Jesus, der Messias

Die Bibelfälscher - Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Klaus Berger)

»Was einige Theologen heutzutage über Jesus Christus schreiben ist schier unerträglich!« Klaus Berger, der streitbare alte Mann der neutestamentlichen Bibelexegese, räumt mit liebgewonnenen Legenden auf, die in seiner Kollegenzunft kreisen. Sein Befund: Die Bibelforschung strotzt vor Denkverboten, Ignoranz und philosophischen Moden, die ans Märchenerzählen grenzen. Schlimmer noch, auf diese Weise betreiben viele Theologen ungewollt das Geschäft der Atheisten: Sie verstellen den Weg zum Glauben. Berger hält dagegen: Jesus war kein Gutmensch, Gesundbeter und sanftmütiger Weisheitslehrer, sondern lebendiger Gott, der Teil unserer Geschichte geworden ist. Sein Buch öffnet dem Leser einen Zugang zu Jesus von Nazaret, der beide Perspektiven in den Blick nimmt: seine menschliche und seine göttliche Natur.

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Die Auf­er­ste­hung – Kern­punkt des Glau­bens

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Nichts ist so gefähr­lich wie Unsi­cher­heit im Glau­ben; denn der Glaube ist das Fun­da­ment unse­res Lebens. Wenn das Fun­da­ment schwankt, dann wankt das ganze Leben. Wir sind des­we­gen seit gerau­mer Zeit bemüht, unse­ren Glau­ben an Jesus Chris­tus als den wahr­haf­ti­gen Sohn Got­tes, als den gott­ge­sand­ten Erlö­ser zu begrün­den. Wir haben auf seine Per­sön­lich­keit hin­ge­wie­sen; wir haben sein Wesen erkannt; wir haben auf seine Taten geschaut und gesagt: Wahr­haf­tig, die­ser Mensch muß Got­tes Sohn sein. Aber von einem Gescheh­nis haben wir bis­her noch nicht gespro­chen, wel­ches das Wun­der aller Wun­der ist, näm­lich von sei­ner Auf­er­ste­hung. Die Auf­er­ste­hung, das Auf­er­ste­hungs­wun­der ist nicht nur die Grund­lage unse­res Glau­bens und unse­rer Zuver­sicht; es ist auch die wich­tigste Beglau­bi­gung von Wor­ten und Taten des Herrn Jesus Chris­tus. Von der Auf­er­ste­hung gilt das Wort des Apos­tels Pau­lus: „Wenn Chris­tus nicht auf­er­stan­den ist, dann ist nich­tig unsere Pre­digt und nich­tig euer Glaube.“ Ich kann nur mein Unver­ständ­nis äußern, wie Men­schen am christ­li­chen Glau­ben fest­hal­ten wol­len, wel­che die Auf­er­ste­hung Jesu preis­ge­ben. „Wenn Chris­tus nicht auf­er­stan­den ist, dann ist nich­tig unsere Pre­digt, dann ist nich­tig auch euer Glaube. Dann seid ihr noch in euren Sün­den.“ So hart for­mu­liert es der Apos­tel Pau­lus im 1. Brief an die Korin­ther.

Der Herr sel­ber hat ent­schei­den­des Gewicht auf die­ses Beglau­bi­gungs­wun­der gelegt. Als die Mas­sen ein Zei­chen von ihm for­dern, mit dem er sich aus­wei­sen soll, sagt er: „Die­ses böse und ehe­bre­che­ri­sche Geschlecht for­dert ein Zei­chen. Es wird ihm kein Zei­chen gege­ben wer­den als das Zei­chen des Jonas. Gleich wie Jonas drei Tage im Bauch des Fisches war, so wird der Men­schen­sohn im Her­zen der Erde sein.“ Und bei einer ande­ren Gele­gen­heit erklärt er: „Reißt die­sen Tem­pel nie­der, und in drei Tagen werde ich ihn wie­der auf­bauen.“

