StartseiteDie Heilsbedeutung Mariens

Auch wenn der Mensch diese Erde in seinem Größenwahn fast vernichtet: Gott überlässt seine geliebte Menschheit nicht der Auslöschung.

Die Heilsbedeutung Mariens

Gott hat Maria zu einem ein­zig­ar­ti­gen Dienst beru­fen. Sie sollte dem Erlö­ser den Weg in die Welt bah­nen. Maria wurde zu die­sem Zweck aus­ge­son­dert aus der gan­zen Mensch­heit; eine Auf­gabe wie sie hat kein zwei­ter Mensch zu erfül­len gehabt. Die Kir­che ist gewiß die Kir­che der Pro­phe­ten und der Apos­tel, aber in gewis­ser Hin­sicht über­ragt Mari­ens Dienst den der Pro­phe­ten und der Apos­tel, denn sie war es, in die Gott das Geheim­nis sei­ner Erlö­sung, den Logos, gelegt hat, auf daß er, Mensch gewor­den, die Mensch­heit und die ganze Welt von den Sün­den erlöse.

Die ein­zig­ar­tige Beru­fung Mari­ens bedingt auch ihre ein­zig­ar­tige Gestalt. Weil sie eine sol­che Auf­gabe hatte, des­we­gen wurde sie auch in beson­de­rer Weise für diese Auf­gabe aus­ge­rüs­tet. Sie ist von ihrer Auf­gabe völ­lig bean­sprucht. Die Mut­ter­schaft ist ja immer eine unge­heure Bean­spru­chung für eine Frau. Die Tat­sa­che, daß sie Mut­ter wird, prägt sie für das ganze Leben. Aber in Maria ist die Mut­ter­schaft noch gestei­gert dadurch, daß ihr Kind der Sohn Got­tes war.

  • Maria im Monat Mai
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  • Maria Anfang und Ende
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  • Maria Zeichen der Hoffnung
    Maria Zeichen der Hoffnung

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Die Frei­heit Mari­ens von der Erb­sünde

Die Aus­er­wäh­lung und Wei­hung Mari­ens durch Gott drückt sich in weni­gen Tat­sa­chen deut­li­cher aus als in ihrer Frei­heit von der Erb­sünde und von der unge­ord­ne­ten Begier­lich­keit. Es ist ein Glau­bens­satz unse­rer Kir­che: „Maria ist im ers­ten Augen­blick ihres Daseins durch eine beson­dere Gnade des all­mäch­ti­gen Got­tes im Hin­blick auf die Ver­dienste Christi, des Erlö­sers, von jeder Makel der Erb­sünde frei geblie­ben.“ Die­ser Glau­bens­satz wurde von Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854 ver­kün­det. Seit­dem fei­ern wir am 8. Dezember das Fest der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis. Der Text der päpst­li­chen Defi­ni­tion vom 8. Dezember 1854 lau­tet fol­gen­der­ma­ßen: „Zur Ehre der hei­li­gen, unge­teil­ten Drei­fal­tig­keit, zur Zierde und Ver­herr­li­chung der jung­fräu­li­chen Got­tes­ge­bä­re­rin, zur Erhö­hung des katho­li­schen Glau­bens und zum Wachs­tum der christ­li­chen Reli­gion erklä­ren, ver­kün­den und bestim­men Wir in Voll­macht unse­res Herrn Jesus Chris­tus, der seli­gen Apos­tel Petrus und Pau­lus und in Unse­rer eige­nen: Die Lehre, daß die seligste Jung­frau Maria im ers­ten Augen­blick ihrer Emp­fäng­nis durch ein­zig­ar­ti­ges Gna­den­ge­schenk und Vor­recht des all­mäch­ti­gen Got­tes im Hin­blick auf die Ver­dienste Christi Jesu, des Erlö­sers des Men­schen­ge­schlech­tes, von jedem Fehl der Erb­sünde rein bewahrt blieb, ist von Gott geof­fen­bart und des­halb von allen Gläu­bi­gen fest und stand­haft zu glau­ben.“

