StartseitePredigtreihe "Jesus Christus"

Dr. Georg May, em. Pro­fes­sor für Kir­chen­recht, Kirch­li­che Rechts­ge­schichte und Staats­kir­chen­recht, ist seit fast 60 Jah­ren Pries­ter.

Beson­ders in sei­nen unzäh­li­gen Pre­dig­ten hat Georg May den katho­li­schen Glau­ben ver­kün­det und erläu­tert. Kom­pro­miß­los in der Ver­kün­di­gung der rei­nen Lehre und doch leicht ver­ständ­lich fes­selt er seine Leser, die er in der Treue zum Glau­ben und in der Liebe zur Lehre der Kir­che zu fes­ti­gen ver­steht.

Hier können sie täglich eine neue Predigt lesen. Die erste Serie beinhaltet 14 Themen und steht unter dem Haupttitel "Jesus Christus"


Über Chris­tus als den Sie­ger über Sünde, Tod und Teu­fel

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

„Was hal­tet ihr von Chris­tus? Was dünkt euch von Chris­tus?“ Das ist die Frage, die uns seit gerau­mer Zeit beschäf­tigt. Von der Ant­wort auf diese Frage hängt vie­les – nein, hängt alles ab. Denn wie man Chris­tus ein­schätzt, so wird man auch auf ihn hören. Wenn man ihn als einen von vie­len Pro­phe­ten oder Reli­gi­ons­stif­tern ansieht, dann wird man ihn in eine Reihe mit die­sen Män­nern und Frauen stel­len und dazu kom­men, daß man ihn ent­we­der als gleich gül­tig oder als unbe­acht­lich abtut.

Ich denke immer an die gegen­wär­tige Dis­kus­sion um die soge­nann­ten Rechts­ra­di­ka­len. Wir als Chris­ten sind selbst­ver­ständ­lich gegen jeg­li­ches Unrecht, ob es einem Volk­s­an­ge­hö­ri­gen oder Frem­den ange­tan wird. Wir sind gegen jeg­li­ches Unrecht. Aber ich halte es ganz für ver­kehrt, die Dis­kus­sion auf eine bestimmte win­zige Split­ter­gruppe zu rich­ten, die sich gegen Sitte und Gesetz ver­fehlt, und dar­über zu ver­ges­sen, daß es das Böse über­all gibt. Das Böse fin­det sich nicht bloß bei soge­nann­ten Rechts­ra­di­ka­len; das Böse fin­det sich auch bei Links­ra­di­ka­len und bei Radi­ka­len der Mitte! Ich sehe das Böse in der neuen Mitte von Herrn Schrö­der. Da sehe ich den bösen Radi­ka­lis­mus, wenn er die Tötung Unge­bo­re­ner erlaubt, wenn er die Homo­se­xua­li­tät, ein him­mel­schrei­en­des Las­ter, gesetz­lich sank­tio­niert. Da sehe ich das Böse am Werk. Wer Chris­tus rich­tig ver­steht, der wird das Böse über­all ver­ur­tei­len, nicht nur am rech­ten Rande, son­dern in jeder Hin­sicht und bei allen Men­schen. Denn Chris­tus, das ist die Ant­wort, die wir heute auf unsere Frage ver­su­chen wer­den, ist der Sie­ger über Sünde, Tod und Teu­fel.