Das Auf­er­ste­hungs­wun­der ist das größte Wun­der, das Jesus gewirkt hat und das an ihm gewirkt wor­den ist. „Ich habe Macht, das Leben hin­zu­ge­ben, und Macht, es wie­der zu neh­men.“ So sagt er selbst. Er ist der Herr über Leben und Tod. Nicht er ist dem Tode unter­wor­fen, son­dern der Tod ist ihm unter­ge­ben. Diese Bedeu­tung der Auf­er­ste­hung Jesu wird auch von den Fein­den des christ­li­chen Glau­bens erkannt. Der ehe­ma­lige pro­tes­tan­ti­sche Theo­loge David Fried­rich Strauß schreibt: „Der Mit­tel­punkt des Mit­tel­punk­tes, das eigent­li­che Herz des Chris­ten­tums ist die Auf­er­ste­hung.“ Ganz rich­tig. Die Auf­er­ste­hung Jesu ist der Kern­punkt unse­res Glau­bens. Aber eben die­sen Kern­punkt sucht der Unglaube zu erschüt­tern, und zwar auf dop­pelte Weise. Die einen ver­su­chen es damit, daß sie die Berichte über die Auf­er­ste­hung Jesu als unhis­to­risch erklä­ren. Die ande­ren behaup­ten, die christ­li­che Deu­tung des­sen, was sich da in Jeru­sa­lem ereig­net hat, ist falsch.

Die erste Gruppe sucht die Berichte über die Auf­er­ste­hung Jesu, über das Erschei­nen des Auf­er­stan­de­nen als unge­schicht­lich zu erwei­sen. Es gibt drei Hypo­the­sen, die die­sen Ver­such machen. Die erste ist die Betrugs­hy­po­these, von dem Ham­bur­ger Her­mann Samuel Rei­ma­rus auf­ge­stellt. Nach die­ser Betrugs­hy­po­these waren die Jün­ger Jesu durch sein kläg­li­ches Ster­ben ent­täuscht, kamen sich betro­gen vor. Um aber nicht zu ihren gewohn­ten Arbei­ten zurück­keh­ren zu müs­sen, stah­len sie den Leich­nam und wie­sen das leere Grab als Beweis für die Auf­er­ste­hung vor. Die zweite Hypo­these ist die Besei­ti­gungs­hy­po­these. Danach haben nicht die Jün­ger den Leich­nam Jesu gestoh­len, son­dern ent­we­der haben ihn die Juden ent­fernt, oder Josef von Ari­mat­häa hat ihn aus dem pro­vi­so­ri­schen Grab in ein end­gül­ti­ges Grab ver­bracht, oder er ist bei einem Erd­be­ben in eine Erd­spalte gefal­len. Die Jün­ger waren zunächst stut­zig, als sie das leere Grab ent­deck­ten, aber dann kamen sie auf den Gedan­ken, daß Jesus auf­er­stan­den sein könnte. Die dritte Hypo­these ist die Evo­lu­ti­ons­hy­po­these. Nach ihr ist nicht die Auf­er­ste­hung Jesu ein geschicht­li­ches Ereig­nis, son­dern nur der Glaube der Jün­ger an die Auf­er­ste­hung. Die­ser Glaube ist wie folgt ent­stan­den: Die Jün­ger hin­gen an Jesus, auch nach sei­nem Tode. Ihr Glaube und ihre Begeis­te­rung hat mit Inbrunst das umfan­gen, was Jesus getan und gewirkt hatte, und so waren sie plötz­lich der Über­zeu­gung: Es kann nicht zu Ende sein, es muß irgend­wie wei­ter­ge­hen; Jesus ist auf­er­stan­den! Aus ihrem Glau­ben, aus ihrer Begeis­te­rung, aus ihrer Hin­gabe, aus ihrer Anhäng­lich­keit an Jesus ist der Glaube an die Auf­er­ste­hung her­vor­ge­spros­sen.

