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Ehre sei Gott und Friede auf Erden

Ehre sei Gott und Friede auf Erden

„Viel­fach und viel­fäl­tig hat Gott einst zu unse­ren Vätern durch die Pro­phe­ten gere­det. Zuletzt aber hat er zu uns gespro­chen durch sei­nen Sohn, den er zum Erben des Welt­alls gemacht, durch den er das Welt­all geschaf­fen hat.“ Die­ser inhalts­schwere Satz ist der Anfang der Lesung der heu­ti­gen hei­li­gen Messe. In die­sem Satz wird eine deut­li­che Zäsur gemacht zwi­schen allem, was vor Jesus war und was außer Jesus ist, und dem, was mit Jesus begon­nen hat. Gewiß, viel­fach und viel­fäl­tig hat Gott einst zu den Vätern gere­det durch die Pro­phe­ten, die gro­ßen Pro­phe­ten, die klei­nen, die, wel­che nur münd­lich gespro­chen haben, und die Schrift­pro­phe­ten. Aber das ist nichts im Ver­gleich zu dem, was jetzt gesche­hen ist. Zuletzt, in unse­ren Tagen, hat er zu uns gere­det durch sei­nen Sohn, durch den er das Welt­all geschaf­fen, den er zum Erben von allem ein­ge­setzt hat.

Weih­nach­ten steht nicht ohne das Bekennt­nis zur wah­ren Got­tes­sohn­schaft Jesu Christi. Und wenn die Moham­me­da­ner auf ihre Moschee auf dem Tem­pel­berg in Jeru­sa­lem schrei­ben: Gott hat kei­nen Sohn, so sagen wir heute: Gott hat einen Sohn, und die­ser Sohn ist Mensch gewor­den, und wir haben seine Herr­lich­keit gese­hen, seine Herr­lich­keit voll der Gnade und Wahr­heit. Die Umstände des Erschei­nens sei­nes Soh­nes ent­hal­ten bei­des, Dun­kel­heit und Licht. Es ist genug Dun­kel­heit für die, die nicht sehen wol­len. Es ist aber auch genug Licht für die, die sehen wol­len.

Er ward gebo­ren in Beth­le­hem. Die­ses hebräi­sche Wort heißt „Haus des Bro­tes“. Warum ist er in Beth­le­hem gebo­ren wor­den? Er stammt doch aus Naza­reth. Wie kam er nach Beth­le­hem? Durch Got­tes Fügung. Kai­ser Augus­tus war das Werk­zeug der gött­li­chen Vor­se­hung. Kai­ser und Prä­si­den­ten wis­sen oft nicht, daß sie in Got­tes Wel­ten­plan eine Stelle haben. So hatte Augus­tus eine Auf­schrei­bung ange­ord­net, die Josef und Maria, die geseg­ne­ten Lei­bes war, nach Beth­le­hem führte, weil Josef Davi­dide war, aus dem Geschlecht Davids stammte, und die Hei­mat­stadt Davids ist Beth­le­hem. „Haus des Bro­tes“ – das scheint nicht von unge­fähr der Geburts­ort Jesu zu sein, denn es ist ja der gebo­ren, der ein­mal sagen wird: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer von die­sem Brote ißt, wird leben in Ewig­keit und nicht mehr ster­ben.“

Er ward gebo­ren in einem Stalle. Stall, das ist die Behau­sung der Tiere. Wie kommt der Sohn Got­tes, wenn er auf Erden erscheint, in einen Stall? In der Her­berge war kein Platz mehr. Die Erde hat für alles Platz, meine lie­ben Freunde. Sie hat Platz für ser­bi­sche Gene­räle, die wehr­lose Völ­ker über­fal­len; sie hat Platz für Ideo­lo­gen und Rausch­gift­händ­ler, aber sie hat kei­nen Platz für Got­tes Sohn, wenn er auf die Erde kommt. Es war kein Platz in der Her­berge. Es war kein Platz für ihn. Nun hätte er ja wie­der gehen kön­nen, aber nein, er ist geblie­ben. Er ist geblie­ben, obwohl kein Platz für ihn war, und hat in einem Stalle Zuflucht gesucht, in einer Krippe. Denn er wollte die Welt erlö­sen. Augus­ti­nus sagt so schön: „Der die Sterne regiert, liegt in der Krippe. Der die Engel nährt, wird von der Jung­frau gespeist. Ein gro­ßer Arzt ist auf Erden erschie­nen, aber er hat eine neue Art zu hei­len: er nimmt unsere Krank­hei­ten auf sich.“

