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von Gott zum Menschen

Dieser folgende Text basiert auf den Beobachtungen eines einfachen Laien bezüglich der Glaubenskrise, die die katholische Kirche von innen her befällt.

Dass die Kirche sich in einer Krise befindet, wird wohl jedem Menschen einleuchten, der sich mit dieser Thematik beschäftigt: es ist klar, dass die Frömmigkeit bei dem einzelnen Christen auch Einiges zu wünschen übrig lässt. Es scheint, dass diese Krise eine „Identitätskrise“ ist: die der Kirche – die des einzelnen Christgläubigen. Eine Identitätskrise kann aber nur vorkommen, wenn man die eigentliche Ausrichtung des christlichen Lebens überhaupt aus den Augen verliert. Was ist passiert?

Einige sehen die Probleme im Zweiten Vatikanischen Konzil – wiederum Andere sehen das Problem einzig und allein in der problematischen – und oftmals falschen – Implementierung der Konzilsdokumente. Bei dieser Problematik hält man sich am besten an das Lehramt.

Was ich aber ansprechen möchte, ist eine andere Thematik, die doch mit der Glaubenskrise der Kirche intrinsisch verbunden zu sein scheint. Mir kommt es so vor als hätte es eine Änderung im zentralen Fokus des Glaubenslebens gegeben: wir haben uns von einem theozentrischen (Gott-zentriert) Leben zu einem anthropozentrischen (Menschen-zentriert) Leben bewegt. Dass dies natürlich eine christliche Identitätskrise bedeutet, liegt auf der Hand: der Christ darf sich nicht um sich hauptsächlich drehen, sondern ist „Nachfolger Christi“ – und als solcher gilt sein Hauptaugenmerk dem sich in Christus selbst geoffenbarte Gott.

Dass dieses Prinzip des christlichen Lebens in den letzten Jahrzehnten eine Änderung durchlaufen hat, können wir an einigen Beispielen sehen:

Liturgie (Messe):

Liturgie (Messe): Es gab eine Liturgiereform, die – von der Form her – eine stark abgebaute Abwandlung der Gregorianischen Messe ist, die die römische Kirche etwa 1500 Jahre lang begleitet hat und der Kirche viele Heilige schenkte. Die Messe wurde damals hauptsächlich als Handeln Gottes an den Menschen verstanden – deswegen beschwerte sich auch niemand über die erhabenen und komplizierten Riten der Hl. Messfeier: die Messe an sich wurde zurecht als ein Ort der wahrhaften Begegnung mit dem lebendigen Gott verstanden – und als solcher war sie der Ort, in dem der Christgläubige sich mehr und mehr dem Willen Gottes anpasste, denn das ist ja gerade der Auftrag der Kirche auf Erden: den Menschen zu Gott zu führen. Gott stand also im Mittelpunkt des göttlichen Kultes – und der Mensch richtete sich danach.Dann wurde die Messe reformiert. Man hört oft, dass die Reform stattfand, um die Konversion protestantischer Christen zu erleichtern. Man vereinfachte also den göttlichen Kult um der Menschen willen: auf einmal hat sich der Mensch nicht mehr primär nach Gott zu richten, sondern das Geschenk Gottes an die Menschen – die Heilige Messe – kann nach dem Wunsch des Menschen umgestaltet werden. Nicht mehr die Anpassung an Gott durch den göttlichen Kult, sondern die Anpassung des göttlichen Kultes an den Willen und an die Bequemlichkeit des Menschen steht nun im Mittelpunkt.

Liturgische Musik:

Liturgische Musik: Wer die Gregorianische Messe (die außerordentliche Form des römischen Ritus) heute besucht, wird mit einer Art der kirchlichen Musik konfrontiert, die aus den „normalen“ Messen (den Messen nach der ordentlichen Form des römischen Ritus) vielerorts gänzlich verschwunden ist. In der Gregorianischen Messe wird man mit einer Musikrichtung bekannt gemacht, die scheinbar einzig und allein für den göttlichen Kult herausgehoben wurde – sie ist also wahrlich sakrale Musik! Die Musik selbst wird durch ihre Reservierung für Gott und die Abhebung von profanen Stücken – geheiligt und somit zum Ausdruck höchsten Lobpreises.Heute hört man in modernen Kirchen Musik, die sich melodisch nicht leicht von manch profanen Stücken unterscheiden lässt. Manche Priester lassen es sogar zu, dass profane Musik in der Kirche, im göttlichen Kult, gespielt wird: so hält das Profane Einzug in das Heiligtum und das Heilige wurde herabgesetzt von der Würde, die ihr zukommt. Viele neue Kirchenlieder richten sich melodisch und vom Takt her auch nach der profanen Musik der Moderne: „Das Alte finden die Menschen langweilig. Das kennen sie gar nicht.“ Statt dass der Mensch sich also durch das Sakrale beeinflussen lässt, um Gott näher zu kommen, soll der profane Geschmack des modernen Menschen Maßstab für die musikalische Gestaltung im göttlichen Kult sein: wieder steht der Mensch im Mittelpunkt.

