt es: „Hier­auf führte er sie hin­aus, Betha­nien zu. Er hob seine Hände und seg­nete sie, und es geschah, wäh­rend er sie seg­nete, schied er von ihnen und fuhr in den Him­mel hin­auf.“

Die Zeit des vom Staate ver­ord­ne­ten Athe­is­mus ist vor­bei. Aber der Him­mel bleibt auch danach eine pro­ble­ma­ti­sche Ange­le­gen­heit. Wenn man die Kin­der im Kin­der­gar­ten auf­for­dert, den Him­mel zu zeich­nen, dann sitzt auf einem Thron ein alter Mann mit Bart, mit einem wei­ßen Gewande ange­tan, umge­ben von umher flie­gen­den Engeln. Wir lächeln über sol­che Vor­stel­lun­gen; wir lächeln mit Recht. Aber man kann auch ein gewis­ses Ver­ständ­nis dafür haben; denn wie soll man denn das Unsag­bare aus­sa­gen? Wie soll man sich denn das Unvor­stell­bare vor­stel­len? Es liegt auch hier ein Miss­ver­ständ­nis vor. Es wird nicht unter­schie­den zwi­schen dem Him­mels­ge­wölbe, wo die Raum­schiffe fah­ren, wo die Wol­ken zie­hen und die Flug­zeuge krei­sen, und der Him­mels­herr­lich­keit, in wel­che die Voll­ende­ten nach Got­tes Wil­len ein­tre­ten und ihn schauen. Aber eine sol­che Unter­schei­dung ist unbe­dingt not­wen­dig. Der Him­mel, den wir sehen, ist eine mate­ri­elle Ange­le­gen­heit; der Him­mel, an den wir glau­ben, ist eine geis­tige Wirk­lich­keit. Das Deut­sche besitzt lei­der für beide Gegen­stände nur ein Wort, näm­lich Him­mel. Die Eng­län­der haben zwei. Sie bezeich­nen den Wol­ken­him­mel mit sky, und sie bezeich­nen die Gott vor­be­hal­tene Wirk­lich­keit mit hea­ven. Sky und hea­ven sind völ­lig ver­schie­dene Wirk­lich­kei­ten. Das eine bezeich­net eine Quan­ti­tät, das andere eine Qua­li­tät.

Der Him­mel, von dem wir heute spre­chen, als Bereich Got­tes, ist eine tran­szen­dente Wirk­lich­keit. Tran­szen­dent heißt über­stei­gend. Das heißt, der Him­mel über­steigt alles, was uns aus der Erfah­rung bekannt ist. Er über­steigt alles, was wir mit den Mit­teln der Erfah­rung erken­nen und errei­chen kön­nen. Weder Satel­li­ten noch Raum­schiffe kön­nen in die Wirk­lich­keit vor­sto­ßen, die wir mit dem Wort Him­mel bezeich­nen. Es wäre also ganz falsch, wenn man mei­nen würde: Ja, die Raum­fah­rer müs­sen halt wei­ter flie­gen. Sie sind nicht weit genug vor­ge­drun­gen. Wenn sie wei­ter mit ihren Raum­schif­fen in den Welt­raum vor­ge­sto­ßen wären, dann hät­ten sie Gott doch gefun­den. Nein, meine lie­ben Freunde, Gott ist nicht zu fin­den. Er ist mit Raum­schif­fen nicht zu errei­chen. Der Him­mel ist jen­seits jeder Ent­fer­nung, und wäre sie noch so groß.

Der Him­mel ist die Gott vor­be­hal­tene Wirk­lich­keit. Das heißt nicht, dass diese Wirk­lich­keit nir­gendwo ist. Sie muss irgendwo sein, denn die See­len der Ver­stor­be­nen, die See­len der Voll­ende­ten müs­sen sich irgendwo auf­hal­ten. Sie sind ja nicht zer­stört, sie haben sich nicht auf­ge­löst; also müs­sen sie irgendwo sein. Aber wir kön­nen kei­nen Ort ange­ben, an dem sie sich befin­den könn­ten. Und der Ort, an dem sich die voll­ende­ten See­len befin­den, ist von ande­rer Art als alle Orte, die wir aus unse­rer Erfah­rung ken­nen. Die­ser Ort kann von kei­nem Men­schen wahr­ge­nom­men wer­den. Die­ser Ort ist jen­seits der Aus­deh­nung, die wir mit jedem Ort ver­bin­den. Ört­lich­keit ja, aber Ört­lich­keit ande­rer Qua­li­tät, als wir sie ken­nen.

