StartseitePredigtreihe "Jesus Christus"

Dr. Georg May, em. Pro­fes­sor für Kir­chen­recht, Kirch­li­che Rechts­ge­schichte und Staats­kir­chen­recht, ist seit fast 60 Jah­ren Pries­ter.

Beson­ders in sei­nen unzäh­li­gen Pre­dig­ten hat Georg May den katho­li­schen Glau­ben ver­kün­det und erläu­tert. Kom­pro­miß­los in der Ver­kün­di­gung der rei­nen Lehre und doch leicht ver­ständ­lich fes­selt er seine Leser, die er in der Treue zum Glau­ben und in der Liebe zur Lehre der Kir­che zu fes­ti­gen ver­steht.

Hier können sie täglich eine neue Predigt lesen. Die erste Serie beinhaltet 14 Themen und steht unter dem Haupttitel "Jesus Christus"


Die besieg­ten Feinde Christi

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Seit gerau­mer Zeit treibt uns eine Frage um, die Ant­wort heischt: Was dünkt euch von Chris­tus? Dar­auf gibt der selige Bischof Johann Michael Sai­ler von Regens­burg die Ant­wort: „Ent­we­der kei­nen Chris­tus oder den apos­to­li­schen. Und der apos­to­li­sche ist der Über­mann der Sünde, des Todes und der Hölle.“ Das ist eine klare Ant­wort. Ent­we­der kei­nen Chris­tus oder den apos­to­li­schen. Der apos­to­li­sche aber ist der Über­mann der Sünde, des Todes und der Hölle. Wir haben am ver­gan­ge­nen Sonn­tag Chris­tus als den Sie­ger uns vor Augen geführt. Es bleibt uns heute die Auf­gabe, die ein­zel­nen Feinde, die er besiegt hat, noch ein­mal ins Blick­feld tre­ten zu las­sen.

Der erste Feind, den Chris­tus besiegt hat, ist der Teu­fel. Der Teu­fel war sein Gegen­spie­ler von Anfang an. Er suchte Chris­tus zum Bösen zu ver­füh­ren; die Ver­su­chun­gen in der Wüste waren sein Werk. Aber es gelang ihm nicht, den Ver­such­ten zur Sünde zu ver­füh­ren. In Chris­tus hat sich die Macht die­ses Ver­su­chers erschöpft. Auch die Feind­schaft, die Chris­tus traf, war vom Teu­fel ein­ge­ge­ben, und sie brachte ihn ja schließ­lich ans Kreuz. Das Todes­ur­teil, das Pila­tus über ihn fällt, kam vom Satan her. Aber der Tod ver­mochte ihn nicht zu hal­ten. In ihm erschöpfte sich die Macht des Todes, des Tra­ban­ten des Teu­fels; denn in ihm war keine Todes­schuld. So ist der Teu­fel von Chris­tus besiegt wor­den. Er hat in den ein­zel­nen Aus­trei­bun­gen von Dämo­nen schon wäh­rend sei­nes irdi­schen Lebens gesiegt und erst recht in sei­nem Tode. Im Tode ist der Teu­fel von Chris­tus ent­mäch­tigt wor­den. Chris­tus hat den Teu­fel besiegt. „Er hat ihn an dei­ner Statt, für dich und in dir besiegt“, sagt der hei­lige Augus­ti­nus. Chris­tus ist der Sie­ger über den Satan, nicht in dem Sinne, wie es die Mytho­lo­gien dar­stel­len. Da kämpft auch Gut gegen Böse, Licht gegen Fins­ter­nis, aber das ist ein end­lo­ser Kampf. Wenn das eine Lager gesiegt hat, dann erholt sich das andere wie­der und der Kampf beginnt von neuem. Nicht so bei Jesus. Er hat den Teu­fel ein für alle­mal besiegt, und die Macht ist nicht gleich. Er hat die Über­macht über der Macht des Satans.

