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Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes ..

Die Hei­lungs­wun­der Jesu

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Wir waren uns einig: Man kann nicht Christ sein, ohne an Chris­tus zu glau­ben, und zwar nicht in irgend­ei­ner Weise, son­dern in der von der Kir­che unfehl­bar und ver­bind­lich fest­ge­leg­ten Weise an Jesus als den ein­ge­bo­re­nen, den meta­phy­si­schen Sohn Got­tes. Wir haben uns bemüht, den Anspruch Jesu, der in die­sen Dog­men der Kir­che laut wird, aus den Quel­len zu erhe­ben und zu bestä­ti­gen. Wir woll­ten ihn nicht unbe­se­hen über­neh­men, son­dern wir woll­ten uns mit ratio­na­ler Über­le­gung dar­über klar wer­den: Wir sind nicht Mär­chen gefolgt, als wir die Kraft und die Herr­lich­keit Got­tes annah­men, son­dern wir haben uns durch Leben, Wort und Wir­ken Jesu über­zeu­gen las­sen.

Ein beson­de­res Gewicht bei der Bestä­ti­gung des Anspru­ches Jesu haben seine Wun­der. Wir haben an den ver­gan­ge­nen Sonn­ta­gen über die Wirk­lich­keit und Wahr­heit der Wun­der Jesu nach­ge­dacht. Der Unglaube sucht ja immer neue Aus­flüchte, um die Wun­der als rein natür­li­che Gescheh­nisse aus­zu­ge­ben und auf diese Weise den Glau­ben zu zer­trüm­mern. Das ist vor allem bei den Hei­lungs­wun­dern Jesu der Fall. Man sagt, die Hei­lungs­wun­der Jesu seien durch Sug­ges­tion gesche­hen. Sug­ges­tion ist das Her­vor­ru­fen von Emp­fin­dun­gen, Gedan­ken und Erschei­nun­gen in sich selbst oder in einem ande­ren durch see­li­sche Beein­flus­sung. Es gibt in der Medi­zin die Sug­ges­tion. Wir ken­nen die Hyp­nose, wir ken­nen das auto­gene Trai­ning. Mit Hyp­nose kann man vege­ta­tive Stö­run­gen und Span­nungs­zu­stände sowie Schmer­zen, die sich aus kör­per­li­chen Krank­hei­ten erge­ben, und ner­vöse Beschwer­den hei­len. Die Sug­ges­tion ver­mag auf funk­tio­nelle Beschwer­den ein­zu­wir­ken. Aber hat Jesus, der Wun­der­tä­ter, nur funk­tio­nelle Stö­run­gen beho­ben, oder hat er orga­ni­sche Krank­hei­ten geheilt? Wann ist jemals durch Sug­ges­tion hoch­gra­di­ger Mus­kel­schwund, chro­ni­sche Gelen­kaf­fek­tion, fort­ge­schrit­te­ner Aus­satz, ange­bo­rene Blind­heit, aus­ge­bil­dete Was­ser­sucht und gewalt­same Ver­let­zung geheilt wor­den? Wann ist das jemals durch Sug­ges­tion gesche­hen? Jesus hat Krank­hei­ten geheilt, die jeder Sug­ges­tion wider­ste­hen. Er hat sie geheilt nicht durch Ein­re­den auf den zu Hei­len­den, son­dern mit einer blo­ßen Wil­lens­äu­ße­rung, augen­blick­lich, dau­ernd, ohne Vor­be­rei­tung und auf große Ent­fer­nung. Wer diese Hei­lun­gen als Sug­ges­tion aus­ge­ben will, der wider­spricht jeder medi­zi­ni­schen Erfah­rung.

