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Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes ..

Die Auf­er­we­ckung – Glaube der Urkir­che

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

An vie­len ver­gan­ge­nen Sonn­ta­gen haben wir uns bemüht, Jesus Chris­tus als den gott­ge­sand­ten Hei­land zu erken­nen und zu erwei­sen. Der Beweis für seine got­tent­stammte Wesens­art und sei­nen gött­li­chen Auf­trag ist viel­ge­stal­tig. Aber kein Ereig­nis ist mäch­ti­ger in sei­ner Beweis­kraft als die Auf­er­ste­hung oder die Auf­er­we­ckung aus dem Grabe. Daß die Urchris­ten­heit an Jesus als den Auf­er­stan­de­nen geglaubt hat, wird von nie­man­dem bezwei­felt. Die Pre­dig­ten des Petrus in der Apos­tel­ge­schichte bezeu­gen ein­deu­tig die Wahr­heit: Jesus Chris­tus ist durch die Macht des Vaters von den Toten erweckt wor­den. In der Pfingst­pre­digt erklärt Petrus: „Ihn hat aber Gott auf­er­weckt, nach­dem er ihn von den Wehen des Todes befreit hatte. Er konnte ja von die­sem unmög­lich fest­ge­hal­ten wer­den. Die­sen Jesus hat Gott auf­er­weckt, des sind wir Zeu­gen. So nehme denn das ganze Haus Israel mit vol­ler Gewiß­heit zur Kennt­nis, daß Gott die­sen Jesus, den ihr gekreu­zigt habt, zum Herrn und Mes­sias gemacht hat.“

Die Auf­er­ste­hung wird von Petrus in eine Linie mit der Kreu­zi­gung und dem Begräb­nis gestellt. Er will damit kund­ma­chen: Die Auf­er­ste­hung ist so real und so his­to­risch, wie es Kreu­zi­gung und Begräb­nis sind. Er ver­kün­det die­selbe Wahr­heit in der Pre­digt im Hause des Cor­ne­lius. „Wir sind Zeu­gen von allem, was er getan im Lande der Juden und zu Jeru­sa­lem. Ihn haben sie getö­tet, indem sie ihn ans Kreu­zes­holz häng­ten. Die­sen erweckte Gott am drit­ten Tage und ließ ihn erschei­nen.“

Die Pre­digt des Petrus wird in vol­lem Umfange vom Völ­ke­ra­pos­tel Pau­lus geteilt. Im 2. Brief an Timo­theus schreibt er: „Denke daran, daß Jesus Chris­tus von den Toten auf­er­stan­den ist, er, der aus dem Samen Davids stammt. Das ist meine Heils­bot­schaft. Dafür erdulde ich Lei­den, ja Fes­seln wie ein Ver­bre­cher.“ „Diese Auf­er­we­ckung ist durch die Macht und Kraft des himm­li­schen Vaters gesche­hen“, schreibt Pau­lus im Brief an die Ephe­ser. „Diese Macht hat Gott an Chris­tus kund­ge­tan, da er ihn von den Toten erweckte und zu sei­ner Rech­ten im Him­mel setzte. Dort thront er nun über alle Herr­schaft, Macht und Gewalt.“ Die bedeu­tendste Stelle frei­lich ist im 15. Kapi­tel des 1. Korin­ther­brie­fes zu fin­den. „Ich mache euch, Brü­der, auf­merk­sam auf die Heils­bot­schaft, die ich euch ver­kün­det habe, die ihr ange­nom­men habt, in der ihr fest­steht. Durch sie wer­det ihr geret­tet, wenn ihr sie genau so fest­hal­tet, wie ich euch ver­kün­det habe; sonst hät­tet ihr ja ver­ge­bens geglaubt. Ich habe euch näm­lich vor allem vor­ge­tra­gen, was auch ich selbst über­kom­men habe, näm­lich daß Chris­tus für unsere Sün­den gestor­ben ist gemäß der Schrift, daß er begra­ben wor­den und am drit­ten Tage wie­der auf­er­stan­den ist gemäß der Schrift.“

