StartseiteDie Heilsbedeutung Mariens

Es gibt keine Schöpfung ohne Schöpfer! Wir sehen ja, welch zwiespältige und widersprüchliche Folgen es hat, wenn man den Schöpfergott wegläßt: Ja zum Bruder Baum, und nein zum ungeborenen Menschen?

Die Heilsbedeutung Mariens

Gott hat Maria zu einem ein­zig­ar­ti­gen Dienst beru­fen. Sie sollte dem Erlö­ser den Weg in die Welt bah­nen. Maria wurde zu die­sem Zweck aus­ge­son­dert aus der gan­zen Mensch­heit; eine Auf­gabe wie sie hat kein zwei­ter Mensch zu erfül­len gehabt. Die Kir­che ist gewiß die Kir­che der Pro­phe­ten und der Apos­tel, aber in gewis­ser Hin­sicht über­ragt Mari­ens Dienst den der Pro­phe­ten und der Apos­tel, denn sie war es, in die Gott das Geheim­nis sei­ner Erlö­sung, den Logos, gelegt hat, auf daß er, Mensch gewor­den, die Mensch­heit und die ganze Welt von den Sün­den erlöse.

Die ein­zig­ar­tige Beru­fung Mari­ens bedingt auch ihre ein­zig­ar­tige Gestalt. Weil sie eine sol­che Auf­gabe hatte, des­we­gen wurde sie auch in beson­de­rer Weise für diese Auf­gabe aus­ge­rüs­tet. Sie ist von ihrer Auf­gabe völ­lig bean­sprucht. Die Mut­ter­schaft ist ja immer eine unge­heure Bean­spru­chung für eine Frau. Die Tat­sa­che, daß sie Mut­ter wird, prägt sie für das ganze Leben. Aber in Maria ist die Mut­ter­schaft noch gestei­gert dadurch, daß ihr Kind der Sohn Got­tes war.

  • Maria im Monat Mai
    Maria im Monat Mai
  • Maria Anfang und Ende
    Maria Anfang und Ende
  • Maria Zeichen der Hoffnung
    Maria Zeichen der Hoffnung

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Das gehor­same Leben der Got­tes­mut­ter Maria

Maria ist in die Auf­gabe, die ihr gestellt war, rück­halt­los und vor­be­halt­los ein­ge­gan­gen. Bei ihr gab es keine Gezwei­ung und erst recht kei­nen Wider­spruch zwi­schen Amt und Leben, zwi­schen Auf­gabe und Gesin­nung. Sie hat ihr gan­zes Sein und Leben bedin­gungs­los und unein­ge­schränkt Gott über­ant­wor­tet. Diese Hal­tung Mari­ens war durch Glau­ben geprägt. Ihre Liebe, ihr Gehor­sam, ihre Treue las­sen sich zusam­men­fas­sen in dem Begriff ihres Glau­bens. Wenn Abra­ham der Vater aller Glau­ben­den ist, dann ist Maria die müt­ter­li­che Urge­stalt aller Gläu­bi­gen. Die­ser Glaube Mari­ens soll es sein, der uns heute beschäf­tigt.

Maria hat in der Zeit ihres irdi­schen Lebens bis zur Her­ab­kunft des Geis­tes nicht die volle Ein­sicht in die Pläne Got­tes und in das Vor­ha­ben ihres Soh­nes gewon­nen. Mehr­fach heißt es in der Hei­li­gen Schrift: „Sie ver­stand nicht, was er damit sagen wollte“, aber „sie bewahrte alle diese Worte in ihrem Her­zen“. Maria ist die Jün­ge­rin ihres Soh­nes durch ihren Glau­ben gewe­sen. Sie ist in die Glau­bens­si­tua­tio­nen, die Gott ihr zumu­tete, mit ihrem freien Lie­bes­wil­len ein­ge­gan­gen. Wir hören, daß sie das Wort des Engels auf­nahm, daß sie die Worte, wel­che die Hir­ten zu ihr spra­chen, behielt und erwog, daß sie die Worte des Simeon im Tem­pel in sich bewahrte. Die Glau­bens­si­tua­tion Mari­ens war in gewis­ser Hin­sicht schwe­rer als aller ande­ren, weil sie näm­lich ohne Vor­bild war. Sie mußte in der Unge­si­cher­theit aus­hal­ten, die der Erst­ma­lig­keit und der Ein­ma­lig­keit zu eigen ist. Sie mußte unter der Über­last einer Auf­gabe sich bewäh­ren, die Gott kei­nem Men­schen vor ihr und kei­nem nach ihr zumu­tete. Ihre Glau­bens­si­tua­tion war des­we­gen unver­gleich­lich schwe­rer als die aller ande­ren Men­schen. Sie konnte noch nicht zurück­bli­cken auf die Macht­ta­ten und Wun­der ihres Soh­nes; die Auf­er­ste­hung und die Him­mel­fahrt des Jesus lagen noch vor ihr. Des­we­gen war ihre Glau­bens­si­tua­tion von einer unglaub­li­chen Schärfe.