Jesus hat auch nicht den Glau­ben als Sug­ges­ti­ons­be­reit­schaft ver­langt. Gewiß, er hat die bei­den Blin­den gefragt: „Glaubt ihr, daß ich das tun kann?“ Und sie haben geant­wor­tet: „Ja, wir glau­ben es.“ Aber die­ser Glaube war nicht die Bereit­schaft, sich auf den Sug­ges­ti­ons­tech­ni­ker ein­zu­las­sen, son­dern die­ser Glaube war die Bereit­schaft, Got­tes Bot­schaft anzu­neh­men und sich sei­nen Kund­ge­bun­gen zu beu­gen. Das war der Glaube, den Jesus ver­langt hat, ein reli­giö­ser Glaube, nicht eine psy­chi­sche Sug­ges­ti­ons­be­reit­schaft. Das war der Glaube, den der Haupt­mann von Kapharnaum hatte: „Sprich nur ein Wort, dann wird mein Knecht gesund.“ „So einen Glau­ben habe ich in ganz Israel nicht gefun­den!“ Das war der Glaube, den die syro-phö­ni­zi­sche Frau hatte, die um ihre Toch­ter bat. „Geh hin, dein Glaube hat dir gehol­fen! Deine Toch­ter ist gesund.“

Auch die Ver­su­che, die Dämo­nen­aus­trei­bun­gen Jesu zu ent­wer­ten, müs­sen schei­tern. Man sagt: Damals hat man see­li­sche oder geis­tige Krank­hei­ten als Wir­kun­gen von Dämo­nen erklärt – Schi­zo­phre­nie, mani­sches Irre­sein, Epi­lep­sie. Wenn es so wäre, daß man zur Zeit Jesu gewisse geis­tige Krank­hei­ten auf dämo­ni­sche Ein­flüsse zurück­ge­führt und Jesus diese Lei­den geheilt hat, dann sind das eben echte Hei­lungs­wun­der, nicht sug­ges­tive Ver­fah­ren, son­dern echte, durch sei­nen Wil­lens­ent­schluß gesche­hene Hei­lungs­wun­der. Aber nicht alle Dämo­nen­aus­trei­bun­gen las­sen sich so erklä­ren. Jesus ist gekom­men, die Boll­werke des Teu­fels zu zer­stö­ren. Die Boll­werke des Teu­fels sind die Fes­tun­gen, die er mit sei­nen Dämo­nen besetzt hat, die Beses­se­nen, in denen er haust. Der eine, der Beses­sene von Gerasa, lebte in Grab­höh­len und zer­schlug sich mit Fäus­ten und mit Stei­nen die Brust. Die Ket­ten, die man ihm anlegte, zer­riß er. Die­sen Beses­se­nen hat Jesus geheilt. Das war eine Kraft­tat in der Macht des Hei­li­gen Geis­tes. „Wenn ich mit dem Fin­ger Got­tes die Dämo­nen aus­treibe, dann ist ja das Reich Got­tes zu euch gekom­men.“ Wer die Dämo­nen­aus­trei­bun­gen aus dem Leben Jesu streicht, der ver­nich­tet eine ganze Dimen­sion des Heils­auf­tra­ges und des Heils­wir­kens unse­res Hei­lan­des.

Die theo­lo­gi­sche Wahr­heit der Wun­der Jesu liegt offen zutage. Sie sind von Gott gewirkt oder mit sei­nem Bei­stand voll­bracht. Das sieht man schon daran, daß Gott, Gott allein, der Herr über Leben und Tod, Tote aus dem Tode zurück­ru­fen kann. Die Feinde haben die Wun­der Jesu den Dämo­nen zuge­schrie­ben. „Mit Beel­ze­bub, dem obers­ten der Dämo­nen, treibt er die Dämo­nen aus.“ Sie haben Anstoß genom­men, weil er der Sohn des Zim­mer­manns war. Sie haben gesagt: Von ihm weiß man, woher er kommt. Wenn der Mes­sias kommt, weiß nie­mand, woher er stammt. Jesus hat diese Vor­würfe als lächer­lich zurück­ge­wie­sen. „Wenn ich mit Beel­ze­bub, dem obers­ten der Teu­fel, die Teu­fel aus­treibe, dann ist sein Reich gespal­ten.“ Dann geht es zu Ende mit ihm. So töricht ist der Satan nicht, daß er sich selbst zer­stört. Nein, Jesu Dämo­nen­aus­trei­bun­gen als Schau­spie­ler­tricks zu erklä­ren, schei­tert auch daran, daß er eine sitt­lich hoch­ste­hende, eine sitt­lich ein­wand­freie Per­sön­lich­keit war, daß er seine Wun­der ohne Schau­stel­lung und ohne Selbst­sucht wirkte, daß er die Wun­der nicht zur Selbst­dar­stel­lung benutzte. Es fehlt jede Über­heb­lich­keit und Ver­lo­gen­heit, wie sie den Schau­wun­dern von Zau­ber­künst­lern eigen ist. An sei­ner rei­nen und sitt­lich über­le­ge­nen Per­sön­lich­keit schei­tern alle diese Vor­würfe.

