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wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.

Zeigt den Menschen Christus "Ihr sollt meine Zeugen sein"!

"Ihr sollt meine Zeugen sein", hat Jesus Christus den Aposteln gesagt. Er sagt es auch zu uns. Viele Menschen in Deutschland kennen Christus nur oberflächlich oder noch gar nicht. Wir sind berufen, ihnen Christus zu zeigen. Wir begegnen ihm, wenn wir tief eintauchen in die Heilige Schrift, in das Gebet und in die Feier der Liturgie. Dazu brauchen wir eine konsequente Einübung. In den letzten Jahren ist dies leider oft versäumt worden. Wenn wir Christus wirklich gefunden haben, dann wird er uns drängen, die Freude darüber mit möglichst vielen anderen Menschen zu teilen.

Freut euch im Herrn, denn er ist nah ..

Der Advent ist eine Zeit der Buße, Buße zur Vor­be­rei­tung auf das große Fest der Christ­ge­burt. Wir haben ja eine zweite Buß­zeit im Jahre, näm­lich die Fas­ten­zeit. Aber es besteht ein Unter­schied. In den weh­muts­vol­len und sehn­suchts­vol­len Gesän­gen der Advents­zeit leuch­tet ein Licht auf, ein Licht, das heute den Apos­tel ver­an­lasst, uns zuzu­ru­fen: „Freuet euch! Aber­mals sage ich euch: Freuet euch!“ Das klingt wie ein Befehl, wie ein Kom­mando, das der Apos­tel uns gibt. Ja, kann man denn die Freude befeh­len? Ist es mög­lich, dass wir die Freude her­bei­ru­fen, dass wir sie erwer­ben, dass wir sie erzwin­gen?

Meine Freunde, wir sind in der Mehr­zahl völ­lig wider­stands­los den Ein­wir­kun­gen von außen aus­ge­setzt, Ein­wir­kun­gen von Men­schen, Ein­wir­kun­gen von den Umstän­den, von den sozia­len Ver­hält­nis­sen, Ein­wir­kun­gen durch das Wet­ter. Wir sind fröh­lich, wenn die Sonne lacht, und wir sind trau­rig, wenn der Regen fällt. O wie töricht! Denn wir sind es ja nicht, die sich da freuen, son­dern die Sonne freut sich. Der Regen ist kein Anlaß zur Trau­rig­keit, er ist ein Anlaß zur Dank­bar­keit. Die Freude kann befoh­len wer­den, ja, sie muss befoh­len wer­den, denn sie ist eine christ­li­che Tugend, und Tugen­den kann man erwer­ben und soll man erwer­ben, muss man nach Got­tes Wil­len erwer­ben. Die Freude ist eine Tugend, und eine Tugend kann man erwer­ben. Das sol­len uns die bei­den gro­ßen Advents­hei­li­gen leh­ren, näm­lich Johan­nes und Maria.

Ja, Johan­nes, wie kann er ein Leh­rer der Freude sein? War er nicht ein stren­ger, her­ber Mann? Hatte er nicht etwas Alt­tes­ta­ment­li­ches an sich in sei­ner stren­gen Buß­pre­digt? Gehen wir aus von einer Legende. In der Hölle wurde eine Bera­tung gehal­ten, wie man die Men­schen unglück­lich machen könnte. Da sprach ein Teu­fel: „Schickt mich! Ich werde die Men­schen mit Krank­heit schla­gen, dann wer­den sie unglück­lich sein.“ Die ande­ren wider­spra­chen ihm jedoch: „Es gibt doch viele Kranke, die trotz ihrer Krank­heit hei­ter sind.“ Da trat ein ande­rer Teu­fel vor und sagte: „Schickt mich! Ich werde die Men­schen mit Armut schla­gen, dann wer­den sie unglück­lich sein.“ Wie­derum wider­spra­chen ihm andere und sag­ten: „Es gibt auch Arme, die zufrie­den und glück­lich sind.“ Schließ­lich trat ein drit­ter Teu­fel vor. Es war der Teu­fel der uner­füll­ten Wün­sche. Er sprach: „Sen­det mich! Ich werde den Men­schen Wün­sche, zahl­rei­che Wün­sche, uner­füllte Wün­sche in die Seele wer­fen, und dann wer­den sie unglück­lich sein.“ Da stimm­ten ihm alle bei und sag­ten: „Ja, geh du und mache die Men­schen unglück­lich!“ Der Teu­fel ging dann über die Erde. Er zeigte den Arbei­tern das Wohl­le­ben des Arbeit­ge­bers. Er ging zu dem Kauf­mann, und er zeigte ihm den Erfolg sei­nes Kon­kur­ren­ten. Er ging in die Kin­der­see­len und weckte in ihnen Wün­sche, viele Wün­sche, so dass sie Ansprü­che stell­ten wie die Erwach­se­nen. Da zog die Unzu­frie­den­heit in die Men­schen ein, ein Mur­ren ging durch das Volk, und das Unglück wuchs ber­ge­hoch an.

