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Hoffnung ist Vertrauen auf das, was Gott uns in der Schöpfung, den Propheten, besonders aber in Jesus Christus versprochen hat, auch wenn wir es noch nicht sehen.

Die Heilsbedeutung Mariens

Gott hat Maria zu einem ein­zig­ar­ti­gen Dienst beru­fen. Sie sollte dem Erlö­ser den Weg in die Welt bah­nen. Maria wurde zu die­sem Zweck aus­ge­son­dert aus der gan­zen Mensch­heit; eine Auf­gabe wie sie hat kein zwei­ter Mensch zu erfül­len gehabt. Die Kir­che ist gewiß die Kir­che der Pro­phe­ten und der Apos­tel, aber in gewis­ser Hin­sicht über­ragt Mari­ens Dienst den der Pro­phe­ten und der Apos­tel, denn sie war es, in die Gott das Geheim­nis sei­ner Erlö­sung, den Logos, gelegt hat, auf daß er, Mensch gewor­den, die Mensch­heit und die ganze Welt von den Sün­den erlöse.

Die ein­zig­ar­tige Beru­fung Mari­ens bedingt auch ihre ein­zig­ar­tige Gestalt. Weil sie eine sol­che Auf­gabe hatte, des­we­gen wurde sie auch in beson­de­rer Weise für diese Auf­gabe aus­ge­rüs­tet. Sie ist von ihrer Auf­gabe völ­lig bean­sprucht. Die Mut­ter­schaft ist ja immer eine unge­heure Bean­spru­chung für eine Frau. Die Tat­sa­che, daß sie Mut­ter wird, prägt sie für das ganze Leben. Aber in Maria ist die Mut­ter­schaft noch gestei­gert dadurch, daß ihr Kind der Sohn Got­tes war.

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Die Bedeu­tung Mari­ens in Kir­che und Gegen­wart

Seit gerau­mer Zeit fin­den Gesprä­che von aus­ge­wähl­ten katho­li­schen und pro­tes­tan­ti­schen Theo­lo­gen statt über Gegen­stände der christ­li­chen Lehre. Man bil­det Kom­mis­sio­nen, die über ein­zelne Fra­gen des Glau­bens Gesprä­che füh­ren und manch­mal behaup­ten, zu einer Über­ein­stim­mung gekom­men zu sein. Nun wäre es merk­wür­dig, wenn zwi­schen katho­li­scher Kir­che und pro­tes­tan­ti­schen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten gar keine Zusam­men­hänge bestün­den. Schließ­lich ist ja der Pro­tes­tan­tis­mus von der katho­li­schen Kir­che aus­ge­gan­gen und hat man­ches aus die­sem Ursprung mit­ge­nom­men. Wir dür­fen uns freuen, daß es auch im Pro­tes­tan­tis­mus christ­li­che Werte gibt. Wie weit die Über­ein­stim­mung aller­dings reicht, das bleibt bei jedem ein­zel­nen Gegen­stand fest­zu­stel­len. In der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit ist die Behaup­tung auf­ge­stellt wor­den, in der Recht­fer­ti­gungs­lehre, also in der Frage, wie man von einem Sün­der zu einem Hei­li­gen wird, gebe es keine Gegen­sätze. Diese Behaup­tung ist ebenso ener­gisch zurück­ge­wie­sen wor­den, wie sie auf­ge­stellt wurde. Die evan­ge­li­sche Theo­lo­gi­sche Fakul­tät von Göt­tin­gen etwa, eine sehr ange­se­hene theo­lo­gi­sche Instanz, hat die Mei­nung, in der Recht­fer­ti­gungs­lehre bestünde kein Unter­schied mehr, als falsch zurück­ge­wie­sen. Wie immer man zu die­sem Gegen­stand ste­hen mag, auf­fäl­lig ist, daß bei all den Gesprä­chen ein Punkt oder bes­ser eine Gestalt nie­mals behan­delt wird, näm­lich die Per­son der Got­tes­mut­ter. Maria wird bei die­sen Gesprä­chen völ­lig aus­ge­klam­mert. Man wird fra­gen: Ist diese Gestalt denn so unbe­deu­tend, daß man sie aus­klam­mern kann? Braucht man von Maria nicht zu reden, um Über­ein­stim­mung oder man­gelnde Über­ein­stim­mung im Glau­ben fest­zu­stel­len?

