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Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes ..

Die Wun­der­ta­ten Jesu

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Das Leben Jesu war im buch­stäb­li­chen Sinne ein wun­der­ba­res Leben. Die Wun­der, die das Leben Jesu beglei­ten, stam­men ent­we­der vom Vater im Him­mel oder sie wur­den von Jesus selbst gewirkt. Der Wun­der­s­tern, der den Weg zur Krippe wies, die Erd­be­ben, die das erschüt­ternde Ster­ben des Got­tes­soh­nes beglei­te­ten, wur­den vom Vater im Him­mel bewirkt. Aber Jesus selbst war auch ein Wun­der­tä­ter. An 20 Stel­len der Hei­li­gen Schrift wird davon gespro­chen, daß Jesus Zei­chen und Wun­der getan hat. Ins­ge­samt zählt man in den Evan­ge­lien 35 Wun­der Jesu. Alle Evan­ge­lis­ten berich­ten von der Brot­ver­meh­rung. Drei Evan­ge­lis­ten mel­den 12 Wun­der, zwei berich­ten von 6 Wun­dern, und die übri­gen wer­den nur jeweils von einem Evan­ge­lis­ten uns über­lie­fert. Zu den Wun­dern gehö­rem 3 Toten­er­we­ckun­gen, 9 Natur­wun­der, und viele Kran­ken­hei­lun­gen und Dämo­nen­aus­trei­bun­gen.

Gegen die Wun­der steht das Ratio­na­lis­ten­dogma auf: Es kann keine Wun­der geben. Ange­fan­gen von libe­ra­len Pro­tes­tan­ten wie Adolf von Har­nack bis zu den die Wun­der leug­nen­den soge­nann­ten katho­li­schen Theo­lo­gen der Gegen­wart gibt es eine erheb­li­che Schar von „Schrift­ge­lehr­ten“, wel­che die Wun­der schlecht­hin bestrei­ten. Sie geben ganz offen zu: nicht, weil die Quel­len sie nicht berich­ten, son­dern weil nach ihrer Mei­nung Wun­der nicht mög­lich sind.

Die Wun­der sind mit den Evan­ge­lien eng ver­knüpft. Man kann sie nicht her­aus­lö­sen, ohne die Evan­ge­lien zu zer­stö­ren. Man kann die Wun­der nicht als ein­ge­streute Stü­cke bezeich­nen, die man ohne Scha­den für das Ganze ent­fer­nen könnte. Die Wun­der sind mit Auf­bau, Zweck und Cha­rak­ter der Evan­ge­lien aufs engste ver­knüpft. Mit dem Auf­bau. Die Evan­ge­lien sind eben aus zwei Mas­sen gebil­det, näm­lich aus dem Redestoff und aus dem Taten­stoff. Die Wun­der sind mit dem Zweck der Evan­ge­lien eng ver­bun­den. Der Zweck ist näm­lich, zu zei­gen, daß Jesus der Mes­sias ist. Er kann aber nur der Mes­sias sein, wenn er sich auch als Mes­sias ver­hal­ten hat, nicht nur, wenn er als Mes­sias gere­det hat. Die Wun­der sind schließ­lich auch mit dem Cha­rak­ter der Evan­ge­lien ver­floch­ten; es sind näm­lich Augen­zeu­gen­be­richte, und von den Augen­zeu­gen gilt: „Wir kön­nen nicht von dem schwei­gen, was wir gese­hen und gehört haben.“ Wer die Wun­der ver­wirft, der muß die Evan­ge­lien ver­wer­fen.