Der zweite Feind, den Chris­tus besiegt hat, ist der Tod. Alle Men­schen ster­ben einen Straf­tod. Ihr Tod ist Strafe für die Sünde. Der Tod ist der Sold der Sünde, denn der Tod ist durch Satan in die Welt gekom­men. Indem er die Sün­den­macht ein­führte, hat er gleich­zei­tig die Todes­macht auf­ge­rich­tet. Jetzt ergreift der Tod einen jeden, der sich in die Nähe Satans bege­ben hat. Wie­derum war Chris­tus anders. Er hatte keine Todes­schuld; er brauchte kei­nen Straf­tod zu ster­ben. Sein Tod war ein Süh­ne­tod für andere, und des­we­gen hat sich in ihm die Macht des Todes erschöpft. In sei­ner Auf­er­ste­hung ist der Tod end­gül­tig und für immer besiegt wor­den. Weil er nicht wie alle ande­ren des Todes schul­dig war, konnte der Tod ihn nicht hal­ten. Und des­we­gen heißt es in der Apo­ka­lypse: „Ich bin der Erste und der Letzte und der Leben­dige; ein Toter bin ich gewor­den, doch siehe, leben­dig bin ich in alle Ewig­keit und halte die Schlüs­sel des Todes.“ Chris­tus ist der Sie­ger über den Tod. Für ihn selbst bedeu­tete der Tod den Über­schritt zum neuen Leben. Nun ist er aber das Haupt der Schöp­fung. Was an ihm geschieht, muß an der gan­zen Schöp­fung gesche­hen. Des­we­gen wurde sein Tod für alle die Stelle, an der sie den Über­gang vom ver­gäng­li­chen zum unver­gäng­li­chen Leben tun kön­nen. In die­sem Sinne heißt es im zwei­ten Timo­theus­brief: „Er hat den Tod ver­nich­tet, dage­gen unver­gäng­li­ches Leben ans Licht gebracht durch die Heils­bot­schaft, für die ich, Pau­lus, als Herold bestellt bin.“ „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Sta­chel?“, so jubelt die Kir­che an Ostern. „Ver­schlun­gen ist der Tod im Sieg.“

Chris­tus hat als drit­ten Feind das Leid besiegt, denn auch das Leid ist auf die Satans­herr­schaft zurück­zu­füh­ren. Es gab eine Zeit, in der die Men­schen ohne Leid leb­ten. Erst als die Sünde in die Welt kam, durch Satan ein­ge­führt, kam das Leid, die Trauer, der Schmerz, die Klage in diese Welt. Jesus hat das Leid über­wun­den. Wodurch? Indem er, der kei­nen Anteil am Bösen hatte, sich wil­lig dem Lei­den aus­lie­ferte. Er war ein Lei­den­der, wie es kei­nen auf Erden je gege­ben hat noch je geben wird. Von ihm heißt es im ers­ten Petrus­brief, daß er nicht schmähte, als er geschmäht wurde, daß er nicht drohte, als er litt. In ihm hat sich Macht des Lei­des erschöpft.

Nun frei­lich könnte mir jemand ent­ge­gen­hal­ten: Aber die Men­schen ster­ben doch immer noch, und das Leid ist doch auf der Erde geblie­ben trotz Jesu Kom­men, trotz sei­ner Über­win­dung von Tod und Leid, trotz sei­nes Sie­ges über den Satan. Gewiß, der Tod und das Leid sind geblie­ben, aber sie sind ver­wan­delt. Sie die­nen jetzt nicht mehr dazu, den Men­schen ins Unheil zu stür­zen, son­dern sie besit­zen ver­wand­le­ri­sche Kraft. Wer das Leid und den Tod im Anschluß an Jesus auf sich nimmt, für den ist Leid und Tod der Über­schritt zum unver­gäng­li­chen Leben. Es kommt alles dar­auf an, daß man das Leid in dem Sinne trägt, wie Chris­tus es getra­gen hat. Man muß sich an ihn anschlie­ßen, man muß in seine Fuß­stap­fen tre­ten, man muß sich in seine Nach­folge bege­ben, dann wird das Leid ver­wan­delt, dann wird der Tod ver­wan­delt, dann kön­nen wir ebenso wie Chris­tus sagen: Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Sta­chel? Ver­schlun­gen ist der Tod im Siege.