Wenn man diese Glau­bens­wahr­heit ver­ste­hen will, muß man sich erst ein­mal klar­ma­chen, was die Erb­sünde ist und wel­ches die Fol­gen der Erb­sünde sind. Maria, so heißt es, ist um ihrer ein­zig­ar­ti­gen Stel­lung wil­len in ein­zig­ar­ti­ger Weise erlöst wor­den. Sie blieb von der Erb­sünde und von den Fol­gen der Erb­sünde bewahrt. Die Erb­sünde ist also ebenso zu erklä­ren wie die Fol­gen der Erb­sünde. Nach dem ursprüng­li­chen Plan Got­tes soll­ten die Men­schen vom ers­ten Augen­blick ihres irdi­schen Daseins an mit dem gött­li­chen Leben, mit der Gnade beschenkt sein. Die Ver­mitt­lung des irdi­schen Lebens sollte zusam­men­fal­len mit der Beschen­kung des himm­li­schen Lebens. Aber die­ser ursprüng­li­che Plan Got­tes wurde durch den Unglau­ben und den Unge­hor­sam der ers­ten Men­schen zer­stört. Seit die­ser Tat der Ursünde tre­ten alle Men­schen nicht im Zustand der Begna­dung, son­dern im Zustand der Gna­den­be­raubt­heit in das Leben. Ihnen fehlt, wenn sie in diese Welt ein­tre­ten, das gött­li­che Leben. Sie tre­ten im Zustand der Erb­sünde ins Dasein. Die­ser Zustand heißt Sünde, weil er dem gött­li­chen Wil­len wider­spricht.

Es ist dies keine per­sön­li­che Sünde, son­dern es ist ein sünd­haf­ter Zustand, der durch Erb­schaft (näm­lich von Adam her) den Men­schen ver­mit­telt wird. Der Zustand der Gna­den­be­raubt­heit ist ein Wider­spruch zum gött­li­chen Heils­wil­len und kann und muß des­we­gen als Sünde bezeich­net wer­den.

Der Mensch wird von die­sem unse­li­gen Zustand befreit durch die Taufe und den Glau­ben. Es kann sich in uns manch­mal ein gewis­ser Wider­stand gegen den Glau­bens­satz von der Erb­sünde regen. Wir fra­gen: Was kann der ein­zelne dafür, daß Adam gesün­digt hat und daß er des­we­gen jetzt im Zustand der Gna­den­be­raubt­heit ins Leben tritt? Aber wir müs­sen diese Wahr­heit anneh­men, weil sie von Gott geof­fen­bart ist, und wir dür­fen zu unse­rem Troste hin­zu­fü­gen: Gott hat von vorn­her­ein auch vor­aus­ge­se­hen und vor­aus­be­stimmt, daß der Zustand der Gna­den­be­raubt­heit besei­tigt und auf­ge­ho­ben wer­den kann. Er hat also auch gleich­zei­tig mit dem Gesetz der Erb­sünde die Mög­lich­keit der Befrei­ung geschaf­fen, eben durch Glau­ben und Taufe.

Die Fol­gen der Erb­sünde sind Ver­dun­ke­lung des Ver­stan­des, Schwä­chung des Wil­lens, vor allem aber die unge­ord­nete Begier­lich­keit. Die unge­ord­nete Begier­lich­keit ist die im Men­schen vor­han­dene Nei­gung, immer­fort in Selbst­herr­lich­keit sich gegen Got­tes Wil­len zu behaup­ten und durch­zu­set­zen, also der Anreiz zur Sünde, den wir alle nur zu gut ken­nen. Das ist das Wesen der unge­ord­ne­ten Begier­lich­keit. Fort­wäh­rend muß der Mensch kämp­fen, um das Gute durch­zu­set­zen. Er sieht das Gute, und er tut das Böse; er möchte das Gute wol­len, und er will das Böse. Die Gegen­sätz­lich­keit gegen Gott, die in der Erb­sünde liegt, setzt sich fort in der Gegen­sätz­lich­keit im Men­schen. Die rechte Ord­nung zu Gott ist gestört, aber auch die rechte Ord­nung im Men­schen. Da gibt es den Wider­streit zwi­schen Ver­nunft und Wil­len, den Wider­streit zwi­schen Geist und Fleisch, den Wider­streit zwi­schen Höhe­rem und Nie­de­rem, der uns allen aus Erfah­rung nur allzu gut bekannt ist.

