StartseitePredigtreihe "Jesus Christus"

Ostern – das uner­hört Neue

Geliebte im Herrn!

Ostern ist das älteste Fest des Chris­ten­tums, ja, das Chris­ten­tum hat sei­nen Ursprung in dem Gesche­hen, das wir zu Ostern bege­hen. Das Oster­fest der Chris­ten ist gewis­ser­ma­ßen die Fort­set­zung und die Erfül­lung des Pascha­fes­tes der Juden. Des­we­gen wird in den Lesun­gen und Gebe­ten der drei öster­li­chen Tage so viel von den Gescheh­nis­sen des Alten Bun­des gespro­chen, von der Schöp­fung, von der Sint­flut, vom Oster­lamm, vom Aus­zug aus Ägyp­ten, vom Durch­zug durch das Rote Meer. Das alles ist erfüllt in dem Gescheh­nis, das wir zu Ostern bege­hen.

Das älteste Fest des Chris­ten­tums ist zugleich der Inbe­griff der Neu­heit der christ­li­chen Welt. Wir hören in den Lesun­gen von dem neuen, ver­klär­ten Chris­tus; wir hören von der Neu­ge­burt, von der Wie­der­ge­burt, von der Neu­schöp­fung, von dem neuen Leben. Der Begriff „neu“ (grie­chisch kai­nos) ist dem Chris­ten­tum von Anfang an ange­bo­ren. Das Chris­ten­tum ist etwas Neues; es ist etwas Ein­ma­li­ges; es ist etwas Uner­hör­tes. Die Neu­heit des Chris­ten­tums zeigt sich an ers­ter Stelle in dem Heils­brin­ger. Was an Jesus gesche­hen ist, das ist nur an ihm gesche­hen, das ist noch nie an einem ande­ren gesche­hen, und das wird nie­mals sich an einem ande­ren ereig­nen. Chris­tus ist gewis­ser­ma­ßen die Neu­heit in Per­son. Der hei­lige Hip­po­lyt hat in einer Oster­pre­digt diese Neu­heit mit ergrei­fen­den Wor­ten geschil­dert: „Ist es nicht etwas gänz­lich Neues“, so sagt er, „daß eine Jung­frau gebar, daß der Spen­der des Lebens an einer Mut­ter­brust lag, daß das Licht Erleuch­tung emp­fing, daß Gott sich ver­su­chen und der Rich­ter sich rich­ten ließ, daß der Unver­wund­bare litt und der Unsterb­li­che starb, daß der Himm­li­sche im Grabe lag und der Lebende von den Toten auf­er­stand? Sind das nicht neue Dinge? Oder kannst du mir sagen, wo sol­ches gesche­hen ist, ehe Chris­tus kam? Wenn sie aber bei Chris­tus zuerst gesche­hen, so ist das eben des­halb ein neues Geheim­nis, neu wegen des neuen Hei­les, neu um des neuen Rei­ches wil­len, neu um dei­net­wil­len, der du dadurch auf neue Weise geret­tet wirst.“

Die Neu­heit, die Chris­tus als Per­son bedeu­tet, setzt sich fort in der Neu­heit derer, die sich zu Chris­tus beken­nen. Das sind neue Men­schen. Ich habe immer gelacht in den fünf Jah­ren, die ich in der sowje­ti­schen Besat­zungs­zone oder der DDR zuge­bracht habe, wenn die Kom­mu­nis­ten erklär­ten, sie schaf­fen den neuen Men­schen. Ach, wie sah die­ser neue Mensch aus? Es war der Mas­sen­mensch, es war der Mensch des Kol­lek­tivs, der Mensch ohne Ver­ant­wor­tung, der Mensch, der wie eine Puppe ist, an der man zieht; das war der angeb­lich neue Mensch. Nein! Der wirk­lich neue Mensch wird aus Chris­tus gebo­ren. Wieso ist der Christ ein neuer Mensch? Weil in ihm die neuen Kräfte des Chris­tus wirk­sam sind, weil er in der Taufe Chris­tus ange­zo­gen hat, weil er durch Glaube und Taufe dem Chris­tus ähn­lich gewor­den ist. Die Gesamt­hal­tung des Chris­ten ist neu; er sieht Gott in einer neuen Weise. Gewiß, auch ohne Chris­tus kann man Gott erken­nen als den Schöp­fer und den Erhal­ter der Welt, aber Chris­tus eröff­net uns die Innen­welt Got­tes, daß Gott ein drei­per­so­na­ler ist. Er zeigt uns, daß Gott ein Vater ist und daß er die Men­schen zum Heil beru­fen hat, daß er sie in sein inner­gött­li­ches Leben hin­ein­zie­hen will. Das ist neu.

Neu ist auch der Blick auf die Schöp­fung. Die Schöp­fung ist seit dem Erschei­nen Christi ver­wan­delt. Die Ver­wand­lung ist noch unan­schau­lich, aber die Kräfte, die Chris­tus in sie ein­ge­senkt hat, sind da, und sie wer­den sich ein­mal ent­fal­ten bei der Wie­der­kunft Christi. Die alte Welt ist neu gewor­den durch das Erschei­nen und Wir­ken des Logos.