Der vierte Geg­ner, den Jesus über­wun­den hat, ist die Sünde. In ihm war keine Sünde. Er hat als der Sünd­lose die Sünde in sei­nem Gehor­sam gegen­über dem Vater über­wun­den. Er hat durch seine Liebe die Herr­schaft der Sünde gebro­chen. Er hat durch seine Demut die Sün­den­macht über­wun­den. Jesus als Über­win­der der Sünde wird uns in jubeln­der Weise immer wie­der in der Hei­li­gen Schrift vor­ge­stellt. „Wie also durch des einen Sünde auf alle Men­schen Ver­damm­nis kam, so kommt auch durch eines Men­schen Gerech­tig­keit auf alle Men­schen Recht­fer­ti­gung zum Leben. Wie näm­lich durch den Unge­hor­sam des einen Men­schen die vie­len zu Sün­dern gewor­den sind, so wer­den auch durch den Gehor­sam des einen die vie­len zu Gerech­tig­keit gemacht.“ An einer ande­ren Stelle sagt Pau­lus: „Betrach­tet euch als sol­che, die der Sünde abge­stor­ben sind, für Gott aber leben in Chris­tus Jesus. Wir wis­sen, daß Chris­tus nach sei­ner Auf­er­ste­hung von den Toten nicht mehr stirbt, daß der Tod keine Macht für­der über ihn hat. Inso­fern er starb, starb er ein für alle­mal für die Sünde“ – das heißt eben zur Til­gung der Sünde, zur Über­win­dung der Sün­den­macht –, „inso­fern er aber lebt, lebt er Gott.“ Und schließ­lich noch an einer ande­ren Stelle schreibt Pau­lus: „Dem­nach gibt es keine Ver­damm­nis mehr für die­je­ni­gen, die in Chris­tus Jesus sind. Denn das Gesetz des leben­dig machen­den Geis­tes in Chris­tus Jesus hat mich vom Gesetz der Sünde und des Todes befreit.“ Jesus ist der Über­win­der der Sünde, wie es auch der Apos­tel Petrus ver­kün­det: „Er hat keine Sünde getan, und kein Trug ist in sei­nem Munde gefun­den wor­den. Da er geschol­ten wurde, schalt er nicht wie­der; da er litt, drohte er nicht, son­dern stellte seine Sache dem gerech­ten Rich­ter anheim. Er hat unsere Sün­den an sei­nem Leibe auf das Holz hin­auf­ge­tra­gen, damit wir, den Sün­den abge­stor­ben, der Gerech­tig­keit leben. Durch seine Wun­den seid ihr geheilt.“ Und noch an einer ande­ren Stelle: „Ist doch Chris­tus ein­mal für unsere Sün­den gestor­ben, der Gerechte für Unge­rechte, damit er uns zu Gott führe. Dem Flei­sche nach wurde er getö­tet, dem Geiste nach aber leben­dig gemacht.“

Auch hier frei­lich kann man wie­der den Ein­wand erhe­ben: Ist denn die Sünde seit dem Siege Jesu ver­schwun­den? Gibt es keine Sün­den mehr auf Erden? Jeder weiß, daß die Ant­wort nur hei­ßen kann: Es gibt Sünde auf Erden! Aber es gibt eben auch die Mög­lich­keit, die Sünde zu mei­den. Es gibt auch die Mög­lich­keit, die Sünde zu über­win­den. Es gibt jetzt auch die Kraft, der Sünde zu wider­ste­hen. Das ist das Neue, was durch Chris­tus gekom­men ist. Es gibt jetzt die Mög­lich­keit, ihm in sei­nem Sieg über die Sünde nach­zu­fol­gen.

Man mache mir nicht den Ein­wand: Auch die Chris­ten sün­di­gen. Natür­lich sün­di­gen auch die Chris­ten. Aber ich, der ich seit 50 Jah­ren Beicht­va­ter bin, ich weiß, daß die Chris­ten auch kämp­fen, daß sie rin­gen, daß sie gegen die Sünde ange­hen. Ich lasse mir meine Über­zeu­gung nicht neh­men, daß die Chris­ten in die Gefolg­schaft Jesu ein­ge­tre­ten sind, um sei­nen Sieg über die Sünde auch zu ihrem zu machen. Es ist nicht wahr, wenn man sagt, die Chris­ten seien nicht bes­ser. Sie sind bes­ser.

Chris­tus ist der Sie­ger über die Sünde. Er ist letz­tens auch noch der Sie­ger über das Gesetz. Das ist schwie­rig zu ver­ste­hen, wieso Chris­tus das Gesetz besiegt haben soll. Pau­lus sagt ja vom Gesetz, vom alt­tes­ta­ment­li­chen Gesetz: „Es ist gut, hei­lig und gerecht.“ Ja, wie kann man dann die­ses Gesetz besie­gen wol­len, wie kann es Chris­tus besiegt haben? Die Sün­den­macht bediente sich des Geset­zes in zwei­fa­cher Weise. Ein­mal reizte die Sün­den­macht den Men­schen durch das Ver­bot. Der Mensch ist ja immer geneigt, sich gegen das Gebot zu erhe­ben, und schon im Para­diese wis­sen wir, daß der Satan die Men­schen auf­ge­reizt hat, sich gegen das Gebot Got­tes zu erhe­ben. „Kei­nes­wegs wer­det ihr ster­ben, wenn ihr von die­sem Baum esset, son­dern Gott will nur nicht, daß euch die Augen auf­ge­hen“, so sagt die Schlange. Und so ist es immer geblie­ben. Die Sün­den­macht reizt den Men­schen, indem sie ihm das Gesetz vor­stellt und die darin lie­gende Beschrän­kung sei­ner Frei­heit. Sie ver­lockt ihn, seine Selbst­herr­lich­keit gegen das Gesetz zu stel­len. Das ist die erste Weise, wie sich die Sün­den­macht des Geset­zes zum Unheil bedient.

