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Christi Himmelfahrt

„Aufge­fahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Gottes, des Vaters.“ So bekennen wir im Glaubensbe­kenntnis, das ist der Inhalt des Festes. Aufgefahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Got­tes, des Vaters.

Mit die­sem Fest tun sich man­che schwer. Die ungläu­bige Mensch­heit hat an die Stelle der Him­mel­fahrt des Herrn den Vater­tag gesetzt, einen völ­li­gen Unsinn.

Aber auch die Gläu­bi­gen wer­den von Fra­gen gepei­nigt, was es mit der Him­mel­fahrt des Herrn, was es mit dem Him­mel auf sich hat, und wir müs­sen uns den Fra­gen stel­len.


Predigten zum Fest Christi Himmelfahrt

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Er sitzt zur Rech­ten des Vaters

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte, zur Feier der Him­mel­fahrt unse­res Herrn Ver­sam­melte!

Wenige Feste machen den Pre­di­gern so viel Kopf­zer­bre­chen wie das Fest Christi Him­mel­fahrt. Mir aller­dings nicht. Aber viele tun sich damit schwer und sind in Ver­le­gen­heit, wenn sie dar­über pre­di­gen sol­len. Dass Gott räum­lich gese­hen nicht mehr oben als unten ist, das ist uns in den letz­ten Jahr­zehn­ten deut­lich vor Augen geführt wor­den, näm­lich durch die Raum­fahrt. Die Män­ner und Frauen, die mit ihren Raum­schif­fen das Welt­all durch­fur­chen, haben Gott dort nicht ange­trof­fen. Dar­aus zie­hen die einen die Fol­ge­rung, dass Gott nicht exis­tiert. Die ande­ren mei­nen, die Raum­fah­rer seien nur nicht weit genug ins Welt­all vor­ge­sto­ßen, um Gott zu fin­den. Die eine Mei­nung ist so falsch wie die andere. Denn Gott ist jeder mensch­li­chen Erfah­rung ent­zo­gen, er ist jedem mensch­li­chen Zugriff uner­reich­bar. Er ist der Schöp­fer, und der Schöp­fer ist total ver­schie­den von der Schöp­fung. „Er wohnt in zugäng­li­chem Lichte“, heißt es in der Hei­li­gen Schrift, d.h. er tran­szen­diert jede geschaf­fene Wirk­lich­keit, er über­steigt jede geschaf­fene Wirk­lich­keit. Er ist weder im Wol­ken­him­mel noch im Ster­nen­him­mel nach­weis­bar. Er ist jen­seits jeder erfahr­ba­ren Wirk­lich­keit.

Auf­ge­nom­men in den Him­mel, so beken­nen wir am heu­ti­gen Tage. Gott ist über­all. Er umfasst und durch­dringt alles. Das haben schon die Juden gewusst; das ist im Neuen wie im Alten Tes­ta­mente aus­ge­spro­chen; im Alten Tes­ta­ment in ganz ergrei­fen­der Weise im 139. Psalm. Dort heißt es: „Herr, du hast mich erforscht, und du kennst mich. Du umschlie­ßest mich von allen Sei­ten und legst deine Hand auf mich. Wohin könnte ich flie­hen vor dei­nem Geist, wohin mich vor dei­nem Ange­sicht flüch­ten? Steige ich hin­auf in den Him­mel, so bist du dort. Deckte ich mich in der Unter­welt, bist du zuge­gen. Nehme ich die Flü­gel des Mor­gen­rots und lasse mich nie­der am äußers­ten Meer, auch dort wird deine Hand mich ergrei­fen und deine Rechte mich fas­sen.“ Hier ist aus­ge­spro­chen: Gott ist all­ge­gen­wär­tig. Auf­ge­nom­men in den Him­mel kann des­we­gen nicht bedeu­ten: erho­ben über die Wol­ken und ange­sie­delt bei den Ster­nen, son­dern „auf­ge­nom­men in den Him­mel“ besagt: in die über­ir­di­sche Exis­ten­z­weise Got­tes ein­ge­gan­gen sein. Auf­ge­nom­men wer­den in den Him­mel bedeu­tet teil­haf­tig wer­den der Wirk­lich­keit Got­tes, der Gott vor­be­hal­te­nen Wirk­lich­keit. Als Sie­ger über Tod und Sünde ist Chris­tus Jesus der Herr­lich­keit Got­tes teil­haf­tig gewor­den.