Aber der Unglaube gibt sich nicht geschla­gen. Er sagt: Jesus mag ja Wun­der gewirkt haben, aber nicht zur Beglau­bi­gung sei­ner Sen­dung. Er hat sie gewirkt, weil er eben Mit­leid hatte mit den Men­schen, aus Erbar­men und aus Güte. Es sind Ret­tungs­wun­der. Meine lie­ben Freunde, nicht jedes Wun­der mag der Beglau­bi­gung sei­ner Sen­dung gedient haben. Es kann durch­aus sein, daß sein Erbar­men mit den Men­schen, seine Güte das eine oder andere Wun­der ver­an­laßt hat. Aber es gibt eine Menge von Wun­dern, die aus­drück­lich gewirkt wur­den, um seine Sen­dung zu beglau­bi­gen. Das ist vor allem nach dem Johan­nes­evan­ge­lium der Fall. Als er das Wun­der in Kana wirkte, da heißt es am Schluß: „So machte Jesus den Anfang sei­ner Wun­der, und seine Jün­ger glaub­ten an ihn.“ Warum glaub­ten sie an ihn? Ja, weil sie durch das Wun­der über­zeugt wor­den waren von sei­ner Macht und sei­ner gött­li­chen Sen­dung. An vie­len Stel­len weist Jesus selbst dar­auf hin, daß die Wun­der zur Beglau­bi­gung, zur Legi­ti­ma­tion sei­ner Sen­dung und sei­ner Per­son die­nen. „Die Werke, die mir der Vater aus­zu­füh­ren gab, diese Werke, die ich tue, sie geben Zeug­nis über mich, daß der Vater mich gesandt hat.“ Also lau­ter als die Worte, die er sagt, spre­chen die Taten, die er voll­bringt. „Die Werke, die ich im Namen mei­nes Vaters wirke, die geben von mir Zeug­nis.“ Denn sol­che Werke kann nie­mand tun, wenn Gott nicht mit ihm ist. „Glau­bet mir, daß ich im Vater bin, und der Vater in mir ist. Wenn nicht, dann glau­bet doch um der Werke wil­len!“ Die Werke sind es, die die Zuschauer unent­schuld­bar machen. „Wenn ich die Werke mei­nes Vaters nicht tue, so braucht ihr mir nicht zu glau­ben. Hätte ich unter ihnen nicht die Werke voll­bracht, wie sie kein ande­rer voll­bracht hat, so hät­ten sie keine Sünde.“ Die Werke zeu­gen gegen die­je­ni­gen, die sich davon nicht haben über­zeu­gen las­sen.

Das ist nicht nur im Johan­nes­evan­ge­lium der Fall, das man ja immer etwas abwer­tet, weil es das spä­teste, also das jüngste Evan­ge­lium ist, nein, das ist auch aus den syn­op­ti­schen Evan­ge­lien zu bewei­sen. Wir haben es eben heute im Evan­ge­lium gehört. Der im Gefäng­nis ver­wahrte Johan­nes fragt Jesus, ob er der Kom­mende ist, das heißt der vor­aus­ge­sagte Mes­sias. Und Jesus deu­tet dann nicht auf seine Pre­dig­ten, er weist auf seine Taten hin. „Blinde sehen, Lahme gehen, Aus­sät­zige wer­den rein, Taube hören, Tote ste­hen auf, Armen wird Froh­bot­schaft ver­kün­det.“ Die Taten zeu­gen für ihn. Ebenso ist es mit sei­nem Wort über die bei­den Städte Cho­ra­zin und Beth­saida. „Wären in Tyrus und Sidon die Taten gesche­hen, die in Cho­ra­zin und Beth­saida gesche­hen sind, sie hät­ten längst in Sack und Asche Buße getan.“ Und ganz deut­lich wird die Beglau­bi­gungs­kraft sei­ner Wun­der­macht bei der Hei­lung des Gelähm­ten. Er hatte die­sem Manne zunächst die Sün­den ver­ge­ben. Dar­über murr­ten die Anwe­sen­den. „Wie kann die­ser Sün­den ver­ge­ben?“ Um zu bewei­sen, daß er es kann, um zu zei­gen, daß er die Voll­macht besitzt, wirkt er jetzt ein Wun­der, das man beob­ach­ten kann. „Nimm dein Bett und geh nach Hause!“ Und der Mann nahm sein Bett und ging nach Hause. Wer das ver­mag, was man beob­ach­ten kann, näm­lich einen Gelähm­ten durch ein Wort hei­len, der ver­mag auch das andere, was man nicht beob­ach­ten kann, näm­lich Sün­den zu ver­ge­ben.