Der Inhalt des Auf­er­ste­hungs­glau­bens der Urge­meinde läßt sich in drei Sät­zen zusam­men­fas­sen, näm­lich ers­tens: Der gestor­bene Herr ist wahr­haft zum Leben erweckt wor­den. Die­ses Ereig­nis ist ein ebenso geschicht­li­ches Ereig­nis wie sein Tod und sein Ver­brin­gen in das Grab. Die Rede von der Auf­er­ste­hung ist nicht der Aus­druck für eine über­ge­schicht­li­che Wahr­heit, für die sie die Moder­nis­ten aus­ge­ben wol­len. Die Rede von der Auf­er­ste­hung ist auch nicht ein sym­bo­li­scher Aus­druck für den sich immer wie­der­ho­len­den Vor­gang des Lebens und des Ster­bens in der Natur. Nein, die Auf­er­ste­hung ist so real, so orts- und zeit­ge­bun­den wie der Tod und das Begräb­nis. Zwei­tens: Jesus ist leib­haf­tig auf­er­stan­den. Die Leib­haf­tig­keit wird unter­stri­chen, wenn in der Ver­kün­di­gung der Kir­che immer gesagt wird: „Er ist wahr­haft auf­er­stan­den.“ Also nicht bloß in einem sym­bo­li­schen, über­tra­ge­nen Sinne, son­dern in sei­ner Leib­haftg­keit. Die Zeu­gen beto­nen diese Leib­haf­tig­keit, wenn sie sagen, daß sie Jesus berührt haben, daß sie mit ihm geges­sen haben, daß sie mit ihm getrun­ken haben, daß sie mit ihm gewan­dert sind. Das alles kann man von einem Geist oder von einem Gespenst nicht sagen. Jesus ist leib­haf­tig vom Tode auf­er­weckt wor­den. Pau­lus ist beson­ders viel daran gele­gen, die Leib­haf­tig­keit der Auf­er­ste­hung in sei­nem 1. Korin­ther­brief zu beto­nen. In Korinth waren näm­lich Zwei­fel an der Auf­er­ste­hung des Flei­sches laut gewor­den. Und wie begeg­net Pau­lus die­sen Zwei­feln? Indem er auf einen hin­weist, der leib­haf­tig auf­er­stan­den ist, näm­lich Jesus Chris­tus. Der ganze Beweis im 15. Kapi­tel des 1. Korin­ther­brie­fes hinge in der Luft, wenn Pau­lus nicht der Über­zeu­gung wäre: Jesus ist wahr­haf­tig, leib­haf­tig auf­er­stan­den. Drit­tens: Die Leib­haf­tig­keit des Auf­er­stan­de­nen ist aber ver­schie­den von der irdi­schen Leib­haf­tig­keit. Er ist ein Ver­wan­del­ter. Gesät wird ein ver­wes­li­cher, schwa­cher, irdi­scher Leib; auf­er­weckt wird ein unver­wes­li­cher, herr­li­cher, himm­li­scher Leib. Die­ser Leib ver­mag durch geschlos­sene Türen zu gehen, plötz­lich zu erschei­nen und zu ver­schwin­den. Die Leib­haf­tig­keit des Auf­er­weck­ten ist ver­wan­delt. Das ist der Inhalt des neu­tes­ta­ment­li­chen Glau­bens an die Auf­er­ste­hung. Wie aber ist er ent­stan­den? – Der Glaube an die Auf­er­ste­hung des Herrn ruht auf zwei Säu­len,

1. auf dem lee­ren Grab,

2. auf den Erschei­nun­gen.