Die Wun­der sind auch mit den Reden Jesu aufs engste ver­knüpft, und des­we­gen muß man sagen: Wer die Wun­der zurück­weist, muß auch die Reden Jesu zurück­wei­sen. Jesus benutzt näm­lich die Wun­der, um an sie anknüp­fend den Volks­mas­sen oder den Apos­teln Leh­ren zu unter­brei­ten. Er benutzt sie auch als Beweis für seine Leh­ren. Nach dem rei­chen Fisch­fang erklärt er den Apos­teln, daß er sie zu Men­schen­fi­schern machen werde. Als Johan­nes die Frage stellt, ob er der Mes­sias sei, da sagt er nicht: Ja, das bin ich, son­dern da sagt er: Seht auf die Taten! „Blinde sehen, Lahme gehen, Aus­sät­zige wer­den rein, Taube hören, Tote ste­hen auf, Armen wird Heils­bot­schaft ver­kün­det, und Heil dem, der sich an mir nicht ärgert!“ Die bei­den Städte Cho­ra­zin und Beth­saida wer­den vom Herrn des­we­gen mit einem Wehe­ruf bedacht, weil in ihnen so viele Wun­der gesche­hen sind. „Weh dir, Cho­ra­zin! Weh dir, Beth­saida! Denn wenn zu Tyrus und Sidon (in den heid­ni­schen Las­ter­städ­ten) die Wun­der gesche­hen wären, die bei euch gesche­hen sind, längst hät­ten sie in Sack und Asche Buße getan.“ Ja, wie kann er so etwas sagen, wenn in Cho­ra­zin und Beth­saida keine Wun­der gesche­hen wären, auf­se­hen­er­re­gende, uner­hörte Wun­der? Auch die Dis­pute mit den Pha­ri­sä­ern und Schrift­ge­lehr­ten las­sen sich nur erklä­ren, wenn sich die Hei­lun­gen Jesu am Sab­bat tat­säch­lich zuge­tra­gen haben. Denn sie sind ja der Anlaß für die Streit­ge­sprä­che.

Ganz eng ist die Ver­knüp­fung zwi­schen Brot­ver­meh­rungs­wun­der und eucha­ris­ti­scher Rede. Der Herr will den Apos­teln klar­ma­chen, daß er ihnen wirk­lich sein Fleisch geben kann, er, der eine, den vie­len. Wie kann er das bewei­sen? Er beweist es damit, daß er aus den weni­gen Bro­ten eine unab­seh­bare Menge speist. Der Schluß liegt nahe: Wer das kann, näm­lich eine große Menge mit weni­gen Bro­ten sät­ti­gen, der kann auch das andere, näm­lich mit sei­nem ver­klär­ten Leib eine unab­seh­bare Menge für das ewige Leben spei­sen.

Die Wun­der Jesu sind sodann ganz eng mit sei­nem Leben ver­knüpft. Die Gefolg­schaft, die er bei sei­nen Jün­gern fand, und die Anhäng­lich­keit der Mas­sen las­sen sich nur erklä­ren, wenn er nicht nur ein Pre­di­ger, son­dern auch ein Wun­der­tä­ter war. Und tat­säch­lich wird in den Evan­ge­lien oft und oft bezeugt, daß es gerade die Wun­der­ta­ten waren, die das Volk von sei­ner mes­sia­ni­schen Würde über­zeugt haben. Als er das Wun­der der Ver­wand­lung von Was­ser in Wein in Kana wirkte, da bemerkt der Evan­ge­list Johan­nes: „So wirkte Jesus sein ers­tes Wun­der, offen­barte dadurch seine Herr­lich­keit, und seine Jün­ger glaub­ten an ihn.“ Also der Glaube kam aus dem Wun­der, aus dem Erle­ben des Wun­ders. An einer ande­ren Stelle berich­tet der Evan­ge­list Johan­nes, warum die Mas­sen des Volkes ihn umdräng­ten. „Eine große Menge folgte ihm, da sie die Wun­der sahen, die er an den Kran­ken wirkte.“ Und ein ander­mal spra­chen die Men­schen: „Kann wohl der Mes­sias, wenn er kommt, mehr Wun­der wir­ken als die­ser tut?“ Sie bega­ben sich zu dem auf­er­weck­ten Laza­rus, weil sie das Wun­der nach­prü­fen woll­ten. Viele Juden gin­gen zu dem Laza­rus hin und glaub­ten an Jesus, weil sie die Bestä­ti­gung sahen von dem Ruf, der ihm vor­aus­ging, näm­lich daß er den Laza­rus ins Leben zurück­ge­ru­fen hatte. Als Jesus den Jüng­ling von Naim ins Leben rief, da spra­chen die Volks­mas­sen: „Ein gro­ßer Pro­phet ist unter uns auf­ge­stan­den, und Gott hat sein Volk heim­ge­sucht.“ Die Heim­su­chung geschah durch das Auf­tre­ten Jesu und durch die­ses uner­hörte Wun­der.

