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Predigtreihe Jesus Christus

Dr. Georg May, em. Pro­fes­sor für Kir­chen­recht, Kirch­li­che Rechts­ge­schichte und Staats­kir­chen­recht, ist seit fast 60 Jah­ren Pries­ter.

Beson­ders in sei­nen unzäh­li­gen Pre­dig­ten hat Georg May den katho­li­schen Glau­ben ver­kün­det und erläu­tert. Kom­pro­miß­los in der Ver­kün­di­gung der rei­nen Lehre und doch leicht ver­ständ­lich fes­selt er seine Leser, die er in der Treue zum Glau­ben und in der Liebe zur Lehre der Kir­che zu fes­ti­gen ver­steht.

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Hier können sie täglich eine neue Predigt lesen. Die erste Serie beinhaltet 14 Themen und steht unter dem Haupttitel "Jesus Christus"
Das Zeug­nis des Apos­tels Pau­lus

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

„Was dünkt euch von Chris­tus? Wes­sen Sohn ist er?“ Das war die Frage, die zu beant­wor­ten wir uns vor­ge­nom­men hat­ten. Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag haben wir gehört, wie die drei ers­ten Evan­ge­lis­ten Jesus anse­hen. Er ist der mensch­ge­wor­dene Got­tes­sohn, gekom­men, die Mensch­heit in sein mes­sia­ni­sches Reich zu rufen. Am heu­ti­gen Sonn­tag wol­len wir das Zeug­nis des Apos­tels Pau­lus hören. Sein Zeug­nis ist des­we­gen beson­ders beacht­lich, weil er ein Feind Christi und der jun­gen Kir­che war. Er hat sie mit sei­nem Haß ver­folgt; er hat genau hin­ge­se­hen und war nicht vor­ein­ge­nom­men. Er hat geprüft, und dann hat er sich vor dem Herrn Jesus Chris­tus gebeugt. Der Apos­tel Pau­lus ist ein Feu­er­brand, aber in die­sem Brande glüht nie­mand ande­res als Jesus Chris­tus. Er ist ein Sturm, aber die Macht die­ses Stur­mes ist Chris­tus. Er ist ein Buch, aber in die­sem Buche steht nie­mand ande­res als Jesus Chris­tus. Der Apos­tel Pau­lus ist ein rei­cher, gewal­ti­ger, frucht­ba­rer Geist, aber sein Reich­tum, seine Kraft und seine Liebe ist Chris­tus. Pau­lus schil­dert uns Chris­tus in vier­fa­cher Weise, ers­tens als Macht, zwei­tens als Herrn, drit­tens als Sohn Got­tes und vier­tens als Pries­ter.

Er schil­dert uns Chris­tus als Macht. Er spürte ihn ja vor Damas­kus als die Macht, die ihn in den Dienst genom­men hat, der man sich zwar wider­set­zen kann, aber der man nicht ent­rin­nen kann. Weil er von der Herr­lich­keit und Herr­scher­macht des Herrn ergrif­fen wor­den ist, des­we­gen kann und muß er künf­tig Zeug­nis von Jesus able­gen. Es war der glei­che, der, wie er im Gala­ter­brief schreibt, von der Frau gebo­ren, dem Gesetze unter­wor­fen, gekreu­zigt wor­den ist, an dem Pau­lus eben wegen des Kreu­zes Ärger­nis genom­men hat. Aber er weiß: Chris­tus ist durch das Kreuz zur Herr­lich­keit gelangt; er ist für den Apos­tel des­halb der Ver­herr­lichte, weil er der Gekreu­zigte ist. Und so schreibt er denn im Römer­brief von ihm: „Pau­lus, Knecht Christi Jesu, beru­fen zum Apos­tel, aus­er­wählt für die Heils­bot­schaft Got­tes, die Gott schon längst ver­hei­ßen hat durch seine Pro­phe­ten in den hei­li­gen Schrif­ten von sei­nem Sohne, der dem Flei­sche nach aus dem Geschlechte Davids stammte, dem Hei­li­gen Geiste nach als Got­tes­sohn macht­voll erwie­sen wurde durch seine Auf­er­ste­hung von den Toten, von Chris­tus Jesus, unse­rem Herrn. Durch ihn haben wir Gnade und Apos­tel­amt emp­fan­gen, um alle Völ­ker zum Glau­bens­ge­hor­sam zu füh­ren um sei­nes Namens wil­len.“ Das also ist die Macht, die Pau­lus erfah­ren hat, die Macht, die ihn in den Staub gewor­fen hat vor Damas­kus und die ihn über­wun­den hat, so daß er künf­tig nichts ande­res tut, als sie zu beken­nen, und daß es sein Lebens­in­halt gewor­den ist, von die­ser Macht Jesu Christi zu kün­den.