Gewiß, Jesus hat auch den Wun­der­glau­ben, der immer neue Wun­der ver­langt, geta­delt, hat die Wun­der­sucht des Volkes, das immer wie­der Wun­der sehen will, kor­ri­giert. Er hat sogar den Tho­mas zurecht­ge­wie­sen mit dem Worte: „Selig, die nicht sehen und doch glau­ben.“ Aber das ist alles kein Beweis dage­gen, daß er die Wun­der als Beglau­bi­gung sei­ner Sen­dung ange­se­hen hat. Jesus hat nur die Wun­der­sucht, die Gier nach Sen­sa­tio­nen, das Ver­lan­gen nach Schau­wun­dern und die Ver­su­che, ihn zum Voll­brin­gen von Wun­dern zu zwin­gen, zurück­ge­wie­sen. Er lehnt es ab, Wun­der zu wir­ken, die den Men­schen über­wäl­ti­gen. Die Schau­wun­der, die man am Anfang sei­ner Sen­dung von ihm erwar­tete, hat er nicht gewirkt. Denn die Wun­der sol­len nicht die Gewis­sen zwin­gen, son­dern sie sol­len den Auf­nah­me­be­rei­ten Gewiß­heit dar­über geben, daß seine Sen­dung von Gott beglau­bigt wird. Er hat es auch abge­lehnt, Wun­der zu wir­ken als Bedin­gung des Glau­bens. Das haben die Feinde, die das Kreuz umtanz­ten, ihm ange­son­nen: „Steig herab, dann wol­len wir glau­ben!“ Das war der Ver­such, Gott eine Bedin­gung zu stel­len, eine Bedin­gung für den Glau­ben. Eine sol­che Bedin­gung zu erfül­len, lehnt Jesus ab.

Er tadelt den Tho­mas, als die­ser sagt: „Wenn ich nicht die Wun­den an sei­nen Hän­den sehe und mei­nen Fin­ger dar­ein lege und meine Hand in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ Tho­mas hat damit sei­nen Glau­ben von der eige­nen Erfah­rung abhän­gig gemacht, statt auf die Apos­tel zu hören, die Jesus, den Auf­er­stan­de­nen, gese­hen hat­ten, statt daran zu den­ken, daß er ja selbst Zeuge vie­ler Wun­der Jesu gewor­den war. Jesus erfüllt ihm seine Bitte, aber nur des­we­gen, weil er eigent­lich mehr aus Glück über das uner­war­tete Gesche­hen nicht glau­ben konnte als aus Zwei­fels­sucht. Aber er hat zu ihm tadelnd gesagt: „Selig, die nicht sehen und doch glau­ben!“

Die Wun­der Jesu die­nen der Beglau­bi­gung sei­ner Sen­dung. Aber sie appel­lie­ren auch an die Bereit­schaft im Men­schen zum Glau­ben. Sie erzwin­gen den Glau­ben nicht, son­dern sie stüt­zen ihn. Sie wol­len die Men­schen auf­hor­chen las­sen und zei­gen, daß Gott die Sen­dung, die er in Anspruch genom­men hat, bestä­tigt. Wo die Glau­bens­be­reit­schaft fehlt, wo man sich schon gegen ihn ent­schie­den hat, da wirkt er keine Wun­der. In sei­ner Hei­mat­stadt Naza­reth war es so. „Woher hat der da – der da! – die Weis­heit und die Wun­der­kräfte? Ist er nicht des Zim­mer­manns Sohn?“ Und er konnte daselbst keine Wun­der wir­ken; nicht, weil seine Macht nicht aus­ge­reicht hätte, son­dern weil die Glau­bens­be­reit­schaft fehlte.

