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Wer ver­meint zu ste­hen, der achte dar­auf, dass

Wer ver­meint zu ste­hen, der achte dar­auf ....

Wer ver­meint zu ste­hen, der achte dar­auf, dass er nicht falle

Der Apos­tel Pau­lus erinnert an vor­bild­li­che, war­nende Bei­spiele des Alten Bun­des. Das alte Got­tes­volk Israel emp­fing auf seine Weise Got­tes Wohl­ta­ten, und doch wur­den nicht alle Israe­li­ten geret­tet. So kann auch den Chris­ten Taufe und Her­ren­mahl keine abso­lute Heils­ge­wiss­heit ver­schaf­fen. Es bedarf ernst­li­cher Anstren­gung und tap­fe­ren Kamp­fes, um das Heil zu erlan­gen; jedes fal­sche Selbst­ver­trauen ist aus­ge­schlos­sen. So ergeht die War­nung an die Chris­ten: „Wer meint zu ste­hen, gebe acht, dass er nicht falle.“ Wor­auf muss man ach­ten, dass man nicht fällt? Die Wir­kur­sa­che der Sünde ist allein der freie Wille des Men­schen. Keine innere oder äußere Macht kann ihn zwin­gen, Böses zu tun. Aber der Mensch unter­liegt man­nig­fa­cher Ein­flüs­sen, Anrei­zen, die für ihn Ver­an­las­sung zur Sünde sein kön­nen. Es gibt innere und äußere Anreize zur Sünde. Innere Anreize sind die unge­ord­nete Begier­lich­keit, die ver­schul­dete Unwis­sen­heit in sitt­li­chen Din­gen, die durch wie­der­hol­tes Sün­di­gen erzeugte Gewohn­heit. Äußere Anreize sind die Welt – inso­fern sie im Argen liegt, der Teu­fel, die böse Gele­gen­heit und die Ver­su­chung. Die böse Gele­gen­heit, meine lie­ben Freunde, soll der Gegen­stand unse­rer heu­ti­gen Über­le­gun­gen sein.

Die böse Gele­gen­heit besteht in äuße­ren Ver­hält­nis­sen, die dem Men­schen Anlass zur Sünde wer­den oder seine unge­ord­nete Begier­lich­keit wecken. Die Gele­gen­heit zur Sünde ist noch keine Ver­su­chung, denn die Ver­su­chung kommt von innen, die Gele­gen­heit von außen. Aber sie ist die Quelle von mög­li­chen Ver­su­chun­gen. Die nächste Gele­gen­heit besteht darin, dass die äuße­ren Ver­hält­nisse so gear­tet sind, dass die Gefahr zu sün­di­gen sehr groß ist. Das ist die nächste Gele­gen­heit. Wer fort­wäh­rend schlechte Bücher und Zeit­schrif­ten liest, kann sich deren Beein­flus­sung schwer­lich ent­zie­hen. Er wird all­mäh­lich die Ansich­ten und Ver­hal­tens­wei­sen über­neh­men, die er in die­sen Büchern und Zeit­schrif­ten gefun­den hat. Ich habe ein­mal einen Medi­zin­pro­fes­sor in Mainz getrof­fen, der mir sagte: „Ich lese gern Por­no­gra­phie.“ Por­no­gra­phie ist die Dar­stel­lung sexu­el­ler Akte mit der Absicht, sexu­elle Reiz­wir­kun­gen aus­zu­üben. Eine nächste Gele­gen­heit ist der unge­zü­gelte Fern­seh­kon­sum. Ich kann im Fern­se­hen Beleh­rung und Unter­hal­tung suchen – das ist zuläs­sig. Aber ich kann auch Belus­ti­gung oder Erre­gung der sinn­li­chen Lei­den­schaf­ten suchen; und das gibt es im Fern­se­hen ja in rei­chem Maße. Es hängt von mir ab, was ich mir ansehe. Wenn ich nicht auf­passe und stark bin, wer­den mich auf­rei­zende Bil­der und Gescheh­nisse in Erre­gung und Sin­nes­tau­mel ver­set­zen. Die Sug­ges­tiv­kraft der Bil­der ist stark. Das ist die nächste Gele­gen­heit zur Sünde. Die ent­fernte Gele­gen­heit besagt, dass die äuße­ren Ver­hält­nisse die Sünde mög­lich, aber nicht wahr­schein­lich machen. Wäh­rend des letz­ten Krie­ges rich­tete die Wehr­machts­füh­rung für die Sol­da­ten Bor­delle ein – Wehr­machts­bor­delle. Nie­mand wurde gezwun­gen, sie auf­zu­su­chen. Wer von ihnen Gebrauch machte, der tat es frei­wil­lig. Aber die Gele­gen­heit zur Sünde war gebo­ten. Oder den­ken wir an die Kauf­häu­ser und Groß­märkte. Da sind Waren in rei­cher Fülle aus­ge­brei­tet. Es ist so leicht, sich ohne Bezah­lung