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Die Pflicht zu Wahr­heit und Wahr­haf­tig­keit

Die Pflicht zu Wahr­heit und Wahr­haf­tig­keit

Der mate­ri­elle Besitz, das Eigen­tum, ist not­wen­dig für unser leib­li­ches Leben. Es gibt aber auch einen imma­te­ri­el­len, einen geis­ti­gen Besitz, und er ist not­wen­dig für unser geis­ti­ges Leben. Die­ser geis­tige Besitz sind die Wahr­hei­ten, Erkennt­nisse, Ideale, Werte, die in unse­rer Seele leben. Der geis­tige Besitz ist ähn­lich befes­tigt wie der mate­ri­elle Besitz: Ich habe meine Wahr­hei­ten, die Wahr­hei­ten, die ich erkannt habe; ich habe meine Tugen­den, die Tugen­den, die ich errun­gen habe. Ich habe meine Erkennt­nisse, die Erkennt­nisse, die ich erwor­ben habe. Diese geis­ti­gen Besitz­tü­mer sind uns auch zur Ver­wal­tung über­ge­ben, ähn­lich wie die mate­ri­el­len Besitz­tü­mer. Wir sol­len sie ver­wal­ten als gute Ver­wal­ter Got­tes zum eige­nen Nut­zen und zum Nut­zen der ande­ren.

Diese geis­ti­gen Besitz­tü­mer sind von Gott geschützt durch ein eige­nes Gebot, und das lau­tet: „Du sollst kein fal­sches Zeug­nis geben!“ So, wie das Gebot klingt, ist es auf einen bestimm­ten, sehr prak­ti­schen und sozial wich­ti­gen Fall ein­ge­schränkt, näm­lich die Able­gung von Zeug­nis, vor allem vor Behör­den, vor dem Gericht. Aber der Sinn die­ses Gebo­tes geht weit dar­über hin­aus. Er for­dert eine Gesin­nung der Wahr­haf­tig­keit, er for­dert ein Ste­hen zur Wahr­heit. Es läßt sich der Sinn die­ses Gebo­tes in zwei Sätze zusam­men­fas­sen,

1. Du sollst die Wahr­heit nicht unter­drü­cken und
2. Du sollst die Wahr­heit nicht miß­brau­chen.

Der erste Satz lau­tet: Du sollst die Wahr­heit nicht unter­drü­cken. Sol­che Ver­su­che zur Unter­drü­ckung sind außer­or­dent­lich häu­fig. Wir Men­schen nei­gen dazu, ande­ren die Wahr­heit, den Wahr­heits­ge­winn zu ver­sa­gen, wenn wir fürch­ten, daß dadurch unser Ein­fluß, unser Pres­tige, unsere Macht schwin­det. Wir wol­len andere hin­dern, zur Wahr­heit zu kom­men, weil wir dadurch selbst einen Ver­lust an Per­sön­lich­keits­kre­dit, an Pri­vi­le­gien, an Vor­rech­ten fürch­ten. Die­ser Ver­such, Men­schen daran zu hin­dern, die Wahr­heit zu fin­den, ist außer­or­dent­lich ver­brei­tet. Er ist vor allem im Bereich der Poli­tik zu Hause, aber auch bei den Mas­sen­me­dien ist es gang und gäbe, daß die Wahr­hei­ten ver­heim­licht, unter­drückt wer­den daß die Men­schen nicht zur Erkennt­nis kom­men sol­len. Wahr­heit ist Teil­nahme an der Wirk­lich­keit, geis­tige Teil­nahme an der Wirk­lich­keit. Immer, wenn wir eine Wirk­lich­keit erfas­sen, begrei­fen, schauen, dann erwer­ben wir eine Wahr­heit. Und daran suchen Men­schen in gro­ßer Zahl andere zu hin­dern, weil sie Ver­lust an Ein­fluß, an Anse­hen, an Macht befürch­ten.