Das zeigte sich schon bei der Ver­kün­di­gung des Engels. Der Engel, der ihr die Bot­schaft brachte, wirkte kein Wun­der. Wie wurde sie denn gewiß, daß das nicht ein Trug­bild des Teu­fels war, son­dern eine Bot­schaft von Gott? Der Maß­stab, den sie anle­gen konnte, war allein ihr hei­li­ges, Gott hin­ge­ge­be­nes Wesen. Sie spürte eine Welle der Ver­wandt­schaft zwi­schen dem Engel und ihr hin­über­wo­gen, die sie gewiß machte, daß ein Bote Got­tes zu ihr gekom­men war. Und sie über­ant­wor­tete sich mit ihrem Worte „Siehe, ich bin die Magd des Herrn“ rück­halt­los und vor­be­halt­los dem Wil­len Got­tes.

Ihre Mut­ter­schaft war eine ein­zige Glau­bens­probe. Sie mußte ihren Sohn in einer gleich­gül­ti­gen Umge­bung gebä­ren, wo nicht ein­mal Platz in der Her­berge war. In äußers­ter Armut und Dürf­tig­keit bringt sie ihr Kind zur Welt. Statt ihn nun in die Gebor­gen­heit der Hei­mat tra­gen zu kön­nen, muß sie flie­hen. In einem frem­den Land, unter frem­den Men­schen, fern den hei­mat­li­chen Fes­ten muß sie ver­wei­len mit ihrem Sohne. Diese Flucht, die­ses Flücht­lings­da­sein scheint fast ein Sym­bol zu sein für ihren Glau­bens­weg, der eben durch Dun­kel­hei­ten hin­durch führte. Vor dem Haß des Hero­des muß sie ihren Sohn im frem­den Lande ber­gen. Da mag manch­mal die Frage in ihr auf­ge­stie­gen sein: Kann denn Gott sein eige­nes Kind nicht vor dem Haß der Feinde schüt­zen? Wo sind denn die Ver­hei­ßun­gen des Alten Bun­des von der Herr­lich­keit und vom Glanze des Mes­sias? Kein Strahl fiel in die­ser Stunde von der Ver­kün­di­gungs­szene und von dem Jubel beim Besu­che der Eli­sa­beth in ihre Seele.