Das ist eine Legende, aber sie ist von der Wirk­lich­keit nicht weit ent­fernt. Das Insti­tut Allens­bach hat die­ser Tage eine Erhe­bung durch­ge­führt und gefragt, ob die Men­schen in Deutsch­land zufrie­den seien. Nur 15 Pro­zent der Men­schen waren zufrie­den – 15 Pro­zent. Der Teu­fel der uner­füll­ten Wün­sche hat rei­che Ernte gemacht. Die Hölle des Men­schen sind seine uner­füll­ten und uner­füll­ba­ren Wün­sche. Neh­men Sie ein Kind und stel­len Sie ihm Wün­sche vor, die Sie ihm nicht erfül­len kön­nen, und sie haben das unzu­frie­denste Kind, das man sich den­ken kann. Wir wis­sen es selbst, wie diese Wün­sche uns het­zen und quä­len. Um Ruhe zu fin­den, müs­sen wir die Wün­sche preis­ge­ben. Man spricht mit Recht davon, es sei jemand „wunsch­los glück­lich“. Das ist ein gutes Wort, denn wenn man die Wün­sche ver­ab­schie­det, dann kann man glück­lich wer­den. Wir sind in dem Maße glück­lich, als wir wunsch­los sind.

Im Gegen­bild zu dem uner­sätt­li­chen heu­ti­gen Men­schen ist Johan­nes ein Mensch der Zufrie­den­heit. Man kann ihn nicht unglück­lich nen­nen, nichts deu­tet dar­auf hin, er sei unglück­lich. Er war zu anspruchs­los, um unglück­lich zu sein. Er war zu demü­tig, um unglück­lich zu sein. Sol­che Men­schen sind nicht unglück­lich. Die Pha­ri­säer haben es dar­auf abge­se­hen, ihn zu krän­ken, aber es ist ihnen nicht gelun­gen. Bei ande­ren wäre es gelun­gen, bei Johan­nes nicht. Sol­che Natu­ren kann man nicht krän­ken, weil sie nichts sein wol­len. Man kann ihnen nichts neh­men, weil sie nichts besit­zen. Wenn wir Ruhe fin­den wol­len für unsere See­len, dann müs­sen wir anspruchs­los, demü­tig und bedürf­nis­los leben. Wir kön­nen nicht alle in der Wüste leben wie Johan­nes, aber wir kön­nen alle uns beschei­den. Das müs­sen wir ler­nen. Von der hei­li­gen The­re­sia wird berich­tet, wie ein Mit­schwes­ter unglück­lich war, weil sie eine Nadel nicht fand, eine Nadel ver­lo­ren hatte, eine Nadel ver­legt hatte. Da sagte The­re­sia: „Wie sind Sie noch so reich! Da kön­nen Sie nicht glück­lich sein.“ Wie sind Sie noch so reich! Da kön­nen Sie nicht glück­lich sein. Vie­len möchte man sagen: Sie sind zu reich, um glück­lich zu sein. Men­schen, die fort­wäh­rend nach Ver­gnü­gun­gen aus sind, denen müßte man sagen: Sie sind zu reich, um glück­lich zu sein. Man muss den Mut haben, sich zu beschei­den, und dann: Freuet euch! Aber­mals sage ich: Freuet euch!

Das ist das erste, um zur Freude zu kom­men. Anspruchs­los wer­den, bedürf­nis­los wer­den, sich beschei­den. Das Zweite, um in der Freude zu leben, besteht darin, dass man ande­ren Freude macht, mit erfin­de­ri­scher Liebe die Bedürf­nisse und die Nöte der Men­schen erspürt, ihnen zu Hilfe kommt, sie beob­ach­ten, sich bemüht, ihnen Freude zu spen­den. Die Zuwen­dung zum ande­ren besitzt hei­lende Kraft für unsere Seele. „Willst du glück­lich sein im Leben, trage bei zu ande­rer Glück! Freude, die wir ande­ren geben, kehrt ins eigene Herz zurück.“ Noch ein­mal: Willst du glück­lich sein im Leben, trage bei zu ande­rer Glück! Freude, die wir ande­ren geben, kehrt ins eigene Herz zurück. Mich fragte ein­mal ein Nach­bar: „Was machen Sie denn mit dem vie­len Zeug, das Sie in Ihrem Gar­ten anbauen? Das kön­nen Sie doch gar nicht selbst ver­brau­chen.“ Er hatte nicht begrif­fen, dass man auch für andere anbauen kann.

