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Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes ..

Der Gott­heits­an­spruch Jesu

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Wir haben uns seit vie­len Sonn­ta­gen bemüht, die katho­li­sche christ­li­che Reli­gion als die ein­zige von Gott gestif­tete zu erwei­sen. Die christ­li­che Reli­gion steht und fällt mit ihrem Stif­ter Jesus Chris­tus. Die ent­schei­dende Frage lau­tet: „Was hal­tet ihr von Chris­tus?“ Wie man zu Chris­tus steht, so steht man auch zum Chris­ten­tum. Und wer Chris­tus als den gott­ge­sand­ten Erlö­ser, als den Hei­land und Leh­rer der Mensch­heit, als den ein­ge­bo­re­nen Sohn Got­tes bekennt, der wird auch am Chris­ten­tum als der ein­zi­gen über­na­tür­li­chen Reli­gion fest­hal­ten.

Wir haben erkannt, daß Jesus der gott­ge­sandte Mes­sias, der Hei­land und Erlö­ser ist. Er nimmt gött­li­che Auto­ri­tät in Anspruch, und zwar nicht bloß auf­grund sei­ner Sen­dung, also des­we­gen, weil er von Gott gesandt ist, son­dern auf­grund sei­ner Per­son. In sei­nen Wor­ten und in sei­nen Hand­lun­gen leuch­tet eine Majes­tät und Macht auf, die nicht ver­lie­hen ist, son­dern die ihm kraft Wesens zukommt. Jesus Chris­tus über­schrei­tet das bloß Mensch­li­che. „Hier ist mehr als Jonas! Hier ist mehr als Salo­mon! Hier ist mehr als der Tem­pel!“ In Jesus ist Gott selbst in diese Welt ein­ge­bro­chen.

Die Pro­phe­ten haben immer, wenn sie gött­li­che Auf­träge aus­rich­te­ten, eine bestimmte For­mel in Anspruch genom­men. Sie sag­ten: „Also spricht der Herr.“ Natür­lich durch sie. „Also spricht der Herr.“ Im Munde Jesu fin­det sich diese For­mel nicht ein ein­zi­ges Mal. Er ist nicht ein Pro­phet wie andere, son­dern er ist Got­tes Sohn, der aus eige­ner Voll­macht das Gesetz des Got­tes­rei­ches ver­kün­det. Des­we­gen heißt es in der Berg­pre­digt: „Den Alten ist gesagt wor­den...“, und er fügt hinzu: „Ich aber sage euch.“ Er ist Gesetz­ge­ber im Rei­che Got­tes. Seine Macht ist nicht bloß Voll­macht, seine Macht ist All­macht.

Jesus nimmt Ver­ge­bungs- und Gerichts­ge­walt in Anspruch. Er ver­gibt Sün­den. Seine Zuhö­rer haben sehr wohl gemerkt, wel­chen Anspruch er damit erhebt. Als er dem Gicht­brü­chi­gen die Sün­den nach­ließ, da sag­ten die her­um­sit­zen­den Schrift­ge­lehr­ten: „Wer kann Sün­den ver­ge­ben als Gott allein?“ Natür­lich. Nur Gott kann Sün­den ver­ge­ben. Wenn also hier einer auf­tritt, der die Macht bean­sprucht, Sün­den zu ver­ge­ben, muß man doch wohl die Fol­ge­rung zie­hen: Hier ist Gott in unse­rer Mitte.