Auch die Geg­ner Jesu haben die Wun­der Jesu als Tat­sa­chen ange­nom­men. Sie haben sich über­zeugt gezeigt, daß er ein Wun­der­tä­ter sei. Als man dem Vier­fürs­ten Hero­des von Jesu Auf­tre­ten berich­tete, da sagte er: „Johan­nes der Täu­fer ist auf­er­stan­den, und darum wir­ken die Wun­der­kräfte in ihm.“ Wir wis­sen, daß er, als ihm Jesus im Pro­zeß vor­ge­führt wurde, ein Wun­der von Jesus sehen wollte, denn er hatte eben schon von sei­ner Wun­der­tä­tig­keit gehört. Ebenso haben die Pha­ri­säer und Schrift­ge­lehr­ten sich von der Tat­säch­lich­keit der Wun­der Jesu über­zeugt gezeigt. „Was tun wir, da die­ser Mann viele Wun­der wirkt?“ Sie waren rat­los, denn diese Wun­der haben eben die Mas­sen für ihn begeis­tert und gewon­nen. Die Feinde Jesu haben die Wun­der Jesu nicht geleug­net. Sie haben sie nur ver­kehrt erklärt. „Durch Beel­ze­bul, den obers­ten der Teu­fel, treibt er die Teu­fel aus.“ Also die Teu­fel­aus­trei­bun­gen selbst waren ihnen gewiß, aber sie schrie­ben sie dem bösen Geist zu, nicht dem guten, von dem Jesus geführt war.

Beson­de­rer Bezweif­lung unter­lie­gen die Natur­wun­der Jesu. Sie wer­den von den moder­nis­ti­schen Schrift­ge­lehr­ten durch die Bank abge­lehnt. Die Natur­wun­der Jesu, meine lie­ben Chris­ten, sind his­to­risch genauso gut beglau­bigt wie alle ande­ren Wun­der Jesu. Es besteht über­haupt kein Anlaß, eine irgend­wie gear­tete Unter­schei­dung zwi­schen von Jesus gewirk­ten Natur­wun­dern und ande­ren zu machen. Man ist groß­zü­gig auf sei­ten der Moder­nis­ten. Man sagt: Durch seine Sug­ges­tiv­kraft kann Jesus Kranke geheilt haben. Durch seine Sug­ges­tiv­kraft, also durch den star­ken Ein­druck sei­ner Per­sön­lich­keit! Ja, meine lie­ben Freunde, Sug­ges­tiv­kraft ist keine Wun­der­macht. Durch Sug­ges­tiv­kraft erzeugte Hei­lun­gen sind keine Wun­der­ta­ten. Das kön­nen andere auch. Vor über 40 Jah­ren trat in Mün­chen der Herr Grö­ning auf, der sich als Wun­der­tä­ter aus­gab und durch sei­nen star­ren Blick und durch seine Gewandt­heit angeb­lich – wie sich spä­ter her­aus­stellte, ohne nach­hal­ti­gen Erfolg – Men­schen heilte. Sug­ges­tion ist keine Wun­der­macht. Gegen die Natur­wun­der kön­nen keine Argu­mente bei­ge­bracht wer­den, solange man die Texte, die davon berich­ten, ernst­nimmt. Con­tra facta non valent argu­menta – Es las­sen sich gegen Tat­sa­chen keine Gründe vor­brin­gen. Tat­sa­chen muß man hin­neh­men, denn Tat­sa­chen sind, wie Lenin ein­mal sagte, „hart­nä­ckige Dinge“. Aber diese Moder­nis­ten kon­stru­ie­ren sich von vorn­her­ein ein Bild von Jesus ohne seine Wun­der­tä­tig­keit. Wenn er ein Mensch wie alle ande­ren ist, dann kann er auch keine Wun­der gewirkt haben. Aber das ist er gerade nicht. Es ist eben in die­sem Naza­re­ner ein­mal und ein ein­zi­ges Mal die Welt Got­tes in die Welt der Men­schen ein­ge­bro­chen, und des­we­gen gibt es diese Wun­der­ta­ten. Man kann sie des­we­gen auch nicht ver­glei­chen mit den angeb­li­chen Wun­der­ta­ten, die von anti­ken Heroen, von Apol­lo­nius von Tyana, von Kai­ser Ves­pa­sian usw. berich­tet wer­den. Denn das sind Legen­den. Das sind erfun­dene Geschich­ten. Für diese angeb­li­chen Wun­der­ta­ten ist nie­mand in den Tod gegan­gen – wie die Apos­tel. Also der Ver­such, durch reli­gi­ons­ge­schicht­li­che Ver­glei­che die Wun­der­ta­ten Jesu zu ent­wer­ten, wie es mei­net­we­gen Wein­reich und Fie­big tun, die­ser Ver­such ist rest­los zum Schei­tern ver­ur­teilt.

