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Jesus von Nazareth der Schlüssel zum christentum

Der Gott­heits­an­spruch Jesu

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Wir haben uns seit vie­len Sonn­ta­gen bemüht, die katho­li­sche christ­li­che Reli­gion als die ein­zige von Gott gestif­tete zu erwei­sen. Die christ­li­che Reli­gion steht und fällt mit ihrem Stif­ter Jesus Chris­tus. Die ent­schei­dende Frage lau­tet: „Was hal­tet ihr von Chris­tus?“ Wie man zu Chris­tus steht, so steht man auch zum Chris­ten­tum. Und wer Chris­tus als den gott­ge­sand­ten Erlö­ser, als den Hei­land und Leh­rer der Mensch­heit, als den ein­ge­bo­re­nen Sohn Got­tes bekennt, der wird auch am Chris­ten­tum als der ein­zi­gen über­na­tür­li­chen Reli­gion fest­hal­ten.

Wir haben erkannt, daß Jesus der gott­ge­sandte Mes­sias, der Hei­land und Erlö­ser ist. Er nimmt gött­li­che Auto­ri­tät in Anspruch, und zwar nicht bloß auf­grund sei­ner Sen­dung, also des­we­gen, weil er von Gott gesandt ist, son­dern auf­grund sei­ner Per­son. In sei­nen Wor­ten und in sei­nen Hand­lun­gen leuch­tet eine Majes­tät und Macht auf, die nicht ver­lie­hen ist, son­dern die ihm kraft Wesens zukommt. Jesus Chris­tus über­schrei­tet das bloß Mensch­li­che. „Hier ist mehr als Jonas! Hier ist mehr als Salo­mon! Hier ist mehr als der Tem­pel!“ In Jesus ist Gott selbst in diese Welt ein­ge­bro­chen.

Die Pro­phe­ten haben immer, wenn sie gött­li­che Auf­träge aus­rich­te­ten, eine bestimmte For­mel in Anspruch genom­men. Sie sag­ten: „Also spricht der Herr.“ Natür­lich durch sie. „Also spricht der Herr.“ Im Munde Jesu fin­det sich diese For­mel nicht ein ein­zi­ges Mal. Er ist nicht ein Pro­phet wie andere, son­dern er ist Got­tes Sohn, der aus eige­ner Voll­macht das Gesetz des Got­tes­rei­ches ver­kün­det. Des­we­gen heißt es in der Berg­pre­digt: „Den Alten ist gesagt wor­den...“, und er fügt hinzu: „Ich aber sage euch.“ Er ist Gesetz­ge­ber im Rei­che Got­tes. Seine Macht ist nicht bloß Voll­macht, seine Macht ist All­macht.

Jesus nimmt Ver­ge­bungs- und Gerichts­ge­walt in Anspruch. Er ver­gibt Sün­den. Seine Zuhö­rer haben sehr wohl gemerkt, wel­chen Anspruch er damit erhebt. Als er dem Gicht­brü­chi­gen die Sün­den nach­ließ, da sag­ten die her­um­sit­zen­den Schrift­ge­lehr­ten: „Wer kann Sün­den ver­ge­ben als Gott allein?“ Natür­lich. Nur Gott kann Sün­den ver­ge­ben. Wenn also hier einer auf­tritt, der die Macht bean­sprucht, Sün­den zu ver­ge­ben, muß man doch wohl die Fol­ge­rung zie­hen: Hier ist Gott in unse­rer Mitte.

Ähn­lich, als Jesus gütige Nach­sicht gegen­über der Sün­de­rin zeigt, die seine Füße salbt. Da ver­gibt er ihr die Sün­den. Die dabei­sit­zen­den Tisch­gäste bemer­ken: „Wer ist die­ser, daß er sogar Sün­den ver­gibt?“ Ihm ist die Gewalt, Sün­den zu ver­ge­ben, eigen. Er ist der von Gott bestellte Rich­ter am Ende der Zei­ten. „Der Vater hat das ganze Gericht dem Sohn über­ge­ben. Er wird kom­men mit den Engeln des Him­mels und einen jeden rich­ten nach sei­nen Wer­ken.“

