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Zeug­nis für den Geist Got­tes

Zeug­nis für den Geist Got­tes

Die Erhö­hung des Herrn in Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt zielt auf die Sen­dung des Hei­li­gen Geis­tes. An Pfings­ten wird erfüllt, was am Oster­tage begann. Der in den Him­mel auf­ge­nom­mene Jesus sen­det den Hei­li­gen Geist. Die Geist­sen­dung ist die Frucht der Erhö­hung, und die Him­mel­fahrt ist die Vor­aus­set­zung der Geist­sen­dung. In Chris­tus ist ja das Haupt des Alls ver­klärt wor­den. Chris­tus ist nicht irgend einer, son­dern er ist der Anfang und das Ende, er ist der Mit­tel­punkt, er ist der Schöp­fer und Erlö­ser. Er ist das Haupt des Alls. An dem Haupte des Alls ist nun die Ver­klä­rung gesche­hen. In Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt ist seine mensch­li­che Natur vom Hei­li­gen Geist durch­wal­tet und durch­herrscht wor­den. Was am Haupte geschieht, das muß auch an sei­nem Leibe, das muß auch am All gesche­hen. Es kann erst gesche­hen, wenn es am Haupte voll­zo­gen ist, aber dann soll auch sein Gesche­hen nicht mehr län­ger auf­ge­scho­ben wer­den.

Da ver­ste­hen wir, was es heißt, wenn der Herr im Johan­nes­evan­ge­lium sagt: „Wenn ich nicht hin­gehe, kann der Hei­lige Geist nicht zu euch kom­men.“ Warum kann er das nicht? Er kann es nicht, weil Chris­tus erst durch sein Hin­ge­hen, d.h. durch sei­nen Tod, seine Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt, den Zustand der Ver­klä­rung gewon­nen hat. Und erst der ver­klärte Chris­tus, nicht der auf Erden wan­delnde Jesus von Naza­reth, ist in der Lage, den Geist zu sen­den, weil er aus sei­nem ver­klär­ten Leibe, aus sei­ner ver­klär­ten Natur her­vor­geht. Die Ver­klä­rung Christi ist die uner­läß­li­che Vor­aus­set­zung für die Sen­dung des Hei­li­gen Geis­tes. Wenn aber das Haupt ver­klärt ist, dann darf das All nicht mehr in einem nicht­v­er­klär­ten Zustand ver­har­ren, dann muß es sei­ner Seins­weise ange­gli­chen wer­den. Und das eben, diese Umge­stal­tung, diese Neu­schöp­fung des Alls bewirkt der Hei­lige Geist. Die ver­klärte Natur Christi ist die Quelle, aus wel­cher der Hei­lige Geist zu den Men­schen über­strömt. Die ver­klärte Natur Christi ist der Aus­gangs­punkt für die Ströme und Bäch­lein des Hei­li­gen Geis­tes, die in die Mensch­heit, in das Volk Got­tes, in den Leib Christi über­strö­men. Des­we­gen ist die Ver­klä­rung der Natur Christi die uner­läß­li­che Vor­aus­set­zung für die Sen­dung des Hei­li­gen Geis­tes.

Der Herr hat die­ses Ereig­nis mehr­fach ange­kün­digt. Er hat von dem Para­kleen gespro­chen, von dem Trös­ter, den er sen­den wird. Er hat von dem Wie­der­kom­men gere­det, und was er ange­kün­digt hat, das hat er erfüllt. Fünf­zig Tage nach Ostern ist der Geist unter unge­wöhn­li­chen Erschei­nun­gen, die auch äußer­lich wahr­nehm­bar waren, auf die Jün­ger her­ab­ge­kom­men. Es sind Erschei­nun­gen, die auf die Mäch­tig­keit, auf die Kraft des Geis­tes hin­deu­ten: Sturm und Feuer. Die äußer­lich sicht­ba­ren Phä­no­mene bezeu­gen: Der Geist ist nicht ein sanf­tes Säu­seln, son­dern ein Sturm­wind. Der Geist ist eine Kraft und nicht eine Ein­bil­dung. Der Geist ist eine Macht und nicht eine Illu­sion. Der Geist wirkt in denen, die von ihm erfüllt wer­den. Er wirkt drei Dinge.