Das dritte, wie wir zur Freude kom­men, besteht darin, dass wir unsere Umwelt beach­ten, die Natur. Wer ein offe­nes Auge hat, der freut sich an der Natur, an den Grä­sern und an den Sträu­chern, an den Bäu­men, an den Blu­men. Die Schön­heit der Pflan­zen kann uns eine Freude sein. Man muss sie nur sehen und darf nicht acht­los vor­über­ge­hen. Die Natur hat eine Freude für uns bereit. Wie schön ist ein Wei­zen­feld, das sich im Winde wiegt! Wie herr­lich ist ein Apfel­baum, an dem die Früchte hän­gen!. Wir müs­sen das Schöne an der Natur sehen. Ähn­lich ist es mit den Tie­ren. Ich bewun­dere immer die Kühe auf dem Wei­de­feld. Wie schön sind die Tiere, so ruhig und so nütz­lich für uns! Aber wir müs­sen sie dank­bar betrach­ten. „O Gott, wie wun­der­bar ist deine Erde, wie wun­der­bar ist die Welt, die du geschaf­fen hast“, so kön­nen wir mit dem 8. und 18. Psalm sagen.

Wir kön­nen uns auch vier­tens freuen an dem, was bei uns Natur und Tech­nik geschaf­fen haben. Meine lie­ben Freunde, wir gehen in unser Zim­mer und knip­sen, und auf ein­mal ist das Zim­mer hell erleuch­tet durch das elek­tri­sche Licht. Ich erin­nere mich, dass mein Groß­el­tern noch eine Petro­le­um­lampe hat­ten. Sie erhell­ten ihre arme Woh­nung mit einer Petro­le­um­lampe. Wie kön­nen wir dank­bar sein, dass uns die Tech­nik so viel Annehm­lich­keit, ja Luxus ver­schafft hat! Die Men­schen, die vor hun­dert Jah­ren leb­ten, wür­den die Hände über dem Kopf zusam­men­schla­gen, wenn sie erle­ben wür­den, was wir heute an tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten besit­zen, an den Errun­gen­schaf­ten unse­rer Kul­tur. Und das kommt ja von Gott, denn Gott hat den Men­schen das Den­ken und das For­schen und das Erfin­den in die Seele gelegt. Gott hat den Men­schen so geschaf­fen, dass er Ent­de­ckun­gen und Erfin­dun­gen macht. Wir dür­fen also Gott dan­ken für die Errun­gen­schaf­ten der Kul­tur und der Tech­nik.

Frei­lich, das alles ist noch gar nichts gegen­über der Freude, die wir aus der Über­na­tur, aus der über­na­tür­li­chen Gnade erfah­ren. Dass wir eine Kir­che besit­zen, die uns die Wahr­heit ver­kün­det, dass wir Sakra­mente haben, aus denen die Gnade fließt, dass wir ein Opfer haben, in dem wir uns selbst dem Vater im Him­mel dar­bie­ten kön­nen: Das ist ein Glück, ein unbe­schreib­li­ches Glück. Der schle­si­sche Dich­ter Josef Wit­tig beschreibt ein­mal, wie er als Knabe den Vater fragte: „Was ist denn eigent­lich katho­lisch?“ Da ent­geg­nete der Vater: „Katho­lisch sein heißt glück­lich sein.“ Das hat sich der kleine Junge zu Her­zen genom­men und gesagt, wenn er ein­mal trau­rig war: „Ich bin wohl nicht mehr rich­tig katho­lisch.“ Katho­lisch sein heißt glück­lich sein. O meine Freunde, was ist es für ein Glück, die hei­lige Kom­mu­nion zu emp­fan­gen! Was ist es für ein Glück für den Pries­ter, täg­lich am Altare ste­hen zu dür­fen. Wer hier sein Glück nicht fin­det, der fin­det es über­haupt nicht. Und doch, jedes Jahr tren­nen sich Hun­derte und Tau­sende, Zehn­tau­sende von die­ser Kir­che, die unser Glück ist, tre­ten, wie man sagt, aus der Kir­che aus. Sie wis­sen nicht, was sie tun. „Kei­ner, der dich fah­ren lässt, hat dich erfah­ren“, hat die große Dich­te­rin Ger­trud von Le Fort in ihren Hym­nen an die Kir­che gesun­gen. Kei­ner, der dich fah­ren lässt, hat dich erfah­ren.

