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Jesus, der Messias

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Die Hei­lungs­wun­der Jesu

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Wir waren uns einig: Man kann nicht Christ sein, ohne an Chris­tus zu glau­ben, und zwar nicht in irgend­ei­ner Weise, son­dern in der von der Kir­che unfehl­bar und ver­bind­lich fest­ge­leg­ten Weise an Jesus als den ein­ge­bo­re­nen, den meta­phy­si­schen Sohn Got­tes. Wir haben uns bemüht, den Anspruch Jesu, der in die­sen Dog­men der Kir­che laut wird, aus den Quel­len zu erhe­ben und zu bestä­ti­gen. Wir woll­ten ihn nicht unbe­se­hen über­neh­men, son­dern wir woll­ten uns mit ratio­na­ler Über­le­gung dar­über klar wer­den: Wir sind nicht Mär­chen gefolgt, als wir die Kraft und die Herr­lich­keit Got­tes annah­men, son­dern wir haben uns durch Leben, Wort und Wir­ken Jesu über­zeu­gen las­sen.

Ein beson­de­res Gewicht bei der Bestä­ti­gung des Anspru­ches Jesu haben seine Wun­der. Wir haben an den ver­gan­ge­nen Sonn­ta­gen über die Wirk­lich­keit und Wahr­heit der Wun­der Jesu nach­ge­dacht. Der Unglaube sucht ja immer neue Aus­flüchte, um die Wun­der als rein natür­li­che Gescheh­nisse aus­zu­ge­ben und auf diese Weise den Glau­ben zu zer­trüm­mern. Das ist vor allem bei den Hei­lungs­wun­dern Jesu der Fall. Man sagt, die Hei­lungs­wun­der Jesu seien durch Sug­ges­tion gesche­hen. Sug­ges­tion ist das Her­vor­ru­fen von Emp­fin­dun­gen, Gedan­ken und Erschei­nun­gen in sich selbst oder in einem ande­ren durch see­li­sche Beein­flus­sung. Es gibt in der Medi­zin die Sug­ges­tion. Wir ken­nen die Hyp­nose, wir ken­nen das auto­gene Trai­ning. Mit Hyp­nose kann man vege­ta­tive Stö­run­gen und Span­nungs­zu­stände sowie Schmer­zen, die sich aus kör­per­li­chen Krank­hei­ten erge­ben, und ner­vöse Beschwer­den hei­len. Die Sug­ges­tion ver­mag auf funk­tio­nelle Beschwer­den ein­zu­wir­ken. Aber hat Jesus, der Wun­der­tä­ter, nur funk­tio­nelle Stö­run­gen beho­ben, oder hat er orga­ni­sche Krank­hei­ten geheilt? Wann ist jemals durch Sug­ges­tion hoch­gra­di­ger Mus­kel­schwund, chro­ni­sche Gelen­kaf­fek­tion, fort­ge­schrit­te­ner Aus­satz, ange­bo­rene Blind­heit, aus­ge­bil­dete Was­ser­sucht und gewalt­same Ver­let­zung geheilt wor­den? Wann ist das jemals durch Sug­ges­tion gesche­hen? Jesus hat Krank­hei­ten geheilt, die jeder Sug­ges­tion wider­ste­hen. Er hat sie geheilt nicht durch Ein­re­den auf den zu Hei­len­den, son­dern mit einer blo­ßen Wil­lens­äu­ße­rung, augen­blick­lich, dau­ernd, ohne Vor­be­rei­tung und auf große Ent­fer­nung. Wer diese Hei­lun­gen als Sug­ges­tion aus­ge­ben will, der wider­spricht jeder medi­zi­ni­schen Erfah­rung.

Jesus hat auch nicht den Glau­ben als Sug­ges­ti­ons­be­reit­schaft ver­langt. Gewiß, er hat die bei­den Blin­den gefragt: „Glaubt ihr, daß ich das tun kann?“ Und sie haben geant­wor­tet: „Ja, wir glau­ben es.“ Aber die­ser Glaube war nicht die Bereit­schaft, sich auf den Sug­ges­ti­ons­tech­ni­ker ein­zu­las­sen, son­dern die­ser Glaube war die Bereit­schaft, Got­tes Bot­schaft anzu­neh­men und sich sei­nen Kund­ge­bun­gen zu beu­gen. Das war der Glaube, den Jesus ver­langt hat, ein reli­giö­ser Glaube, nicht eine psy­chi­sche Sug­ges­ti­ons­be­reit­schaft. Das war der Glaube, den der Haupt­mann von Kapharnaum hatte: „Sprich nur ein Wort, dann wird mein Knecht gesund.“ „So einen Glau­ben habe ich in ganz Israel nicht gefun­den!“ Das war der Glaube, den die syro-phö­ni­zi­sche Frau hatte, die um ihre Toch­ter bat. „Geh hin, dein Glaube hat dir gehol­fen! Deine Toch­ter ist gesund.“