Das Haupt­wort frei­lich, in dem Pau­lus Jesus schil­dert, ist das Wort Herr, grie­chisch Kyrios. Das Wort kommt ja in jeder hei­li­gen Messe vor im Kyrie. Kyrie ist die Anre­de­form von Kyrios: Herr. Und als Herrn hat Pau­lus Chris­tus emp­fun­den. Mit dem Wort Herr soll aus­ge­drückt wer­den, daß Chris­tus die Macht Got­tes besitzt, und zwar per­son­haft, recht­mä­ßig, all­um­fas­send und Gehor­sam hei­schend, eine per­son­hafte Macht, eine recht­mä­ßige Macht, eine umfas­sende Macht und eine Gehor­sam for­dernde Macht.

Chris­tus ist der Herr, aber das kann frei­lich – nach Pau­lus – nur sagen, wer im Hei­li­gen Geiste ist, in der Kraft und im Licht Got­tes. Wer nicht von Gott erleuch­tet ist, der sieht in Chris­tus bloß die irdi­sche Erschei­nung, der sieht nur den wan­dern­den Gali­läer und nicht den ver­herr­lich­ten Herrn. Wer dage­gen im Hei­li­gen Geiste Chris­tus als den Herrn bekennt, der wird geret­tet wer­den. So schreibt er in einem ergrei­fen­den Zeug­nis im Römer­brief: „Wenn du mit dei­nem Munde den Herrn Jesus bekennst und in dei­nem Her­zen glaubst, daß Gott ihn von den Toten erweckt hat, so wirst du selig wer­den.“ Bei­des gehört zusam­men, das Bekennt­nis nach außen und der Glaube im Inne­ren. Wenn du mit dem Munde Chris­tus als den Herrn bekennst und im Her­zen glaubst, daß Gott ihn von den Toten erweckt hat, wirst du selig wer­den. Vor die­sem Herrn muß man die Knie beu­gen, d. h. man muß ihm die­selbe Ver­eh­rung erwei­sen, die man Gott erweist. Jesus ist nicht bloß der schlichte und sein Evan­ge­lium ver­brei­tende Mann aus Gali­läa, er ist der Sohn Got­tes, er ist Gott selbst, „vor dem jedes Knie sich beu­gen muß im Him­mel, auf der Erde und unter der Erde und jede Zunge beken­nen muß: Jesus ist der Herr“.

Seit der Auf­er­ste­hung nimmt Jesus auch sei­ner mensch­li­chen Natur nach an der Herr­lich­keit des Vaters teil. Jesus ist durch die Auf­er­ste­hung kein ande­rer gewor­den, es ist nur her­vor­ge­kom­men, was immer in ihm war, näm­lich die Herr­lich­keit Got­tes; sie ist durch­ge­bro­chen durch die mensch­li­che Natur. In die­ser ver­klär­ten mensch­li­chen Natur sitzt er zur Rech­ten des Vaters. Er ist über allen Herr­schaf­ten, Gewal­ten und Mäch­ten; alles ist ihm unter­stellt; ihm ist Got­tes Herr­schaft über die Welt eigen. Er soll nach Über­wäl­ti­gung und Über­win­dung aller Gegen­mächte alles dem Vater zu Füßen legen. An die­sen Herrn ist der Christ gebun­den. Er ist durch die Taufe in die Atmo­sphäre und in den Wirk­be­reich Christi hin­ein­ge­führt wor­den. Von Chris­tus ist er durch­herrscht; des­we­gen kommt in den Pau­lus­brie­fen so oft die For­mel vor: „in Chris­tus“ oder „Chris­tus in uns“. Das bedeu­tet das Durch­herrscht­sein durch die Macht Christi. Er ist das Haupt des Alls, und wer an ihn glaubt, ist beru­fen, an sei­ner Herr­lich­keit teil­zu­neh­men. Jetzt ist er schon Teil­ha­ber der Herr­lich­keit, aber noch ist diese Teil­habe unan­schau­lich; man kann sie nicht mes­sen oder wägen, man kann sie nicht sehen oder spü­ren. Erst wenn der Tag der Offen­ba­rung kommt, wird diese Herr­lich­keit auch an uns glor­reich her­vor­bre­chen.