Die Texte der Lit­ur­gie deu­ten die­ses Ver­ständ­nis der Him­mel­fahrt Jesu an. Ach­ten Sie bitte dar­auf, was wir in der Pfingst­no­vene, die heute beginnt, beten: „O König der Glo­rie, Herr der Heer­scha­ren. Als Sie­ger bist du heute über alle Him­mel empor­ge­stie­gen.“ Also nicht in den Wol­ken­him­mel und auch nicht in den Ster­nen­him­mel, son­dern jen­seits die­ser Wirk­lich­keit. Da ist Jesus jetzt daheim.

Warum spre­chen wir aber dann von „auf­ge­fah­ren in den Him­mel“? Warum gebrau­chen wir eine räum­li­che Vor­stel­lung? Weil wir anders über­haupt nicht von geis­ti­gen Wirk­lich­kei­ten spre­chen kön­nen. Wir kön­nen geis­tige Wirk­lich­kei­ten nicht anders aus­drü­cken als mit mate­ri­el­len Vor­stel­lun­gen. Es ist das ein mensch­li­ches Urbe­dürf­nis und auch eine mensch­li­che Unfä­hig­keit, anders zu reden. Dass man für Gott – bei allen Völ­kern – die Ansie­de­lung „in der Höhe“ gewählt hat, ist nahe lie­gend, denn die Höhe bedeu­tet Über­blick, Macht, Herr­schaft, Sieg, Erfolg. Und umge­kehrt: Die Posi­tion unten ist Nie­der­lage, Unter­le­gen­heit, Schei­tern. Wir wen­den ja die­sen Sym­bo­lis­mus im täg­li­chen Leben fort­wäh­rend an. Wir sagen, es hat jemand eine hohe Stel­lung bekom­men. Damit ist natür­lich nicht eine Raum­be­zeich­nung aus­ge­drückt, son­dern dass er eben über andere gestellt wor­den ist in sei­ner Befug­nis. Oder wir sagen, es will einer hoch hin­aus. Das bedeu­tet wie­derum nicht räum­lich gese­hen, dass er einen Berg erklim­men will, son­dern er will eben vor ande­ren Gel­tung gewin­nen. Und schließ­lich sagen wir auch, dass jemand sich empor­ar­bei­tet. Auch das hat keine räum­li­che Bedeu­tung, son­dern besagt, dass jemand sich aus einer nie­de­ren Posi­tion zu einer höhe­ren empor­schaf­fen will. Und umge­kehrt sagen wir, jemand ist her­un­ter­ge­kom­men, wenn er eben von sei­nem bis­he­ri­gen Stande abge­fal­len ist. Oder, es ist jemand tief gesun­ken, weil er sich eben durch Las­ter hat ver­füh­ren las­sen. Das ist eine urmen­sch­li­che Erfah­rung. Und anders kön­nen wir über­hupt nicht reden, wenn wir reden wol­len.

Ver­mut­lich stammt diese Rede­weise aus dem Ring­kampf. Der­je­nige im Ring­kampf, der zum Schluß oben ist, ist der Sie­ger, und der­je­nige, der unten liegt, ist der Unter­le­gene. Er hat ver­lo­ren. Viel­leicht hat auch zur Aus­bil­dung die­ser Vor­stel­lung bei­ge­tra­gen, dass die Sonne oben ist, und nur die Pflan­zen, die sich ihr ent­ge­gen­stre­cken, leben, wäh­rend die­je­ni­gen, die von der Sonne ent­fernt sind, unten blei­ben und vege­tie­ren. Wir müs­sen also, meine lie­ben Freunde, und das ist ohne jede Ver­le­gen­heit, wir müs­sen die Vor­stel­lung und die Wirk­lich­keit unter­schei­den. Sie decken sich nicht. Die Vor­stel­lung sagt etwas aus über die Wirk­lich­keit, aber die Wirk­lich­keit ist weit davon ver­schie­den. Dass Jesus sich nach oben bewegt, besagt also, dass er bei Gott ist, dass er Sie­ger ist, dass er auf immer Leben, Macht und Erfolg hat.