Hir­ten sind die ers­ten, denen die Bot­schaft ver­kün­det wird. „Ich ver­künde euch eine große Freude: Heute ist euch in der Stadt Davids der Hei­land gebo­ren, wel­cher ist Chris­tus, der Herr.“ Sollte das von unge­fähr sein, daß Hir­ten, die in Paläs­tina zu den gering­schät­zig behan­del­ten Men­schen zähl­ten, zuerst von ihm hören durf­ten? Ist doch der gebo­ren, der ein­mal von sich sagen wird: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben für seine Schafe.“ Er wurde gebo­ren im Ver­bor­ge­nen. Nie­mand nahm von ihm Notiz. Die Gro­ßen und Mäch­ti­gen, die es ja damals auch gab, wuß­ten nichts von ihm und woll­ten nichts von ihm wis­sen. Und das ist nun das Geheim­nis Christi und des Chris­ten­tums seit 2000 Jah­ren. Es ist genü­gend Licht da für den, der guten Wil­lens ist, aber es ist auch genü­gend Dun­kel da für den, der die­sen guten Wil­len nicht auf­bringt. Daß der Hin­ter­grund in den Vor­der­grund tritt, daß der All­mäch­tige in Men­schen­ge­stalt erscheint, daß die Stärke schwach wird, daß der Reich­tum arm wird, das ist die Ver­bor­gen­heit Jesu. Er wird ein­mal von sich sagen: „Die Füchse haben Höh­len und die Vögel des Him­mels haben Nes­ter, aber der Men­schen­sohn hat nichts, wohin er sein Haupt legen kann.“ Er ist der Hei­mat­lose auf die­ser Erde. Er ist der ver­bor­gene Gott. Vere tu es deus abs­con­di­dus – wahr­haf­tig, du bist ein ver­bor­ge­ner Gott!

Daß Gott ein Mensch wurde, daß der Unend­li­che in die End­lich­keit ein­ging, das ist ein sol­ches unge­heu­er­li­ches Gesche­hen, daß man nur stau­nen und stau­nen und anbe­ten und anbe­ten kann. Man­che haben es begrif­fen. Zum Bei­spiel der große, fromme Anton Bruck­ner. Er hatte in der Weih­nachts­nacht als Orga­nist von Sankt Flo­rian in Öster­reich gar wun­der­sam gespielt. Und am Mor­gen such­ten ihn seine Haus­ge­nos­sen. Sie fan­den ihn vor der Krippe. „Meis­ter,“ frag­ten sie ihn, „was hast du denn hier die ganze Nacht gemacht?“ Da gab Bruck­ner zur Ant­wort: „Ich habe nur immer vor mich hin­ge­sagt: Er ist ein Mensch gewor­den. Er ist ein Mensch gewor­den. Und da bin ich vor Stau­nen nicht mehr fer­tig gewor­den.“ Bruck­ner hat das Geheim­nis der Ver­bor­gen­heit Got­tes in Chris­tus Jesus begrif­fen. „Da bin ich vor Stau­nen nicht mehr fer­tig gewor­den.“

Er ist in Armut erschie­nen, um einen wun­der­ba­ren Tausch vor­zu­neh­men. Er, der reich war, ward arm, damit wir durch seine Armut reich wür­den. Er, der ein Herr war, ward ein Knecht, damit der Knecht befreit und zu einem Herrn würde. Das ist der wun­der­bare Tausch, der in die­ser Hei­li­gen Nacht begon­nen hat.