In diese Zeit klingt das Magni­fi­kat Mari­ens hin­ein, das Jubel­lied der Jung­frau. „Hoch prei­set meine Seele den Herrn, und mein Geist froh­lo­cket in Gott, mei­nem Hei­land.“ Wie hat die­ses schlichte Mäd­chen den Ruf des Engels begrüßt! Wie hat sie sich in einem Jubel­lied ergos­sen. „Hoch prei­set meine Seele den Herrn. Gro­ßes hat an mir getan der Mäch­tige und des­sen Name hei­lig ist.“ Got­tes Gnade hat sie, vor allen ande­ren Frauen begna­det. Doch, meine lie­ben Freunde, das ist nicht nur das Jubel­lied Mari­ens, dass müsste auch unser Jubel­lied sein. Auch wir haben Anlaß zu sagen: Gro­ßes hat an mir getan, der mäch­tig ist und des­sen Name hei­lig. Allen, allen ist zu erklä­ren, dass Gott Gro­ßes an ihnen getan hat. Jeder hat ein ande­res Magni­fi­kat, aber jeder muss ein Magni­fi­kat sin­gen, den Dank hin­aus­ju­beln für das, was Gott an ihm getan hat. „Sein Erbar­men wäh­ret von Geschlecht zu Geschlecht.“ So singt Maria wei­ter in ihrem Magni­fi­kat. Got­tes Erbar­men! Müß­ten wir nicht mit ihr sin­gen: Gro­ßes hat er an mir getan. Sein Erbar­men wäh­ret von Geschlecht zu Geschlecht. Haben wir nicht in aller Not, in allem Jam­mer, in allem Elend immer wie­der ver­spürt, dass Got­tes Erbar­men uns hilft? Hat er uns nicht aus unse­rer Sünde empor­ge­ris­sen und in die Gnade ver­setzt? Haben wir nicht, als wir dar­nie­der­la­gen, als wir nicht aus und ein wuss­ten, als alles ver­lo­ren schien, haben wir da nicht das Erbar­men Got­tes erfah­ren? „All meine Hoff­nung“, hat ein­mal der hei­lige Augus­ti­nus in sei­nen „Bekennt­nis­sen“ geschrie­ben, „all meine Hoff­nung ruht in dei­nem über­rei­chen Erbar­men.“ Ja, das kann ein jeder von uns sagen. All meine Hoff­nung ruht in Got­tes über­rei­chem Erbar­men.