So ist es auch heute. Wer Augen hat, zu sehen, der sieht. Wem aber die Augen ver­schlos­sen sind, der ver­mag nicht zu sehen. „Jeder, der das Böse tut, haßt das Licht und kommt nicht ans Licht.“ Er kommt nicht ans Licht, damit seine bösen Werke nicht auf­ge­deckt wer­den. Wer nicht will, dem ver­mö­gen auch die Wun­der nicht den Glau­ben zu ver­mit­teln. Jesus hat es ein­mal im Gleich­nis vom rei­chen Pras­ser und vom armen Laza­rus gesagt: „Die, die auf Abra­ham nicht hören, wür­den sich auch nicht bekeh­ren, wenn einer von den Toten zurück­käme.“

Wahr­haf­tig, meine lie­ben Freunde. Wir wol­len uns an Niko­de­mus hal­ten, der am Abend zu Jesus kam und sagte: „Rabbi, wir wis­sen, daß du ein gott­ge­sand­ter Leh­rer bist; denn nie­mand kann die Wun­der wir­ken, die du wirkst, wenn Gott nicht mit ihm ist.“

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die Hei­lungs­wun­der Jesu - www.Glaubenswahrheit.org“

Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes ..


Noch ein­mal wol­len wir heute die Frage stel­len: Was dünkt euch von Chris­tus? Wer­den Sie bitte nicht unge­dul­dig und ihrer über­drüs­sig, denn sie ist die Frage aller Fra­gen. Auf diese Frage müs­sen wir eine Ant­wort fin­den, und zwar eine Ant­wort, die stich­hal­tig ist. Wenn Chris­tus nicht der Grund unse­res Lebens ist, dann ist ver­geb­lich unsere Pre­digt, dann ist ver­geb­lich unser Beten, dann ist ver­geb­lich unser Got­tes­dienst. Was dünkt euch von Chris­tus?

Heute wol­len wir die Ant­wort geben: Chris­tus ist der Offen­ba­rer Got­tes. In sei­nem Leben und Wir­ken hat zwei­fel­los das Kreu­zes­op­fer den ers­ten Rang. Aber Chris­tus ist eben nicht nur der Pries­ter, der sich opfert, er ist auch der Leh­rer, der die Wahr­heit Got­tes ver­kün­det. Er ist der Offen­ba­rer. Die unzu­gäng­li­che Wirk­lich­keit Got­tes ist durch ihn zugäng­lich gewor­den. In ihm wen­det der Vater im Him­mel sein Ant­litz der Mensch­heit zu, ja, er ist der auf Erden erschie­nene Gott. Wer von Chris­tus redet und die Gott­heit Christi nicht bekennt, der hat um ihn her­um­ge­re­det. Chris­tus ist der Offen­ba­rer Got­tes, weil er Gott sel­ber ist. Er kommt von Gott, er ist von Gott aus­ge­gan­gen, und er kommt in die Welt, um die Wahr­heit Got­tes den Men­schen zu kün­den. Des­we­gen beharrt er so auf dem Ver­kün­di­gen der Wahr­heit. Er ist die Wahr­heit selbst, und er bringt die Wahr­heit Got­tes, weil er am Her­zen des Vaters geruht hat. Jesus ist die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes. Das Wort Wahr­heit besagt näm­lich nicht nur, daß Jesus nichts Fal­sches sagt; das Wort Wahr­heit besagt, daß in ihm die Wirk­lich­keit Got­tes zugäng­lich ist. Er ist die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes in sei­nem Sein, in sei­nem Wir­ken und in sei­nem Wort. Drei­fach offen­bart er Gott: in sei­ner Per­sön­lich­keit als der mensch­ge­wor­dene Got­tes­sohn, in sei­nem Han­deln als der Herr über die Ele­mente und in sei­nem Reden als die Wahr­heit, die uns in ihm offen­bar ist.