Die Gestalt Johan­nes des Täu­fers, die uns im heu­ti­gen Evan­ge­lium vor Augen tritt, ist für das Ver­ständ­nis Jesu von gro­ßer Bedeu­tung. Denn Johan­nes hat den ange­kün­digt, der da kom­men soll. Er hat von ihm gespro­chen als von dem, der das Reich Got­tes her­auf­führt, der das Böse ver­nich­tet, der das Gericht bringt und die Gnade. Um in das König­tum des Voll­stre­ckers der Got­tes­herr­schaft ein­zu­ge­hen, bedarf es ande­rer Werte als bloß des Blu­tes, der Volks­zu­ge­hö­rig­keit. Um in die­ses König­tum ein­zu­ge­hen, bedarf es der Bekeh­rung in der Wur­zel. Wer sich nicht bekehrt, der wird vom Gericht erfaßt wer­den. Die Volks­mas­sen haben das König­tum Got­tes seit gerau­mer Zeit falsch ver­stan­den. Die Mas­sen nei­gen ja immer dazu, undif­fe­ren­ziert zu den­ken, sich gän­gi­gen Ten­den­zen anzu­schlie­ßen, das Grob-Sinn­li­che dem Hohen und Erha­be­nen vor­zu­zie­hen. Und so war auch in der Zeit Jesu die Reich-Got­tes-Hoff­nung ver­welt­licht, ver­ir­discht. Man erwar­tete nicht mehr den Sieg der Wahr­heit, der Gerech­tig­keit und der Liebe, son­dern man hoffte dar­auf, daß die Besat­zungs­macht aus dem Lande getrie­ben werde. Man hatte die tran­szen­dent-uni­ver­sale Reichs­hoff­nung auf­ge­ge­ben zuguns­ten einer irdisch-natio­na­len. Als dann Jesus kam, waren die Mas­sen ent­täuscht, und die Füh­rer waren es erst recht. Denn er brachte nicht die Erfül­lung des­sen, was sie erwar­te­ten, näm­lich die Befrei­ung vom irdi­schen Joch, son­dern er kün­digte die Herr­schaft Got­tes an als ein Reich der Wahr­heit, der Hei­lig­keit, der Gerech­tig­keit und der Liebe. Er ist der Ver­kün­der der Got­tes­herr­schaft; er ist der Trä­ger der Got­tes­herr­schaft; er ist ihr Voll­stre­cker, ja, er ist ihre Erschei­nung. In ihm ist das Reich Got­tes her­bei­ge­kom­men. „Wenn ich durch den Fin­ger Got­tes die Dämo­nen aus­treibe, dann ist ja das Reich Got­tes zu euch gekom­men.“ Er ist die Ver­wirk­li­chung des Rei­ches Got­tes in sei­ner Per­son. Er ist ein König, aber nicht ein König, der den Mas­sen Brot und Spiele ver­schafft; er ist ein König ande­rer Art. Er ist ein König im Rei­che des Geis­tes und der Wahr­heit. König ist Chris­tus, das ist über­haupt keine Frage. Als er das Last­tier bestellt, das ihn nach Jeru­sa­lem hin­ein­tra­gen soll, da läßt er dem Besit­zer sagen: „Der Herr bedarf sei­ner.“ Und die­ser Herr ist er. Und als Pila­tus ihn nach sei­nem König­tum fragt, da bejaht er die Frage; er ist ein König, frei­lich ein König ande­rer Art, als Pila­tus meint, der nur in irdi­schen Macht­ka­te­go­rien zu den­ken imstande ist. Auch die Jün­ger muß­ten sich in einem schmerz­li­chen Pro­zeß von ihren fal­schen Reichs- und Königs­hoff­nun­gen lösen, um end­lich zu ver­ste­hen, wel­cher Art das König­tum Christi ist.

Das König­tum Christi ist einem ande­ren Herr­scher­tum ent­ge­gen­ge­setzt, näm­lich dem Herr­scher­tum des Satans. Satan ist der Herr­scher die­ser Welt, weil die Men­schen sich ihm aus­lie­fern durch das Böse, das sie tun. Durch die Sünde lie­fern sich die Men­schen dem Satan aus, erken­nen sie ihn als ihren Herr­scher an, unter­wer­fen sie sich sei­ner Macht. Gegen die­sen Herr­scher zu kämp­fen ist Chris­tus gekom­men. Er wollte die Sünde, den Tod und das Leid über­win­den. An ers­ter Stelle hat er den Kampf gegen die Sünde auf­ge­nom­men. Die Sünde ist ja dem Satan zuzu­schrei­ben. An Jeder Sünde ist irgend­wie Satan betei­ligt, und die erste Sünde ist durch ihn in die Welt gekom­men. Wenn Jesus also die Sünde bekämpft, dann bekämpft er die Teu­fels­herr­schaft.

Er hat den Kampf gegen die Sünde in mehr­fa­cher Weise geführt. Er hat den Sün­dern, die sich reuig zeig­ten, die Sünde ver­ge­ben. „Gehe hin, deine Sün­den sind dir ver­ge­ben.“ Wenn Chris­tus die Sün­den ver­gibt, dann sind sie nicht mehr da, dann sind sie aus­ge­löscht. Natür­lich kann die sünd­hafte Tat nicht mehr rück­gän­gig gemacht wer­den, aber die Schuld­haf­tig­keit der Tat wird von Chris­tus weg­ge­nom­men. Er hat sodann Gemein­schaft mit den Sün­dern gepflo­gen. „Er ist ein Freund der Sün­der“, hat man ihm zum Vor­wurf gemacht. Aber sein Tun war so gedacht, daß er die Sün­der durch die Gemein­schaft mit ihm zu Gott füh­ren wollte. Wer zu Jesus kommt, der kommt zum Vater. Des­we­gen hat er die Gemein­schaft mit den Sün­dern auf­ge­nom­men. Wenn Jesus die Sünde bekämpft und besiegt, dann bricht die Satans­herr­schaft zusam­men. „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Him­mel fal­len.“ Jetzt ist der Stär­kere gekom­men, der den Star­ken bin­det. Jetzt wer­den die Boll­werke des Teu­fels zer­stört. Jetzt tritt eine neue Zeit her­aus. In sei­nen Taten, da blitzt der neue Äon auf.