Jesus nimmt reli­giöse Macht in Anspruch. Er besitzt auch Macht über die Natur. Er befiehlt den Krank­hei­ten, und sie wei­chen. Er gebie­tet dem Tod, und er zieht sich zurück. Er befiehlt dem Meer und dem Wind, und sie gehor­chen. Meine lie­ben Freunde, wer die Natur­wun­der Jesu aus dem Leben Jesu streicht, wie es mei­net­we­gen Herr Kas­per in Rot­ten­burg tut, der zer­stört damit Jesus Chris­tus in sei­nem Wesens­kern. Wenn die Wun­der, die Jesus an der Natur gewirkt hat, nicht gesche­hen sind, dann kann man nicht mehr von sei­ner Bedeut­sam­keit spre­chen. So reden näm­lich diese fal­schen Leh­rer. Sie sagen: Die Wun­der sind erfun­dene Geschich­ten, wel­che die Bedeut­sam­keit Jesu wie­der­ge­ben wol­len. Ja, wenn Jesus die Wun­der nicht gewirkt hat, dann hat er keine Bedeut­sam­keit, dann ist er genauso unbe­deut­sam wie die erfun­de­nen Geschich­ten. Die Evan­ge­lis­ten las­sen kei­nen Zwei­fel daran, daß für sie die Stil­lung des See­be­bens genauso real ist wie die Auf­nahme Jesu im Hause des Zachäus.

Die Jün­ger haben seine Macht gespürt. Als er den See­sturm stillte, da sag­ten sie: „Was ist denn das für einer, daß ihm sogar der Wind und die Wel­len gehor­chen?“ Und als er über den See wan­delte, da spra­chen die im Boot Befind­li­chen: „Wahr­haf­tig, du bist Got­tes Sohn!“

Jesus stellt sich in den Mit­tel­punkt der Reli­gion. Er lehrt nicht nur andere, wie man reli­giös sein muß, son­dern er ist der Gegen­stand der Reli­gion. Er zeigt nicht nur, wie man anbe­ten muß, son­dern er nimmt Anbe­tung ent­ge­gen. Vor ihm fällt der Aus­sät­zige nie­der, und die Män­ner im Boote knien vor ihm. Die Frauen am Grabe umfas­sen seine Füße; sie wer­fen sich vor ihm nie­der. Er stellt For­de­run­gen auf, die nur Gott auf­stel­len kann. Er ver­langt Glau­ben und Bekennt­nis zu ihm. „Wer mich vor den Men­schen bekennt, den werde ich vor mei­nem Vater im Him­mel beken­nen.“ Er ver­langt Nach­folge ohne mensch­li­che Rück­sich­ten. Er sagt einem, er solle ihm nach­fol­gen. Der bit­tet um Auf­schub; er sagt: „Laß mich zuvor mei­nen Vater begra­ben!“ Jesus ent­geg­net ihm: „Laß die Toten ihre Toten begra­ben! Du komm und folge mir nach!“ Ein ande­rer, den er auf­for­dert, bit­tet: „Laß mich Abschied neh­men von mei­nen Haus­ge­nos­sen!“ Jesus ent­geg­net ihm: „Kei­ner, der die Hand an den Pflug legt und zurück­schaut, ist taug­lich für das Reich Got­tes.“ Um sei­net­wil­len muß man das Liebste, was es auf Erden gibt, ver­las­sen. „Wer Vater oder Mut­ter mehr liebt als mich, ist mei­ner nicht wert. Wer Sohn oder Toch­ter mehr liebt als mich, ist mei­ner nicht wert.“ Ihm muß man nach­fol­gen bis zum Kreuze. „Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt und mir nach­folgt, ist mei­ner nicht wert.“ Ihm muß man die Treue hal­ten auch in der Ver­fol­gung. „Selig seid ihr, wenn euch die Men­schen schmä­hen und ver­fol­gen und alles Böse wider euch reden. Selig seid ihr, wenn das alles um mei­net­wil­len geschieht!“