Und dann singt Maria wei­ter: „Er schafft Gerech­tig­keit den Armen und Unter­drück­ten.“ Gerech­tig­keit, das ist es ja, was wir ver­lan­gen. Fort­wäh­rend ist die Rede von sozia­ler Gerech­tig­keit. Auch ich bin der Mei­nung, dass die soziale Gerech­tig­keit nicht über­all ver­wirk­licht ist. Auch ich bin der Mei­nung, dass die Mana­ger zu hohe Gehäl­ter bekom­men. Jawohl. Aber ein­mal wird es einen Aus­gleich geben. Ein­mal wird Gott alle Unter­schiede aus­glei­chen. Ein­mal wird er den armen Laza­rus höher stel­len als den rei­chen Pras­ser. Ein­mal kommt der Aus­gleich. Es kann auf Erden noch so viel Unge­rech­tig­keit sein, aber Gott lässt es nicht dabei bewen­den. Wenn auch nicht jetzt, wenn auch nicht gleich, aber es kommt die Stunde, wo er Gerech­tig­keit schafft mit Macht den Armen und Unter­drück­ten. Dann gedenkt Maria der Ver­hei­ßun­gen Got­tes an die Väter. Gott ist ein treuer Gott. Er erfüllt seine Ver­hei­ßun­gen. Die Ver­spre­chun­gen der Welt trü­gen oft. Aber die Ver­spre­chun­gen Got­tes gehen in Erfül­lung. Wir müs­sen uns nur ihrer wür­dig machen. Meine Freunde, das müs­sen Sie immer beach­ten, wenn wir die Lita­neien beten: „Auf dass wir wür­dig wer­den der Ver­hei­ßun­gen Christi.“ Wir sind es nicht wür­dig. Wir sind es nicht wert. Ich habe schon erzählt, wie ein­mal eine alte Frau, die täg­lich in die hei­lige Messe kam, zu mir sagte, wenn der Regen aus­blieb: „Wir sind es nicht wert.“ Die Frau hatte begrif­fen, dass wir uns wert machen müs­sen der Ver­hei­ßun­gen Got­tes. Viele sind der Ver­hei­ßun­gen im Neuen Tes­ta­ment: „Wenn ihr, die ihr böse seid, euren Kin­dern gute Gaben zu geben wisst, um wie viel mehr wird der Vater im Him­mel denen den guten Geist geben, die ihn darum bit­ten!“ Das ist ein Ver­hei­ßung. Wer sich der Armen, der Krüp­pel, der Lah­men annimmt, von dem sagt der Herr: „Dir wird ver­gol­ten wer­den bei der Auf­er­ste­hung der Gerech­ten.“ Eine andere Ver­hei­ßung. „Wenn man euch ver­hört und vor die Könige führt, dann über­legt nicht lange, was ihr da sagen sollt. Es wird euch gege­ben wer­den in jener Stunde, was ihr sagen sollt.“ Wie­der eine Ver­hei­ßung. Und dann die Selig­prei­sun­gen der Berg­pre­digt. „Selig sind die Armen, denn euer ist das Got­tes­reich. Selig, die ihr jetzt hun­gert, ihr wer­det gesät­tigt wer­den. Selig, die ihr jetzt wei­net, ihr wer­det lachen. Selig seid ihr, wenn euch die Men­schen ver­fol­gen, denn euer Lohn ist groß im Him­mel.“ Machen wir uns also, meine Freunde, wür­dig der Ver­hei­ßun­gen Got­tes. Machen wir uns wert sei­ner Erbar­mun­gen, die er an uns erfül­len will.

Ich denke, dass das Magni­fi­kat nie mehr in der Seele Mari­ens ver­hallt ist. Es hat wohl auch hin­ein­ge­klun­gen in die Hei­lige Nacht, in die Wei­henacht. Es klang wohl auch nach bei der Flucht nach Ägyp­ten und beim Stau­nen über die Wun­der und Macht­ta­ten ihres Soh­nes. Ich kann mir auch nicht den­ken, dass das Magni­fi­kat ver­stummt ist unter dem Kreuze. Denn wie sagt Johan­nes: „Maria stand unter dem Kreuze.“ Sie stand; sie ist nicht zusam­men­ge­bro­chen. Auch in der schwers­ten Stunde wird der Gedanke an Gott und seine Gnade, an sein Erbar­men und seine Treue in ihr nicht gestor­ben sein. Ich kann mir nicht ande­res den­ken, als dass Maria zwi­schen den Ham­mer­schlä­gen und dem Hohn­ge­läch­ter der Menge und dem Todes­rö­cheln ihres Kin­des ganz leise hin­ein­ge­ru­fen hat: „Hoch prei­set meine Seele den Herrn.“

Ach, meine Freunde, vor eini­ger Zeit wurde ein­mal in einer Zeit­schrift berich­tet von einem Feld­got­tes­dienst im letz­ten Kriege. Die Män­ner nah­men eif­rig daran teil. Nach dem Got­tes­dienst unter­hiel­ten sich zwei junge Sol­da­ten. Der eine sagte, worum er gebe­tet hat. Er hat nicht gebe­tet um Ret­tung aus der Gefahr; er hat nicht gebe­tet, um nicht zu fal­len, son­dern er flehte: „Herr, wenn es sein soll, dann gib mir die Gnade, dass ich vor mei­nem Tode noch so viel Zeit habe, um das Magni­fi­kat zu beten.“ Das hat er sich gewünscht. Er wurde schwer ver­wun­det, aber er hat noch ein hal­bes Jahr gelebt. In die­sem hal­ben Jahr hat er noch viel Zeit gehabt, das Magni­fi­kat zu beten. Ist das über­trie­ben? Nein, das ist Chris­ten­tum. Wir sind Chris­ten. Wir sind katho­li­sche Chris­ten. Wir sind aus­er­wählte Lieb­linge, über­schüt­tet mit sei­nen Gna­den. Für uns gilt das Wort des Apos­tels: „Freuet euch. Aber­mals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - www.Glaubenswahrheit.org“

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