Ähn­lich, als Jesus gütige Nach­sicht gegen­über der Sün­de­rin zeigt, die seine Füße salbt. Da ver­gibt er ihr die Sün­den. Die dabei­sit­zen­den Tisch­gäste bemer­ken: „Wer ist die­ser, daß er sogar Sün­den ver­gibt?“ Ihm ist die Gewalt, Sün­den zu ver­ge­ben, eigen. Er ist der von Gott bestellte Rich­ter am Ende der Zei­ten. „Der Vater hat das ganze Gericht dem Sohn über­ge­ben. Er wird kom­men mit den Engeln des Him­mels und einen jeden rich­ten nach sei­nen Wer­ken.“

Jesus nimmt reli­giöse Macht in Anspruch. Er besitzt auch Macht über die Natur. Er befiehlt den Krank­hei­ten, und sie wei­chen. Er gebie­tet dem Tod, und er zieht sich zurück. Er befiehlt dem Meer und dem Wind, und sie gehor­chen. Meine lie­ben Freunde, wer die Natur­wun­der Jesu aus dem Leben Jesu streicht, wie es mei­net­we­gen Herr Kas­per in Rot­ten­burg tut, der zer­stört damit Jesus Chris­tus in sei­nem Wesens­kern. Wenn die Wun­der, die Jesus an der Natur gewirkt hat, nicht gesche­hen sind, dann kann man nicht mehr von sei­ner Bedeut­sam­keit spre­chen. So reden näm­lich diese fal­schen Leh­rer. Sie sagen: Die Wun­der sind erfun­dene Geschich­ten, wel­che die Bedeut­sam­keit Jesu wie­der­ge­ben wol­len. Ja, wenn Jesus die Wun­der nicht gewirkt hat, dann hat er keine Bedeut­sam­keit, dann ist er genauso unbe­deut­sam wie die erfun­de­nen Geschich­ten. Die Evan­ge­lis­ten las­sen kei­nen Zwei­fel daran, daß für sie die Stil­lung des See­be­bens genauso real ist wie die Auf­nahme Jesu im Hause des Zachäus.

Die Jün­ger haben seine Macht gespürt. Als er den See­sturm stillte, da sag­ten sie: „Was ist denn das für einer, daß ihm sogar der Wind und die Wel­len gehor­chen?“ Und als er über den See wan­delte, da spra­chen die im Boot Befind­li­chen: „Wahr­haf­tig, du bist Got­tes Sohn!“

Jesus stellt sich in den Mit­tel­punkt der Reli­gion. Er lehrt nicht nur andere, wie man reli­giös sein muß, son­dern er ist der Gegen­stand der Reli­gion. Er zeigt nicht nur, wie man anbe­ten muß, son­dern er nimmt Anbe­tung ent­ge­gen. Vor ihm fällt der Aus­sät­zige nie­der, und die Män­ner im Boote knien vor ihm. Die Frauen am Grabe umfas­sen seine Füße; sie wer­fen sich vor ihm nie­der. Er stellt For­de­run­gen auf, die nur Gott auf­stel­len kann. Er ver­langt Glau­ben und Bekennt­nis zu ihm. „Wer mich vor den Men­schen bekennt, den werde ich vor mei­nem Vater im Him­mel beken­nen.“ Er ver­langt Nach­folge ohne mensch­li­che Rück­sich­ten. Er sagt einem, er solle ihm nach­fol­gen. Der bit­tet um Auf­schub; er sagt: „Laß mich zuvor mei­nen Vater begra­ben!“ Jesus ent­geg­net ihm: „Laß die Toten ihre Toten begra­ben! Du komm und folge mir nach!“ Ein ande­rer, den er auf­for­dert, bit­tet: „Laß mich Abschied neh­men von mei­nen Haus­ge­nos­sen!“ Jesus ent­geg­net ihm: „Kei­ner, der die Hand an den Pflug legt und zurück­schaut, ist taug­lich für das Reich Got­tes.“ Um sei­net­wil­len muß man das Liebste, was es auf Erden gibt, ver­las­sen. „Wer Vater oder Mut­ter mehr liebt als mich, ist mei­ner nicht wert. Wer Sohn oder Toch­ter mehr liebt als mich, ist mei­ner nicht wert.“ Ihm muß man nach­fol­gen bis zum Kreuze. „Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt und mir nach­folgt, ist mei­ner nicht wert.“ Ihm muß man die Treue hal­ten auch in der Ver­fol­gung. „Selig seid ihr, wenn euch die Men­schen schmä­hen und ver­fol­gen und alles Böse wider euch reden. Selig seid ihr, wenn das alles um mei­net­wil­len geschieht!“