Architektur:

Architektur: Früher sah man Kirchen sofort an, dass sie „Domus Dei“ – also Häuser Gottes – sind. Die Architektur war voll von religiöser Symbolik: jeder Stein – so hatte man den Eindruck – war wie ein Gebet zu Ehren Gottes. Das Gotteshaus unterschied sich sichtlich von profanen Bauten: es zeigte zugleich, dass es nicht ein Haus war wie jedes Andere, sondern ein besonderes Haus mit einem besonderen Besitzer. Des Weiteren wurde das Bewusstsein eines Jeden, der eine Kirche sah, sofort auf das Religiöse – also letztlich auf Gott – hin geleitet. Die Kirche an sich – trotz ihrer Stummheit – legte also öffentlich Zeugnis ab für Ihn, zu Dessen Ehren sie erbaut worden war.Heute sieht man viele Kirchen, die man als „Kirche“ gar nicht mehr bezeichnen möchte: man erkennt sie gar nicht. Sie sind rein funktional gebaut – und stehen vom Ästhetischen her den Bunkern des Ersten Weltkrieges oder bestimmten Markthallen in nichts nach. Das sakrale Element der Architektur ging verloren. Statt auf Gott hinzuweisen, scheinen sie eher auf ihre experimentierfreudigen Architekten hinzuweisen und auf den modernen Geist des Funktionalismus.

Der Bau erhebt die Sinne nicht mehr Richtung Himmel, sondern hält sie in beklemmender Weise hier auf Erden fest – man ist scheinbar gefangen im bunkerhaften Gefängnis der leeren und kalten Ich-Bezogenheit des Menschen, der seinen Gott aus dem Blick verloren hat!

Kleidung:

Kleidung: Denkt man an „altkirchliche“ Zeiten, so stellt man sich die Priester in den schwarzen Soutanen, die Ordensleute in Habit und die Laien in Sonntagskleidung in der Messe vor. Die Kleidung drückte die Hinordnung auf das Göttliche aus. Wer also einem Priester damals begegnete, wusste sofort: dieser Mann ist primär ein Diener Gottes am Altar. Sah man einen Mönch oder eine Nonnen, wusste man sofort: dieser oder diese widmet sein/ihr ganzes Leben Gott, dem Herrn. Nahm man die Kirchgänger unterwegs zur Messe sonntags wahr, so wusste man: sie wollen hin in das Haus Gottes, um am Hl. Messopfer teilzunehmen und so Gott zu loben. Das Äußere lenkte also den Blick anderer Menschen – bewusst oder unbewusst – zum Göttlichen hin – ähnlich wie bei der traditionellen Kirchenarchitektur. Die Kleidung war also auch Mittel der Evangelisierung, der Verkündigung der Frohen Botschaft!Heute sieht man selten einen Priester in Soutane herumlaufen. Viele Ordensleute haben den Habit abgelegt. Sonntags würde man sogar schon mit Jogginghose oder in Bordell-artigen Outfits in die Messe gehen. Die Kleriker sagen: „man muss sich der Zeit anpassen. Man muss nicht in Soutane und mit Kollar herumlaufen. Ich weiß, dass ich Priester bin. Darauf kommt es an“. Mit Verlaub, aber ein Priester ist nicht zum Dienst bestellt worden um seinetwillen, sondern für die Anderen: er ist es, der die Menschen primär zu Gott führen solle. Ein Priester in zivil richtet den Blick der Menschen auf sich selbst. Dabei sollte er gerade „transparent“ (durchsichtig) für die Menschen sein. Menschen sollen durch einen Priester zu Christus, Unserem Herrn, geführt werden – nicht zu der Person des Priesters. Ähnliches gilt für die Ordensleute: auch sie sollen das Evangelium verkünden und nicht sich selbst.

Das gilt wiederum für alle Christgläubigen: wir müssen an sich stets auf Gott verweisen und nicht auf uns selbst. Wen können wir retten? Niemanden – nicht mal uns selbst! Es ist die Eitelkeit, die uns die eigene Person vor Gott stellen lassen möchte. Und diese Eitelkeit führt ins Leere.