Auch die Ver­su­che, die Dämo­nen­aus­trei­bun­gen Jesu zu ent­wer­ten, müs­sen schei­tern. Man sagt: Damals hat man see­li­sche oder geis­tige Krank­hei­ten als Wir­kun­gen von Dämo­nen erklärt – Schi­zo­phre­nie, mani­sches Irre­sein, Epi­lep­sie. Wenn es so wäre, daß man zur Zeit Jesu gewisse geis­tige Krank­hei­ten auf dämo­ni­sche Ein­flüsse zurück­ge­führt und Jesus diese Lei­den geheilt hat, dann sind das eben echte Hei­lungs­wun­der, nicht sug­ges­tive Ver­fah­ren, son­dern echte, durch sei­nen Wil­lens­ent­schluß gesche­hene Hei­lungs­wun­der. Aber nicht alle Dämo­nen­aus­trei­bun­gen las­sen sich so erklä­ren. Jesus ist gekom­men, die Boll­werke des Teu­fels zu zer­stö­ren. Die Boll­werke des Teu­fels sind die Fes­tun­gen, die er mit sei­nen Dämo­nen besetzt hat, die Beses­se­nen, in denen er haust. Der eine, der Beses­sene von Gerasa, lebte in Grab­höh­len und zer­schlug sich mit Fäus­ten und mit Stei­nen die Brust. Die Ket­ten, die man ihm anlegte, zer­riß er. Die­sen Beses­se­nen hat Jesus geheilt. Das war eine Kraft­tat in der Macht des Hei­li­gen Geis­tes. „Wenn ich mit dem Fin­ger Got­tes die Dämo­nen aus­treibe, dann ist ja das Reich Got­tes zu euch gekom­men.“ Wer die Dämo­nen­aus­trei­bun­gen aus dem Leben Jesu streicht, der ver­nich­tet eine ganze Dimen­sion des Heils­auf­tra­ges und des Heils­wir­kens unse­res Hei­lan­des.

Die theo­lo­gi­sche Wahr­heit der Wun­der Jesu liegt offen zutage. Sie sind von Gott gewirkt oder mit sei­nem Bei­stand voll­bracht. Das sieht man schon daran, daß Gott, Gott allein, der Herr über Leben und Tod, Tote aus dem Tode zurück­ru­fen kann. Die Feinde haben die Wun­der Jesu den Dämo­nen zuge­schrie­ben. „Mit Beel­ze­bub, dem obers­ten der Dämo­nen, treibt er die Dämo­nen aus.“ Sie haben Anstoß genom­men, weil er der Sohn des Zim­mer­manns war. Sie haben gesagt: Von ihm weiß man, woher er kommt. Wenn der Mes­sias kommt, weiß nie­mand, woher er stammt. Jesus hat diese Vor­würfe als lächer­lich zurück­ge­wie­sen. „Wenn ich mit Beel­ze­bub, dem obers­ten der Teu­fel, die Teu­fel aus­treibe, dann ist sein Reich gespal­ten.“ Dann geht es zu Ende mit ihm. So töricht ist der Satan nicht, daß er sich selbst zer­stört. Nein, Jesu Dämo­nen­aus­trei­bun­gen als Schau­spie­ler­tricks zu erklä­ren, schei­tert auch daran, daß er eine sitt­lich hoch­ste­hende, eine sitt­lich ein­wand­freie Per­sön­lich­keit war, daß er seine Wun­der ohne Schau­stel­lung und ohne Selbst­sucht wirkte, daß er die Wun­der nicht zur Selbst­dar­stel­lung benutzte. Es fehlt jede Über­heb­lich­keit und Ver­lo­gen­heit, wie sie den Schau­wun­dern von Zau­ber­künst­lern eigen ist. An sei­ner rei­nen und sitt­lich über­le­ge­nen Per­sön­lich­keit schei­tern alle diese Vor­würfe.