Jesus wurde nach sei­nem Tode vom Kreuze abge­nom­men und von Joseph von Ari­mat­häa, der sich den Leich­nam erbe­ten hatte, in ein in Stein gehaue­nes Grab ver­bracht. Er wurde also nicht, wie Goguel und andere behaup­ten, in eine all­ge­meine Ver­bre­cher­grube gewor­fen, nein, er wurde in ein bestimmte, loka­li­sier­ba­res Grab ver­bracht. Es ist das Grab des Joseph von Ari­mat­häa. Als aber am Mor­gen des ers­ten Wochen­ta­ges die Frauen zum Grabe kamen, stell­ten sie fest, daß das Grab geöff­net und der Leich­nam ver­schwun­den war. Das Grab war leer. Der Frauen bemäch­tigte sich das helle Ent­set­zen. Sie waren bestürzt und rat­los, sie stürm­ten zurück nach Jeru­sa­lem. Sie teil­ten ihre Beob­ach­tung den Apos­teln mit. Diese lie­fen hin­aus, zuerst Petrus und Johan­nes. Sie prüf­ten nach, was die Frauen berich­tet hat­ten, und stell­ten ihrer­seits fest: Das Grab war leer! Der Gekreu­zigte, der Begra­bene befand sich nicht mehr an der Stelle, wo man ihn zur Ruhe gebet­tet hatte. Das leere Grab weckte den Glau­ben an die Auf­er­ste­hung nicht. Die Apos­tel waren bestürzt, sie waren rat­los. Sie wuß­ten keine Erklä­rung. Es mußte etwas ande­res dazu kom­men, um sie gewiß zu machen, daß der Tote nicht bloß irgendwo anders hin ver­bracht wor­den sei, son­dern daß er zur Herr­lich­keit des Vaters erhöht wor­den war. Die­ses andere waren die Erschei­nun­gen. Sie sind des­we­gen der Haupt­ge­gen­stand des Angrif­fes der Ungläu­bi­gen, auch der ungläu­bi­gen Theo­lo­gen.

Gegen die Wirk­lich­keit der Erschei­nun­gen wer­den meh­rere Ein­wände vor­ge­bracht. Man sagt, es seien Hal­lu­zi­na­tio­nen, also Ein­bil­dun­gen ohne rea­len äuße­ren Reiz gewe­sen; der Auf­er­ste­hungs­glaube, die Auf­er­ste­hungs­hoff­nung, die Auf­er­ste­hungs­be­geis­te­rung habe diese Hal­lu­zi­na­tio­nen her­vor­ge­bracht, und auf diese Weise seien die Jün­ger zu dem Glau­ben gekom­men, Jesus sei wirk­lich auf­er­weckt wor­den. Wir müs­sen auf diese Vor­würfe ant­wor­ten.

Wenn wir die Psy­che der Apos­tel betrach­ten, dann müs­sen wir sagen: Sie waren nüch­terne Män­ner aus dem Volke, abge­här­tet in See­stür­men und in der Arbeit in der freien, fri­schen Luft. Es waren keine ver­stie­ge­nen Phan­tas­ten, keine Spin­ner, die sich leicht etwas ein­bil­den. Sie waren nicht emp­fäng­lich für Hal­lu­zi­na­tio­nen. Es waren auch Män­ner von ganz ver­schie­de­ner Vor­bil­dung und Geis­tes­art. Sie waren für grup­pen­psy­cho­lo­gi­sche und grup­pen­dy­na­mi­sche Gescheh­nisse nicht emp­fäng­lich. Diese Män­ner waren kein geeig­ne­tes Sub­jekt, um Hal­lu­zi­na­tio­nen aus dem Inne­ren her­vor­zu­trei­ben.