Man sucht eine andere Aus­flucht. Man sagt: Ja, die Evan­ge­lien wur­den all­mäh­lich durch Wun­der­ta­ten Jesu ange­rei­chert. Zunächst sind wenige dage­we­sen, dann hat man immer mehr erfun­den und diese Wun­der­ta­ten Jesus zuge­schrie­ben. Aus die­sem Wachs­tum der Über­lie­fe­rung erkennt man ihre Unge­schicht­lich­keit. Meine lie­ben Chris­ten, das älteste Evan­ge­lium ist jenes des Mar­kus. Das jüngste ist das Evan­ge­lium des Johan­nes. Das älteste Evan­ge­lium, näm­lich das des Mar­kus, berich­tet viel mehr Wun­der­ta­ten als das Evan­ge­lium des Johan­nes. Also nicht eine Zunahme, son­dern, wenn man will, eine Abnahme von Wun­der­ta­ten ist in den Evan­ge­lien zu kon­sta­tie­ren. Das Mar­ku­sevan­ge­lium ist das Evan­ge­lium der Wun­der­ta­ten Jesu.

Die ganze Auf­ma­chung der Evan­ge­lien spricht für die Echt­heit. Da wird nicht geprahlt, und da fehlt jede Selbst­ver­herr­li­chung. Da wird keine phan­ta­sie­volle Aus­schmü­ckung vor­ge­nom­men und keine legen­den­hafte Stei­ge­rung. Nein, schlicht und ein­fach wer­den die Fak­ten hin­ge­setzt. Und viele ein­zelne Züge tra­gen den Cha­rak­ter der Echt­heit. Es wer­den die Namen genannt. Der Blinde von Jeri­cho hieß Bar­ti­mäus; der Syn­ago­gen­vor­ste­her, des­sen Töch­ter­lein Jesus vom Tode zurück­ge­ru­fen hat, hieß Jai­rus; der Mann, den er vom Tode erweckt hatte, hieß Laza­rus. Ja, das sind doch his­to­ri­sche Namen! Man konnte sie nach­prü­fen, man konnte Fami­li­en­for­schung betrei­ben, und da würde man auf diese Namen sto­ßen und fest­stel­len, ob sich diese Ereig­nisse zuge­tra­gen haben oder nicht. So weit sind die Evan­ge­lien von den Ursprün­gen nicht ent­fernt.

Auch die Quel­len, die außer­halb der Evan­ge­lien ste­hen, berich­ten uns von der Wun­der­tä­tig­keit Jesu. Ich erwähne die Pre­dig­ten des Petrus. Sie sind älter als die Auf­zeich­nung der Evan­ge­lien. Petrus beweist die Mes­sia­ni­tät Jesu nicht mit der Wahr­heit sei­ner Lehre, son­dern er beweist sie mit sei­nen Macht- und Wun­der­ta­ten. „Ihr Män­ner aus Israel, hört diese Worte! Jesus, der Naza­re­ner, einen Mann von sei­ten Got­tes bei euch beglau­bigt durch Mach­ter­weise, Wun­der und Zei­chen, die Gott durch ihn unter euch wirkte, wie ihr selbst wißt, den habt ihr aus­ge­lie­fert.“ An einer ande­ren Stelle wie­der die­selbe Argu­men­ta­ti­ons­weise: „Die­ser ist aller Herr. Ihr wißt, wel­ches Ereig­nis sich zuge­tra­gen hat im gan­zen Juden­land, ange­fan­gen von Gali­läa nach der Taufe, die Johan­nes pre­digte, wie Gott ihn, Jesus von Naza­reth, salbte mit Hei­li­gem Geiste und Kraft, wie er umher­zog, Wohl­ta­ten spen­dete und alle vom Teu­fel Über­wäl­tig­ten heilte.“