Als sie ihr Kind im Tem­pel dar­brachte, hörte sie selt­same, merk­wür­dige Worte aus dem Munde des Simeon. Zunächst: „Nun läs­sest du, Herr, dei­nen Knecht nach dei­nem Wort in Frie­den schei­den, denn meine Augen haben dein Heil geschaut, das du vor allen Völ­kern berei­tet hast, ein Licht zur Erleuch­tung der Hei­den und eine Ver­herr­li­chung dei­nes Volkes Israel.“ Über diese Worte wun­der­ten sich Maria und Josef; sie waren offen­bar noch nicht voll ein­ge­weiht in das, was Simeon ihnen unter­brei­tete. Er wußte anschei­nend mehr über das Wesen und die Auf­gabe die­ses Kna­ben als seine Eltern. Dann aber führte Simeon seine Rede fort und sprach zu Maria, sei­ner Mut­ter: „Siehe, die­ser ist bestimmt zum Fall und zum Auf­ste­hen vie­ler in Israel und zu einem Zei­chen, dem man wider­spricht. Deine eigene Seele aber wird ein Schwert durch­drin­gen. So wer­den die Gedan­ken vie­ler Her­zen offen­bar wer­den.“ Was kün­digte Simeon hier an? Nicht den Glanz der Mes­si­as­herr­lich­keit, nicht die Auf­rich­tung von Herr­schaft und Macht, son­dern Wider­stand, Feind­se­lig­keit. Gegen die­sen Mes­sias, gegen die­sen Got­tes­sohn wird sich Wider­spruch erhe­ben, und er wird zu einem Zei­chen der Ent­schei­dung wer­den. Die einen wer­den sich an ihm auf­rich­ten, die ande­ren wer­den an ihm zugrun­de­ge­hen. Ein furcht­ba­res Schick­sal wird hier ihrem Sohne vor­her­ge­sagt, und sie selbst wird davon getrof­fen wer­den wie von einem Schwert. Wie ein Schwert einen Kör­per durch­dringt, so – bild­lich gespro­chen – wird der Schmerz ihre Seele durch­drin­gen. Ihre Erwäh­lung sichert sie also nicht vor Qua­len und Schmer­zen, son­dern, im Gegen­teil, ihre Erwäh­lung ist die Ursa­che dafür, was sie an Lei­den und Schmer­zen erfah­ren muß.

So geht es wei­ter in dem Erleb­nis mit dem zwölf­jäh­ri­gen Kna­ben im Tem­pel zu Jeru­sa­lem. Nichts bis­her in dem Leben des Jesus hat Maria so getrof­fen und so ver­letzt wie der wort­lose Abschied ihres Soh­nes. Man spürt, wie fas­sungs­los sie ist, wenn sie sagt: „Kind, warum hast du uns das getan? Dein Vater und ich, wir haben dich mit Schmer­zen gesucht.“ Über dem Leben die­ses Kin­des steht ein ande­rer Wille als ihr eige­ner. Es ist der Wille des himm­li­schen Vaters. Der Sohn gehorcht einem Gesetz, das nicht ihr eige­nes ist; die­ses Gesetz ist ihm vom Vater im Him­mel gege­ben. Es ist ihr nicht geof­fen­bart, denn sie ist erstaunt, ja fas­sungs­los über das, was mit ihrem Sohne geschieht und was er tun muß nach dem Wil­len des Vaters im Him­mel. Er besitzt ein Wis­sen, das ihr in die­sem Zustand und zu die­ser Zeit noch nicht eigen ist.

Ähn­lich ist es dann bei der Hoch­zeit zu Kana, wo sie das ferne, befremd­li­che Wort hört: „Frau“ – nicht Mut­ter – „Frau, was ist zwi­schen dir und mir? Meine Stunde ist noch nicht gekom­men.“ Das ist zwei­fel­los eine herbe Abwei­sung Mari­ens gewe­sen in die­ser Freu­den­stunde, und doch hat Maria dadurch ihren Glau­ben nicht ver­lo­ren. Sie ist nicht irre­ge­wor­den an ihrem Sohn, denn sie sagt ja sogleich zu den Die­nern: „Was er euch sagen wird, das tut!“ Sie ahnt, daß die Stunde kom­men wird, in der er seine Macht bewei­sen wird.

Noch ein­mal erfährt Maria eine bit­tere Stunde, als sie mit ihren Ver­wand­ten den Sohn sucht, der in einem Hause ist. Man mel­det ihm: „Deine Mut­ter und deine Brü­der ste­hen drau­ßen.“ Da weist er auf die um ihn Sit­zen­den und erklärt: „Wer ist meine Mut­ter, und wer sind meine Brü­der? Die den Wil­len Got­tes erfül­len, die sind mir Bru­der und Schwes­ter und Mut­ter.“ Wie­derum, so scheint es, eine herbe Abwei­sung der Mut­ter, die nur zu erklä­ren ist aus sei­ner Beru­fung zum Mitt­ler und Erlö­ser der Mensch­heit. Die leib­li­chen, die irdi­schen Bin­dun­gen müs­sen zurück­tre­ten gegen­über dem Auf­trag, den ihm der Vater im Him­mel gege­ben hat. Das Irdi­sche zählt nicht mehr, wenn das Himm­li­sche ins Spiel gebracht wird.