Als die Erschei­nun­gen gescha­hen, haben sich die Apos­tel ganz anders ver­hal­ten, als sich die Men­schen bei Hal­lu­zi­na­tio­nen ver­hal­ten. Bei Hal­lu­zi­na­tio­nen, die aus dem Inne­ren kom­men, voll­zieht sich fol­gen­der Vor­gang: Die Men­schen haben Emp­fin­dun­gen, daß sich etwas ereig­net, daß sie etwas sehen, daß sie etwas spü­ren, und sie wer­den davon über­wäl­tigt. Und erst, wenn sie dann zu sich kom­men, prü­fen sie nach: Was war das eigent­lich? Habe ich mich getäuscht, oder war das eine wirk­li­che Bege­ben­heit außer­halb von mir? Ganz anders bei den Erschei­nun­gen des Auf­er­stan­de­nen. Hier wer­den die Apos­tel und die Emp­fän­ger der Erschei­nun­gen nicht über­wäl­tigt, son­dern sie sehen zunächst etwas ganz ande­res. Als Magda­lena die Erschei­nung des Auf­er­stan­de­nen hat, da meint sie, es sei der Gärt­ner. Die Emmaus-Jün­ger tref­fen einen Wan­de­rer; ihre Augen sind gehal­ten. Sie ver­mö­gen ihn nicht als den Herrn zu erken­nen. Die elf Apos­tel am Oster­abend mei­nen, es sei ein Gespenst, das vor ihnen steht, ein Geist. Und die Jün­ger beim rei­chen Fisch­fang wer­den erst beim Genuß des Fisches gewahr, daß der Herr es ist, der ihnen hier erschie­nen ist. Also ganz anders als bei Hal­lu­zi­na­tio­nen. Die Zeu­gen der Erschei­nun­gen des Auf­er­stan­de­nen sehen zuerst etwas ande­res, und dann prü­fen sie nach; und erst die Nach­prü­fung, erst die Kri­tik an dem, was sie sehen, über­zeugt sie davon, daß es der Herr ist. Diese kri­ti­sche Prü­fung schließt eine psy­cho­gene Ent­ste­hung der Erschei­nun­gen aus.

Wenn die Erschei­nun­gen sub­jek­tive Visio­nen wären, dann müß­ten sie sich unbe­grenzt fort­set­zen. Wer immer den Glau­ben und die Begeis­te­rung hat, der müßte sol­che Hal­lu­zi­na­tio­nen erzeu­gen kön­nen. Ganz anders die Erschei­nun­gen des Herrn. Sie set­zen ein und bre­chen ab. Nach vier­zig Tagen sind sie been­det. Sie sind des­we­gen been­det, weil sie von außen kamen. Eben nicht die Begeis­te­rung, eben nicht der Glaube, eben nicht die Hoff­nung hat sie her­vor­ge­trie­ben, son­dern äußere Ein­wir­kun­gen haben die Zeu­gen davon über­zeugt, daß ihnen hier jemand erscheint, der kein ande­rer ist als der auf­er­weckte Herr und Hei­land.

Die Ungläu­bi­gen sagen: Die Begeis­te­rung, der Glaube, die Hoff­nung bezüg­lich Jesus und sei­nes Wei­ter­le­bens haben die Visio­nen her­vor­ge­trie­ben. Aber, meine lie­ben Freunde, wie ist denn diese Begeis­te­rung, wie ist denn die­ser Glaube ent­stan­den? Hier wird das, was bewie­sen wer­den soll, vor­aus­ge­setzt. Der Glaube war zusam­men­ge­bro­chen. Der Glaube war den Apos­teln durch die Ereig­nisse des Kar­frei­tags erschüt­tert wor­den. Aus die­sem erschüt­ter­ten und zer­trüm­mer­ten Glau­ben konn­ten sub­jek­tive Visio­nen gar nicht her­vor­ge­hen. In ihrem Inne­ren waren sie ver­stört, und sie waren klein­mü­tig und ver­zagt, sie waren depri­miert. Ja, wie soll­ten sol­che Män­ner einen sieg­haf­ten Glau­ben an Chris­tus, den Auf­er­stan­de­nen, gewin­nen, ohne daß etwas von außen und von oben ihnen wider­fah­ren wäre? Ihre ganze Ver­fas­sung läßt nicht zu, daß ihr angeb­li­cher Auf­er­ste­hungs­glaube die Visio­nen erzeugt habe. Dazu hätte es einer lan­gen Zeit bedurft, und die steht nicht zur Ver­fü­gung. Denn am drit­ten Tage ist der Oster­glaube da. Er ist da, weil er von außen und von oben in ihnen auf­er­baut wurde. Nicht der mäch­tige Ein­druck, den Jesus bei ihnen zu Leb­zei­ten hin­ter­las­sen hatte, hat die Auf­er­ste­hungs­hoff­nung her­vor­ge­trie­ben, son­dern allein die Begeg­nung mit dem auf­er­weck­ten Herrn und Hei­land hat sie von der Rea­li­tät der gesche­he­nen Auf­er­ste­hung über­zeugt.