Neu ist auch die Lehre, die Chris­tus gebracht hat. Die Men­schen, die sich zu Chris­tus beken­nen, sind aus der Nacht der Fins­ter­nis und von der Macht des Bösen befreit. Aus der Macht des Bösen sind sie befreit, weil sie jetzt die Kräfte haben, mit denen sie die Begier­lich­keit über­win­den kön­nen. Sie sind in der Lage, die Triebe zu beherr­schen. Sie sind imstande, den Gebo­ten Got­tes nach­zu­le­ben. Sie haben das Nicht-mehr-sün­di­gen-Kön­nen – wenn sie nur wol­len. Und sie sind der Nacht der Fins­ter­nis ent­ris­sen, weil sie das Ziel und den Weg ken­nen. Sie ken­nen das Ziel, näm­lich die Gemein­schaft mit Gott; sie ken­nen den Weg, näm­lich die Nach­folge Christi. Neu sind sie, weil sie der Macht des Bösen und der Nacht der Fins­ter­nis ent­ris­sen sind. Neu sind sie, weil sie zu dem Todes­über­win­der gehö­ren. Sie wis­sen, daß der Tod nicht das letzte Wort ist. Seit­dem Jesus auf­er­stand, heißt es nicht mehr bloß: Er starb, er starb, er starb, nein, jetzt heißt es: Er ist auf­er­stan­den, er ist auf­er­weckt wor­den und er lebt und er stirbt nicht mehr.

Und das, was an Jesus geschah, das soll an uns gesche­hen. Wenn wir ster­ben, dann wis­sen wir, wenn wir in der Gnade gelebt haben, daß wir eine Woh­nung bei Gott erhal­ten, in die wir auf­ge­nom­men wer­den. Für uns hat der Tod, wenn wir wirk­lich gläu­big sind, seine Schre­cken ver­lo­ren. Alt ist jener Mann, der am Kar­sams­tag in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung auf die Frage, wie er ster­ben wolle, sagte, in sei­nem Bett, umge­ben von schö­nen Frauen. Das ist ein alter Mensch! Er hat nichts begrif­fen von der Neu­heit des Chris­ten­tums. Das Chris­ten­tum ist eine neue Wirk­lich­keit, die sich allen mit­teilt, die sich dem Geiste Christi über­las­sen und von ihm sich füh­ren las­sen. Die Kir­che ist eine neue Gemein­schaft. Alte Gemein­schaf­ten haben wir in Fülle und in gro­ßer Zahl. Aber die Kir­che ist eine neue; sie ist die ein­zige neue Gemein­schaft, die es auf die­ser Welt gibt und die durch das Erschei­nen Christi her­vor­ge­bracht wor­den ist.

Frei­lich hat auch die Kir­che, weil sie aus Men­schen besteht, eine Geschichte, eine 2000jäh­rige Geschichte. Men­schen altern, und soweit die Kir­che aus Men­schen besteht, zeigt sie Alte­rungs­er­schei­nun­gen. Der Kern, das Wesen, die innere Kraft, die sind neu, aber die Men­schen kom­men und gehen, altern und ver­grei­sen, und so gibt es eben auch, soweit die Kir­che mensch­lich ist, Alte­rungs­er­schei­nun­gen. Es begann, als die Kir­che aus den Kata­kom­ben stieg. Solange sie bedrängt, ver­folgt und unter­drückt war, da haben die Neu­heits­kräfte in ihr sich mäch­tig aus­ge­wirkt in dem Heer von Mar­ty­rern. Aber als dann die Kir­che mäch­tig und ein­fluß­reich wurde, da dräng­ten die Mas­sen in die Kir­che, und zwar auch ohne Bekeh­rung – und das war ein Ver­häng­nis. Denn wer zur neuen Kir­che gehö­ren will, das muß ein neuer Mensch sein, und die Neu­heit erwirbt er durch die Bekeh­rung in Glaube und Taufe. Und so haben sich in 2000 Jah­ren Kir­chen­ge­schichte auch Schwä­chen ange­setzt, soweit die Kir­che mensch­lich ist, so haben Men­schen ver­sagt und sich schul­dig gemacht, das ist gar keine Frage. Aber an uns ist es nicht, mit den Fin­gern auf die zu zei­gen, die sich frü­her viel­leicht ver­fehlt haben. Unsere Auf­gabe ist es nicht, an die Brust ande­rer zu klop­fen, son­dern an die eigene Brust und zu fra­gen, wie wir der Neu­heit des Chris­ten­tums ent­spre­chen, ob wir neue Men­schen sind, ob man es uns anspürt, daß wir zu dem neuen Chris­tus gehö­ren. Gott hat im Laufe der Geschichte Stürme über die Kir­che kom­men las­sen, die das Mor­sche hin­weg­feg­ten. Er hat Boten gesandt, die die Men­schen auf­rüt­tel­ten. Er hat Büßer und Beter geschickt, die für andere stell­ver­tre­tend ein­tra­ten. Aber das Mensch­li­che hat sich nicht til­gen las­sen. Das Mensch­li­che, und damit die Schwä­che und das Ver­sa­gen, ist in der Kir­che geblie­ben, weil eben Men­schen dazu nei­gen, schwach zu sein und zu ver­sa­gen. Und so müs­sen wir heute sagen, daß es viele gibt, die den Namen von Chris­ten tra­gen, aber das Neu­heits­er­leb­nis des Chris­ten­tums nicht in ihrem Leben zei­gen; daß es viele gibt, die die Kir­che miß­brau­chen zu ihren eigen­süch­ti­gen Zwe­cken; daß es nicht wenige gibt, die in Betrieb­sam­keit und For­mel­kram das Leben ersti­cken und daß auch viele Gute müde und ver­zagt sind. Wir wol­len nicht mit Fin­gern auf andere zei­gen, von denen wir wis­sen oder ahnen, daß sie heute ver­sa­gen. Wir bekla­gen alle die Schwä­che der Füh­rer­schaft in unse­rer Kir­che, und es ist unsere hei­lige Auf­gabe, die Pflicht brü­der­li­cher Zurecht­wei­sung zu üben, wenn wir erken­nen, daß sie ange­bracht ist. Aber wir wol­len nicht auf die ande­ren zei­gen, son­dern wir wol­len uns selbst prü­fen, ob wir dem Neu­heits­cha­rak­ter des Chris­ten­tums ent­spre­chen. Wir haben die­selbe Beru­fung wie frü­here Zei­ten des Chris­ten­tums; wir haben die­selbe Auf­gabe; wir haben die­sel­ben Kräfte; wir haben die­sel­ben Quel­len des Lebens. Aber was machen wir dar­aus? Sieht man es uns an, spürt man es uns an, daß wir ergrif­fen sind von dem neuen Leben in Chris­tus? Zei­gen wir durch unsere rast­lose Arbeit, daß uns das Reich Got­tes über alles geht!