Weil der Christ von Chris­tus durch­herrscht ist, des­we­gen muß er sei­ner wür­dig han­deln, er muß ihm die­nen. Er muß sei­nen Leib Chris­tus dar­brin­gen. Im ers­ten Korin­ther­brief for­dert der Apos­tel: „Ihr sagt: Alles ist mir erlaubt. Wohl, aber nicht alles frommt. Alles ist mir erlaubt. Gut, aber ich soll mich von nichts beherr­schen las­sen. Die Speise ist für den Magen und der Magen für die Speise, Gott aber wird ein­mal beide ver­nich­ten. Jedoch der Leib ist nicht für die Unkeusch­heit, son­dern für den Herrn und der Herr für den Leib. Gott aber hat nicht nur den Herrn auf­er­weckt, son­dern er wird auch uns durch seine Kraft auf­er­we­cken. Wißt ihr nicht, daß eure Lei­ber Glie­der Christi sind? Darf ich nun die Glie­der Christi zu Glie­dern einer Buh­le­rin machen? Das sei fern. Oder wißt ihr nicht, daß, wer einer Buh­le­rin anhängt, ein Leib mit ihr wird? Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit ihm. Flie­het darum die Unkeusch­heit!“

Der Herr steht auch den Sei­nen bei, daß sie das Böse über­win­den. Wenn sie in Chris­tus Jesus wan­deln, dann ist er der Boden, in dem ihr geist­li­ches Leben wur­zelt, aus dem es fort­wäh­rend Nah­rung bezieht. Und alles muß für den Herrn gesche­hen. Ob man arbei­tet oder ruht, ob man betet oder wirkt, ob man lebt oder stirbt, alles geschieht für den Herrn. Das ganze Leben des Men­schen steht in sei­ner Obhut.

Die dritte Bezeich­nung, die Pau­lus für Chris­tus ver­wen­det, ist die, daß Jesus der Sohn Got­tes ist. Er ist der Sohn Got­tes von Ewig­keit, den der Vater in der Gestalt des Flei­sches gesandt hat. So sagt er deut­lich im Gala­ter­brief: „Als die Fülle der Zeit gekom­men, sandte Gott sei­nen Sohn, der aus dem Weibe gebo­ren und dem Gesetz unter­wor­fen war.“ Die Frohe Bot­schaft vom Herrn ist also nichts ande­res als die Bot­schaft von Jesus, dem Sohne Got­tes. Er ist die Erfül­lung aller Ver­hei­ßun­gen des Vaters. Was er, Pau­lus, von ihm ver­kün­den soll, ist, daß Gott uns durch sei­nen Sohn, durch des­sen Kreu­zes­tod und Auf­er­ste­hung, da wir noch Sün­der waren, mit sich ver­söhnt hat. Im Römer­brief schreibt er die ergrei­fen­den Verse: „Denn Chris­tus ist, da wir noch schwach waren, zur rech­ten Zeit für Gott­lose gestor­ben. Es stirbt näm­lich kaum jemand für einen Gerech­ten. Für den Wohl­tä­ter dürfte viel­leicht jemand den Mut haben, zu ster­ben. Gott aber erweist seine Liebe zu uns dadurch, daß Chris­tus für uns gestor­ben ist, da wir noch Sün­der waren. Um so viel mehr also wer­den wir jetzt, da wir in sei­nem Blute gerecht­fer­tigt sind, durch ihn vor dem Zorne bewahrt wer­den. Wur­den wir, solange wir Feinde waren, ver­söhnt mit Gott durch den Tod sei­nes Soh­nes, so wer­den wir um so mehr als Ver­söhnte erret­tet wer­den durch sein Leben. Und nicht allein dies, son­dern wir rüh­men uns auch Got­tes durch unse­ren Herrn Jesus Chris­tus, durch den wir jetzt Ver­söh­nung emp­fan­gen haben.“ Die durch Chris­tus ver­söhnt sind, sind ihm auch gleich­för­mig gemacht wor­den, und wegen die­ser Gleich­för­mig­keit haben sie Zutritt zum Vater, der uns mit Jesus in das Reich sei­nes gelieb­ten Soh­nes ver­setzt hat. Jesus ist aber nicht nur der, in des­sen Wir­kungs­kreis wir uns jetzt bewe­gen, er ist auch der Rich­ter, dem der Christ zuver­sicht­lich ent­ge­gen­schaut, auf des­sen Kom­men er in der Drang­sal der Zeit war­tet. Der Sohn kann uns Anteil am Leben Got­tes brin­gen, weil in ihm die Fülle des Lebens Got­tes ist.