Ers­tens wirkt er das Zeug­nis. Noch vor weni­gen Wochen hat­ten sich die Jün­ger furcht­sam ver­bor­gen, hat­ten die Fens­ter geschlos­sen und die Türen ver­rie­gelt, damit nie­mand sie kon­trol­lie­ren, auf­su­chen, zur Rechen­schaft zie­hen konnte. Aber jetzt auf ein­mal tre­ten sie hin­aus aus ihren Häu­sern. Da bekennt Petrus vor der Menge, daß die­ser Jesus von Naza­reth, den sie vor weni­gen Wochen ans Kreuz gehängt haben, leben­dig gewor­den ist. Aus ihrer Furcht wurde Kraft und Mut, aus ihrer Ver­zagt­heit Freude im Geiste, aus ihrer Ehr­sucht Mün­dig­keit und Ver­ant­wor­tung. Und wie an Petrus, so ist es auch an den ande­ren gesche­hen. Jetzt erfüllt sich, was der Herr sagte, daß sie bis an die Gren­zen der Erde gehen wer­den, um Zeug­nis abzu­le­gen. Die Kraft die­ses Zeug­nis­ses ist der Hei­lige Geist. In der Beein­flus­sung, in der Durch­trän­kung mit dem Hei­li­gen Geiste wer­den sie fähig, ihre Scheu, ihre Ängst­lich­keit, ihre Bedürf­tig­keit zu über­win­den und über­zeu­gend und licht­voll von Chris­tus Zeug­nis abzu­le­gen. In ihnen ver­herr­licht der Geist Chris­tus. Denn der da in ihnen Zeug­nis ablegt, ist der Geist.

Es waren nicht bloße Worte, die aus dem Munde der Apos­tel flos­sen. Es waren geis­ter­füllte Worte. An Wor­ten fehlt es ja nie, meine lie­ben Freunde, an Wor­ten fehlt es auch in unse­rer Kir­che nicht. Aber es müs­sen die rech­ten Worte sein. Es müs­sen die Worte sein, die die magna­lia dei ver­kün­den, die Groß­ta­ten Got­tes. In der Kir­che muß man zuerst und zuletzt immer von Gott spre­chen, denn die Kir­che ist dazu da, um Gott Zeug­nis zu geben, um Chris­tus Zeug­nis zu geben, um sei­ner Auf­er­ste­hung Zeug­nis zu geben, um von Gott her zu den­ken und zu reden. Das ist die Auf­gabe der Kir­che. Das heißt Zeug­nis geben von der Erfül­lung, von der Kraft des Hei­li­gen Geis­tes.

Die­ses Zeug­nis führt zwei­tens zur Ent­schei­dung. Denn an die­sem Zeug­nis schei­den sich die Geis­ter. Den einen wird es zum Heil, den ande­ren zum Unheil. Wer die­ses Zeug­nis auf­nimmt in einem guten Her­zen, in dem bringt es Frucht. Wer aber das Zeug­nis abweist, dem wird es zur Ver­dam­mung. „Wer glaubt und sich tau­fen läßt, wird geret­tet wer­den. Wer nicht glaubt, wird ver­dammt wer­den.“ Ein drit­tes gibt es nicht. Es gibt nur ent­we­der Ret­tung oder Ver­lo­r­en­sein. Der Geist wird in denen, die ihn auf­neh­men, zum Quell, der ins ewige Leben spru­delt. Die­je­ni­gen, die das Wort der Ver­kün­di­gung, die das Zeug­nis der Apos­tel anneh­men, wer­den vom Hei­li­gen Geiste erfüllt. Das ist nicht bloß eine Rede­weise für eine Begeis­te­rung, die aus irgend­wel­chen Quel­len ent­springt; nein, diese Erfül­lung mit dem Geiste, diese Begeis­te­rung, ist wört­lich zu neh­men. Es ist eine Erfül­lung mit der Per­son des Hei­li­gen Geis­tes. Es ist nicht nur ein Mit­tei­len von Gaben des Geis­tes, so wert­voll diese sind, es ist auch nicht nur ein Emp­fan­gen der Früchte des Geis­tes, so hoch diese zu stel­len sind. Nein, Chris­tus erklärt: „Wir wer­den kom­men und bei ihm Woh­nung neh­men.“ Das ist wört­lich zu neh­men. Der Christ, der Getaufte, der in der hei­lig­ma­chen­den Gnade Befind­li­che ist ein Geist­trä­ger. In ihm ist der Hei­lige Geist wahr­haft und wirk­lich zuge­gen, er wohnt in ihm gleich­sam wie in einem Tem­pel.