Die Wahr­heit kann aber auch in einer ande­ren Weise unter­drückt wer­den, näm­lich indem man Men­schen hin­dert, der erkann­ten Wahr­heit zu fol­gen. Die Ver­fol­ger des Chris­ten­tums aller Zei­ten haben ver­sucht und ver­su­chen, die Chris­ten daran zu hin­dern, der christ­li­chen Wahr­heit ihr Leben zu wei­hen. Aber viel gefähr­li­cher, weil viel tücki­scher als die gewalt­same Unter­drü­ckung der Wahr­heit ist der Ver­such, durch ver­füh­re­ri­sche und schmeich­le­ri­sche Reden die Men­schen daran zu hin­dern, der Wahr­heit zu fol­gen. Das sind alle jene, die Zwei­fel in die Gewis­sen wer­fen. Das sind alle die, wel­che die Men­schen, die der Wahr­heit fol­gen, lächer­lich machen, irre machen an der Wahr­heit. Das sind alle die­je­ni­gen, wel­che den Zwei­fel in die See­len säen, damit sie der erkann­ten Wahr­heit nicht fol­gen. Man hört diese Reden im Büro und an der Arbeits­stätte, auf Wan­de­run­gen und Fahr­ten: Das kann doch keine Sünde sein, das tun doch alle, das ist doch eine For­de­rung der Men­schen­na­tur und der Huma­ni­tät. Die sol­ches tun, unter­drü­cken die Wahr­heit, weil sie die Men­schen hin­dern, der erkann­ten Wahr­heit zu fol­gen.

Beson­ders gefähr­lich ist die­ser Ver­such der Unter­drü­ckung, wenn er im Namen der Wahr­heit selbst geschieht, wenn sich die­je­ni­gen, wel­che die Men­schen hin­dern wol­len, der Wahr­heit zu fol­gen, auf Gerech­tig­keit, auf Huma­ni­tät, auf Frei­heit beru­fen, wenn sie – und das kommt vor – die Reli­gion gegen den Glau­ben ins Feld füh­ren und auf diese Weise die Men­schen hin­dern wol­len, der erkann­ten Wahr­heit zu fol­gen. Sie ver­ste­cken ihre erbärm­li­chen Ziele hin­ter heh­ren Begrif­fen, aber im Inne­ren sind sie nur dar­auf aus, die Men­schen zu hin­dern, der Wahr­heit zu fol­gen.

Die äuße­ren Ver­su­che, die Wahr­heit zu unter­drü­cken, wären frei­lich wenig gefähr­lich, wenn es nicht auch die innere Ver­su­chung gäbe, die Wahr­heit zu ersti­cken. Auch wir spü­ren in uns die Ver­su­chung, die erkannte Wahr­heit weg­zu­re­den, weg­zu­dis­ku­tie­ren: Das kann doch nicht sein, das kann doch Gott nicht gebo­ten haben, das kann doch die Kir­che nicht wol­len, das kann doch nicht den Men­schen auf­er­legt sein. In der jüngs­ten Zeit hat sich eine merk­wür­dige Weise, die erkannte Wahr­heit zu unter­drü­cken, her­aus­ge­bil­det. Sie besteht darin, daß man sagt: Alles, was beschwer­lich ist, kann Gott nicht gebo­ten haben. Ein Gebot ist so lange erträg­lich, als es nicht weh tut. Sobald es anfängt weh zu tun, sucht man die­ses Gebot weg­zu­re­den, sucht man es weg­zu­dis­ku­tie­ren, sucht man es zu ent­schär­fen.

Es ist merk­wür­dig, meine lie­ben Freunde, wie wenige Men­schen es gibt, die sich nichts vor­ma­chen. Die meis­ten Men­schen gebrau­chen den Ver­stand, um sich selbst zu recht­fer­ti­gen, um sich selbst zu ent­schul­di­gen, um sich selbst etwas ein­zu­re­den. Es ist eine schlimme Weise, den Ver­stand zu gebrau­chen, wenn man ihn dazu benützt, um das zu recht­fer­ti­gen, was man gern tun möchte und nicht tun darf, oder was man schon getan hat, obwohl man es nicht hätte tun dür­fen. Da ist ein gesun­des Miß­trauen gegen uns selbst ange­bracht. Wir müs­sen uns selbst prü­fen, ob nicht unsere Mei­nun­gen, vor allen Din­gen wenn sie zu unse­rem Vor­teil sind, zu die­sem Zweck erfun­den sind, ob nicht unsere Ein­sich­ten den ein­zi­gen Zweck haben, erkannte Pflich­ten weg­zu­dis­ku­tie­ren, unbe­queme Erkennt­nisse abzu­leug­nen, eigene Feh­ler und Schwä­chen und Sün­den zu ent­schul­di­gen, als uner­heb­lich hin­zu­stel­len.