Das ist die eine Gruppe. Die andere Gruppe sucht die christ­li­che Deu­tung der Ereig­nisse nach dem Tode Jesu als irrig zu erwei­sen. An ers­ter Stelle ist zu nen­nen der evan­ge­li­sche Theo­loge Gott­lob Pau­lus. Nach ihm war Jesus am Kreuze nicht tot; er ist ledig­lich in einen Starr­krampf ver­fal­len. Diese Erstar­rung löste sich, als der Lan­zen­stich erfolgte, als Jesus in die Gra­bes­kühle kam, als man ihn ein­bal­sa­mierte, als eine Auf­fri­schung durch das Gewit­ter kam. Er wurde wie­der leben­dig und begeg­nete den Sei­nen als Wan­de­rer oder als Gärt­ner. Das ist die Schein­tod­hy­po­these. Die gebräuch­lichste Hypo­these ist jedoch die Visi­ons­hy­po­these, auf­ge­bracht von dem genann­ten David Fried­rich Strauß. Nach die­ser Visi­ons­hy­po­these haben die Jün­ger Hal­lu­zi­na­tio­nen gehabt. Hal­lu­zi­na­tio­nen sind Sin­nes­täu­schun­gen, Trug­wahr­neh­mun­gen. Wir wür­den sie auf deutsch als Ein­bil­dun­gen bezeich­nen. Es ent­spricht die­sen Vor­stel­lun­gen kein rea­ler Reiz von außen, son­dern diese angeb­li­chen Erschei­nun­gen wer­den von innen, aus dem eige­nen Her­zen, aus der Sehn­sucht des Her­zens her­vor­ge­trie­ben. Diese Visi­ons­hy­po­these ist im pro­tes­tan­ti­schen Lager weit ver­brei­tet und beginnt in der katho­li­schen Kir­che durch irr­leh­rende Theo­lo­gen Hei­mat­recht zu gewin­nen. Wir müs­sen uns um der Red­lich­keit unse­res Glau­bens, auch um der Fes­tig­keit unse­res Glau­bens mit den genann­ten Auf­stel­lun­gen befas­sen.

Was zunächst die Erschei­nun­gen angeht, so ist fest­zu­stel­len: Der Evan­ge­list Matt­häus berich­tet von zwei Erschei­nun­gen des Auf­er­stan­de­nen, näm­lich vor den Frauen am Grabe und vor den Elfen auf dem Berg in Gali­läa, wo er ihnen den Mis­si­ons­be­fehl gab. Der Evan­ge­list Mar­kus berich­tet von drei Erschei­nun­gen, näm­lich vor Maria Magda­lena, vor zwei Jün­gern und vor den Elfen. Lukas berich­tet von vier Erschei­nun­gen. näm­lich vor den Emmaus-Jün­gern, vor Petrus, vor den elf Jün­gern in Jeru­sa­lem und vor den elf Jün­gern in Betha­nien. Auch Johan­nes mel­det vier Erschei­nun­gen, näm­lich vor Maria Magda­lena, vor den Elfen ohne Tho­mas und vor den Elfen mit Tho­mas und vor sie­ben Jün­gern am See Tibe­rias. Die Apos­tel­ge­schichte erwähnt an vie­len Stel­len die Auf­er­ste­hung Jesu. In den Pre­dig­ten des Apos­tels Petrus und des Apos­tels Pau­lus wird immer wie­der die Auf­er­ste­hung, die wirk­li­che Auf­er­ste­hung Jesu, bezeugt durch Erschei­nun­gen, ange­spro­chen. So sagt zum Bei­spiel der Apos­tel Petrus: „Die­sen erweckte Gott am drit­ten Tag und ließ ihn erschei­nen nicht dem gan­zen Volk, son­dern den von Gott vor­her­be­stimm­ten Zeu­gen, uns, die wir mit ihm geges­sen und getrun­ken haben nach sei­ner Auf­er­ste­hung von den Toten.“ Oder in der Pre­digt des Apos­tels Pau­lus: „Gott aber erweckte ihn am drit­ten Tage von den Toten. Er erschien viele Tage hin­durch denen, wel­che mit ihm von Gali­läa nach Jeru­sa­lem hin­auf­ge­zo­gen waren, und diese sind nun­mehr seine Zeu­gen vor dem Volke.“ Der Apos­tel Pau­lus mel­det sechs Erschei­nun­gen, näm­lich ers­tens vor Petrus, zwei­tens vor den Elfen, drit­tens vor 500 Brü­dern, vier­tens vor Jako­bus, fünf­tens vor allen Apos­teln und sechs­tens vor ihm selbst. Es ist offen­kun­dig, daß Pau­lus ers­tens eine chro­no­lo­gi­sche Rei­hen­folge der Erschei­nun­gen anzielt, und zwei­tens, daß er kei­nes­wegs Voll­stän­dig­keit anstrebt. Denn sicher waren ihm die Erschei­nun­gen auch vor den Frauen, die er nicht erwähnt, und vor den Emmaus-Jün­gern bekannt.