Die zweite Weise liegt darin, daß der­je­nige, der meint, das Gesetz zu erfül­len, sich vor Gott brüs­tet, daß er sich rühmt: Ich bin ein Geset­zes­er­fül­ler, daß er seine ver­meint­li­che Gerech­tig­keit gegen Got­tes Anspruch auf­baut, daß er im Hoch­mut sich über Got­tes Wil­len erhebt. Das ist die zweite Weise, wie die Sün­den­macht sich des Geset­zes bedient, und des­we­gen hat Chris­tus das Gesetz über­wun­den, daß es nicht mehr in der Lage sein kann, von der Sün­den­macht benutzt zu wer­den, um die Sünde her­vor­zu­ru­fen, um den Men­schen zum Hoch­mut zu ver­lei­ten. Er hat das Gesetz bis zum i-Tüp­fel­chen erfüllt, und darin hat er es über­wun­den. Er hat das Gesetz durch sei­nen Gehor­sam gegen­über dem himm­li­schen Vater ent­mäch­tigt. Nicht so, meine lie­ben Freunde – das wäre ein Miß­ver­ständ­nis –, nicht so, als ob die sitt­li­chen For­de­run­gen des Alten Tes­ta­men­tes nicht mehr gel­ten wür­den. Der Wille Got­tes bleibt immer gül­tig, aber die sitt­li­chen For­de­run­gen Got­tes tre­ten jetzt nicht mehr an den Men­schen von außen heran, son­dern sie sind gleich­sam in sein Inne­res ver­legt wor­den durch die Gnade. Der in der Gnade lebende Mensch bedarf gewis­ser­ma­ßen nicht mehr der Gebote, weil er das tut, was ihn die Liebe zu Chris­tus ohne­hin zu tun heißt. Statt der Buch­sta­ben des Geset­zes hat er ein neues Gesetz gewon­nen, näm­lich die Per­son Jesu Christi. Chris­tus ist das per­so­nale Gesetz des Chris­ten. Es bringt ihn von innen zur Erfül­lung des­sen, was das Gesetz von außen gebo­ten hat.

Das also, meine lie­ben Freunde, sind die Feinde, die Chris­tus über­wun­den hat: den Satan, den Tod, das Leid, die Sünde, das Gesetz. Wenn Irr­leh­rer in der heu­ti­gen Zeit den Sieg Christi her­ab­zu­spie­len bemüht sind, da kann uns das nicht irre­ma­chen. Wir wis­sen, daß Chris­tus durch sein hei­li­ges Leben, durch sei­nen heil­brin­gen­den Tod die alten Mächte ent­mäch­tigt hat und uns dem Vater im Him­mel zuge­führt hat. Er wird auch die Irr­leh­rer unse­rer Zeit besie­gen. Als der Kai­ser Julian Apostata – Julian der Abtrün­nige – in der Mitte des 4. Jahr­hun­derts einen Feld­zug gegen die Per­ser führte, da war in sei­nem Gefolge der heid­ni­sche Phi­lo­soph Liba­nius, sein Rat­ge­ber. Liba­nius traf in Antio­chien einen christ­li­chen Leh­rer. Über­mü­tig fragte er ihn: „Na, was macht jetzt euer Zim­mer­manns­sohn?“ Da ant­wor­tete ihm der christ­li­che Leh­rer: „Was er macht? Er zim­mert einen Sarg.“ Kurze Zeit danach war Kai­ser Julian Apostata tot. Ich bin über­zeugt, daß der Zim­mer­manns­sohn auch heute noch man­chen Sarg zimmrt. Er zim­mert ihn für alle die Irr­leh­rer, die den Sieg Christi bestrei­ten und bezwei­feln. Er zim­mert ihn auch für jenen Herrn in Wien, der behaup­tet, es sei ein Hoff­nungs­zei­chen, wenn auf­müp­fige Theo­lo­gen gegen das Lehr­amt ange­hen. Auch für ihn zim­mert der Zim­mer­manns­sohn einen Sarg. Denn Chris­tus ist und bleibt der Sie­ger auch über den Irr­tum, wie er selbst in der Apo­ka­lypse sagt: „Ich sitze mit mei­nem Vater als Sie­ger auf einem Thron.“

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May "Die besieg­ten Feinde Christi" www.Glaubenswahrheit.org“

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