Dage­gen setzte sich das Chris­ten­tum, setzt sich die Kir­che zur Wehr. Der Apos­tel Pau­lus mahnt uns, vor dem Hin­tre­ten zur hei­li­gen Kom­mu­nion uns zu prü­fen. „Darum prüfe sich der Mensch.“ Er prüfe seine Ein­sich­ten, seine Ansich­ten, seine Motive, seine Ent­schlüsse. Er prüfe sich, und er schaue mit Miß­trauen auf sich. Er soll sich ver­ur­tei­len, ob er näm­lich wür­dig ist, die­ses hei­lige Geheim­nis zu emp­fan­gen. Des­we­gen lehrt uns die Kir­che, an die Brust zu klop­fen und zu sagen: „Ich bin nicht wür­dig“ und die Schuld zu beken­nen: „Durch meine Schuld, durch meine über­große Schuld.“ Des­we­gen mahnt sie, sich im Bußsa­kra­ment zu prü­fen und ein Bekennt­nis abzu­le­gen und durch die Hand­auf­le­gung des Pries­ters, durch das Macht­wort, das der Pries­ter im Namen Got­tes spricht, sich rei­ni­gen zu las­sen von sei­ner Schuld. Das ist der erste Teil des Gebo­tes: Du sollst die Wahr­heit nicht unter­drü­cken.

Der zweite lau­tet: Du sollst die Wahr­heit nicht miß­brau­chen. Ja, ist denn das mög­lich, die Wahr­heit zu miß­brau­chen? Warum ist es mög­lich? Wieso ist es mög­lich? Es ist des­we­gen mög­lich, meine lie­ben Freunde, weil die Wahr­heit in unsere Hand gege­ben ist, weil die Wahr­heit unser inne­rer, unser see­li­scher Besitz ist, weil wir ein Bewußt­sein haben, in das nie­mand ein­drin­gen kann, kein Mensch, keine Krea­tur, wenn wir nicht die Tür unse­res Her­zens öff­nen. Wir sind imstande, unsere See­len­be­we­gun­gen, unsere Erkennt­nisse, unsere Wil­lens­ent­schlüsse im Her­zen zu ver­ber­gen, und nie­mand darf will­kür­lich und selbst­süch­tig in die­ses Hei­lig­tum ein­drin­gen. Nur Rück­sich­ten der Gerech­tig­keit oder der Liebe, nur der Befehl und das Gebot Got­tes könn­ten uns ver­an­las­sen, das Tor zu unse­rem Bewußt­sein zu öff­nen.

Ich bin über­zeugt, daß die­ses Geheim­nis des Bewußt­s­eins für uns Men­schen uner­läß­lich ist; zunächst ein­mal für uns selbst. Wir müs­sen uns eine innere Welt auf­bauen, eine innere Kul­tur, eine Pflege des Inne­ren, und das muß eben im Käm­mer­lein des Bewußt­s­eins, ver­bor­gen vor den ande­ren Men­schen, vor sich gehen. Aber das Ver­schlos­sen­sein im Bewußt­sein ist auch not­wen­dig um des Zusam­men­le­bens wil­len. Was wäre, meine lie­ben Freunde, wenn ein jeder in der Seele des ande­ren lesen könnte, was er im Augen­blick denkt und will und beab­sich­tigt? Das Zusam­men­le­ben wäre uner­träg­lich. Des­we­gen hat Gott in wei­ser Vor­aus­sicht dafür gesorgt, daß es ein unver­äu­ßer­li­ches Men­schen­recht gibt, näm­lich das Bewußt­sein zu bewah­ren, das Wis­sen, das wir in uns tra­gen, für uns zu behal­ten, solange nicht höhere Rück­sich­ten, Ansprü­che der Liebe und der Gerech­tig­keit oder ein Gebot Got­tes uns befeh­len, es mit­zu­tei­len.