Diese Äuße­run­gen zei­gen, daß Jesus eine Macht und eine Auto­ri­tät bean­sprucht, wie sie kein Mensch bean­spru­chen kann, wenn er nicht wahr­haf­tig Got­tes Sohn ist. Er hat ein ein­zig­ar­ti­ges Ver­hält­nis zum himm­li­schen Vater. Natür­lich kann man mit den libe­ra­len Theo­lo­gen sagen: Er ist eben ganz dem Wil­len des Vaters erge­ben; er ist also mora­lisch ver­bun­den mit dem Vater. Das stimmt. Natür­lich kann man sagen: Er hat eine beson­dere Ver­bin­dung mit dem Vater, weil er von ihm gesandt ist. Auch das ist rich­tig. Selbst­ver­ständ­lich ist er dem Vater beson­ders zuge­ord­net, weil er der Mes­sias ist. Aber das reicht nicht aus. Er stellt sich in sei­nem Sein, in sei­nem Erken­nen und in sei­nem Wir­ken an die Seite des Vaters. Sein Soh­nes­ver­hält­nis ist nicht mit dem Kin­des­ver­hält­nis der übri­gen Men­schen zu ver­glei­chen. Sie fin­den keine ein­zige Stelle im gan­zen Evan­ge­lium, wo Jesus sagt: „Unser Vater.“ Er spricht immer von „mein Vater“ und „euer Vater“. Denn das Ver­hält­nis, das er zum himm­li­schen Vater hat, ist unver­gleich­lich mit dem, das die übri­gen Men­schen zu Gott haben. „Wenn ihr, die ihr böse seid, euren Kin­dern gute Gaben zu geben wißt, um wie­viel mehr wird euer Vater im Him­mel denen gute Gaben geben, die ihn darum bit­ten!“ Oder nach der Auf­er­ste­hung: „Ich fahre hin­auf zu mei­nem Vater und eurem Vater, zu mei­nem Gott und eurem Gott.“

Jesus hat Äuße­run­gen über seine Wesens­na­tur gemacht, die ent­we­der zutref­fen – und dann müs­sen wir ihn anbe­ten –, oder die nicht zutref­fen, dann müs­sen wir ihn ver­wer­fen. „Ich bin das Brot des Lebens.“ – „Ich bin das Licht der Welt.“ – „Ich bin die Tür.“ – „Ich bin der gute Hirt.“ – „Ich bin der Wein­stock.“ – „Ich bin der Weg, die Wahr­heit und das Leben.“ – „Ich bin die Auf­er­ste­hung und das Leben.“ In völ­li­ger Selbst­ver­ständ­lich­keit kom­men diese hohen Bezeich­nun­gen aus sei­nem Munde. Und noch mehr sagt eine andere Selbst­aus­sage, die im Johan­nes­evan­ge­lium vor­kommt, das abso­lute, prä­di­kats­lose „Ich bin“- „Ego eimi“ im Grie­chi­schen. „Ich bin.“ – „Ehe Abra­ham ward, bin ich!“ – „Wenn ihr den Men­schen­sohn erhöht haben wer­det, wer­det ihr erken­nen, daß ich bin.“ – „Wenn ihr nicht glau­bet, daß ich bin, dann wer­det ihr in euren Sün­den ster­ben.“ Das sind ganz prä­zise Aus­sa­gen, die Jesus an die Seite Got­tes rücken. Denn sie sind text­gleich mit jenen Selbst­be­zeich­nun­gen Got­tes, die beim Pro­phe­ten Isaias vor­kom­men. Im 43. Kapi­tel des pro­phe­ti­schen Buches des Isaias heißt es: „Ihr seid meine Zeu­gen – Spruch des Herrn – und mein Knecht, den ich erwählte, damit ihr erken­net und mir glaubt und ein­se­het, daß ich bin.“ Und im 52. Kapi­tel heißt es ähn­lich: „Drum soll mein Volk mei­nen Namen erken­nen; drum soll es erken­nen an jenem Tage, daß ich bin, der da spricht: Hier bin ich.“ Wenn Jesus diese Offen­ba­rungs­for­meln über­nimmt, dann wird damit in einer letz­ten Weise deut­lich, daß er sich an die Seite des leben­di­gen, wah­ren Got­tes setzt. Man mag vor den Abgrün­den erschau­dern, in die uns das Selbst­be­wußt­sein Jesu bli­cken läßt, leug­nen oder wegin­ter­pre­tie­ren kann man sie nicht! Das Zeug­nis der Quel­len ist zu ein­deu­tig.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Der Gott­heits­an­spruch Jesu www.Glaubenswahrheit.org“

Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes ..


Noch ein­mal wol­len wir heute die Frage stel­len: Was dünkt euch von Chris­tus? Wer­den Sie bitte nicht unge­dul­dig und ihrer über­drüs­sig, denn sie ist die Frage aller Fra­gen. Auf diese Frage müs­sen wir eine Ant­wort fin­den, und zwar eine Ant­wort, die stich­hal­tig ist. Wenn Chris­tus nicht der Grund unse­res Lebens ist, dann ist ver­geb­lich unsere Pre­digt, dann ist ver­geb­lich unser Beten, dann ist ver­geb­lich unser Got­tes­dienst. Was dünkt euch von Chris­tus?

Heute wol­len wir die Ant­wort geben: Chris­tus ist der Offen­ba­rer Got­tes. In sei­nem Leben und Wir­ken hat zwei­fel­los das Kreu­zes­op­fer den ers­ten Rang. Aber Chris­tus ist eben nicht nur der Pries­ter, der sich opfert, er ist auch der Leh­rer, der die Wahr­heit Got­tes ver­kün­det. Er ist der Offen­ba­rer. Die unzu­gäng­li­che Wirk­lich­keit Got­tes ist durch ihn zugäng­lich gewor­den. In ihm wen­det der Vater im Him­mel sein Ant­litz der Mensch­heit zu, ja, er ist der auf Erden erschie­nene Gott. Wer von Chris­tus redet und die Gott­heit Christi nicht bekennt, der hat um ihn her­um­ge­re­det. Chris­tus ist der Offen­ba­rer Got­tes, weil er Gott sel­ber ist. Er kommt von Gott, er ist von Gott aus­ge­gan­gen, und er kommt in die Welt, um die Wahr­heit Got­tes den Men­schen zu kün­den. Des­we­gen beharrt er so auf dem Ver­kün­di­gen der Wahr­heit. Er ist die Wahr­heit selbst, und er bringt die Wahr­heit Got­tes, weil er am Her­zen des Vaters geruht hat. Jesus ist die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes. Das Wort Wahr­heit besagt näm­lich nicht nur, daß Jesus nichts Fal­sches sagt; das Wort Wahr­heit besagt, daß in ihm die Wirk­lich­keit Got­tes zugäng­lich ist. Er ist die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes in sei­nem Sein, in sei­nem Wir­ken und in sei­nem Wort. Drei­fach offen­bart er Gott: in sei­ner Per­sön­lich­keit als der mensch­ge­wor­dene Got­tes­sohn, in sei­nem Han­deln als der Herr über die Ele­mente und in sei­nem Reden als die Wahr­heit, die uns in ihm offen­bar ist.