Kommunion:

Kommunion: Vor dem Indult, der die Handkommunion offiziell als tolerierte (nicht gewollt, sondern durch den Ungehorsam des deutschen Klerus erzwungen) Form des Kommunionempfangs erlaubte, gab es nur eine Art und Weise, den lebendigen Gott in der Eucharistie zu empfangen: kniend auf der Zunge. Diese traditionelle und noch immer normative Form des Kommunionempfangs brachte die Erhabenheit Gottes und die demütige Anbetung des nichtigen Menschen zum Ausdruck. Was ist der Mensch, dass der Allmächtige sich selbst ihm in solch inniger Weise schenkt? Dieser Akt der Liebe, der unverdienten Gnade, rief ein Gefühl der Dankbarkeit und auch der Unterwürfigkeit bei den Gläubigen hervor. Es ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass uns Gott sich selbst in der Eucharistie schenkt: es ist eigentlich unerhört! So unerhört, dass unsere Dankbarkeit immer unzureichend sein wird, um dieser Gnade der Liebe angemessen zu huldigen. Wenn wir die Unmöglichkeit der angemessenen Danksagung in Betracht ziehen, so verbleibt uns Menschen nichts anderes als in höchster Ehrerbietung und in demütigster Haltung das dankend anzunehmen, was Gott uns nichtigen Menschen frei und unverdient gibt: sich selbst.In der heutigen Zeit hat sich die sog. Handkommunion als „Norm“ etabliert – entgegen aller kirchlichen Weisungen. Ein Akt des Ungehorsams, der primär vom deutschen Klerus eingeführt und von Papst Paul VI. erzwungen wurde, soll nun die normative Form des Kommunionempfangs sein? Der Mensch stellt sich hin auf gleicher Höhe mit dem Priester, der in Persona Christi, den Herrn in Leib, Blut, Seele und Gottheit darbringt: was soll das zum Ausdruck bringen? Einer sagte mir in einer Diskussion, dass dies für ihn angemessener erscheine, weil er doch wüsste, dass Gott ihn so annimmt, wie er ist: da Gott ihn zuerst geliebt hat, darf er sich nun als Bruder und Freund Christi hoch erhoben seinem Gott nähern. Diese Haltung finde ich anmaßend: zumal man bedenken muss, wie viele von den Gläubigen heute in unwürdiger Weise die hl. Kommunion empfangen: solch ein Kommunionempfang ist sündhaft und gegen den Willen Gottes. Gott vereinigt sich nicht mit dem Unreinen.

Des Weiteren fehlt mir die Geste der Dankbarkeit. Freilich kann man Gott menschlich gesprochen nicht so lieben, wie es Ihm letztlich gebührt. Darum sagte einst die Hl. Thérese von Lisieux, Gott möge ihr Seine Liebe schenken, damit sie Ihn mit Seiner Liebe so lieben könne, wie es Ihm gebührt. Wenn man sich einfach so auf gleicher Höhe hinstelle und das Allerheiligste auf der Hand empfange, um es mir selbst zu geben, so ist es eine unverschämte Anmaßung! Zunächst setzt man einfach voraus, dass Gott ihn auf derselben Höhe haben möchte und ihn so annimmt: als sei man schon in der Vollkommenheit des Himmels. Des Weiteren fehlt die Geste des Empfangens: man gibt sich selbst die Kommunion, so als hätte man als Laie die Vollmacht erhalten, über Gott zu verfügen – das hat der Laie eben nicht! Der Laie ist stets Empfänger dessen, was er unverdient von Gott, dem Herrn, geschenkt bekommt. Und je wichtiger die Gabe ist, desto größer muss die zum Ausdruck gebrachte Dankbarkeit und Ehrerbietung sein: welche Gabe ist aber heiliger und wichtiger als Gott selbst? Keine!

Es scheint nun, dass die Handkommunion sich so verbreiten konnte, weil die Menschen primär an sich denken und nicht mehr an den Willen Gottes. Man geht vom Willen des Menschen aus statt von der Ehrfurcht vor Gott.

Diese sind nur wenige Beispiele, an denen man eine verhängnisvolle Entwicklung in der Kirche beobachten kann: unser Verständnis des ersten und höchsten Gebotes wurde stark verdunkelt. Gott ist – wenn überhaupt – nur noch theoretisch über alles Andere zu lieben – praktisch lieben wir uns selbst mehr als Ihn. Und die Liebe zeigt sich bekanntlich in unseren Werken. Diese unsere Werke legen aber Zeugnis dafür ab, dass wir Christgläubigen die Marginalisierung unseres Glaubens in der Gesellschaft und die Verbannung Gottes in die Peripherie menschlichen Bewusstseins eigens verschuldet haben. Erst wenn wir umkehren und uns wieder primär auf Gott hin ausrichten, wird der Glaube wieder gedeihen.

Der Feind des Glaubens ist nicht mehr außerhalb der Kirche zu finden, sondern in uns selbst: wir haben den Menschen zum Götzen der Moderne gemacht.

Der Hl. Geist Teil III
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