Maria blieb von der Erb­sünde und von den Fol­gen der Erb­sünde ver­schont. Im ers­ten Auf­glim­men ihres Lebens war sie in der Gnade Got­tes. Sie brauchte nicht von der Erb­sünde befreit zu wer­den, weil sie von der Erb­sünde bewahrt blieb. Sie hat nie­mals die unge­ord­nete Begier­lich­keit in sich gespürt, also den Wider­wil­len gegen Got­tes Gebote. Nie­mals ist aus den Tie­fen ihres Selbst die Ver­su­chung zur Sünde auf­ge­stie­gen; nie­mals hat sie in eine per­sön­li­che Sünde ein­ge­wil­ligt.

Da kann man die Frage erhe­ben: Besteht denn dann noch eine wirk­li­che Bezie­hung zu uns, die wir Sün­der sind und Sün­der waren, die wir mit der Sünde zu rin­gen haben? Schon der hei­lige Ambro­sius fragte ein­mal: Wie kannst du denn Maria uns als Vor­bild hin­stel­len, die wir ja gar nicht nach­ah­men kön­nen? Nun, meine lie­ben Freunde, auch Maria blie­ben Kämpfe nicht erspart. Auch Maria mußte sich fort­wäh­rend dem Wil­len Got­tes ent­spre­chend empor­rin­gen zu immer höhe­rer Bereit­schaft und Liebe. Maria hatte dunkle Stun­den und Leid­vol­les aus­zu­ste­hen. Ihre von Anfang an vor­han­dene Bereit­schaft, Got­tes Wil­len zu erfül­len, stei­gerte sich. Ihr Leben war ein stän­di­ger Anstieg zu Gott, bis es auf dem Hügel Gol­go­tha ange­kom­men war, um das Kreuz ihres Soh­nes zu ertra­gen. Maria war auch eine heim­ge­suchte Frau, und inso­fern steht sie uns nahe.

Die Lehre von der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis wird offen­sicht­lich von vie­len Men­schen miß­ver­stan­den. Sie mei­nen, sie sage etwas aus über den Zustand der Eltern und über den Vor­gang der Emp­fäng­nis, in dem Maria ins Leben trat. Das ist ein tota­les Miß­ver­ständ­nis. Der Glau­bens­satz von der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis beschäf­tigt sich mit den Eltern Mari­ens und mit dem Zeug­nungs­vor­gang über­haupt nicht. Weder haben die Eltern Mari­ens etwas Beson­de­res vor­aus­ge­habt vor ande­ren Eltern, noch ist der Zeu­gungs­vor­gang, bei dem Maria ent­stand, vor ande­ren Zeu­gungs­vor­gän­gen beson­ders geadelt gewe­sen, son­dern der Glau­bens­satz hat es allein zu tun mit der Gna­den­aus­stat­tung Mari­ens, mit Frei­heit von der Erb­sünde. Und diese Frei­heit wurde ihr geschenkt allein aus Gnade. Auch Maria gehört zu dem Geschlecht Adams; auch Maria ist ein Glied der uner­lös­ten Mensch­heit gewe­sen; auch Maria mußte erlöst wer­den. Sie konnte sich nicht selbst erlö­sen. Den Traum der Selbst­er­lö­sung hat sie nie geträumt. Sie mußte von Gott erlöst wer­den, aber sie wurde auf eine ein­zig­ar­tige Weise erlöst. Sie wurde dadurch erlöst, daß sie von der Erb­sünde bewahrt blieb. Wir haben immer die Emp­fin­dung, erlöst könne man erst wer­den, wenn man vor­her in der Sünde gelebt hat. Das haben jahr­hun­dert­lang auch die Theo­lo­gen gemeint, und des­we­gen war es so schwer, zu der Erkennt­nis von der Erb­sün­den­frei­heit Mari­ens vor­zu­drin­gen. Die Theo­lo­gen, vor allem aus dem Domi­ni­ka­ner­or­den, wand­ten gegen die Lehre von der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis, die vor allem von den Fran­zis­kan­ders vor­ge­tra­gen wurde, immer wie­der ein: Wie soll das mög­lich sein, daß jemand erlöst wird, der nicht vor­her in der Uner­löst­heit gelebt hat? Da haben zwei Fran­zis­ka­ner-Theo­lo­gen die Wahr­heit gefun­den, näm­lich Wil­helm von Ware, ein Eng­län­der, und Johan­nes Duns Sco­tus, ein Schotte. Diese bei­den Theo­lo­gen um die Wende zum 14. Jahr­hun­dert haben den Begriff der Vor­er­lö­sung geprägt. Man wird nor­ma­ler­weise erlöst, nach­dem man sich die Sünde zuge­zo­gen hat. Aber es gibt eine beson­ders voll­kom­mene, eine ganz radi­kale Form der Erlö­sung, und die besteht darin, daß man die Sünde, die man sich an sich zuzie­hen müßte, nicht zuzieht. Maria ist die Vol­l­er­löste, sie ist die Erster­löste, sie ist die Radi­kal­er­löste, weil sie am Anfang des Erlö­sungs­wer­kes Jesu Christi steht. Um ihrer ein­zig­ar­ti­gen Stel­lung wil­len wurde sie in ein­zig­ar­ti­ger Weise erlöst.