Jesus ist der Leben­dige, weil er durch die Macht des Vaters vom Tode auf­er­weckt wor­den ist. Er hat in sei­nem irdi­schen Leben und nach sei­ner Auf­er­ste­hung den Jün­gern Wei­sun­gen und Leh­ren ver­mit­telt über das Reich Got­tes. Er hat ihnen die Froh­bot­schaft geschenkt und die Wege des Heils gewie­sen. Die ent­schei­dende Frage, die wir uns hier stel­len müs­sen, ist: Ist die Bot­schaft Jesu ein Irr­licht, das die Men­schen blen­det? Ist sie der Traum eines bemit­lei­dens­wer­ten Schwär­mers? Ist sie das Werk der Anma­ßung eines gewis­sen­lo­sen Aben­teu­rers? Die Ant­wort kann nur lau­ten: Jesus Chris­tus ist gekom­men und hat gehan­delt in der Voll­macht und im Auf­trag des himm­li­schen Vaters. Jesus war mäch­tig in Wort und Tat vor Gott und den Men­schen. Gott hat ihn beglau­bigt durch Mach­ter­weise, Wun­der und Zei­chen. Er hat vor allem das große, das Rie­sen­wun­der des Jonas gewirkt zu sei­ner Legi­ti­ma­tion, näm­lich die Auf­er­we­ckung aus dem Grabe.

Jesus Chris­tus ist der Stein, den die Bau­leute ver­wor­fen haben, der aber zum Eck­stein gewor­den ist. In ihm allein ist Heil.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die Auf­er­we­ckung – Glaube der Urkir­che – Kern­punkt des Glau­bens - www.Glaubenswahrheit.org“

Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes ..


Noch ein­mal wol­len wir heute die Frage stel­len: Was dünkt euch von Chris­tus? Wer­den Sie bitte nicht unge­dul­dig und ihrer über­drüs­sig, denn sie ist die Frage aller Fra­gen. Auf diese Frage müs­sen wir eine Ant­wort fin­den, und zwar eine Ant­wort, die stich­hal­tig ist. Wenn Chris­tus nicht der Grund unse­res Lebens ist, dann ist ver­geb­lich unsere Pre­digt, dann ist ver­geb­lich unser Beten, dann ist ver­geb­lich unser Got­tes­dienst. Was dünkt euch von Chris­tus?

Heute wol­len wir die Ant­wort geben: Chris­tus ist der Offen­ba­rer Got­tes. In sei­nem Leben und Wir­ken hat zwei­fel­los das Kreu­zes­op­fer den ers­ten Rang. Aber Chris­tus ist eben nicht nur der Pries­ter, der sich opfert, er ist auch der Leh­rer, der die Wahr­heit Got­tes ver­kün­det. Er ist der Offen­ba­rer. Die unzu­gäng­li­che Wirk­lich­keit Got­tes ist durch ihn zugäng­lich gewor­den. In ihm wen­det der Vater im Him­mel sein Ant­litz der Mensch­heit zu, ja, er ist der auf Erden erschie­nene Gott. Wer von Chris­tus redet und die Gott­heit Christi nicht bekennt, der hat um ihn her­um­ge­re­det. Chris­tus ist der Offen­ba­rer Got­tes, weil er Gott sel­ber ist. Er kommt von Gott, er ist von Gott aus­ge­gan­gen, und er kommt in die Welt, um die Wahr­heit Got­tes den Men­schen zu kün­den. Des­we­gen beharrt er so auf dem Ver­kün­di­gen der Wahr­heit. Er ist die Wahr­heit selbst, und er bringt die Wahr­heit Got­tes, weil er am Her­zen des Vaters geruht hat. Jesus ist die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes. Das Wort Wahr­heit besagt näm­lich nicht nur, daß Jesus nichts Fal­sches sagt; das Wort Wahr­heit besagt, daß in ihm die Wirk­lich­keit Got­tes zugäng­lich ist. Er ist die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes in sei­nem Sein, in sei­nem Wir­ken und in sei­nem Wort. Drei­fach offen­bart er Gott: in sei­ner Per­sön­lich­keit als der mensch­ge­wor­dene Got­tes­sohn, in sei­nem Han­deln als der Herr über die Ele­mente und in sei­nem Reden als die Wahr­heit, die uns in ihm offen­bar ist.