Die Zeit­ge­nos­sen Jesu haben emp­fun­den, daß er anders redet als andere Men­schen. In Kapharnaum, in der Syn­agoge, hatte er gelehrt, und dann wird fest­ge­stellt: „Sie waren betrof­fen über seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Macht hat und nicht wie die Schrift­ge­lehr­ten.“ Ähn­lich berich­tet uns der Evan­ge­list Johan­nes. Die Pries­ter hat­ten den Auf­trag gege­ben, Jesus fest­zu­neh­men, aber nie­mand legte Hand an ihn. Als die Die­ner dann zu den Ober­pries­tern kamen, da frag­ten sie: Warum habt ihr ihn nicht her­ge­führt? Die Die­ner ant­wor­te­ten: „Nie hat ein Mensch so gere­det, wie die­ser Mensch redet.“ Darin ist die Ein­zig­ar­tig­keit der Ver­kün­di­gung Jesu aus­ge­drückt. Er ist die Wahr­heit, weil er die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes ist.

Seine Ver­kün­di­gung ist Weis­heit. Oft und oft in der Hei­li­gen Schrift wird uns berich­tet, daß die Ver­kün­di­gung der Apos­tel nicht eige­nes Gemächte ist, son­dern Weis­heit, die sie von Chris­tus emp­fan­gen haben. „Wir ver­kün­den nicht Men­schen­weis­heit, damit das Kreuz Christi sei­ner Kraft nicht beraubt werde. Denn die Lehre vom Kreuz ist denen, die ver­lo­ren­ge­hen, Tor­heit, uns aber, die selig wer­den, ist sie Got­tes Kraft. Hat Gott nicht die Weis­heit die­ser Welt zur Tor­heit gemacht? Weil die Welt mit ihrer Weis­heit Gott nicht in sei­ner Weis­heit erkannte, hat es Gott gefal­len, durch die Tor­heit der Pre­digt die­je­ni­gen selig zu machen, die glau­ben.“ Das Wort Christi ist Weis­heit. Es ist eine Weis­heit ande­rer Art, als die Men­schen sie erfin­den. Es ist eine Weis­heit, die denen, die nicht glau­ben, wie Unver­stand klingt. Aber es ist eine Weis­heit, die denen, die geret­tet wer­den, Kraft ist, Kraft zum ewi­gen Leben. Die Weis­heit Christi ist der Welt unver­ständ­lich, aber sie ist der Weis­heit der Welt weit über­le­gen, und sie wird von Chris­tus aus­ge­legt. Er erklärt seine Weis­heit ver­bind­lich. In sei­nen Wor­ten legt er aus, wer er ist und was er tut.

Sein Wort ist ein Wort voll Kraft. Immer wie­der erle­ben wir, wie der Herr nur zu spre­chen braucht, und es geschieht. Ein Aus­sät­zi­ger bit­tet ihn, ihn rein zu machen: „Wenn du willst, kannst du mich rein machen.“ Jesus ant­wor­tet: „Ich will. Sei rein!“ Der Haupt­mann ver­zich­tet dar­auf, daß Jesus in sein Haus kommt und sei­nen Knecht gesund macht. „Sprich nur ein Wort – auch aus der Ferne –, so wird mein Knecht gesund.“ Sein Wort ist Macht und Kraft. Sein Wort besitzt sakra­men­tale Bedeu­tung. Was sein Wort spricht, das schafft es.