Es gibt Geheim­nisse, die beson­ders geschützt sind. Das ist das anver­traute Geheim­nis, wenn uns jemand etwas unter dem Sie­gel der Ver­schwie­gen­heit unter­brei­tet. Es gibt das Berufs­ge­heim­nis, das mit der beruf­li­chen Tätig­keit zusam­men­hängt. Es gibt das Amts­ge­heim­nis von Amts­per­so­nen. Es gibt das Beicht­ge­heim­nis des Pries­ters, das auch bei Todes­ge­fahr ver­pflich­tet und nie­mals und unter kei­nen Umstän­den gebro­chen wer­den darf. Der Grund für die­ses Geheim­nis ist, wie ich sagte, die innere Kul­tur, ist das Zusam­men­le­ben unter Men­schen, das eben uner­träg­lich wäre, wenn jeder will­kür­lich und selbst­süch­tig in das Geheim­nis des ande­ren ein­drin­gen könnte.

Und weil das Geheim­nis unse­res Bewußt­s­eins so gewich­tig ist, müs­sen wir auch sorg­sam damit umge­hen. Wir müs­sen umsich­tige Ver­wal­ter des Geheim­nis­ses sein. Wir dür­fen es nicht jedem offen­ba­ren. Wir müs­sen über­le­gen, wem, wann und wie wir die Gehei­misse unse­res Bewußt­s­eins wei­ter­ge­ben. Man­cher emp­fin­det ein gewis­ses Unbe­ha­gen, wenn er höf­lich ist, denn sein Besu­cher ist viel­leicht läs­tig oder gleich­gül­tig oder wider­wär­tig. Aber diese Höf­lich­keit ist keine Lüge. Man spricht hier von kon­ven­tio­nel­ler Lüge, aber es ist dies keine Lüge, son­dern wer aus Ver­ant­wor­tung die Höf­lich­keit gegen­über unlieb­sa­men Per­so­nen bewahrt, der geht sorg­sam um mit der Wahr­heit. Das ist ein uns befoh­le­ner Umgang mit der Wahr­heit, und erst recht gilt das gegen­über den Men­schen, die uns als Vor­ge­setz­ten oder als Nahe­ste­hen­den anver­traut sind. Auch hier muß man mit gro­ßer Umsicht zu Werke gehen, wenn man ihnen etwas offen­bart, muß über­le­gen, was man sagt. Da ist ein beherrsch­tes Schwei­gen, eine kluge Rück­sicht, eine lie­bende Über­le­gung unbe­dingt not­wen­dig, um nicht andere zu ver­let­zen, zu ent­mu­ti­gen, zum Zorn zu rei­zen. Ja, vor allen Din­gen wenn wir von Rache­durst erfüllt sind, wenn uns der Zorn über­wäl­tigt, wenn wir dem ande­ren ein­mal die Wahr­heit sagen möch­ten, dann ist höchste Gefahr, und dann muß man beson­ders wach­sam sein, was man über seine Lip­pen kom­men läßt, denn dann ist die Gefahr vor­han­den, einen ande­ren zu stö­ren, zu zer­stö­ren, zum Haß, zur Ver­zweif­lung zu brin­gen. Man darf nicht jedem Men­schen alles sagen, was man ihm sagen möchte. Man muß schwei­gen aus Ver­ant­wor­tung, aus Liebe, aus Gerech­tig­keit. Ich weiß es, meine lie­ben Freunde, es ist manch­mal ein Wider­streit zwi­schen Auf­rich­tig­keit und Barm­her­zig­keit, zwi­schen Ehr­lich­keit und Rück­sicht, aber die­ser Zwie­spalt muß durch­ge­stan­den wer­den. Wir müs­sen ver­su­chen, bei­des zu ver­ei­ni­gen, auf­rich­tig zu sein und barm­her­zig, ehr­lich und rück­sichts­voll, um auf diese Weise unsere Gemein­schaft vor Scha­den zu bewah­ren. Ja, nicht nur unsere Gemein­schaft, auch uns selbst. Im Buch von der Nach­folge Christi steht der inhalts­schwere Satz: „Sooft ich unter Men­schen gewe­sen bin, bin ich als weni­ger Mensch zurück­ge­kehrt.“ Das will sagen: Oft, wenn wir zu Men­schen gehen, haben wir uns aus­ge­gos­sen, haben wir unüber­legt, haben wir hart­her­zig daher­ge­re­det, und dadurch sind wir selbst ärmer gewor­den. „Sooft ich unter Men­schen gewe­sen bin, bin ich als weni­ger Mensch zurück­ge­kehrt.“