Die Zeit­ge­nos­sen Jesu haben emp­fun­den, daß er anders redet als andere Men­schen. In Kapharnaum, in der Syn­agoge, hatte er gelehrt, und dann wird fest­ge­stellt: „Sie waren betrof­fen über seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Macht hat und nicht wie die Schrift­ge­lehr­ten.“ Ähn­lich berich­tet uns der Evan­ge­list Johan­nes. Die Pries­ter hat­ten den Auf­trag gege­ben, Jesus fest­zu­neh­men, aber nie­mand legte Hand an ihn. Als die Die­ner dann zu den Ober­pries­tern kamen, da frag­ten sie: Warum habt ihr ihn nicht her­ge­führt? Die Die­ner ant­wor­te­ten: „Nie hat ein Mensch so gere­det, wie die­ser Mensch redet.“ Darin ist die Ein­zig­ar­tig­keit der Ver­kün­di­gung Jesu aus­ge­drückt. Er ist die Wahr­heit, weil er die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes ist.

Seine Ver­kün­di­gung ist Weis­heit. Oft und oft in der Hei­li­gen Schrift wird uns berich­tet, daß die Ver­kün­di­gung der Apos­tel nicht eige­nes Gemächte ist, son­dern Weis­heit, die sie von Chris­tus emp­fan­gen haben. „Wir ver­kün­den nicht Men­schen­weis­heit, damit das Kreuz Christi sei­ner Kraft nicht beraubt werde. Denn die Lehre vom Kreuz ist denen, die ver­lo­ren­ge­hen, Tor­heit, uns aber, die selig wer­den, ist sie Got­tes Kraft. Hat Gott nicht die Weis­heit die­ser Welt zur Tor­heit gemacht? Weil die Welt mit ihrer Weis­heit Gott nicht in sei­ner Weis­heit erkannte, hat es Gott gefal­len, durch die Tor­heit der Pre­digt die­je­ni­gen selig zu machen, die glau­ben.“ Das Wort Christi ist Weis­heit. Es ist eine Weis­heit ande­rer Art, als die Men­schen sie erfin­den. Es ist eine Weis­heit, die denen, die nicht glau­ben, wie Unver­stand klingt. Aber es ist eine Weis­heit, die denen, die geret­tet wer­den, Kraft ist, Kraft zum ewi­gen Leben. Die Weis­heit Christi ist der Welt unver­ständ­lich, aber sie ist der Weis­heit der Welt weit über­le­gen, und sie wird von Chris­tus aus­ge­legt. Er erklärt seine Weis­heit ver­bind­lich. In sei­nen Wor­ten legt er aus, wer er ist und was er tut.

Sein Wort ist ein Wort voll Kraft. Immer wie­der erle­ben wir, wie der Herr nur zu spre­chen braucht, und es geschieht. Ein Aus­sät­zi­ger bit­tet ihn, ihn rein zu machen: „Wenn du willst, kannst du mich rein machen.“ Jesus ant­wor­tet: „Ich will. Sei rein!“ Der Haupt­mann ver­zich­tet dar­auf, daß Jesus in sein Haus kommt und sei­nen Knecht gesund macht. „Sprich nur ein Wort – auch aus der Ferne –, so wird mein Knecht gesund.“ Sein Wort ist Macht und Kraft. Sein Wort besitzt sakra­men­tale Bedeu­tung. Was sein Wort spricht, das schafft es.