Der Inhalt sei­ner Bot­schaft ist der fol­gende. Chris­tus ruft das Reich Got­tes aus, und durch sein Aus­ru­fen kommt es her­bei. Er will alle Men­schen in sei­nem Rei­che ver­sam­meln. Der Weg zum Anschluß an ihn ist der Glaube; wer an ihn glaubt, den zieht er in das gött­li­che Leben hin­ein, dem gibt er Anteil an sei­nem Leben. Und wer an ihn glaubt, dem ver­leiht er als Angeld des ewi­gen Lebens sei­nen Geist, und die­ser Geist wirkt in ihm und führt ihn durch die Fähr­nisse die­ser Zeit hin­durch. Der Inhalt der Bot­schaft Jesu ist der wahre Gott und der wahre Mensch. Durch Christi Bot­schaft wis­sen wir, wer Gott ist, und wis­sen wir, was der Mensch ist. Gott ist der drei­per­so­nale; er ist Liebe, aber auch Gerech­tig­keit; er ist Barm­her­zig­keit, aber auch Gericht; er gibt sich den Men­schen mit sei­nem Leibe auf Erden hin, um sie in sein Leben hin­ein­zu­zie­hen. Durch die Ver­kün­di­gung Jesu wird das Got­tes­bild von allem Natur­haf­ten und Natur­ge­bun­de­nen befreit. Es wird auch befreit von aber­gläu­bi­scher Furcht und törich­ter Angst. Ebenso ver­mit­telt uns Chris­tus das wahre Bild vom Men­schen. Der Mensch ist von uner­setz­ba­rem Wert. Er besitzt eine unsterb­li­che Seele. Er kann nie­mals Werk­zeug und Gebrauchs­ge­gen­stand wer­den. Wer diese Ver­kün­di­gung Jesu ernst nimmt, meine lie­ben Freunde, für den ist die Debatte über die Züch­tung von Embryo­nen, um mit ihnen kran­kes Leben zu hei­len, erle­digt; denn er weiß: In die­sen Embryo­nen lebt eine unsterb­li­che Seele, und diese Embryo­nen haben eine nicht dem Men­schen ver­füg­bare Würde. Die Debatte ist damit abge­schlos­sen. Chris­tus gibt uns das wahre Bild vom Men­schen. Der Mensch kommt zu sich selbst nur in der Gemein­schaft, aber er geht nicht in der Gemein­schaft auf. Das Wort ist falsch, das wir zwölf Jahre lang gehört haben: Du bist nichts, dein Volk ist alles. Nein, der Mensch hat eine unver­wech­sel­bare und uner­setz­bare Würde. Er ist nicht nur Atom in einer Gemein­schaft. Und er ist zur Voll­endung bestimmt, die Gott ihm schen­ken wird. Das ist der Inhalt der Bot­schaft Jesu; das ist der wesent­li­che Inhalt.

Das Wort, das Chris­tus spricht, ent­hüllt und ver­hüllt die Wirk­lich­keit Got­tes. Es nimmt teil am Geheim­ni­s­cha­rak­ter der Men­schwer­dung Christi. Daß die­ser Dop­pel­cha­rak­ter dem Worte Christi anhaf­tet, erken­nen wir daran, wenn er in Gleich­nis­sen spricht. Die Gleich­nisse die­nen ein­mal dazu, durch anschau­li­che Bil­der den Men­schen eine Ahnung vom Got­tes­rei­che zu ver­mit­teln. Doch die Gleich­nisse haben noch eine andere Bedeu­tung. Sie sol­len denen, die gläu­big sind, den Weg zur Wahr­heit Got­tes bah­nen. Aber sie sol­len auch denen, die sich ver­schlie­ßen, unver­ständ­lich blei­ben. Das Wort Christi ist ein ver­bind­li­ches Wort, denn es ist das Wort des Herrn. Die Men­schen sind also gehal­ten, es nicht nur zu hören, son­dern ihm zu gehor­chen. Sie sol­len in die­sem Worte wan­deln; sie sol­len nach die­sem Worte han­deln. Das Wort Christi ist ver­pflich­tend für alle Men­schen. Es ist nicht so, daß es gewis­ser­ma­ßen nur denen ein­geht, die die­selbe Weise des Den­kens und Emp­fin­dens haben, nein, es ist ein Wort, das für alle Men­schen ver­bind­lich ist und ver­bind­lich bleibt. Es ver­liert nichts von sei­ner Gül­tig­keit durch den Zeit­ab­lauf. Seine Worte blei­ben für immer beste­hen; denn er ist der Offen­ba­rer Got­tes, er ist der Leh­rer, der von Gott Kunde bringt. „Gott hat nie­mand geschaut“, heißt es im Johan­nes­evan­ge­lium. „Der Ein­ge­bo­rene, der Gott ist, der im Schoße des Vaters ist, er hat uns Kunde gebracht.“ Und eine weih­nacht­li­che Bot­schaft ist es, wenn im Hebrä­er­brief fei­er­lich die Ver­kün­di­gung anhebt: „Viel­mals und man­nig­fach hat einst Gott zu den Vätern durch die Pro­phe­ten gespro­chen. Jetzt hat er am Ende der Tage zu uns durch sei­nen Sohn gere­det, den er zum Erben über alles gesetzt hat, durch den er auch die Wel­ten geschaf­fen. Er, der Abglanz sei­ner Herr­lich­keit und das Eben­bild sei­nes Wesens, er, der auch das Welt­all trägt durch sein macht­vol­les Wort, hat Erlö­sung von den Sün­den gebracht und sich dann gesetzt zur Rech­ten der Majes­tät in den Höhen, so hoch erha­ben über die Engel, wie sein Name, den er als Erb­teil erhielt, den ihri­gen über­ragt.“