zu bedie­nen. Und wir wis­sen, dass Her­ren und Damen aller Gesell­schafts­schich­ten die­ser Ver­su­chung oder bes­ser die­ser Gele­gen­heit erlie­gen. Die nächste Gele­gen­heit kann so gear­tet sein, dass sie an und für sich, also ver­möge ihrer Natur, zur Sünde ver­lei­tet. Das Lesen reli­gi­ons- und sit­ten­feind­li­cher Bücher ist für jeden Men­schen eine Gele­gen­heit zur Sünde. Die Kir­che hatte frü­her ein Ver­zeich­nis ver­bo­te­ner Bücher auf­ge­stellt, und ich habe es immer für segens­reich gehal­ten, aber es wurde nach dem Kon­zil abge­schafft. Wer sich einer homo­se­xu­el­len Ver­ei­ni­gung anschließt, wird ohne Schwie­rig­keit zu homo­se­xu­el­ler Tätig­keit ver­an­lasst wer­den. Meine lie­ben Freunde, es fällt mir schwer, es aus­zu­spre­chen, aber ich muss es sagen: Der gesamte Öku­me­nis­mus ist eine Gele­gen­heit zum Abfall von der katho­li­schen Kir­che. Ich möchte nicht miss­ver­stan­den wer­den: Wir ach­ten und lie­ben unsere nicht­ka­tho­li­schen Mit­brü­der und Mit­schwes­tern, aber unsere Ach­tung und Liebe ver­pflich­tet uns, alles daran zu set­zen, dass sie eine Hei­mat in unse­rer Kir­che fin­den. Grö­ße­res und Bes­se­res kön­nen wir ihnen nicht bie­ten. Wieso und warum ist der Öku­me­nis­mus eine nächste Gele­gen­heit zur Sünde? Er ver­wischt den unauf­heb­ba­ren Gegen­satz zwi­schen der katho­li­schen Kir­che und den Abspal­tun­gen von ihr. Er erweckt den Anschein, die katho­li­sche Kir­che und die nicht­ka­tho­li­schen Gemein­schaf­ten seien gleich­wer­tige und gleich­be­rech­tigte For­men des Chris­ten­tums. Er lädt ein zum Über­gang vom katho­li­schen Glau­ben zur nicht­ka­tho­li­schen Gemein­schaft, denn die machen es „bil­li­ger“. Im Pro­tes­tan­tis­mus gibt es kein Pries­ter­tum. Dort kann man mit schwe­ren Sün­den das Abend­mahl emp­fan­gen. Ja, die Leute wer­den ein­ge­la­den, mit schwe­rer Sünde zum Abend­mahl zu gehen. Im Pro­tes­tan­tis­mus herrscht sexu­elle Frei­heit. Ehe­schei­dung und noch­ma­lige Ver­hei­ra­tung sind gestat­tet; wie viele evan­ge­li­sche Pfar­rer sind zum zwei­ten Mal ver­hei­ra­tet. Es ist leich­ter, pro­tes­tan­tisch zu sein. Es besteht die Gefahr, dass katho­li­sche Chris­ten die Fol­ge­rung zie­hen, alle diese Dinge seien auch für sie zuläs­sig, „denn es ist heute nicht mehr so schlimm“, so sagen die Leute nach dem Kon­zil, „es ist ja alles nicht mehr so schlimm“, d.h. wir brau­chen das Chris­ten­tum nicht mehr ernst zu neh­men. Der Vor­sit­zende des Rates der evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land, Schnei­der, ist von sei­nem Amt zurück­ge­tre­ten. Der Vor­sit­zende der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, Erz­bi­schof Marx, zeigte sich davon sehr betrof­fen, denn er habe Schnei­der und seine Frau „als auf­merk­same Gesprächs­part­ner und treue Weg­be­glei­ter geschätzt“ – treue Weg­be­glei­ter. Der erwähnte Schnei­der ist ver­ant­wort­lich für ein Papier, in dem ein Ver­ständ­nis von Ehe und Fami­lie vor­ge­tra­gen wird, das der bib­li­schen Schöp­fungs­ord­nung wider­spricht. Schnei­der för­derte auch die dia­bo­li­sche Gen­der­ideo­lo­gie. Die Posi­tion die­ses Man­nes stellt eine Ver­höh­nung der bib­li­schen Schöp­fungs­ord­nung dar. Aber das hin­dert den Kar­di­nal Marx nicht, ihn als treuen Weg­be­glei­ter zu schät­zen. Dass die­ser Weg in den Abgrund führt, das hätte er auch sagen müs­sen! Denkt er nicht an die Gefahr der Anste­ckung? Spürt er nicht, dass diese Äuße­rung als Emp­feh­lung für die irri­gen Ansich­ten Schnei­ders ver­stan­den wer­den kann? Die nächste Gele­gen­heit kann auch so gestal­tet sein, dass sie nur mit Rück­sicht auf