Auch andere Quel­len bezeu­gen die Wun­der­tä­tig­keit Jesu, auch jüdi­sche Quel­len. Der Tal­mud bestrei­tet nicht, daß Jesus Wun­der­ta­ten gewirkt hat, aber sagt: Er wirkte sie durch Zau­be­rei. Auch Fla­vius Jose­phus hat ein kla­res Zeug­nis für die Wun­der­tä­tig­keit Jesu. In der ers­ten Hälfte des 3. Jahr­hun­derts lebte in Afrika der Bischof Qua­dra­tus. Er bezeugt aus die­ser Zeit, daß die Erin­ne­rung an Jesu Mach­ter­weise durch­aus noch bei den Zeit­ge­nos­sen, die es von ihren Vor­fah­ren erzählt bekom­men hat­ten, leben­dig war. Ja sogar Cel­sus, der grim­mige Feind des Chris­ten­tums, räumt die Wun­der Jesu ein. Nur erklärt er sie durch den Ein­fluß von Dämo­nen.

Meine lie­ben Freunde, wir haben kei­nen Anlaß, auch nur eines der Wun­der Jesu als unhis­to­risch zu bezeich­nen, auch nur eines aus dem Evan­ge­lium zu strei­chen. Nach dem rei­chen Fisch­fang fiel Petrus vor Jesus auf die Knie und sagte: „Herr, geh weg von mir, ich bin ein sün­di­ger Mensch!“ Er wollte damit sei­nen Klein­glau­ben beken­nen. Aber Petrus hat zum Glau­ben gefun­den. Nach der wun­der­ba­ren Brot­ver­meh­rung sprach der­selbe Petrus zu Jesus: „Wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Hei­lige Got­tes bist.“

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die Wun­der­ta­ten Jesu - www.Glaubenswahrheit.org“

Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes ..


Noch ein­mal wol­len wir heute die Frage stel­len: Was dünkt euch von Chris­tus? Wer­den Sie bitte nicht unge­dul­dig und ihrer über­drüs­sig, denn sie ist die Frage aller Fra­gen. Auf diese Frage müs­sen wir eine Ant­wort fin­den, und zwar eine Ant­wort, die stich­hal­tig ist. Wenn Chris­tus nicht der Grund unse­res Lebens ist, dann ist ver­geb­lich unsere Pre­digt, dann ist ver­geb­lich unser Beten, dann ist ver­geb­lich unser Got­tes­dienst. Was dünkt euch von Chris­tus?

Heute wol­len wir die Ant­wort geben: Chris­tus ist der Offen­ba­rer Got­tes. In sei­nem Leben und Wir­ken hat zwei­fel­los das Kreu­zes­op­fer den ers­ten Rang. Aber Chris­tus ist eben nicht nur der Pries­ter, der sich opfert, er ist auch der Leh­rer, der die Wahr­heit Got­tes ver­kün­det. Er ist der Offen­ba­rer. Die unzu­gäng­li­che Wirk­lich­keit Got­tes ist durch ihn zugäng­lich gewor­den. In ihm wen­det der Vater im Him­mel sein Ant­litz der Mensch­heit zu, ja, er ist der auf Erden erschie­nene Gott. Wer von Chris­tus redet und die Gott­heit Christi nicht bekennt, der hat um ihn her­um­ge­re­det. Chris­tus ist der Offen­ba­rer Got­tes, weil er Gott sel­ber ist. Er kommt von Gott, er ist von Gott aus­ge­gan­gen, und er kommt in die Welt, um die Wahr­heit Got­tes den Men­schen zu kün­den. Des­we­gen beharrt er so auf dem Ver­kün­di­gen der Wahr­heit. Er ist die Wahr­heit selbst, und er bringt die Wahr­heit Got­tes, weil er am Her­zen des Vaters geruht hat. Jesus ist die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes. Das Wort Wahr­heit besagt näm­lich nicht nur, daß Jesus nichts Fal­sches sagt; das Wort Wahr­heit besagt, daß in ihm die Wirk­lich­keit Got­tes zugäng­lich ist. Er ist die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes in sei­nem Sein, in sei­nem Wir­ken und in sei­nem Wort. Drei­fach offen­bart er Gott: in sei­ner Per­sön­lich­keit als der mensch­ge­wor­dene Got­tes­sohn, in sei­nem Han­deln als der Herr über die Ele­mente und in sei­nem Reden als die Wahr­heit, die uns in ihm offen­bar ist.