Die Zeit­ge­nos­sen Jesu haben emp­fun­den, daß er anders redet als andere Men­schen. In Kapharnaum, in der Syn­agoge, hatte er gelehrt, und dann wird fest­ge­stellt: „Sie waren betrof­fen über seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Macht hat und nicht wie die Schrift­ge­lehr­ten.“ Ähn­lich berich­tet uns der Evan­ge­list Johan­nes. Die Pries­ter hat­ten den Auf­trag gege­ben, Jesus fest­zu­neh­men, aber nie­mand legte Hand an ihn. Als die Die­ner dann zu den Ober­pries­tern kamen, da frag­ten sie: Warum habt ihr ihn nicht her­ge­führt? Die Die­ner ant­wor­te­ten: „Nie hat ein Mensch so gere­det, wie die­ser Mensch redet.“ Darin ist die Ein­zig­ar­tig­keit der Ver­kün­di­gung Jesu aus­ge­drückt. Er ist die Wahr­heit, weil er die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes ist.

Seine Ver­kün­di­gung ist Weis­heit. Oft und oft in der Hei­li­gen Schrift wird uns berich­tet, daß die Ver­kün­di­gung der Apos­tel nicht eige­nes Gemächte ist, son­dern Weis­heit, die sie von Chris­tus emp­fan­gen haben. „Wir ver­kün­den nicht Men­schen­weis­heit, damit das Kreuz Christi sei­ner Kraft nicht beraubt werde. Denn die Lehre vom Kreuz ist denen, die ver­lo­ren­ge­hen, Tor­heit, uns aber, die selig wer­den, ist sie Got­tes Kraft. Hat Gott nicht die Weis­heit die­ser Welt zur Tor­heit gemacht? Weil die Welt mit ihrer Weis­heit Gott nicht in sei­ner Weis­heit erkannte, hat es Gott gefal­len, durch die Tor­heit der Pre­digt die­je­ni­gen selig zu machen, die glau­ben.“ Das Wort Christi ist Weis­heit. Es ist eine Weis­heit ande­rer Art, als die Men­schen sie erfin­den. Es ist eine Weis­heit, die denen, die nicht glau­ben, wie Unver­stand klingt. Aber es ist eine Weis­heit, die denen, die geret­tet wer­den, Kraft ist, Kraft zum ewi­gen Leben. Die Weis­heit Christi ist der Welt unver­ständ­lich, aber sie ist der Weis­heit der Welt weit über­le­gen, und sie wird von Chris­tus aus­ge­legt. Er erklärt seine Weis­heit ver­bind­lich. In sei­nen Wor­ten legt er aus, wer er ist und was er tut.

Sein Wort ist ein Wort voll Kraft. Immer wie­der erle­ben wir, wie der Herr nur zu spre­chen braucht, und es geschieht. Ein Aus­sät­zi­ger bit­tet ihn, ihn rein zu machen: „Wenn du willst, kannst du mich rein machen.“ Jesus ant­wor­tet: „Ich will. Sei rein!“ Der Haupt­mann ver­zich­tet dar­auf, daß Jesus in sein Haus kommt und sei­nen Knecht gesund macht. „Sprich nur ein Wort – auch aus der Ferne –, so wird mein Knecht gesund.“ Sein Wort ist Macht und Kraft. Sein Wort besitzt sakra­men­tale Bedeu­tung. Was sein Wort spricht, das schafft es.