Gegen diese Berichte von den Auf­er­ste­hungs­er­schei­nun­gen wer­den nun Ein­wände erho­ben. Man sagt, sie stimm­ten nicht über­ein, es gebe Uneben­hei­ten, Unstim­mig­kei­ten, Wider­sprü­che zwi­schen ihnen, und man zählt fol­gende angeb­li­che Wider­sprü­che auf: Die bei­den Evan­ge­lis­ten Mar­kus und Lukas berich­ten von drei Frauen, die zum Grabe gin­gen, Matt­häus von zwei Frauen, Johan­nes von einer Frau. Angeb­lich ers­ter Wider­spruch. Sodann berich­ten zwei Evan­ge­lis­ten von einem Engel, zwei andere von zwei Engeln, näm­lich Mar­kus und Matt­häus von einem Engel, Lukas und Johan­nes von zwei Engeln, die am Grabe waren. Angeb­lich zwei­ter Wider­spruch. Sodann steht im Evan­ge­lium des Mar­kus: „Die Frauen sag­ten nie­mand etwas davon, was sie an dem Grabe erlebt und erfah­ren hat­ten.“ Nach den ande­ren Evan­ge­lis­ten aber berich­te­ten sie den Apos­teln, was sie erlebt und erfah­ren hat­ten. Angeb­lich drit­ter Wider­spruch. Wei­ter mel­det Mar­kus, daß die Jün­ger skep­tisch waren, als sie die Kunde von der angeb­li­chen Auf­er­ste­hung Jesu hör­ten. Nach Lukas aber nah­men sie sie mit Freude ent­ge­gen. Angeb­lich vier­ter Wider­spruch.

Was ist zu die­sen angeb­li­chen Wider­sprü­chen, Unstim­mig­kei­ten, Uneben­hei­ten zu sagen? Was zunächst die Frauen angeht, die zum Grabe gin­gen, so war kein Evan­ge­list bestrebt, Voll­stän­dig­keit zu erzie­len. Ich bin über­zeugt, daß es noch mehr waren als drei. Aber man hat eben die Per­sön­lich­kei­ten ange­ge­ben, die in der Urge­meinde oder Tei­len der­sel­ben bekannt waren, zu denen viel­leicht beson­dere Bezie­hun­gen bestan­den. An ers­ter Stelle natür­lich die Frau, die am meis­ten Bedeu­tung in der Urge­meinde hatte, Maria Magda­lena. Ihr Gang zum Grabe wird von allen vier Evan­ge­lis­ten berich­tet und die Erschei­nung Jesu vor ihr ebenso. Daß Johan­nes, der nur von dem Gang Maria Magda­le­nas zum Grab berich­tet, davon wußte, daß er mehr Frauen waren, ergibt sich aus sei­nem Evan­ge­lium. Er berich­tet näm­lich, daß Maria Magda­lena ans Grab ging und den Stein vom Grab weg­ge­nom­men sah. Da eilte sie fort und kam zu Simon Petrus und dem ande­ren Jün­ger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: „Sie haben den Herrn aus dem Grabe genom­men, und wir wis­sen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.“ Ja, wenn sie allein gegan­gen wäre, müßte sie ja sagen: Ich weiß es nicht; sie sagt: Wir wis­sen es nicht; ein Zei­chen dafür, daß Johan­nes, genau wie die ande­ren Jün­ger, Kunde davon hatte, daß meh­rere Frauen zum Grabe geeilt waren. Mit dem Wider­spruch ist es nichts.