bestimmte Men­schen, wegen derer per­sön­li­chen Beschaf­fen­heit und wegen der von ihnen gemach­ten Erfah­run­gen, zur Sünde ver­lei­tet. Die Jugend hat eine starke Auf­nah­me­fä­hig­keit für Lek­türe und Bild und gleich­zei­tig eine beschränkte Urteils­fä­hig­keit. Starke Auf­nah­me­fä­hig­keit und beschränkte Urteils­fä­hig­keit gefähr­den die Jugend. Was für Erwach­sene unbe­denk­lich und gefahr­los sein kann, das kann für Jugend­li­che eine große Gefahr bedeu­ten. Das Wirts­haus ist für Men­schen, die dem Alko­hol erge­ben sind, eine Gele­gen­heit zur Sünde. Man muss also ver­su­chen, sol­che Men­schen vom Wirts­haus fern­zu­hal­ten. Für viele Men­schen ist der Gedanke an eine Selbst­tö­tung aus­ge­schlos­sen, aber labile, furcht­same Men­schen, die leicht in Panik gera­ten, mögen in der Selbst­tö­tung einen Aus­weg aus einer angeb­lich oder wirk­lich aus­sichts­lo­sen Lage sehen. Es besteht die Mög­lich­keit – wie Hans Küng ange­deu­tet hat – es besteht die Mög­lich­keit, in die Schweiz zu fah­ren und sich dort ein Mit­tel geben zu las­sen, das den Ein­tritt des Todes bewirkt – assis­tierte Selbst­tö­tung.

Wenn das Ein­tre­ten oder die Fort­dauer der Gele­gen­heit vom freien Wil­len des Men­schen abhängt, spricht man von der frei­wil­li­gen Gele­gen­heit. Jemand plant einen Aus­flug mit dem Omni­bus. Er weiß, dass bei die­ser Fahrt keine Mög­lich­keit sein wird, an einem Sonn­tags­got­tes­dienst teil­zu­neh­men. Diese Gele­gen­heit hat er frei­wil­lig auf­ge­sucht, die schafft er sich selbst. In einer beson­de­ren Lage sind Ver­liebte und Ver­lobte. Sie kön­nen und sol­len zusam­men­kom­men; sie müs­sen sich ja ken­nen­ler­nen. Aber bei dem an sich zuläs­si­gen Aus­tausch gewis­ser Zärt­lich­kei­ten besteht die Gefahr, dass die Grenze zur geschlecht­li­chen Betä­ti­gung über­schrit­ten wird. Die Ein­ge­hung einer kon­fes­si­ons­ver­schie­de­nen Ehe ist nach allen Erfah­run­gen ein Risiko. Der katho­li­sche Christ ist in Gefahr, die reli­giöse Pra­xis wie Gebet, Besuch des Got­tes­diens­tes, Emp­fang der Sakra­mente auf­zu­ge­ben. Große Gefahr besteht auch für die katho­li­sche Erzie­hung der Kin­der. Erst recht bedenk­lich ist die Ein­ge­hung einer reli­gi­ons­ver­schie­de­nen Ehe. Wer einen Juden oder einen Mus­lim hei­ra­tet, begibt sich in die große Gefahr, in sei­nem Glau­ben lau zu wer­den und ihn zu ver­lie­ren und die Kin­der aus die­ser Ehe an das Juden­tum oder den Islam abzu­ge­ben. Im REWE-Laden von Buden­heim bedient mich eine junge pol­ni­sche Frau; sie hat einen Mus­lim gehei­ra­tet. Das erste Kind wurde noch getauft, das zweite Kind nicht mehr. Wenn die Gele­gen­heit zur Sünde not­wen­dig und unver­meid­lich ist, spricht man von der not­wen­di­gen Gele­gen­heit. Wir Jugend­li­che muss­ten ja in der Nazi­zeit die Schule besu­chen – Schul­pflicht besteht in Deutsch­land und wird rigo­ros durch­ge­setzt. Aber der Unter­richt war – jeden­falls in bestimm­ten Fächern – von der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ideo­lo­gie durch­tränkt. Ich denke etwa an Bio­lo­gie, Geschichte und Deutsch. Aber es war eine not­wen­dige Gele­gen­heit. Wir muss­ten in die Schule gehen. Für die Gegen­wart denke ich an den schu­li­schen Sexu­al­un­ter­richt. Hier wer­den den Kin­dern die ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten und Prak­ti­ken sexu­el­ler Betä­ti­gung vor Augen geführt, ohne dass die ent­spre­chen­den sitt­li­chen Nor­men mit­ge­lehrt wer­den. Es wird den Eltern regel­mä­ßig ver­wehrt sein, ihre Kin­der von die­sem Unter­richt fern zu hal­ten – eine not­wen­dige, eine unver­meid­li­che Gele­gen­heit zum Sün­di­gen.