Aber der Unglaube gibt sich nicht geschla­gen. Er sagt: Jesus mag ja Wun­der gewirkt haben, aber nicht zur Beglau­bi­gung sei­ner Sen­dung. Er hat sie gewirkt, weil er eben Mit­leid hatte mit den Men­schen, aus Erbar­men und aus Güte. Es sind Ret­tungs­wun­der. Meine lie­ben Freunde, nicht jedes Wun­der mag der Beglau­bi­gung sei­ner Sen­dung gedient haben. Es kann durch­aus sein, daß sein Erbar­men mit den Men­schen, seine Güte das eine oder andere Wun­der ver­an­laßt hat. Aber es gibt eine Menge von Wun­dern, die aus­drück­lich gewirkt wur­den, um seine Sen­dung zu beglau­bi­gen. Das ist vor allem nach dem Johan­nes­evan­ge­lium der Fall. Als er das Wun­der in Kana wirkte, da heißt es am Schluß: „So machte Jesus den Anfang sei­ner Wun­der, und seine Jün­ger glaub­ten an ihn.“ Warum glaub­ten sie an ihn? Ja, weil sie durch das Wun­der über­zeugt wor­den waren von sei­ner Macht und sei­ner gött­li­chen Sen­dung. An vie­len Stel­len weist Jesus selbst dar­auf hin, daß die Wun­der zur Beglau­bi­gung, zur Legi­ti­ma­tion sei­ner Sen­dung und sei­ner Per­son die­nen. „Die Werke, die mir der Vater aus­zu­füh­ren gab, diese Werke, die ich tue, sie geben Zeug­nis über mich, daß der Vater mich gesandt hat.“ Also lau­ter als die Worte, die er sagt, spre­chen die Taten, die er voll­bringt. „Die Werke, die ich im Namen mei­nes Vaters wirke, die geben von mir Zeug­nis.“ Denn sol­che Werke kann nie­mand tun, wenn Gott nicht mit ihm ist. „Glau­bet mir, daß ich im Vater bin, und der Vater in mir ist. Wenn nicht, dann glau­bet doch um der Werke wil­len!“ Die Werke sind es, die die Zuschauer unent­schuld­bar machen. „Wenn ich die Werke mei­nes Vaters nicht tue, so braucht ihr mir nicht zu glau­ben. Hätte ich unter ihnen nicht die Werke voll­bracht, wie sie kein ande­rer voll­bracht hat, so hät­ten sie keine Sünde.“ Die Werke zeu­gen gegen die­je­ni­gen, die sich davon nicht haben über­zeu­gen las­sen.

Das ist nicht nur im Johan­nes­evan­ge­lium der Fall, das man ja immer etwas abwer­tet, weil es das spä­teste, also das jüngste Evan­ge­lium ist, nein, das ist auch aus den syn­op­ti­schen Evan­ge­lien zu bewei­sen. Wir haben es eben heute im Evan­ge­lium gehört. Der im Gefäng­nis ver­wahrte Johan­nes fragt Jesus, ob er der Kom­mende ist, das heißt der vor­aus­ge­sagte Mes­sias. Und Jesus deu­tet dann nicht auf seine Pre­dig­ten, er weist auf seine Taten hin. „Blinde sehen, Lahme gehen, Aus­sät­zige wer­den rein, Taube hören, Tote ste­hen auf, Armen wird Froh­bot­schaft ver­kün­det.“ Die Taten zeu­gen für ihn. Ebenso ist es mit sei­nem Wort über die bei­den Städte Cho­ra­zin und Beth­saida. „Wären in Tyrus und Sidon die Taten gesche­hen, die in Cho­ra­zin und Beth­saida gesche­hen sind, sie hät­ten längst in Sack und Asche Buße getan.“ Und ganz deut­lich wird die Beglau­bi­gungs­kraft sei­ner Wun­der­macht bei der Hei­lung des Gelähm­ten. Er hatte die­sem Manne zunächst die Sün­den ver­ge­ben. Dar­über murr­ten die Anwe­sen­den. „Wie kann die­ser Sün­den ver­ge­ben?“ Um zu bewei­sen, daß er es kann, um zu zei­gen, daß er die Voll­macht besitzt, wirkt er jetzt ein Wun­der, das man beob­ach­ten kann. „Nimm dein Bett und geh nach Hause!“ Und der Mann nahm sein Bett und ging nach Hause. Wer das ver­mag, was man beob­ach­ten kann, näm­lich einen Gelähm­ten durch ein Wort hei­len, der ver­mag auch das andere, was man nicht beob­ach­ten kann, näm­lich Sün­den zu ver­ge­ben.