Der Inhalt sei­ner Bot­schaft ist der fol­gende. Chris­tus ruft das Reich Got­tes aus, und durch sein Aus­ru­fen kommt es her­bei. Er will alle Men­schen in sei­nem Rei­che ver­sam­meln. Der Weg zum Anschluß an ihn ist der Glaube; wer an ihn glaubt, den zieht er in das gött­li­che Leben hin­ein, dem gibt er Anteil an sei­nem Leben. Und wer an ihn glaubt, dem ver­leiht er als Angeld des ewi­gen Lebens sei­nen Geist, und die­ser Geist wirkt in ihm und führt ihn durch die Fähr­nisse die­ser Zeit hin­durch. Der Inhalt der Bot­schaft Jesu ist der wahre Gott und der wahre Mensch. Durch Christi Bot­schaft wis­sen wir, wer Gott ist, und wis­sen wir, was der Mensch ist. Gott ist der drei­per­so­nale; er ist Liebe, aber auch Gerech­tig­keit; er ist Barm­her­zig­keit, aber auch Gericht; er gibt sich den Men­schen mit sei­nem Leibe auf Erden hin, um sie in sein Leben hin­ein­zu­zie­hen. Durch die Ver­kün­di­gung Jesu wird das Got­tes­bild von allem Natur­haf­ten und Natur­ge­bun­de­nen befreit. Es wird auch befreit von aber­gläu­bi­scher Furcht und törich­ter Angst. Ebenso ver­mit­telt uns Chris­tus das wahre Bild vom Men­schen. Der Mensch ist von uner­setz­ba­rem Wert. Er besitzt eine unsterb­li­che Seele. Er kann nie­mals Werk­zeug und Gebrauchs­ge­gen­stand wer­den. Wer diese Ver­kün­di­gung Jesu ernst nimmt, meine lie­ben Freunde, für den ist die Debatte über die Züch­tung von Embryo­nen, um mit ihnen kran­kes Leben zu hei­len, erle­digt; denn er weiß: In die­sen Embryo­nen lebt eine unsterb­li­che Seele, und diese Embryo­nen haben eine nicht dem Men­schen ver­füg­bare Würde. Die Debatte ist damit abge­schlos­sen. Chris­tus gibt uns das wahre Bild vom Men­schen. Der Mensch kommt zu sich selbst nur in der Gemein­schaft, aber er geht nicht in der Gemein­schaft auf. Das Wort ist falsch, das wir zwölf Jahre lang gehört haben: Du bist nichts, dein Volk ist alles. Nein, der Mensch hat eine unver­wech­sel­bare und uner­setz­bare Würde. Er ist nicht nur Atom in einer Gemein­schaft. Und er ist zur Voll­endung bestimmt, die Gott ihm schen­ken wird. Das ist der Inhalt der Bot­schaft Jesu; das ist der wesent­li­che Inhalt.

Das Wort, das Chris­tus spricht, ent­hüllt und ver­hüllt die Wirk­lich­keit Got­tes. Es nimmt teil am Geheim­ni­s­cha­rak­ter der Men­schwer­dung Christi. Daß die­ser Dop­pel­cha­rak­ter dem Worte Christi anhaf­tet, erken­nen wir daran, wenn er in Gleich­nis­sen spricht. Die Gleich­nisse die­nen ein­mal dazu, durch anschau­li­che Bil­der den Men­schen eine Ahnung vom Got­tes­rei­che zu ver­mit­teln. Doch die Gleich­nisse haben noch eine andere Bedeu­tung. Sie sol­len denen, die gläu­big sind, den Weg zur Wahr­heit Got­tes bah­nen. Aber sie sol­len auch denen, die sich ver­schlie­ßen, unver­ständ­lich blei­ben. Das Wort Christi ist ein ver­bind­li­ches Wort, denn es ist das Wort des Herrn. Die Men­schen sind also gehal­ten, es nicht nur zu hören, son­dern ihm zu gehor­chen. Sie sol­len in die­sem Worte wan­deln; sie sol­len nach die­sem Worte han­deln. Das Wort Christi ist ver­pflich­tend für alle Men­schen. Es ist nicht so, daß es gewis­ser­ma­ßen nur denen ein­geht, die die­selbe Weise des Den­kens und Emp­fin­dens haben, nein, es ist ein Wort, das für alle Men­schen ver­bind­lich ist und ver­bind­lich bleibt. Es ver­liert nichts von sei­ner Gül­tig­keit durch den Zeit­ab­lauf. Seine Worte blei­ben für immer beste­hen; denn er ist der Offen­ba­rer Got­tes, er ist der Leh­rer, der von Gott Kunde bringt. „Gott hat nie­mand geschaut“, heißt es im Johan­nes­evan­ge­lium. „Der Ein­ge­bo­rene, der Gott ist, der im Schoße des Vaters ist, er hat uns Kunde gebracht.“ Und eine weih­nacht­li­che Bot­schaft ist es, wenn im Hebrä­er­brief fei­er­lich die Ver­kün­di­gung anhebt: „Viel­mals und man­nig­fach hat einst Gott zu den Vätern durch die Pro­phe­ten gespro­chen. Jetzt hat er am Ende der Tage zu uns durch sei­nen Sohn gere­det, den er zum Erben über alles gesetzt hat, durch den er auch die Wel­ten geschaf­fen. Er, der Abglanz sei­ner Herr­lich­keit und das Eben­bild sei­nes Wesens, er, der auch das Welt­all trägt durch sein macht­vol­les Wort, hat Erlö­sung von den Sün­den gebracht und sich dann gesetzt zur Rech­ten der Majes­tät in den Höhen, so hoch erha­ben über die Engel, wie sein Name, den er als Erb­teil erhielt, den ihri­gen über­ragt.“