Diese Äuße­run­gen zei­gen, daß Jesus eine Macht und eine Auto­ri­tät bean­sprucht, wie sie kein Mensch bean­spru­chen kann, wenn er nicht wahr­haf­tig Got­tes Sohn ist. Er hat ein ein­zig­ar­ti­ges Ver­hält­nis zum himm­li­schen Vater. Natür­lich kann man mit den libe­ra­len Theo­lo­gen sagen: Er ist eben ganz dem Wil­len des Vaters erge­ben; er ist also mora­lisch ver­bun­den mit dem Vater. Das stimmt. Natür­lich kann man sagen: Er hat eine beson­dere Ver­bin­dung mit dem Vater, weil er von ihm gesandt ist. Auch das ist rich­tig. Selbst­ver­ständ­lich ist er dem Vater beson­ders zuge­ord­net, weil er der Mes­sias ist. Aber das reicht nicht aus. Er stellt sich in sei­nem Sein, in sei­nem Erken­nen und in sei­nem Wir­ken an die Seite des Vaters. Sein Soh­nes­ver­hält­nis ist nicht mit dem Kin­des­ver­hält­nis der übri­gen Men­schen zu ver­glei­chen. Sie fin­den keine ein­zige Stelle im gan­zen Evan­ge­lium, wo Jesus sagt: „Unser Vater.“ Er spricht immer von „mein Vater“ und „euer Vater“. Denn das Ver­hält­nis, das er zum himm­li­schen Vater hat, ist unver­gleich­lich mit dem, das die übri­gen Men­schen zu Gott haben. „Wenn ihr, die ihr böse seid, euren Kin­dern gute Gaben zu geben wißt, um wie­viel mehr wird euer Vater im Him­mel denen gute Gaben geben, die ihn darum bit­ten!“ Oder nach der Auf­er­ste­hung: „Ich fahre hin­auf zu mei­nem Vater und eurem Vater, zu mei­nem Gott und eurem Gott.“

Jesus hat Äuße­run­gen über seine Wesens­na­tur gemacht, die ent­we­der zutref­fen – und dann müs­sen wir ihn anbe­ten –, oder die nicht zutref­fen, dann müs­sen wir ihn ver­wer­fen. „Ich bin das Brot des Lebens.“ – „Ich bin das Licht der Welt.“ – „Ich bin die Tür.“ – „Ich bin der gute Hirt.“ – „Ich bin der Wein­stock.“ – „Ich bin der Weg, die Wahr­heit und das Leben.“ – „Ich bin die Auf­er­ste­hung und das Leben.“ In völ­li­ger Selbst­ver­ständ­lich­keit kom­men diese hohen Bezeich­nun­gen aus sei­nem Munde. Und noch mehr sagt eine andere Selbst­aus­sage, die im Johan­nes­evan­ge­lium vor­kommt, das abso­lute, prä­di­kats­lose „Ich bin“- „Ego eimi“ im Grie­chi­schen. „Ich bin.“ – „Ehe Abra­ham ward, bin ich!“ – „Wenn ihr den Men­schen­sohn erhöht haben wer­det, wer­det ihr erken­nen, daß ich bin.“ – „Wenn ihr nicht glau­bet, daß ich bin, dann wer­det ihr in euren Sün­den ster­ben.“ Das sind ganz prä­zise Aus­sa­gen, die Jesus an die Seite Got­tes rücken. Denn sie sind text­gleich mit jenen Selbst­be­zeich­nun­gen Got­tes, die beim Pro­phe­ten Isaias vor­kom­men. Im 43. Kapi­tel des pro­phe­ti­schen Buches des Isaias heißt es: „Ihr seid meine Zeu­gen – Spruch des Herrn – und mein Knecht, den ich erwählte, damit ihr erken­net und mir glaubt und ein­se­het, daß ich bin.“ Und im 52. Kapi­tel heißt es ähn­lich: „Drum soll mein Volk mei­nen Namen erken­nen; drum soll es erken­nen an jenem Tage, daß ich bin, der da spricht: Hier bin ich.“ Wenn Jesus diese Offen­ba­rungs­for­meln über­nimmt, dann wird damit in einer letz­ten Weise deut­lich, daß er sich an die Seite des leben­di­gen, wah­ren Got­tes setzt. Man mag vor den Abgrün­den erschau­dern, in die uns das Selbst­be­wußt­sein Jesu bli­cken läßt, leug­nen oder wegin­ter­pre­tie­ren kann man sie nicht! Das Zeug­nis der Quel­len ist zu ein­deu­tig.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Der Gott­heits­an­spruch Jesu www.Glaubenswahrheit.org“