Gewiß, Jesus hat auch den Wun­der­glau­ben, der immer neue Wun­der ver­langt, geta­delt, hat die Wun­der­sucht des Volkes, das immer wie­der Wun­der sehen will, kor­ri­giert. Er hat sogar den Tho­mas zurecht­ge­wie­sen mit dem Worte: „Selig, die nicht sehen und doch glau­ben.“ Aber das ist alles kein Beweis dage­gen, daß er die Wun­der als Beglau­bi­gung sei­ner Sen­dung ange­se­hen hat. Jesus hat nur die Wun­der­sucht, die Gier nach Sen­sa­tio­nen, das Ver­lan­gen nach Schau­wun­dern und die Ver­su­che, ihn zum Voll­brin­gen von Wun­dern zu zwin­gen, zurück­ge­wie­sen. Er lehnt es ab, Wun­der zu wir­ken, die den Men­schen über­wäl­ti­gen. Die Schau­wun­der, die man am Anfang sei­ner Sen­dung von ihm erwar­tete, hat er nicht gewirkt. Denn die Wun­der sol­len nicht die Gewis­sen zwin­gen, son­dern sie sol­len den Auf­nah­me­be­rei­ten Gewiß­heit dar­über geben, daß seine Sen­dung von Gott beglau­bigt wird. Er hat es auch abge­lehnt, Wun­der zu wir­ken als Bedin­gung des Glau­bens. Das haben die Feinde, die das Kreuz umtanz­ten, ihm ange­son­nen: „Steig herab, dann wol­len wir glau­ben!“ Das war der Ver­such, Gott eine Bedin­gung zu stel­len, eine Bedin­gung für den Glau­ben. Eine sol­che Bedin­gung zu erfül­len, lehnt Jesus ab.

Er tadelt den Tho­mas, als die­ser sagt: „Wenn ich nicht die Wun­den an sei­nen Hän­den sehe und mei­nen Fin­ger dar­ein lege und meine Hand in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ Tho­mas hat damit sei­nen Glau­ben von der eige­nen Erfah­rung abhän­gig gemacht, statt auf die Apos­tel zu hören, die Jesus, den Auf­er­stan­de­nen, gese­hen hat­ten, statt daran zu den­ken, daß er ja selbst Zeuge vie­ler Wun­der Jesu gewor­den war. Jesus erfüllt ihm seine Bitte, aber nur des­we­gen, weil er eigent­lich mehr aus Glück über das uner­war­tete Gesche­hen nicht glau­ben konnte als aus Zwei­fels­sucht. Aber er hat zu ihm tadelnd gesagt: „Selig, die nicht sehen und doch glau­ben!“

Die Wun­der Jesu die­nen der Beglau­bi­gung sei­ner Sen­dung. Aber sie appel­lie­ren auch an die Bereit­schaft im Men­schen zum Glau­ben. Sie erzwin­gen den Glau­ben nicht, son­dern sie stüt­zen ihn. Sie wol­len die Men­schen auf­hor­chen las­sen und zei­gen, daß Gott die Sen­dung, die er in Anspruch genom­men hat, bestä­tigt. Wo die Glau­bens­be­reit­schaft fehlt, wo man sich schon gegen ihn ent­schie­den hat, da wirkt er keine Wun­der. In sei­ner Hei­mat­stadt Naza­reth war es so. „Woher hat der da – der da! – die Weis­heit und die Wun­der­kräfte? Ist er nicht des Zim­mer­manns Sohn?“ Und er konnte daselbst keine Wun­der wir­ken; nicht, weil seine Macht nicht aus­ge­reicht hätte, son­dern weil die Glau­bens­be­reit­schaft fehlte.

So ist es auch heute. Wer Augen hat, zu sehen, der sieht. Wem aber die Augen ver­schlos­sen sind, der ver­mag nicht zu sehen. „Jeder, der das Böse tut, haßt das Licht und kommt nicht ans Licht.“ Er kommt nicht ans Licht, damit seine bösen Werke nicht auf­ge­deckt wer­den. Wer nicht will, dem ver­mö­gen auch die Wun­der nicht den Glau­ben zu ver­mit­teln. Jesus hat es ein­mal im Gleich­nis vom rei­chen Pras­ser und vom armen Laza­rus gesagt: „Die, die auf Abra­ham nicht hören, wür­den sich auch nicht bekeh­ren, wenn einer von den Toten zurück­käme.“

Wahr­haf­tig, meine lie­ben Freunde. Wir wol­len uns an Niko­de­mus hal­ten, der am Abend zu Jesus kam und sagte: „Rabbi, wir wis­sen, daß du ein gott­ge­sand­ter Leh­rer bist; denn nie­mand kann die Wun­der wir­ken, die du wirkst, wenn Gott nicht mit ihm ist.“

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die Hei­lungs­wun­der Jesu - www.Glaubenswahrheit.org“