Diese Erleb­nisse Mari­ens mit ihrem Sohne mach­ten sie reif für die schwerste Stunde, die sie erle­ben mußte, näm­lich die Stunde des Todes ihres Soh­nes. Die ers­ten drei Evan­ge­lis­ten berich­ten nichts davon, daß Maria in der Lei­dens­wo­che in Jeru­sa­lem weilte. Aber das vierte Evan­ge­lium sagt uns, daß Maria mit Johan­nes unter dem Kreuze stand. Maria wird in der Nähe ihres Soh­nes gewe­sen sein, und ich meine, unser Kreuz­weg hat nicht unrecht, wenn er eine Sta­tion benennt: „Jesus begeg­net sei­ner Mut­ter.“ Sie wird ohne Zwei­fel, wenn sie auf dem Kreu­zal­tar, auf Gol­go­tha gestan­den ist, auch den Kreuz­weg ihres Soh­nes beglei­tet haben. Sie wird mit dem Zuge gegan­gen sein, der hin­auf­zog zum Gol­go­thahü­gel, und sie stand dann mit Johan­nes unter dem Kreuz und blickte hin­auf zu ihrem ster­ben­den Sohn. Da hörte sie noch ein­mal ein Wort aus sei­nem Munde, ein letz­tes Wort, mit dem er sich ver­ab­schie­dete. In die­ser Stunde wird sie begrif­fen haben, was Simeon sagen wollte, wenn er erklärte: „Ein Schwert wird deine Seele durch­drin­gen.“ Da mag sie auch die Erfül­lung der alt­test­am­tent­li­chen Weis­sa­gung begrif­fen haben, als sie hörte, wie ihr Sohn den 21. Psalm betete: „Gott, mein Gott, warum hast du mich ver­las­sen?“ Sie mußte ein Wort hören, das er mehr­fach zu ihr gesagt hatte, näm­lich „Frau“. Auch in die­ser Stunde sagt er nicht Mut­ter zu ihr, son­dern er nennt sie Frau, um gleich­sam noch ein­mal seine amt­li­che Eigen­schaft zu beto­nen, die sich über alle leib­li­che und irdi­sche Ver­bun­den­heit erhebt. Der­je­nige, der bis­her ihr Sohn war, steht jetzt als Erlö­ser und Mitt­ler der gan­zen Welt vor der Gerech­tig­keit Got­tes. An sei­ner Stelle muß sie Johan­nes als Sohn anneh­men. „Siehe da dei­nen Sohn!“ Der bis­her ihr Sohn war, geht ein in Got­tes gro­ßes Gericht, und sie bekommt dafür den Sohn des Zebe­däus als einen schwa­chen Ersatz.

Ihr Glaube hat unter die­sen Anfor­de­run­gen nicht gewankt. Das Maß der Liebe war bei Maria immer grö­ßer als das Maß der Ein­sicht. Auch unter dem Andrang des Unver­stan­de­nen, Unbe­grif­fe­nen ist ihr Glaube nicht zusam­men­ge­bro­chen. Sie hat sich an das gehal­ten, was Gott ihr gesagt hat. In einer bestimm­ten Stunde hat eine Frau sie selig geprie­sen wegen ihrer Mut­ter­schaft. Und der Herr hat diese Selig­prei­sung auf­ge­nom­men und bestä­tigt, indem er sagte: „Ja, selig, die das Wort Got­tes hören und es bewah­ren.“ Nie­mand hat das Wort Got­tes treuer bewahrt als Maria. Als sie unter dem Kreuze stand und auf­schaute zu ihrem ster­ben­den Sohne, da ist sie nicht nur die Mut­ter der Glau­ben­den, son­dern da ist sie auch die Köni­gin der Glau­ben­den gewor­den, da hat sich an ihr das Wort erfüllt: „Selig, die du geglaubt hast.“

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May www.Glaubenswahrheit.org“

 


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