Vor eini­ger Zeit lernte ich einen alten Rechts­an­walt ken­nen, der sich mit letz­ter Kraft – er war herz­krank – um die kleine Gemeinde mühte, die ihm von Gott anver­traut war. Er sagte zu mir: „Ich hätte mir mei­nen Lebens­abend anders vor­ge­stellt.“ Aber er hat sich eben nicht einen gemäch­li­chen und beque­men Lebens­abend ver­schafft, son­dern er hat gewirkt, solange er wir­ken konnte, bis ihm das Herz gebro­chen ist.

Was tun wir, um die Ehre Got­tes, um die Ehre Christi, um die Ehre der Got­tes­mut­ter zu ver­tei­di­gen? Wir alle wis­sen, wie in immer mehr Thea­ter­auf­füh­run­gen diese Ehre in den Dreck gezo­gen wird. Als in Frank­furt ein Stück von Faß­bin­der auf­ge­führt wer­den sollte, in dem angeb­lich anti­se­mi­ti­sche Züge waren, da haben die Juden von Frank­furt die Auf­füh­rung ver­hin­dert. Und das sind ein paar hun­dert. In Deutsch­land gibt es Mil­lio­nen von Chris­ten, und sie haben es nicht fer­tig­ge­bracht, die Auf­füh­rung got­tes­läs­ter­li­cher Stü­cke zu ver­hin­dern. Was geschieht im Unter­haus in Mainz? Dort wird die Mut­ter Got­tes in den Dreck gezo­gen! Was tun die Main­zer Katho­li­ken, um diese Schmach zu been­den? Es ist wenig zu spü­ren von dem Neu­heits­er­leb­nis, von den Neu­heits­kräf­ten, die uns Chris­tus gebracht hat. Es scheint, daß es an uns liegt, wenn diese Kräfte nicht zur Ent­fal­tung kom­men. Sie sind ja da; Chris­tus ist nicht müde gewor­den in 2000 Jah­ren, und der Hei­lige Geist ist nicht schwä­cher gewor­den in die­ser lan­gen Zeit. Aber die Chris­ten, die Chris­ten sind müde gewor­den und bequem und läs­sig.

Da gilt es, sich daran zu erin­nern, daß die Zukunft der Kir­che teil­weise auch in unse­rer Hand liegt. Gewiß, es gibt das Wort, daß die Pfor­ten der Hölle sie nicht über­wäl­ti­gen wer­den, aber was davon ver­lo­ren wird und zugrunde geht, das wird auch uns als Ver­ant­wor­tung ange­rech­net wer­den. Es kann sein, daß viele vom Auf­gang und vom Nie­der­gang mit Chris­tus zu Tische sit­zen wer­den und die Kin­der des Rei­ches drau­ßen blei­ben müs­sen. Es kann sein, daß Gott den Leuch­ter von sei­ner Stelle rücken muß.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Ostern – das uner­hört Neue www.Glaubenswahrheit.org

Die Osterkunde aus dem leeren Grab
Hinab­gestiegen in das Reich des Todes
Empfehlen sie uns weiter!GlaubensnetzwerkDankeCopyright / UrheberrechtImpressum