Wir wol­len, meine lie­ben Freunde, heute und, so Gott will, an vie­len Sonn­ta­gen uns die kirch­li­che Lehre über Maria ins Gedächt­nis rufen, und zwar nicht des­we­gen, weil nun ein­mal in der katho­li­schen Kir­che die Mari­en­ver­eh­rung behei­ma­tet ist, son­dern weil, wie wir sehen wer­den, das Chris­ten­tum ohne die Gestalt Mari­ens kei­nen Bestand hat. Wir wol­len heute in drei Punk­ten die Bedeu­tung Mari­ens im all­ge­mei­nen umrei­ßen, und zwar wol­len wir spre­chen

1. von Maria und Chris­tus,
2. von Maria und der Kir­che und
3. von Maria und der Gegen­wart.

Der erste Punkt, dem wir unsere Auf­merk­sam­keit zuwen­den, ist Maria und Chris­tus. Es ist jedem Chris­ten, der im Glau­ben bewan­dert ist, klar, daß zwi­schen Maria und Chris­tus eine innige Ver­bin­dung besteht, wie zwi­schen Mut­ter und Kind. Aber diese rein bio­lo­gi­sche Bezie­hung erschöpft nicht das Ver­hält­nis Christi und Mari­ens. Maria ist viel­mehr eine heils­ge­schicht­li­che Per­sön­lich­keit. Sie ist nicht nur die Mut­ter eines naza­re­tha­ni­schen Kna­ben, son­dern sie ist die Mut­ter des Erlö­sers. Von daher, von der Men­schwer­dung her muß Maria ver­stan­den wer­den. Ihr gan­zes Leben ist in die Farbe Christi getaucht, weil sie den mensch­ge­wor­de­nen Got­tes­sohn gebo­ren hat. Gott, der bis dahin in der Unzu­gäng­lich­keit sei­nes Lich­tes gelebt hat, hat in Maria den Über­schritt aus sei­ner Vor­be­hal­ten­heit in diese Welt getan. Er wollte nicht nur bloß als Wal­ten­der, Wir­ken­der und Erhal­ten­der in die­ser Welt tätig sein, son­dern als ein heils­haft Han­deln­der gegen­wär­tig wer­den. Zu die­sem Zweck wurde Maria aus­ge­wählt; sie war die Pforte des Wor­tes. Und von daher ist Maria nur zu ver­ste­hen. Jede Aus­sage über Maria geschieht im Lichte Christi. Und umge­kehrt: Die Ernst­haf­tig­keit jeder Lehre über Chris­tus hat ihre Probe in der Lehre über Maria. Die Chris­to­lo­gie bewährt sich in der Mario­lo­gie, im guten wie im bösen Sinne. Maria trägt die Züge Christi, weil sie seine Mut­ter ist, weil sie die Stelle ist, an der Gott den Über­schritt von sei­ner Vor­be­hal­ten­heit in diese Welt unter­nom­men hat.

Die Lehre über Maria ist aber nicht nur eine Nuance an der Lehre über Chris­tus, son­dern sie bringt auch wirk­lich etwas Neues. Maria geht nicht so in Chris­tus auf, daß, wenn man über Chris­tus spricht, gewis­ser­ma­ßen alles gesagt wäre. Nein, es gibt ein über­flie­ßen­des Reser­voir von Aus­sa­gen, die Maria zukom­men. Die Mario­lo­gie fügt der Chris­to­lo­gie genauso etwas zu wie die Ekkle­sio­lo­gie – also die Lehre von der Kir­che –, wie die Gna­den­lehre oder wie die Escha­to­lo­gie, die Lehre von den Letz­ten Din­gen. Es wäre ein Pan­chris­tis­mus, der von Pius XII. ver­wor­fen ist, wenn man Maria in Chris­tus auf­ge­hen ließe. Sie ist ihm zuge­ord­net, jawohl, und Maria ist ihm natür­lich auch unter­ge­ord­net, wie eben ein Geschöpf sei­nem Schöp­fer unter­ge­ord­net ist. Aber das besagt nicht, daß nicht über Maria etwas zu sagen wäre, was über die Chris­to­lo­gie hin­aus­geht. Gleich­zei­tig kann man an Maria able­sen, wie jemand über Chris­tus denkt. Wer die mario­lo­gi­schen Dog­men ver­wirft, der denkt auch nicht rich­tig über Chris­tus. In die­sem Sinne gilt das alte Wort, daß Maria die Sie­ge­rin über alle Häre­sien ist.