Chris­tus ist ganz und gar vom Geist erfüllt. Er hat den Geist unge­teilt. Aber wir haben Anteil an die­sem Geiste. Wir sind keine natür­li­chen Söhne Got­tes, keine natür­li­chen Töch­ter Got­tes, wohl aber Adop­tiv­söhne Got­tes, Adop­tiv­töch­ter Got­tes. Und der­je­nige, der uns adop­tiert hat, das ist Chris­tus in sei­nem Hei­li­gen Geist. Die Hei­li­gung ist das Werk des Geis­tes.

Und die dritte Wir­kung, die er her­vor­bringt, ist die Gemein­schaft. Der Geist wurde ja am Pfingst­tage der jun­gen Kir­che ver­lie­hen, die damals nur aus weni­gen Glie­dern bestand. Der gan­zen Kir­che wurde er ver­lie­hen, und das ist ein Zei­chen, daß der Geist Gemein­schaft wirkt. Er ist die kir­chen­bil­dende Kraft. Er ist die Kraft, wel­che die Kir­che zusam­men­hält. Er ist die Kraft, wel­che die Kir­che eint. Ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller. Da begreift man, meine lie­ben Freunde, daß nicht in der Gemein­schaft der Kir­che ver­blei­ben kann, wer die­sen Glau­ben nicht mehr teilt. Der Glaube ist ein Kon­sti­tu­tiv der kirch­li­chen Gemein­schaft. Wer aus die­sem Glau­ben her­aus­fällt, der fällt aus der kirch­li­chen Gemein­schaft her­aus. Es ist immer eine Wir­kung des Hei­li­gen Geis­tes, wenn einer im Glau­ben der Kir­che ruht und aus die­sem Glau­ben lebt, wenn er für die­sen Glau­ben zeugt und die­sen Glau­ben ver­kün­det. Die Ein­heit des Glau­bens ist eine beson­dere Eigen­schaft die­ser Wir­kung des Hei­li­gen Geis­tes, die Ein­heit im Glau­ben. Im Glau­ben kann es, meine lie­ben Freunde, kei­nen Plu­ra­lis­mus geben. Der Plu­ra­lis­mus ist auf Dinge beschränkt, in denen ver­schie­dene Mei­nun­gen mög­lich sind. Aber im Glau­ben gibt es keine Mei­nun­gen, son­dern eine ver­bind­li­che Lehre. Und wer aus die­ser ver­bind­li­chen Lehre her­aus­fällt, der fällt aus dem Glau­ben her­aus.

Die Gemein­schaft im Glau­ben ist ein hohes Gut. Sie zu wah­ren ist uns allen auf­ge­tra­gen. Wir wol­len diese Gemein­schaft nicht preis­ge­ben, indem wir Irr­lich­tern nach­lau­fen. Diese Gemein­schaft ist vor allem gewährt in der Über­ein­stim­mung mit der unge­bro­che­nen, ver­bind­li­chen Lehre unse­rer hei­li­gen Kir­che. Die Kir­che hat sich immer auf das Tra­di­ti­ons­prin­zip gestützt. Was immer und von allen geglaubt wor­den ist, das ist fest­zu­hal­ten, und immer in dem­sel­ben Sinne. Es ist nicht mög­lich, daß eine Glau­bens­lehre heute in einem Sinne, der von dem Sinne, den man ges­tern damit ver­bun­den hat, völ­lig ver­schie­den ist, geglaubt würde. Man kann das Ver­ständ­nis der Wahr­heit ver­tie­fen, man kann tie­fer in es ein­drin­gen, aber man kann es nicht preis­ge­ben. Des­we­gen gilt es, in der Ver­bin­dung mit die­sem ver­bind­li­chen Glau­ben der Kir­che zu ver­har­ren. Und wenn wir das fer­tig­brin­gen, dann zeigt sich in uns die Wir­kung des Hei­li­gen Geis­tes.