Die Zeit­ge­nos­sen Jesu haben emp­fun­den, daß er anders redet als andere Men­schen. In Kapharnaum, in der Syn­agoge, hatte er gelehrt, und dann wird fest­ge­stellt: „Sie waren betrof­fen über seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Macht hat und nicht wie die Schrift­ge­lehr­ten.“ Ähn­lich berich­tet uns der Evan­ge­list Johan­nes. Die Pries­ter hat­ten den Auf­trag gege­ben, Jesus fest­zu­neh­men, aber nie­mand legte Hand an ihn. Als die Die­ner dann zu den Ober­pries­tern kamen, da frag­ten sie: Warum habt ihr ihn nicht her­ge­führt? Die Die­ner ant­wor­te­ten: „Nie hat ein Mensch so gere­det, wie die­ser Mensch redet.“ Darin ist die Ein­zig­ar­tig­keit der Ver­kün­di­gung Jesu aus­ge­drückt. Er ist die Wahr­heit, weil er die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes ist.

Seine Ver­kün­di­gung ist Weis­heit. Oft und oft in der Hei­li­gen Schrift wird uns berich­tet, daß die Ver­kün­di­gung der Apos­tel nicht eige­nes Gemächte ist, son­dern Weis­heit, die sie von Chris­tus emp­fan­gen haben. „Wir ver­kün­den nicht Men­schen­weis­heit, damit das Kreuz Christi sei­ner Kraft nicht beraubt werde. Denn die Lehre vom Kreuz ist denen, die ver­lo­ren­ge­hen, Tor­heit, uns aber, die selig wer­den, ist sie Got­tes Kraft. Hat Gott nicht die Weis­heit die­ser Welt zur Tor­heit gemacht? Weil die Welt mit ihrer Weis­heit Gott nicht in sei­ner Weis­heit erkannte, hat es Gott gefal­len, durch die Tor­heit der Pre­digt die­je­ni­gen selig zu machen, die glau­ben.“ Das Wort Christi ist Weis­heit. Es ist eine Weis­heit ande­rer Art, als die Men­schen sie erfin­den. Es ist eine Weis­heit, die denen, die nicht glau­ben, wie Unver­stand klingt. Aber es ist eine Weis­heit, die denen, die geret­tet wer­den, Kraft ist, Kraft zum ewi­gen Leben. Die Weis­heit Christi ist der Welt unver­ständ­lich, aber sie ist der Weis­heit der Welt weit über­le­gen, und sie wird von Chris­tus aus­ge­legt. Er erklärt seine Weis­heit ver­bind­lich. In sei­nen Wor­ten legt er aus, wer er ist und was er tut.

Sein Wort ist ein Wort voll Kraft. Immer wie­der erle­ben wir, wie der Herr nur zu spre­chen braucht, und es geschieht. Ein Aus­sät­zi­ger bit­tet ihn, ihn rein zu machen: „Wenn du willst, kannst du mich rein machen.“ Jesus ant­wor­tet: „Ich will. Sei rein!“ Der Haupt­mann ver­zich­tet dar­auf, daß Jesus in sein Haus kommt und sei­nen Knecht gesund macht. „Sprich nur ein Wort – auch aus der Ferne –, so wird mein Knecht gesund.“ Sein Wort ist Macht und Kraft. Sein Wort besitzt sakra­men­tale Bedeu­tung. Was sein Wort spricht, das schafft es.