Der zweite Punkt ist Maria und die Kir­che. Die Kir­che ist ja der Leib Christi, die Kir­che ist das Volk Got­tes. Chris­tus wirkt in der Kir­che, er ist ihr Haupt, er beseelt die Kir­che, er hat sie geschaf­fen. Chris­tus steht also in Bezie­hung zur Kir­che, wie er in Bezie­hung zu Maria steht. Und wegen die­ser dop­pel­ten Bezie­hung, weil Chris­tus die Bezugs­mitte für Maria und für die Kir­che ist, muß auch zwi­schen Kir­che und Maria eine Ver­wandt­schaft, eine Bezie­hung beste­hen. Und tat­säch­lich ist Maria das Spie­gel­bild der Kir­che. Wer Maria ansieht, der erblickt die Kir­che, und wer die Kir­che anschaut, der fin­det Maria. Maria und Kir­che gehö­ren innig zusam­men; sie ist der Typus, das Abbild, die Reprä­sen­tan­tin der Kir­che. Maria und Kir­che gehö­ren untrenn­bar zusam­men.

Die Bezie­hung zwi­schen Maria und der Kir­che setzt sich fort, inso­fern auch der ein­zelne Kir­chen­an­ge­hö­rige, das ein­zelne Kir­chen­glied zu Maria in einer Bezie­hung steht. Denn Maria ist nicht bloß der Typus der Kir­che, sie ist auch der Typus des ein­zel­nen Chris­ten. An Maria kann man sehen, was mit dem Men­schen geschieht, der sich auf Gott ein­läßt. Aus Maria kann man erken­nen, wel­ches die Aus­wir­kun­gen der Gnade in einem Men­schen sind, der sich ihr völ­lig und gänz­lich geöff­net hat. Also: Maria ist nicht nur Reprä­sen­tan­tin der von Chris­tus gegrün­de­ten Kir­che, Maria ist auch Reprä­sen­tan­tin des von Chris­tus erlös­ten Men­schen. Wer Maria von der Kir­che trennt, der hat keine rich­tige Lehre von Maria. Und wer die Kir­che von Maria trennt, der hat keine rich­tige Lehre von der Kir­che.

Der dritte Punkt ist die Bedeu­tung Mari­ens in der Gegen­wart. Ich sagte schon am Anfang, daß aus den Gesprä­chen zwi­schen Katho­li­ken und Pro­tes­tan­ten die Gestalt Mari­ens völ­lig drau­ßen bleibt. Das ist ein ganz schwer­wie­gen­des Ver­sa­gen, ja das ist eine ganz große Gefahr, weil sich näm­lich in Maria alle theo­lo­gi­schen Linien ver­ei­ni­gen, die chris­to­lo­gi­sche, die ekkle­sio­lo­gi­sche, die escha­to­lo­gi­sche. In Maria stel­len sich auch die theo­lo­gi­schen Metho­den in einer Klar­heit und Schärfe dar wie in kei­nem ande­ren Gegen­stand der Dog­ma­tik. Das Ver­hält­nis von Schrift und Tra­di­tion, die Bezie­hung von gött­li­cher Begna­di­gung und mensch­li­cher Frei­heit, die Macht der Gnade auf den freien Wil­len, alle diese Gegen­stände sind in äußers­ter Schärfe und tref­fen­der Weise der Gestalt Mari­ens zu ent­neh­men und an Maria zu erken­nen.