Die Satans­herr­schaft wurde von Jesus auch bekämpft in den Toten­er­we­ckun­gen. Denn der Tod ist ja durch Satan in die Welt gekom­men. Indem Satan die Sünde in die Welt brachte, hat er den Tod mit­ge­bracht, denn der Tod ist der Sold der Sünde. Und wenn jetzt das König­tum Got­tes in Chris­tus her­ein­bricht, dann muß die Todes­herr­schaft über­wun­den wer­den, und er hat sie über­wun­den, zunächst an ein­zel­nen, die er in das Leben zurück­ge­ru­fen hat. Chris­tus hat auch die Herr­schaft der Dämo­nen gebro­chen. Die Dämo­nen wit­tern, daß er der Stär­kere ist. Sie toben und schreien, wenn er in ihre Nähe kommt. „Quäle uns nicht“, so schreien sie. Der Herr ist in der Lage, sie zu über­win­den. Er ist der Stär­kere, der den Star­ken bin­det. In die­sen Taten – Sün­den­ver­ge­bung, Toten­er­we­ckun­gen, Dämo­nen­aus­trei­bun­gen –blitzt der neue Äon auf, da ist ein Zei­chen dafür gesetzt, daß eine neue Zeit ange­bro­chen ist, eine Zeit, in der nicht mehr der Tod, son­dern das Leben herrscht, nicht mehr die Lüge, son­dern die Wahr­heit, nicht mehr der Haß, son­dern die Liebe, nicht mehr der Satan, son­dern Gott.

Was Chris­tus an ein­zel­nen gewirkt hat, das hat er für alle voll­endet in sei­nem Kreu­zes­tod. Da hat er sich dem Vater aus­ge­lie­fert bis zum letz­ten Atem­zuge, bis zum letz­ten Bluts­trop­fen. Wenn Johan­nes schreibt, als der Sol­dat dem Herrn den Lan­zen­stich ver­setzte: „Es floß Blut und Was­ser her­aus“, dann will er damit andeu­ten: Es war nichts mehr darin, es war alles aus­ge­ge­ben, es war alles aus­ge­schöpft, er hatte den Tod bis zum letz­ten Atem­zug aus­ge­kos­tet. Aber dadurch hatte er ihn besiegt. Denn er war ja nicht des Todes schul­dig, er war ja als Schuld­lo­ser, als Sohn Got­tes, als Men­schen­sohn, als Davids Sohn, als der Gesandte Got­tes von der Todes- und von der Satans­herr­schaft frei. Wenn er sich also in den Tod gab, dann geschah das um der Men­schen wil­len. Es war ein stell­ver­tre­ten­der Tod. Er ist den Tod gestor­ben, den alle hät­ten ster­ben müs­sen. Und es war ein Süh­ne­tod. Es war ein Tod, in dem er die Schuld der Men­schen auf­ge­ar­bei­tet hat. Er ist bis in die Wur­zel des Lei­des der Men­schen hin­ab­ge­stie­gen und hat es dadurch auf­ge­ar­bei­tet. Er hat den Satan nicht über­wun­den, indem er ihn zer­schmet­terte, son­dern er hat ihn über­wun­den, indem er dem Wil­len des Vaters gehor­sam war bis zum Tode am Kreuze.