Es wird nicht bestrit­ten, daß es auch andere Offen­ba­rer gege­ben hat. Die Pro­phe­ten waren Trä­ger gött­li­cher Offen­ba­rung, und ihr Wort bleibt gül­tig. Aber sie sind kon­kur­renz­los über­bo­ten durch den Offen­ba­rer, den Gott am Ende der Tage gesandt hat, durch sei­nen Sohn. Er bringt die letzte Offen­ba­rung, die umfas­sendste, die end­gül­tige. Es ist das letzte Wort, das Gott zur Mensch­heit gespro­chen hat; es ist das Schluß­wort. Alles andere, was danach folgt, ist nur Ent­fal­tung die­ses Schluß­wor­tes. Es befreit uns vom Irr­tum. Das ist eine der wich­tigs­ten Funk­tio­nen, die die Ver­kün­di­gung Jesu hat. Sie befreit uns vom Irr­tum, vor allem in reli­giö­sen Din­gen. Wir müs­sen uns frei machen von dem rela­ti­vis­ti­schen Zug, der heute in der Gesell­schaft herrscht, als ob eben Wahr­heit über­all zu fin­den sei. Bruch­stü­cke der Wahr­heit mag es hie und da geben, aber die volle Wahr­heit ist nur bei Chris­tus zu fin­den. Er ist der Strom, auch wenn da und dort Tüm­pel lie­gen. Er ist das Licht, auch wenn da und dort ein Flim­mern ent­ge­gen­scheint. Er ist die Wahr­heit in Per­son als die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes.

Jetzt, meine lie­ben Chris­ten, sehen wir das Geheim­nis Christi. Er ist der Offen­ba­rer des Vaters, weil er der im Men­schen­kleid erschie­nene Got­tes­sohn ist. Wir blei­ben in der Kir­che nicht aus tra­di­tio­na­lis­ti­scher Anhäng­lich­keit, nicht weil wir von unse­ren Eltern in diese Kir­che ein­ge­führt wur­den, nicht weil wir Geschmack haben an gewis­sen reli­giö­sen Zere­mo­nien. Wir blei­ben in die­ser Kir­che, weil sie die Trä­ge­rin und Bür­gin der Wahr­heit ist.

Es war am Ölberge, als der Herr den Lei­dens­kampf kämpfte, und seine Jün­ger diese Stunde ver­schlie­fen. Da trat er zu ihnen und redete: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Das ist ein Wort der Kraft gewe­sen. „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Die­ses Wort ist nie mehr ver­hallt. Das spricht Chris­tus auch heute zu sei­ner Kir­che: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Und da sehen wir das Geheim­nis die­ser Kir­che. Sie ist eine Unzu­läng­lich­keit, sie ist manch­mal ein Ärger­nis. Aber Chris­tus hat zu ihr gesagt: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Wir wol­len zusam­men gehen. Er geht mit sei­ner Kir­che. Und so wol­len wir diese Kir­che nicht ver­las­sen, son­dern wol­len mit ihr wei­ter­zie­hen auf dem Wege, bis wir ange­kom­men sind am Ziele.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May "Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes" www.Glaubenswahrheit.org“