Diese Erklä­rung, die den bei­den genia­len Theo­lo­gen Wil­helm von Ware und Johan­nes Duns Sco­tus zu ver­dan­ken ist, hat dann ihren Weg durch die Geschichte gemacht und sich zu immer grö­ße­rer Klar­heit ent­fal­tet. Im 15. Jahr­hun­dert hat z.B. Papst Six­tus IV. ver­bo­ten, daß man etwas gegen die Unbe­fleckte Emp­fäng­nis schreibt. Er hat die Messe von der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis und das Stun­den­ge­bet von die­sem Geheim­nis ein­ge­führt. Das Kon­zil von Tri­ent hat schon andeu­tungs­weise von die­ser Wahr­heit gespro­chen, wenn es sagt: „Es ist nicht die Absicht die­ser Kir­chen­ver­samm­lung, in die­ser Lehr­be­stim­mung, wo von der Erb­sünde die Rede ist, die selige, unbe­fleckte Jung­frau Maria und Got­tes­ge­bä­re­rin ein­zu­schlie­ßen, son­dern die Kon­sti­tu­tio­nen von Six­tus IV. blei­ben zu beob­ach­ten unter den Stra­fen, die darin ent­hal­ten sind.“ Und ebenso hat das Kon­zil nicht nur die Erb­sün­den­frei­heit Mari­ens ange­deu­tet, son­dern auch ihre Frei­heit von per­sön­li­cher Sünde. „Wer behaup­tet, der ein­mal gerecht­fer­tigte Mensch könne wäh­rend des gan­zen Lebens alle, auch die läß­li­chen Sün­den mei­den ohne beson­de­res von Gott ver­lie­he­nes Vor­recht, wie es die Kir­che von der seligs­ten Jung­frau lehrt, der sei aus­ge­schlos­sen.“

So hat sich also, gelei­tet vom Hei­li­gen Geist, diese Wahr­heit in der Kir­che all­mäh­lich durch­ge­setzt, bis der Schluß­punkt erreicht war am 8. Dezember 1854. Die Lehre wurde schon vor­her geglaubt, nur hatte man nicht die Gewiß­heit, daß es eine von Gott geof­fen­barte Wahr­heit ist. Das ist oft in der Kir­che so, daß wir Leh­ren fest­hal­ten, die noch nicht die letzte Gewiß­heit von der Kir­che erhal­ten haben, näm­lich im Offen­ba­rungs­schatz der Kir­che ent­hal­ten zu sein.

Die Wahr­heit von der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis hat auch Stüt­zen in der Hei­li­gen Schrift. Die erste Stütze ist das soge­nannte Proto-Evan­ge­lium, das erste Evan­ge­lium, näm­lich die Stelle Gene­sis 3.?15. Dort spricht Gott zu der Schlange: „Feind­schaft will ich set­zen zwi­schen dir und der Frau, zwi­schen dei­ner Nach­kom­men­schaft und ihrer Nach­kom­men­schaft. Sie wird dir den Kopf zer­tre­ten, du aber wirst sie an der Ferse ver­let­zen.“ Auf wen geht diese Text­stelle? Nun, nach der über­ein­stim­men­den Mei­nung der Kir­chen­vä­ter ist unter den Nach­kom­men der Frau, also Evas, Chris­tus zu ver­ste­hen. Er ist der Nach­komme, der der Schlange, d.h. dem Satan, den Kopf zer­tritt, der den Satan über­win­det und besiegt. Aber mit dem Schlan­gen­tre­ter, mit Chris­tus, in inni­ger Ver­bin­dung steht natür­lich seine Mut­ter. Sie ist heils­ge­schicht­lich auf das engste mit ihm ver­ei­nigt. Und wegen die­ser inni­gen Ver­bin­dung kann man von ihr nicht aus­sa­gen, daß sie jemals der Schlange unter­le­gen sei, daß sie jemals in einem sünd­haf­ten Zustand (Erb­sünde) gelebt habe oder in eine per­sön­li­che Sünde gefal­len sei. Also das Proto-Evan­ge­lium aus der Gene­sis gibt auch eine Andeu­tung, daß Maria von der Erb­sünde bewahrt wor­den ist.