Der Inhalt sei­ner Bot­schaft ist der fol­gende. Chris­tus ruft das Reich Got­tes aus, und durch sein Aus­ru­fen kommt es her­bei. Er will alle Men­schen in sei­nem Rei­che ver­sam­meln. Der Weg zum Anschluß an ihn ist der Glaube; wer an ihn glaubt, den zieht er in das gött­li­che Leben hin­ein, dem gibt er Anteil an sei­nem Leben. Und wer an ihn glaubt, dem ver­leiht er als Angeld des ewi­gen Lebens sei­nen Geist, und die­ser Geist wirkt in ihm und führt ihn durch die Fähr­nisse die­ser Zeit hin­durch. Der Inhalt der Bot­schaft Jesu ist der wahre Gott und der wahre Mensch. Durch Christi Bot­schaft wis­sen wir, wer Gott ist, und wis­sen wir, was der Mensch ist. Gott ist der drei­per­so­nale; er ist Liebe, aber auch Gerech­tig­keit; er ist Barm­her­zig­keit, aber auch Gericht; er gibt sich den Men­schen mit sei­nem Leibe auf Erden hin, um sie in sein Leben hin­ein­zu­zie­hen. Durch die Ver­kün­di­gung Jesu wird das Got­tes­bild von allem Natur­haf­ten und Natur­ge­bun­de­nen befreit. Es wird auch befreit von aber­gläu­bi­scher Furcht und törich­ter Angst. Ebenso ver­mit­telt uns Chris­tus das wahre Bild vom Men­schen. Der Mensch ist von uner­setz­ba­rem Wert. Er besitzt eine unsterb­li­che Seele. Er kann nie­mals Werk­zeug und Gebrauchs­ge­gen­stand wer­den. Wer diese Ver­kün­di­gung Jesu ernst nimmt, meine lie­ben Freunde, für den ist die Debatte über die Züch­tung von Embryo­nen, um mit ihnen kran­kes Leben zu hei­len, erle­digt; denn er weiß: In die­sen Embryo­nen lebt eine unsterb­li­che Seele, und diese Embryo­nen haben eine nicht dem Men­schen ver­füg­bare Würde. Die Debatte ist damit abge­schlos­sen. Chris­tus gibt uns das wahre Bild vom Men­schen. Der Mensch kommt zu sich selbst nur in der Gemein­schaft, aber er geht nicht in der Gemein­schaft auf. Das Wort ist falsch, das wir zwölf Jahre lang gehört haben: Du bist nichts, dein Volk ist alles. Nein, der Mensch hat eine unver­wech­sel­bare und uner­setz­bare Würde. Er ist nicht nur Atom in einer Gemein­schaft. Und er ist zur Voll­endung bestimmt, die Gott ihm schen­ken wird. Das ist der Inhalt der Bot­schaft Jesu; das ist der wesent­li­che Inhalt.

Das Wort, das Chris­tus spricht, ent­hüllt und ver­hüllt die Wirk­lich­keit Got­tes. Es nimmt teil am Geheim­ni­s­cha­rak­ter der Men­schwer­dung Christi. Daß die­ser Dop­pel­cha­rak­ter dem Worte Christi anhaf­tet, erken­nen wir daran, wenn er in Gleich­nis­sen spricht. Die Gleich­nisse die­nen ein­mal dazu, durch anschau­li­che Bil­der den Men­schen eine Ahnung vom Got­tes­rei­che zu ver­mit­teln. Doch die Gleich­nisse haben noch eine andere Bedeu­tung. Sie sol­len denen, die gläu­big sind, den Weg zur Wahr­heit Got­tes bah­nen. Aber sie sol­len auch denen, die sich ver­schlie­ßen, unver­ständ­lich blei­ben. Das Wort Christi ist ein ver­bind­li­ches Wort, denn es ist das Wort des Herrn. Die Men­schen sind also gehal­ten, es nicht nur zu hören, son­dern ihm zu gehor­chen. Sie sol­len in die­sem Worte wan­deln; sie sol­len nach die­sem Worte han­deln. Das Wort Christi ist ver­pflich­tend für alle Men­schen. Es ist nicht so, daß es gewis­ser­ma­ßen nur denen ein­geht, die die­selbe Weise des Den­kens und Emp­fin­dens haben, nein, es ist ein Wort, das für alle Men­schen ver­bind­lich ist und ver­bind­lich bleibt. Es ver­liert nichts von sei­ner Gül­tig­keit durch den Zeit­ab­lauf. Seine Worte blei­ben für immer beste­hen; denn er ist der Offen­ba­rer Got­tes, er ist der Leh­rer, der von Gott Kunde bringt. „Gott hat nie­mand geschaut“, heißt es im Johan­nes­evan­ge­lium. „Der Ein­ge­bo­rene, der Gott ist, der im Schoße des Vaters ist, er hat uns Kunde gebracht.“ Und eine weih­nacht­li­che Bot­schaft ist es, wenn im Hebrä­er­brief fei­er­lich die Ver­kün­di­gung anhebt: „Viel­mals und man­nig­fach hat einst Gott zu den Vätern durch die Pro­phe­ten gespro­chen. Jetzt hat er am Ende der Tage zu uns durch sei­nen Sohn gere­det, den er zum Erben über alles gesetzt hat, durch den er auch die Wel­ten geschaf­fen. Er, der Abglanz sei­ner Herr­lich­keit und das Eben­bild sei­nes Wesens, er, der auch das Welt­all trägt durch sein macht­vol­les Wort, hat Erlö­sung von den Sün­den gebracht und sich dann gesetzt zur Rech­ten der Majes­tät in den Höhen, so hoch erha­ben über die Engel, wie sein Name, den er als Erb­teil erhielt, den ihri­gen über­ragt.“