Man kann also auch nicht sagen: Der Him­mel, wo die Voll­ende­ten sind, sei oben oder unten. Das alles sind Anga­ben, die uns ver­wehrt sind. Aber da könnte jemand fra­gen: Ja, warum ist denn dann der Hei­land nach oben auf­ge­fah­ren? Warum ist er nicht in die Erde ver­sun­ken? Er hätte ja auch in die Erde ein­tau­chen und darin ver­schwin­den kön­nen. Er ist nach oben auf­ge­fah­ren. Die Rich­tung nach oben ist von tie­fer Sym­bo­lik. Wir Men­schen ver­bin­den mit „oben“, wo die Sonne ist, das Helle, das Lichte, das Freie, und mit dem Begriff „unten“ ver­bin­den wir das Dunkle, das Fins­tere, das Gebun­dene. Und die­sen Vor­stel­lun­gen hat sich Gott ange­schlos­sen; die­ser Vor­stel­lun­gen hat er sich bedient, um aus­zu­sa­gen, dass Jesus in die Welt der Herr­lich­keit Got­tes, in den Glanz sei­ner über­ir­di­schen Schön­heit ein­ge­kehrt ist. Wenn wir sagen: Gott wohnt im Him­mel, dann wol­len wir damit nicht aus­drü­cken, Gott habe einen abge­schlos­se­nen Raum, einen Palast oder ein Wohn­haus. Nein. Wenn wir sagen: Gott wohnt im Him­mel, dann soll damit aus­ge­sagt wer­den: Gott lebt in einer Wirk­lich­keit, die über alles Geschaf­fene unend­lich erha­ben ist. Gott über­steigt nicht bloß die Erde, er über­steigt nicht bloß das Welt­all, er über­steigt auch den Him­mel. Ach­ten Sie bitte dar­auf, was wir jetzt in den nächs­ten 9 Tagen tun wer­den, was wir in der Pfingst­no­vene beten: „König der Glo­rie, Herr der Heer­scha­ren, als Sie­ger bist du heute über alle Him­mel – über alle Him­mel – empor­ge­stie­gen.“

Gott wohnt in unzu­gäng­li­chem Licht. Er ist uner­mess­lich und abso­lut raum­los. Er erfüllt jeden Raum, denn er ist in jedem Raum gegen­wär­tig, aber er wird von kei­nem Raum umschlos­sen. Die Uner­mess­lich­keit oder Raum­lo­sig­keit Got­tes besagt, dass jede räum­li­che Beschrän­kung von ihm fern­ge­hal­ten wer­den muss. Die Hei­lige Schrift bezeugt die Erha­ben­heit Got­tes über alle räum­li­chen Maße. Das Welt­all reicht nicht aus, ihn zu fas­sen. Als König Salo­mon den Tem­pel, den herr­li­chen Tem­pel in Jeru­sa­lem gebaut hatte, da betete er: „Herr, siehe, der Him­mel und die Him­mel kön­nen dich nicht fas­sen, um wie viel weni­ger die­ses Haus, das ich erbaut habe.“ Noch ein­mal: „Die Him­mel der Him­mel kön­nen dich nicht fas­sen, um wie viel weni­ger die­ses Haus, das ich erbaut habe.“

Meine lie­ben Freunde, so muss es sein. Es muss so blei­ben, wenn Got­tes Wirk­lich­keit für den Men­schen uner­reich­bar und unan­greif­bar blei­ben soll. Wenn Gott im Wel­ten­raum anzu­tref­fen wäre, dann wäre er von der­sel­ben Art wie die geschaf­fe­nen Dinge, dann wäre er nicht mehr Gott. Der Gott, der im Welt­raum auf­find­bar wäre, hörte auf, Gott zu sein. Gott ist der ganz andere. Er ist anders als alles, was uns in der Erfah­rung begeg­net. Er ist anders als alles in der Welt. Er ist über­welt­lich. Des­we­gen tritt die Raum­fahrt dem Glau­ben an Gott nicht zu nahe, und Gott wird durch die Raum­schiffe nicht gestört. Der Him­mel bleibt eine Wirk­lich­keit, auch wenn die Kos­mo­nau­ten sie nicht errei­chen kön­nen. Gott allein ver­fügt über den Ein­tritt in sein himm­li­sches Reich. Wer aus der Raum­fahrt fal­sche Fol­ge­run­gen für den Him­mel und für Gott zieht, der hat Gott und den Him­mel nicht ver­stan­den; an dem wie­der­holt sich, was im 2. Psalm geschrie­ben steht: „Es toben die Volker, die Natio­nen machen ver­geb­li­che Pläne. Die Gro­ßen haben sich ver­bün­det gegen den Herrn und sei­nen Gesalb­ten. Laßt uns ihre Fes­seln zer­rei­ßen.“ Und was ant­wor­tet Gott auf die­sen Auf­stand? „Der im Him­mel thront, lacht, er lacht ihrer und ver­spot­tet sie.“

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Christi Himmelfahrt „ www.Glaubenswahrheit.org“