Wenn Sie, meine lie­ben Freunde, die vie­len Berichte lesen, die über die letz­ten Tage der Reichs­kanz­lei im April 1945 erschie­nen sind, dann wer­den Sie fest­stel­len, daß die ver­schie­de­nen Bericht­er­stat­ter ganz ver­schie­dene Per­so­nen ange­ben, die sich an die­sem Ort befun­den haben. Natür­lich geben alle an, daß Hit­ler und seine Frau und Goeb­bels anwe­send waren. Aber wer sich sonst noch dort befand, das rich­tet sich nach dem Inter­esse und auch nach dem Gesichts­kreis des ein­zel­nen Bericht­er­stat­ters. Ein Arzt hat eine andere Rich­tung sei­ner Beob­ach­tung als ein SS-Mann, der ein Funk­ge­rät bedient. Des­we­gen wer­den die Berichte nicht unglaub­wür­dig, son­dern jeder berich­tet eben das, was ihm zugäng­lich war und was ihm wich­tig erschien. Ähn­lich ist es auch bei der Enge­ler­schei­nung. Wenn Sie von der Seite in eine Höhle hin­ein­schauen – das Grab Jesu war ja eine Höhle –, dann sehen Sie nicht das­selbe, wie wenn sie von vorn in das Grab hin­ein­schauen. Sie sehen, wenn Sie von vorn hin­ein­schauen, mehr, als wenn sie von der Seite hin­ein­bli­cken. So kann sich durch­aus erklä­ren, daß von einem Engel und von zwei Engeln die Rede war. Außer­dem gibt es noch eine andere Erklä­rung. Es hat näm­lich nur ein Engel gespro­chen, und auf die­sen einen, der Zeug­nis gab, kam es dem Bericht­er­stat­ter an. Der andere war dabei, aber er hat nicht gere­det. Es war kein Sprech­chor von Engeln, der sie anre­det. Infol­ge­des­sen hat­ten sie kei­nen Anlaß, von zwei Engeln zu spre­chen.

Was dann wei­ter die Mel­dung angeht, daß die Frauen es nie­man­dem sag­ten, so ist unschwer zu erklä­ren, wer damit gemeint ist. Nie­mand – das heißt nie­mand von den Frem­den, nie­mand von den Geg­nern und Hassern Jesu. Aber daß sie es den Apos­teln erzähl­ten, das ist doch selbst­ver­ständ­lich. Sie woll­ten es nie­man­dem von den Fein­den sagen, weil sie unter Umstän­den fürch­ten muß­ten, als Grab­räu­ber oder Ver­brin­ger des Leich­nams vor Gericht gezo­gen zu wer­den. Selbst­ver­ständ­lich haben sie es den Apos­teln gemel­det, und zwar mit gro­ßem Eifer. Ich kann nicht begrei­fen, wie man hier einen Wider­spruch fin­den will. Und ebenso ist es mit der angeb­li­chen Skep­sis der Jün­ger. Natür­lich – und Gott sei Dank – waren sie skep­tisch; denn dadurch haben sie sich erst über­zeugt von dem, was gesche­hen war. Ihre Skep­sis baut unse­ren Glau­ben auf. Sie waren keine leicht­gläu­bi­gen Phan­tas­ten, die auf irgend­eine Bot­schaft her­ein­fie­len, son­dern sie haben sich ver­ge­wis­sert. Sie sind selbst zum Grab geeilt, und sie haben gewar­tet, bis die Erschei­nun­gen des Auf­er­stan­de­nen ein­setz­ten. Sie waren also am Anfang miß­trau­isch, wur­den aber durch die Erschei­nun­gen über­zeugt.