Es wird nicht bestrit­ten, daß es auch andere Offen­ba­rer gege­ben hat. Die Pro­phe­ten waren Trä­ger gött­li­cher Offen­ba­rung, und ihr Wort bleibt gül­tig. Aber sie sind kon­kur­renz­los über­bo­ten durch den Offen­ba­rer, den Gott am Ende der Tage gesandt hat, durch sei­nen Sohn. Er bringt die letzte Offen­ba­rung, die umfas­sendste, die end­gül­tige. Es ist das letzte Wort, das Gott zur Mensch­heit gespro­chen hat; es ist das Schluß­wort. Alles andere, was danach folgt, ist nur Ent­fal­tung die­ses Schluß­wor­tes. Es befreit uns vom Irr­tum. Das ist eine der wich­tigs­ten Funk­tio­nen, die die Ver­kün­di­gung Jesu hat. Sie befreit uns vom Irr­tum, vor allem in reli­giö­sen Din­gen. Wir müs­sen uns frei machen von dem rela­ti­vis­ti­schen Zug, der heute in der Gesell­schaft herrscht, als ob eben Wahr­heit über­all zu fin­den sei. Bruch­stü­cke der Wahr­heit mag es hie und da geben, aber die volle Wahr­heit ist nur bei Chris­tus zu fin­den. Er ist der Strom, auch wenn da und dort Tüm­pel lie­gen. Er ist das Licht, auch wenn da und dort ein Flim­mern ent­ge­gen­scheint. Er ist die Wahr­heit in Per­son als die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes.

Jetzt, meine lie­ben Chris­ten, sehen wir das Geheim­nis Christi. Er ist der Offen­ba­rer des Vaters, weil er der im Men­schen­kleid erschie­nene Got­tes­sohn ist. Wir blei­ben in der Kir­che nicht aus tra­di­tio­na­lis­ti­scher Anhäng­lich­keit, nicht weil wir von unse­ren Eltern in diese Kir­che ein­ge­führt wur­den, nicht weil wir Geschmack haben an gewis­sen reli­giö­sen Zere­mo­nien. Wir blei­ben in die­ser Kir­che, weil sie die Trä­ge­rin und Bür­gin der Wahr­heit ist.

Es war am Ölberge, als der Herr den Lei­dens­kampf kämpfte, und seine Jün­ger diese Stunde ver­schlie­fen. Da trat er zu ihnen und redete: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Das ist ein Wort der Kraft gewe­sen. „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Die­ses Wort ist nie mehr ver­hallt. Das spricht Chris­tus auch heute zu sei­ner Kir­che: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Und da sehen wir das Geheim­nis die­ser Kir­che. Sie ist eine Unzu­läng­lich­keit, sie ist manch­mal ein Ärger­nis. Aber Chris­tus hat zu ihr gesagt: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Wir wol­len zusam­men gehen. Er geht mit sei­ner Kir­che. Und so wol­len wir diese Kir­che nicht ver­las­sen, son­dern wol­len mit ihr wei­ter­zie­hen auf dem Wege, bis wir ange­kom­men sind am Ziele.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May "Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes" www.Glaubenswahrheit.org“