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Papst Franziskus in der Sorge um das Heil der Seelen von P. Bernhard Gerstle

Auf Bitten des kubanischen Kardinals Ortega gelangte die Rede von Kardinal Bergoglio beim sogenannten “Vorkonklave” an die Öffentlichkeit. Sie wurde in der “Tagespost” am 30. März abgedruckt. Diese Rede hatte die Kardinäle sehr beeindruckt und war offenbar mit ausschlaggebend gewesen für die Wahl zum neuen Papst. Papst Franziskus hat dabei in seiner etwa fünfminütigen Rede - länger sollte niemand sprechen - vier Hauptpunkte skizziert. Besonders wichtig finde ich den zweiten und dritten Hauptpunkt.

In Punkt 2 sagt er: “Wenn die Kirche nicht aus sich herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, wird sie selbstbezüglich und dann wird sie krank.

Die Wurzeln der Übel, die zu allen Zeiten kirchliche Einrichtungen heimgesucht haben, liegen in ihrer Selbstbezüglichkeit, in einer Art theologischen Narzissmus. In der Offenbarung des Johannes sagt Jesus, er stehe vor der Tür und klopfe an. Offensichtlich meint der Text, dass er von außerhalb an die Tür klopft, um hinein zu gehen....Aber ich denke daran, dass Jesus häufig von innen her anklopft, damit wir ihn herauslassen. Die selbstbezügliche Kirche sucht Jesus in ihrem Innern festzuhalten. Sie lässt ihn nicht heraus kommen. Es darf aber nicht in uns eingeschlossen werden, sondern es muss anderen weiter gegeben werden. Nur so wird das Leben Gottes in uns fruchtbar.

Was der neue Papst meint, wird in Punkt 3 noch klarer, wenn er sagt: “Ohne es zu merken, glaubt eine selbstbezügliche Kirche daran, dass sie ein eigenes Licht hat. Sie ist nicht mehr das mysterium lunae und lässt das schwerwiegende Übel der geistlichen Verweltlichung zu - laut dem berühmten Theologen De Lubac das schlimmste Übel, das der Kirche zustoßen kann - dieses Leben, um sich gegenseitig die Ehre zu erweisen. Um es zu vereinfachen: Es gibt nur zwei Kirchenbilder: die Kirche, die das Evangelium verkündet und aus sich herausgeht, die “Dei Verbum religiose audiens et fidenter proclamans” (die Gottes Wort in religiöser Ergebenheit hört und treu verkündet) oder die verweltlichte Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt. In diesem Licht sollten mögliche Veränderungen und Reformen gesehen werden, die für die Rettung der Seelen notwendig sind.”

Auch wenn noch ein gewisser Spielraum bleibt, wie die Worte des Heiligen Vaters im Einzelnen zu interpretieren sind, so sind doch die Konturen dessen erkennbar, was Papst Franziskus damit vor seiner Papstwahl meinte. Die deutliche Kritik hinsichtlich einer innerkirchlichen Selbstgenügsamkeit laufen auf die entscheidende Zielrichtung zu, um die es seiner Überzeugung nach geht: um die Rettung der Seelen. Diese Zuspitzung darf uns alle mit guter Hoffnung auf das neue Pontifikat erfüllen, auch wenn der neue Stil des Papstes noch gewöhnungsbedürftig ist und besonders im traditionellen Lager für gewisse Unsicherheiten sorgt. Aber sind wir nicht vielleicht manchmal auch in Gefahr, bei aller berechtigten Sorgfalt in der Bewahrung äußerer liturgischen Formen und Riten das Entscheidende aus den Augen zu verlieren, nämlich die Sorge umdas Heil der Seelen?

Was würden die korrekteste Zelebration des Heiligen Messopfers, die genaueste Beobachtung rubrizistischer Regeln, die prunkvollsten Meßkelche und Gewänder nützen, wenn wir es versäumten, mit demselben Eifer den Glauben zu verkünden und den verlorenen Schafen nachzugehen, für die sich der Herr am Kreuz geopfert hat? Das eine ist gut und berechtigt, aber es darf nicht zum Selbstzweck, zur Selbstgenügsamkeit werden.

Wobei Papst Franziskus seine Worte vermutlich nicht in eine bestimmte Richtung gesprochen hat, denn mit derselben Berechtigung müssen sich auch Vertreter der eher modernen Richtung fragen, inwiefern sie sich durch die Mahnung des neuen Pontifex angesprochen fühlen. Gerade in Deutschland und den deutschsprachigen Ländern hat sich eine Mentalität der Selbstgenügsamkeit in der Kirche breit gemacht, die mit Händen zu greifen ist. Wo ist der Eifer für das Heil der Seelen, den Papst Franziskus so beschwört? Wo sind die Priester, die in ihrer Liebe zu den Seelen keine Mühe und Opfer scheuen, den armen Sündern nachzugehen und sie zur Umkehr zu mahnen? Welche Prioritäten werden bei den immer noch üppig fließenden Kirchensteuermitteln hierzulande gesetzt? Und in welche oft fragwürdigen Projekte die vorhandenen Mittel und Kräfte investiert?