Die zweite Stelle ist im ers­ten Kapi­tel des Lukas-Evan­ge­li­ums ent­hal­ten, wo es heißt: „Sei gegrüßt, du Gna­den­volle, der Herr ist mit dir!“ Das Wort „du Gna­den­volle“ ist wohl zunächst von der Aus­er­wäh­lung Mari­ens zu ver­ste­hen. Sie ist die Gna­den­volle, weil sie die Mut­ter des Erlö­sers sein sollte. Ihre Erwäh­lung zur Mut­ter des Logos ist darin aus­ge­drückt. Aber da folgt gleich der zweite Satz: „Der Herr ist mit dir.“ Der Engel macht also Maria eine Mit­tei­lung von Gott, daß sie in der Gemein­schaft mit Gott steht, daß Gott in einer beson­de­ren Gemein­schaft mit ihr steht. Eine beson­dere Gemein­schaft mit Gott ist nicht denk­bar, wenn man in der Sünde lebt. Des­we­gen ist anzu­neh­men, daß die­ses Wort des Engels gleich­zei­tig eine Aus­sage ist über ihre beson­dere, alle ande­ren Men­schen über­tref­fende Begna­dung. So kön­nen wir also ruhig wei­ter im Ave Maria beten: „Du bist voll der Gna­den.“ Maria ist nicht nur aus­er­wählt, son­dern sie ist auch von der hei­lig­ma­chen­den Gnade beschenkt wie keine andere unter den Evas­töch­tern.

Die Fröm­mig­keit hat sich des Glau­bens­sat­zes von der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis viel­fäl­tig ange­nom­men. Wir beten in der Lau­re­ta­ni­schen Lita­nei von Maria: „Du unbe­fleckte Mut­ter, du unver­sehrte Mut­ter.“ Unbe­fleckt bedeu­tet, mit kei­ner per­sön­li­chen Sünde behaf­tet, unver­sehrt besagt, auch nicht mit der Erb­schuld bela­den. Außer­dem kommt noch ein­mal eine aus­drück­li­che Aus­sage: „Köni­gin, ohne Erb­sünde emp­fan­gen.“ Sie wurde in die Lau­re­ta­ni­sche Lita­nei ein­ge­führt, als das Dogma im vori­gen Jahr­hun­dert ver­kün­det wurde. Aber ich sagte schon, viel frü­her hat die Unbe­fleckte Emp­fäng­nis bereits im Fröm­mig­keits­le­ben der Kir­che eine große Rolle gespielt. Der hei­lige Fou­rier, ein fran­zö­si­scher Pries­ter in Loth­rin­gen, hat am Ende des 16. Jahr­hun­derts sei­nen Pfar­ran­ge­hö­ri­gen gebo­ten, jeder solle an die Haus­tür oder an die Stall­tür schrei­ben: „Maria ist ohne Erb­sünde emp­fan­gen.“ Die­ser Ver­eh­rung der unbe­fleckt Emp­fan­ge­nen wird es zuge­schrie­ben, daß diese Pfar­rei von den Ver­hee­run­gen des Krie­ges, der Plün­de­rung, von Mord und Ver­ge­wal­ti­gung ver­schont blieb. Die selige Ber­na­dette Sou­bi­rous hat in Lour­des Maria als die Unbe­fleckte Emp­fäng­nis, als unbe­fleckt Emp­fan­gene geschaut, und wir alle wis­sen, daß die selige Jung­frau als die unbe­fleckt Emp­fan­gene jene ist, von der wir immer wie­der beken­nen: „Ganz schön bist du, Maria, der Erb­schuld Makel ist nicht an dir.“

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May www.Glaubenswahrheit.org“

 


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