Der Apos­tel Pau­lus ist wahr­schein­lich der­je­nige, der die Wahr­heit vom Süh­ne­tod Christi am deut­lichs­ten erfaßt hat. Im Gala­ter­brief schreibt er: „Chris­tus hat uns vom Flu­che des Geset­zes erlöst, da er für uns zum Fluch gewor­den ist.“ Das sind gewal­tige Worte. Er ist für uns zum Fluch gewor­den. Den Fluch, den die Men­schen ver­dient hat­ten durch ihre Schuld, hat er auf sich genom­men und ans Kreu­zes­holz getra­gen. Im Ster­ben Christi han­delte Gott bis zur äußers­ten Auf­nah­me­fä­hig­keit des Geschöp­fes als der Herr, der über das Geschöpf Ver­fü­gungs­ge­walt besitzt, und das Geschöpf ließ sich bis zu sei­ner äußers­ten Mög­lich­keit das herr­scher­li­che Tun Got­tes gefal­len. So schreibt Pau­lus im 2. Korin­ther­brief: „Er hat den, wel­cher von Sünde nichts wußte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Got­tes Gerech­tig­keit dar­stel­len.“ Er war sünd­los, aber um die Sünde der ande­ren auf­zu­ar­bei­ten, um sie weg­zu­tra­gen, um sie zu über­win­den, hat er das Schick­sal des sünd­haf­ten und tod­ver­fal­le­nen Men­schen auf sich genom­men und bis zum letz­ten Atem­zug durch­ge­kos­tet. Gott hat sei­nen Sohn in die Strafe hin­ein­ge­sandt, in wel­che die Sünde das Men­schen­ge­schlecht gestürzt hat. Wie­derum schreibt Pau­lus: „Er sandte sei­nen Sohn, der uns ähn­lich wurde durch das sünd­hafte Fleisch und wegen der Sünde, und er ver­dammte in sei­nem Fleisch die Sünde.“ Chris­tus hat nicht gelit­ten wegen sei­ner eige­nen Schuld. Er hat gelit­ten, weil er die Sün­den ande­rer auf sich genom­men hat, um sie dadurch zu über­win­den. Und so bit­tet denn Chris­tus auch nicht um Ret­tung vor dem Tode. Über die Todes­angst siegt die Hin­gabe an den Wil­len des Vaters, der den Sohn in den schöp­fe­ri­schen Tod hin­ein­ge­sandt hat, damit aus ihm die Herr­lich­keit Got­tes und das Heil der Welt erwüch­sen. So schreibt der Apos­tel Johan­nes: „Die Stunde ist gekom­men, daß der Men­schen­sohn ver­herr­licht werde. Wahr­lich, wahr­lich, ich sage euch: Wenn das Wei­zen­korn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viele Frucht. Nun ist meine Seele erschüt­tert, und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus die­ser Stunde? Doch des­halb bin ich in diese Stunde ein­ge­tre­ten. Vater, ver­herr­li­che dei­nen Namen! Da kam eine Stimme vom Him­mel: Ich habe ihn ver­herr­licht und werde ihn wie­der ver­herr­li­chen.“ Der Men­schen­sohn muß erhöht wer­den. Er muß erhöht wer­den, damit er das Todes- und Lei­des­schick­sal der Men­schen auf­ar­bei­tet. Chris­tus hat gewußt, daß sein Tod ein Sühne- und Stell­ver­tre­tungs­tod ist. Er hat auch gewußt, daß sein Tod der Über­gang zum Leben ist. Des­we­gen ver­knüpft er immer mit sei­nen Lei­dens­weis­sa­gun­gen die Vor­aus­sage der Auf­er­ste­hung. Er wußte, daß um das Kreuz der Sie­ges­ju­bel rauscht. Er wußte, daß die Tra­ban­ten Satans am Kreuze besiegt und als Gefan­gene fort­ge­führt wer­den. Die Macht des König­tums Got­tes hat sich an Chris­tus gezeigt, indem er vom ver­gäng­li­chen Leben ins unver­gäng­li­che Leben über­ge­schrit­ten ist.

Das ist vor­läu­fig an ihm allein gesche­hen. Er ist der Erst­ge­bo­rene. Aber was an ihm geschah, das soll an allen ande­ren gesche­hen, denn er ist der Stamm­va­ter. Das ist unsere Hoff­nung und unsere Zuver­sicht, daß, weil Chris­tus den Tod besiegt hat, auch wir den Tod besie­gen wer­den. Das Todes­schick­sal müs­sen wir erfül­len, so hat es Gott in sei­ner Gerech­tig­keit bestimmt. Aber wer den Tod mit Chris­tus stirbt, der darf sicher sein, daß er in das Leben ein­ge­hen wird, denn Chris­tus ist der „Her­zog der Voll­endung“. So beschreibt ihn der Brief an die Hebräer. Chris­tus ist der Her­zog der Voll­endung. Das heißt: Er zieht als ers­ter voran vor all denen, die in die Voll­endung ein­zie­hen sol­len. Wir wol­len uns die­sem Her­zog anschlie­ßen, damit wir mit ihm herr­schen, nach­dem wir hier auf Erden mit ihm gekämpft und gelit­ten haben.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May "Über Chris­tus als den Sie­ger über Sünde, Tod und Teu­fel" www.Glaubenswahrheit.org“

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