Der Inhalt sei­ner Bot­schaft ist der fol­gende. Chris­tus ruft das Reich Got­tes aus, und durch sein Aus­ru­fen kommt es her­bei. Er will alle Men­schen in sei­nem Rei­che ver­sam­meln. Der Weg zum Anschluß an ihn ist der Glaube; wer an ihn glaubt, den zieht er in das gött­li­che Leben hin­ein, dem gibt er Anteil an sei­nem Leben. Und wer an ihn glaubt, dem ver­leiht er als Angeld des ewi­gen Lebens sei­nen Geist, und die­ser Geist wirkt in ihm und führt ihn durch die Fähr­nisse die­ser Zeit hin­durch. Der Inhalt der Bot­schaft Jesu ist der wahre Gott und der wahre Mensch. Durch Christi Bot­schaft wis­sen wir, wer Gott ist, und wis­sen wir, was der Mensch ist. Gott ist der drei­per­so­nale; er ist Liebe, aber auch Gerech­tig­keit; er ist Barm­her­zig­keit, aber auch Gericht; er gibt sich den Men­schen mit sei­nem Leibe auf Erden hin, um sie in sein Leben hin­ein­zu­zie­hen. Durch die Ver­kün­di­gung Jesu wird das Got­tes­bild von allem Natur­haf­ten und Natur­ge­bun­de­nen befreit. Es wird auch befreit von aber­gläu­bi­scher Furcht und törich­ter Angst. Ebenso ver­mit­telt uns Chris­tus das wahre Bild vom Men­schen. Der Mensch ist von uner­setz­ba­rem Wert. Er besitzt eine unsterb­li­che Seele. Er kann nie­mals Werk­zeug und Gebrauchs­ge­gen­stand wer­den. Wer diese Ver­kün­di­gung Jesu ernst nimmt, meine lie­ben Freunde, für den ist die Debatte über die Züch­tung von Embryo­nen, um mit ihnen kran­kes Leben zu hei­len, erle­digt; denn er weiß: In die­sen Embryo­nen lebt eine unsterb­li­che Seele, und diese Embryo­nen haben eine nicht dem Men­schen ver­füg­bare Würde. Die Debatte ist damit abge­schlos­sen. Chris­tus gibt uns das wahre Bild vom Men­schen. Der Mensch kommt zu sich selbst nur in der Gemein­schaft, aber er geht nicht in der Gemein­schaft auf. Das Wort ist falsch, das wir zwölf Jahre lang gehört haben: Du bist nichts, dein Volk ist alles. Nein, der Mensch hat eine unver­wech­sel­bare und uner­setz­bare Würde. Er ist nicht nur Atom in einer Gemein­schaft. Und er ist zur Voll­endung bestimmt, die Gott ihm schen­ken wird. Das ist der Inhalt der Bot­schaft Jesu; das ist der wesent­li­che Inhalt.

Das Wort, das Chris­tus spricht, ent­hüllt und ver­hüllt die Wirk­lich­keit Got­tes. Es nimmt teil am Geheim­ni­s­cha­rak­ter der Men­schwer­dung Christi. Daß die­ser Dop­pel­cha­rak­ter dem Worte Christi anhaf­tet, erken­nen wir daran, wenn er in Gleich­nis­sen spricht. Die Gleich­nisse die­nen ein­mal dazu, durch anschau­li­che Bil­der den Men­schen eine Ahnung vom Got­tes­rei­che zu ver­mit­teln. Doch die Gleich­nisse haben noch eine andere Bedeu­tung. Sie sol­len denen, die gläu­big sind, den Weg zur Wahr­heit Got­tes bah­nen. Aber sie sol­len auch denen, die sich ver­schlie­ßen, unver­ständ­lich blei­ben. Das Wort Christi ist ein ver­bind­li­ches Wort, denn es ist das Wort des Herrn. Die Men­schen sind also gehal­ten, es nicht nur zu hören, son­dern ihm zu gehor­chen. Sie sol­len in die­sem Worte wan­deln; sie sol­len nach die­sem Worte han­deln. Das Wort Christi ist ver­pflich­tend für alle Men­schen. Es ist nicht so, daß es gewis­ser­ma­ßen nur denen ein­geht, die die­selbe Weise des Den­kens und Emp­fin­dens haben, nein, es ist ein Wort, das für alle Men­schen ver­bind­lich ist und ver­bind­lich bleibt. Es ver­liert nichts von sei­ner Gül­tig­keit durch den Zeit­ab­lauf. Seine Worte blei­ben für immer beste­hen; denn er ist der Offen­ba­rer Got­tes, er ist der Leh­rer, der von Gott Kunde bringt. „Gott hat nie­mand geschaut“, heißt es im Johan­nes­evan­ge­lium. „Der Ein­ge­bo­rene, der Gott ist, der im Schoße des Vaters ist, er hat uns Kunde gebracht.“ Und eine weih­nacht­li­che Bot­schaft ist es, wenn im Hebrä­er­brief fei­er­lich die Ver­kün­di­gung anhebt: „Viel­mals und man­nig­fach hat einst Gott zu den Vätern durch die Pro­phe­ten gespro­chen. Jetzt hat er am Ende der Tage zu uns durch sei­nen Sohn gere­det, den er zum Erben über alles gesetzt hat, durch den er auch die Wel­ten geschaf­fen. Er, der Abglanz sei­ner Herr­lich­keit und das Eben­bild sei­nes Wesens, er, der auch das Welt­all trägt durch sein macht­vol­les Wort, hat Erlö­sung von den Sün­den gebracht und sich dann gesetzt zur Rech­ten der Majes­tät in den Höhen, so hoch erha­ben über die Engel, wie sein Name, den er als Erb­teil erhielt, den ihri­gen über­ragt.“