Natür­lich kann man regel­mä­ßig nicht mit letz­ter Ein­deu­tig­keit fest­stel­len, wer im Hei­li­gen Geiste lebt, wer sich, wie Pau­lus sagt, „vom Geiste trei­ben läßt“. Aber immer­hin, es gibt Kri­te­rien, es gibt Unter­schei­dungs­merk­male. Und eines die­ser Unter­schei­dungs­merk­male besteht eben darin, daß man in Über­ein­stim­mung mit dem Glau­ben der Kir­che, wie er vor allem vom Hei­li­gen Vater vor­ge­tra­gen wird, ver­bleibt.

Der Apos­tel Pau­lus führt im Ephe­ser­brief Früchte des Hei­li­gen Geis­tes an, also Hal­tun­gen, Tugen­den, wel­che aus dem Hei­li­gen Geist her­vor­ge­hen. Die Früchte des Geis­tes sind Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Treue, Sanft­mut, Mäßig­keit, Ent­halt­sam­keit, Keusch­heit. Diese Früchte des Hei­li­gen Geis­tes las­sen sich auch in der Erfah­rung fest­stel­len. Des­we­gen kann man mit einer hin­rei­chen­den Gewiß­heit, frei­lich nicht mit einer unfehl­ba­ren Sicher­heit fest­stel­len, wer vom Hei­li­gen Geist erfüllt ist oder wer nicht. Wo das Gegen­teil von dem allem, wo also Streit und Zank und Haß und Feind­schaft und Unmä­ßig­keit ist, da ist nicht der Hei­lige Geist. Selbst­ver­ständ­lich mischen sich im Men­schen Wir­kung des Geis­tes und Ein­fluß des Gegen­geis­tes. Wenn der Weih­bi­schof Gut­ting von Speyer erklärt, der Zöli­bat solle fal­len, dann ist sicher nicht der Geist mit ihm gewe­sen. Und wenn er ver­kün­det, man könne auch Frauen zu Pries­tern wei­hen, dann ist der Geist auch nicht mit ihm gewe­sen. Wir wol­len des­we­gen nicht anneh­men, daß er ganz vom Geiste ver­las­sen ist. Aber diese Äuße­run­gen las­sen sich sicher nicht mit dem Geist der Wahr­heit, der der Kir­che ver­hei­ßen ist, in Über­ein­stim­mung brin­gen.

Wir wol­len uns, meine lie­ben Freunde, um die Früchte des Geis­tes bemü­hen, wol­len in die­sen Pfingst­ta­gen und in der gan­zen Pfingst­wo­che um die Gaben des Hei­li­gen Geis­tes fle­hen, wol­len auf den Geist ver­trauen, wol­len aller­dings auch dar­auf gefaßt sein, daß der Geist die­je­ni­gen, die ihm ver­trauen, nicht vor Lei­den, Mar­ty­rien und Unter­gang bewahrt. Denn das ist nun ein­mal die Eigen­art des Geis­tes, daß er den Sei­nen kein leich­tes, kein beque­mes Leben ver­heißt. „Der Geist selbst“, sagt Pau­lus im Römer­brief, „gibt Zeug­nis, daß wir Kin­der Got­tes sind. Wenn aber Kin­der, so auch Erben, Erben Got­tes und Mit­er­ben Christi, wenn wir näm­lich mit ihm lei­den, um mit ihm auch ver­herr­licht zu wer­den.“ Es führt also auch für die Geist­be­gab­ten kein ande­rer Weg zur Ver­klä­rung als der Weg über die Lei­den. „Wenn wir näm­lich mit ihm lei­den, um mit ihm auch ver­herr­licht zu wer­den.“ Und für diese Lei­den, so schmerz­lich sie sein kön­nen, gilt: „Ich halte dafür, daß die Lei­den die­ser Zeit nicht zu ver­glei­chen sind mit der künf­ti­gen Herr­lich­keit, die an uns sich offen­ba­ren wird.“ Die Lei­den die­ser Zeit hal­ten kei­nen Ver­gleich aus mit der Ver­klä­rung, die denen ver­hei­ßen ist, wel­che sich vom Geiste trei­ben las­sen. Denn die sich vom Geiste trei­ben las­sen, das sind Kin­der Got­tes. Und wenn sie Kin­der sind, dann sind sie Erben, Erben Got­tes und Mit­er­ben Christi.

Amen.