Frei­lich gilt auch, daß wir die Wahr­heit in uns tra­gen, um sie mit­zu­tei­len. Wir haben auch eine Ver­ant­wor­tung für das Ver­schen­ken der Wahr­heit. Gott hat uns die Spra­che gege­ben als Mit­tel der Ver­stän­di­gung, damit wir die Wahr­heit ande­ren mit­tei­len. Das muß uns selbst­ver­ständ­lich eine hei­lige Pflicht sein, die Wahr­heit, die andere brau­chen, die andere nötig haben, mit der wir ande­ren die­nen kön­nen, zu ver­mit­teln. Wir dür­fen die Wahr­heit nicht aus selbst­süch­ti­gen Grün­den ande­ren vor­ent­hal­ten: Wenn er das erfährt, dann wird er mir gefähr­lich. Wir dür­fen sie nicht aus selbst­süch­ti­gen Grün­den vor­ent­hal­ten. Wir dür­fen auch die Wahr­heit nicht trü­ben, indem wir als Wahr­heit aus­ge­ben, was keine Wahr­heit ist. Wir nen­nen das Lüge. Der Phi­lo­soph Kant hat ein­mal das Wort gesagt: „Die Lüge ist der eigent­lich faule Fleck in der mensch­li­chen Natur.“ Und in einem Psalm steht das furcht­bare Wort: „Jeder Mensch ist ein Lüg­ner.“ Alles, was unsere Ver­trau­ens­wür­dig­keit, was die Ver­trau­ens­wür­dig­keit unse­rer Selbstof­fen­ba­rung min­dert, ist gegen das 8. Gebot. Wir soll­ten uns hüten, unsere Lip­pen, auf denen der Leib des Herrn geruht hat, zu ent­wei­hen durch die Lüge.

Wir müs­sen auch vor­sich­tig umge­hen, wenn wir andere Men­schen beur­tei­len. Es kann sein, daß einer als wahr­haf­tig erscheint und tat­säch­lich in sei­nen Reden keine offen­kun­dige Lüge tut, aber er ver­steht es so, die Wahr­heit zu ver­ber­gen, daß er doch inner­lich und inner­lichst ver­lo­gen ist. Ein ande­rer, der viel­leicht aus Phan­tas­tik, aus Roman­tik, aus Unbe­hol­fen­heit oder aus Angst die Wahr­heit ver­birgt, kann ein ganz wahr­haf­ti­ger Mensch sein, aber durch Über­rum­pe­lung sagt er etwas Fal­sches aus. Es ist also große Vor­sicht am Platze, wenn wir andere Men­schen der Lüge zei­hen. Wir selbst aber soll­ten sorg­same Ver­wal­ter der Wahr­heit sein. Ein Engel sollte an der Schwelle unse­res Her­zens Wache hal­ten über alles, was in unsere Seele ein­geht an Wahr­heit von Gott oder von den Men­schen, aber auch über alles, was aus unse­rer Seele aus­geht an Wahr­heit, an Zeug­nis­sen, an Aus­sa­gen zu den Men­schen. Die­ser hei­lige Engel sollte uns vor jedem unnüt­zen Wort bewah­ren, er sollte uns auch zur Mit­tei­lung der Wahr­heit ver­an­las­sen, wann immer es not­wen­dig und ange­bracht ist. Ja, eigent­lich müß­ten zwei Engel an unse­ren Lip­pen und an unse­rem Her­zen ste­hen, ein hei­li­ger Che­rub mit flam­men­dem Schwert und ein hei­li­ger Seraph mit flam­men­dem Her­zen.

Amen.