Es ist aber nicht nur dun­kel in Beth­le­hem, es ist auch ein Licht da. Es wird ein Licht ange­zün­det. Der Stern, der über dem Hause strahlt, und die Licht­flut, die sich ergießt, als die Engel das Feld von Beth­le­hem heim­su­chen, sie zei­gen, daß diese Ver­bor­gen­heit nicht aus­weg­los ist; daß in der Ver­bor­gen­heit auch Hel­les vor­han­den ist. Die Engel erschei­nen und prei­sen den, der da gekom­men ist. Sie sin­gen das Lied von Weih­nach­ten: „Ver­herr­licht ist Gott in der Höhe und Friede den Men­schen auf Erden sei­ner Gnade!“ Das ist das Motto von Weih­nach­ten. Das ist das Thema, das jetzt ange­schla­gen ist und das nicht mehr auf­hö­ren wird bis zur zwei­ten Wie­der­kunft Jesu Christi. Die­ser Lob­ge­sang hat zwei Dinge anein­an­der­ge­knüpft, die unzer­reiß­bar sind. Und das Heil der Welt hängt davon ab, ob sie diese Unzer­reiß­bar­keit erkennt oder nicht. Zwei Dinge, die unzer­reiß­bar sind, näm­lich die Ehre Got­tes und der Friede der Men­schen. Wenn Gott ver­herr­licht wird, dann haben die Men­schen die Garan­tie, daß Friede bei ihnen sein wird. Wenn sie Gott die Ehre geben, wenn sie sei­nen Namen prei­sen, wenn sie seine Gebote hoch­schät­zen, wenn sie nach sei­nem Wil­len leben, dann wird Friede auf Erden. Aber wo die Men­schen Gott nicht die Ehre geben, da kann auch kein Friede sein; da kann kein Friede im Her­zen, da kann kein Friede in den Fami­lien, da kann kein Friede in den Gemein­den, da kann auch kein Friede in der Kir­che und kein Friede in der Welt sein. Ehre Got­tes und Friede der Men­schen sind unzer­reiß­bar mit­ein­an­der ver­knüpft. Man kann es auch anders aus­drü­cken. Man kann sagen: Got­tes Rechte und Men­schen­rechte sind unzer­reiß­bar mit­ein­an­der ver­bun­den. Wenn die Men­schen Gott geben, was Got­tes ist, dann wird man auch den Men­schen geben, was der Men­schen ist. Wenn man die Got­tes­rechte ach­tet, denn wer­den auch die Men­schen­rechte geach­tet wer­den. Aber wenn man nur von den Men­schen­rech­ten redet, wie es die sie­ben frei­mau­re­ri­schen Außen­mi­nis­ter der EG tun, dann ist das zu wenig. Man muß zuerst von den Got­tes­rech­ten und dann von den Men­schen­rech­ten reden. Wenn man die Men­schen­rechte sichern will, dann muß man die Got­tes­rechte hoch­hal­ten. Ehre Gott in der Höhe und Friede den Men­schen auf Erden! Das ist der Lob­ge­sang der Engel, der in unse­ren Ohren wider­klingt und der nicht mehr auf­hö­ren wird bis zur zwei­ten Ankunft unse­res Erlö­sers.

„Seht, ich ver­künde euch eine große Freude! Heute ist euch in der Stadt Davids der Hei­land gebo­ren, wel­cher ist Chris­tus, der Herr.“ Es kommt alles dar­auf an, meine lie­ben Freunde, daß wir die Ein­zig­ar­tig­keit, aber auch die Geschicht­lich­keit die­ses Ereig­nis­ses fest­hal­ten. Hier ist nichts von Legende; hier ist nichts von Mithras und ähn­li­chen Geschich­ten, wie gewisse katho­li­sche Exege­ten behaup­ten. Hier ist solide Wirk­lich­keit Got­tes. Hier hat sich der Him­mel geöff­net und den Sohn Got­tes frei­ge­ge­ben, daß er auf Erden sein Werk, sein schwe­res Werk ver­richte. Hier ist das Chris­ten­tum in sei­ner Unnach­ahm­bar­keit, in sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Abso­lut­heit kon­sti­tu­iert. Kein ande­rer, kein Bud­dha und kein Moham­med, kein Laotse und nie­mand sonst kann die­sem Sohn Got­tes jemals irgend­wie an die Seite gestellt wer­den. Hier ist der erschie­nen, von dem der Hebrä­er­brief sagt: Viel­fach und viel­fäl­tig hat Gott einst zu den Vätern durch die Pro­phe­ten gespro­chen. Zuletzt aber, in der Fülle der Zeit, in unse­ren Tagen hat er zu uns gere­det durch sei­nen Sohn, den er zum Erben von allem gemacht, durch den er das Welt­all geschaf­fen hat.