Nun wird noch ein letz­ter angeb­li­cher Wider­spruch auf­ge­baut. Man sagt näm­lich, zwei Evan­ge­lis­ten berich­ten nur von Erschei­nun­gen in Gali­läa, näm­lich Mar­kus und Matt­häus, und zwei (Lukas und Johan­nes) berich­ten nur von Erschei­nun­gen in Judäa, also in Jeru­sa­lem. Daß die bei­den erst­ge­nann­ten Evan­ge­lis­ten von Erschei­nun­gen in Gali­läa berich­ten, hat einen guten Grund. Gali­läa war das hei­lige Land, gehei­ligt durch Wort und Werk und Wan­de­rung unse­res Herrn und Hei­lan­des. Hier hat er den Apos­teln seine Leh­ren gege­ben, hier hat er seine Wun­der gewirkt an dem kran­ken Knecht, an dem Lahm­ge­bo­re­nen und an vie­len ande­ren. Daher ist es nicht merk­wür­dig, daß hier, an die­ser hei­li­gen Stätte, wo sie ihren Hei­land und Meis­ter am ergrei­fends­ten erlebt hat­ten, auch die wich­tigs­ten Erschei­nun­gen gescha­hen. Aber diese gali­lä­i­schen Erschei­nun­gen schlie­ßen die judäi­schen Erschei­nun­gen kei­nes­wegs aus. Zunächst ein­mal steht uns dafür das Zeug­nis der Evan­ge­lis­ten Lukas und Johan­nes. Und es ist auch ganz selbst­ver­ständ­lich, daß, wenn die Erschei­nung am drit­ten Tage erfolgte, sie in Judäa gesche­hen mußte. Denn zu die­ser Zeit waren die Apos­tel noch gar nicht in Gali­läa. Wenn Lukas die Erschei­nung vor Petrus erwähnt und wenn Pau­lus ihm im 1. Korin­ther­brief zustimmt, daß als ers­ter Petrus die Erschei­nung hatte, dann muß diese Erschei­nung natür­lich am Auf­er­ste­hungs­tage und in Jeru­sa­lem, in der Stadt, aus der sich die Jün­ger noch nicht hin­aus­be­ge­ben hat­ten, gesche­hen sein. Es brauchte auch nicht, wie David Fried­rich Strauß meint, einen län­ge­ren Zeit­raum, damit die Apos­tel zu der Mei­nung kamen, Jesus sei auf­er­stan­den. Der län­gere Zeit­raum steht näm­lich nicht zur Ver­fü­gung. Das Zeug­nis aller Bericht­er­stat­ter ist ein­deu­tig: „Am drit­ten Tage auf­er­stan­den“. Das ist kein län­ge­rer Zeit­raum. In die­ser Zeit kann keine gewal­tige Umstim­mung der see­li­schen Lage erfol­gen. In die­ser Zeit kann man nicht seine Fas­sung wie­der­ge­win­nen, wenn man sie ver­lo­ren hatte, wenn nicht ein äuße­res Ereig­nis den Apos­teln zu Hilfe kam. Das eben ist durch die Erschei­nun­gen Jesu gesche­hen. Wenn Lukas nur Erschei­nun­gen in Judäa berich­tet, hat das einen guten Grund. Er hat näm­lich ein zwei­tes Buch geschrie­ben, die Apos­tel­ge­schichte. Und die Apos­tel­ge­schichte setzt mit Judäa ein. Er wollte in sei­nem Evan­ge­lium dort abschlie­ßen, näm­lich in Judäa, wo er in der Apos­tel­ge­schichte anfing, näm­lich in Judäa.

Meine lie­ben Freunde, wir haben kei­nen Grund, an der Wirk­lich­keit der leib­haf­ti­gen Auf­er­ste­hung unse­res Herrn und Hei­lan­des zu zwei­feln. Die Jün­ger haben immer und immer wie­der, wenn von der Auf­er­ste­hung Jesu die Rede war, gesagt: „Gott hat ihn auf­er­weckt; des­sen sind wir seine Zeu­gen.“ Sie haben dem Wort „Er ist auf­er­stan­den“ ein ande­res hin­zu­ge­fügt: „Er ist wahr­haft auf­er­stan­den.“ Ja, er ist wahr­haft auf­er­stan­den, näm­lich leib­haf­tig, und lebt in alle Ewig­keit.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die Auf­er­ste­hung – Kern­punkt des Glau­bens - www.Glaubenswahrheit.org“