Wenn des­we­gen jemand sagt: Wir wol­len die Lehre über Maria aus­klam­mern, weil sie zwi­schen Katho­li­ken und Pro­tes­tan­ten kon­tro­vers ist, der gerät in die Gefahr, auch bei den ande­ren Gegen­stän­den in die Irre zu lau­fen. Ohne eine rich­tige Mario­lo­gie gibt es keine rich­tige Chris­to­lo­gie, und ohne eine rich­tige Mario­lo­gie gibt es keine rich­tige Ekkle­sio­lo­gie, und ohne rich­tige Lehre über Maria gibt es auch keine rich­tige Gna­den­lehre. Es ist ein Irr­tum, zu mei­nen, man könne zu einer Über­ein­stim­mung in der Wahr­heit kom­men, wenn man einen der­ar­ti­gen Wahr­heits­ga­ran­ten, wie es Maria ist, bei­seite läßt. Damit wird eine Ein­heit erreicht, aber auf den Trüm­mern der Wahr­heit! Nein, meine lie­ben Freunde, das ist der fal­sche Ire­nis­mus, den Pius XII. gegei­ßelt hat. Es gebe Men­schen, so sagt er in sei­ner Enzy­klika „Humani gene­ris“, die mein­ten, man könne gewisse Wahr­hei­ten über­ge­hen oder zurück­stel­len und auf diese Weise zu einer Ein­heit kom­men, zu einer Ein­heit, die aber nicht auf der Wahr­heit grün­det. Eine sol­che Ein­heit ist nichts wert. In einer sol­chen Ein­heit kann auch die Liebe keine frucht­bare Kraft ent­fal­ten.

Das Reden über Maria, die Ver­eh­rung Mari­ens ist heute so zeit­ge­mäß wie ges­tern. Viel­leicht ist sie heute noch viel mehr not­wen­dig als ges­tern, denn der Mensch ist unsi­cher gewor­den. Er weiß nicht mehr um den Sinn des Daseins, er sieht sich über­all gefähr­det und bedroht. Da hat uns Gott einen Men­schen gege­ben, in dem wir den Sinn des Lebens gleich­sam gestalt­haft anbli­cken kön­nen; da wird nicht in begriff­li­chen For­mu­lie­run­gen über den Sinn des Lebens gelehrt, son­dern da wird uns eine Gestalt vor Augen geführt, an der wir sehen kön­nen, wozu der Mensch da ist, wofür ihn Gott bestimmt hat. An Maria kann man able­sen, was mit dem Men­schen geschieht, der sich auf Gott gänz­lich und völ­lig ein­läßt, und zwar in ihrer irdi­schen Gestalt und in ihrer Voll­endungs­ge­stalt. Das von man­chen als unzeit­ge­mäß Emp­fun­dene ist oft das am meis­ten Zeit­ge­mäße. So ist auch die Lehre von Maria, so ist auch die Ver­eh­rung Mari­ens so zeit­ge­mäß wie nur irgend etwas. An ihr ver­mö­gen wir den Sinn unse­res Lebens zu erken­nen. Bei ihr ver­ste­hen wir auch, was die Frau bedeu­tet. Wir hören und lesen heute unend­lich viel über die Frau, über ihre Gleich­be­rech­ti­gung, über ihre Rolle in der Gesell­schaft. Wer etwas Gül­ti­ges über die Frau aus­sa­gen will und dabei Maria außer acht läßt, der ver­kürzt die Wahr­heit über die Frau. Ohne die Frau aller Frauen, ohne die Jung­frau über allen Jung­frauen, ohne die Mut­ter über allen Müt­tern kann man nicht letz­lich Gül­ti­ges über die Frau aus­sa­gen.

So wol­len wir also, meine lie­ben Freunde, an den kom­men­den Sonn­ta­gen über das Mari­en­ge­heim­nis nach­sin­nen. Wir wol­len ent­fal­ten, wie sie die Braut des Hei­li­gen Geis­tes, wie sie die Mut­ter des Erlö­sers, wie sie die Toch­ter des Schöp­fers ist. Wir wol­len uns erfreuen an ihrer Gestalt und erhe­ben und erbauen. Wir wol­len unsere Liebe zu ihr erneu­ern, denn wir wis­sen: Wenn es einen Weg nach Hause gibt, dann führt er an der Hand Mari­ens.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May www.Glaubenswahrheit.org“

 


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