Es gibt eine ein­zige Stelle, in der Pau­lus Chris­tus direkt als Gott bezeich­net, näm­lich im Römer­brief im 9. Kapi­tel: „Ihnen (den Israe­li­ten) gehö­ren die Väter an, und von ihnen stammt dem Flei­sche nach Chris­tus, der da ist über alles Gott, hoch­ge­lobt in Ewig­keit.“ Die Gott­heit des Vaters und die Gott­heit Christi steht für Pau­lus fest, und weil Chris­tus an der Gott­heit des Vaters teil­hat, des­we­gen muß man seine Knie vor ihm beu­gen, wie man sie vor dem Vater im Him­mel beugt.

Die vierte Bezeich­nung, die Pau­lus Chris­tus wid­met, ist die des Pries­ters. Sie fin­det sich im Hebrä­er­brief. Er stammt viel­leicht nicht unmit­tel­bar aus der Hand Pauli, aber er ist Kind sei­nes Geis­tes, er kommt aus sei­ner geis­ti­gen Welt. Dort ist Chris­tus als der Hohe­pries­ter bezeugt, der durch sein voll­kom­me­nes Pries­ter­tum ein jedes andere Pries­ter­tum abge­tan hat. Von ihm bezeugt der Hebrä­er­brief: „Da wir nun einen gro­ßen Hohen­pries­ter haben, der hin­durch­ge­gan­gen ist durch die Him­mel, Jesus, den Sohn Got­tes, so wol­len wir fest­hal­ten an dem Bekennt­nis. Denn wir haben nicht einen Hohen­pries­ter, der nicht Mit­leid haben könnte mit unse­ren Schwä­chen, viel­mehr einen sol­chen, der in allem uns gleich ver­sucht wor­den ist, die Sünde aus­ge­nom­men.“ Die­ser Hohe­pries­ter, von dem im Hebrä­er­brief die Rede ist, ist erha­ben über alles, erha­ben über die Pro­phe­ten, erha­ben über die Pries­ter des Alten Bun­des, erha­ben auch über die Engel. Und so kom­men die fei­er­li­chen Verse am Anfang des Hebrä­er­brie­fes uns zu: „Viel­mals und man­nig­fach hat einst Gott zu den Vätern durch die Pro­phe­ten gespro­chen, jetzt, am Ende der Tage, zu uns durch sei­nen Sohn, den er zum Erben über alles gemacht hat, durch den er auch die Wel­ten geschaf­fen.“ Jetzt beschreibt der Ver­fas­ser des Hebrä­er­brie­fes Chris­tus: „Er, der Abglanz sei­ner Herr­lich­keit und das Eben­bild sei­nes Wesens.“ Mit die­sen Wor­ten wird die Sohn­schaft Christi aus­ge­sagt: der Abglanz sei­ner Herr­lich­keit und das Eben­bild sei­nes Wesens. „Er, der auch das Welt­all trägt durch sein macht­vol­les Wort.“ Chris­tus ist nicht eine harm­lose Gestalt der Welt­ge­schichte. „Er trägt das Welt­all durch sein macht­vol­les Wort, hat Erlö­sung von den Sün­den gebracht und sich dann gesetzt zur Rech­ten der Majes­tät, so hoch erha­ben über die Engel wie sein Name, den er als Erb­teil erhielt.“