Es gibt Gele­gen­hei­ten, die dem Men­schen immer nahe sind, ohne dass er sie eigens auf­sucht. An man­chen Dro­ge­rien hän­gen Kon­dom­au­to­ma­ten; jeder­mann kann sich an ihnen bedie­nen. Es gibt aber auch Gele­gen­hei­ten, die erst durch den Men­schen her­bei­ge­führt wer­den. Petrus suchte, als der Herr gefan­gen war, die Gesell­schaft der Feinde Christi im Vor­hof des Hohen­pries­ters ohne Not­wen­dig­keit auf, und er fiel in die Ver­leug­nung. Schlech­ter Umgang oder bes­ser Umgang mit schlech­ten Men­schen ist die häu­figste Ursa­che für den reli­giö­sen und sitt­li­chen Zusam­men­bruch katho­li­scher Chris­ten. Allzu oft bewahr­hei­tet sich der alt­deut­sche Spruch: Mit­ge­gan­gen, mit­ge­fan­gen, mit­ge­han­gen.

Wie ist nun die mora­li­sche Bewer­tung der Gele­gen­heit zum Sün­di­gen? Nun, wer frei­wil­lig die nächste Gele­gen­heit auf­sucht oder fest­hält, der will ent­we­der unmit­tel­bar die Sünde oder ver­traut in ver­mes­se­ner Weise auf Got­tes Gnade oder auf die eigene Kraft. Wer die böse Gele­gen­heit leicht­fer­tig auf­sucht, begeht schon dadurch eine Sünde. Er wird daher von der Gnade Got­tes ver­las­sen und fällt in die Tod­sünde. Die böse Gele­gen­heit lie­ben und in die Sünde fal­len, ist ein und das­selbe. Ich lernte im Jahre 1956 in Mün­chen einen unga­ri­schen Pries­ter ken­nen. Er erzählte mir, er werde fort­wäh­rend von Pro­sti­tu­ier­ten ange­spro­chen. Meine lie­ben Freunde, ich bin viele Jahre in Mün­chen gewe­sen. Ich wurde nicht ein ein­zi­ges Mal von einer Pro­sti­tu­ier­ten ange­spro­chen. Man geht eben nicht dahin, wo man von Pro­sti­tu­ier­ten ange­spro­chen wer­den kann! Die schlechte Presse über­tritt frech die Gebote Got­tes und der Kir­che, zieht den Leser vom Gött­li­chen ab. Die reli­gi­ons­feind­li­che Presse ist der größte Ver­der­ber des katho­li­schen Chris­ten­tums. Die meis­ten Zei­tun­gen sind gefähr­lich für Glaube und Sitte. Den­ken Sie an den „Spie­gel“. Der „Spie­gel“ ist ein grund­sätz­lich reli­gi­ons­feind­li­ches, vor allem katho­li­ken­feind­li­ches Blatt. Wer es liest oder gar abon­niert, begibt sich in die Gefahr, gegen sei­nen Glau­ben auf­ge­bracht zu wer­den. Das Mei­den bzw. das Auf­ge­ben einer sol­chen Gele­gen­heit ist unbe­dingte Vor­aus­set­zung für eine auf­rich­tige Bekeh­rung und für die sakra­men­tale Los­spre­chung im Bußsa­kra­ment. Der Beich­tende, aber auch der Beicht­va­ter, hat ein untrüg­li­ches Mit­tel, um fest­zu­stel­len, ob wahre Reue vor­liegt. Sie ist näm­lich nur dann gege­ben, wenn der feste Wille besteht, die frei­wil­lige Gele­gen­heit zu mei­den. Nicht immer reicht das Ver­spre­chen, diese Gele­gen­heit auf­ge­ben zu wol­len, aus. Wenn einer fort­wäh­rend das Ver­spre­chen gege­ben und gebro­chen hat, dann kann es sein, das man die Los­spre­chung auf­schie­ben muss, bis man als Beicht­va­ter die Gewiss­heit gewon­nen hat: Dies­mal ist sein Vor­satz ernst. Ist die nächste Gele­gen­heit unfrei­wil­lig oder ihr