Auch Papst Benedikt XVI. hat immer wieder von der “heiligen Unruhe” gesprochen, die den Priester angesichts der religiösen Not erfüllen soll, so etwa bei seiner Predigt zur Eröffnung des Konklaves am 18. April 2005: „Wir sollten von einer heiligen Unruhe beseelt sein: der Unruhe, allen das Geschenk des Glaubens, der Freundschaft mit Christus zu bringen. In Wahrheit ist uns die Liebe, die Freundschaft Gottes deswegen geschenkt worden, damit wir sie auch an die anderen weiter reichen. Wir haben den Glauben empfangen, um ihn anderen zu schenken - wir sind Priester, um anderen zu dienen. Und wir müssen eine Frucht bringen, die bleibt. Alle Menschen wollen eine bleibende Spur hinterlassen. Doch was bleibt? Geld bleibt nicht. Auch Gebäude bleiben nicht; Bücher ebenfalls nicht. Nach einer gewissen Zeit, die kürzer oder länger sein kann, vergehen alle diese Dinge. Das Einzige, was in Ewigkeit bleibt, ist die menschliche Seele, der von Gott für die Ewigkeit geschaffene Mensch.“

Liebe Leser, dürfen wir hier nicht eine schöne Verbindung von Papst Benedikt und Papst Franziskus sehen? Beide sind vom gleichen Grundgedanken erfüllt, beide von großer Sorge um das Heil der Seelen! Papst Benedikt XVI. betrachtete als wichtiges Mittel, um dieser Sorge Rechnung zu tragen, u.a. die würdige Feier der hl. Liturgie. Er förderte zum einen die überlieferte lateinische Liturgie, besonders durch das 2007 veröffentlichte Motu Proprium “Summorum Pontificum”, zum anderen durch die Art und Weise, wie er selbst die Heilige Messe feierte. Ich denke nicht nur an die Wiedereinführung der Kommunionbank und der fast ausschließlichen Spendung der hl. Kommunion in Form der Mundkommunion bei den Papstmessen, an die Zelebration “versus Deum” entweder am Hochaltar oder am Volksaltar mit Blickrichtung auf das Kreuz, an die häufige Verwendung des römischen Kanons, sondern auch an seinetheologischen und spirituellen Reflexionen, welche die Grundlage für die praktischen Reformen bilden.

Dies alles liegt ganz auf der Linie der sogenannten “Reform der Reform”, von der er wiederholt sprach und schrieb und mit der er die entstandene Kluft zwischen der überlieferten und erneuerten Liturgie von 1962 und 1969 wieder kleiner machen und schließen wollte. Papst Franziskus bestätigt das Bemühen vonPapst Benedikt, in dem er den Schwerpunkt auf eine offensive Verkündigung des Evangeliums und der Glaubenswahrheiten, sowie auf einen entsprechenden Eifer in der Seelsorge legt. Niemals kann sich nachihm die Kirche damit abfinden, dass so viele Menschen, seien sie getaufte Katholiken oder nicht, gleichsam ohne die Kirche, ohne die hl. Sakramente und ohne das Wort Gottes leben.

Er scheucht uns alle auf, egal welcher Gemeinschaft wir angehören, ob Priester einer Diözese oder eines Ordens, ob Priester in Europa oder Afrika, Asien und Lateinamerika, aus einer möglicherweise schleichend eingetretenenBequemlichkeit herauszutreten, die er “Selbstgenügsamkeit” nennt, um uns in der Sorge um das Heil der Menschen zu verzehren. Er hat dies als Provinzial der Jesuiten und als Bischof von Buenes Airesvorbildlich vorgelebt, wie alle bezeugen, die ihn näher kennen.

Wir dürfen seine Sorge um die Armen nicht verengen auf die materiell Armen und Hungernden, sondern wir dürfen sicher sein, dass er hier genauso die geistig und religiös Verarmten und Hungernden im Blick hat. Hier liegt er ganz auf der Linievon Mutter Teresa, die einmal nach der wichtigsten Aufgabe ihres Ordens befragt, zur Antwort gab: “Gott zu den Seelen zu bringen und die Seelen zu Gott!” Müssen wir nicht dankbar sein, dass Papst Franziskus vor allem die Bischöfe und uns Priester aufrüttelt, unseren Blick auf die Ärmsten der Armen im allumfassenden Sinn zu lenken und uns mahnt, alles dafür einzusetzen, sie dem guten Hirten gleich aus ihrer Armut und Verlorenheit zu retten?

Der Heilige Vater sollte jedenfalls unsere volle Unterstützung haben, wenn er in diesem Sinne von notwendigen Reformen und Veränderungen spricht.

 


Die Gemeinde von P. Bernhard Gerstle

Kirche St. Michael
Michaelstraße 1, Recklinghausen-Hochlarmark (Michaelstraße)
Jeden Sonntag feierliches Hochamt um 10.45 Uhr.

Kirche St. Joseph
Grullbadstraße 94, Recklinghausen-Grullbad:
Jeden Donnerstag um 17 Uhr Eucharistische Anbetung mit Rosenkranz, 18 Uhr Choralamt

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