Er ist jetzt auch sei­nen Hassern, Ver­fol­gern und Pei­ni­gern ent­zo­gen. Ein­mal war ihnen ja Macht gege­ben über ihn. Damals waren sie die Organe, Got­tes Wil­len über sei­nen Sohn zu voll­stre­cken. Und wir wis­sen, was sie ihm ange­tan haben. Sie haben den Hei­li­gen und Gerech­ten ver­leug­net, sie haben ihn den Hei­den aus­ge­lie­fert und sie haben ihn am Holze auf­ge­hängt. Jetzt aber ist er für seine Feinde uner­reich­bar. Sie mögen toben und höh­nen – Gott lacht ihrer! Wir wis­sen, dass Chris­tus nach sei­ner Auf­er­ste­hung nicht mehr stirbt, dass der Tod für­der nicht mehr über ihn herr­schen wird. Inso­fern er starb, starb er ein für alle­mal, inso­fern er lebt, lebt er für Gott und lebt er bei Gott.

Jetzt kom­men ungläu­bige Theo­lo­gen – ja, das gibt es! – und sagen: Die Erzäh­lung von der Him­mel­fahrt ist eine Erfin­dung der Urge­meinde. Eine Erfin­dung der Urge­meinde! Meine lie­ben Freunde, die Evan­ge­lis­ten sind keine Mär­chen­er­zäh­ler, son­dern Augen­zeu­gen. Sie erfin­den nicht Legen­den, son­dern sie berich­ten Erleb­nisse. Die Urge­meinde ent­steht nicht des­we­gen, weil sie Legen­den folgt, son­dern sie kommt zusam­men, weil Tat­sa­chen sie zusam­men­füh­ren. Nicht Men­schen haben die Him­mel­fahrt Christi erfun­den, son­dern Gott hat sie gesche­hen las­sen. In Anpas­sung an die Vor­stel­lungs­welt der Men­schen hat er einen Vor­gang gesche­hen las­sen, der zei­gen soll, dass Jesus als Mensch von nun an in der ver­bor­ge­nen Wirk­lich­keit Got­tes lebt. Die Him­mel­fahrt Christi am 40. Tage wird räum­lich geschil­dert, um den Jün­gern zu zei­gen, dass nun­mehr die irdi­sche Phase des Lebens Jesu abge­schlos­sen ist und dass der Herr sich von sei­ner welt­haf­ten Seins­weise ver­ab­schie­det hat.

Das ist also die Wirk­lich­keit des Fes­tes Christi Him­mel­fahrt. Hat die­ses Fest auch uns etwas zu sagen? Oder geht es nur Jesus an? Meine lie­ben Freunde, die Auf­nahme Jesu in den Him­mel ist auch für uns von größ­ter Bedeu­tung. Er ist das Haupt, wir sind die Glie­der. Wo das Haupt ist, dahin gehö­ren auch die Glie­der. Chris­tus ist bereits in den Him­mel auf­ge­fah­ren. Dort­hin wer­den wir ihm fol­gen. Er ist unser Quar­tier­ma­cher. Er berei­tet uns eine Stätte. Er war­tet auf uns. Wir wer­den zu ihm kom­men nach dem Tode zunächst mit unse­rer Seele, und auch das ist etwas Gewal­ti­ges, Unbe­greif­li­ches, Herr­li­ches. Aber das ist noch nicht der End­zu­stand, denn, wie es in der Apos­tel­ge­schichte heißt: Die Him­mel müs­sen ihn behal­ten, bis er kommt in Herr­lich­keit, bis seine Wie­der­kunft ein­tritt. Dann wer­den auch wir mit dem ver­klär­ten Leibe in die Herr­lich­keit Got­tes auf­ge­nom­men wer­den.

Noch ist unser Auge gehal­ten, noch ist unser Leben in Chris­tus ver­bor­gen. Aber wenn Chris­tus, unser Leben, erscheint, dann wer­den wir in Herr­lich­keit mit ihm zum Vater gelan­gen.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Christi Himmelfahrt „ www.Glaubenswahrheit.org“

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