Auf­ge­ben unmög­lich, dann muss man alle mög­li­chen Mit­tel anwen­den, um die Gefahr zu sün­di­gen, fern­zu­hal­ten oder unwirk­sam zu machen. Man muss also die nächste Gele­gen­heit in eine ent­fernte ver­wan­deln. Wodurch? Durch treues, anhal­ten­des Gebet, durch häu­fi­gen, wür­di­gen Emp­fang des Buß- und des Altarsa­kra­men­tes, durch Sich­ver­traut­ma­chen mit Got­tes Wil­len anhand der Lehre der Kir­che. Wer sich von Amtes wegen oder aus Not­wen­dig­keit in die böse Gele­gen­heit bege­ben muss, der darf auf Got­tes Schutz hof­fen. Wer Gott nicht durch Ver­mes­sen­heit ver­sucht, kann auf den Bei­stand der Gnade rech­nen. Die ent­fern­ten Gefah­ren zur Sünde zu mei­den, ist unmög­lich. Wir müs­sen Umgang mit ande­ren Men­schen haben; wir kön­nen uns nicht iso­lie­ren; wir brau­chen die Men­schen und die Men­schen brau­chen uns. Wir müs­sen mit ungläu­bi­gen, sit­ten­lo­sen Men­schen umge­hen, ob sie im glei­chen Hause oder in der Nach­bar­schaft woh­nen, ob wir mit ihnen dienst­lich oder geschäft­lich zu tun haben. Diese Not­wen­dig­keit war schon in der Urkir­che bekannt. Pau­lus schreibt an die Gemeinde in Korinth: „Habt kei­nen Umgang mit Unzüch­ti­gen; ich meine damit nicht all­ge­mein die Unzüch­ti­gen die­ser Welt oder die Hab­süch­ti­gen oder die Göt­zen­die­ner oder die Räu­ber. Denn diese sind so zahl­reich, dass man sie gar nicht mei­den kann, sonst müss­tet ihr aus der Welt hin­aus­ge­hen. Nun aber schreibe ich euch, ihr sollt kei­nen Umgang haben mit einem, der sich Bru­der nennt und dabei ein Unzüch­ti­ger, ein Hab­süch­ti­ger oder ein Göt­zen­die­ner ist; mit einem sol­chen sollt ihr nicht ein­mal zusam­men essen.“ Nach dem Kriege gab es in Bay­ern einen Kul­tus­mi­nis­ter mit Namen Alois Hund­ham­mer. Er war wegen sei­ner katho­li­schen Über­zeu­gung hef­tig ange­fein­det. Er hatte aber eine der­ar­tige Lauter­keit der Gesin­nung, dass auch seine Geg­ner dar­über nicht hin­weg­se­hen konn­ten. Ein Rund­funk­kom­men­ta­tor urteilte über ihn: „Wenn man Hund­ham­mer mit einem Sack voll Geld und einer Jung­frau auf Welt­reise schi­cken würde, er würde bei­des unver­sehrt zurück­brin­gen.“ Für Hund­ham­mer waren Besitz und Frauen keine Gele­gen­heit zur Sünde. Die Offen­ba­rung Got­tes und die Lehre der Kir­che emp­feh­len die hei­lige Got­tes­furcht. Das ist eine Schutz­wehr, meine Freunde, gegen die Sünde und gegen die Gele­gen­hei­ten zur Sünde. Der Apos­tel Pau­lus mahnt uns, vor­sich­tig zu wan­deln. Und der Apos­tel Petrus ruft auf: „Wan­delt in Furcht in der Zeit eurer Pil­ger­schaft! Wisst ihr doch, dass ihr nicht mit Sil­ber oder Gold erkauft seid, son­dern mit dem kost­ba­ren Blute Jesu, des feh­ler­lo­sen Lam­mes.“ Wer die Gefahr liebt, kommt darin um. Des­we­gen ergeht an uns, meine lie­ben Freunde, die Mah­nung: Meide die Gele­gen­heit zur Sünde, soweit es unter Anwen­dung von Ver­nunft und Glaube mög­lich ist. „Wer ver­meint zu ste­hen, der achte dar­auf, dass er nicht falle.“