Es wird nicht bestrit­ten, daß es auch andere Offen­ba­rer gege­ben hat. Die Pro­phe­ten waren Trä­ger gött­li­cher Offen­ba­rung, und ihr Wort bleibt gül­tig. Aber sie sind kon­kur­renz­los über­bo­ten durch den Offen­ba­rer, den Gott am Ende der Tage gesandt hat, durch sei­nen Sohn. Er bringt die letzte Offen­ba­rung, die umfas­sendste, die end­gül­tige. Es ist das letzte Wort, das Gott zur Mensch­heit gespro­chen hat; es ist das Schluß­wort. Alles andere, was danach folgt, ist nur Ent­fal­tung die­ses Schluß­wor­tes. Es befreit uns vom Irr­tum. Das ist eine der wich­tigs­ten Funk­tio­nen, die die Ver­kün­di­gung Jesu hat. Sie befreit uns vom Irr­tum, vor allem in reli­giö­sen Din­gen. Wir müs­sen uns frei machen von dem rela­ti­vis­ti­schen Zug, der heute in der Gesell­schaft herrscht, als ob eben Wahr­heit über­all zu fin­den sei. Bruch­stü­cke der Wahr­heit mag es hie und da geben, aber die volle Wahr­heit ist nur bei Chris­tus zu fin­den. Er ist der Strom, auch wenn da und dort Tüm­pel lie­gen. Er ist das Licht, auch wenn da und dort ein Flim­mern ent­ge­gen­scheint. Er ist die Wahr­heit in Per­son als die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes.

Jetzt, meine lie­ben Chris­ten, sehen wir das Geheim­nis Christi. Er ist der Offen­ba­rer des Vaters, weil er der im Men­schen­kleid erschie­nene Got­tes­sohn ist. Wir blei­ben in der Kir­che nicht aus tra­di­tio­na­lis­ti­scher Anhäng­lich­keit, nicht weil wir von unse­ren Eltern in diese Kir­che ein­ge­führt wur­den, nicht weil wir Geschmack haben an gewis­sen reli­giö­sen Zere­mo­nien. Wir blei­ben in die­ser Kir­che, weil sie die Trä­ge­rin und Bür­gin der Wahr­heit ist.

Es war am Ölberge, als der Herr den Lei­dens­kampf kämpfte, und seine Jün­ger diese Stunde ver­schlie­fen. Da trat er zu ihnen und redete: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Das ist ein Wort der Kraft gewe­sen. „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Die­ses Wort ist nie mehr ver­hallt. Das spricht Chris­tus auch heute zu sei­ner Kir­che: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Und da sehen wir das Geheim­nis die­ser Kir­che. Sie ist eine Unzu­läng­lich­keit, sie ist manch­mal ein Ärger­nis. Aber Chris­tus hat zu ihr gesagt: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Wir wol­len zusam­men gehen. Er geht mit sei­ner Kir­che. Und so wol­len wir diese Kir­che nicht ver­las­sen, son­dern wol­len mit ihr wei­ter­zie­hen auf dem Wege, bis wir ange­kom­men sind am Ziele.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May "Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes" www.Glaubenswahrheit.org“