Diese Aus­sa­gen über Chris­tus in den Brie­fen des Pau­lus: Chris­tus als himm­li­sche Macht, Chris­tus als Herr, Chris­tus als Sohn Got­tes, Chris­tus als ewi­ger Hoher­pries­ter, diese Aus­sa­gen sind nicht ein Erzeug­nis eine Apo­theose. Was ist eine Apo­theose? Eine Apo­theose ist eine von Men­schen vor­ge­nom­mene Ver­gött­li­chung von Men­schen. Sol­che Apo­theo­sen waren im Alter­tum üblich. Man hat die Herr­scher zu Göt­tern ver­wan­delt. Nach ihrem Tode meinte man, sie wür­den zu Göt­tern wer­den. Diese fal­sche Ver­gött­li­chung ist nicht auf Chris­tus über­tra­gen wor­den, son­dern was die Jün­ger, was die Evan­ge­lis­ten, was Pau­lus von Chris­tus schrei­ben, das ist Ergeb­nis ihrer Erfah­rung. Sie haben sich nicht etwas aus­ge­dacht, son­dern sie haben etwas ent­ge­gen­ge­nom­men. Sie sind nicht Mythen gefolgt, son­dern sie haben die Rea­li­tät wie­der­ge­ge­ben, die ihnen in Chris­tus Jesus begeg­net ist.

Chris­tus ist der Herr über die Ele­mente schon zu der Zeit sei­nes irdi­schen Wan­dels gewe­sen. In der Brot­ver­meh­rung, in dem See­wan­del, in den Kran­ken­hei­lun­gen, in den Toten­er­we­ckun­gen blitzt seine gött­li­che Macht auf, da zeigt sich, daß er der Herr über die Ele­mente ist, da wird offen­bar, daß er der ist, dem Wind und Wel­len gehor­chen. Gewiß, er war dem Tod aus­ge­lie­fert, weil er selbst es wollte. Er hat das Todes­schick­sal auf sich genom­men, aber er geht hin, um sein Leben hin­zu­ge­ben, weil der Vater es will. Nie­mand nimmt es ihm, son­dern er ist treu dem Wil­len des Vaters, der eben vor­sah, daß er durch den Tod zum ewi­gen Leben ein­ge­hen sollte. Sein Tod ist anders als jeder andere Tod. Er hat den Tod ent­mäch­tigt in der Auf­er­ste­hung, und das ist eben etwas ande­res als die mythi­schen Gott­hei­ten, die jedes Jahr ster­ben und auf­er­ste­hen, weil die mythi­schen Gott­hei­ten nichts ande­res sind als Per­so­ni­fi­ka­tio­nen von Natur­er­eig­nis­sen. So wie die Natur stirbt im Herbst und im Win­ter und leben­dig wird im Früh­ling und blüht im Som­mer, so stell­ten sich die Hei­den die Gott­hei­ten vor. Nichts davon bei Chris­tus. Er hat den Kreis­lauf der Natur durch­bro­chen, er stirbt nicht mehr. Er ist ein für alle­mal gestor­ben und lebt für Gott, um alle, die sich an ihn gläu­big hal­ten, in sein Leben auf­zu­neh­men.

An Chris­tus zu glau­ben als an den Herrn und den Sohn Got­tes und den ewi­gen Hohen­pries­ter, das ist die letzte For­de­rung, die Pau­lus im Namen Got­tes an uns stellt. Ihm den Glau­ben ver­sa­gen ist das letzte Unheil.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Das Zeug­nis des Apos­tels Pau­lus www.Glaubenswahrheit.org"