Es wird nicht bestrit­ten, daß es auch andere Offen­ba­rer gege­ben hat. Die Pro­phe­ten waren Trä­ger gött­li­cher Offen­ba­rung, und ihr Wort bleibt gül­tig. Aber sie sind kon­kur­renz­los über­bo­ten durch den Offen­ba­rer, den Gott am Ende der Tage gesandt hat, durch sei­nen Sohn. Er bringt die letzte Offen­ba­rung, die umfas­sendste, die end­gül­tige. Es ist das letzte Wort, das Gott zur Mensch­heit gespro­chen hat; es ist das Schluß­wort. Alles andere, was danach folgt, ist nur Ent­fal­tung die­ses Schluß­wor­tes. Es befreit uns vom Irr­tum. Das ist eine der wich­tigs­ten Funk­tio­nen, die die Ver­kün­di­gung Jesu hat. Sie befreit uns vom Irr­tum, vor allem in reli­giö­sen Din­gen. Wir müs­sen uns frei machen von dem rela­ti­vis­ti­schen Zug, der heute in der Gesell­schaft herrscht, als ob eben Wahr­heit über­all zu fin­den sei. Bruch­stü­cke der Wahr­heit mag es hie und da geben, aber die volle Wahr­heit ist nur bei Chris­tus zu fin­den. Er ist der Strom, auch wenn da und dort Tüm­pel lie­gen. Er ist das Licht, auch wenn da und dort ein Flim­mern ent­ge­gen­scheint. Er ist die Wahr­heit in Per­son als die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes.

Jetzt, meine lie­ben Chris­ten, sehen wir das Geheim­nis Christi. Er ist der Offen­ba­rer des Vaters, weil er der im Men­schen­kleid erschie­nene Got­tes­sohn ist. Wir blei­ben in der Kir­che nicht aus tra­di­tio­na­lis­ti­scher Anhäng­lich­keit, nicht weil wir von unse­ren Eltern in diese Kir­che ein­ge­führt wur­den, nicht weil wir Geschmack haben an gewis­sen reli­giö­sen Zere­mo­nien. Wir blei­ben in die­ser Kir­che, weil sie die Trä­ge­rin und Bür­gin der Wahr­heit ist.

Es war am Ölberge, als der Herr den Lei­dens­kampf kämpfte, und seine Jün­ger diese Stunde ver­schlie­fen. Da trat er zu ihnen und redete: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Das ist ein Wort der Kraft gewe­sen. „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Die­ses Wort ist nie mehr ver­hallt. Das spricht Chris­tus auch heute zu sei­ner Kir­che: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Und da sehen wir das Geheim­nis die­ser Kir­che. Sie ist eine Unzu­läng­lich­keit, sie ist manch­mal ein Ärger­nis. Aber Chris­tus hat zu ihr gesagt: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Wir wol­len zusam­men gehen. Er geht mit sei­ner Kir­che. Und so wol­len wir diese Kir­che nicht ver­las­sen, son­dern wol­len mit ihr wei­ter­zie­hen auf dem Wege, bis wir ange­kom­men sind am Ziele.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May "Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes" www.Glaubenswahrheit.org“